Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wespe, f.

wespe, f.,
vespa L., das bekannte insekt.
herkunft und form. ahd. wafsi, wefsi, wefsa; mhd. wefse, wefz, webse, wespe; and. waspa, wespa, (h)wepsia (belege s. u.); mnd. wespe, wispe Schiller-Lübben 5, 743; wopse ebda 768; mnl. wespe Verwijs-Verdam 9, 2352; nl. wesp f., dial. auch weps(ə), wips(ə) Franck-van Wijk etym. woordenb. 789; ags. wæps, wæsp, wæfs m. Bosworth-Toller 1156ᵇ; engl. wasp, dial. waps(e), wops(e) Murray 10, 2, 135ᵃ; schwed. dial. väffs, väspe, väss m. Rietz svenskt dialekt-lex. 825ᵇ; altdän. hwæfsæ, älteres dän. vespe, vispe, ndän. hveps, dial. hvevs(e) ordbog over det danske sprog 8, 822; norw. kveps, kvefs, kveks, veps (u. anders) m. Torp nynorsk etym. ordbok 343. dazu stellen sich avest. vawžaka- m., etwa 'skorpion'; baluči gvabz 'biene, wespe, hornisse'; lat. vespa (˂ *vospa); abret. guohi, corn. guhien; lit. vapsà, apr. wobse, ksl. osa (˂ *vopsa) 'wespe', aus denen sich idg. *u̯obh(e)so/ā (zur wurzel *u̯ebh- 'weben' vom gespinstartigen wespennest) ergibt, s. Walde-Pokorny 1, 258; O. Paul wörter u. sachen 20 = n. f. 2, 34 ff. daneben ist mit schon vorgerm. assimilation zu *u̯opso/ā zu rechnen. auf eine u-s-ableitung von *u̯ebh- deutet möglicherweise der name Vabusoa auf den Utrechter tafeln (Gutenbrunner d. germ. götternamen der antiken inschriften [1936] 67 u. anm. 2); über Spechts annahme einer ableitung mit t statt s siehe unten. frz. guêpe ist im anlaut vom germanischen beeinfluszt, vgl. Gamillscheg etym. wb. d. frz. spr. 496; Meyer-Lübke rom. et. wb. ³9272. and. huuepsia vespa (11./12. jh.) ahd. gl. 4, 210, 42 St.-S., sowie altdän. hwæfsæ, ndän. hveps, norw. kveps weisen auf eine nord.-nd. nebenform mit anlautendem h. — unumgelauteten stammsilbenvokal zeigen nur uuafsi vespas (alemannisch 9. jh.) ahd. gl. 1, 554, 25 St.-S. und and. uaspe fucos (10. jh.) 2, 716, 44, während die übrigen ahd. und and. belege e bieten, z. b.: uuefsa uuespa (voc. St. Galli, 8. jh.) 3, 6, 65; uuefsi uespa (9. jh.) 4, 176, 10. in uuefsa könnte dieses e auch altes ë sein (dazu lat. vespa?), da nach Lessiak beitr. z. gesch. d. dt. konsonant. 242 z. b. die bair. maa., soweit sie noch ë und e scheiden, auf altes ë weisen. dagegen deuten uuafsi, uuefsi auf einen ja-st. (weniger wahrscheinlich jō-st.), and. (h)uuepsia auf einen jō-stamm. mundartliches a ist teils aus ë entstanden: bappšə Tschinkel Gottschee 173; teils bleibt seine herkunft offen: wafftz oestrum (1440, md.) Diefenbach gl. 393ᶜ; wašpə Martin-Lienhart elsäss. 2, 875; waspə Martin Rhoden 282. rundung e ˃ ö zeigen: wösp Fischer Samland 98; wöpse Keller Thür. waldgeb. 48. häufig im nd., vereinzelt auch im md. gehtin i über (vgl. Sarauw nd. forschg. 1, 98): wispe vespe (13. jh., westfäl.) ahd. gl. 3, 721, 12 St.-S.; wispen (pl.) Petri d. Teutschen weiszh. (1605) I i 4ᵃ (aber: wespen ebda Ppp 2ᵃ); wispe (1414, md.) Diefenbach gl. 393ᶜ; wipse Schmoeckel-Blesken Soester Börde 336. — auf ursprünglich offene silbe (und damit alte dreisilbigkeit s. unten) weist die im nd. begegnende dehnung des stammsilbenvokals: weespe (1420, nd.) Diefenbach gl. 615ᶜ; vē̜bs Mensing Schleswig-Holstein 5, 596; wiəspe, wiəpse Woeste-Nörrenberg westfäl. 