Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

wascher, m.

wascher, m.
apparat, der zum waschen dient, nomen instrumenti zu waschen (wol nach engl. washer). einrichtung zum entfernen der schmutztheile bei der papierfabrikation Lueger 6, 649. gefäsz zum reinigen des rübensaftes Karmarsch-Heeren ³ 11, 402. cylinder, in dem die gase des kalkofens zur gewinnung der kohlensäure gereinigt werden Muspratt chemie 4, 1635. waschofen, in welchem dem flüssigen roheisen durch einwirkung von oxyden der phosphor entzogen wird Beck gesch. des eisens 4, 581. auch in der form wäscher Muspratt chemie 8, 20.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2245, Z. 71.

wäscher, m., nomen agentis

wäscher, m. nomen agentis
zu waschen, im älteren obd. mit der nebenform wascher: voc. inc. teut. C 2ᵇ. Diefenbach gl. 94ᵇ s. v. candarius. J. Locher ein gnadenreichs privilegium christlicher freiheit (1524) A 2ᵃ. Kirchhof wendunmuth 1, 238 Österley. Nigrinus von zäuberern (1592) 209. Albertinus hirnschleiffer (1664) 333. Moscherosch (s. u.). Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 169.
1)
im eigentlichen sinn: Diefenbach gl. 251ᵃ fullo, 337ᵃ lothor, nov. gl. 239ᵇ lotor, wescher; wäscher under dem troszvolck im krieg, lixa Dasypodius 450ᵇ; lavans, lavator Stieler 2477;
ein gouch kein rein hempt tragen kan,
er muͦsz vor hyn ein wescher han.
Murner geuchmatt 4518 Uhl;
er (der engel des herrn) ist wie das fewr eines goldschmids, und wie die seiffe der wesscher Mal. 3, 2; so gedenck dasz du dich zuvor versehest und versorgest mit einem oder mehr hauffen aschen ... es sey von löhern, badern, weschern oder andern Fronsperger kriegsbuch 2 (1573) Hh 6ᵃ; aber der unbesonnene wäscher erfuhr im werck die gefahr und ungelegenheit, darinn er sich gesetzt hatte, dann alles was er reinigte und weisz machte, das machte der kohler schwartz und unrein Albertinus Gusman v. Alfarche 182; die wäscher hatten sehr hohe ... wannen ... mit wasser aufgesetzet der Leipziger aventurier (1756) 1, 27. sprichwörtlich:
gnug holz und gute äsche,
hilft faulen wäschern wäschen.
Kirchhofer 353.
in dem sinne von windelwäscher (s. waschen II 6 n):
was schadts, du gibst ein wäscher steiff.
engl. comedien u. tragedien (1624) Z z 5ᵇ.
wäscher von geld (s. waschen II 4 a): dasz obgemelte ringerer, beschneidiger, schwächer, wäscher, schmeltzer ..., aufwechsler und fälscher ... gestrafft ... werden sollen münzordnung kaiser Ferdinands I. (1559) § 161, des heil. röm. reichs ordnungen (1579) 2, 220ᵇ. in bergwerken: wäscher, seyffer, lotor metallicus Emmelius nomencl. 379; schichtmeister, huttenleut, lehenheuer, wescher, röster cod. dipl. Silesiae 20, 259 (1528); Ebers enigklin sind selige sincker und wescher gewesen Mathesius Sarepta 6ᵃ; der wäscher, der den räder regiert Ercker beschr. aller mineral. ertzt 45ᵃ; es haben die bergleuth ein anderen laufkarren, der gröszer ist weder dieser, welchen die wäscher oder seiffer, so sie die erd ... wäschen wollen, gebrauchend Agricola bergwerckbuch verd. durch Bech (1621) 116; wäscher ist derjenige, welcher die arbeit der wäsch-ertze verrichtet Minerophilus (1730) 707; wäscher, wäschsteiger Jacobsson 4, 596ᵃ. auch für waschjunge: wäscher seynd die jungen, so das gepuchte ertz auff den planen abläutern Berward phras. metall. (1702) 22.
2)
übertragen steir. wascher 'kurzer heftiger regengusz' Unger-Khull 618ᵇ, vgl. waschen II 5 b.
