Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

wert, adj.

wert, adj.
formen und verbreitung. got. waírþs; an. verđr, schwed. värd, dän. værd; afries werth; ae. weorđ, engl. worth; as. werđ, mnd. wert, mndl. wert, waert, ndl. waard; ahd. wërd, mhd. wërt (die flexionsformen zeigen -d-, z. b. dat. pl. werd-en), nhd. wert (mit dehnung des stammvokals vor -rt und eindringen des auslautenden -t in den inlaut; dat. pl. wert-en). —mundartlich ist wert für den gesamten dt. sprachraum bezeugt, vor allem in wendungen wie he is keen penn vēad Mensing schlesw.-holst. 5, 597; 's is nich der rede wäärt Müller-Fraureuth obersächs. 2, 659; es ist öpis wërt, wenn ... Hunziker Aargau 294.
herkunft und gebrauch. die etymologie ist umstritten (s. Hellquist svensk etym. ordb. [³1948] 1392 f. und J. de Vries etym. woordenb [1958] 265 f.); es besteht aber darin weitgehende einig keit, dasz kymr. gwerth, finn. verta, lit. ver̃tas, apreusz. werts und aslav. -vrědǔ (in: nevrědǔ 'unwürdig') als entlehnungen aus dem germ. anzusehen sind, und daszin anschlusz an Brugmann idg. forsch. 13, 88 anm. 1 — germ. *werþa- am ehesten zu got. -waírþs 'wohin gewendet' (= nhd. -wärts), lat. vorsus und air. frith- 'gegen' gestellt werden kann, unter hinweis auf lat. pretium 'als gegenwert dienender preis' neben griech. προτί, ai. práti 'gegen' (s. Walde-Pokorny vgl. wb. 1 [1930] 275 u. Hellquist a. a. o.). — das adjektiv erscheint im got. und ahd. ausschlieszlich, im ae., as. und an. vorwiegend prädikativ, gewöhnlich mit einer dativischen bezugsgrösze oder einer genitivischen bestimmungsergänzung, oft auch mit einem bestimmungsgliedsatz oder abhängigen infinitiv. dieser gebrauch reicht vom got. bis ins nhd., vermannigfaltigt vor allem dadurch, dasz seit dem 15. jh. auch akkusativische bestimmungen, besonders als wertangaben, üblich sind (s. 1 c δ). hingegen findet sich attributives wert auf hd. sprachgebiet erst im 12. jh., ist seitdem aber ungemein häufig, mhd. vor allem im sinne von '(wert-)schätzung verdienend, edel, herrlich' (s. u. 2 a α sowie dt. wortgesch. 1 [1943] 161 f. und 206 Maurer-Stroh), nhd. besonders in der schon mhd. auftretenden bedeutung '(wert-)geschätzt, verehrt, teuer' (s. u. 2 a β), wobei also das wort nicht mehr auf einen objektiven, von der ritterlichen gesellschaft zu schätzenden wert, sondern auf eine subjektive, persönliche bindung bezogen ist. früh begegnet ferner ironischer gebrauch (s. u. 2 a γ), der die anwendung des beiworts in höflicher anrede seit dem 1. weltkrieg unüblich werden läszt. ungebräuchlich wird im nhd. auch die im mhd. sowie mnd.-mndl. verbreitete adverbiale verwendung (mhd. wërde 'auf eine würdige, ehrenvolle, herrliche weise' mhd. wb. 3, 602). im übrigen spielt wert zunehmend eine rolle als grundwort zusammengesetzter adjektive; vgl. ehren- (teil 3, 67), hoch- (teil 4, 2, 1639), lieb- (teil 6, 980), un-wert (teil 11, 3, 2184 ff.) sowie die zahlreichen bildungen des typus beachtens-, sehens-, wissens-wert.
1)
prädikativ.
a)
wert sein 'angesehen, geschätzt, bedeutung und geltung (wert) habend sein':
ir birut mihil uuerda   salz therera erda,
iueraz girati (rat, lehre)   scal salzan uuoroltdati
Otfrid II 17, 1 Kelle;
valuit uuerd uuas (10./11. jh.) ahd. gl. 2, 274, 13—15 St.-S.; uilia uasa. uti tu estimas colerentur. pretiosa sordescerent undiuriu faz uuerd uuârîn. unde aber tiuriu unuuerd uuârîn Notker 1, 228, 9 f. P.;
frowe, ir sît schœne und sît ouch wert:
den zwein stêt wol genâde bî.
waz schadet iu daz man iuwer gert?
joch sint iedoch gedanke frî
Walther v. d. Vogelweide 62, 16 Kraus;
zum vierden so wurdt zu zeiten und sonderlich ietzt, so das leder werdt ist, das leder zu bald ... aus der werckstatt genommen, zu verkauffen (1507) urk.-b. d. st. Heilbronn 3, 155 Rauch; der gelehrt ist werth Lehman floril. polit. (1662) 1, 319;
wo ist,
auch ohne lohn und ohne schwert,
das recht gesichert, tugend werth?
Kretschmann s. w. (1784) 1, 67;
vernunft, wie grosz ist deine kraft,
wie werth sind deine lehren,
wenn sie der süszen leidenschaft
geheimen wunsch gewähren!
Pfeffel poet. vers. (1816) 1, 98;
doch glänzt, vor allem andern lieb und werth,
das holde mägdlein auf der blumenweide
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 218;
so auch mundartlich: im winter is 's holz wërt Hunziker Aargau 294; Schmeller-Fr. bayer. 2, 991. wert sein im vergleichssatz (typus: wie oder als er wert ist) kann eigentlich schon nicht mehr als absoluter gebrauch gelten und leitet zu c über: (iustitia) sua cunctis attribuens. nullumque eo quo non merebatur afficiens mannolichemo rehtonde. nîomannen anderes hefenonde. danne sô er uuerd ist Notker 1, 801, 24 P.;
was gilts, ich wil dir noch begegnen
vnd dich, gleich wie du wert bist, segnen
Fischart s. dicht. 1, 131 Kurz;
damit er die guggisz zweymahlen theuwrer moͤge verkauffen, dann sie waͤrdt seindt Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 18.
b)
etwas oder jemanden (sich) wert haben (achten, finden, halten, machen u. ä.) '(wert-)schätzen bzw. (wert-) schätzung verleihen': ich han uch sere lieb und sere wert und dete durch uwern willen me dann ir wenent Lancelot 1, 286 Kluge;
was man vor zeitt hett lieb vnd wertt,
desselben ietz man lützel gert
liederb. d. Hätzlerin 38 Haltaus;
darumb so sollen wir ... die herliche historiam und offenbarung von der tauff Christi hoch und werd halten und tewer achten (1546) Luther 51, 115 W.; wer sol seinen frommen herrn vnd fuͤrsten nicht werth vnd in ehren halten? Heyden Plinius (1565) vorr. 6ᵃ;
alte leut, alte pferd
acht niemand werdt
Eyering proverb. (1601) 1, 54;
die Gergasener, die jhre saͤu uͤber gott liebten vnd werth hielten Lehman floril. polit. (1662) 1, 385; letztere bestreben sich, sich durch dienstfertigkeit, durch redlichkeit und treue gefällig und werth zu machen Schiller 1, 18 G.;
das ist es ja was man begehrt,
der rost macht erst die münze werth
Göthe I 15, 1, 164 W.;
das (musik, kunst, heitre leichtigkeit) macht das leben wert, die herzen weicher
Wildgans österr. lieder (1914) 12;
kinder sind'n jeschenk vom himmel, du hältst es aber nich wert C. Viebig die vor den toren (1949) 199. zuweilen auch in präpositionaler fügung für wert halten: inn fuͤrsten vnd herren fuͤr edel, lieb vnd werd halten Riederer rhetoric (1493) g 2ᵃ;
die haltend jn für hoch vnd werd,
ja, für die best artzny uff erd
H. R. Manuel weinsp. v. 2494 ndr.;
es kam die zeit, in der ich mich gerade für wert hielt, mich zu verbrauchen Binding erlebtes leben (1928) 142.
c)
gewöhnlich mit ergänzungsbestimmungen verschiedener art verbunden.
α)
einer präpositional angeschlossenen: vorwâr sage ich ûch daz kein prophête ist wert in sînes vatir lande Matthias v. Beheims evangelienb. 124 Bechstein;
so findt man auch vil edler voͤgl,
die haben lange krumme negel,
sind doch bey grossen herren wehrt
K. Scheit Grobianus v. 633 ndr.;
sie ... waren ... in gottes auge koͤstlich, lieb vnd wert Joh. Arndt nachfolgung Christi (1631) 22;
wer reich ist, ...
...
ist bey den groszen werth
B. Neukirch ged. (1744) 173;
Bacchus und Silen mochten sich immer bey der weinlese zuerst berauschen: sie blieben doch in jedem andenken als erfinder und wohlthaͤter lieb und werth Th. Abbt verm. w. (1768) 1, 6; oft in der verbindung wert gehalten bei (von) jem.: so pistu pey mir ewig wert und liebe gehalten Arigo decamerone 159 lit. ver.; dann ich was lieb und wert bey den edlen und der priesterschafft gehalten Frey gartenges. 41 B.; der Amalia magd aber ... wurde darum so beruͤhmet und von ihren herrn werth gehalten, weil sie sich vor dem gespenst so gar nicht entsetzte J. Riemer pol. maulaffe (1679) 30; es war eine von ihnen wert gehaltene meinung, dasz ... Meinecke Boyen (1896) 1, 1.
β)
einer dativischen bezugsgrösze.
αα)
jemandem wert sein 'von jem. geschätzt werden' (s. auch unter d α):
obo uuir unsih minnon,   so birun uuir uuerd mannon
ioh minnot unsih thrato   selb druhtin unser guato
Otfrid H. 131 Kelle;
si tuônt al daz si tuônt, daz sie diên liûten uuert sîn omnia enim facivnt. vt videantvr ab hominibvs Notker(s gl.) 2, 58, 27 Piper;
tiur unde wert ist mir der man,
der guot und übel betrahten kan,
der mich und iegelichen man
nach sinem werde erkennen kan
Gottfried v. Straszburg Tristan 17 Ranke;
umb des willen er es (das rosz) gar liebe het unnd im wert was Arigo decamerone 189 lit. ver.;
so würstu dann den glasern wert
so man new fenster dar begert
K. Scheit Grobianus v. 3876 ndr.;
welcher dem koͤnig sonderbar
werth, lieb vnd wol befolhen war
Spreng Ilias (1610) 13ᵇ;
der ungemeine glantz
von seiner hohen feyer,
so meiner seele werth und theuer,
bricht ietzund an
Henrici ged. (1727) 1, 5;
(ich) beschwöre ... sie (anrede) bei allem, was ihnen werth und heilig ist Göthe I 24, 219 W.; auch die besseren (menschen) sorgen, vielleicht nicht um den beifall der menge, aber doch um die gute meinung solcher, die ihnen werth sind G. Freytag ges. w. 13 (1887) 114; wer jetzt nicht mit allem, was ihm lieb und wert ist, dafür einsteht, ... der begreift einfach nicht, was dann wird O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 398; auch nd.: he is mî lêf un wërd Doornkaat Koolman ostfries. 3, 538.
ββ)
jemandem wert machen 'bei jem. in (wert-) schätzung bringen': si machet in lieb und werd got und den lúten Seuse dt. schr. 12, 25 Bihlm.; das (charitas) macht dich gott dē herren werdt vnd angenem vnd macht gott den herren dir auch werdt Keisersberg brösamlin (1517) 2, 27ᵃ;
was ihn euch widrig macht, macht ihn mir werth
Schiller 12, 411 G.;
dasz sie den alten aberglauben abgeschworen, hat sie mir ... lieb und wert gemacht Fontane ges. w. (1905) I 6, 355; das machte ihn den frauen so wert Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 119.
γ)
einer genitivischen (s. auch die belege teil 3, 1134 s. v. es B 27 sowie Behaghel genetiv bei adjectiven, in: PBB. 43 [1918] 155).
aa)
einer sache wert sein 'ihrer würdig sein, sie verdienen' (αα) oder jemanden (sich, etwas) einer sache wert achten 'ihrer würdig finden' u. dgl. (ββ).
