Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wahrung, f.

wahrung, f.,
verbalabstract zu wahren 'in acht nehmen, hüten' (oben sp. 769), das aber nicht in allen bedeutungen dieses verbums zur entwicklung gelangt ist. auch die ableitung erscheint früher häufiger im nd. als im hd.: mnd. waringe Schiller-Lübben 5, 605, verwahrung, hut, nachricht, warnung (ndl. waring jetzt in der eingeschränkten bedeutung von 'laufplanke', s. wahring oben sp. 923); eine eigenthümliche bedeutungsentwicklung zeigt das fries. waringa Richthofen 1127: es bezeichnet das abendmahl (eigentlich bewahrung des kranken). im älteren nhd. findet sich das wort am häufigsten als 'warnung', besonders in rechtsquellen. von wörterbüchern führt es nur Stieler an: wahrung, cautio, cautela, observatio, provisio; selbst Adelung und Campe haben es nicht. die neuere sprache gebraucht es zuweilen (besonders poetisch) für bewahrung, verwahrung; häufig ist es erst vom beginn des 19. jahrh. an im anschlusz an wahren 8 'aufrecht halten, unverändert erhalten' geworden.
1)
acht, aufmerksamkeit, vorsicht:
sô ist daʒ wiʒʒenlich,
daʒ ich aller tegelich
muoʒ in warunge sîn
gegen den, die enhalp mîn
sitzent an dem gemerke.
Ottokar österr. reimchron. 47077 Seemüller;
so sült ier des grabes pflegen
und ewch mit fleyss dar zue nider legen
zu behüeten Jhesum der da leyt.
und das ier pey gueter warung seyt!
Tiroler passionsspiele 3, 141 Wackernell;
item 8 β d. von vier beruffen Clausen weibel, daʒ jederman bei im selben wer und bei siner warung wer. d. städtechr. 4, 86, anm. 1 (Augsburg); ein seyerwerk (uhrwerk) ys yümmer upsehent unde stedes waringe unde regeringe benödiget. Gryse leienbibel bei Schiller-Lübben a. a. o.
2)
hut, bewahrung, verwahrung: munimen, warung Diefenbach gl. 371ᶜ; mach aver jene, de 't (die fahrende habe) in waringe (so K, im text in geweren) hevet, sin varende gut dar an getügen. Sachsenspiegel I art. 15 § 1;
den Salomo, den stolzen, geschleppt von unsern händen,
in eure haft und wahrung will Erchinger ihn senden.
Schwab ged. 2, 179.
wahrung vor etwas: wer sinen saffran wil in einen keler legin durch warunge vor fuer, der sal in legin in dorre adir in trewge kasten. schlesisches landrecht 5. buch 9. cap., diplom. beyträge 5, 28; wahrung vor unglück, declinatio mali. Stieler 2411. wahrung steht auch für etwas, das man bewahren, einhalten soll, richtschnur: er (Jesus) borget sînen chinden als der man, der sîn eigen ougen gerne bewart vor allem unheile unde alleʒ sînes lîbes sorge hât; er setzet fur uns manige ebenmâʒe (gleichnisse), di listichlichen warunge; er geheiʒt miete und lôn sînen trûten. altd. predigten 57, 28 Jeitteles; dasz es seinem jungen freunde Erich wahrung und richtung sein werde. Auerbach landhaus 2, 318. nhd. auch für concreta, was zur verwahrung dient:
ziehe nur des buschgehäges
sicherste geheimste fächer
um die hütte, wo du sie
künftig dir verwahren willst;
durch die wahrung, noch so dicht,
findet sie vielleicht ein dieb.
Rückert ges. ged. 3, 113 (1837);
sicher aus der felsenwahrung
quillt die ew'ge liebesnahrung.
F. v. Schlegel² 10, 174.
vgl. wahring oben sp. 923.
3)
sorge für etwas: darumb mus man ymmer treyben und anhalten, wie eyn hausvatter das hausgesind treybt, das es nicht faul werde. ... denn weyl man solchs umb zeytlicher warung willen thun mus, viel mehr mus mans hie thun ynn geystlichen sachen. Luther 14, 25, 5 Weim. ausg.; dasz den volksschullehrern die edelsten güter der völker zur wahrung und bildung anvertraut sind. Auerbach 18, 142 (schatzk. 2); sie sind sich bewuszt, bei treuer wahrung ihres amtlichen berufs die studirende jugend stets vor politischen extremen gewarnt ... zu haben. Dahlmann zur verständigung (1838) 36.
4)
verwahrung in der rede. im nd.: und want disse bekantnisse unde warincge vur ons also geschein is ... soe heb wy unse ingesegele an dissen breff gehancgen. urkunde von 1441 bei Schiller-Lübben a. a. o.
5)
warnung. in dieser bedeutung findet sich das wort früher sowol im nd. als im obd., besonders (vgl. wahren 6) im bair.-österr.: soe hey warachtige waronge daervan lange genoech to voerens hadde. Schüren chron. 213 bei Schiller-Lübben a. a. o.; Ulenspiegel sagt: lieber her, ich warnet euch, ir solten nit zuͦ dief greifen, bedrügt euch nun euwer begierigkeit und thuͦn uber mein warung (in der ausg. von 1515 warnung 143 neudr.), das ist mein schult nit. Ulenspiegel 135 Lappenberg (abdruck der ausg. von 1519); über das man täglichen befindet, wie der allmechtig got ausz seiner milt und gütigen barmhertzigkait menigerlay scheinber warungen antzaigt und verhengt, damit er uns gern vom übel und sträflicher widerspennigkait zuͦ gehorsam und ewigem leben ziehen möcht. Tengler layenspiegel (1512) vorr. 2ᵃ; da der ungehorsamb auf angedeute gelegenhaiten sich der straf waigern wolte, ist hier über der obrigkait für ain ducaten zwen zu erlegen ime hier mit zur vätterlichen wahrung solches vorangedeutet. österr. weisth. 6, 26, 8 (Steiermark 16. jahrh.); zur wahrung und exempl. 6, 390, 18 (Steiermark 18. jahrh.); wo (einer) ain solches ainprechendes schwein oder anders vieh auf ain schaden ertapt, der soll es anfenklich zum hausz treiben und den hauszvatter die ungebühr clagen und wahren; alszdann da es ferners betretten und die wahrung nit helfen wil ... 6, 441, 37 (Steiermark 18. jahrh.); dasz unser ampleuth ... unsern underthonen ... mit allem ernst, warungsweisz vermelden, sich mit dem auffschlagen (bieten bei der versteigerung) dahin zurichten, ... dasz er wissen solle, dasz er den zehend ... unfehlbar erstatten, und bezahlen müsse. würtemb. zehend- und erndordnung (1650) 7.