323. vereinzelt begegnet in maa. kontraktion des stammsilbenvokals mit dem folgenden labial: weuss·n Schmeller-Fr. bair. 2, 830; weus Mensing Schleswig-Holstein 5, 596; waus ebda 548 (vgl. Foerste in: dt. philologie im aufrisz 2 [1954] 2038). die konsonantengruppe labial (urgerm. ƀ und f) + s erscheint als fs im ahd.: uuefsa uuespa (vocab. St. Galli, 8. jh.) ahd. gl. 3, 6, 65 St.-S.; uuefsa uespello (9. jh.) ebda 4, 229, 21; uuefsi uespa (9. jh.) ebda 176, 10; im mhd.: wefse Hugo v. Trimberg d. renner 19 743 lit. ver.; vefsen (pl.) Konrad v. Megenberg buch d. natur 309 Pfeiffer; vereinzelt noch im frühnhd.: weffs, wesp vocab. theut. (Nürnberg 1482) nn 3ᵇ; sowie mundartlich: wéfs Schmeller-Fr. bair. 2, 830. dafür tritt seit dem spätmhd. vor allem im schwäb.-elsäss., vereinzelt auch im md. fz auf: wefz vespa (Heinrici summar. 13./14. jh.) ahd. gl. 3, 291, 24 St.-S.; weftz vespis (1440 md.) Diefenbach gl. 616ᵃ; wefczen (pl.) Steinhöwel Äsop 211 lit. ver.; literarische quellen zeigen die form bis zum ende des 17. jhs.: wefftzen (pl.) frantzös. Simplicissimus (1683) 2, 1; heute ist sie (vielfach mit einem g-suffix) mundartlich noch im schwäb., elsäss., pfälz. bewahrt: wefz(g)e Fischer schwäb. 6, 530; wëfz Martin-Lienhart elsäss. 2, 795; wefze (Mannheim) wörter u. sachen 20, 34. — ps-formen zeigt zufrühest das nd.: uuepsia cretobolus und huuepsia vespa (11./12. jh.) ahd. gl. 4, 198, 50; 210, 42 St.-S.; mnd. wopse Schiller-Lübben 5, 768; in den modernen nd. maa. ist die form (gelegentlich mit einem k-suffix vgl. Henzen dt. wortbildung 143) reich belegt: wepse Richey id. Hamburg. (1755) 338; wepse, wepske, auch wöpse brem.-nieders. wb. 5, 231; wepse, weps Doornkaat Koolman ostfries. 3, 536; wiəpske f., wipse Woeste-Nörrenberg westfäl. 323. seit der spätmhd. zeit ist die ps-(bs-) form auch im hd. belegt: websen (pl.) Konrad v. Megenberg buch d. natur 291 Pfeiffer; 293; 294; webssen (pl.) Suchenwirt w. 36, 68 Primisser; websen (pl.) Hans Sachs 12, 59 lit. ver.; 21, 314. literarische und lexikalische quellen zeigen sie bis ins 18. jh.: eine wespe vespa, quod alia dialecto dicunt wepse Stieler stammb. (1691) 2566; wepsen (pl.) Abr. a S. Clara etw. f. alle 2 (1711) 286 (aber wespen ebda 413); mundartlich ist sie (ausser im nd., s. o.) vor allem im bair.-österreichischen und ostmd., weniger im westmd. und nur vereinzelt im schwäb. verbreitet: wèpss·n Schmeller-Fr. bair. 2, 830; wẹps(e), weps(n) Schatz-F. Tirol 699; wöps'n Castelli Österreich unter d. Enns 267; wepse Müller-Fraureuth obersächs. 2, 660; wëbs Crecelius oberhess. 909; we̹(ə)ps(ə) Fischer schwäb. 6, 530. — auch die sp-form zeigt sich zufrühest im nd.: uuespa vespa (10. jh.) ahd. gl. 3, 458, 51 St.-S.; so auch im mnd.: wespen (pl.) Gerhard v. Minden 49, 167 Seelmann; und in den nd. maa.: wespe Damköhler Nordharz 226; wepse, wespe Böning Oldenburg 131. im hd. ist sie seit dem 12. jh. belegt: wespa uespella (12. jh., Salomon. gloss.) ahd. gl. 4, 108, 31 St.-S.; wespen (dat. pl.) Lamprecht Alexander 3200 Massmann; websen oder vespen Konrad v. Megenberg buch d. natur 292 Pfeiffer; von den mucken und bespen Arigo decamerone 154 lit. ver.; vespa ein wesp Alberus nov. dict. (1540) Xx 3ᵇ. in den literarischen quellen nehmen die sp-formen ständig zu, haben sich aber erst zu beginn des 18. jhs. endgültig durchgesetzt. mundartlich ist -sp- im md., im südwesten des bairischen, im elsässischen, vereinzelt auch im schwäbischen bezeugt: wäsbᵉ Heinzerling-Reuter Siegerland 321; we̜sbə Polenz Altenburg 70; we̥špm Insam Burggrafenamt von Meran 24; wësp(e) Martin-Lienhart elsäss. 