αα)
daz uuir uuert sîn des diskesideles? Williram hohes lied 22, 33 Seemüller;
da geschehe iu allez des ir gert.
des sît ir weizgot wol wert
Hartmann v. Aue Iwein 7465 Benecke-Lachm.;
eyn erbeytter ist seyns lohns werdt (1522) Luk. 10, 7 (vgl. got.: wairþs auk ist waurstwja mizdons seinaizos);
... ein guldins grab,
desz du wol wirdig bist und werd
H. Sachs 2, 35 lit. ver.;
dann wer des hellers nicht gegert,
der ist des pfennigs auch nicht werth
Eyering proverb. (1601) 2, 17;
Gerold der bischoff fellt durchs schwert
weil ers gefuͤhrt, so war ers werth
Binhardus thüring. chron. (1613) 41;
solch ein werk ist eines denkmaals wehrt dt. schaubühne (1740) 4, 262 Gottsched; beweist dieses nicht, dass sie ihr schicksal verdienen und keines bessern werth sind Klinger w. 3 (1815) 192; (Wilhelm war) überzeugt ..., dasz er eines solchen glückes nicht werth sei Göthe I 21, 83 W.;
wer sich selber macht zum knechte,
nicht ist der goldnen freiheit werth
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 372;
ein ziel, des schweisses wert Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 260. oft mit genitivischen vorgangsbezeichnungen (nomina actionis oder infinitiven) verbunden:
schiede du helflîche dan,
sô ist dîn lîp wol prîses wert
Wolfram v. Eschenbach Parzival 253, 23 Lachm.;
seine raͤth lang ratschlagend nichts konden so hochschaͤtzigs erdencken, das ainer so praͤchtlichen verwarung werdt were (in einer goldenen truhe) Schaidenreiszer Odyssea (1537) vorr. 6; der kluge ... Machiavellus ... lachens oder mitleidens wuͤrdig und werth seye Schupp schr. (1663) 421;
sind der bewunderung wie des betrachtens werth
König ged. (1745) 30;
es schien des versuches werth Mommsen röm. gesch. 5 (1894) 5; gibt es keine geschriebene zeitung, die des lesens wert wäre, so gibt es eine gesprochene A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 126; besonders häufig in wendungen wie das ist (nicht) der rede oder mühe wert: wenn die schwermer nicht so ungelerte logici weren, so hetten sie die stuͤcke konnen treiben, das were auch der reden werd gewest Luther 26, 439 W.;
ich wil es meiner freuͤntschaft clagen,
das dw mich uͤebertag thuest schlagen
oft vmb ein schlecht ding hewr wie fert,
das doch oft ist der red nit wert
H. Sachs s. fastnachtsp. 6, 3 ndr.;
es ist aber diser vnterschaid der red nicht werth (1616) Kepler opera 5, 595 Frisch; je nun — es ist zwar nicht der muͤhe werth Chr. F. Weisze lustsp. (1783) 3, 14; ein altes wiederholtes spiel, bei dem man es nicht einmal der mühe werth gefunden hat, eine neue erfindung anzubringen Tieck schr. (1828) 17, 9; und von dem andern rede nicht mehr, es ist der rede nicht wert Fontane ges. w. (1905) I 5, 231; den neunundsiebenzig jahren zulieb, die sie (anrede) auf dem rücken schleppen, hab ich's getan. es ist ja nicht der rede wert A. Supper holunderduft (1918) 135; das ist die einzige form von macht, die der mühe wert ist Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 123. auch mundartlich: 's is nich der mühe, der rede wäärt Müller-Fraureuth obersächs. 2, 659; des ist (ⁿet) der redᵉ wert 'erwähnenswert' Fischer schwäb. 6, 1, 721; alemannisch oft in der elliptischen wendung: s isᵗ nit dᵉr wárt 'es ist nicht der mühe wert, als erwiderung auf vorhergegangenen dank; oft auch im ärger als einleitungsformel ...'; s ist dᵉr wárt ('es lohnt sich'), ᵈass mᵉr siᶜʰ buckt dᵉrwëjeⁿ Martin-Lienhart elsäss. 2, 858; Follmann lothr. 538; Seiler Basel 310; Hunziker Aargau 294; Stucki ma. v. Jaun (Freiburg) 32.
ββ)
daz wâre lieht wirt uns gegeben,
darzuo daz engelische leben,
darzuo swaz unser herze gert,
ist daz wir uns des machen wert
(1200/1220) Otto ⅠⅠ. v. Freising Laubacher Barlaam 2973 Perdisch;
die pfarrer ... achte ich aller eren waͤrdt Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 77 ndr.;
wer hat den Kato-Portius
der seulen wehrt geschaͤtzet?
G. Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 146;
finden sie (anrede) diese blätter einer abschrift zu künftigem gebrauche werth (27. 5. 1819) Göthe IV 31, 157 W.; er hielt sie keiner erwiderung wert Mörike ges. schr. 3 (1905) 64 Göschen;
sind denn nur mir die züge schön und lieb,
dasz keiner sie des wahrens werth geachtet?
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 251;
der sich selbst groszer dinge wert achtet Nic. Hartmann ethik (²1935) 405.
bb)
einer person wert sein 'ihrer würdig oder ihr angemessen sein':
swer der selben (vater und mutter) für mich gert,
daz wizzet, der enist mîn (Christi) niht wert
(1200/1220) Otto ⅠⅠ. v. Freising Laubacher Barlaam 10 270 Perdisch;
ja, er ist dein wirdig und wert (als gatte)
H. Sachs 13, 29 lit. ver.;
ein mensch ist desz andern wol werth Petri d. Teutschen weiszh. (1605) X 7ᵃ; der gute könig hörte mich an, bis ich geendigt und meine dankbarkeit mit wenigen worten, die seiner werth waren, ausgedrückt hatte Göthe I 44, 36 W.;
köpf mich mit dem grafenschwerdt,
wie es eines ritters werth
Brentano ges. schr. (1852) 5, 60;
denk mir's oftmalen, ich bin dein gar nit wert E. v. Handel-Mazzetti Jesse u. Maria (1911) 110; diese beiden knickse aber waren mindestens eines kaisers wert Rilke ges. w. (1927) 4, 181.
cc)
goldes wert sein u. dgl., mit wertangaben verschiedener art verbunden: tanti valet somihilesuuerdes uuerdist (10./11. jh.) ahd. gl. 2, 274, 9—12 St.-S.;
jâ weist dû vil wol war ich dich sande vert;
disiu reise ist goldes wert
Neidhart lieder 10, 36 Haupt;
der kost, diu an der krône læge,
si wær zweir tûsent marc wert
(1300—1318) Ottokar v. Steiermark österr. reimchron. 69214 Seemüller;
wie sie (die edelsteine) köstenlich und grosses geltes wert waren (di gran valore) Arigo decamerone 77 lit. ver.;
er nam dem schefer ausz der herd
ein schaff, das war eins guͤlden werd
Er. Alberus fab. 29 ndr.;
von denen sagt man gmein auff erd,
er ist nit einer nesteln werth,
nit einer leus er werth thut sein
Eyering proverb. (1601) 2, 360;
das facit: diese welt keines pfifferlings werth maler Müller w. (1811) 2, 22;
ein fromm gemüt oft liebt und ehrt,
was vor der welt nicht hellers wert
Mörike w. 1, 245 Maync;
vor allem noch in der sprichwörtlichen verbindung eigener herd ist goldes wert:
ein eigen hêrt
ist goldes wêrt
Tunnicius sprichw. (1515) nr. 440;
eygner herd
ist golds werdt
schöne weise klugreden (1548) 9 b;
ein sprichwort kommt mir zur rechten zeit: der eigne herd sei goldes werth Baumeister zimmermannsspr. (1837) 11.
dd)
als besonderer typus findet sich im älteren dt. die verbindung mit wertangebenden personenbezeichnungen:
thaz uuas engilo uuerd   ioh himilriches alles
(der in der erde liegende schatz, der leichnam Christi, hatte
den wert der engel und des ganzen himmerlreiches)
Otfrid IV 35, 15 Kelle;
kain eysen mich (den riesen Kolkan) verschneidet nicht
dann dein pfeil und mein schwert.
nun pin ich nit aines mannes wert
(nun habe ich verwundeter nicht mehr den wert eines einzigen
mannes)
Heinrich v. Neustadt Apollonius 5476 Singer;
und findestu einen buchstaben drinnen, der sich jns fegfeur oder auff die verstorben seele reime, so wil ich keins menschen mehr werd sein (nicht mehr den wert eines menschen haben, d. h. als mensch gelten) Luther 30, 2, 386 W.; dann so einer den thurnier verschüttet vnnd durch volgende vnthat mehr oder eine verwirckt, solt er in ewigkeyt keins edelmanns mehr werdt sein Seb. Franck Germaniae chron. (1538) 87ᵃ (vgl. ebda 87ᵇ: bei peen vnnd verlust seines adelichen namens):
was dir nit mit grossem schreyen
zu deiner meinung will gedeyen,
das soltu beschirmen mit dem schwerdt,
so sicht man wer eins mans ist wert
(wer manneswert hat, d. h. den namen eines mannes verdient)
K. Scheit Grobianus v. 3743 ndr.;
daneben der deutlichere typus: der sein gut mit vnnuͤtzen leuten verthut, ist nicht werth des namens eines menschen Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) e 2ᵃ.
δ)
einer akkusativischen (s. auch teil 3, 1134).
aa)
etwas oder jemanden wert sein, wie γ aa und bb; die akkusativische anwendung schlieszt an das muster undeutlicher genitivkonstruktionen an, die als akkusative verstanden werden konnten: wie weis ich aber obs die fursten werd sind? (1530) Luther 30, 2, 447 W.; rechtschaffen lieben ist wohl gegenliebe werth Opitz teutsche poemata 41 ndr. seit dem 15. jh. ist hier der akkusativ im vordringen, hat den genitiv allerdings bisher nicht verdrängen können:
secht, wie hat er das creuz getragen:
er ist noch so starck wol,
das man in dar an hengen sol;
das ist er doch wol werdt,
als ich von manichem Juden hab gehoͤrt
(2. h. d. 15. jhs.) Egerer fronleichnamsspiel 230 Milchsack;
ob er hasz oder liebe werth ist (1522) Luther 10, 3, 108 W.; gelt vmb dienst ist nicht danck werth Lehman floril. polit. (1662) 1, 86; ihr habt mich zu lieb, ihr guten menschen: ich bin das nicht werth und meine sachen auch nicht (1789?) Mozart bei Jahn (1856) 3, 498; bin ich die ritterliche rechte nicht werth? Göthe I 8, 16 W.; er (der kammerdiener) ist ein galanter mensch, er wär wohl eine dame werth Hafner ges. schr. (1812) 1, 7; es musz ein riesenhafter geist gewesen sein, der dieses weib erzogen hat. ich bin sie bei weitem nicht werth Stifter s. w. 1 (1904) 113; weil ja so ein nützliches heim die unterstützung doch wert sei O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 393. auch nd.: de boom is den platz gorni vēad (von einem schlechttragenden baum) Mensing schlesw.-holst. 5, 597.
bb)
mit wertangaben verschiedener art verbunden.
αα)
wie γ cc; hier hat sich der akkusativ gemeinhin durchgesetzt und hat den ursprünglich üblichen genitiv auf wenige wendungen zurückgedrängt; auch dieser gebrauch schlieszt an undeutliche genitivgefüge an, die akkusativisch aufgefaszt werden konnten: aber als man das golt ab geschabet (von dem bilde), so were es kume zwelf phenning wert. also ist mit diser suͤsser biltlicher minne: ... als man die alleine ab geschuͤbe, so were, was do blibe, harte kleines schatzes wert Johannes Tauler pred. 248 Vetter; ainen visch, der iiij schilling wert ist (1379) österr. weistümer 5, 380; danach dann fälle wie: das über zechen tausent ducaten wert sein mocht Arigo decamerone 153 lit. ver.; ein wort geschwiegen zu seiner zeit ist gold wehrt Zinkgref-Weidner weisheit 3. theil (1653) 28; so ist auch seine ratio, welche er wider den Aristotelem bringet, nicht ein haar werth Prätorius winterflucht (1678) 339; demnach ists eine recht heillose rede, wenn man von manchem menschen zu sagen pfleget: er ist nicht einen schusz pulver werth Chr. Starke synopsis 3 (1737) 1067;
das sprichwort sagt: ein eigner herd,
ein braves weib, sind gold und perlen werth
Göthe I 14, 157 W.;
dieses besagte genus ist durch die bank keine leere weinflasche werth Gaudy s. w. (1844) 17, 102; das seien galgenvögel, die nur deshalb noch nicht gehenkt wären, weil sie keinen strick wert wären R. Huch kampfum Rom (1925) 354; so auch mundartlich weit verbreitet: dat gôd is hêl gên geld wërd Doornkaat Koolman ostfries. 3, 538; da ene is n sechser wart, dr andr zwe greschla (gleichheit) Rother schl. sprichw. 386; ër ist keⁱⁿᵉⁿ (schiss)drëck oder auch k. pfennig wárt Martin-Lienhart elsäss. 2, 858; daͦs g'sángel îst a̮n bàtzen werth volksschausp. 207 Hartmann-Abele. besonders geläufig sind verbindungen mit einem pronominalen akkusativ: (sie) gab ir fünffhundert pfunt und so vil schöner kleynet, die auch wol so vil wert waren Arigo decamerone 232 lit. ver.; solhen anfanng nennt Paulus ein newe creatur, sprechend, daz in Cristo Jhesu weder die besneydung noch vnbesneydung etwas werdt sey Berthold v. Chiemsee theologey 37 R.; du hast mir ein mann geben, der ... wenig oder auch gar nichts werdt ist Montanus schwankb. 316 lit. ver.; was sie gelten vnnd werth seyn Lehman floril. polit. (1662) 1, 264;
im felde, da ist der mann noch was werth,
da wird das herz noch gewogen
Schiller 12, 57 G.;
stärk und gesundheit sind viel wert, wenn sie richtig gebraucht werden O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 124; ... dasz sie dies und noch mehr wert sei H. Mann d. blaue engel (1950) 196; was isch das hus wèrt? Follmann lothr. 538; da's ja vel vead (als spöttische abweisung) Mensing schlesw.-holst. 5, 597; auch in der wendung einander wert sein 'gleichwertig sein, einander nicht nachstehen (an kraft, tugend oder untugend), zueinander passen': man sieht: diese gegner waren einander werth Ranke s. w. (1867) 1, 153; vater und sohn waren einander werth gewesen Fontane rom. u. nov. (1890) 7, 119; sie und er wären einander wert gewesen O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 143. umgangssprachlich finden sich gelegentlich wendungen wie er ist eine million wert 'besitzt eine million, ist reich, steht hoch im kurs' oder er ist im jahre 50 000 m. wert 'hat ein jahreseinkommen von 50 000 m.'; anschlieszend an engl. fügungen wie to be worth a million, to be worth [[undefined:poundsign]] 1000 a year: ein kleiner edelmann, der jährlich kaum hundert pistolen werth ist Wieland s. w. (1853) 1, 71; und nun noch zum schlusz eine öconomisch-mercantilische frage: wenn herr Wild (der grosze sänger) 5000 rh. werth ist, was ist denn Moltke werth? (7. 11. 1816 an Zelter) Göthe IV 27, 222 W.; also jeder halte ein buch ... für einen Engländer, bei welchem man fragt: wie viel ist er werth? Jean Paul w. 48, 74 Hempel; ganz wie man ... sagt: 'der ist eine million wert', so heiszt es hier: 'der ist zehn oder mehr ringe diwarra wert' Ratzel völkerk. 2 (1888) 226.