6)
aufrechterhaltung, behauptung; in dieser bedeutung ist wahrung in der neueren prosaischen, besonders politischen, sprache sehr beliebt. wahrung von rechten: die überlieferte politik des hauses suchte den herrscherruhm in der wahrung des rechts. Treitschke d. gesch.³ 1, 46; zur wahrung dieser dem kinde aufbewahrten rechte wird ihm ein besonderer curator ernannt. Savigny system des röm. rechts 2, 16; dasz er sich ... für die ständischen rechte und ihre zukünftige wahrung verbürgte. Marcks Wilhelm I.³ 65; vom hofe aus erfolgten die weisungen an die einzelnen meier zur wahrung der grundherrlichen gerechtsame. Lamprecht d. gesch. 3, 60; dies sind die vorzüglichsten bestimmungen zur wahrung und ausübung der norwegschen selbständigkeit. Wienbarg quadriga (1840) 147; damit ist sicher der wahrung der königlichen macht und würde eine genüge geschehen und dem vorwurfe begegnet, als ob der könig nur zum blinden vollstrecker der storthingsbeschlüsse dienen solle. 201; der oberstaatsanwalt kann in allen fällen. in welchen ein gericht ... eine gesetzliche vorschrift verletzt oder falsch angewandt ... hat, die ... nichtigkeitsbeschwerde zur wahrung des gesetzes erheben. gesetzsammlung f. d. kgr. Hannover 1850, 451. wahrung des friedens, der freiheit, gleichheit, der sitte, disciplin: so wird meine regierung ... bemüht sein .., ihren einflusz zum schutze der christen in der Türkei und zur wahrung des europäischen friedens ... aufzuwenden. thronrede Wilhelms I. bei Flathe deutsche reden 2, 350; durch solche einrichtung aber, die nothwendig auf aller gesetzlichen freiheit beruht, ohne sie und ihre sorgfältigste wahrung zu einem ... militärischen despotismus führt. Welcker Deutschlands freiheit (1814) 29; war doch auch im allgemeinen das verhalten Roms in der wahrung der sittlichen freiheit dem der Griechen entsprechend. E. Curtius alterthum u. gegenwart 175; die wahrung der gleichheit zwischen den spartanischen patriciern und die aufführung einer dauerhaften scheidewand zwischen ihnen und den heloten macht das meisterstück der Lykurgischen politik aus. Th. Abbt in den briefen die neueste litteratur betr. 22, 121 (1765); mag immerhin der eine theil mehr für die wahrung der ordnung, der andere mehr für die strebungen der freiheit bemüht sein. Dahlmann kleine schriften 445; dasz die bevorstehenden Lutherfeste gereichen mögen zur weckung und vertiefung evangelischer frömmigkeit, zur wahrung guter sitte und zur befestigung des friedens in unserer kirche. kronprinz Friedrich Wilhelm v. Preuszen bei Flathe deutsche reden 2, 583; die frage um konstitutionelle monarchie, um wahrung des gehorsams und der ehrfurcht vor der majestät .., es ist die grosze preuszische und deutsche frage. Arndt pro populo germanico (1854) 159; in erster linie musz festgehalten werden, dasz die wahrung der kirchlichen lehre und disciplin nicht mehr sache des staats ist, sobald er einmal den kirchen diejenige selbständigkeit einräumt, welche sich uns als eine forderung unseres bildungsstandes ... ergeben hat. Zeller staat u. kirche 123. wahrung von tugenden: ich weisz, bei welchem bilde es (J. Grimms herz) höher klopft. altdeutschen lebens schönste fortpflanzung. alter liebe und treue wahrung bei jungen lebens ewiger verwandlung. Wienbarg quadriga (1840) 273; dasz endlich zur wahrung jener und aller edeln deutschen tugenden dringend erforderlich ist, dasz ihnen der würdige gegenstand ... nicht länger entzogen werde. 274; man spürt, wie viel ihm diese ausübung seines berufes, der erste eigene sieg, bedeutete. und das, was ihm damit zusammenhing, war die wahrung seines preuszischen stolzes. Marcks Wilhelm I.³ 93. wahrung von grundsätzen, der eigenart: so müsse die demokratie den mittelparteien die parlamentarische thätigkeit in der verfassungswidrig zu stande gebrachten kammer überlassen und unter wahrung ihrer prinzipien durch wort und schrift für aufklärung des volkes ... wirken. Parisius Deutschlands polit. parteien 1, 15; die volle verschmelzung klassischitalienischer einflüsse aber mit deutscher kunst unter genügender wahrung germanischer art brachte erst der jüngere Hans Holbein. Lamprecht d. gesch. 5, 1, 209; unter wahrung berechtigter ... eigenthümlichkeiten. Fontane Effi Briest 23. wahrung des gewissens (vgl. oben 4 'verwahrung in der rede'): die kammern thaten einen weiteren schritt zur wahrung ihres gewissens, welcher einem protest gegen ständewesen und standesvorrechte gleichkam. Lasker zur verfassungsgeschichte Preuszens 28; eine solche beichte lag keinesweges in den eidespflichten der beamten, aber sie konnte immerhin, ohne in ihr unterlassen irgend ein präjudiz zu setzen, oder ihre ablegung mit thatsächlicher gewissenswahrung zu verwechseln, dem gewissen eine vorläufige erleichterung gewähren. Wienbarg quadriga (1840) 311.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1907), Bd. XIII (1922), Sp. 1005, Z. 38.

wahrung, f.