2, 875; w'ẹsp Fischer schwäb. 6, 531; ferner (beim diminutivum) in den nördlicheren schweizerischen maa.: wæšpi n. Weber Zürcher Oberland 34; dazu das wespe Maaler teutsch spraach (1561) 490ᵇ; während südlichere maa. statt des labials in der konsonantenverbindung sp guttural zeigen (dissimilation zu anlautendem w? vgl. Hotzenköcherle Mutten 328): wæšgi n. Wipf Visperterminen 169; wæški n. Brun Obersaxen 33; guttural erscheint (noch ohne metathese) auch sonst in obd. maa.: wæchsi n. Stucki Jaun 50; 187; vgl. wächse teil 13, sp. 79 sowie unter ²wespel. vereinzelt tritt st für sp auf (dissimilation wie oben?): westen, vulgariter websen, vespa ... wespen vocab. incip. teut. (Speyer um 1485) nn 8ᵇ; wäspe, auch wäste Müller-Fraureuth obersächs. 2, 660. assimilation ˃ss begegnet häufiger im bair.-österr. und im ostmd.: wessen Höfer Österreich 3, 288; wessə Schatz Tirol 36; wersche, wesse Unger-Khull steir. 630; wæs Gerbet Vogtland 296. in verschiedenen bair.-österr. und ostmd. maa. finden sichanscheinend sehr altedreisilbige formen: wéwəss(n) Schmeller-Fr. bair. 2, 830; wöwəsa (Kärnten) PBB 28, 88; webes, webese Unger-Khull steir. 621; wewise, wẹiwes Schatz-F. Tirol 701; wǣbəs Gerbet Vogtland 130; wēwəs (veraltend) ebda 179; wēwi̯s ebda 280; wiwese Hertel Thür. 257. das verhältnis der verschiedenen formen der inlautenden konsonantengruppe zueinander ist nicht eindeutig klar. nach Kluge-Mitzka etym. wb. ¹⁷857 ist von germ. *wafs- (˂ vorgerm. *u̯ops-), *waƀis- (˂ idg. *u̯obhes-) neben *waƀit- (mit t-suffix) auszugehen. auf *wafs- gehen die dt. formen mit -fs- zurück, aus denen nach Wilmanns dt. gramm. ³1, 130 die ps- und durch metathese die sp-formen entstanden sind (vgl. dieselbe erscheinung in den andern germ. sprachen sowie bei trespe und mhd. refsen). nach Kluge-Mitzka a. a. o. hat sich die sp-form im dt. unter einwirkung des lat. synonyms vespa durchgesetzt, wohingegen ältere ansicht (so J. Grimm dt. gramm. 3 [1831] 366) noch entlehnung aus lat. vespa annahm. zu erwägen ist auch einflusz der synonyma ²wespel (s. d.) und ³wispel. Lessiak beitr. z. gesch. d. dt. konsonantismus 242 führt auszer den dreisilbigen wortformen auch die ps-(bs-)lautungen auf ein von ihm angenommenes urgerm. *wëƀes- zurück. zumindest für die nd. ps-formen ist diese herleitung jedoch abzulehnen; nur wews Mensing Schlesw.-Holstein 5, 596 liesze sich darauf zurückführen.vereinzelte schreibungen mit pfs erlauben schwerlich eine besondere grundform: wepffgs vespello (vor 1476) ahd. gl. 4, 108, 32 St.-S.; wepffcz vespa (15. jh.) Fischer schwäb. 6, 531. — formen ohne s finden sich in wepf vespa (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 380ᵃ; und weffe crecapulus (1421, obd.) ebda 118ᵃ. ndl. wip, westfries. wup wird von van Haeringen in Franck-van Wijk etym. woordenb., suppl. 193 als singularisierung des als plural aufgefaszten wips, wups gedeutet.wegen der seit dem spätmhd. belegten formen mit (t)z und des lokal begrenzten thür. wēwetzche, f. (nördl. Jena; pl.