Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wasche, m.

wasche, m.
pascha. die form ist im 15. und 16. jahrh. häufig (im sing. meist wascha): ein türkischer wasche Mathesius Luther (1568) 188ᵃ; wiewol ... der waschen die statt an 14 orten undergraben Widman chronik der stadt Hall 249, 11 Kolb; darauff hat der Türck ... in eigner person, mit alle seinen waschen ... die gantze stad umbgezogen Cyr. Spangenberg jagteuffel Z 3ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2217, Z. 13.

wasche, f.

wasche, f.
geschwätziges weib, ableitung von waschen 'plaudern' (kaum mit dem folgenden wort identisch): loquacula, eine wasche, klatsche, der das maul nie stille steht Corvinus fons latinitatis (1646) 483; waschin, wasche, plaudertasche Krämer 1212ᵃ; sie ist eine grausame wasche, enormis loquacitatis est foemina Stieler 2447. Adelung; einer jedern dröschen und waschen die hinter ihres mannes wissen und willen geld borget Mathesius Syrach 2, 24ᵇ; die nicht leute ausrichtet und eine ewige wasche, neuemerbringerin ist 3, 23ᵇ;
mach du desto mehr (tabaksgestank), so darff es wol gelingen,
das du die waschen so von tische weg kanst bringen.
Scherffer der grobianer 219 bei Drechsler 269;
dau bring' i no a röchta wasch, und dös is mei fra bos.
Grübel 1, 476.
bair. wasch, Mari-wasch Schmeller 2, 1040; tirol. wasch Schöpf 802; els. wäsch Martin-Lienhart 2, 872; im Westerwald wäsch Schmidt 322; ostfr. wesch Bayerns mundarten 2, 329.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2217, Z. 20.

wasche, f.

wasche, f.
plaudermaul, zu waschen 'plaudern' (s. d.). im mnd. Schiller-Lübben 5, 609ᵇ, hd. nur aus Nürnberg belegt:
schweig, alte, halt dein waschen zu.
H. Sachs 14, 28, 29 Keller;
du hast halt ein unnütze waschen.
Ayrer 1083 Keller;
Lucifer tritt herfür, gibt ihr ein mauldaschen und spricht ...
hab dir eins auff die waschen dein.
2694.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2217, Z. 39.

wasche, f.

wasche, f.
ohrfeige, obd. wort, das wie das danebenstehende häufigere watsche (s. d.) onomatopoetischen ursprungs ist (vgl. schlappe in gleicher bedeutung und waschel n.) Stalder 2, 436. Schmid 518. Schmeller 2, 1041. Schöpf 802. Lexer 251; so der behr einen hundt ergreift, gübt er ime müt denn fördern pfatten oftermals ein waschen, das er nicht mehr lust an ihn zu fallen hat Kiechel reisen 25 Haszler;
gar bald bracht er zween würffel her ...
mit ihm zu spielen um ein waschen.
Wagenseil meistersinger 473.
bei H. Sachs öfter ohrwasche:
darffst nit besorgen harter straff,
ist umb ein ohrwaschen zu than.
werke 17, 45, 5 Götze;
der kawffman maint, er drieb den spot,
im ein orwaschen gabe.
fab. u. schwänke 4, 169, 8 Götze-Drescher.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2217, Z. 48.

wasche, f.

wasche, f.
reisholzbündel, faschine, kopfwulst s. wase.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2217, Z. 66.

wasche, f.

wasche, f.
lederkopffer, franz. vache: die beiden groszen reisewagen wurden ... vom schmied untersucht, die koffer, walisen, waschen und reisesäcke wurden vom sattler nachgesehen F. Lewald leidensjahre 1, 67.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2217, Z. 68.

wasche, waschke, f.

wasche, waschke, f.
in Preuszen kleiner wagen oder schlitten ohne eisenbeschläge; groszer unbeschlagener frachtschlitten. zu lit. wážis, preusz. wessis, lett. waschus kleiner schlitten Frischbier 2, 457.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2217, Z. 72.

wäsche, m.