wahrung, f.
gewährleistung, nd. (auch in md. quellen erscheinende) nebenform zu währung II, mnd. waringe Schiller-Lübben 5, 605; warandia, warunge, werunge. Diefenbach gl. 632ᵃ; waringe don, für die güte einer ware gewähr leisten: vortmer scholen unse kremer to Stendal vromeden kremeren, de met en to markede stan, in allen waringe don. cod. Brandenburgensis I, 25, 432 bei Schiller-Lübben a. a. o. aus dieser bedeutung ist die von 'gesetzliche bestimmung des maszes und gewichts' hervorgegangen: also findet man in eyner iezlichen stad noch enander uff unde abe czu reden noch orer warunge, daʒ man daʒ gewichte hoet unde neddert. rechtsbuch nach distinctionen 5, 3, 12 Ortloff. namentlich gesetzlicher münzfusz: sebin unde czwenczik mark Polenischer muncze, warunge unde czal. stadtbuch von Posen 1, 104 (1418) Warschauer. Möser hat wahrung für die stellung. die jemand im staate einnimmt, wofür er sonst wehrung (s. währung II, 2, d, γ) gebraucht: wie nöthig ist es aber nicht noch immer dem gesetzgeber, einen mächtigen wink dahin zu geben. damit nicht, nach dem rechte der menschheit, alle verbrecher ohne unterschied ihrer wahrung, auf der haut gepeitscht, gebrandmarkt und gefoltert ... werden? verm. schriften 1, 312.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1907), Bd. XIII (1922), Sp. 1007, Z. 66.

wahrung, f.

wahrung, f.
dauer, nd. nebenform zu währung IV, mnd. waringe Lübben mnd. handwb. 556.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1907), Bd. XIII (1922), Sp. 1008, Z. 10.

währung, f.

währung, f.,
verbalabstract zu währen in den verschiedenen bedeutungen dieses verbums. mit gewährung (s. theil 4, 1, 4900 ff.), das hauptsächlich in der allgemeinen bedeutung von 'leistung, erfüllung' üblich geworden ist, aber auch in der rechtssprache für 'besitzeinweisung' und 'garantie' vorkommt, berührt sich währung nur wenig. in den bedeutungen 'gute ware', 'münzfusz', 'bezahlung' und 'dauer' kommt nur das einfache währung vor.
I.
in der bedeutung von währe I als 'besitzeinweisung, besitzrecht, besitz' findet sich währung nur vereinzelt: das man scherm setzen sol um erb das man kauft, ee das man die werung aus der hand geb. Haltaus 2037 aus dem Wiener stadtrecht. hierher gehört aber auch das wort in der bedeutung 'gutsinventar' (s. währe oben sp. 760): gewähr, possessio, währung, was bey einem gut ist, wann man es einem überläszt, und das man beim abzug wieder lassen musz. Frisch 2, 416ᵇ aus Scheplitz consuetudines marchicae 4, 7, 2; wehrung, hofwehrung, dasjenige, so bey einem ackergut an zug- weide- und feder-vieh, ingleichen an schiff und geschirr, zu seiner besatzung gehöret, und nothwendig verbleiben musz. Jablonski (1748) 1353ᵇ; die wehrung, quae pertinet ad instrumentum fundi (zum hoffgewehr). Scherz - Oberlin 1964. Adelung ('ein nur in einigen gegenden bekanntes wort').
II.
als 'gewährleistung' ist währung namentlich in einigen abgeleiteten bedeutungen zu reicher entwicklung gelangt. fast überall hat es die form währschaft neben sich.
1)
gewährleistung bei einem kauf: warandia, warunge, werunge, sicherunge, werschafft in eim kauff. Diefenbach gl. 132ᵃ; warandia, werung. nov. gloss. 387ᵃ; währung (au lieu de währschaft), garantie, caution. nouv. dictionn. (1762) 702ᵇ; 'die gewährleistung, leistung der sicherheit'. Campe.
a)
cautio, evictio: si habent uns ouch tausent phunt haller ze affterwette gesetzt, daʒ si ouch an dem selben couffe volvaren in der selben vrist deu vorgenant ist, und haben uns dar umbe ze werunge in gesetzt aht dorfer. monumenta Zollerana 2, nr. 466 (1307); ich verjehe auch grave Ulrichen ... einer wehrunge der vorgen. gutte für ein recht aigen jar und tag. urkunde von 1325 bei Haltaus 2037; bekennet ein man eins kawffis ... her wert billich des das her im vorkawfft hatte, wurde abir ein kawff oder eine werunge mit rechte und mit orteiln undirbrochin, einer wurde der werunge und des kawffis billich ledig. schlesische schöppenurteile, diplom. beyträge 6, 109; die erben sollen einander wegen der getheilten erbschafft währung zu leisten schuldig seyn. churfürstl. Maintzische landrecht (1755) tit. 16 § 3; die währung ist ein jeder verkäuffer oder vertauscher dem käuffer oder dessen erben zu leisten schuldig. tit. 25 § 2.
b)
gewährleistung des kaufmanns für die güte seiner ware. Dähnert 547: wer ole alhie begert zuͦ koufen, das do eim ieglichen guͦt werung geschee und die ole gantz unvermengt ole sy, iegliches noch sinem werde. Straszburger zunftordnungen 403 Brucker; von vertigung oder werung gekaufter habe. Nürnberger reformation (1884) tit. 11 § 2 überschrift; von werung oder vertigung der schwein und andrer tier. § 3 überschrift. auch in späterer zeit in bezug auf den viehhandel (viel häufiger währschaft oben sp. 983): die stadtrechte, in denen bestimmte mängel namhaft gemacht und alle anderen mängel von der nachwährung ausgeschlossen wurden. A. C. Gerlach handb. d. gerichtl. thierheilkunde² 17.
c)
wie währschaft auf das richtige masz und gewicht beim verkauf und die gute beschaffenheit der ware gehen kann, so kommt das auch bei währung vor. es kann ein gesetzliches masz bezeichnen. im bergbau war es früher für ein gröszeres kohlenmasz üblich: auf 96 seidel erz rechnet man gewöhnlich 36 währungen kohlen. die fichtelbergische währung hat 12 kübel. Schmeller² 2, 917 aus Flurl beschreibung der gebirge 466. nach Schmeller² 1, 1103 scheint werung auch im bairischen forstwesen ein masz (für baumstämme) bezeichnet zu haben, vgl. währe (fem.) II, 5 und währholz. währung haben: thür. die frucht hat die richtige währung 'das richtige masz'. Hertel 252; 'gute beschaffenheit', übertragen:
wann sie hat mich gen leuten verlogen,
ich hab nit werung ob den knien.