3)
in der bedeutung 'schwätzer, plauderer' tritt wäscher bei Mittel- und Niederdeutschen seit dem 14. jahrh. auf, ist dann bei Luther ungemein beliebt und unter dessen einflusz und namentlich der biblischen wendungen, an die vielfach angeknüpft wird, erscheint dann das wort nicht nur bei Ost- und Westmitteldeutschen, sondern auch bei H. Sachs, bei dem aus dem Würzburgischen stammenden J. Nas, bei Fischart, im 17. jahrh. noch bei andern Elsässern (Moscherosch, Dannhawer), bei den Nürnbergern J. Ayrer, Harsdörffer u. a. von den wörterbüchern vermeiden es die obd. (Dasypodius, Maaler und noch Hulsius und Dentzler) anfangs, Güntzel 838 erwähnt wescher, lugenwescher, schwetzer, plauderer, seit Krämer und Stieler wird es allgemein angeführt; Adelung und Campe bezeichnen es noch nicht als veraltet, doch verschwindet es am anfang des 19. jahrh. aus der litteratursprache, und auch in den mundarten scheint es jetzt wenig boden zu haben (aus dem südl. Westfalen wird drögewäsker 'waschmaul' angegeben nd. jahrb. 3, 126).
a)
in der bedeutung ruht das hauptgewicht auf dem vielen reden, dem sinn und verstand fehlt; wäscher ist ein unwissender, unbesonnener oder auch frecher mensch, der von dingen zu reden pflegt, die er nicht versteht: Diefenbach gl. 180ᵃ dicaculus, dicax, wesscher, wesser (nd.), 461ᵃ procax, wescher, nov. gl. 61 bucco, wescher, schwatzer, 141ᵇ dramaticus, wescher; verborum opifex, multiloquus ... ein schwetzer, wescher ... locutuleius, ein feindtseliger unnützer wescher Alberus dict. 28ᵇ; garrulus, ein kleffer, unnützer wescher Faber thesaurus (1587) 352ᵃ; blatero, wäscher Corvinus fons latinitatis (1646) 112; der selbige Heinrich sagete synen gedunken so her beste konde uff synen eyt, da sprach Nyckel Torboum ..., was fragit ir den weszscher, fragit forder unde laszit den wescher sicze gesetze der stadt Nordhausen (1383), neue mittheil. aus dem gebiet hist.-antiqu. forschungen 3, 4, 96; do der her zum thoer, das noch zu gespert, geschickt und nicht so viel, als er gewolt, befunden, ist der selbige wescher zum hern gangen und gesagt, es sey nymantz bey dem thoer, und als ein menger (zwischenträger) nicht dasz peste geret chronik der stadt Elbogen 104 (1502) Schlesinger; wenn einer lang geredt, mus er nicht auch hören? mus denn ein wesscher imer recht haben? Hiob 11, 2; ja die propheten sind wescher, und haben auch gottes wort nicht Jer. 5, 13; es ist ein fehrlich ding in einem regiment, umb einen schwetzer, und ein jeher wesscher wird zu schanden Sirach 9, 25; die unnützen wesscher plaudern, das nichts zur sachen dienet 21, 27; da hastu wol angezeigt, wie Moses ein unnützer wescher ist, das er von unnützen sachen soviel fests macht Luther 24, 445, 29 Weim. ausg.; denn gott ist nicht ein unnützer wesscher, das er sein wort ynn wind werffe 493, 26; nichts, denn eytel wesscher und plauderer, die viel vom glauben und geist speien, wissen aber nicht, was es sey 30, i, 97, 18; sihe, das ist denn ein rechter bitter, nicht den andern unnützen wesschern gleich, die wol viel plappern, aber solchs nimer erkennen 32, 419, 17; er (Thersites) war ein unnützer wäscher und feindseliger plauderer, niemand kunt vor seinem schwetzen zukommen Alberus fab. s. 8 Braune; untüchtige brandtmalige umbleufter, lügenprediger, mehrlinträger, wescher, schwetzer Z. Müntzer bepstl. gesch. 