wäsche, m.
wäscher, ahd. wesco Graff 1, 1081 (daneben weski Steinmeyer-Sievers 4, 66, 8), mhd. wesche Schmeller 2, 1040; daʒ man fürpaʒ chain gewant pleuen sol, weder diern noch weschen stadtrecht von München 123 (art. 317) Auer. später durch wäscher verdrängt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2217, Z. 76.

wäsche, f.

wäsche, f.
wäscherin. im mhd.:
und gebet ir mînen helden   wîʒ niht ir kleider,
so geschach nie weschen mêre   in küneges selden noch zer welte leider.
Kudrun 1192, 4 Martin;
al zehant dô sande dar
ein röckel daʒ vil schœne wîp.
si gebôt der weschen an den lîp
daʒ siʒ pürg undr diu röckel mîn.
U. v. Lichtenstein 188, 30;
die begunden in wol erdreschen,
daʒ von keiner weschen,
diu in der hant ein slagen hât,
weder hemd', noch niderwât
nie sô wol geblûwen wart.
gesammtabenteuer 2, 228, 344;
alsô seh wir oft auf den pücheln ob den pächen, dâ die weschen waschent, den slag mit den pleueln, ê wir den galm hœren K. v. Megenberg 91, 34.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2218, Z. 3.

wäsche, f.