fastnachtsp. 701, 12.
d)
es kann ferner wie währschaft auf das gewährleistete selbst nach masz, zahl, gewicht und nach qualität bezogen werden: 'bestimmtes an zahl, masz, gewicht oder wert'. Schmeller² 2, 977; (die 2 verordnete zur aufsicht über die bäcker sollen am brot beschauen) ob sie wehrung gepachen haben oder nit, und däucht dann die zween, dasz sie nit wehrung gepachen hätten nach dem gang des getraides, so sollen sie es zerschneiden eines auf die andern, bis es wehrung werde. Köschinger ehaft von 1624 bei Schmeller² a. a. o. in ganz allgemeiner verwendung: wann man kouffen und verkouffen wil, so gepürt sich das die hab mit gelt und sunst mit keiner andern werung koufft und verkoufft werde. nüwe stattrechten der statt Fryburg 35ᵇ; wiltu gelt bringen, so komm bald wider! gelt ist guͦte werung und guter gefert. A. v. Eyb 2, 107, 5 Hermann (Menaechmi). öfter mit beziehung auf die qualität 'gute ware': de berichteden uns, dat dusse tunne heringes schalbach were ... unde neynes guden koopmannes weringe en sy. Lübeck. urkundenb. 4 nr. 522 (1390) bei Schiller-Lübben 5, 682; oder 'ware' fast gleichwertig: daz sie dabij (bei den vom wagen geraubten waren) haben zwey Augspurger fardel werunge, 1 pecklin, sin zwo ballen bappijers, und noch ein packe, darinne sin ein secklin negel, 1 secklin muscaden ... hansisches urkundenbuch 8, 503 (Frankfurt a. M. an herzog Friedrich von Braunschweig-Lüneburg 1459); er treib wucher und vertreib sein werung mit groszen lügin. Keisersberg evang. (1517) 65ᵇ. während währschaft von dieser bedeutung aus zu adjectivischem gebrauch übergegangen ist, zeigt sich bei währung hierzu nur ein schwacher ansatz (s. auch unten 2, b, α): die da zein haben, die nit werung sein. österr. weisth. 2, 162, 30 (Tirol 17. jahrh.).
2)
zu allgemeinerer anwendung ist das wort nur in beziehung auf die münze gelangt; hier steht es anfangs neben währe (fem.) und währschaft und verdrängt diese ausdrücke später ganz. landschaftliche beschränkung findet nicht statt, auch mnd. weringe Schiller-Lübben 5, 682.
a)
der ursprünglichen bedeutung 'gewährleistung' steht am nächsten währung als die feststellung des richtigen münzgehalts: wehre, wehrung, das korn, oder die richtige legirung und beschickung der münze. Jacobsson 4, 620ᵃ; währung nennt man das legiren und beschicken der münze selbst, und die untersuchung des münzgehaltes, welcher nach gewissen conventionen verschiedener landesregierungen sich bestimmt. C. F. Richter berg- u. hütten-lex. 2, 602. hieran reihen sich die folgenden belege: dit ist von der werunge des silbers der geste zu Erforthe. swelich gast nimit silber umbe sinen kouf zu eime burgere, so sal der gast geben den slegeschatz (s. schlagschatz theil 9, 423) und der burgere nicht. ält. weisth. der stadt Erfurt 1, 21 (1289); aht guldin geltes Florentiner guter und genug swer an golt und gewege, die zu werung gut sint an der muintze zu S. quelle bei Scherz-Oberlin 1943.
b)
weiter bezeichnet es den vollen, gesetzlichen wert einer münze: währung bedeutet auch die völlige richtigkeit des inhalts der metalle und münzen. Sulzer theorie der schönen künste² 4, 718ᵇ anm.; das münzregal ist daher das ausschlieszliche hoheitsrecht des staats, münzen zu prägen und ihnen die währung zu verleihen. L. v. Stein finanzwissenschaft⁴ 1, 379.
α)
währung sein, den vollen wert, gesetzliche giltigkeit haben, gesetzliches zahlungsmittel sein: alle sulver, dat in unseme lande gheyd unde weringe wesen schal. Götting. urkundenb. I nr. 301 (1382) bei Schiller-Lübben 5, 682; doch also das ir deheiner derselben guldin, die hie also genge, geneme, und werung sint, hinter ime halten solle uff merschatze. Straszburger stadtrecht 3, art. 424 bei Scherz-Oberlin 1992; mit gulden, schilling, pfenning oder hallern, die hie werung, geng und gebe sind. Nürnberger polizeiordnungen 146 Baader; es ist zu wiszen, dasz der bösen müntz sovil geschlagen was, dasz man grosz tunnen voll gen Wien schickt und kauft man fl. darumb. ... die müntz was werung, darumb muest man sie nemen in Österreich. Zinks Augsburger chron., d. städtechron. 5, 112, 17; wo sich aber der glaubiger etwo desselben werts beschwärte, soll der richter ... denselbigen besichtigen. ist es nit werung, soll durch die herrschaft verschafft werden ain andern pessern zu pringen. österr. weisth. 5, 698, 23 (Tirol). übertragen 'im schwange sein': Merhen gibt yetz vil teüffer, ursach, es ist werung alda, und wie ich besorg, haben wenig irs glaubens ein andern grund, dann den hauffen und landtsbrauch. S. Franck weltb. (1542) 37ᵇ; ja das abgoͤterey die müntz ist, so durch die gantz welt geht und werung ist. 234ᵃ. ähnliche wendungen in der neueren sprache: im land aber sollen sie (diese münzen) ... als ein währung nicht gelten. v. Hagelstein acta publica monetaria 3, 94 (1620); wann kein fremde müntz ... für währung gäng und gäbig. 3, 98; dasz nur die jenige ducaten, so das chronen-gewicht haben, ... für wehrung anzunehmen. 2, 283 (Mainzer kanzlei 1667); dasz nur eines der beiden metalle in jedem lande die währung, das gesetzliche hauptzahlungsmittel, sein solle. Schmoller volkswirtschaftslehre 1, 88.
