Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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weshalb, weshalben, adv.

weshalb(en), adv.,
'aus welchem grunde'; verschmelzung der präposition halb(en) 'wegen' (s. teil 4, 2, sp. 193; 198) mit dem vorangestellten gen. des pronomens was (Paul dt. gramm. 4, 42 f.). in gleicher weise sind gebildet deshalb(en) teil 2, sp. 1029 f. und das in jüngerer sprache zurückweichende weswegen. belegt seit dem 16. jh. (eine vorstufe: vnde ... warumb, wesz dings halb Melber voc. predicantium [1482] Ff 4ᵃ; s. Diefenbach gl. 626ᶜ); die älteste, bis zum ausgang des 18. jhs. vorherrschende form des wortes ist wes halben (16./17. jh.), weshalben (s. deshalben teil 2, sp. 1030 und halben 4, 2, sp. 197 f.); sie wird noch von Adelung versuch 2 (1775) 905; lehrgeb. d. dt. sprache 2 (1782) 120 zugelassen und erst von Heynatz antibarb. 2 (1797) 631 als 'unnütze verlängerung' verworfen. daneben erscheinen im 17./18. jh. versprengt bildungsvarianten: weshalber (s. halber teil 4, 2, sp. 199 und deshalber 2, sp. 1030): Becher nov. org. philol. (1674) 371 (nr. 1045); Stieler zeitungslust (1697) 309; Steinbach dt. wb. (1734) 1, 669 (neben weszhalben 2, 985); Scriver seelenschatz (1737) 1, 187ᵃ; Frisch dt.-lat. wb. (1741) 2, 444ᵃ. — wessenthalben (s. dessenthalben teil 2, sp. 1030 sowie Moser frühnhd. gramm. 1, § 130, 5 c α): Philomusen verdeutschter Sueton (1664) 386 (s. PBB 60, 417); Kramer t.-ital. 2 (1702) 1337ᵇ (neben weszhalben; danach häufig in wbb. des 18. jhs.); wessenthalb im vers noch bei Voss Aristofanes 3 (1821) 300; Platen w. 2, 410 Hempel. beide formen (weshalber, wessenthalben) wurden von Adelung 5 (1786) 189 und Heynatz a. a. o. bekämpft. — die seit der wende des 18. jhs. schriftsprachliche form weshalb (s. halb teil 4, 2, sp. 193 sowie deshalb 2, 1029 f. [bereits mhd. und frühnhd.]) stellt sich nach ganz vereinzeltem auftreten im 16. jh. ([1551] Hans Sachs 14, 188 lit. ver.) erst wieder in der zweiten hälfte des 18. jhs. ein (Adelung 2 [1775] 905) und verbreitet sich dann rasch (bereits Göthe gebraucht, wie es scheint, ausschlieszlich weshalb; weitere belege bei Bürger, Herder, Tieck, Hoffmann). weshalb(en) steht mit seiner demonstrativen entsprechung deshalb(en) in der entwicklungsreihe der kausaladverbien und kausalkonjunktionen (s. dazu Behaghel deshalbweshalb, in: PBB 60, 414—426). es tritt jedoch erst später als deshalb und bis zum beginn des 19. jhs. verhältnismäszig selten auf (in den schriften Luthers nicht nachweisbar; nicht in Grimmelshausens Simpl.). sein platz wird bis dahin weitgehend von den kausalen pronominalformen wes und was (sp. 88 f.) sowie von warum (teil 13, sp. 2188 ff.), wieso (s. d.) und dem in frühnhd. zeit noch häufigerem weswegen eingenommen. dabei liegt es nahe, weshalb und weswegen, wie oben sp. 89 angedeutet, als verdeutlichende ersatzbildungen für das im frühnhd. untergehende selbständige wes 'warum' zu fassen (s. auch wesfalls sp. 601). — neben die kausale verwendung stellt sich eine lediglich beziehungsandeutende ('in hinblick auf welchen umstand'), die sich abgeschwächt auch in dem kausalen gebrauch wirksam zeigt. diese doppelheit hat eine genaue entsprechung in dem verhältnis warum — worum (s. teil 13, sp. 2195; 14, 2, 1656 f.), nur dasz dort eine formale unterscheidung hinzugetreten ist.