ββ)
als besondere variante erscheint der im neueren dt. verbreitete typus das ist den einsatz wert u. dgl., 'das lohnt den einsatz': die summe ist wohl einen versuch werth Göthe I 8, 79 W.; ihr mann hätte einen brief von dir, der allein für mich eine reise nach St. Goar wert sei (8. 2. 1843) L. v. Gall an L. Schücking in: br. 165 Muschler; (Ansorge:) nu, jaja, das is auch an fluch werth Gerh. Hauptmann weber (1892) 41; also muszte dessen (des unternehmens) preis den einsatz (des lebens) wert sein E. Stickelberger liebestraum d. Polyphilos (1929) 35; wenn Paris eine messe wert war, so Litauen einen namen und eine schwierige grammatik A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 234.
ε)
mit einer infinitivischen ergänzungsbestimmung: das sie nicht werd sollen sein, mir die schuchrymen auff zuloͤsen Luther 23, 29 W. (vgl. got. þizei ik ni im wairþs anahneiwands andbindan skaudaraip skohe is Mark. 1, 7); doch ist auch diese that wol werth zugedencken S. Feyerabendt ungar. chron. (1581) 114ᵇ; ... dasz deren höchstgepriesene tugenden wert und würdig seien, von männiglich verehrt zu werden Abraham a s. Clara w. 2, 70 Strigl; wer, wenn das vaterland in noth ist, einen andern gedanken als seine rettung fühlt, ist nicht werth, in einem freien staat zu leben Klinger neues theater (1790) 1, 8; ich bitte dich ..., dasz du mich werth achtest, die sonne wieder zu sehen Göthe I 43, 365 W.; es ist ein welthistorischer augenblick, — wohl werth, in erinnerung gebracht zu werden —, in welchem Cäsar Albion betrat Ranke s. w. (1867) 14, 6; eine rotte von menschen, nicht wert, den namen Deutsche zu tragen, wagt es, die geheiligte person des monarchen in den staub zu ziehen H. Mann untertan (1949) 240.
ζ)
mit einer gliedsatzbestimmung: uuanda siê uuerd nesint daz dû siê heîlest Notker 2, 271, 15 Piper;
wir wâren wert nu mange zît
daz wir geworfen âne strît
wæren von den ougen dîn
(1200/1220) Otto ⅠⅠ. v. Freising Laubacher Barlaam 14 348 Perdisch;
dann soͤlt ich andern sagen war,
vnd moͤgen selbs nit hoͤren gar
der gleichen auch, so waͤr ich werd,
das mich nit lenger truͤg die erd
U. v. Hutten opera 1, 452 B.;
du werest werth unnd hettest wol verdienet, dasz ich auch dich in das wasser wuͤrffe R. Lorichius paedagogia principum (1595) 116; wuͤrdig vnd wehrt ist dieser koͤnig das man jhn ... liebe Dannhawer catech. (1657) 4, 463; die wahrheit ist wohl werth, dasz wir sie bis in den tod bekennen! Lessing 8, 18 L.-M.; oho ... was die igel und die meisen und finken wert sind, werden wohl auch noch menschen wert sein, sollte ich meinen A. Supper auf alten wegen (1928) 29; die Silvan ist nicht wert, dass du dich noch ärgerst O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 326; auch mundartlich: -en ass net wⁱ̂ert, dat der de᷍iwel en hölt luxemburg. ma. 485ᵃ.
d)
mit mehrfacher ergänzung.
α)
mit dativ und genitiv bzw. akkusativ: es ist mir nicht der mühe werth (1781) Mozart bei Jahn (1856) 3, 67; so — so viel bin ich dir werth, dass deine freude thränen und keine worte hat Klinger w. (1809) 1, 189; so ist denn alles nichts, ... wenn das eine fehlt, das dem menschen alles übrige werth ist! Göthe I 23, 247 W.;
so ist ihm alles klein und nichts der rede werth
Müllner dram. w. (1828) 5, 14;
ein einzig wort, bin ich euch diesz nicht werth?
Deinhardstein ges. dram. w. (1848) 4, 142;
was eine mutter dem kind werth ist, lernt man erst, wenn es zu spät ... ist (1847) Bismarck br. a. braut (1900) 49; auf mein geschwätz zu antworten, ist ihm nicht der mühe werth M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 130.
β)
mit genitiv und ergänzendem infinitiv bzw. bestimmungsgliedsatz: die des uuerd nesint. daz sie patertrahens ad filium dir fater ziehende ze sînimo sune Notker 2, 364, 1 Piper;
mîn lîp wære des wol wert
daz mich mîn selbes swert
zehant hie an im ræche
und ez durch in stæche
Hartmann v. Aue Iwein 3995 Benecke-Lachm.;
denn sie ist der ehre wohl werd,
das jhr solchs widerfert
(1480) Dietr. Schernberg spiel v. frau Jutten 1195 Schröder;
seyt nur frolich und danckt gott, das yhr des werd seyt worden, sein wort zuhören (1524) Luther 15, 72 W.;
Bouillons geweihtes heldenschwert
war ganz allein der ehre werth,
dasz ihn Jerusalem zum königsthron erhoben
Gottsched neueste ged. (1750) 95;
zwei heldenstämme kühn
siehst du in dir allein zusammen flieszen.
du weiszt, wie, ihrer werth dich zu erziehn,
dein vater keine müh sich liesz verdrieszen
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 226.
γ)
mit akkusativ (gemeinhin es) und einem infinitiv oder gliedsatz als ergänzungsbestimmung: die ... es nicht werd sein, das man jhnen ein stuͤcke brots giebt Pape bettel- und garteteuffel (1586) J 5ᵇ;
nur Teutschland ist es wehrt,
dass gott mit diser kunst so spaht es erst verehrt
Rompler v. Löwenhalt erst. gebüsch (1647) 57;
hole die flöte, die der sänger Hylas an die mir geheiligte eiche hieng; du bist es werth, ihm nachzuspielen Gessner schr. (1777) 1, 18; er ist es auch in der that schon werth, dasz ein frauenzimmer um ihn seufzet Lessing 2, 41 L.-M.; die (dämchen) seien es denn doch nicht wert, dass man seine existenz und die von anderen leuten auf den kopf stelle H. Mann d. blaue engel (1950) 187.
e)
prädikative steigerungsformen.
α)
werter (mehr wert) sein oder werter halten als ... u. dgl.:
ja bistu von der künfte min
werder, dan du wandest sin
Gottfried v. Straszburg Tristan 4382 Ranke;
den solten wir vil werder haben denne uns selber Johannes Tauler pred. 159 Vetter; spricht ouch Paulus, dasz wir ie einer den andren soll werter oder thürer schätzen denn sich selbs Zwingli dt. schr. 1, 230 Sch.; der pfennig ist niendert werder vnnd angenemer, dann da er geschlagen worden Paracelsus opera (1616) 1, 909ᵃ;
Jesu ...
... was kan ich hoͤher setzen,
oder theur- und wehrter schaͤtzen
als dein' aͤdle purpurfluht?
G. Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 59;
ihre gegenwart deuchte ihn noch lieber und werther als vorher Göthe I 24, 264 W.; oft in der wendung jemandem werter sein als 'von jem. mehr geschätzt werden als': uuanda dir uuerdera ist diû beta dero himeliscon guôto danne dero irdiscon Notker 2, 227, 17 Piper; och in diseme ein stunde zuͦ sinde ... daz ist tusent werbe nútzer und gotte werder dan viertzig jor in dinen eigenen ufsetzen Johannes Tauler pred. 33 Vetter; das so wir theuer erkauffen und etwas bedachtsamer verstehen, ist uns so viel lieber vnd wehrter, dasz ich auch meine meinung durch ein gleichnisz sage Harsdörffer gesprächsp. 1 (1644) 17;
er wird
mir ewig werth, mir ewig werther, als
mein leben bleiben
Lessing 3, 82 L.-M.;
keine seiner fähigkeiten ist dem menschen werther als die ein bildungskraft Göthe I 40, 204 W.; freiheit däuchte ihnen werther als köstliche steine E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 260. im neueren dt. tritt prädikatives werter gegenüber mehr wert zurück; bereits Adelung erklärt: 'die comparation ist in dieser bedeutung nicht üblich, sondern musz durch mehr, weniger, am meisten, am wenigsten umschrieben werden': er ist mehr werth als du 4 (1801) 1507; literarische belege: dann kann ein zug mehr werth seyn wie hundert A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 1, 159; so wie das wenige, was Fichte über den Luther aber ganz herrlich gesagt hat, mehr wert als Villers dickes buch ist (1. 6. 1809) J. Grimm an Savigny bei Schoof br. 72.
β)
am wertesten (der werteste) sein: des dritten thurnierten die ritter, die die richsten waren und die werdsten Lancelot 1, 217 Kluge; es was do eine gewonheit: wer aller meist wibe und kinde hette, der was aller werdest (anf. 15. jh.) städtechron. 8, 272 (Straszburg); wann der gast am werthesten ist, soll er wegziehen Eyering proverb. (1601) 3, 380; der mensch und das menschliche wurden am werthesten geachtet Göthe I 46, 23 W. im neueren dt. unüblich geworden (s. unter α).
2)
attributiv.
a)
als beiwort von personen- und sachbezeichnungen, ohne weitere bestimmungen gebraucht.
α)
im sinne von '(wert-)schätzung verdienend, edel' oder auch 'wert(e) habend, kostbar, herrlich'.
αα)
personencharakterisierend; geradezu als modewort der mhd. dichtung auftretend:
swer werden wîben dienen sol, der sol heimlîchen varn
(um 1170) Meinloh v. Sevelingen in: minnes. frühl. 12, 1 Lachm.-Kraus;
ir sult ouch werden vrouwe   über manigen werden man,
die mîner vrouwen Helchen   wâren undertân,
und über manige vrouwen,   der si het gewalt,
von hôher fürsten künne,   sprach der küene degen balt
Nibelungenlied 1236, 1 Bartsch-de Boor;
der ich ähte nider stach,
da'z manec wert juncfrouwe sach
Wolfram v. Eschenbach Parzival 135, 10 Lachm.;
von den werden Swaben
wart ritterlich gevohten
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 17 559 Regel;
recht zucht und ere lernen die werden frauen in irer schul Joh. v. Saaz ackermann 190 Hammerich-Jungbluth (kap. 29, 17); und auch im neueren dt. noch gelegentlich anzutreffen, wenngleich nicht immer deutlich von β zu scheiden:
Cypselus der sun Etion
solle sein ein künig wert!
der Corinther wie jm ist beschoͤrt
Boner Herodot (1535) 76ᵃ;
die werthe fürstin folget mir, die schon ein höher reich erblicket
Gryphius trauersp. 152 Palm;
der held von solchem sange
gar hohen mut gewann,
und unter süssem klange
entschlief der werte mann
Uhland ged. 1, 379 Schmidt-H.;
und als das morgengrau
in die kemnate sich stahl,
da hatte die werthe frau
geseufzt schon manchesmal
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 260.
ββ)
sachcharakterisierend; auch in dieser anwendung besonders im mhd. sehr verbreitet:
des freude sich an sorgen rach,
swer dâ nâch werder (hoher) minne sprach
Wolfram v. Eschenbach Parzival 641, 6 Lachm.;
daz nieman ane ir (der liebe) lere
noch tugende hat noch ere.
so manec wert leben, so liebe (nominativ) vrumet,
so vil so tugende von ir kumet
Gottfried v. Straszburg Tristan 191 Ranke;
nû merket wie der linden stê
der vogele singen,
...
noch baz stêt wîben werder (BC: schoner) gruoz
Walther v. d. Vogelweide 43, 36 Lachm. (vgl. Jellinek in: PBB. 43, 3);
swer der was der grôze kraft
begienc (oder) uopte friuntschaft
oder anders kunde machen
mit listen werde sachen
...
den selben êrten sie dâmite: ...
(1200/1220) Otto II. v. Freising Laubacher Barlaam 13 621 Perdisch (v. 13 628: grôze sache);
da mit er lert die strazze der tugend und di weg der werden baren stete (= wâren stæte) (1369) Heinrich v. Mügeln bei Anton Schönbach miscellen a. Grazer hss. 9, in: mitt. d. hist. ver. f. Steiermark (1898) 46;
du Bethleem vil werde statt,
unser herr dich dar zuͤ hat
dich erwellet, das du solt sin
aller stette fuͤrstin
und von Judea die minste nicht.
gross wirdikait dir geschicht
(14. jh.) schauspiele d. mittelalters 1, 152 Mone;
doch auch noch im älteren nhd. üblich:
der ist zwifeltig huͤbsch vnd schon
vnd ist ein edle, werde kron
Er. Alberus fab. 60 ndr.;
die nacht wir also auff der erd
verzogen, da der morgen werd
herfürer trat. Aurora schon
mit rosenfarb schoͤn angethon ...