470; es kan niemant vor unnutzen weschern sicher sein Joh. Nas das antipap. eins und hundert 1, 102ᵃ; alles was er redet ist gut ... denn er ist kein wescher M. Neander sylloge locutionum 31ᵇ; so finden sich gen Philippen vil hunde und wölffe, zenckler, disputirer, und unnütze wescher Mathesius Sarepta (1571) 229ᵃ; dasz die menschen der esel oder hundsknochen, die eyn landläuffer oder unnützer wescher ihnen hat fürgelegt vor der heyligen marterer gebeine, ohne alle beschwernusz haben angenommen und dafür angebettet Fischart brotkorb (1583) 4ᵃ; du bist halt ein grober unverschämbter geist und wäscher Ayrer hist. proc. juris (1600) 385; unnütz geschrey, blerren und geschrey sollen die belägerten gegen dem feindt mit nichten treiben, wie etlich viel und grobe wäscher im brauch haben Kirchhof discipl. milit. 35; ist jemand still, so spricht der böse: er ist stumm! redet er dann viel und wohl von der sache, so nennet er ihn einen wäscher Olearius Barthrouherri sprüche 108 (II, 5, 7); ein wäscher ist, der alles auf das ärgste ausecket, entzweyet, zwispaltet Harsdörffer poet. trichter 3, 466; die ungeschickte wäscher (prediger), die mit ungewaschenen händen, ohne gebet, ohne fleisziges meditiren das allerheiligste ampt angreiffen, wollen andere lehren Dannhawer catechismus-milch 1, 432; dasz er diesen schwäbischen wäscher und Hansz in allen gassen in sein land beruffen Alemannia 11, 203 (Straszburg 1658); haltet das maul! ihr seit ein wäscher Gryphius schauspiele 325 Palm (Dornrose 4); aber es giebt unter den schulmeistern offt wunderliche käutze. säuffer, spieler, wäscher, postträger der wohlgeplagte priester (1695) 128; meinen sie denn, dasz es unter ihnen keine solche zeitungsträger und wäscher giebet die vernünft. tadlerinnen 1, 142; ein wäscher gilt dorten (im regnum intelligibile) so viel als ein kluger kerl Gundling satyr. schriften (1739) 503; schale, platte wäscher sind sie alle; keiner hat auch nicht einmal seinen eigenen ton Lessing 8, 205; o wäscher! (garrule!) d. junge Göthe² 1, 29; der wäscher in gesellschaften Herder 5, 379 Suphan; bekanntlich sind die meisten ... chronikenschreiber armselige wäscher allg. deutsche bibliothek 8, 168; ist es erlaubt, dasz ein mann von sitten, der nichts als ein politischer wäscher unter vier augen ist, einem manne von verdienst umsonst und um nichts so zu leibe geht? Knebel an Carol. Herder (von und an Herder 3, 138); leerheit und nichtigkeit der politischen ausleger und wäscher, welche ohne alle kenntnisz der geschichte und der verhältnisse der völker und zeiten ins blaue hineinschieszen Arndt schriften 1, 482;
der unnütz wäscher plaudert vil
unnützer wort on masz und zil.
H. Sachs 19, 88, 7 Götze;
ein weiser seinen mund bezwingt,
dasz er was leszt vorüber gahn.
drumb bleibt die schand beym wescher stahn,
ursach, wie sol der reden guͦt,
so nie begert redlichen muͦt.
Kirchhof wendunmuth 1, 278 Österley;
als die schlang in dem paradisz,
da sie gotts gbott auszlegt ongwisz.
von dem maulkrämer, zungentrescher
habens gelehrnt all andre wäscher,
die sich der schrifft han angenommen
und doch derselben nicht nachkommen.
Fischart 2, 352 Kurz (d. gelehrten d. verkehrten 789);
du schreibest zur verhör den klägern tage zu
und theilst die ohren aus den wäschern, welche du
mit ihrer plauderkunst muszt viele stunden hören.
D. v. Czepko, Wagners archiv 1, 202;
als ich vernam die newe mehr,
wie dasz mein mann erschlagen wehr,
und bald ein ander kam und sprach
es wehre nichts noch an der sach ...
da klagt ich nur der wäscher streit.
Rist poet. lustgarten G 8ᵃ;
halt, wascher, an das wort,
und lasz dir richtig zeigen
wie? was? du reden solt.