I.
als interrogativum; 'welchen umstandes wegen, aus welchem grunde'.
1)
eine hauptsatzfrage (auch fragen rhetorischer art) einleitend: weshalben seit jr als hart bewegt? hertzog Aymont (1535) s 5ᵇ;
weshalben wolt denn einer nicht
mit begird lesen die geschicht?
(1558) Thym Thedel v. Wallmoden v. 23 Zimmermann;
wesz halben solt ich sein vnmutig,
mich vor dem schwert entsetzen blutig?
Spreng Ilias (1610) 87ᵇ;
weszhalben seyd ihr so traurig? Kramer t.-ital. 2 (1702) 1337ᵇ; welche thiere ... sind uns offenbar die ähnlichsten? gerade die häszlichsten, der affe und das faulthier. weszhalb sind sie uns dies? (1800) Herder 22, 84 S.; weshalb empfangen sie mich denn so unwirsch? Holtei erz. schr. (1861) 1, 16; weshalb sitz ich hier in Molde auf einer veranda ...? A. Schnitzler dämmerseelen (1918) 35. mit ersparung der aus dem zusammenhang zu ergänzenden satzglieder: (Agricola:) welchs (weiberröcke) ... mir doch nötiger were dan dir. (Spalatinus:) weshalben? (Agricola:) fragstu? ich hab gewachsne töchter, die hastu nitt (1538) Vogelgesang-Cochläus tragedia Joh. Hussen 6 ndr.;
Sophronia spricht:
der erst (von zwei männern) mir dennoch lieber wehr.
edel fraw spricht:
weszhalb? das wil ich wissn von dir
(1551) Hans Sachs 14, 188 lit. ver.;
(soldat:) das — vermehrt meine angst. (general:) wesshalb? (soldat:) weil ich nun erst fürchte, es ist vergeblich Iffland theatr. w. (1827) 1, 89; (apotheker:) (ich war) das dümmste luder unter der sonne! (Isabella:) weshalb? (apotheker:) weil man für keine frau die beine ins wasser legen soll! Götz die tote tante (1956) 14. in jüngerer sprache gern in 'prädikatlosen' sätzen: ich habe mich ausdrücklich und endgültig von Maurice getrennt. Alice (die gattin) weisz das. weshalb dann dieser verspätete aufruhr? Luise Rinser abent. d. tugend (1957) 29; (der leitartikel) enthüllt, dasz viele Schweizer zeitungen gewisse vorgänge in Algerien verschweigen. weshalb dieses verschweigen? die tat (9. 5. 1959) 24. — substantiviert: zwischen all diesen ... weshalbs Holtei bei Sanders wb. d. dt. spr. 1, 663ᵇ.
2)
an der spitze eines nebensatzes (bes. in abhängiger rede): ein wort ... bracht das ander zuwegen, dasz der münch dem edelmann sagte, wannen er wer, auch weszhalben und wohin er wolte (1563) Kirchhof wendunmuth 1, 96 lit. ver.; Emils freunde begriffen nicht, ... weshalb man ihn so wenig in gesellschaften sehe (1811) Tieck schr. (1828) 4, 254;
wenn uns dieser da
anzeigen wollte, wer er ist, und wessenthalb
und wesz bedürfend er bis hieher kam mit uns
Voss Aristofanes 3 (1821) 300;
er fragte mich, weshalb ich nicht auf meinen posten ginge (1898) Bismarck ged. u. erinn. 1, 222 volksausg.; trotz den vorbemerkungen ... bleibt mir ... manches unklar: weshalb eine menge gll. ohne händezahl auftreten, weshalb ... eine zehnte hand erscheint Steinmeyer in: anz. f. dt. altertum 22 (1896) 278; zumal ich erst kürzlich ... dargelegt habe, weshalb ich der verbreiteten auffassung nicht beitreten kann, dass der Heliand in Fulda geschrieben sei Krogmann in: nd. mitteilung en 6 (1950) 103. in überschriften, titeln u. dgl. kann der regierende hauptsatz fortfallen: warmit vnd wie, auch warzu vnd wesshalben die eltern die kinder züchtigen sollen Barth weiberspiegel (1565) e 3ᵃ; (abschnittsmarginalie:) weszhalben Prusias ... den Byzantiern ... feindt worden Xylander Polybius (1574) 230.