Fischart flöhhaz 15 ndr.;
dein ritterliche mannheit werth
ist in weibliche forcht verkehrt
Spreng Ilias (1610) 98ᵃ;
sey gegruͤst ein gefäsz der miltigkeit,
ein schreinlein werth vnd reiche,
darin himlischer sussigkeit
ein schatz ligt wunderliche
(anf. 17. jh.) kathol. kirchenl. 1, 599 Kehrein;
die freundschafft gibt das hertz:
die klugheit werthes ertz
Harsdörffer teutsch secretar. (1656) 1, 1 a 2 b (vorr.);
o! wie musz denn deine seele, weis- und grosser printz von Hessen,
dem unendlichen monarchen ein so wehrter spiegl seyn
Brockes ird. vergn. (1721) 4, 23;
wenn er sich in der welt als in einem groszen, schönen, würdigen und werthen ganzen fühlt Göthe I 46, 22 W.; zuweilen im sinne von 'gut':
ja, was von gutn büchern wird feil
in teutscher sprach, die kauff ich auff
...
kein grösser frewd hab ich auff erd,
denn zu lesen die bücher werth
H. Sachs 21, 109 lit. ver.;
oder auch 'wertvoll, wichtig': triumphirend hob Elise das werthe schriftstück empor ...: die bank anerkennt unser guthaben M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 373; auch die im mhd. schon begegnende anwendung im sinne von 'ehrenvoll' (vgl. Kudrun 912, 2 M. und Göttweiger Trojanerkrieg 18 579 K.) findet sich noch gelegentlich im älteren nhd.: der todt der heiligen ist ein werder herrlicher todt fuͤr gott Petri d. Teutschen weiszh. (1605) B 2ᵇ;
die könige hielten vor jahren
die poeten in wehrtem stand
und liesz ihnen ihr milte hand
vil ehr und güter widerfahren
Weckherlin ged. 1, 208 Fischer.
β)
'(wert-)geschätzt'; in dieser bedeutung wird attributives wert besonders im älteren nhd. geläufig, wobei der gebrauch von 'hochverehrt' bis zu 'teuer, lieb' reicht (vgl. liebwert teil 6, 980).
αα)
personencharakterisierend:
ir sultz niht anders hân vernomn,
wan daz der vischær sî komn.
dar gêt: ir sît im werder gast:
und schütet ab iu zornes last
Wolfram v. Eschenbach Parzival 229, 21 Lachm.;
wenn wir daz allez volpringen, sô hab wir mangen haimleichen nutz volprâcht ze dienst der werden muoter (Maria) und dar nâch guoten freunden (1350) Konrad v. Megenberg buch d. natur 54 Pfeiffer; gott den allmächtigen, sin werte, liebe mutter Mariam ... bitten (15. 4. 1488) urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 24 lit ver.;
nu sicze nidder, fraw minn!
den unmud saltu losszen sinn:
wan du bist mer ein werdes wipp.
viel lieber ist mer din zarter lipp
dan aller disser wernde gut
(1501) Alsfelder passionsspiel v. 750 Grein;
es nennet jhn bei seinem eigen namen und gibt jm so einen freundlichen zunamen, nennet in einen lieben oder wehrten Daniel G. Nigrinus Daniel (1594) 336; in erwegung dessen vnd damit diese vortreffliche geschichte ... der werten posteritet vnverfaͤlscht hinterlassen wuͤrden ..., haben meine obern den gantzen verlauff ... mir auffgetragen Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 2; sagen sie ihrer vortrefflichen gattin und ihren werthen schwestern, dasz es mich unaussprechlich freut, in ihrem andenken noch zu leben J. G. Forster s. schr. (1843) 7, 136;
was seh' ich? ihr, herr Werner! nun bei gott!
ein werther, theurer gast!
Schiller 14, 296 G.;
nicht wenige unter diesen phantasiegebilden haben ... so reiche ausbildung erhalten, dasz sie auch den schaffenden wie alte werthe freunde während seiner arbeit umgeben G. Freytag ges. w. 14 (1887) 51; haben sie (frau von Wulckow) denn so viele dichter in ihrer werten familie? (1914/18) H. Mann untertan (1949) 283. oft in der anrede, als ein ausdruck der wertschätzung des angesprochenen (s. auch unter c β):
Herodes sprach
got er dich, werder nefte min,
din zung muͤss saͤlig sin!
(14. jh.) schausp. d. mittelalters 1, 177 Mone;
dj red (des klausners) gieng mir gar hoch zuͦ muͦt;
ich sprach, o werder bruͦder guͦt
Schwarzenberg Cicero (1535) 151ᵃ;
Jesu, komm doch selbst zu mir
und verbleibe für und für:
komm doch, wehrter seelen freund,
liebster, den mein hertze meint
Joh. Scheffler ev. kirchenl. 5, 370 Fischer-Tümpel;
werthes paar! ...
(beginn eines hochzeitsgedichts)
Logau sinnged. 14 lit. ver. (vgl. ebda: liebes paar!);
du liebes werthes kind, vernimm itzt, was ...
Chr. Reuter Harlequins hochzeit-schmausz 46 ndr. (entrée);
hochgeehrte herren, vornehme patroni und werthe collegen Herttwig berg-buch (1734) 1; (major:) aber hören sie, werther herr Läuffer Lenz ges. schr. (1828) 1, 10; werthe freundin (Serlo zu Aurelie) Göthe I 22, 95 W.;
ich wünsche guten morgen, werthe damen
Schnitzler d. grüne kakadu (1899) 7;
noch zu beginn dieses jahrhunderts (vor dem ersten weltkrieg) üblich, wenngleich nun mit einem leichten tone der überlegenheit gebraucht: 'sie sind willkommen, mein werter herr Grünlich!' sagte der konsul (1901) Th. Mann Buddenbrooks (1925) 1, 118; sagen sie mal, werte frau, kennen sie vielleicht 'ne familie Badekow in Tempelhof? (ein stadtreisender zu einer kaufmannsfrau, in einem gasthausgespräch) (1910) C. Viebig die vor d. toren (1949) 19; sind sie nicht, mein werter herr doktor, in einer ähnlichen lage wie damals ihr vater? (1914/18) H. Mann untertan (1949) 118. im gegenwärtigen dt. ist wert kaum noch als anrede zu gebrauchen; es wird als abschätzig empfunden: das kann ich ihnen ohneweiters erklären, werter herr. wir haben die pflicht, dieses land von allen betrügerischen, hinterhältigen und schädlichen elementen zu befreien Fr. Werfel geschw. v. Neapel (1931) 405; 'sehr geehrter herr Oberholzer!? ausgeschlossen!' ... am liebsten hätte er eine saugrobe anrede über den brief gesetzt, dann gab er nach und wollte einfach 'werter Oberholzer' dafür schreiben O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 149.
ββ)
sachcharakterisierend; im älteren dt. ist dieser gebrauch zuweilen schwer von α ββ zu scheiden: mancher erfähret nicht ehe, wie ein theure und werthe gabe es sei umb ein frisch und gesund auge, es verderbe ihm denn Rörer bei Luther ²6, 15 Erlanger ausg.; dieses trinckgeschirre ist ein werthes angedencken meines groszvaters Lohenstein Arminius (1689) 1, 20;
mein werthes vaterland einst wieder zu erblicken
Joh. El. Schlegel w. (1761) 1, 17;
darf ich um ihren (anrede) werthen namen bitten? Gaudy s. w. (1844) 2, 46; wird er (W.) zugleich im vaterland ein werther hochgefeierter name Justi Winckelmann (1866) 2, 2, 260; doch gedachte ein jeder seine beute als ein werthes andenken an die verstorbene aufzubewahren G. Keller ges. w. (1889) 1, 81; als wir gerade im besten schmausen waren, kam Hühnchen 'ganz zufällig' drüber zu und war sehr erfreut, die werte bekanntschaft zu machen H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 48; 'hier, bitte', und er gibt ihr einen füllfederhalter. 'nur eine kleine, kleine werte unterschrift' Feuchtwanger Simone (1950) 258; oft in anrufen oder anreden: du ausserwehlter schatz auf erden, du werther unnd suͤssester friede Rist d. friedejauchz. Teutschl. (1653) 151;
o nimm mich, werther flusz! und führe mich mit dir
Gottsched neueste ged. (1750) 63;
nochmal also ade! Rothweil, werthes theures nestgen! Bräker s. schr. (1789) 1, 112; besonders im briefstil des 18./19. jhs. geläufig: ewr. excellenz sehr wehrte zuschrift vom 16ten dieses habe zu erhalten die ehre gehabt (amtsbrief für Tauentzien) Lessing 18, 479 L.-M.; für ihren lieben werthen brief ... dancke ich (an den herzog Carl August) (1787) Göthe IV 8, 239 W.; ich bitte um mittheilung des werthen namens derjenigen, die ... bald den theuren deinen tragen wird M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 86; ... um sie (anrede) zu bitten, uns jede in ihrem werthen hause eintretende veränderung rechtzeitig bekannt zu geben ebda 32.
γ)
ironisch (vgl. die letzten belege von gruppe β αα); ansätze zu diesem gebrauch finden sich bereits in den parodien des höfischen minnesangs (tagelieds):
wol ûf, lâz ûz die hert (weckruf des hirten an den knecht);
des erschrac diu dirne und ir geselle wert
Steinmar 8, 6 in: die Schweizer minnesänger 180 B.;
ob du schon hast ein guten muth
mit deinen ketzern werth,
die zech muszt du bezahlen theuer
(an den winterkönig, Friedrich V. v. d. Pfalz) (1619/20) bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg 63;
jetzt erschien der gastwirth und hinter ihm ein stämmiger hausknecht, der eine ungeheure thönerne schüssel trug ... 'nun, da bring' ich auch den werthen hündlein das ihrige' scherzte jener Langbein s. schr. (1835) 31, 126; natürlicherweise gewahrte man von der werten figur des kleinen auch nicht das allermindeste, sondern blosz einen ungeheuren kohlensack E. T. A. Hoffmann s. w. 14, 168 Gr.;
ja ja, mein werther herr Soubise,
reist zur madam nur nach Parise
spottlied bei Ditfurth volksl. d. pr. heeres (1869) 21;
liebe Judith, ich weisz nicht, ob du schon unseren werten feind kennst, den herrn doktor Hessling. heute wird er uns vernichten H. Mann untertan (1949) 222. oft in verbindung mit person oder persönlichkeit: kaum hatte ich ihr das gesagt, um nun sogleich von ihrer werthen person den übergang auf ihren beutel zu machen K. F. Bahrdt gesch. seines lebens (1790) 2, 95; (ein gedicht,) in welchem die muse ... und eine andere frauengestalt ... sich um meine werthe person recht wacker zanken Göthe I 21, 42 W.; er soll ... jene schachtel, in welcher vor mehr denn zwanzig jahren seine eigene werthe person auf den bewuszten stein deponirt worden (als findelkind), annoch besitzen Holtei erz. schr. (1861) 1, 19; es muss aber diese meine lebensbeschreibung bei zeiten nach meinem tode gedruckt werden, wenn sich noch hie und da ein lesender und rauchender Wiener herr ... an meine werthe persönlichkeit erinnern soll Seb. Brunner ges. erz. (1864) 1, 125; es hätte sich sogar jeder verachtet, der im stande gewesen wäre, seine werthe persönlichkeit in eine solche lage zu versetzen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 156.
b)
mit ergänzungsbestimmungen (vgl. 1 c).
α)
genitivischen oder akkusativischen (vgl. ae. healfes pundes wyrđne sâulsceat Bosworth-Toller 1199 sowie as. en suín sestein penniggo uuerht Wadstein kl. as. sprachdenkm. 24, 14): vnd Leoman jude habe ich geschenkt vnd geben fur alle sin vordrung zechen guldin, nemlich vier guldin en golde und sechs guldin wert gelt ('silbergeld', s. dt. rechtswb. 3, 1545) (um 1500) Endinger judensp. 95 ndr.;
nichts bleibt uns in der faust als die nichtswerthen äste,
der stachel dieses creutz, die angst, die seelen peste
(1657) Gryphius trauersp. 160 Palm;
eine nichts wehrte sache cosa di nissun valore Kramer t.-ital. 2 (1702) 1285ᶜ; nun als er die angespannten pferde hervorschnauben sieht, da regt sich sein kühner, des vaters werther, göttlicher muth Göthe I 41, 2, 41 W.; diese denn doch aller ehren werthe denkart (stoizismus) Fichte s. w. (1845) 5, 504; wir haben damenbesuch gehabt, keinen der rede werthen A. v. Droste-Hülshoff br. an Schücking (1893) 284; der ehemann, der sich darüber ärgert, dasz man sie (seine schöne frau) bewundert, ist eine fratze, ein hässliches, lächerliches, jedes spottes wertes ding Kahlenberg Barchwitz (1902) 50; bereits Adelung erklärt jedoch: 'ob man gleich sagt eine nichts werthe sache, so sagt man doch nie, wenigstens nicht richtig ein zehn thaler werther ring' 4 (1801) 1507.
