Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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unterschied, m., (f. n.)

unterschied, m. (f., n.),

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zum verbum unterscheiden (s. d.). ahd. untarskeid, m.; mhd. underscheit, m., f., n.; underscheide, f., n.; underschit, -schiet, m., f.; underschide, f.; mnd. underschêt, -scheit, n.; mnl. ondersceit, -sceet, n.; nl. onderscheid, n. vgl. schiedunter sp. 1487.
I.
formen.
1)
die form unterscheid (vgl. abscheid, bescheid), hat schriftsprachlich vereinzelt bis ins 19. jahrh. gedauert (Gries ras. Roland 2, 34; Immermann 13, 160 H.; Rückert bei Meurer lex. sammlung aus R. 12); die mundart hält sie heute vielfach noch fest. bei Luther begegnet unterscheid (seine häufigste form) neben underschid (15, 586, 26; 592, 20 W.) und unterschied (s. 4), in den Torgauer artikeln underschied neben underschaid (Kolde augsb. confess. 131), bei Butschky unterscheid neben unterschied (Patmos 300; 386; 898; 926), ebenso bei J. G. Schmidt rockenphilosophie (1706), 1, 48; 88; mahler d. sitten (1746) 1, 10; 1, 12; bei Lessing neben häufigerm unterschied noch unterscheid z. b. 1, 158; 2, 58; 5, 69; 7, 14; 13, 383 M.: bei Wieland 1, 38; 96 ak. ausg.; moral. briefe 7, 241; Agathon 1, 328; 339; bei Herder 1, 68; 3, 459; 7, 543; 25, 294 S.; bei Göthe scheint unterscheid nicht mehr vorzukommen. noch im nomenclator Hamburg. (1634) ist unterschied (299) unter den errata (574) in unterscheid verbessert; Stieler 1749 stellt schon underschied neben underscheid, desgl. Kramer (1702) 2, 490ᵃ; Rädlein (1711) 994ᵃ; Frisch (1741) 2, 170ᶜ. Spanutius und Steinbach verzichten auf die jüngere form; Gottsched verwarf diese (Heynatz antibarb. 2, 535), hat sie aber in der d. sprachkunst (1748) 14; n. gedichten (1750) 44; crit. dichtk. (1751) 15 anm. 14; Adelungs ansehen gab die entscheidung für unterschied.
2)
unterschid, m., f.; m.: Keisersberg spinnerin (1510) E 1ᵇ; E 3ᵃ; Luther 9, 528, 12 W.; so Dürer, Eberlin v. Günzburg, Berthold v. Chiemsee, J. v. Schwarzenberg, Aventinus, J. Nas, Fischart, Gäbelkover, Spreng, Abr. a s. Clara; Staub - Tobler 8, 268. f.: Schiltberger reiseb. 97, 32 lit. ver., offenbarungen d. h. Birgitte (1502) 4, 2, Luther 34, 1, 246, 23 W., Dürer proportion d 6ᵇ; m 4ᵃ; veraltet.
3)
unterscheide, f.: on alle underscheide Arigo decamerone 252, 35 K.; m.: ainen underschaide N. v. Wyle translat. 15, 24 K.; ein unterscheide Luther 10, 3, 396, 11; 14 W. veraltet.
4)
die heutige normalform reicht ins mhd. zurück (R. v. Ems weltchron. 11 009 E.; Lexer 2, 1799). im 16. jahrh. ist sie schon häufig (z. b. Luther 7, 21; 18, 371; 33, 100 W.; Berthold v. Chiemsee 56; H. Sachs 13, 386, 3; 22, 115, 21 G.; Ayrer 167, 2 K.; Götz v. Berlichingen 95; Amadis 1, 106 K.), wenn auch noch unterscheid überwiegt. das 17. jahrh. bevorzugt mehr noch als das 16. die ältere form (unterschied in wörterbüchern bei Heupold [1620] 23; Orsäus [1623] 29; Reyher [1686] O 2 rᵃ). erst am ende des 18. jahrh. hat die neuere form gesiegt. vgl. 1.
5)
schon die mhd. formen zeigen im geschlecht ein erhebliches schwanken, das sich dann im frühnhd. fortsetzt. das m. ist am häufigsten und bedarf keiner belege. das f. die unterscheid erscheint z. b. bei Arigo decam. 40, 36; 522, 38 K.; Keisersberg granatapfel (1510) F 4ᵃ; spinnerin (1510) C 1ᵃ; Luther 8, 521; 12, 275; 519; 570; 14, 370; 32, 391 W.; Paracelsus 1, 23 B H.; 714 C H.; H. Sachs 22, 40, 4 G.: S. Franck weltb. 1ᵇ; Mathesius Sarepta (1571) 9ᵃ; Grunau preusz. chron. 2, 474. ein f. unterscheide: Luther oben unter 3. die unterschied: Dürer nachlasz 219, 5; 6; Melanchthon im corp. doctr. christ. (1560) 474, n.: dies underscheid Teuerdank 200, 23 G.; solchs grosz unterscheid Luther wider Hans Worst 11 ndr. die genera von unterschid, -schide s. 2.
b)
veraltet ist ein endungsloser plur. (gröszere underschiedt) Heyden Plinius 23. bei Dürer nachlasz 218, 11 erscheint einmal ein schw. plur. (mancherlei unterschieden).
II.
bedeutung und gebrauch. die entwicklung folgt der des verbums unterscheiden.