Knittel poet. sinnenfrüchte 169;
sucht ihr für wäschern ruh,
schnallt ohr und lippen zu.
Abr. a S. Clara etwas für alle 1, 338;
die beste heuchler, lügner, wäscher,
wahrsager, ärtzt', und zungendrescher.
Warnecke poet. versuch (1704) 289;
doch weil ...
ein jeder wäscher jetzt in urthelstuben (vor gericht) springt.
Neukirch gedichte (1744) 129;
wie weh ist einer stadt geflucht,
in der ein advocaten-schreiber ...
das handwerck seines herrn, das er nicht kann, versucht?
was wird daraus? ein bloszer wäscher,
ein gift des volcks, ein zungendräscher.
Lichtwer fabeln 3, 20;
wenn kahle schreiber selbst die dichtkunst niederschlagen,
und wäscher, sonder witz, den dichter hämisch plagen.
Triller poet. betrachtungen (1750) 3, 560.
übertragen von der zunge:
die ungezäumte zung, der kuder-wälsche wascher.
Moscherosch lobgedicht auf Rist (dessen neuen himl. liedern vorgedruckt) B 3ᵇ.
b)
zuweilen tritt das bedeutungsmoment der üblen nachrede besonders hervor: ein wesscher ist nichts bessers, denn eine schlange, die unbeschworen sticht pred. Sal. 10, 11;
ir herrn, ich wil zum könig dar
und im ewr unschuldt anzeygen
und warnen in, das er thut neigen
sein ohren den unnützen weschern,
den ehrabschneidern, zungen-dreschern.
H. Sachs 11, 150, 26 Keller;
und sag nicht bald was du vernommen,
das du nicht möchst zuthun bekommen
mit leuten, die des wäschers gifft
an ihren guten namen trifft.
Ringwaldt lauter warheit 129.
häufiger das des ausplauderns von heimlichkeiten:
umb ein schwätzer, der alle zeit
offenbart alle heimligkeit.
ein jeher wescher wird zu schanden.
H. Sachs 19, 39, 12 Götze;
wo nicht ein verrähter oder wescher unter uns, von dem sie unsere reise erfahren Kirchhof wendunmuth 4, 295 Österley; dasz sie (meine erben) solches (buch) ... in geheim halten wollten ... dasz nicht grobe hübeler, ausschwätzer und wäscher darüber kommen v. Schweinichen denkw. 7 Österley; ein klätscher und leichtfertiger schwetzer ist wäschhafftig, ... ein wäscher (futilis) schwatzet die heimligkeit ausz Comenius sprachenthür (1640) § 838; wann einem ein heimligkeit vertrauet wird, und er solche offenbahret; ist er entweder ein ungerechter mensch oder ein wäscher Reinecke fuchs (1650) 164; verständige und verschwiegene, und nicht wäscher und plauderer Schupp schriften 539.
c)
sprichwörtlich:
wer kan allen weschern unnütze
allzeit vor ihrem maule sitzen.
Eyering 1, 520;
jung wescher, alt zungendrescher.
3, 110;
keinem wescher soll man vertrawen,
auf keines lügners wort was bawen.
3, 130;
dem wäscher nichts mit allem trau,
denn omnes red sei dir ein grau.
Werner chronik von Magdeburg 191;
keinem wäscher sol man trauen Schottel 1120.
d)
wäscher vom frosch, weil er sich unermüdlich hören läszt (vgl. lat. blaterare vom frosch):
das junge feder-volck das sang mit süszen stimmen
den jungen tag laut an, der fisch der gieng zu schwimmen
aus seinen ufern vor. der froosch, der wäscher, rief.
Fleming 52.
im Froschmeuseler B 8ᵃ ist Wäscher der name eines froschs.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1916), Bd. XIII (1922), Sp. 2246, Z. 4.

werser, adv.

werser, adv.,
'übler', s. unter wirs teil 14, 2, 621 ff.; zu den dortigen belegen noch: wir können ... falschen brüdern und ketzern ... nicht werscher thun ... denn dasz wir sie lassen machen, was sie machen Luther tischr. 2, 330 W. u. ö.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 444, Z. 19.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„werscher“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/werscher>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)