β)
mit einer dativischen bezugsgrösze: so wirt der verständige leser bey ihnen ... offt schlechte, harte und rawe und den göttern kaum anstehende und gezimliche noch wehrte reden und arten finden Weckherlin ged. 1, 295 Fischer; es ist dem mir ewig werthen originale durch den mahler weder ein abbruch, noch durch seine kunst ein unnoͤthiger zusatz geschehen L. A. Gottsched br. (1771) 1, 14 Runkel; darf ich ... hoffen, dieses der akademie Jena so werthe document ... wieder aufzustellen (24. 6. 1826) Göthe IV 41, 70 W.;
bis ein den pilgern werthes grab
des märtyrers gebein empfangen
Joh. G. Jacobi s. w. (1807) 1, 104;
einige bedenkliche aeuszerungen über ... einige uns gleich werthe persönlichkeiten Bismarck ged. u. er. 1, 154 volksausg.; wie Adam im paradies seiner nacktheit schämt dieser arme sich der häszlichkeit des ihm werten bildes E. v. Handel-Mazzetti Jesse u. Maria (1911) 174.
c)
attributive steigerungsformen (vgl. 1 e).
α)
komparativische:
Tütschlandt hett nie werdern man
dann mich, so ich beschwoͤren kan
Murner narrenbeschwör. 4 ndr.;
(Chach:) wird disz, was uns so werth, aus unser hand genommen?
(Sein.:) umb ein noch werther gut, den frieden, zu bekommen
(1663) Gryphius Catharina v. Georgien 195 lit. ver.;
er, der ... sich ... hätte überreden lassen, mit aufopferung der werthern hälfte seiner selbst in den orden der Corybanten zu treten Wieland Agathon (1766) 2, 106;
gab es ein seliger,
ein werther glück dem mühenden menschenvolk,
als in der aura jenes thales
friedlich-unschuldige lämmer weiden
Herder 27, 69 S.
β)
superlativische (s. auch unter 3 a und vgl. an. [þú vǽrer] þess verþost kvenna, at ... Sigurdarkvida en skamma 32, 1): 'so sprech ich, herre', sprach sie, 'das ir ein der werdest konig werent, der nu lebet ...' Lancelot 1, 492 Kluge; solche schenckung aber ist nicht silber, goldt oder edelgestein, welches doch vor der welt das hoͤchste, angenembste und werdeste kleinat unnd schatz ist C. Huberinus mancherlei form zu predigen (1557) 28ᵇ; wie der ritter Gendolet dem koͤnig der werdest vnd fuͤrnembste raht were buch d. liebe (1587) 335ᵃ;
des Ammons blutigs end, mein todter Absolon,
mein allerwerthester, mein auserkohrner sohn,
betrüben mich nicht mehr
Gryphius trauersp. 766 Palm;
die feste vor-mauer des wehrtesten Deutschlandes Butschky Pathmos (1677) vorr. 5ᵃ; ich empfehle mich ihrem (anrede) werthesten hause (2. 4. 1786) Lichtenberg br. 2, 258 L.-Sch.; aber Winckelmann hätte lange zeit ... nach den werthesten, seiner betrachtung würdigsten gegenständen umhergetastet Göthe I 46, 39 W.; hoch Maximilian, unsers kaisers wertester freund E. v. Handel-Mazzetti die arme Margaret (1911) 192. oft in der anrede (vgl.a β αα): ach wertheste zuhoͤrer Chr. Weise polit. redner (1677) 31; liebste, wertheste, schoͤnste princessin! Ziegler asiat. Banise (1689) 319; kommt, wertheste freunde! Scheibe musicus (1745) 293; ach, werthester tiefsinn, gestehen sie ... Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 95; sagen sie mir nur einmal, werthester herr, wen diese dinge interessiren Seb. Brunner ges. erz. (1864) 1, 345; nun ist euch, werteste frau und freundin, die art meines nicht unbedeutenden geschäftes bekannt G. Keller ges. w. (1889) 1, 225; ich danke für die nachfrage, wertheste mamsell Storm s. w. (1898) 1, 222; besonders mit vorangehendem possessivum: tausendfältiges glück hast du, mein wertestes Österreich, zu gewarten (1676) Abraham a s. Clara w. 1, 124 Strigl; mein wehrtester schatz! caro mio bene, caro bene mio! Kramer t.-ital. 2 (1702) 1285ᶜ; auch sie, mein werthester freund, waren unter dieser anzahl Nicolai reise d. Deutschland (1783) 1, VII; ich nehme deshalb, mein werthester herr, das ... anerbieten ... an (3. 4. 1826) Göthe IV 41, 6 W.
3)
substantiviert.
a)
als personenbezeichnung; in der älteren zeit der bedeutung 2 a α, im neueren dt. gemeinhin 2 a β folgend:
ich muoz von rehte den tac iemer minnen,
dô ich die werden von êrest erkande,
in süezer zühte, mit wîplîchen sinnen
Hartmann v. Aue in: minnes. frühl. 215, 15 Kraus;
uns schrîbet an sîner epistola
Johannes ewangelista,
der vil gotes werde
(1200/1220) Otto II. v. Freising Laubacher Barlaam 4726 Perdisch;
in Puͤllen fuͦr durch ritterschaft
der werd mit wernden handen;
er hat in manigen landen
geuͤbet ritterleichen muͦt
Peter Suchenwirt 28 Primisser (IX 133);
Joseph, du getruwer goddes man,
du hoist dich eins genommen an,
dasz du nach (noch) den werden
wilt bestaden zu der erden
den herren (hehren) licham Jhesus
(1501) Alsfelder passionssp. 6597 Grein;
der gelehrte, der werde Petri d. Teutschen weiszh. (1605) N 8ᵃ;
wo sie von dir getrennt,
in liedern der verklärten
den namen ihres werthen
der seele Sappho's nennt
Tiedge w. (1823) 2, 13;
besonders als anrede:
wie koͤmmt es, werther, sprich einmal,
dasz du der Pallas untreu worden?
Gottsched ged. (1751) 1, 152;
du erblassest? was ist dir, mein werther? (1768) Gerstenberg Ugolino 258 H.; aber erleichtern sie ihre brust, werter! E. T. A. Hoffmann s. w. 4, 12 Gr.; meist superlativisch: ihnen, mein werthester, traue ich vor einer unzaͤhligen menge anderer, in allen guten eigenschaften, den groͤszten vorzug zu Schwabe belust. (1741) 1, 189; ihr liebes schreiben, mein werthester, bester ... erhalte ich ... erst heute (13. 2. 1818 an Schlosser) Göthe IV 29, 50 W. u. ö.; der pfarrer ..., sich zum leise athmenden lehrer wendend, sprach: 'sie müssen jetzt schon so gefällig sein, werthester!' Seb. Brunner ges. erz. (1864) 1, 6; wollet sie (die fälle) mir noch einmal vorlesen, wertester! qu. a. d. j. 1938. der komparativ erscheint nur vereinzelt substantiviert:
eine gestalt voll anmuth und holder, redender sitten,
die ich in meinem morgen der jahr' an einem geliebet,
der mein wertherer war. in welchem ich lieblicher lebte;
gottes liebling
Bodmer Noah (1752) 13.
b)
als sachbezeichnung: la allen dinen flis heruf gan ... so wurt dir ..., das du wurst gesat in das groͤste, in daz nehste und daz allerwerdeste daz got hat Johannes Tauler pred. 90 Vetter; Griechenland hat auch nichts so seltzames und werthes besessen Lohenstein Arminius (1689) 1, 127;
ort, der mir nur verdrusz statt glück und ruhe gab,
nichts werthes hast du mir, als meines Hannchens grab!
(1758) A. G. Kästner ges. poet. u. pros. w. 1 (1841) 24;
dein werthes, abgeschlossen den 4. märz, mit angenehmen beylagen, gibt manches zu denken (18. 3. 1826) Göthe IV 40, 326 W.;
entbehrung nur lehrt uns das werthe schätzen
Brentano ges. schr. (1852) 6, 95;
im neueren dt. meist mit abhängigem genitiv oder dativ: so dasz doch im grunde nichts der kräfte, der anlagen, der absichten völlig werthes herauskommt (30. 10. 1824) Göthe IV 38, 279 W.; ich habe gesehen, dasz gegen die spanische darstellung nichts der rede werthes von französischer seite eingewendet wird Laube ges. schr. (1875) 4, 155; es kam ihm vor, als habe er etwas ihm wertes zu verteidigen Gerh. Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 29; ... dasz er nichts der geltung wertes gewesen, nichts der dauernden erinnerung wertes getan M. Kähler d. lebendige gott (1894) 59.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 444, Z. 53.

wert1, m., n.

¹wert, m., n.
(im ä. dt.).
formen und verbreitung. got. waírþ (nur im akk. und dat. sing. belegt); an. verđ, ä. schwed. værþ (davon schwed. värde), dän. værd; ae. weorđ, engl. worth; afries.-anfränk. werth; as. werđ, mnd. wert (n., gen. werd-es; daneben: werde, f., mndl. werde, waerde, ndl. waarde, f.); ahd. wërd, mhd. wërt (gen. werd-es), nhd. wert (mit dehnung des stammvokals und eindringen des auslautenden -t in den inlaut; gen. wert-es). —mundartlich ist wert für den gesamten dt. sprachraum bezeugt, besonders in wendungen wie wat is de wërd dâr fan? Doornkaat Koolman ostfries. 3, 539; wërt op wat leïn Damköhler Nordharz 226; dos hot kaͦnn waͦrt Müller-Fraureuth obersächs. 2, 659; nid in de wèrt kumme 'beim verkauf nicht den richtigen, vollen preis erzielen' Follmann lothr. 538; bei'n werd sei ̃ Schmeller-Frommann bayer. 2, 991.
herkunft und gebrauch. wert ist gemeingermanische substantivierung des adjektivs wert (s. dort) und wird zunächstvereinzelt noch im 16./17. jh. (s. Maaler teutsch spraach [1561] 489ᵛᵇ; Zehner nomencl. [1645] 416 sowie Zwingli unter 2 a β und Weckherlin unter 1 b γ) — als neutrum gebraucht. das im mhd. aufkommende (s. Lexer 3, 795) und im nhd. herrschende genus masculinum erklärt sich wohl aus anlehnung an sinnverwandte masculina wie kauf und preis. ebenso wie lat. pretium und griech. τιμή, denen es in frühen germanischen texten entspricht, bezieht sich wert auf das 'wert-sein' (1) und 'wert-seiende' (2) in mannigfacher anwendung. beide gebrauchsweisen finden sich schon im ahd., zufrühest im speziellen sinne von 'preis' (1 a) und 'kaufsumme' (2 a α), wenig später die bedeutungen 'geltung, (wert-)schätzung, bedeutung' (1 b β) und 'güte, qualität' (1 c α und β). im neueren dt. wird substantivisches wert zudem auf mannigfache (wert-)objekte, materielle und geistige güter bezogen (2 b—d), ohne dasz andererseits sein anwendungsbereich durch das vordringende preis wesentlich geschmälert worden ist. es wird ein wichtiges fachwort der volkswirtschaft und der philosophie, dessen inhalt umstritten und oft definiert ist (vgl. auszer den lehr- und sachwörterbüchern dieser fächer vor allem J. E. Heyde wert [1926]); darüber hinaus nimmt wert geradezu den charakter eines schlag- und modewortes an, 'das alle welt bei passender und unpassender gelegenheit im munde führt' (Heyde a. a. o. 31), dies nicht zuletzt durch Nietzsch s viel zitierte formel von der umwertung aller werte (1886, s. O. Ladendorf hist. schlagwörterb. [1906] 321 f. sowie R. M. Meyer vierhundert schlagwörter [1900] 81). von den zahlreichen bildungen, die an wert anschlieszen, seien nur einige typische kompositionen mit verschiedenartigen vordergliedern genannt: eigen-, mehr-, mittel-, real-wert; durchschnitts-, gebrauchs-, grund-, handels-, kunst-, liebhaber-, metall-, zahlen-wert; nenn-, tauschwert; schlieszlich auch gegen- und unwert.