3)
eine sondergruppe bilden fügungen des typus die ursache (der grund), weshalb ..., in denen sich das wort relativem gebrauch (II 2 b) nähert (vgl. die entsprechende verwendung von warum teil 13, sp. 2193 und weswegen [s. d. 1 c]): man dem Plautius ... die rechte ursache nicht sagen wolte, weshalben man ihn hinweg verlangte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 140; jenes ist wohl der hauptgrund, weshalb die rechtsbücher so wenig über die einzelnen verträge enthalten Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (³1821) 2, 620; selbst der zeitsinn ist der art und weise nicht günstig wie ich diese gegenstände gefaszt, eben so wenig als der absicht weshalb ich sie dargestellt habe (1820) Göthe IV 32, 191 W.; erst nehmen sie (anrede) das feindliche gebiet in beschlag, dann setzen sie die gründe, weshalb, auseinander (1827) Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 91; dies ist der grund, weshalb er sich bei ausbruch des balkankrieges freiwillig zu den waffen meldet Werfel Musa Dagh (1955) 10; ich fragte mich, ob das der grund gewesen sei, weshalb er mir nach so vielen jahren geschrieben hatte neue rundschau 70 (1959) 141.
II.
als relativum.
1)
zur bezeichnung eines kausalverhältnisses; 'aus welchem grunde'. weshalb bezieht sich auf den gesamtinhalt eines vorausgehenden satzes, der eine begründung für die durch weshalb eingeleitete aussage enthält: hierin (über dieses thema) ist von vielen weitläufftig geschrieben ..., weszhalben unnöthig ist, dasz wir uns darin auffhalten Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 1, 527; Constantinopel musz sich Stampol ... nennen lassen ..., weshalber man in den landkarten gewaltig irre wird Stieler zeitungslust u. nutz (1695) 391; (sie hatten) sich mit den ihrigen gott ergeben und befohlen; weszhalber der geist unverrichteter sachen wieder kame, und sagte: der allerhöchste hätte es nicht haben wollen Scriver seelenschatz (1737) 1, 604ᵃ; ich habe mehrere lockungen nach den Rhein und Mayn, weshalb ich denn noch in einiger unentschiedenheit schwebe (1817) Göthe IV 28, 127 W. (in gleicher verwendung bei Göthe deshalb, s. teil 2, sp. 1029 f.); die generalpächter ... kannten ... diesen zweig der verwaltung, weszhalb man sie gern zur erhebung auch derjenigen steuern heranzog, welche nicht in pacht gegeben waren Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 35; eine zahllose menge von mohnblumen oder klatschrosen hatte sich darauf angesiedelt, weshalb der kleine berg feuerrot aussah zur zeit G. Keller ges. w. (1889) 4, 112; gott, mir schuddert so, sagte sie mit einem male, weshalb Botho verbindlich aufsprang Fontane ges. w. (1905) I 5, 143; (die handschrift) hat für die textherstellung keine bedeutung, weshalb an dieser stelle die fragmentarische betrachtung genügen musz Bernt in: der ackermann aus Böhmen (1917) XVIII; Oxenstierna fand den französischen gesandten ... tölpelhaft, weshalb er sein benehmen zwar höflich und entgegenkommend gestaltete, aber wendungen persönlicher vertraulichkeit einstweilen unterliesz Ric. Huch der grosze krieg (1920) 3, 27.
