Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wertlos, adj.

wertlos, adj.,
gegenwort von wertvoll, zuerst von Campe gebucht, 'keinen werth habend, ohne werth' (5 [1811] 688); vor allem im hinblick auf unbedeutendes, ja unwertes wesen oder wirken des menschen gebraucht:
die lorbern der ahnen, in bessern zeiten
mit Sesostris erkämpft, verdorrten am werthlosen haupte
ueppiger enkel
Wieland ges. schr. I 3, 130 akad.;
die schönsten beweise ..., dasz sie nicht ... einem werthlosen manne unvernünftigen beyfall zollten (8. 9. 1822) Göthe IV 36, 157 W.;
aber vergisz niemals, dasz stets die geschwätzige trägheit,
wertlos, ohne verdienst, grosze verdienste beschmutzt
Platen w. 1, 296 Hempel;
wenn ... ihre beiderseitigen erzeugnisse nicht so werthlos wären, dass es kaum der vergleichung lohnte Gervinus dt. dichtg. (1853) 5, 42;
nicht werthlos sei er,
der mich gewinnt
R. Wagner ges. schr. (1897) 6, 80.
doch auch sachbezogen, im sinne von 'bedeutungs-, nutz-, sinnlos' oder auch 'unbrauchbar': gedichte ..., die für mich werth haben und für freunde hoffentlich nicht werthlos bleiben sollen (8. 9. 1823) Göthe IV 37, 208 W.; (die abstrakte vorstellung hat) allen gehalt und bedeutung allein ... durch ihre beziehung auf die anschauliche vorstellung, ohne welche sie werth- und inhaltslos wäre Schopenhauer s. w. 1, 145 Gr.; ein paket mit briefen, werthlos, weil in ihnen keine spur von den gehofften aufschlüssen zu finden war Seb. Brunner ges. erz. (1864) 1, 342; haushaltsgegenstände, die der mann an stelle ... wertlos gewordener stücke anschafft bürgerl. gesetzb. § 1382; wertlos wurde, was dem meister in den jugendjahren als das höchste erschien Dvořák kunstgesch. (1928) 266; die vielen scheine mit den gewaltigen summen (der inflation) waren von einem tag zum anderen wertlos geworden A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 199; nicht selten kontrastwort zu kostbar (wertvoll): es ist ... nicht anders in der welt, als dasz eine werthlose münze neben einer gehaltigen auch immer eine gewisse art von curs behält Göthe I 32, 172 W.; indem er mühsam einen sack mit werthlosen steinen schleppt Steffens was ich erlebte (1840) 3, 23; einige bunte, fast wertlose halstüchelchen G. Keller ges. w. (1889) 4, 92; die alte geschichte, dasz man keinem etwas schenken darf, weil es ihm dann leicht wertlos erscheint qu. a. d. j. 1924. da zu wertlos im grunde nur ein gegensatzbegriff denkbar ist, finden sich steigerungsformen nur vereinzelt: ihm kam diese philosophie immer werthloser, ja schädlich vor Justi Winckelmann (1866) 1, 72; erst die beschränkung auf schein bar wertlosere fragen schuf die chemie Boltzmann popul. schr. (1905) 26; nach deutschem rechte darf niemand nach seinem bedünken ein leben vernichten, und sei es das elendeste und wertloseste qu. a. d. j. 1926. substantiviert: sie (die wissenschaft) kann also nichts nichtiges und werthloses seyn Solger nachgel. schr. (1826) 2, 22; jene ... fangen ihre schätzung der welt an mit dem absolut werthlosen, dem reinen nichts Fichte s. w. (1845) 4, 411; ihr noch einmal den spiegel vorzuhalten, aus dem ihr besseres bild zurückstrahlte und alles wertlose um sie her wegblendete G. Keller ges. w. (1889) 4, 65; die erhebung zum mittel der wertrealisation ist ein wertvollwerden des wertlosen Nic. Hartmann ethik (²1935) 274.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 486, Z. 4.

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Zitationshilfe
„wertlos“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wertlos>.

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