1)
das 'wert-sein' eines materiellen oder immateriellen (wert-)objekts für einen einzelnen (ein wertendes subjekt) oder eine gemeinschaft; in mehreren bedeutungsvarianten erscheinend.
a)
zufrühest als entsprechung des lat. pretium; im sinne von 'preis, veranschlagtes oder gefordertes äquivalent eines (handels-)objekts in geld oder anderen zahlungsmitteln' (vgl.gegen-, tausch-, verkaufswert): precio uuert (8. jh.) ahd. gl. 1, 210, 13 St.-S.; tanti (ed. tantum) valet somihileswerdes. werdist (10./11. jh.) ahd. gl. 2, 274, 11 St.-S. (glossierung einer stelle aus Gregors homilien: aestimationem quippe pretii non habet, sed tamen regnum dei tantum valet quantum habes); sy sagt auch im den werd des kaufs (der zu verkaufenden ware) (um 1480) Ulrich Füetrer bayer. chron. 92 Spiller; das lande daz du eischest ist wirdig cccc cickel dez silbers, ditz ist der werd zwischen mir vnd dir (istud est pretium inter me et te) erste dt. bibel 3, 111 lit. ver.; so noch im nhd. gebraucht, wenngleich preis allmählich in diesen anwendungsbereich vorrückt: in was werthen dieselben (die metzger) ein jede gattung roher und gegaͤrbter haͤut ... kaͤufflich hingeben sollen ordnunge wie sich handtwercker und hanthierer verhalten sollen (Heidelberg 1579) A 3ᵃ; doch sollen sich die inlendische krammer auch mit allerlei gueter gerechten waren fürsechen und im billichem wert oder gelt abgeben (17. jh.) österr. weistümer 2, 32; als er (der könig) solche (bücher) zu erhandeln verweigert, hat sie (die sibylle) drey derselben verbrannt, die uͤbrige sechse in vorigem werth fuͤr den koͤnig feil getragen G. Neumark palmbaum (1668) 447ᵇ; in diesem becher sei ein edelstein, viele tausend ducaten an werth Göthe I 43, 282 W.; wie hier der werth eines schaafs auf zehn pfund gesetzt ist Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 272; ich hatte ... erfahren, dasz der könig eine dose mit brillanten, deren werth auf 50—60 000 franken ... angegeben wurde, hatte anfertigen ... lassen Bismarck ged. u. er. 2, 164 volksausg.; jeder kaufmann hat bei beginn seines handelsgewerbes ... den wert der einzelnen vermögensgegenstände anzugeben handelsgesetzb. v. 1861 § 39; zuweilen neben preis, gleichbedeutend: wer seine wahren nach gemeinem preisz vnd werth ... verkaufft, der handelt nach billigkeit vnd ehrlich Lehman floril. polit. (1662) 1, 454; wir wollen uns des wehrts oder des preises halber schon vergleichen Ludwig teutsch-engl. (1716) 2417; und abgehoben: die waare der eitlen weiber hat keinen bestimmten preis, aber in ihren eigenen augen einen unermeszlichen werth J. J. Engel bei Weigand wb. d. dt. syn. 3, 1120.
b)
'geltung'; valor, aestimatio (Maaler teutsch spraach [1561] 482).
α)
von güte und kurs(wert) einer währung oder geldsorte (vgl.münzwert): wer mit anderen koufit oder verkoufit, ist he ein inman, he verbuzet sechzic schillinge. ist aber he ein uzman, he verbuzit nicht, gibet he si nach iren werde (um 1300) Freiberger stadtrecht 75 Ermisch;
ir nempt das guet, lat mich allein
hin varen in das pat,
da alle münz hat klainen wert (im jenseits),
neur guete werch, ob ich der het gemert
Oswald v. Wolkenstein 213 Schatz;
bedunkt mich zu dem wert (20 groschen = 1 ung. gulden u. 100 pf. = 1 ung. fl.) ein geringe munz sein und etwas vill geringer den die vorige alde munz (über die neuen münzen, die der könig von Ungarn schlagen liesz) (1521) H. v. d. Planitz berichte 38 Wülcker; dass jedermann die (münzen) von dem andern nemmen mag ob er will, ein jeglich gelt nach sinem wert (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 2, 158; nach den talern seyn die vngerischen ducaten inn gleichem werth mit den tuͤrckischen suldanern ducaten Schweigger reyszbeschr. (1619) 267; also dasz auf deszen bewilligung und gutheiszen lederne und papirene pfenning eben des wertes seyn koͤnnen (wie die münzen) Reinicke fuchs (1650) 188; der wehrt einer muͤntz il valore, valuta d'una moneta Kramer t.-ital. 2 (1702) 1286ᵃ; ... dass er ... befahl, dass die muͤnzen auf ihren alten wahren werth sollen gebracht werden M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 116; wir wissen von den meisten münzen, dasz sie den werth, den sie anzeigen, nicht besitzen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 140; in ähnlicher weise wird die münzgeschichte ... erörtern, ... welchen wert man ihr (d. münze) beilegte Luschin v. Ebengreuth münzk. (²1926) 4 (ebda 223 genaueres über kurs-, metall-, nenn- und tauschwert der münzen); der dollar, hat er gesagt, der ist jetzt das beste geld, der verliert seinen wert nicht O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 102.
β)
von der bedeutung und (wert-)schätzung einer sache oder handlung, die jemandem bzw. vielen etwas (nichts) gilt und von nutzen (wert) zu sein scheint: paruipendit luzilesvuerdes ahtota (stelle einer predigt über Luk. 18, 41: ecce caecus a domino non aurum, sed lucem quaerit, parvipendit extra lucem aliquid quaerere, quia ... sine luce videre non potest ... quod habet) (10./11. jh.) ahd. gl. 2, 269, 38 St.-S.; doch will auch ich die (anderslautende darstellung) in irem werd beleiben lassen und wil sölich nachkleng (vorwürfe) fliehen zu meinem haubtherren diser materi (hauptgewährsmann) (um 1480) Ulrich Füetrer bayer. chron. 59, 10 Spiller (vgl. die unten angeführte redensart etwas in seinem wert oder unwert lassen); der gmein nutz dardurch gefurdert, alle guͦte kuͤnst in uͤbung vnd werdt kaͤmen Ryff spieg. d. gesundth. (1544) aa 2ᵃ; das helffenbein was in eim grossen gaͤlt vnd waͤrd oder in grosser achtung (tanta ebori authoritas erat) Frisius dict. (1556) 148ᵇ; ich musz meine freyheit etwas hoͤher schaͤtzen und in ihrem werth unnd ansehen bestaͤndiger erhalten? Rist d. friedejauchz. Teutschl. (1653) 165;
als aber Luther erst und seine lehren galten,
bekam das ehe-werk den alten wehrt und schein
poesie d. Nieders. (1721) 1, 174 Weichmann;
wird die vernunft und billigkeit, die gerechtigkeit ... allezeit in gebührendem werthe gehalten, reichlich belohnet und nach verdienste gekrönet? anmuth. gelehrs. (1751) 1, 403 Gottsched; nur den urkunden des glaubens erkannte man fortan religiöses ansehen zu. der werth der kirchlichen werke und der ganze bisher gebotene dienst fielen in sich selbst zusammen Ranke s. w. (1867) 4, 113; alle diese mittel aber gebraucht er (der arzt) durchaus aufs geratewohl ... unwissend darüber, ob ihre anwendung nicht jedes wertes, sinnes und zweckes entbehrt Th. Mann ges. w. (1955) 1, 778. häufig in wendungen wie wert auf etwas legen (setzen), einer sache wert beilegen (beimessen), sie in hohem wert halten: es ist etwan der biberbalg in hohem waͤrd gehaltē Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 23ᵇ; dieses buch aber ... (ist) in sehr hohem werth gehalten Sutorius fechtb. (1612) ):( 3ᵃ; ich habe von je her einigen werth auf meine freundschaft gelegt ... sie (anrede) sind der erste, dem ich sie angeboten habe (1749) Lessing 2, 52 L.-M.; so wie sie auch der seltenen geschicklichkeit, womit sie das clavier spielt, ... nur darum, weil sie ihrer freundin dadurch vergnügen machen kann, einigen werth beyzulegen scheint S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 143; da es ihnen auf solche art um ein gutes saurer wird als den Tahitiern, sich die lebensmittel zu verschaffen, so setzen sie auch einen höhern werth auf dieselben J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 90; güter ..., auf deren besitz er den gröszten werth legte Göthe I 21, 57 W.; der vulgata ... masz ... er einen höchst übertriebenen werth bei Ranke s. w. (1867) 3, 78; ich selbst ... habe mich persönlich stets an den sittlichen gepflogenheiten des philisters beteiligt. nicht, weil ich ihnen wert beigemessen ... hätte (1904) H. Mann d. blaue engel (1950) 193; natürlich muszte er (der staat) die bezüge der deutschen herren wesentlich erhöhen ..., auszerdem aber ihr übergehen in die friedensverwaltung verbürgen, wenn sie darauf wert legten A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 147; für jemanden von wert sein (scheinen), nicht ohne wert sein, etwas von (oder ohne) wert: die widmung des Sardanapals ist mir von dem höchsten werth (3. 4. 1826) Göthe IV 41, 4 W.; er selber habe alles von werth bei sich (alle für wertvoll gehaltenen sachen) Eichendorff s. w. (1864) 3, 393; in der zuversicht, dasz es (mein werk) nicht ohne werth für sie (die menschheit) seyn wird Schopenhauer s. w. 1, 16 Gr.; da scheint es mir vom höchsten werthe, wenn ausserhalb der universitäten ein höheres tribunal entsteht Nietzsche w. I 1 (1895) 409; (Moltke) erklärte ..., der canal werde ... von zweifelhaftem militärischen werthe sein Bismarck ged. u. er. 2, 47 volksausg.; warenproben (muster ohne wert ...) 'mustersendungen, für die beförderung mit der briefpost verpackte warenproben ohne handelswert' Meyers konv.-lex. 20 (1908) 376; aber ein erstes herumtasten und herumfragen an dingen, die sich noch nicht fixieren lassen, ... wird doch für die danach kommenden eigentlichen forscher immer seinen wert haben, und ich glaube, es wird ihnen auch von wert sein, ihr objekt im zustand einer halb vollzogenen metamorphose zu sehen V. Klemperer l. t. i. (1949) 20; (einen, keinen, seinen, so viel ...) wert haben im sinne von 'bedeutung, sinn haben, nützlich sein, etwas (nichts) gelten' u. ä.:
uns umleuchten reine sterne,
hier nur hat das edle werth
Göthe I 2, 30 W.;
wenn die gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen werth mehr, dasz menschen auf erden leben Kant w. 5 (1838) 167; herrscht der satz vom grunde ... in der art, dasz jedes derselben (der urteile) seinen werth, seine gültigkeit ... hat Schopenhauer s. w. 1, 48 Gr.; von einem bedeutenden vermögen, ... welches grösztentheils aus hypotheken bestand, lösete sich ein kapital nach dem andern ab, weil ... landgüter, der politischen verhältnisse wegen, keinen werth mehr hatten Holtei vierzig jahre (1843) 1, 102; ohne die zustimmung der reichsstände hatte keine dieser zusagen werth Dahlmann franz. rev. (1845) 212; ein schutz- und trutzbündnisz hat gerade so viel werth, wie jeder theil schutz und trutz zu üben vermag Moltke ges. schr. (1892) 7, 14; ein leben ohne sie hat keinen wert mehr für mich Fontane ges. w. (1905) I 5, 81; lass bleiben, vater! es hat keinen wert! O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 230; hatten nun diese möbel, dieses leinen, diese kochtöpfe noch einen wert für sie (die verlassene)? C. Viebig die vor d. toren (1949) 252; sowie etwas in seinem werth und unwerth laszen aliquid in medio relinquere, liberum relinquere; aliquid nec laudare, nec contemnere (Aler dict. [1727] 2, 2180ᵃ): wil ich zum beschluss den fruͤndlichen leser gebetten haben, diss buͤchlein fur seinen werdt vnd vnwerdt verbleiben lassen Reutter v. Speir kriegsordn. (1594) A 3ᵇ; nun liessen sie zwar alle dergleichen discursen uf ihrem werth und unwerth beruhen (24. 8./3. 9. 1648) urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 4, 711 Erdmannsdörffer; es mag dieses (mittel, den säufern das weintrinken abzugewöhnen) in seinem werth oder unwerth so lange beruhen, biss andere die probe hiervon gesehen Amaranthes frauenz. lex. (1715) 586; vgl. auch den obengenannten beleg aus Füetrers chron.
γ)
von bedeutung und rang, würde oder ansehen einer person:
sus vunden si den gotes trût,
einen dürftigen ûf der erde,
ze gote in hôhem werde,
den liuten widerzæme,
ze himele vil genæme
Hartmann v. Aue Gregorius 3420 Paul;
ind gaf alle rittere und vrawen kleinede, mallich na irem werde (1402) städtechron. 13, 94 (Köln); je mee die eer und liebe Christi Jesu wachst ..., je mee das wert und eer Mariä wachst Zwingli dt. schr. 1, 103 Sch.; admirari aliquem einen in grosser achtung vn̄ grossem waͤrd halten Frisius dict. (1556) 38ᵃ;
(will) euch mein trew-reiches hertz
und ewer höchstes wehrt still schweigend mehr bezeugen
Weckherlin ged. 2, 245 Fischer;
sich in wehrt bringen mettersi in riputatione etc., farsi valere Kramer t.-ital. 2 (1702) 1286ᵃ; hat kaiser Wilhelm den Albertus magnus ... wegen seiner groszen geschicklichkeit in groszem ansehen und werth gehalten br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 106; ich lege mir persönlich gewisz nicht zu viel wert bei Mackensen br. u. aufzeichn. (1938) 268; jeder wurde seinem wert entsprechend gefeiert oder leicht angeulkt E. Mühsam namen u. menschen (1949) 164. als sprichwörtliche anwendungen begegnen: wer kein miszguͤnstigen hat vnd dabey meynt, er sey im werth vnd ansehen, der hat ein boͤsen traum Lehman floril. polit. (1662) 2, 504; alte diener, hund und pferd sind bey hof in einem werth senes ministri, canes et equi in aula idem habent pretium, sc. parvum Pistorius thes. paroem. (1715) 61; dem neuen verdanken viele schriftsteller ihren werth, ihren ruf Körte sprichw. (1837) 329.
δ)
besondere fachsprachliche anwendungen.