2)
zur bezeichnung einer allgemeinen beziehung.
a)
gerichtet auf den gesamtinhalt des vorausgehenden satzes; 'in welcher hinsicht, welcher angelegenheit wegen' (nur in der Göthezeit? vgl. die belege für deshalb in entsprechender bedeutung bei Paul-Schirmer dt. wb. ⁵68): vielleicht bringen sie es (das promemoria) mit einer depesche an unsern Müller fort, weshalb der brief nur an geheimerath Voigt zu geben wäre (1807) Göthe IV 19, 337 W.; er (der codex) ... kann auch ... sogleich der fahrenden post übergeben werden, weshalb mir weitere geneigte antwort erbitte (1826) ebda 41, 70.
b)
weshalb bezieht sich auf eine einzelgrösze in dem vorausgehenden satz, und zwar in der regel auf das neutrum eines (unter umständen zu ergänzenden) pronomens oder substantiv. adjektivs; 'in bezug worauf, dessentwegen' (s. warum 3 c β teil 13, sp. 2193):
gebt mir jetzt gründtlichen bescheyd (über das),
weszhalben ich euch fragen thu
Spreng Äneis (1610) 9ᵇ;
das bedeutende selbst, weszhalb ich komme (1808) Göthe I 20, 366 W.; warum fliehst du, von wuth ergriffen, das, weshalb der könig der könige knechtsgestalt annahm? Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 30;
(Don Juan:)
doch nichts hab ich gethan, weshalb
ich reue spürte!
(1828) Grabbe s. w. 2 (1874) 153 Blumenthal.
beziehung auf ein substantiv nur in lockerer syntaktischer fügung:
(weil er) ihm die rosse vorenthielt, weszhalb (derentwegen)
aus fernem land er hergezogen war
Bürger s. w. 166 Bohtz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 601, Z. 63.

weshalb, weshalben, adv.

weshalb(en), adv.,
'aus welchem grunde'; verschmelzung der präposition halb(en) 'wegen' (s. teil 4, 2, sp. 193; 198) mit dem vorangestellten gen. des pronomens was (Paul dt. gramm. 4, 42 f.). in gleicher weise sind gebildet deshalb(en) teil 2, sp. 1029 f. und das in jüngerer sprache zurückweichende weswegen. belegt seit dem 16. jh. (eine vorstufe: vnde ... warumb, wesz dings halb Melber voc. predicantium [1482] Ff 4ᵃ; s. Diefenbach gl. 626ᶜ); die älteste, bis zum ausgang des 18. jhs. vorherrschende form des wortes ist wes halben (16./17. jh.), weshalben (s. deshalben teil 2, sp. 1030 und halben 4, 2, sp. 197 f.); sie wird noch von Adelung versuch 2 (1775) 905; lehrgeb. d. dt. sprache 2 (1782) 120 zugelassen und erst von Heynatz antibarb. 2 (1797) 631 als 'unnütze verlängerung' verworfen. daneben erscheinen im 17./18. jh. versprengt bildungsvarianten: weshalber (s. halber teil 4, 2, sp. 199 und deshalber 2, sp. 1030): Becher nov. org. philol. (1674) 371 (nr. 1045); Stieler zeitungslust (1697) 309; Steinbach dt. wb. (1734) 1, 669 (neben weszhalben 2, 985); Scriver seelenschatz (1737) 1, 187ᵃ; Frisch dt.-lat. wb. (1741) 2, 444ᵃ. — wessenthalben (s. dessenthalben teil 2, sp. 1030 sowie Moser frühnhd. gramm. 1, § 130, 5 c α): Philomusen verdeutschter Sueton (1664) 386 (s. PBB 60, 417); Kramer t.