1)
dem v. unterscheiden I 1, unterscheidung 1 entsprechend, in sinnlicher bedeutung. Staub - Tobler 8, 208; 268; Fischer schwäb. wb. 245 f.
a)
das trennende: diaphragma, septum, ein mittel, mitelwand, underscheyd, underschosz, die leist Alberus (1540) B b 3ᵃ; glabra vel glabella (unbehaarte stelle), der unterscheydt zwischen den augen und der nasen T 3ᵇ; der unterscheid oder das blat, die leyst des leibs B. Faber (1587) 243ᵃ; interstitium narium der unterscheit zwischen den naselöchern nomenclator Hamburg. (1634) 193 (offenbarungen d. h. Birgitte [1502] 4, 2; Gäbelkover arzneib. [1595] 1, 47; Höfler krankheitsnamenb. 560ᵇ); u. am hodensack Rädlein (1711) 994ᵃ; dissepimentum der unterscheid im nuszkern, der sattel Corvinus fons (1646) 768; Marperger kaufmann - magazin (1708) 1340; zwischenwand Lexer 2, 1797; ist zwischen der fördersten spulen und den graben ein unterscheid oder schutz von brettern gemacht Hondorff salzwerk zu Halle (1670) 44; es war ein unterscheid in dem schlafzimmer Bohse der liebe irrgarten (1684) L 2ᵇ; es ist ja zwischen beyden bädern kein weiterer unterscheid als ein paar halbe spannen dicke bretter ollapatrida 166 ndr.; einen u. in einem zimmer, stalle machen Adelung; unterschidbrettlin Hainhofer bei Fischer schwäb. wb. 6, 246; eine zunge macht den u. zwischen den zwei röhren Mozin; und gott sprach: es werde eine feste zwischen den wassern und die sey ein unterscheid zwischen den wassern 1. Mos. 1, 6; und solt den furhang mit hefften anhefften ... das er euch ein unterscheid sey zwischen dem heiligen und dem allerheiligsten 2. Mos. 26, 23; es war auch je zwischen zwey tafeln zum unterscheid eine seule von porphyrstein gesetzet v. Birken fortsetzung der Pegnitzschäferei (1645) 49; u., discrimen, unterschiedsbinde der wundarznei Jacobsson 8, 57ᵇ; Krünitz 200, 38; darnach hat es an beiden armen unterschiedene (?) oder unterscheid gehabt (ringförmige streifen), wie die weiber- und junkfrauenermel sein, die man gefitzte bunde heist Christophorus Irenäus von seltzamen wundergeburten (1584) L 2ᵇ; grenze: Rudolf v. Ems weltchron. 2000 E.; städtechron. 3, 271; öst. weisth. 1, 425ᵃ; ein schoͤn, lustig gebirg ... machet ... beynahe ein underscheid zwüschen dem Cellersee und Bernaugersee Stumpf Schweizerchron. (1606) 407ᵃ; ein stein ... zu einem underschid und marck Spreng Ilias (1610) 598ᵃ; noch mundartlich Staub-Tobler 8, 208; sonst veraltet.
b)
der durch abscheiden entstehende raum: interstitium Diefenbach gl. 305ᵇ; interstitium i. intervallum ein understandung, underscheit, mittel gemma (1508) n 3ᵇ; cahos magnum, ein groszmechtige wyte, ein grosz, grüsenlich underscheit vocab. predicantium (1486) D 7ᵃ; ein underwall Diefenbach gl. 96ᵇ; abstracter vorstellung sich nähernd: intervallum unterschied zwischen zweijen örtern Orsäus nomenclator (1623) 29; im gehirn etliche weitte hoͤlin seind, mit gwissem underscheyd abgesündert Ryff anatomi (1541) L 2ᵇ; es ist nutzer gewichen sin von mer ain langen dann kurtzen underschaid Österreicher Columella 1, 34 F.; u. der örter (Frisch, Adelung), veraltet; aber üblich: u. der entfernung; u. des barometers, barometerunterschied Lichtenberg briefe (1901) 2, 154; vgl. 9 c; concret: darnach werde diser runde stock B geteylet mit viertzig mauren ... in viertzig gleycher underscheyd Dürer bef. d. stett (1527) E 2ᵃ; ein bauw oder gemach, das drey underscheid oder drey saͤl in einanderen hat Frisius 1329ᵇ; interstitium tignorum, ein fach oder unterscheid an der decken B. Faber (1587) 429ᵇ; in dem einen unterscheide (des koffers) befanden sich 12 neue ducaten Leipziger avanturieur (1756) 1, 212; es liegt in diesem unterschiede, in dieser abtheilung des schrankes Adelung; voll unterschied, articulosus ... loculosus Reyher (1686) O 2ᵃ. veraltet.
2)
nach unterscheiden I 2; mit der vorstellung des wechsels, der abwechslung, mannigfaltigkeit; mhd. wb. 2, 2, 106ᵃ, 3; Lexer 2, 1797:
dan auch den herbst und frühling beyd,
in gleicher läng durchschnitten,
er ihnen (sommer u. winter) stellt zum underscheid,
recht dort und dort in mitten
Spee trutznachtigall (1649) 148;
hierauff sie fiengen an den reien auffzuführen
und ihren leichten fusz mit unterscheid zu rühren
Hohberg Proserpina (1661) 37ᵃ;
ist es nicht die mit grünem laube auspallirte und mit tausendfacher blumenzierde zu erstaunenswürdigem unterscheid verbrämte erd, woran die nachaffende kunst ihr handwerk abgesehen und erlernet hat? Lindenborn Diogenes (1742) 1, 50; der farben unterscheid Triller poet. betrachtungen (1750) 1, 14; veraltet. im mhd. übertragen auf die zeit: interstitium, pausa mhd. wb. 2, 2, 106ᵃ, 28; Lexer 2, 1797; âne underscheit ununterbrochen; mit underschede zu verschiedenen malen mnd. wb. 5, 34ᵇ. noch ganz sinnlich: der u. (unebenheit, wechsel) des bodens (vgl. 9 c); dichterisch:
sir Walter Blunt, vom pferd erst abgestiegen,
bespritzt mit jedes bodens unterschied,
... bringt ... frohe zeitung
Schlegels deutsches museum 1, 301.