β)
ein heller, gulden u. s. w. währung: darumb sol er geben zwei firtel wins und 4 wiszbrode, eins umb zwen heller werung, und 1 β werung in das gericht. weisth. 5, 575; 18 sumer korn ein gulden werung. d. städtechron. 2, 16, 12 (Nürnberg 1427); wem man also das burgerrecht verleiht, der sol das gelt geben, das darauff gesetzt ist, das sind zehen guldein werunge. Nürnberger polizeiordnungen 25 Baader; auf der grafen, herren und juncker leibpferdt ist der schadenstand gewesen 60 fl. müntzgelder wehrunge. deutsche hofordnungen 1, 38 (Joh. v. Küstrin 1561) Kern.
γ)
volle, gute währung: also verpot man die müntz mit solchem underschaid, dasz man sie nemen wolt für vollen werung von derselben zeit bisz ostern, und nach ostern solt man geben 5 Öttinger dn. Zinks Augsburger chron., d. städtechron. 5, 223, 1; hundirt pfunt heller guter weirunge. monumenta boica 41, 446 (Würzburg 1350); so globen wir, daʒ wir geben sollen alle jare jerliche uff sante Martins dag den selben herren deʒ cappittels funftzig phunde heller guder und geber werunge in der stad zu Wormessen gewert uff unsern schaden. weisth. 4, 636 (bisthum Worms 1374); von des groszen gebresten wegen der münsse, der ietze lange zit gewesen ist, das die Stroʒburger besniten wurdent und darnoch also ganz hinweg gefuͤrt wurdent ... unde das hinnanfürder ze versehende das die Stroʒburger pfenninge by uns blibent und eine guͦte werunge ginge. d. städtechron. 9, 1003, 19 (Straszburg 1397); die huszgenossen an der muinssen, die zu bancke sitzent, sollent sich flissen, das sy menglich gut werunge geben, wer by inen wehselt. Straszburger stadtrecht 3, art. 423 bei Scherz-Oberlin 1942; die zinsz, steuer und all andere anlagen sollen si zu der zeit wan mans inen ansagt vleisig in gueter wehrung völlig entrichten. österr. weisth. 6, 500, 35 (Kärnten 1608).
c)
meist bezeichnet das wort den in einem lande oder an einem orte geltenden münzfusz, sowie auch das nach diesem münzfusz geprägte geld selbst. so sind auch die angaben der älteren wörterbücher, soweit sie das wort anführen, meist zu deuten: werunge, numisma. voc. theut. (Nürnb. 1482) mm 8ᵃ; valor, werung Diefenbach gl. 606ᵃ (aus voc. praed.); währung desz gelds, valuta, lega della moneta, overo la moneta stessa. gangbare währung, dinaro di buona lega. Krämer 1206ᵃ; die wärung, valor moneta. sic dicimus meisznische, türingische wärung, valor Misnicus, Thuringicus, moneta currens, usualis: in genere landeswärung. reichswärung autem est moneta proba, imperialis. Stieler 2415; wehrung, wärung, valeur. hundert thaler bancowehrung, cent écus valeur de banque. Rondeau; 'der werth des geldes nach einem gewissen münzfusz'. Adelung. in den folgenden belegen tritt die bedeutung 'richtiger münzwert' z. th. noch daneben hervor: welher güldin also hielte nüntzehen grat, das der solt der stat Strasburg werunge sin und eilfthalb pfenninge gelten. welher güldin aber nit so viel hielte, der solte nit werhaft sin, sunder nach sinem werde bezalt werden. d. städtechron. 9, 1006, 31 (1467); so sol menglich einen guͦten Rinischen güldin für 11 β [[undefined:curundefined5wb]] geben und nemen ... und was güldin obe der werunge oder darunter sint, die söllent sie geben und nemen noch irem werde. Eheberg verfassungsgesch. der st. Straszburg 1, 329 (1484); gewonliche werunge nach unsers landes gewonheit. anzeiger des germ. mus. 19, 149 (gräfl. Stolbergsches archiv 1282); umb zwayhundert guldin guͦter, gaͤber und genaͤmer müntz disz lands weͣrung. rechtsquellen des kantons St. Gallen 1, 2, 239, 6 (Toggenburg 1503) Gmür; und kaufft einer um 3 reichs-gulden zu Franckfurt aber so viel, als um 4 gulden der gemeinen währung, weiln der gulden daselbst in gemeiner währung 20 batzen gilt. v. Hagelstein acta pubtica monetaria 3, 87 (1620); wiewol nun zwischen der wehrung und münz am Reinstromb und heroben im reich ein zimbliche ungleichheit und underschiedt. J. Ch. Hirsch müntz-archiv 3, 396 (1609). bezeichnung der währung durch vorgesetzte landes- und ortsnamen: umbe newen marg pragisschir grosschin und polnischir werunge. cod. dipl. Silesiae 2, 41 (1391); subenzenhen pfund haller, alles schwaͤbischer werung. munumenta Zollerana 1, 429 (1393); vierhundert pfunt zwaintzig pfunt und ain pfund, alleʒ ytaliger, guͦter und genemer haller Rotemburger oder Tüwinger werung. 1, 464 (1401); Franckenfurter wering und gewicht. quellen z. gesch. d. stadt Wien 2, II, 87 (nr. 2312) Uhlirz (1428); die nachtzoll mocht ein heimburger des dorffs mit einer halber marcken Monster weronge abeloissen. weisth. 2, 459 (Münstermaifeld 1437); vyer pfunt gelds Marpurger werunge. Lennep landsiedelrecht 2, 101 (1476); zwölfftausend gülden Rynischer gewichter wehrung. Alsatia diplomat. nr. 1450 (1517); und ist diser kauf beschehen für und umb dreissig sylbrin guterpfenuig als gewonlicher und guter ysmahelitisch werung. Keisersberg passion (1516) A viᵃ; darumb dass wir zender und gemein dem hern amptman zu Witlich alle und eins jeden jars zu glückseligen neuwen jar sechs gulden Witlicher werong zu geben schultig sein. weisth. 2, 367 (Urzig 1568); so ist der unterschied der böhmischen und allgemeinen reichs- wie dann auch der Meisznischen wehrung nicht unbillich in gebührende acht genommen worden. J. Ch. Hirsch müntz - archiv 3, 390 (Leipzig 1609); er muszte seinen spasz mit zehn batzen Basler währung bezahlen. Hebel schatzkästl. 