-ital. 2 (1702) 1337ᵇ (neben weszhalben; danach häufig in wbb. des 18. jhs.); wessenthalb im vers noch bei Voss Aristofanes 3 (1821) 300; Platen w. 2, 410 Hempel. beide formen (weshalber, wessenthalben) wurden von Adelung 5 (1786) 189 und Heynatz a. a. o. bekämpft. — die seit der wende des 18. jhs. schriftsprachliche form weshalb (s. halb teil 4, 2, sp. 193 sowie deshalb 2, 1029 f. [bereits mhd. und frühnhd.]) stellt sich nach ganz vereinzeltem auftreten im 16. jh. ([1551] Hans Sachs 14, 188 lit. ver.) erst wieder in der zweiten hälfte des 18. jhs. ein (Adelung 2 [1775] 905) und verbreitet sich dann rasch (bereits Göthe gebraucht, wie es scheint, ausschlieszlich weshalb; weitere belege bei Bürger, Herder, Tieck, Hoffmann). weshalb(en) steht mit seiner demonstrativen entsprechung deshalb(en) in der entwicklungsreihe der kausaladverbien und kausalkonjunktionen (s. dazu Behaghel deshalbweshalb, in: PBB 60, 414—426). es tritt jedoch erst später als deshalb und bis zum beginn des 19. jhs. verhältnismäszig selten auf (in den schriften Luthers nicht nachweisbar; nicht in Grimmelshausens Simpl.). sein platz wird bis dahin weitgehend von den kausalen pronominalformen wes und was (sp. 88 f.) sowie von warum (teil 13, sp. 2188 ff.), wieso (s. d.) und dem in frühnhd. zeit noch häufigerem weswegen eingenommen. dabei liegt es nahe, weshalb und weswegen, wie oben sp. 89 angedeutet, als verdeutlichende ersatzbildungen für das im frühnhd. untergehende selbständige wes 'warum' zu fassen (s. auch wesfalls sp. 601). — neben die kausale verwendung stellt sich eine lediglich beziehungsandeutende ('in hinblick auf welchen umstand'), die sich abgeschwächt auch in dem kausalen gebrauch wirksam zeigt. diese doppelheit hat eine genaue entsprechung in dem verhältnis warum — worum (s. teil 13, sp. 2195; 14, 2, 1656 f.), nur dasz dort eine formale unterscheidung hinzugetreten ist.
I.
als interrogativum; 'welchen umstandes wegen, aus welchem grunde'.
1)
eine hauptsatzfrage (auch fragen rhetorischer art) einleitend: weshalben seit jr als hart bewegt? hertzog Aymont (1535) s 5ᵇ;
weshalben wolt denn einer nicht
mit begird lesen die geschicht?
(1558) Thym Thedel v. Wallmoden v. 23 Zimmermann;
wesz halben solt ich sein vnmutig,
mich vor dem schwert entsetzen blutig?
Spreng Ilias (1610) 87ᵇ;
weszhalben seyd ihr so traurig? Kramer t.-ital. 2 (1702) 1337ᵇ; welche thiere ... sind uns offenbar die ähnlichsten? gerade die häszlichsten, der affe und das faulthier. weszhalb sind sie uns dies? (1800) Herder 22, 84 S.; weshalb empfangen sie mich denn so unwirsch? Holtei erz. schr. (1861) 1, 16; weshalb sitz ich hier in Molde auf einer veranda ...? A. Schnitzler dämmerseelen (1918) 35. mit ersparung der aus dem zusammenhang zu ergänzenden satzglieder: (Agricola:) welchs (weiberröcke) ... mir doch nötiger were dan dir. (Spalatinus:) weshalben? (Agricola:) fragstu? ich hab gewachsne töchter, die hastu nitt (1538) Vogelgesang-Cochläus tragedia Joh. Hussen 6 ndr.;
Sophronia spricht:
der erst (von zwei männern) mir dennoch lieber wehr.