3)
nach unterscheiden I 3 (vgl. unterscheidung 3) das äuszerlich unterschiedene merkmal, das sinnfällige abzeichen: Rudolf v. Ems weltchron. 445 E.; Staub-Tobler 8, 208; vor ihnen gieng (in der procession) all orden und etlich stifft in ihren unterschieden (ordenstrachten) gar andaͤchtig Dürer tagebuch (1884) 55, 30; da waren auch in den unterschieden ('unter den abzeichen' Lange-Fuhse) getragen grosz, köstlich stangkirzen ebda; es ist auch kein wunder, dasz ein künstlicher meister mancherlei unterschieden der gestalt betracht nachlasz 218, 11; drumb sind auch gröszere underschiedt der gleichnus unter den menschen denn unter den andern thieren Heyden Plinius 23 (vgl. 4); ihr müszt eure raute hübsch mit unterscheid (with a difference, abzeichen) tragen Ophelia bei Herder 25, 294 S. (zuerst unterscheidung). in der wappenkunde (mhd. wb. 2, 2, 106ᵃ): derselben grafen von Lechszgemund underschid in den wappen Knebel chron. v. Kaisheim 4 lit. ver.; nach bed. 4 weisend: unterschiedswappen ... 'welche blosz zum u. eines geschlechts, gesellschaft oder person von den andern dienen' Trier wapenkunst (1714) 23. übertragen 'beweisendes kennzeichen', beweis: Rudolf v. Ems weltchron. 21 999 E.;
dann glücksal der zergenglicheyt
eyn zeychen ist und underscheyt,
das gott des menschen sich verruͦcht
Brant narrenschiff 23, 6 Z.
von der thätigkeit dieser sinnfälligen unterscheidung: in disem ordnet pabst N. ..., dasz die cardinäl all rote huͤt ... söllind tragen zu einem underscheid der andern prelaten Tschudi chron. 1, 147;
man baute schlösser auf und gab zum unterscheid
der hofbedienten schaar ein buntbebrämtes kleid
Canitz gedichte (1727) 141;
grosze buchstaben zum unterscheide der zeit- und anderer wörter Gueintz rechtschreibung (1666) 10; von sinnlicher wahrnehmung der töne ackermann a. B. 25, 30 B. (heute dafür nur unterscheidung).
4)
nach unterscheiden II 1, 2 ergibt sich die vorstellung der trennung, sonderung, verschiedenheit, des andersseins, ohne dasz begriffliche abgrenzung im e. sinne beabsichtigt ist. es reicht an verschiedenheit (Weigand syn. 3, 999), von dem es in ä. zeit kaum geschieden wird. interest, differt das ist oder hat ein underscheyd Alberus (1540) B b 4ᵇ; dissimilitudo, ungleyche, ungleychförmigkeit, underscheyd Frisius 430ᵃ; gs. gleichförmigkeit Xylander Polybius (1574) 3; syn. geschill Henisch (1616) 1537 (vgl. geschill 1 und geschälle 4). für discrepanz, disparität, differenz Spanutius, Apinus. vgl. 9 d: wie wol grosze unterscheid von einer (speise) zuͦ der andern was Arigo decam. 40, 36 K. (die verbindung ist veraltet); 42, 38 K.; was underschaid waͤre deren wyb, die ire zyt mit loblichen werken vertriben haund, und deren, die ir wesen also gefuͤret haben, dasz ir nam ... Steinhöwel berühmte frauen 292, 12 Dr.; es ist hie kein unterscheid, sie sind allzumal sünder Röm. 3, 23; hir sehet ihr die unterscheid disser zwaier volcker Luther 14, 370 W.; die auffruhr stinckt inen zum halse heraus, und wolten gerne alles gleich und kein unterscheid leiden 6, 110ᵇ Jen.; unterscheid ist (es ist etwas anderes), gottes wort haben und dasselbige halten 9, 1435 Walch; diversior ... der mer unterscheids hat Frisius 435ᵃ;
grosz unterschiedt ist zwischn uns beden,
mir zimbt zu sitzen nit zu euch
H. Sachs 13, 386, 3 G.;
dann, wiewol disz tal alles ein herrschafft, ist doch etwas underscheids in bistthumen (sind doch die bisthümer verschieden) Stumpf Schweizerchron. 421ᵇ; es hat ein underscheid, die sache liegt anders Frischlin dicht. 93 lit. ver.; dasz sie (2 ringe) gentzlich keinen underschied oder differentz hatten Amadis 1, 106 K.; gott keinen underscheid haltet in seinem gericht zwischen euch und ihnen Moscherosch insomnis cura 89 ndr.; also waltet auch ein merklicher unterscheid zwischen den zeitungsausgaben Stieler zeitungslust (1697) 90; also dasz jeder ins land eingehender ballen bücher nach gelegenheit einiges underscheides (mit bestimmten unterschieden) ein gewisses zu erlegen hätte Leibniz d. schr. 2, 158; ich will allen u. zwischen uns aufheben, in jener welt ... ist er ohnediesz aufgehoben Lessing 2, 315 M.; das stumpfste ohr vernimmt den u. zwischen dem trommelschlage und dem laut einer glocke Herder 22, 63 S.; ich fürchte sehr, du findest den u. gegen vorige zeit nur allzugrosz Göthe 24, 265 W.; IV 23, 336 W.; der ganze u. gegen sonst O. Ludwig 2, 393; den u. dieser neuen holzschnitte von den bisher so genannten Göthe 47, 46 W. welch ein u.! ihr steckt im schnee und eis, und hier ist alles grün IV 8, 81 W.; es ist ein groszer u. (etwas ganz anderes), ob der verfasser eines dramatischen stückes vom theater herunter oder auf das theater hinauf schreibe 40, 324 W.; 44, 167 W.;
der ganze unterschied ist in den röcken
Schiller 12, 23 (Wallensteins lager 200) G.;
der ganze u. von ihnen zu euch ist, dasz ihre worte ein kaufmanns- oder schifferröcklein anziehen, die euren ein blankes waffenkleid Fouqué zauberring 1, 85; F. bemerkte, dasz sich im leben, mit mehr oder weniger u., doch alles wiederhole Ebner-Eschenbach 4, 77; aber zwischen der generation von damals und der von heute war ein starker u. Polenz Grabenhäger 1, 271; unterschiede (des standes u. dgl.) müssen sein, unterschiede sind gottes ordnungen Fontane I 6, 33; bildlich: wenn die schranken des unterschieds einstürzen Schiller 3, 369 G.; mit hervorhebung der verbalfunction: in der einigkeit verleurt man allen unterscheid Petri (1605) K k 4ᵇ; wenig u. zwischen freunden und feinden halten Zinkgref-Weidner 3, 99; Paracelsus 1, 261 A H.; Harsdörfer secret. 1, C 2ᵃ; in diesen dingen ... machen die Türcken überaus genauen u. Lohenstein Ibrahim 5ᵇ;
ein mensch macht unterscheid
A. Gryphius trauersp. 121 P.;
es theilet deine gütigkeit
die gaben mit viel unterscheid:
der eine lehrt, der andre schützet,
dem wird der scepter zugedacht ...