wäsche, f.
die thätigkeit des waschens; was gewaschen wird, namentlich leinenzeug, mhd. wesche, ahd. wesga Steinmeyer-Sievers gl. 3, 502, 35, wesca weska 4, 76, 16. 149, 48. 171, 11, daneben wasga 3, 489, 31 und bei Otfrid (s. u. 3); waske bei Willeram (fone waske 55, 4. 55, 20) ist wol auf waskî zurückzuführen. auch im nhd. kommt eine form wasche vor: probatica piscina, wasche Diefenbach gl. 460ᶜ; durch sein barmherzigkeit hat er uns selig gemacht, durch die wasche der andern geburt Wimpina bei Luther 5, 18ᵇ Jen. ausg.; ieglicher arbeiter uf bergen hütten waschen cod. dipl. Silesiae 20, 162 (1528); ersparts bis auf die letzte wasche Sastrow 2, 577 Mohnike;
wo lassen wir (die bierbrauer) sonst graud und asch,
weil sie nicht dient zur seiff und wasch?
Froschmeuseler Z 2ᵇ (2, 2, 4);
keinem schäfer ... erlaubt seyn soll, über ... drey tage nach der wasche bey trockenem wetter die schafe in der wolle gehen zu lassen neue sammlung der landesordnungen für Kurhessen 3, 254 (1722); die wasche besorge bald Schiller 1, 367 (brief von 1782); in der wasche Kortüm Jobsiade 2, 115: die frau, so ... eine wasche in der küche hat Hebel 2, 201 Behaghel; wenn die frau eine wasch hat Kirchhofer schweiz. sprüchw. 200 (wasche 267); der frühling ... wird dann das übrige (zur genesung) thun, und ist dann einmal wieder eine grosze wasche abgethan v. Görres ges. briefe 3, 62;
dreiszig tage ...
trug er dasselbe hemd und gabs nicht in die wasche (: asche).
Freiligrath werke 3, 244.
ob dies wasche auf ahd. wasga zurückzuführen ist, ist fraglich; im alem.-schwäb. und rheinfr., wo wäschen für waschen gesagt wird, kann es nur falsch verhochdeutschte, wenn auch in die volkssprache gedrungene (oberhess. woaš zeitschr. f. hd. mda. 5, 257) form sein, sonst wird es als neubildung von waschen aus anzusehen sein, besonders im nd. (mnd. weske ist nicht belegt): waskᵉ Bauer-Collitz 112ᵃ (vgl. wasche 289), wasch Schütze 4, 341, auch ndl. wasch. im bair.-öst. ist wäsch häufiger als wasch Schmeller 2, 1040. Schöpf 802. z. th. wird unterschieden: hess. wasche, das waschen, wäsche, das leinenzeug Pfister 1. erg. heft 28; meckl. wasch, ort, wo gewaschen wird, wäsch, die wäsche Mi 105. von wörterbüchern hat nur Pomay wasche: eine wasche einlegen, eine wasche haben (1709) 337ᵃ. — im alem. kommt übergang des geschl. umlaut -e in ö vor: wöschi H. Seuse 134 Bihlmeyer, jetzt schweiz. wösch Stalder 2, 457. Tobler 451ᵇ. Seiler 318ᵇ. Hunziker 302. auch bei Abr. a S. Clara ist wösch belegt, vgl. Schmeller a. a. o.
bedeutung. wäsche ist in seiner anwendung viel beschränkter als das verbum waschen.
1)
ganz überwiegend wird es vom leinenzeug und sonstigen im haushalt verwendeten zeugen, die regelmäszig gereinigt werden, gebraucht.
a)
in abstracter auffassung besonders das alle par wochen wiederkehrende allgemeine waschen, das waschfest: daʒ man die leinwat in der wesch mit unmäʒleichem pleuen wüst und gewüst hat stadtrecht von München 122 (art. 318) Auer; ein guͦtú wöscherin ... die alles suber und rein macht mit der wöschi H. Seuse 134 Bihlmeyer;
wenn mein fraw zwegt,
fegt oder becht,
auch in der wesch,
wachsen mir resch
die kifferbes mit jammer.
H. Sachs fab. u. schw. 4, 384, 30;
sein weib aus dem haus an die wesche gangen war Barth weiberspiegel F 3ᵇ; prediger ... welche ... was ihre weiber und mägde auff der gassen, bey dem bronnen, bey der wäsche ... aufffassen, aufffangen ... gleich bringen in die predigten Philander (1650) 1, 442;
hier (ist) die versprochene müze,
und der unvergängliche schlafrock,
sauber und glatt aus der wäsche.
Voss ged. (1802) 2, 210.