-chen) urg. *waƀit- anzusetzen (Kluge-Mitzka a. a. o.; Specht ursprg. d. idg. deklination [1944] 45 f.; 229; 234), erscheint unnötig; als erweiterung zu thür. webetze wird wēwetzche wie dieses mit dem suffix -itz gebildet sein Kluge in: zs. f. dt. wortf. 1, 276. — eine kollektivbildung liegt vielleicht vor in: wefsich vespa (Heinrici summ., 12. jh.) ahd. gl. 3, 89, 27 St.-S.; 263, 3. in ahd. uuafsi, uuefsi ist wahrscheinlich masc. genus anzuerkennen, das auch im spätmhd. und frühnhd. neben dem fem. steht: von dem wefsen Konrad v. Megenberg buch d. natur 309 Pfeiffer (variante des 15. jhs.: von der wespen ebda 534); ainen gar groszen weffczen Steinhöwel Äsop 244 lit. ver.; so auch noch in einigen maa.: der wéss (Bair. Wald) Brenner-Hartmann d. maa. Bayerns 2, 447; dr weps Wenisch Nordwestböhmen 157; f., auch m. Fischer schwäb. 6, 530; f. und m. Mensing Schleswig-Holstein 5, 596. vgl. auch das masc. im ags., schwed. und norwegischen.der sg. flektiert bis ins 16. jh. hinein schwach: von einer wefftzen V. Schumann nachtbüchlein 172 Bolte; danach ist gelegentlich ein nom. sg. mit n gebildet: ein grosse wespen Carlstadt von bepstlicher heylichait (1520) B 3ᵇ. für den pl. ist ein st. akk. belegt in uaspe fucos (10. jh.) ahd. gl. 2, 716, 44 St.-S.; sonst flektiert der pl. schon seit ahd. zeit stets schwach: (et misisti antecessores exercitus tui) uespas uuefsun (bair., 10./12. jh.) ebda 1, 557, 41.
bedeutung und gebrauch. im engeren sinne bezeichnet wespe die kleineren, kriegerischen arten der gattung vespa L. aus der familie der faltenwespen oder echten wespen (besonders vespa germanica F., vespa vulgaris L. vgl. Brehm tierl. ⁴2, 584 zur Strassen), während die gröszere und gefährlichere vespa crabro L. hornisse heiszt. vgl.: ainen hurnüssel, das ist ainen gar groszen weffczen Steinhöwel Äsop 244 lit. ver.; grote wespen, päerwespen hornisse Frederking Hahlen 34. im weiteren sinne werden aber auch andere insekten aus der ordnung der hautflügler (hymenoptera) wespe genannt. vgl. z. b. die komposita blattwespe teil 2, sp. 81; goldwespe teil 4, 1, 5, sp. 866; schlupfwespe teil 9, sp. 848. in einigen mundarten vertauschen wespe (im engeren sinne) und hornisse die bedeutung: hornessel wespe (vespa vulgaris) Heeger tiere im pfälz. volksmund (1903) 2, 15; wefze hornisse (vespa crabro) ebda (so auch bei: crabro wespe [1417, nd.] Diefenbach nov. gl. 117ᵇ; tabanus wespe [15. jh., obd.] gl. 570ᵃ?); oder hornisse übernimmt den bedeutungsbereich von wespe mit (so im rheinischen südl. d. Mosel), die dann kleine hornisse zum unterschied von der groszen, dicken oder langen hornisse heiszt. vgl. rhein. wb. 3, 836. da auch im mittleren Nordthüringen hornisse-ableitungen für 'wespe' gelten (mitteilung d. instituts f. mundartforschg. d. univ. Jena), scheint sich die auffällige beobachtung, dasz Luther in der bibelübersetzung nur hornisse gebraucht, aus seiner Mansfelder heimatmundart zu erklären; die erste dt. bibel dagegen scheidet zwischen wespe (vulgata: vespa weish. 12, 8) und hornisse (vulgata: crabro exodus 23, 28; deuteronomium 7, 20; Josua 24, 12), wie es auch die Zürcher bibel (1531) und Dietenberger (Mainz 1534) tun. volkskundliches zur wespe in hdwb. d. dt. aberglaubens 9, 503 f.