Günther ged. 13;
mit u. gesondert Bodmer crit. poet. schr. 1, 63 (veraltet); der sammler dieses buchs giebt uns also selbst einen wink auf u. (unterscheidung der jüdischen gottesnamen) Herder 7, 6 S.; da sieht man, was eure betschwesterei für ein abscheulicher u. (abweichung) vom wahren christenthum ist L. Mozart bei O. Jahn 3, 406; auswählende unterscheidung: ynn der speis kein underscheit zu halten sey Luther 23, 458 W.; von erkiesen oder underscheid der spysen Zwingli freiheit d. speisen 4 ndr.; u. der kleidung, je nachdem gute oder verworfene tage sind Scheit Grobian. 2288 ndr.; der weise man hat kein underscheid der tage Friedrich Wilhelm sprichw. register (1577) e 2 β. mit u. im dialog:
Nathan: ich weisz, wie gute menschen denken, weisz,
dasz alle länder gute menschen tragen.
tempelherr: mit unterschied doch hoffentlich?
Lessing 3, 61 M.;
freylich mit u.! H. L. Wagner theaterst. (1779) 16;
Isolani: seine unterthanen sind wir alle!
Questenberg: mit unterschied, herr graf!
Schiller 12, 70 (Piccolomini 140) G.;
auszerhalb des dialogs: wiewol mit underscheid des irr thums (nur dasz sie den prinzen nicht erkannte) Ziegler Banise 26 (veraltet); mit dem unterschiede, dasz: ähnlichen inhalts ist form 79, nur mit dem unterschiede, dasz hier ein erbe die schenkung seines erblassers angefochten hat Eichhorn staats- u. rechtsgesch. 1³, 471; Bismarck gedanken u. erinn. 1, 375 volksausg. mit genitivbestimmungen: die undterscheydt layen und pfaffen reformationsflugschr. 1, 86 Clemen; ein underscheyd der ämpteren, ordnungen oder ständen Frisius 359ᵇ; u. der stände Göthe 19, 94 W., geschlechter A. v. Humboldt ansichten d. natur 2, 195, sprachen grillenvertreiber 1, des gottesdienstes Lohenstein Arm. 2, 272ᵃ, der temperamenten Chr. Thomasius gedanken u. erinn. 1, 72, guter weine Göthe IV 41, 73 W., der jahreszeiten Schleiermacher I 5, 355, des vermögens M. Meyr erz. a. d. Ries 1, 35, der zeiten Grillparzer 1⁵, 213, der interessen Bismarck gedanken u. erinn. 1, 105 volksausg. u. s. w. ohne u.: on allen underscheidt sin eigen süns (ohne ihn irgendwie anders zu behandeln als seinen eignen sohn) privatbriefe 1, 261 St.; ohn unterscheyd der person Luther 10, 2, 78 W.; b. d. liebe (1587) 117ᵈ; ohne u. der religion acta publ. 1, 77 P.; ohne underscheid alters oder stands Moscherosch (1650) 138; o. u. des vaterlandes, der abstammung Lessing 13, 367 M.; Mommsen röm. gesch. 5, 107 u. s. f. u. in: Luther 8, 525 W.; Kramer (1702) 2, 490ᵇ; Görres briefe 3, 88;
und ist darin kein unterscheid
Becker mildh. liederb. (1799) 56.
elliptisch: du weiszt keinen u. zu machen (zwischen meiner tochter u. andern mädchen) Göthe 38, 120 W. unterschiedsempfindlichkeit (beim auge) Muspratt chemie (1896) 5, 702. übliche attribute: groszer, weiter, kleiner, verhaszter, äuszerer, klimatischer (H. Sachs 7, 158, 23 K.; Widmann Fausts leben 52 K.; Mayr sprichwörter [1567] B 7ᵃ; Lessing 5, 69 M.; Herder 23, 60 S.; Hebbel briefe 6, 346), qualitativer, quantitativer, feiner, himmelweiter, gewaltiger u. s. w. u. ra.: es ist ein u. wie tag u. nacht Wander 4, 1481, 20; das ist kein u. c'est la même chose Sachs-Villatte; sprichwörtlich: es ist ein groszer unterscheid ein fuhrmanns tasche und ein beybeutel Petri A a 5ᵇ; anderes bei Wander 4, 1480 f. von den verbindungen sind einen u. haben und halten (delectum, habere, discrimen servare, mnl. ondersceit hebben wb. 5, 399 f.) schon zu Adelungs zeit veraltet.