grosze, kleine wäsche: 1 grosze wesch Tucher haushaltbuch 29 Loose; regen der ihr kam, wenn sie die grosze wäsche vorhatte ... das war ihr gottesschlag v. Hippel lebensläufe 1, 66; weil man sich deren (der waschblasen) bey kleinen wäschen das wasser heisz zu machen mit nutzen bedienet Zedler 4, 55; els. klitterwäsch, pfuttelwäsch, seifewäsch Martin-Lienhart 2, 873. eine wäsche haben, halten, thun:
Gret, trag im ander kleider rab!
und du hast morgn ein wesch, mein Gret!
Ayrer 2389 Keller;
(ich) het ein wesch auf der (insel) Schutt Tucher haushaltbuch 29 Loose; ja, es ist schon gescheuert, und ich habe heut eine wäsche, wozu mir der liebe gott regen geschickt hat Caroline 1, 196 Waitz; darumb lasz uns so bald es tag wirt ein wäsch halten, alles gewandt auff künfftige hochzeitliche freud rein und sauber wäschen Schaidenraiszer Odyssea (1537) 23ᵇ; zue gebürenden zeiten die feur schauwen, auch die weschen, so hin und wider in den heusern gehalten werden, abschaffen mitteilungen a. d. fürstenbergischen archive 2, 7 (16. jahrh.);
seitdem wir keine magd mehr halten können,
ich selbst gehn musz im finstern wasser schöpfen, ...
die wäsche thun, und noch dazu vor allen nachbarn.
Tieck (1828) 3, 237 (Fortunat I, 5, 4);
eine wäsche machen, faire la lessive Rondeau. zur wäsche geben, in die wäsche geben, thun:
dô het der kamerære mîn
ze wesche gegeben vier röckelîn.
U. v. Lichtenstein 188, 26;
das zeug in die wäsche thun, aus der wäsche empfangen Rondeau; ja zugeben möchte ich, dasz sie als hausfrau ein recht hätte, es in die wäsche zu thun gegen den eigentlichen willen des mannes Alexis hosen 1, 35.
b)
seit dem mhd. wird das wort auch auf das zeug selbst übertragen, das zur wäsche bestimmt ist, gewaschen wird oder von der wäsche kommt: wäsche, getuch so gewaschen wird, bucato Krämer 1211ᵇ; die wäsche, das leinen geräthe, so man waschen will, wäschet oder gewaschen hat Ludwig 2389;
der wesche dô vergâʒen   diu hêrlîchen kint.
des hete wol gegoumet   diu übele Gêrlint ...
daʒ zurnte si vil sêre:   eʒ was ir an ir wesche leit und ande.
Kudrun 1266, 1 Martin;
und uff ein mal het sie ein grose wesch allein usz geweschen Pauli schimpf u. ernst 105 Österley; einen groszen korb voll schmutziger wäsche Gerstenberg lit. briefe 145 neudr.; da stand eine grosze wanne und allerlei wäsche darin O. Ludwig 2, 342; kähne, an deren tauen und strickleitern ... allerlei wäsche zum trocknen hing Fontane I, 5, 101;
hurtig ...
trabten die mäuler dahin, und zogen die wäsch'.
Voss Odyssee 104, 84 Bernays;
die wäsche klatscht vor meiner thür.
Schiller 4, 17;
hab ich sie nicht
zu hundertmalen im serail gesehn,
wenn sie der tochter weisze wäsche brachte?
13, 428, 2085 (Turandot 3, 7).
wäsche einlegen (Duez nomencl. 89), weichen oder bäuchen (Ludwig 2389), klopfen, auswaschen, ausringen, aufhängen, trocknen, legen (frauenzimmerlex. 980), rollen, plätten, stärken oder klären (Hayme jurist. lex. 1294):
endlichen er auch ersach,
wie dort ein arme fraw auff-hieng
an einen zaun ir wesch gering.
H. Sachs 21, 183, 33 Götze;
da ... Nausikaa, eines königs tochter, selber die verschwertzte wesche auszreybet, auffhencket und zusammen leget Mathesius hochzeitpr. 156, 13 Lösche; weiber wäschen undt schlagen die wäsche Elis. Charl. v. Orleans briefe (1707—15) 157 Holland; wir wollen ja waschen. die mädchen weichen die wäsche G. Hauptmann einsame menschen 88 (3. akt).
c)
wäsche als 'ort, wo gewaschen wird' ist nicht allgemein üblich: wäsche, waschplatz, lavatorio publico Krämer 1211ᵇ; wäsche, i. e. waschhausz, -küche, -platz, wasschery Kramer (1719) 259ᶜ. elsäss. wäsch 'waschhaus im freien, öffentlicher waschplatz an einem bach, waschbank' Martin-Lienhart 2, 873; meckl. wasch 'ort wo gewaschen wird' Mi 105.
d)