280; doch betrug alles in allem immerhin gegen tausend gulden Züricher währung. G. Keller 6, 193; ist eine in ausländischer währung ausgedrückte geldschuld im inlande zu zahlen, so kann die zahlung in reichswährung erfolgen, es sei denn, dasz zahlung in ausländischer währung ausdrücklich bedungen ist. bürgerl. gesetzbuch § 244. nach der zu grunde gelegten münzeinheit unterscheidet man thalerwährung, guldenwährung u. s. w. während an sich währung nicht nur auf geprägte münzen, sondern auch auf gröszere (jetzt durch papiergeld ausgedrückte) werte geht, wird es allerdings vorzugsweise auf erstere bezogen, namentlich auf silber- und kupfermünzen, vgl.: vierzig guldîn an golde und 44 [[undefined:poundsign]] 13 β an werunge. Lexer 3, 797 (aus dem Frankfurter archiv v. j. 1380. 82); (sie sollen bezahlen) mit der egenanten sume guldin oder mit alʒ vil werunge, die denne fur alʒ vil guldin hie ze Ulme geng und gebe sind. württemb. geschichtsquellen 8, 89, 5 (das rote buch der stadt Ulm art. 170) Mollwo; dadurch ... die gute baierische währung aufgekauft, verführt und dieser zeit mehreren theils mit fremder ausländischer münze in kaufen und verkaufen in diesem lande gehandelt wird. baier. landtagshandlungen 18, 195 Krenner (1510). währung wird jetzt auch gebraucht in bezug auf die zerlegung der gröszeren münzeinheiten in kleinere: neben dieser bedeutung (= valuta) hat man dem worte in neuerer zeit noch die der eintheilung oder stückelung der gröszeren münzeinheiten in die kleineren beigelegt. so sagt man z. b., dasz Preuszen und Hannover zwar diese valuta, den 11 fl.-fusz nämlich, aber nicht dieselbe währung (haben), denn Preuszen theilt den thaler in 30, Hannover in 24 groschen. Krünitz 232, 139. ferner mit bezug auf das edelmetall, aus dem die gesetzlichen münzwerte (abgesehen von den scheidemünzen) hergestellt werden: silberwährung, goldwährung, doppelwährung, dann auch papierwährung. von hinkender währung spricht man, wenn die staatliche prägung in einem metall (dem silber) eingestellt ist, aber nicht alle münzen dieses metalls in scheidemünzen verwandelt sind. Schmoller volkswirtschaftslehre 2, 88.
d)
währung 'wert des geldes' wird in bestimmten wendungen gern übertragen gebraucht.
α)
der monarch, von dem alle erhöhungen in der politischen währung herrühren müssen, ist durchaus nicht interessirt, die grösze einiger wenigen ... zu begünstigen. Rehberg untersuch. über die franz. revolution (1793) 1, 67; der dreyzehnte artikel, anfangs in ziemlicher währung ausgeprägt, dann täglich durch kipper- und wipperkünste beschnitten. Görres Teutschland u. die revolution (1819) 122.
β)
als 'geltung, wert':
zufrieden mit der seichtesten erklärung,
giebt das bestochne herz dem ersten besten schein
von einem grund die selbstbeliebte währung,
und geht so gern in alle fallen ein,
die ihm die neigung stellt.
Wieland 21, 222 (Klelia u. Sin. 3, 148);
an solcher nahmen ächte währung glaubt
das volk, sie haben guten klang im lande.
Schiller 14, 303 (Tell 1, 4);
er gehörte einer höchst ehrenwerthen familie an, deren name die beste währung im lande hatte. Gervinus leben 143.
γ)
Möser gebraucht wehrung (das er mit wehre, wehrmann, wergeld u. s. w. in verbindung bringt) von der stellung, die der einzelne im volke seinem stande nach einnahm (was vielleicht besser zu II, 4 zu ziehen ist): wie die handlung der städte unsichtbare heimliche reichthümer einführte, konnte die wehrung der menschen nicht mehr nach gelde geschehen. Osnabr. gesch.² 1 vorrede **3; dasz ein jeder seine gewisse feststehende taxe oder wehrung empfieng, damit der beleidigte theil seine forderung nicht übertreiben konnte. 1, 25; ausser dem sohne, der ihm (dem familienhaupt) in dieser erbwürde folgt, behalte sein ganzes übriges geschlecht diejenige gemeine wehrung, die es vorher hatte, die wehrung frey gebohrner leute. patr. phant. 4, 247; dasz der alte deutsche adel, es sey nun der hohe oder der niedrige, diejenige würde und wehrung behalte, welche er von den frühesten zeiten her gehabt hat. 4, 268; denn nicht allein verliert der capitular von seiner würde und wehrung, wenn er solchergestalt den kriegsstand ganz vermeiden musz. 4, 295.
δ)
als 'art, beschaffenheit':
davor bekömmt der herr ein engelchen ins bette.
ach wer doch eine frau von solcher wehrung hätte!
Philander v. d. Linde (J. Mencke) schertzhaffte ged.² (1713) 11;
sie (Julie) ist vierzehn jahre alt, was in Italien so viel gilt wie siebzehn jahre nordischer währung. Heine 5, 444 Elster. in der Pfalz ist wäring 'angestammte art'. Autenrieth 150. schweiz. er ist in meiner währung bedeutet 'er ist in meinem alter' (Stalder 2, 430) oder 'in meiner grösze' (Hunziker 287); ein senn, nicht besonders grosz und stark, etwa in meiner währig. H. Nydegger Hans der chüjer (Bern 1894) 35.
3)
die bedeutung 'bürgschaft' (vgl. währen II, d, β) hat das wort an folgender stelle: umbe wærunge ufe spil. Meyer stadtbuch von Augsburg 8, 34 (überschrift eines artikels, der davon handelt, dasz wer von einem kind im spiel etwas gewinnt oder ihm borgt, keinen anspruch auf erstattung hat).