5)
nach unterscheiden II 3 abschnitt, capitel, paragraph, periode u. dgl.: Rudolf v. Ems weltchron. 11 009; 3828 E.; Staub - Tobler 8, 209; Fischer schwäb. wb. 6, 245 f.; Bauer-Collitz 108ᵃ. paragraphus, bybrieff, underscheit vocab. predic. (1486) S 7ᵃ; ein capitel oder ein underscheid in eim buͦch Frisius 190ᵃ; tomus, sectionem seu partem libri significans B. Faber (1587) 873ᵃ; Orsäus (1623) 133: ain yeglich tail hat sein underschaid Mynsinger v. d. falken 1 lit. ver.; es spricht der maister von den hohen synnen in dem andern buͦch an der ersten underschaid Keisersberg granatapfel (1510) F 4ᵃ; Luther 18, 371 W.; Eberlin v. Günzburg 3, 108 ndr.; Wickram 6, 64 B.; Eyering (1601) 1, 544; findestu hernach ein jedes under seinen gebuͤrenden theyl oder underscheydt beschriben Ryff confectbuch (1548) 4ᵇ; der punct ... ist nicht zu theilen, sondern er ist ein underscheidt eines theils Lautensack des cirkels underweisung (1563) 1; die zal ... bedeutet den periodum oder unterscheid auff derselbigen seiten H. Roth catechismi predigt (1573) 1 B 3ᵇ; in den zwantzig periodis oder unterscheiden F. Rhot Jesus Sirach (1587) 2, 10ᵃ; ausz den historicis ... colligiret ..., in gewisse capitel und unterscheid abgetheilt Sandrub kurzweil 1 ndr.; act Neidhart Terenz 9 F.; Heupold (1620) 23; unterabtheilung von schulklassen Staub-Tobler 8, 208. veraltet.
6)
nach unterscheiden II 4 von interpunction. incisim, membratim, per membra, das seindt der red underscheidt mit puncten Alberus (1540) 30ᵃ: aber die virgel also stende! gibt ze mercken ainen underschaide zwüschen den geschriften vor und nauch gende Niclas v. Wyle translat. 15, 24 K.; merck uf die virgil, puncten und underschaide 15, 19 K.; wie man nach underschaid der puncten lesen sol Steinhöwel berühmte frauen 14 Dr.; ich sahe auff der porten (des klosters) geschrieben 'porta patens esto nulli, claudaris honesto', und ausz unterschied der distinction des strichleins vermerckte ich, dasz der alte verstand des reymens verendert were worden J. B. Schupp schr. (1663) 752; veraltet. länger erhielt sich die zs. unterschiedszeichen kunst teutsch zu schreiben (1711) a 4ᵃ; Mendelssohn 3, 420; vgl. unterscheidungszeichen.
7)
unterscheiden III 2 entsprechend, abgrenzung durch kennzeichen und das abgegrenzte, specialität, unterart: nepten hat dreyerley underscheid Frisius 864ᵇ; 597ᵃ; Staub-Tobler 8, 208, 1 c; die dreyerley underschyd der linien (gerade, zirkel- u. schlangenlinie) Dürer messung (1525) A 2ᵇ. veraltet.
8)
nach unterscheiden III 3 auszeichnung, hervorhebung u. dgl.: sy noch ein unseglichen unterscheid und fürtreffen gehept haben Hedio chron. germ. (1530) 6ᵃ; es auch sonsten vielfaltig bekennet, mit was unterscheide die teutschen allen anderen vorgiengen Schottel haubtspr. 22;
auch merckt mit underscheide
den gerechten der gott und herr
H. Sachs 22, 115, 21 G.;
ich sucht in kleidung und geberden
vor allen einen unterscheid
Günther 196;
nicht die geburt,
die tugend nur macht allen unterschied
Göthe 9, 287 W.;
doch weisen neuere beispiele nach 4.
9)
unterscheiden III 4 entsprechend, thätigkeit und ergebnis eines gedanklichen, begrifflichen, wesenhaften, wissenschaftlichen, terminologischen unterscheidens.
a)
handlung und fähigkeit des unterscheidens. der dingen einen underscheyd und rechnung haben, tenere delectum rerum Maaler 457ᶜ. gs. ahd. ununderskeit confusio Graff 6, 437: so sy dir disz entworfen zuͦ einem underscheidt meiner suͤszen lieb und der falschen zergenglichen liebe der ew. weisheit betb. (1518) 17ᵇ; u. nehmen (veraltet): und nam da unterscheidt yn den creaturen, was das pesser oder unpesser ... were theologia deutsch 16 M.; Luther 10, 3, 286 W.; u. halten (servare, veraltet): wer solche unterscheid helt zwischen dem ampt und der person Luther 28, 429 W.; üblich einen u. machen, setzen, austüfteln, behaupten, festhalten, erdichten u. dgl.: wie dan nach gemeiner sprach man setzet ein underscheit zwischen einer frauen und junkfrauen Gebwyler beschirmung (1523) 5ᵃ; deszgleichs hat junckfrau M. underschid gemacht in irem geist und sel, do sy sprach: mein sel macht grosz den herren und mein geist erfreyt sich in got, meinem hayler B. v. Chiemsee 199; so haben wir ihm auch des besseren unterscheids wegen drei unterschiedliche ... nahmen geben wollen Zesen verm. Helikon (1656) 1, 58; man gibt einer sache einen neuen namen zum unterschiede von ...; was ist nun das wieder für ein unterscheid, glauben oder glauben sollen? Lessing 2, 58 M.;
Oront, ein sehr gescheidter advokat,
der aber nie die list gebrauchte, klare sachen
durch spitzen unterschied verwirrt zu machen
Ramler fabellese 3, 161;
das publikum schläft eine viertheilstunde oder ist über feld gegangen, nachher aber machts genau unterscheid, wohin jemand gehöre und wohin es ihm beliebt sich zu classificiren Herder 3, 459 S.; von wertender unterscheidung:
Homer, Virgil, Thucydides, Euclid,
die las er stets mit wahl und unterschied
Hagedorn (1769) 2, 270;
er miszt der dinge wert mit klugem unterschied
Drollinger gedichte 72;
attribute wie bei 4; ra. einen u. zu machen wissen: der poet musz einen unterschied zu machen wissen Gottsched crit. dichtk. 15; ganz abgeblaszt: seit drey tagen und nächten weisz ich keinen u. von früh und spat Göthe 39, 163 W.; sprichwörtlich: qui bene distinguit, bene solvit ac bene docet, wer guten unterscheid helt, der antwortet und unterrichtet wol B. Faber (1587) 251. zusammensetzung: unterschiedsmacher (der verstand als ein u. der dinge) J. Prätorius winterflucht (1678) 308 (veraltet).