wäsche ist dann das waschbare zeug, dessen man für die bekleidung oder den haushalt bedarf, auch ohne rücksicht auf seine reinigung. so wird das wort schon am ende des 17. jahrh. gebraucht: wenn man etwas von wäsche linck oder verkehrt anziehet, wird man nicht beschrien J. G. Schmidt gestriegelte rocken-philosophia 1, 4; es sind nichts als skripturen und wäsche darinne (im koffer) Lessing 1, 493 (schatz 9); sie hielt sich überaus reinlich in kleidung und wäsche Nicolai Seb. Nothanker 1, 182; (der major fand) die eigenen kleider, wäsche und geräthschaften ... umher liegend Göthe 24, 334 Weim. ausg.; ein groszer mantelsack, worin ich ... meine meisten papiere und fast alle meine wäsche verpackt hatte Arndt erinnerungen³ 176;
sie visitiren gern und sehn der fremden sachen
und wäsch' und kleider gern.
Göthe 9, 78 (mitschuld. 553) Weim. ausg.;
und wäsche hab' ich auch nicht meh,
als nur ein einzig hemde.
Böhme volksthüml. lieder 425.
weisze, schwarze, reine, schmutzige wäsche: er hält sich hübsch (sauber) in weiszer wäsche, er trägt schwarze wäsche Rädlein 1031ᵃ; mancher ... geht nett und auffs wenigste sauber in kleidung, weiszer wäsche der wohlgeplagte priester (1695) 54; der sohn Albions, obgleich er weisze wäsche trägt und alles bar bezahlt, ist doch ein zivilisierter barbar Heine 3, 270 Elster; schon als kind hielt ich darauf, dasz ... meine wäsche sauber, meine kleidungsstükke proper erhalten wurden Bahrdt gesch. seines lebens 1, 146; trägt sie gar beschmutzte wäsche, so ist sie eine poetinn, ich wette drauf! Rabener werke 4, 338; so lange er uns unterrichtete, trug er immer den nämlichen rock und furchtbar schmutzige wäsche Steffens was ich erlebte 1, 190. grobe, feine wäsche: grobe wäsche, gros linge. klare wäsche, menu linge Rondeau; sie haben allezeit schöne kleider, feine wäsche, und geld so viel sie brauchen Wieland 11, 80 (don Sylvio 1, 11); alle stände ... tragen feine wäsche Archenholz England u. Italien 1, 2, 412;
ihr habt da einen saubern spitzen
am kragen, und wie euch die hosen sitzen!
die feine wäsche, der federhut!
Schiller 12, 22 (Wallenst. lager 6).
frische, alte wäsche: nur reinlich, nur sauber, nur frische wäsche und frischen muth! Gutzkow ritter vom geist 1, 329; bedachte sich ... ob es die alte wäsche noch für eine woche thun müsse G. Keller 4, 218. trockene wäsche: isz dort und bekleide dich mit trockener wäsche Grabbe 3, 446 Blumenthal. wäsche anziehen, anhaben, tragen, wechseln: er ... war sehr geschäftig, uns, indem wir unsere stiefeln auszogen und wäsche wechselten, zu bedienen Göthe 19, 293 Weim. ausg.; seine wäsche wurde täglich gewechselt Gutzkow ritter vom geist² 3, 82.
e)
die auf das waschen des leinenzeugs und dieses selbst bezüglichen wendungen werden gern bildlich und übertragen gebraucht.
α)
grosze wäsche hiesz früher in Preuszen die sonntägliche wachtparade (weil manchem dabei der kopf gewaschen wurde) Horn soldatensprache 138; in der schülersprache für lehrerkonferenz Eilenberger pennälersprache 68 (Borna); mit verschiedenen gründern veranstaltete man in wahlversammlungen eine feierliche wäsche Glagau des reiches noth 54; pries man das klosterleben als eine zweyte taufe, als einen stand der reinigung und abwaschung von allen flecken der seele ... im siebenten jahrhundert gab schon beynahe jeder vater einige kinder in diese heilige wäsche Zimmermann über die einsamkeit 1, 132;
man hatte zwar einen andern in der wasche (in aussicht).
Kortüm Jobsiade (1799) 2, 115;
ich möchte kein hemd in dieser wasche haben Kirchhofer schweiz. sprüchw. 267; der hat au in jeder wäsch e hemd von einem, der sich in jeden streit mischt Martin - Lienhart 2, 872; schweiz. er hed by - n - em i der wösch 'er hat bei ihm sein vermögen aufs spiel gesetzt' Wander 4, 1796; föl en der weschen on wenech am tung 'viel prahlen und wenig besitzen' Leihener 134; er dörfte wohl in der wäsche bleiben von Gottsched vernünft. tadlerinnen 1, 180 unter den redensarten des Leipziger frauenzimmers angeführt;