αα)
wert der noten: darauff alle noten vnd pausen nach jrem valore oder wert gesungen werden A. Wilphlingseder musika (1561) D 7ᵇ; (A.:) wer will mir dann sagen, ob dye selben noten lang oder kurtz sol syn? (S.:) ich will dir darnach wol ein beschaid geben, das du valorem notarum oder den werdt der noten auch erkennest (1511) Virdung musica (1882) 46; da hingegen die 2dre, 4te etc. notae virtualiter breves, oder die (ihrem innerlichen werthe nach) kurtzen noten heissen (1683) Heinichen generalbass (1728) 258; der schuͤler braucht nichts weiter zu wissen, als dasz die noten ... alle von gleichem werthe sind, folglich eine so lang ausgehalten wird als die andere Hiller anweisg. z. gesang (1774) 38; bei der ausführung der tonstücke musz nicht nur auf die höhe und tiefe der töne, sondern auch auf ihre länge oder dauer, welche man auch manchmal die geltung oder den werth nennet (durée, valeur) rücksicht genommen werden Bürja gröszenlehre (1799) 1, 287; empfinden, mit welcher ... weichheit ... die in versionen der italiänischen sprache sich der kunst anbieten, der bewegung, dem ausdruck, den wendungen des gesangs, dem gemessenen werth der töne Göthe I 45, 116 W.
ββ)
wert logischer, mathematischer gröszen u. dgl.: bei den häufigen angaben von entfernungen, welche meistens nur schätzungen sind und nur approximativen werth haben Ritter erdk., teil 1 (1822) VIII; am 1. august hat ihre (der Venus) entfernung von der sonne den grössten werth von 46 grad erreicht Fr. Th. Schubert verm. schr. (1823) 1, 80; dieser punkt liegt, wenn ich die aus 478 beobachtungen von Heis ermittelten werthe zum grunde lege, in ra. 50°, 3 und decl. 51°, 5 A. v. Humboldt kosmos (1845) 3, 600; jedes spezielle gebiet, das wir so unter einem buchstaben a verstehen mögen, nennen wir einen 'wert' (valor, value) des letztern E. Schröder algebra d. logik 1 (1890) 159; da sowohl k als auch i alle möglichen werte anzunehmen haben Boltzmann popul. schr. (1905) 107; eine veränderliche grösse S sei der werte S₁, S₂ ... fähig Czuber wahrscheinlichkeitsrechng. (1908) 1, 91; neben der bestimmung der werte der unbekannten grössen geht noch eine andere aufgabe der ausgleichungsrechnung einher ebda 248; wert (math.) valeur Krebs techn. wb. 5, 3 (1931) 159.
c)
vielfach bezieht sich wert weniger auf die geltung als auf die tatsächliche güte, tauglichkeit und qualität (vgl. werthaltigkeit), mit der keineswegs eine angemessene (wert-)schätzung verbunden sein musz,
α)
einer sache (vgl.b α):
nam Maria nardon,   filu diuren uuerdon (libram unguenti nardi pistici pretiosi Joh. 12, 3)
Otfrid IV 2, 15 Kelle;
swin, de ungevelschet sin, de mach men copen na eren werde
(1346) Nowgoroder schra 153 Schlüter;
die (äcker) wollten sie theurer, dann der wert, verkaufen
Zimmer. chron. ²2, 294 Barack;
was macht die edlen stein und klaren perlen werth?
ihr werth nicht, sondern das, dass man sie so begehrt
Logau sinnged. 292 lit, ver.;
schönheit blüht zur lust des lebens,
brauchen macht den werth erst kund
(1718) Joh. Chr. Günther s. w. 1, 122 lit. ver.;
die gesundheit nicht einmahl, nicht einmahl ein gut gewissen,
...
koͤnnen uns, wie sie doch sollten, eine lange lust erregen.
aber, sind sie etwa fort; ach, wie deutlich, hell und klar
wird man dann derselben guͤte, wehrt und schätzbarkeit gewahr!
Brockes ird. vergn. (1721) 4, 307;
die moralische guͤte einer handlung, der werth oder unwerth unsers thuns und lassens, haͤngt ... von den folgen und wirkungen dieser handlungen ab Mendelssohn ges. schr. (1843) 2, 59; die tauglichkeit der sprachen zu dieser gattung des gesprächs ist daher der beste prüfstein ihres werthes W. v. Humboldt ges. schr. 4, 435 akad.; für ihn war alles nur insoweit vorhanden, als es einen preis hatte: der wert war ihm gleichgültig Burte Wiltfeber (1912) 274; er fand aber doch die zeit, die von mir angepriesene literatur auf ihren wert zu prüfen E. Mühsam namen u. menschen (1949) 32. seit dem 18. jh. spricht man häufig von dem inneren, rechten, wahren wert u. dgl.: wenn man gleich in der kindheit und jungen jahren, da man nicht selbst verstand genug hat, das gute nach seinem rechten werthe zu unterscheiden ... Chr. Wolff vern. ged. v. d. menschen thun (1720) 148; (alle wissenschaften haben den zweck,) durch eine gruͤndliche ueberzeugung von dem wahren werthe der dinge den willen des menschen zum guten zu lencken Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 5; die anzahl der aufgeklaͤrten geister ist sehr geringe, die ... aller dinge gewicht erforschen und derselben wahren wehrt von wahn und tugend zu trennen wissen Zimmermann nationalstolz (1758) 12; dadurch aber beweis't sich eben der inwohnende kräftig-lebendige werth des erworbenen gutes Göthe II 6, 270 W.; eine materie erhält durch die arbeit eines echten künstlers einen innerlichen, ewig bleibenden werth ebda I 47, 56; ein sehr gutes buch, dessen innerer werth den mangel äussern glanzes reichlich ersetzt Börne ges. schr. (1829) 7, 92; das übertreibende, das marktschreierische, das nicht ganz dem tatsächlichen wert der angepriesenen sache entsprechende eines angebots V. Klemperer l. t. i. (1949) 52; vom äuszeren wert unterschieden: das urtheil über die güte der sachen wird aber auch seine objectiven und subjectiven gründe haben; und die erstern werden den sachen entweder einen werth geben, der von allen zufälligen umständen unabhängig ist, und das ist ihr innerer werth, oder einen solchen, der von zufälligen umständen abhängt, und dieser ist ihr äuszerer werth Eberhard synonymik (1795) 6, 323; das getreide behält als eine unentbehrliche und brauchbare sache immer einen innern werth, aber der äuszere werth desselben ändert sich, je nachdem desselben viel oder wenig gewachsen oder vorhanden ist, und es richtet sich dann auch der preis oder dasjenige an gelde danach, was man dem werthe einer sache gleich schätzt Campe 5 (1811) 687.
β)
einer person; auch dieser gebrauch findet sich ansatzweise schon im älteren dt.: melioris pezirinvuerdes (zu Matth. 10, 31: nolite ergo timere, multis passeribus meliores estis) (10. jh.) ahd. gl. 1, 807, 33 St.-S.;
tiur unde wert ist mir der man,
der guot und übel betrahten kan,
der mich und iegelichen man
nach sinem werde erkennen kan
Gottfried v. Straszburg Tristan 20 Ranke;
wir wollen vns befleissigen redliche vnd genugsam gelerte gesellen zuhalten bey den schulen vnd nicht vntüchtige vnd vnuerstendige; darumb ist es billich, das wir ... einen jeden besolden nach seinem werd J. Bugenhagen braunschweigische kirchenordn. (1531) J 2; solche gesellen (doch ein jeden in seinem werdt, dann man findet gut, mittel vnd boͤsz in allen faculteten) vorhin vnd ehe er sich mit jhnen einlesset, wol obseruiren vnd erkennen lernen sol Thurneisser alchymia (1583) 4ᵇ;
lieber gott! wann an der zahl
ich wer ich viel tausend mahl,
wär mein werth doch nimmer werth,
dasz mich Christus nur begehrt
Logau sinnged. 120 lit. ver.;
er ist jedoch erst seit dem 18. jh. geläufig: Danae war bereits von der idealischen vollkommenheit zu dem gewoͤhnlichen werth einer jeden andern schoͤnen frau herabgesunken Wieland Agathon (1766) 1, 388; an die tugend der menschen zu glauben ... an den moralischen werth des menschen (1791) Klinger w. 3 (1815) 58;
mein herz durchzückt' mit eins ein freudenstrahl:
dein ganzer wert erschien mir auf einmal
(1842) Mörike ges. schr. (1905) 1, 165;
so liegt auch der höchste werth eines schriftstellers weit weniger in der richtigkeit und nützlichkeit der von ihm mitgetheilten sachen, als darin, dasz eine lebendige, erheiternde und erhebende kraft von ihm ausgeht Justi Winckelmann (1866) 1, 6;
... Sokrates
und Nero sind von gleichem werth: versetz'
den einen in des andren lage,
und aus dem Nero wird ein Sokrates
und aus dem Sokrates ein Nero
Grabbe s. w. 1, 225 Bl.;
Lucie von Rippgen hatte bereits seit fünf minuten den doktor Pechlin seinem ganzen werte nach erkannt W. Raabe s. w. II 2, 280 Klemm; unvorstellbar in ihrer armut hausten die menschen dort aufeinander, leute von besonderem wert darunter, gauner dagegen hatten es meist schon zu gelde gebracht A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 211. oft in verbindungen wie innerer, innerlicher, wahrer wert: ihren (des fräuleins) innerlichen werth S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 87; ich antworte darauf, ... dasz der anstrich, den der dichter von seiner zeit erhält, nicht zu seinem innern werthe, ja nicht einmal zu seinem wesentlichen gehört Kretschmann s. w. (1784) 1, 31; diese sucht, ein groszer mann zu seyn, ist bey dem inneren gefühle von kraft und wahrem werthe schwer abzulegen Knigge umgang m. menschen (1799) 1, 134; immer allgemeiner wurde den dirnen ... ein abzeichen vorgeschrieben, damit sie von den ehrbaren frauen geschieden und 'nach ihrem wahren werte angesehen' werden könnten K. Bücher frauenfrage im mta. ²60; volles verständnisz für seine eigenart und tiefe empfindung für seinen (ihres mannes) inneren werth erfüllten sie (Marie v. Moltke) schon damals bei Moltke ges. schr. (1892) 1, 150.
2)
das 'wert-seinde' (vgl.wert-sache, -träger).
a)
in anschlusz an lat. pretium früh für zahlungsmittel verschiedener art gebraucht.
α)
im sinne von 'kaufsumme', jedoch keineswegs nur auf geld bezogen: non licet mittere eos in corbanam, quia pretium sanguinis est nimuoz man dea (silberlinge) lecchen in geldfaz ... bluotes werd (um 800) Monsee fragm. 24, 6 Hench (Tatian 193, 4: wanta iz ist werd bluotes);
cabi thin pluat
unsera heili uuerth
(nostre̜ salutis precium)
(anf. 9. jh.) Murbacher hymnen 24, 7, 4 Sievers;
non dabit deo placationem suam ... der negibet niêht gote mit diû er sih hulde et precium redemptionis anime̜ sue̜ noh daz uuerd sînero sêlo lôsungo Notker 2, 185, 25 Piper; vnd do der werde (die kaufsumme für brot) den kauffern gebrast ... er (Joseph) antwurt in: fúrt her ewer viche, vnd ich gib euch speys vmb sy, ob ir nichten habt den werde (cumque defecisset emptoribus pretium ... ille respondit: adducite pecora vestra et dabo vobis pro eis cibos, si pretium non habetis gen. 47, 15 f.) erste dt. bibel 3, 208 lit. ver.; ist mein sentenz, das der ynnehaber den werd fur den garten von den rat neme und reume den selben garten zu solchem guten, christlichen, auch zur zeit fast notigem werck (1544) Luther briefw. 10, 673 W.; darumb solte diese kunst nur den gottsfoͤrchtigen gezeigt werden, weil sie mit keinem werdt zubezahlen ist Paracelsus opera (1616) 2, 671;
ich habe die schoͤne mit nichten gewonnen
mit solde von golde, mit perlenem wehrt
Stieler geharnschte Venus 22 ndr.;
ein bauer fuͤhret auf seinem wagen einen grossen block vom linden-baum in die stadt, ein bildhauer kaufft solchen um einen billigen werth (erwirbt ihn gegen einen angemessenen betrag) (1711) ollapatr. 281 Wiener ndr.;
dein schimmel kostet dich, herr prahler,
wie du beschwörst, fünfhundert thaler,
kann seyn! doch zahlet diesen werth
kein mensch für — dich und für dein pferd
Kretschmann s. w. (1784): , 360;
wo der kauf der braut noch ein ernstes geschäft ist, werden vergleichsweise hohe werthe entrichtet Peschel völkerk. (1874) 237.
β)
'erlös, ertrag, eingenommene oder eingelöste geldsumme': verkauff alle ding vnd kere sy in den werde vnd trag sy in deiner hand vnd gee (in pretium rediges) erste dt. bibel 4, 181 lit. ver.; dann sy all jr hab verkouftend und truͦgend das wert under die gemeinen bruͤder Zwingli dt. schr. 1, 220 Sch.; kummend, tragend hin on gelt und on alles wert (ohne jede vergütung) wyn und milc ebda 211; (die dorfmeister) megen ... ain pfant nemben, ... versetzen und den wert vertrinken (18. jh.) österr. weistümer 5, 414; er will den werth der im october gehaltenen weinlese nicht mit dem ganzen pachtgelde für das folgende jahr ... zusammen gerechnet wissen J. Fr. L. Göschen grundr. z. pandekten-vorl. (1831) 339f.; hierzu auch wendungen wie den wehrt eines wechsels empfangen haver ricevuto la valuta di una rimessa Kramer t.-ital. 2 (1702) 1286; den werth für etwas empfangen, d. i. 'den betrag des werthes dem gelde nach' Adelung 4 (1801) 1507.