b)
inbegriff der unterscheidenden, charakteristischen merkmale, wesentliche eigenschaft, bezeichnender umstand, zug u. ä.: den underscheid eins anvahenden, zuͦnemenden und volkomen menschen H. Seuse d. schr. 113, 20 B.; under eym testament und verheyssung ist disze underscheydt Luther 8, 521 W.; veraltet: die nicht wissen unterschid, was recht oder linck ist Jonas 4, 11; der underschid zwischen dem quadrangel und dem quadrat ist der, dasz ... Dürer underweysung d. messung (1525) O 3ᵃ;
der zungen unterschid (unterscheidendes kennzeichen, wert) sey das ergst und das best gelid
H. Sachs 20, 514, 7 G.;
ein theil ist durchsichtig, der ander dunckel, aber doch selten, also dasz solliches an ihme mehr ein anlaster (vitium), denn ein underscheid ist Frölich offenbarung der natur (1591) 106; den unterscheid zwischen dem sinnreichen und dem scharfsinnigen Bodmer crit. poet. schr. 1, 104; ungewöhnlich: der u. von mir zu ihnen ist der, ihr rausch ist ausgeschlafen, meiner steht aufm papier Göthe 38, 482 W.;
herr Donegal, dem die unterscheide
entfallen warn von scheid und schneide
Immermann 13, 160 H.;
attribute: ein unerkenntlicher u. Lohenstein Arm. 2, 21ᵇ (vgl. mnl. unkenlic onderscheit mnl. wb. 5, 399, 3), unverkennbarer, klarer, deutlicher, nicht zu verwischender, geringer, kaum bemerklicher u. s. w. u.; innerlicher, wesentlicher, himmelweiter, ungeheurer, greller, charakteristischer, schroffer u. Wolf v. gott (1720) 10; Wieland Agathon 1, 328; Gottsched das neueste 1, 116; W. v. Humboldt ges. schr. 4, 4; E. M. Arndt (1845) 1, 468; O. Jahn Mozart 4, 141; Treitschke d. gesch. 3, 104. eine unermeszliche kluft des unterschiedes Fr. Schlegel 2, 83.
c)
wissenschaftlich und terminologisch. sprachwissenschaftlich: underschaid haben in personis N. v. Wyle translat. 11, 1 K.; synonym: den underschaid under fabel, history und argument Steinhöwel Äsop 117, 6 Ö.; Keisersberg brösamlin 2, 27ᵃ; Gottsched sprachk. 15; rechtssprachlich: Graf - Diether 442, 337; Carolina 142; theologisch: ein got in der personen underscheit Hiob 25 Karsten; mhd. wb. 2, 2, 105ᵇ; und ist gott einig im wesen und dreyfaltig in persönlichem unterscheid J. Böhme 3 princip 17; veraltet: und ist yglicher person yhr eygenschafft geben, das man kan ein unterscheid fassen, das drey person und ein gott bleiben Luther 24, 32 W.; philosophisch: die gemeine logik ist freilich oft fehlsam. was sie von geschlecht und unterschied (genere und differentia) sagt, hat wohl eine verbesserung nöthig Leibniz d. schr. 1, 390; 453; Kant 3, 8, 16 ak. ausg.; J. G. Jacobi 6, 103. attribute wie bei 4 ff., bes. subtyler, wesentlichster, absoluter, quantitativer u. s. w. u. Frisius 1301ᵇ; Schleiermacher Platon 6, 29; A. Lange gesch. d. materialismus 132; Boltzmann popul. schr. 57. mathematisch für differentia, differenz (Schulz fremdwb. 1, 142; Schirmer wortschatz der mathematik 15; Götze anfänge einer mathem. fachspr. in Keplers deutsch 196): unterscheid oder differenz 'ist diejenige zahl in der subtraction, um wie viel die andere kleiner ist als die gröszere' onomatologia curiosa (1764) 1525; Hoyer - Kreuter (1902) 1, 795: differentia das ist unterscheyd der ersten zweyen zal J. Widmann behende u. hübsche rechenung (1481) i 4ᵇ; bei Kepler zahlenmäsziger abstand zweier gröszen, u. gemessener längen, räumlicher messungen, u. im ergebnis zweier rechnungen Götze 196 f.; die zahl, welche durch subtrahiren gefunden wird, heist die different (!) oder der unterscheid der gegebenen zahlen v. Fleming soldat (1726) 18ᵃ. allgemeiner: ich hor nit grosze unterscheit (zwischen 18 mal u. 15 mal) fastnachtsp. 1, 245, 21 K.; weiln bisz anhero die reste, wie sie von jhar zue jhar gewachsen undt zugenomben, alsz auch von zeit zue zeit ungeachtet desz darinnen befindlichen mergklichen unterscheydts und nicht geringen einsagen fortgetragen ... acta publ. 1, 99 Palm; bis auf einen geringen u. jährlich 70 th. Göthe in Geigers Göthejahrb. 11, 74; sind güter auf der reise in folge eines unfalls verkauft worden, so besteht der schaden in dem unterschiede zwischen dem ... sich ergebenden reinerlöse der güter und deren versicherungswerte handelsgesetzbuch 877; ra. (für einen kleinen u.): da ist der unterschid kein batzen Fischer schwäb. wb. 6, 246. von zeitunterschied (vgl. oben 1 b): eigentlich beträgt der weg von Nürnberg bis Regenspurg nur 12 meilen, aber der kleine umweg über Altorf macht den u. Nicolai reise 2, 337; der u. war nur um wenig stunden Göthe IV 27, 120 W.; IV 8, 177 W.; der u. einer halben minute entschied über sein leben Schiller 9, 61 G.; ungeachtet des einen jahres u. br. Grimm sagen (1891) 2, 61. plur.: dasz mynheer van Str. ... aus den unterschieden wöchentlich eine mittlere zeit herausrechnete Immermann 2, 99 H. terminologisch: musikalisches intervall Notker; Staub - Tobler 8, 208; diagnosis der botanik Campe; arithmetik gleicher unterschiede; u. der höhe des wassers bei zwei fluten; u. der länge des meridians u. s. w.