4)
ferner ist zu währung 'gewährleistung' zu stellen das wort in der bedeutung 'schätzung, preis, wert' (vgl. währen II, 3, c): vindt sich aber, das der ambtman nit pfantung hiet bracht, damit man auf vollige werung kommen mag, so sol er hinwider kommen und pfantung bringen, bis die schätzer kommen auf vollige werung. österr. weisth. 2, 147, 33 (Tirol 15. jahrh.); den andern tag mag er verkaufen pfant, als vil er wil oder er gehaben mag, hunz auf volle werung seines haubtguets und der schäden, als es von alter herkomen ist. 5, 224, 12 (Tirol 17. jahrh.); wehrung oder schätzung, valuation, rating. Ludwig 2417; werdirung oder wehrung, valuation, rating. 2456; währung, wärung, schätzung, würderung, werth und preisz einer sache, aestimatio. Zedler 52, 431. so noch jetzt schweiz. wärig Seiler 310. Hunziker 287, z. b. er het em d' wärig g'macht, er séig dréi tuble wert, er schätzte ihn auf drei dublonen. aus der bedeutung 'schätzung' ist im Aargau auch die von 'erwägung' hervorgegangen.
III.
als 'leistung, erfüllung' kommt währung fast nur in der älteren rechts- und urkundensprache vor in der an währen III, 2, a sich anschlieszenden bedeutung von 'bezahlung, ablieferung'. die allgemeine bedeutung 'gewährung' ist im mhd. selten und tritt in der neueren sprache gar nicht auf.
1)
werunge, pagamentum. voc. theut. (Nürnb. 1482) mm 8ᵃ; ouch sol deu werunge geschehen und gewert werden in der stat ze Wienne. urkunde von 1291, font. rer. Austr. II, 1, 245; ouch han sy gelobt, dem dicke genanten hern Philip rechte, schuldige und gewonliche werunge zu dune von dem zinse. cod. dipl. Moenofrancofurtanus 1, 399 Böhmer-Lau (1301); darauf (die habe) sy und ir helfer uns allenthalben in ainem igleichen gericht wol angreiffen nöten und auch pfenden mügent als ver biʒ auf vollew gantzew werung. monumenta boica 20, 92 (1399); möcht sich der amptman davon genemen mit seinem starcken ayde, daʒ er noch sein gewisser pot daʒ gelt von dem pawman nicht eingenomen hiet, des sol er geniessen, und sol dann der pawman daʒ gelt geben, es ertzewg dann der pawman die werung, alʒ das puch sagt. bair. landrecht tit. 13 bei Heumann opusc. 95; der sol auch und die im der werung helffen wellnt, yederman besunder nennen, ob er im mit pfenig, oder mit wert, oder mit pfanten oder mit weu er in gewert hab. art. 23 bei Heumann opusc. 128; so zween oder mehr an einem tage urtheil erlangen, die sollen gleiche gerechtigkeit der währung haben. ... wer oder welche am ersten behaben, und das beybringen, sollen sich in 14 tagen währen. baierische landtagshandlungen 12, 159 (reformation des landrechts 1487) Krenner; ihnen kein andres geld, dann die dicken pfenninge und die rollenbatzen bey der währung geben. 18, 281 (1511); wann nachpaurn gen ainander beschwärt sein umb überpauen, übermayen und überschneiden, oder an holz oder waide, oder sollich ding, das man mit anlait richt, und nit mit aufschatz oder werung gegen der herrschaft. österr. weisth. 5, 518, 16 (Tirol). da zahlbares geld in folge von kauf, schuldverhältnis u. dgl. gewöhnlich in mehreren terminen abgetragen wird, erscheint währung häufig im plural oder mit unterscheidendem adj. und nimmt die bedeutung 'ratenzahlung' an: ich schol im geben an sand Georjen tag ... vier hundert marck silbers ... und darnach an sand Merteins tag ... driethalphundert marck silbers ... eʒ is auch gelobt, daʒ mein herre von Nurenberg daʒ haus inne haben scholl untz auf die jungsten werunge. monumenta Zollerana 2, 378 (1292); wie den jeczgenanten seinen herren Lucas Hulber, burger zuͦ Wienn, nach laut ains geltbriefs schuldig wer 1139 ungarischer guldein .., daran er in erster werung ainen sechsten tail derselben summe guldein ... zu weinachten nagstvergangen ausgericht solt haben. quellen z. gesch. der stadt Wien 2, 2, 338 (nr. 3465, v. j. 1452) Uhlirz; bei unrichtigen und zweifelhafften handlungen ist es weit besser auf ein oder zwei wehrungen sich zu vergleichen. Hohberg 1, 12; zum dritten müssen die wehrungen, imfall man das gut auf einmal zu bezahlen bedencken oder nicht mittel hat, so eingerichtet seyn, dasz beyde theile dabey sich vergnügen. 1, 13. daraus erklärt sich schweiz. di erst wärig, das erste mal. Hunziker 287.
2)
in der mhd. litteratursprache kommt werunge in gleicher bedeutung vor. so an folgender stelle (wo nicht mit Lexer an 'gewährleistung' zu denken ist):
dem armn ist wê mit der armuot,
dem rîchen wê mit sînem guot.
sol man mir iht, sô ist mir leit,
daʒ diu werunge ist niht bereit.
sol aber ich iht, sô ist mir swær,
daʒ ich nien hân wâ mit ich wer.
Thomasin wälscher gast 2684.
daneben auch allgemein als 'gewährung':
'so bit ich, des min herze gert,
durch iwer vrowen mich gewert,
lat den tyost under wegen' ...
'iʒ sol nach iwerm willen ergan' ...
mit zuchten neig im die kunegin,
unde wart der werunge vro.
Koloczaer codex 205 (v. 563).
IV.
als 'bestand, dauer' ist währung im älteren nhd. ziemlich häufig, in der jetzigen sprache aber bis auf geringe reste erloschen.