edel fraw spricht:
weszhalb? das wil ich wissn von dir
(1551) Hans Sachs 14, 188 lit. ver.;
(soldat:) das — vermehrt meine angst. (general:) wesshalb? (soldat:) weil ich nun erst fürchte, es ist vergeblich Iffland theatr. w. (1827) 1, 89; (apotheker:) (ich war) das dümmste luder unter der sonne! (Isabella:) weshalb? (apotheker:) weil man für keine frau die beine ins wasser legen soll! Götz die tote tante (1956) 14. in jüngerer sprache gern in 'prädikatlosen' sätzen: ich habe mich ausdrücklich und endgültig von Maurice getrennt. Alice (die gattin) weisz das. weshalb dann dieser verspätete aufruhr? Luise Rinser abent. d. tugend (1957) 29; (der leitartikel) enthüllt, dasz viele Schweizer zeitungen gewisse vorgänge in Algerien verschweigen. weshalb dieses verschweigen? die tat (9. 5. 1959) 24. — substantiviert: zwischen all diesen ... weshalbs Holtei bei Sanders wb. d. dt. spr. 1, 663ᵇ.
2)
an der spitze eines nebensatzes (bes. in abhängiger rede): ein wort ... bracht das ander zuwegen, dasz der münch dem edelmann sagte, wannen er wer, auch weszhalben und wohin er wolte (1563) Kirchhof wendunmuth 1, 96 lit. ver.; Emils freunde begriffen nicht, ... weshalb man ihn so wenig in gesellschaften sehe (1811) Tieck schr. (1828) 4, 254;
wenn uns dieser da
anzeigen wollte, wer er ist, und wessenthalb
und wesz bedürfend er bis hieher kam mit uns
Voss Aristofanes 3 (1821) 300;
er fragte mich, weshalb ich nicht auf meinen posten ginge (1898) Bismarck ged. u. erinn. 1, 222 volksausg.; trotz den vorbemerkungen ... bleibt mir ... manches unklar: weshalb eine menge gll. ohne händezahl auftreten, weshalb ... eine zehnte hand erscheint Steinmeyer in: anz. f. dt. altertum 22 (1896) 278; zumal ich erst kürzlich ... dargelegt habe, weshalb ich der verbreiteten auffassung nicht beitreten kann, dass der Heliand in Fulda geschrieben sei Krogmann in: nd. mitteilung en 6 (1950) 103. in überschriften, titeln u. dgl. kann der regierende hauptsatz fortfallen: warmit vnd wie, auch warzu vnd wesshalben die eltern die kinder züchtigen sollen Barth weiberspiegel (1565) e 3ᵃ; (abschnittsmarginalie:) weszhalben Prusias ... den Byzantiern ... feindt worden Xylander Polybius (1574) 230.
3)
eine sondergruppe bilden fügungen des typus die ursache (der grund), weshalb ..., in denen sich das wort relativem gebrauch (II 2 b) nähert (vgl. die entsprechende verwendung von warum teil 13, sp. 2193 und weswegen [s. d. 1 c]): man dem Plautius ... die rechte ursache nicht sagen wolte, weshalben man ihn hinweg verlangte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 140; jenes ist wohl der hauptgrund, weshalb die rechtsbücher so wenig über die einzelnen verträge enthalten Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (³1821) 2, 620; selbst der zeitsinn ist der art und weise nicht günstig wie ich diese gegenstände gefaszt, eben so wenig als der absicht weshalb ich sie dargestellt habe (1820) Göthe IV 32, 191 W.; erst nehmen sie (anrede) das feindliche gebiet in beschlag, dann setzen sie die gründe, weshalb, auseinander (1827) Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 91; dies ist der grund, weshalb er sich bei ausbruch des balkankrieges freiwillig zu den waffen meldet Werfel Musa Dagh (1955) 10; ich fragte mich, ob das der grund gewesen sei, weshalb er mir nach so vielen jahren geschrieben hatte neue rundschau 70 (1959) 141.
II.
als relativum.