d)
die bed. schwächt sich in manchen verbindungen erheblich ab, verallgemeinert sich und verschmilzt mit bed. 4: under schlafen und sterben ist wenig underscheyd A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) D 4ᵃ; mnl. wb. 5, 399, 3; es ist ain groszer underschid ausz lust essen und mit lust essen Keisersberg spinnerin (1510) E 1ᵇ; 2. chron. 14, 11,
es ist der will
eben gerad und gleich so vil,
als hetst du es thun mit der that.
deshalb es kein unterscheid hat (es kommt auf eins heraus)
H. Sachs 21, 255, 14 G.;
die (kellnerin u. pferd) hett sehr lieb der pfarrher beid,
dasz man schier wuszt kein underscheid,
welchs under in das liebste wer
Fischart Eulenspiegel 4996 H.;
es weren die weiber gelehrt und verständig genug, wann sie den unterscheid zwischen dem wamms und den hosen wüsten Harsdörfer gesprechspiele 1, C 4ᵃ;
der dritten gab er von dem hunde
gar einen schlechten unterscheid,
sie führt gar scharffe zähn im munde
und kläft und beist und keufft und schreyt
Rachel 145 ndr.;
wann die hure wie die frau hat ein gleiches kleid,
hat die schande von der zucht keinen unterscheid
Logau 567 E.;
es ist ein groszer u. unter einer reichen und unter einer vergnügten ehe Schmidt rockenphilos. (1718) 2, 356. mit demselben wort in verschiedener bed. (nach franz. vorbild): unter können und können ist ein u. Lessing 1, 284 M.; Wieland Gandalin prol. 48; es ist ein u. zwischen bäck und bäck, es ist eine differenz zwischen fleischhacker und fleischhacker Nestroy 1, 7; Wander 4, 1481, 13. indesz bleibt doch ein u. ... zwischen dem schlimmen und dem schlimmern Göthe 21, 78 W.;
es ist ein kleiner unterscheid
ein bein im strick oder alle beid
Petri Aa 6ᵃ.
ra.: das ist ein u. Stieler 1748; das ist eben der u. Adelung; sehen sie, da sitzt (liegt, steckt u. dgl.) der u. Holtei erz. schr. 5, 53. was ist es für ein underscheid gewesen, was lag daran (quid interfuit) Frisius 720ᵃ; sie lassen auch zu zeiten die reichen und mechtigen beichtkynder yn der beycht sitzen oder ligen, das dan bey irem evangelischen Aristoteles nit einen kleinen unterscheit hat (sehr wichtig ist) J. Strausz beichtbüchlin (1523) C 1ᵇ; es gibt ein grosze underschid (es macht viel aus), so eim bild sein haubt genumen und ein anders an sein stat gesetzt wuͤrt Dürer v. menschl. proportion m 4ᵃ; und also ist ein schlechter unterscheid (macht wenig aus), ob ... Weise erznarren 16 ndr.; nun hatten wir geglaubt, dasz sie (d. Hermannsschlacht) höchstens acht oder neun bogen werden würde; aber sie wird über zwanzig. das macht uns einen gewaltigen u. in unserm papiere Lessing 17, 274 M.;
und wärens zarte liebesgaben,
mit wem wir sie zu theilen haben,
das macht den groszen unterschied (darauf kommt es an)
Göthe 4, 265 W.;
schon an diesem beispiel zeigt sich, dasz es wenig u. machte, ob man geistlicher oder weltlicher fürst war Ranke 1, 232; ob der dieb mich hat bestehlen wollen, oder der schuldner mir die schuld nicht entrichtet, macht keinen u. Jhering geist d. r. rechts 1, 122; welchen u. macht oft ein einziges jahr im leben! Pückler briefwechsel 3, 203.
10)
verständnis, einsicht, vernünftige erwägung, unterscheidungsvermögen (unterscheiden III 4; unterscheidung 9 b). mhd. wb. 2, 2, 106ᵃ; Lübben-Walther 432ᵇ; mnl. wb. 5, 401, 6: H. Seuse d. schr. 3, 14 B.; allerley verstant, underscheid, wissen und erkenntnisz der leiplichen, sichtlichen dingen Luther 7, 551 W.; ein narr hat keynes dings unterscheyd Agricola sprichw. (1534) Q 3ᵃ; u. halten Fischart trostbüchlein 66, 3 H.:
doch wer in hundestagen kan
erzehlen lauter ehrbarkeit,
bei dem ist schlechter unterscheid
Rist Parnass (1652) 400;
löst doch mit unterscheid manch nahmensräthsel auf
Lohenstein Arm. 1 eᵇ;
veraltet.
11)
bescheid, entscheidung, entschlieszung, belehrung, anweisung, erklärung, auskunft u. dgl. (unterscheiden III 5, unterscheidung 10). mhd. wb. 2, 2, 106ᵇ; Lexer 2, 1798; mnd. wb. 5, 34ᵇ; mnl. wb. 5, 402, 9; Staub-Tobler 8, 205; Fischer schwäb. wb. 6, 246; Schmeller 1, 372; Egger glossar 940ᵃ. rechtssprachlich und in allgemeinerm sinne: und fragte den schultheiszen eins underscheids weisth. 6, 69; Egger glossar 940ᵃ; so sullen allerwegen unser ainunger ... die schaufe ... abzelen, ob icht darunder wer, das nach den underscheiden und hievor staut, nicht hie sin solt d. rote b. d. st. Ulm 170; den underschid bei sich halten (beschlusz fassen) Spreng Ilias (1610) 39ᵇ; er ... nam im den unterscheid darusz, die schwartzen moren waren die boͤsen geist heiligenleben winterteil (1471) 45ᵇ;
hör zuvor dies underscheid,
wie du die sach solt greifen an
Teuerdank 200, 23 G.;
ich geb euch des ain underschaid
hist. volksl. 128, 223 L.;
und beger an dich, das du uns underschaid gebest, warumb du di red gethan habest Arnpeck sämtl. chron. 558; wie ihr in solchen gesetzen deszhalb klerlicher underscheydt findet Schwarzenberg v. zutrinken 38 ndr.; zur grundanschauung zurückleitend: du hast die zuͦflucht zuͦ gott, dasz er dir ein underscheid zwischend der menschen weg könne geben Zwingli d. schr. 1, 74. veraltet.