1)
die wörterbücher führen das wort bis auf Adelung grösztentheils an: wärung, continuitas Maaler 482ᵇ; währhafftigkeit, währung, währe, durevolezza. Krämer 1205ᵇ; währung, wärung, durazione, durata. 1206ᵃ; die wäre et wärung, das wären, duratio, perennitas. Stieler 2416; währung, daurung, durée. Rädlein 1027ᵃ; wehrung, währung oder daurung, duration, or lasting. ein ding von langer wehrung, a thing of long duration. Ludwig 2416; wärung, duratio, durabilitas. eine stete wärung, perennitas. Steinbach 2, 939; währung, duratio. Frisch 2, 423ᵇ; stete währung, perennitas. Hederich (1753) 2564. Nieremberger; wärhaftigkeit, wärung, durée, qualité durable. lange, kurze währung, longue, peu de durée. Rondeau; währung, durée Schrader 1581ᵇ; 'bedeutet ... währung, wärung, duratio, die dauer oder den fortgang und unverrückten bestand einer sache.' Zedler 52, 431; 'die fortdauer; ein wort welches doch wenig gebraucht wird.' Adelung. Campe führt das wort nicht mehr an.
2)
entsprechend der grundbedeutung von währen IV 'sich in seinem wesen erhalten' bedeutet währung noch zuweilen 'bestand', meist aber blosz von zeitlicher erstreckung 'dauer':
ein sun ist uns gegeben, ein kindt ist uns gebert,
und dem auff seiner achseln sein herschafft wirdt bewert,
des namen wirdt genent
ein wunderwircker, rathgeb und starcker gott bekent,
ein vater langer werung, fürst ewigs frids gesend.
C. Löner, Wackernagels kirchenlied 3, 698, 7;
das nit allain der anfang sonder auch die behaltung oder werung der cörper gottes werck sey. Melanchthon anzeigung in etliche schwersten cap. 1 b. Mos. übersetzt 1523 f. 4; in werung des kriegs. Wilwolt v. Schaumburg 95 Keller; solche verwunderung ... rührte her ausz der veränderlichen abwechselung der frist oder währung desz liechts in selbigen lampen: angemerckt solches liecht nicht stäts zu gleicher zeit auszbrannte. Francisci histor. rauchfasz (1674) 200; des cedernbaumes daurhaffte wehrung bildet die christliche kirche fuͤr. anm. weissheit lustgarte 604; das feuerwerk, unter dessen währung die canonen sich tapfer hören liessen. Pierot 2, 139; Hagelgansz, Joh. Georg, architectura cosmica ... oder ... vorstellung des welt - gebäudes, dessen anfang, währung und nächst-bevorstehender untergang. Franckfurt a. M. 1736 (titel); die dauer, oder die währung unseres eignen daseyns. Bode Tristr. Schandi 3, 81;
ist doch die finsternisz die mutter unsres lichts,
der mensch des staubes sohn und enkel von dem nichts.
durch eine schnur verknüpft beständig wache plage
die ganze währung durch ihm alle lebenstage.
Withof akad. ged. 1, 45.
3)
besonders war üblich währung haben, bestand, dauer haben: die weine haben keine wärung, ea vina vetustatem non ferunt. zedern haben die gröste wärung, nullum aeternius lignum cedro est. Stieler 2416;
der (kar-)freytag fängt sich bald an
wenn wir geboren werden,
tuht so lang sein wehrung han
weil wir leben auff erden.
Wackernagel kirchenl. 5, 482, 5;
mein (der Venus) krafft hat ein ewige werung,
der auch niemandt mag widersthan.
H. Sachs 7, 57, 2 Keller;
also sie beyd (vipern), mendlein und weiblein,
mit todt verlieren ire leiblein
in der entpfencknusz und geberung,
so hat ir leben nicht lang wehrung.
16, 490, 22 Keller-Götze;
darzu hat gott geben den segen,
dasz die eh hat ein stete werung
mit fruchtbarer kinder-geberung.
19, 245, 28 Keller-Götze;
itzund aber ... hat sie ... abgenhomen, das man sie kawm mehr nennet. ... also haben auch die gewaltigen stette ir bescheiden alter und werung. Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 36 Gäbel; so lang si (die bauern) gaisz und schwein haben und die gemaine huet ihr wehrung hat. österr. weisth. 5, 505, 29 (Tirol 17. jahrh.); in diesem versuch kommet mir der kürbis Jonä, als ein bild der edlen gaben der unsrigen vor ... beyde hatten eine währung, sie dauerten nicht lange. Reinwald studentenspiegel (1720) 218.
4)
das von den klassikern nicht mehr verwendete wort ist jetzt fast ganz erloschen. doch scheint es noch boden in den mundarten zu haben: henneb. währung, dauer, dauerhaftigkeit, haltbarkeit. Spiesz 274. auch kommt es noch als technischer ausdruck der uhrmacher vor: währung einer uhr heiszt die zeit, die solche von ihrem völligen aufzuge an, bis zu ihrem völligen ablaufe, zubringt. Jacobsson 8, 126ᵃ; die währung kann daher 24 stunden, 8 tage, 1 monat, oder 1 jahr seyn. Poppe handbuch für uhrmacher 2, 453.
V.
zu dem im hd. seltenen währen in der bedeutung von 'wahr machen, gerichtlich erweisen' (sp. 781 oben) gehört ein älteres werung: es mag auch kein ausman kainen burger in der selben stat nichts überzeugen mit einer werung wan mit der geschworn aim. altbayerische stadtrechte 1, 89 Häutle (Neuburg 1332); biszhar ist gesagt, wie eyn yeder sach dem cleger oder antworter syn fürtrag zebekrefftigen oder zeentkrefftigen grund und werung zuͦsuͦchen sey. Riedrer spiegel der rhetoric 25ᵇ. hierher (oder zu währung II) gehört schles. währinge 'versicherung, befestigung, vergewisserung'. Berndt 153.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1907), Bd. XIII (1922), Sp. 1008, Z. 12.

werrung, f.

werrung, f.,
'verwicklung, durcheinander', s. unter wirrung teil 14, 2, 618 f. sowie Diefenbach gl. 147ᶜ s. v. controversia und s. v. dissensio. zu den teil 14 genannten belegen vgl. noch: das ist widder der menschen lere gesagt, wilche viel krumen und werrung haben (1522) Luther 10, 1, 1, 177 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 443, Z. 67.

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Zitationshilfe
„werrung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werrung>.

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