ein falsches wort uns gleich betäubt,
und wenn es in der wäsche bleibt,
so musz es freylich schmerzen.
Christiane Mariane v. Ziegler verm. schriften (1739) 165;
in der letzten wäske sin 'nicht mehr lang zu leben haben' Wander 4, 1796.
β)
das reich ist zu jung, wir wollen lieber mal unsere wäsche unter vier augen waschen Bismarck polit. reden 11, 115 Kohl; i möcht die wäsch nit wäsche Martin-Lienhart 2, 872; tausend dank, dasz sie meine schwarze wäsche immer so gütig waschen fürst Pückler briefwechsel u. tageb. 3, 424; aber diesmal ... wusch er seine schmutzige wäsche wie das allergewöhnlichste alte weib und füllte anderthalb bogen mit seinen gefühlen, wünschen, hoffnungen und befürchtungen Raabe Schüdderump 3, 97; sie haben unter sich etwas schmutzige wäsche zu waschen Wander 4, 1796; er hat schwarze wäsche auf dem boden (auf der leine, am troge) ebenda; wir haben in unseren auswärtigen beziehungen recht reine wäsche und nicht sehr viel zu verbergen Bismarck polit. reden 6, 216 Kohl; ich musz mich ganz aufknöpfen, blosz damit der sohn meines jugendfreundes sieht, dasz ich reine wäsche anhabe (dasz ich ohne makel dastehe) Heyse kinder der welt 2, 191; unsere seele musz, wenn sie nicht verkommen will, jeden tag ihre wäsche wechseln G. Keller nachgel. schr. 105.
γ)
sprichwörtlich: de smutzige wesche un de lögen sammelt sek Schambach 2, 76; man musz die wäsche aufhängen, wann 's schön ist Sailer 279; mancher hat ein grosze wäsch von wenig lumpen eingelegt Lehmann 735, 15; bei der groszen wäsche wird sich's finden Wander 4, 1796; viel in der wasche, wenig in der tasche Simrock 11211.
2)
wäsche ist sonst noch vom reinigungsverfahren in allerlei betrieben üblich, doch wird es so meist in zusammensetzungen gebraucht. wäsche der wolle, meist schon mit den schafen vorgenommen: daʒ córter déro gescórenon scâffo, dîe der ûfgênt vóne wáske Willeram 55, 4; s. auch o. Diefenbach gl. 460ᶜ. besonders in hüttenwerken, wäsche der erze: dasz das wasser ohne schaden weggeführet und niemanden keine wäsche zwischen den schächten vergönnt werden solle cod. dipl. Silesiae 20, 249 (1528). so heiszt dann auch die werkstatt, wo die gewonnenen erze von andern bestandtheilen gereinigt werden Junghans gräublein ertz (1680) F 3ᵃ. Minerophilus (1730) 707. Jacobsson 4, 594ᵇ; was nun ... in diesem kreisz ligt von hütten, ..., buchwerck, weschen, ... und zechheusern ..., das gehöret zu der pfarr in S. Jochimszthal Mathesius Sarepta (1571) 137ᵇ. wäsche des goldes: wann die goldwäscher waschen, dasz er (der einnehmer) seinem eide und pflicht noch von der wesche nicht abweiche cod. dipl. Silesiae 21, 5 (1529); zeigt sich ..., dasz es diesen bergleuten ... vorzüglich um die wäsche des goldschliches aus den Ocker-erzen zu thun war Ritter erdkunde 3, 335. mit örtlicher auffassung: dieses gold scheint aber ... nur in wäschen gewonnen worden zu sein Ratzel völkerkunde 2, 588. sonst von mineralien: wäsche der diamanten; der zinnober von der zweyten wäsche aber sey der beste Vitruv übers. v. Rode (1796) 2, 121 anm. im Elsasz ist wäsche auch der vom wein ausgeschiedene weinstein: der win het dis jor nit vil wäsch Martin-Lienhart 2, 872, vgl.faszwäsch, gelbliche brühe, die übrig bleibt, wenn man den wein aus dem fasz gezogen hat.
3)
vom menschlichen körper gebraucht Otfrid das wort:
nant er imo ein waʒar   hiaʒ faran wasgan iʒ (das auge) thâr,
mit wasgu, so iʒ gizâmi,   thaʒ horo thana nâmi.
3, 20, 26.