12)
unterscheiden III b, unterscheidung 11 entsprechend, festsetzung, bestimmung, bedingung, vorbehalt, ausnahme. mhd. wb. 2, 2, 106; Lexer 2, 1797; mnd. wb. 5, 34ᵃ, 2; mnl. 5, 402, 10; Staub-Tobler 8, 205; Fischer schwäb. wb. 6, 245 f.; Crecelius 850. bes. in den verbindungen ohne, mit u.: âne underscheit unbedingt, ausnahmslos, unter allen umständen, allgemein u. dgl.: erlaubet die priesterschafft im Turgow täglich und ohne underscheid fleisch zu essen Stumpf Schweizerchron. 399ᵇ; solchs unzeitigs gebeeren der weiber tregt sich on unterscheid zu jeder zeit, nachdem sie empfangen haben, zu Wirsung arzneib. (1588) 547ᵃ; Spreng Ilias 15ᵇ; Ziegler Banise 727; in ihren augen ist ein richter ohne u. ein ungerechter mann Rabener 1, 97; auch bekräftigen sie, dasz der commandant aus den magazinen von allen arten lebensmitteln ohne u. verkauffen lasse Lessing 18, 441 M.; Gries ras. Roland 2, 34; die Türken ... tödteten männer und greise und geistliche ohne u. Raumer Hohenstaufen (1823) 1, 70; ohne ausnahme und u. Breitinger crit. dichtkunst 1, 79; nicht ohne u. Bremser 209; ohne allen u.: Opitz (1690) 3, 171; Gottsched gedichte 1, 278. abgeblaszt, etwa 'sicherlich':
ich und mein gesell, wir payde
haben fürwar an unterschayde
von ihm das wol gehört
passionsspiele 66 Wackernell.
mit u.: sie wolt es thuͦn, doch mit der unterscheid, das ... Arigo decamerone 194 K.; Mathesius leichpredigten (1568) 3, 53ᵇ; des was er willig und fragt, mit was underscheid das geschehen solt Arnpeck sämtl. chron. 468;
doch mit eim packt und underscheyd
H. Sachs 8, 361, 19 K.;
oder so ich mich gestellt wolt haben, wolt ich es mit u. gethan haben Götz v. Berlichingen 95; mit der underscheidt, sich zu losen Grunau preusz. chron. 2, 474; 1, 579; laudare cum exceptione mit underscheyd loben Frisius 759ᵃ; mit unterscheid reden Luther 18, 672 W.; das musz mit underscheid (cum grano salis) verstanden werden Stieler 1749; das musz ich mit u. beantworten Zinzendorf neueste theol. bedenken (1741) 40. auszerhalb solcher verbindungen undeutlich: er machte unter den straffen keinen u. (keine durch die umstände bedingte einschränkung) Lohenstein Arm. 1, 44ᵇ.
13)
nach unterscheiden III 7 mit u. genau, deutlich, vernehmlich. distincte, mit u., deutlich, kurtz und vernehmlich Sperander (1727) 209ᵃ: wie Moyses dem volck dye gebot gottes sünderlich vorsaget und mit underscheyd bevalh die zu halten erste d. bibel 4, 442, 20;
wenn ich in mahn mit underscheit,
dasz er sich darin stellen sol
H. v. Sachsenheim mörin (1539) 44;
Staub-Tobler 8, 307;
undter dem bild der grechtigkeyt
stunden die vers mit underscheyd
H. Sachs 2, 383, 18 K.; 1, 264, 22 K.;
so wöllen wir mit underschid
noch weiter reden von den dingen
Spreng Ilias 82ᵇ.
veraltet.
14)
zusammensetzungen (meist zu 9).
einerseits z. b.
artunterschied
bedeutungsunterschied
gattungsunterschied
gradunterschied
hauptunterschied
standesunterschied
wesensunterschied
anderseits z. b.
unterschiedsbestimmung
Hegel 3, 205,
unterschiedscharakter
Herder 3, 348 S.,
unterschiedsempfindlichkeit
Simmel einl. in d. moralwissenschaft 1, 272,
unterschiedskennzeichen
Pordage theologia mystica (1698) 10; v. Bülow geist des neuen kriegssystems (1799) 12,
unterschiedsreiz
Simmel philos. kultur 38,
unterschiedsschwelle
th. 9, 2492,
unterschiedsursache
Hohberg georgica 3, 13ᵇ,
unterschiedswesen
(jeder mensch ist ein u.) Simmel sociale differenzierung 19; sociologie 324,
unterschiedswort
Pordage a. a. o. 116,
unterschiedszeichen
Dannhawer catechismusmilch 4, 127; allg. d. bibl. 22, 39.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1928), Bd. XI,III (1936), Sp. 1762, Z. 27.

wesensunterschied, m.

wesensunterschied, m.,
zu wesen II B (vgl. d. folgende): dasz zwischen ihm und den meisten seiner dichtenden zeitgenossen ein künstlerischer gradunterschied bestand, der manchmal nahe an einen wesensunterschied streifte H. Petrich Paul Gerhardt (²1907) 177; der wesensunterschied zwischen hoch- und spätgotik ist manifest Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 149.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 592, Z. 8.

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Zitationshilfe
„wesensunterschied“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wesensunterschied>.

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