γ)
wie lat. pretium vereinzelt auch 'entgelt, lohn' (vgl. Heliand 3444 S.): hat er vns denn nit geacht als die fremden vnd hat vns verkauft vnd hat gegessen vnsern werde (comeditque pretium nostrum gen. 31, 15) erste dt. bibel 3, 146 lit. ver. (Luther: er hat ... vnser lohn vertzehret); (den handwerkern soll) ieder, sovil ainer hat oder geben kann, umb ainen leidenlichen und gebirlichen werth ... dargeben (1631) österr. weistümer 4, 320; es soll ain jeder herr und frau ihre ehehalten (dienstboten) mit gelt und gwant, wie er ihme verdingt hat, und kainen andern wert geben und bezallen (1671) ebda 1, 98. auch im sinne der vergeltung, 'verdiente strafe':
ir herren, griffet an uwer swert!
sie soln dar umb nemmen bose wert
(1501) Alsfelder passionsspiel 7404 Grein;
fahend sie an
heimlich rauben und stelen
etwann feinden sie iren wert,
strick, hencker, schwert
kan in gar hoͤflich strelen
Wickram w. 2, 67 Bolte.
δ)
mit zahlen- oder mengenangaben verbunden nennt wert oft einen bestimmten betrag:
die (münzen) gap man dâ vil manegem man,
der vor nie gewan
eines halben phundes wert
Hartmann v. Aue Erec 2180 Haupt;
sîn vater hiez in gâhen   daz er næme swert
mit hundert sîner helde:   tûsent marke wert
gæb er ie vier gesellen   vür ros und vür gewæte
Kudrun 171, 2 Martin;
der soll einem jeglichenn zeugen ... acht creutzer oder sovil werdts nach eins jeden lands muntz gelegenheit gebenn (1530) Carolina 1 (1900) 44; ... dem ich den werth von einigen hundert scudi vertraut hatte Göthe I 44, 7 W.;
ein heller und ein pfennig
das ist ein kleiner werth
Mittler volksl. (1865) 306.
ε)
'modern oft = wertpapiere' (Schirmer wb. d. dt. kaufmannsspr. [1911] 211): man schuf 'neue werte' qu. a. d. j. 1876 bei Schirmer a. a. o.
b)
für mehr oder minder kostbare (wert-)objekte, güter, waren, vermögensteile u. dgl.:
yeglicher pegunde pringen
payde silber und wert.
sy namen wes ir hertz pegertt
paide waitz und dinckel
Heinrich v. Neustadt Apollonius 1145 Singer;
und darumb do erschraken die zwuͤ stett, wann sie hetten mer dan drissig tussend guldin wert (waren) zuͦ Bischoffshaim (2. h. d. 14. jhs.) städtechron. 4, 94 (Augsburg); welcher burger vnder hundert guldin waͤrt hat, darff nicht geben, aber hundert gibt all wochen ein haͤller Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 131 ndr.; wann aber der schuldner ... nit bezalt, so mag der begerend, ist lebendiger wert, in dreien, und toten wert in zechen tagen ... schäzen lassen (um 1650) österr. weistümer 4, 94; auf einmal forderten die matrosen und soldaten im namen des kapitains alles, was sie an geschmeide und werth besassen Klinger w. (1809) 4, 162; ich sage dir, ich hab aus dem kloster mehr dann tausend thaler werths geschleift Schiller 2, 81 G.; von dem besitz auf der domaine konnte kein werth zu einer vermögenssteuer angeschlagen werden Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 260; halt das stückl (eine goldene uhr), es ist ewiger wert O. M. Graf unruhe um e. friedfertigen (1948) 166; im neueren dt. oft pluralisch: eine forderung, mit der ich jahre lang im finanzministerium keinen anklang finden konnte, war ... die, dasz das einkommen von ausländischen werthen höher zu besteuern sei als von deutschen, gewissermaszen ein schutzzoll für deutsche werthe Bismarck ged. u. er. 2, 236 volksausg.; die höhe der ... mit den schiffen und ihren ladungen vernichteten werte läszt sich genau nicht abschätzen kr. depeschen v. 27. 2. 1918; mit dem geld erst war ein fester maszstab für die vergleichung wirtschaftlicher werte gegeben, d. h. das, was wir 'preis' nennen, nahm nun erst festere gestalt an Rud. Jentzsch bei W. Hofstaetter deutschkde. (²1921) 76; besonders in der wendung werte erzeugen (schaffen): überall sah ich ... die schornsteine von laboratorien rauchen, die aus solchem material noch werthe erzeugen sollen, das man hier gewohnt ist als unnütz wegzuwerfen Gutzkow ritter (1850) 3, 99; nur die materiellen arbeiter, welche verkehrsfähige werthe erzeugen, sind hoffähig in ihrem herrscherhause W. H. Riehl deutsche arbeit (1861) 59; im vornehmen westen (Berlins) werden sie (die kinder) auf englische, französische, deutsche angestellte abgeschoben, während die mutter wirklichen oder eingebildeten repräsentationen nachgeht und der vater, vom hause fern, werte zu schaffen sucht F. Lampe Berlin u. d. mark Brandenburg (1909) 124. wert wird in vielen fällen ausdrücklich von bargeldbezeichnungen abgehoben: swer daz bricht der sol geben an die stat als vil er hat gewunnen über sehtzick haller oder über ir wert (2. h. d. 13. jhs.) Nürnb. polizeiordnungen 63 lit. ver.; und (ir) habt mir alle euer tage heller noch hellers wert (etwas, das einen heller wert ist) ny zu behaldin gebin (Breslau, um 1470) bei Steinhausen privatbr. 2, 165; disz jar den 8. decembris ist herren Lorenzen Schad ... ein wunderparlicher diebstall, ob 500 fl. gelt und werd gestolen worden (mitte d. 16. jhs.) L. Widmann in: städtechron. 15, 44 (Regensburg); doch soll ain ieder wert der massen geschäzt und betheurt werden, das es dem parem gelt nit ungleichmässig seie ... also soll mit allem wert gehandlt werden (16. jh.) österr. weistümer 5, 651; die Tuͤrcken seind deszhalben zu loben, dasz sie umb kein geld oder werth spielen P. Kentz güldener handwercks boden (1629) 23ᵇ; so muste ich auch meine wagenketten ... mit ihm umb eine güldene ... vertauschen, also dasz er weder gelt noch gelts werth (etwas dem geld wertgleiches) behielte Grimmelshausen Simpl. 62 Scholte; (300 fl.) nach einer halbjährigen aufkundung mit baarem geld und keinem andern werth ruckzubezahlen (26. 5. 1788) Bozner schreibschriften 125 Santifaller; die activa des instituts (der seehandlung) bestehen ausser den zum currenten geschäftsbetrieb disponiblen baarvorräten bei der generalcasse in nachstehenden werthen Bismarck pol. reden 1, 346 Kohl.
c)
im anschlusz an b finden sich gelegentlich anwendungen wie:
fuͤr alles gold   bin ich dir hold
auff diser erd   kein grösser werd
ich acht vnd halt   kaum dein gestalt
im gantzen reich   wirt funden balt
(1539) Forster fr. teut. liedl. 8 ndr.;
der ein frumb biderweyb uberkompt, der hat ein köstlichen schatz und werdt V. Schumann nachtbüchl. 180 B.;
das schoͤn vnd rosenfarbe blut,
ein koͤstlichs werth zur seligkeit
der armen suͤnder hoͤchstes gut
(vor 1631) Kehrein kathol. kirchenlied 1, 744;
ihrer edlen tugend gold
ihrer vnschuld wehrt,
welcher gott und menschen hold,
haben dies begehrt
(1639) S. Dach in: Königsberger dichterkreis 284 ndr.;
denn ihr busen — schweigt, ihr toͤne!
dieser werth bleibt unberuͤhrt.
gnug zum busen, wenn die schoͤne
tugend in der brust verschnuͤrt
Schwabe belust. (1741) 1, 159;
o mein herz, ... du mein schatz,
mein wehrt, mein reitz!
R. Z. Becker mildheim. liederb. (1799) 72.
d)
dann auch auf immaterielle (wert-)objekte bezogen, auf geistige güter und ideelles, das als wert erkannt und geschätzt wird: wer hat ie bettlen für ein wert geschätzt? Zwingli dt. schr. 1, 303 Sch.;
er verwahrt
in seinem hertzen hie auff erdt
desz creutzes schatz und hohes werth
Kehrein kathol. kirchenlied 2, 428 (aus einem gesangbuch vom j. 1631);
mein liebster bruder, dir, der du des vaterlands
und alles wehrts verlust nicht woltest überleben,
musz ich hie dise klag und wahre zeugnusz geben,
dasz du ein wahre zier und säul des kirchenstands
(zum j. 1635) Weckherlin ged. 2, 299 Fischer;
denken unsre töchter wie männer, während diese ihren besten werth (die freiheit) verkaufen? Klinger w. (1809) 2, 321;
es giebt
noch höhern werth, mein sohn, als kriegerischen,
im kriege selber ist das letzte nicht der krieg
Schiller 12, 87 G.;
aber selbst wenn sie (die unfreiheit) äuszerlich glänzendere resultate aufzuweisen hätte als die freiheit, was würde dieser mehrgewinn bedeuten, wenn er durch eine einbusze an unschätzbaren innern gütern und immateriellen werthen erkauft werden müszte Jhering geist d. röm. rechts (1852) 2, 129; er (philosoph) muss selbst vielleicht kritiker und skeptiker ... und überdies dichter ... und moralist ... und beinahe alles gewesen sein, um den umkreis menschlicher werthe und werth-gefühle zu durchlaufen ... aber dies alles sind nur vorbedingungen seiner aufgabe ... dass er (erkennend) werthe schaffe (1886) Nietzsche w. I 7 (1921) 161; derselbe krieg, der uns das brot teuer und wert gemacht hat, sagt uns jeden tag, dasz der mensch nicht vom brot allein lebt, sondern von werten, die durch die seele gehen P. Jaeger v. schicksal d. werte (1915) 3; dasz als weltmarkt der neuen geistigen werte die päpstliche kurie in Avignon eine ... rolle spielt Burdach v. mittelalter z. ref. 3, 2 (1926) XXX; damit steht die reinheit einzig da unter den sittlichen werten, radikal verschieden von allem, was ihr sonst wohl verwandt sein mag Nic. Hartmann ethik (²1935) 375; so gibt es einen fanatismus der gerechtigkeit (fiat justitia pereat mundus), der keineswegs blosz der liebe, geschweige denn blosz der nächstenliebe, ins gesicht schlägt, sondern schlechterdings allen höheren werten ebda 525. in der neueren philosophie spricht man auch von kulturwerten: nach Rickert ist kultur der name für die güter, welche allen gliedern der gesellschaft wertvoll sein sollten; die 'kulturwerte' sind die allgemeinen sozialen werte (religion, staat, kunst usw. ...); den lebenswerten sind die kulturwerte überlegen Eisler hdwb. d. philos. (1913) 361; so ist es beim geringsten volkswirtschaftlichen wert, bei jedem stück brot, wie bei jedem besonderen kulturwert P. Jaeger v. schicksal d. werte (1915) 17.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 460, Z. 1.

wert1, werte1, f.

¹wert(e), f.,
wert-sein, geltung, ansehen (s. mhd. wb. 3, 604 und vgl.gewerde teil 4, 1, 3, 5617; unwerte teil 11, 3, 2192 sowie mnd. werde, mndl. werde, wærde, ndl. waarde): awer zo setze wer daz di eine colmesche münze si ower al dis lant vn̄ daz man die phenninge von luterme vn reinem silbere smede vn̄ die selben phenninge eweclichen in sulcher werde bliben (Kulm 1251) corp. d. altdt. orig.-urk. 1, 40, 11 Fr. Wilhelm; ist doch ein vnachtbare gemeine spejss nit in hocher waͤrd gehalten Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 3; man schetzt das jaͤrlichs in wollwerck und metall ausz Engelandt wuͤrde geführt die werde von 2 million cronen J. v. Brüssel beschr. aller keiserthumb (1602) B 1ᵃ; ein jeder wolt gern seine muͤntz in jhrer werth behalten Petri d. Teutschen weiszh. (1605) X 1ᵃ; so noch im schwäb.: die werde gaht über die güte Fischer 6, 1, 722.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 470, Z. 9.

wert2, m., n.

²wert, m., n.,
'gebrautes (bier)': die würze oder der wert bestehet, wie bereits näher erörtert worden, in einer mit wasser gemachten lösung des gummi und des schleimzuckers aus dem gemalzten getreide S. Fr. Hermbstädt chem. grunds. d. kunst bier zu brauen (1826) 1, 217 (ebda 173: das wert). als lexikographische buchungen finden sich: wert, wuͤrze das bier, wenn es gekocht, aber noch kein hopfen darzu gekommen ist Jacobsson technol. wb. 4 (1784) 640 u. 676; weert, der vom bier statt haͤhnchen oder kufenbier Hupel Lief- u. Esthl. (1795) 260; vgl. ²werte und wertbütte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 469, Z. 75.

wert2, werte2, f.

²wert(e), f.,
wie ²wert (s. dort und vgl. mnd. wert[e], f., 'würze'): nimm die erste werte, wenn man brauet, die maͤrcker nennen es: suͤte mos, oder meisch oder suͤte haͤnicken J. Gruwel bienen-kunst (1719) 283.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 470, Z. 25.

wert3, m.

³wert, m.,
'insel', s. unter werder.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 470, Z. 8.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„wert“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wert>, abgerufen am 05.12.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)