jetzt wird in diesem fall waschung vorgezogen, doch steht auch wäsche, wenn sie an andern vorgenommen wird: mohrenwäsche, wäsche der kinder. daran schlieszt sich ein übertragener gebrauch, wo wäsche ausdrückt, dasz jemand tüchtig mitgenommen oder in eine unangenehme lage gebracht wird, vgl. waschen II 2 d 'prügeln, schelten'; es wird dabei z. th. auch an die häusliche wäsche als unangenehme, zeitraubende arbeit (Martin-Lienhart a. a. o.) gedacht:
einer über kurz und lang
kann es (das spottgedicht) lesen, und ein jeder
kennt die züge seiner feder.
ihn verlangt nach keiner wäschen,
besser ist's, es auszulöschen!
Schwab ged. 1, 288;
thür. sine wesche krie 'schelte bekommen' Döring 87; holst. in die wasch kriegen 'durchhecheln' Schütze 4, 341; er wird eine grausame wäsche bekommen, in magnam difficultatem incurret Stieler 2447; einen in eine wäsche führen, engager quelqu'un dans une mauvaise affaire Rondeau; bair. einem ə ̃ wesch zurichten, einen in ə ̃ wesch bringen, in ə ̃ wesch kemen Schmeller 2, 1040. Schöpf 802; in Wien du wiarst in a rechti wäsch kuma Hügel 184;
unser narr ist mit worten resch
und richt offt an gar seltzam wesch,
wann er stecket vol phantasey.
H. Sachs 21, 104, 19 Götze
(wo auch an wäsche 'thörichte reden' gedacht werden kann); (Eva) welche ... hernach den Adam in eine solche wäsch gebracht, woran wir noch trücknen Abr. a S. Clara Judas (Salzb. 1686) 1, 43; so lang die welt steht, hat nie ein weib solch saubere wösch zugericht derselbe bei Schmeller a. a. o.; wir sind in einer saubren wäsch drin Hensler Donauw. I, 1, 13; das wird aber auch eine schöne wäsch geben, wenn dem seine betrügereien einmal an's tag'slicht kommen Raimund (1855) 2, 5 (der verschwender). als ausruf: das ist eine schöne wäsche, quanta perturbatio rerum! Stieler 2447; des is a saubri wäsch! Hügel 184; das ist eine wilde wäsch! Raimund 4, 19; wieder eine feine wäsche! Hafner lustspiele 2, 103. in Tirol kommt wäsch auch als 'lärm, gepolter' vor Schöpf 802. als kunstausdruck beim kartenspiel: wenn ein spieler (beim piquet) alle 12 stiche macht, so nennt man dies die vole, die wäsche, das tout v. Alvensleben encyclopädie der spiele (1853) 384, s. waschen II 2 d. als wäsche für menschen und thiere wird auch der regen angesehen, vgl. waschen II 5 b: 's git e wäsch Martin-Lienhart a. a. o.; vgl. die wetterregel:
kommt die esche (ihre blätter im frühling) vor der eiche,
gibt es eine grosze bleiche (trockenen sommer),
kommt die eiche vor der esche,
gibt es eine grosze wäsche;
bair. d' a ̃l (ahnel) richt ə ̃ wesch à ̃ 'es steht ein regen bevor' Schmeller 2, 1040;
der regen gieszt in tonnen aus
und hält gewaltige wäsche.
D. v. Liliencron adjutantenritte 32.
4)
zu waschen 'plaudern, klatschen' gehört wäsche 'gerede', das nicht häufig ist: wäsche, profluentia loquendi Stieler 2447; wäsche, klatscherey, chiacchera, babil Rädlein 1031ᵃ;
ihr (Deutsche) thut alles mischen   mit faulen fischen
und macht ein mischgemäsch   ein wüste wäsch.
klaglied v. t. Michel bei Philander 2, 123.
vgl. wische wesche, päpäperlepäp! ... lauter grillen-possen! Fabritius verbessertes kippe die wippe (1688) D 3ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2218, Z. 22.

wäsche, f.

wäsche, f.
tante, base s. wäschen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2222, Z. 72.

wersche, f.

wersche, f.
1)
rana bufo Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 643. bei Tortellius vocabulorum gemma (Köln 1495) C 6 findet sich: blatera est sonus ranarum der woershen gheluyt; vgl. auch wätsche teil 13, 2592.
2)
vespa Unger-Khull steir. 630.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 444, Z. 3.

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werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„wersche“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wersche>.

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