1)
zur bezeichnung eines kausalverhältnisses; 'aus welchem grunde'. weshalb bezieht sich auf den gesamtinhalt eines vorausgehenden satzes, der eine begründung für die durch weshalb eingeleitete aussage enthält: hierin (über dieses thema) ist von vielen weitläufftig geschrieben ..., weszhalben unnöthig ist, dasz wir uns darin auffhalten Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 1, 527; Constantinopel musz sich Stampol ... nennen lassen ..., weshalber man in den landkarten gewaltig irre wird Stieler zeitungslust u. nutz (1695) 391; (sie hatten) sich mit den ihrigen gott ergeben und befohlen; weszhalber der geist unverrichteter sachen wieder kame, und sagte: der allerhöchste hätte es nicht haben wollen Scriver seelenschatz (1737) 1, 604ᵃ; ich habe mehrere lockungen nach den Rhein und Mayn, weshalb ich denn noch in einiger unentschiedenheit schwebe (1817) Göthe IV 28, 127 W. (in gleicher verwendung bei Göthe deshalb, s. teil 2, sp. 1029 f.); die generalpächter ... kannten ... diesen zweig der verwaltung, weszhalb man sie gern zur erhebung auch derjenigen steuern heranzog, welche nicht in pacht gegeben waren Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 35; eine zahllose menge von mohnblumen oder klatschrosen hatte sich darauf angesiedelt, weshalb der kleine berg feuerrot aussah zur zeit G. Keller ges. w. (1889) 4, 112; gott, mir schuddert so, sagte sie mit einem male, weshalb Botho verbindlich aufsprang Fontane ges. w. (1905) I 5, 143; (die handschrift) hat für die textherstellung keine bedeutung, weshalb an dieser stelle die fragmentarische betrachtung genügen musz Bernt in: der ackermann aus Böhmen (1917) XVIII; Oxenstierna fand den französischen gesandten ... tölpelhaft, weshalb er sein benehmen zwar höflich und entgegenkommend gestaltete, aber wendungen persönlicher vertraulichkeit einstweilen unterliesz Ric. Huch der grosze krieg (1920) 3, 27.
2)
zur bezeichnung einer allgemeinen beziehung.
a)
gerichtet auf den gesamtinhalt des vorausgehenden satzes; 'in welcher hinsicht, welcher angelegenheit wegen' (nur in der Göthezeit? vgl. die belege für deshalb in entsprechender bedeutung bei Paul-Schirmer dt. wb. ⁵68): vielleicht bringen sie es (das promemoria) mit einer depesche an unsern Müller fort, weshalb der brief nur an geheimerath Voigt zu geben wäre (1807) Göthe IV 19, 337 W.; er (der codex) ... kann auch ... sogleich der fahrenden post übergeben werden, weshalb mir weitere geneigte antwort erbitte (1826) ebda 41, 70.
b)
weshalb bezieht sich auf eine einzelgrösze in dem vorausgehenden satz, und zwar in der regel auf das neutrum eines (unter umständen zu ergänzenden) pronomens oder substantiv. adjektivs; 'in bezug worauf, dessentwegen' (s. warum 3 c β teil 13, sp. 2193):
gebt mir jetzt gründtlichen bescheyd (über das),
weszhalben ich euch fragen thu
Spreng Äneis (1610) 9ᵇ;
das bedeutende selbst, weszhalb ich komme (1808) Göthe I 20, 366 W.; warum fliehst du, von wuth ergriffen, das, weshalb der könig der könige knechtsgestalt annahm? Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 30;
(Don Juan:)
doch nichts hab ich gethan, weshalb
ich reue spürte!
(1828) Grabbe s. w. 2 (1874) 153 Blumenthal.
beziehung auf ein substantiv nur in lockerer syntaktischer fügung:
(weil er) ihm die rosse vorenthielt, weszhalb (derentwegen)
aus fernem land er hergezogen war
Bürger s. w. 166 Bohtz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 601, Z. 63.

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Zitationshilfe
„weshalb“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/weshalb>.

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