1)
als insekt; auch im bildlichen gebrauch sowie in vergleich und übertragung auf den menschen. meist sind wohl die kleineren staatenbildenden arten von vespa L. gemeint, die oft zu vielen tausenden in nestern zusammenleben: vespe haizent wefsen. die machent nest in hoehen auz horw und handelnt ir leben gern pei mist, der von den tiern und von den läuten kümt Konrad v. Megenberg buch d. natur 309 Pfeiffer; die wespen machen ire nester ... von koth Eppendorff Plinius (1543) 191; über den mit gras bewachsenen steigen ... hatten die wespen ihre ... nester aufgehangen Storm s. w. (1899) 1, 70. gefährlich ist das wëspeⁿ stupfeⁿ die wespen in ihren höhlen reizen Martin-Lienhart elsäss. 2, 875. davor warnt die redensart: me maut niəne wiepsken tergen (reizen), dann steket se em ok nitt Woeste-Nörrenberg westf. 323. ähnlich:
genug! wer wespen stört, kriegt beulen ins gesicht
Canitz ged. (1727) 92.
denn das tier ist sehr leicht reizbar: auffs letzt kam er an ... ein nest voll der grossen hornuseln und wespen, welche gantz unsinnig seyn, so sie erzürnet werden Kirchhof wendunmuth 1, 298 lit. ver. daher häufig im vergleich oder bildlich von aufgebrachten menschen: als jhnen aber derselbige (tribut) gäntzlichen abgeschlagen worden, sind sie ... wie die zornigen wepsen heuffig auszgefahren Megiser annales Carinthiae (1612) 629; wenn die wespen über mich herfallen (nach einem angriff auf das bestehende kirchenwesen), so wünschen sie mir geduld Schleiermacher s. w. (1834) I 5, 43; und da die bauern wie rasende wespen sich nicht vertreiben lieszen, so wurden sie alle erschlagen Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 155. die gereizte wespe sticht leicht:
und (die mücke) hat ein wessen (scharfen) zagel lang,
klein, spizig unde kranck,
das ez nach der wespin site
engit unde stichit mite
und tuͦt den luten leidig vil
Rudolf v. Ems weltchron. 10 080 Ehrismann;
also ist Gabriel ... mit listen uf ain wefzennest gehaiszen worden zu sitzen, welches er gethonn und übel von den wefzen gestochen worden Zimmer. chron. ²2, 296 Barack. sprichwörtlich: sieben wespen zusammen stechen ein rosz tot Scheffel ges. w. (1907) 2, 94. oft auf einen beharrlich stichelnden menschen übertragen: wo aber jemandt dise wefftzen (die mönche) erzürnet, vnnd den hundt auffweckt, dann rechen sie sich fein auff offner cancel, vnd mit schelchen stichworten, treffen sie den feindt sogar verborgen, da niemandt nicht verstehet dann der gar kain verstandt hat, und hören nit auff zuͦ bellen S. Franck morie encomion (s. l. e. a.) 56ᵃ; was für ein lärm wird nicht unter ihnen aufgeschlagen, wann einer Winkelmannen, in nebendingen auf einem irrthume ertappt! arme wespen! Ayrenhoff w. (1814) 6, 94. ähnlich: wepsche 'keifiges frauenzimmer' Leithäuser Barmen 170. auch von stichelnden sentenzen oder beunruhigenden mitteilungen: nächsten mittwoch hoffe ich einen neuen musenalmanach zu schicken, wir lassen da, zu gleicher zeit, geflügelte naturen aller art, vögel, schmetterlinge und wespen ausfliegen Göthe IV 11, 213 W.; der (herzog) könne nicht leiden, wenn einer seine ruhe hätte; der sekretär werde schon sehen, was für wespen des weiteren aus dem brief ausschlüpften Ricarda Huch d. gr. krieg (1920) 2, 251. von wespen gestochen sein heiszt 'beunruhigt sein': ob sie lustig ist, ob sie von wespen gestochen ist (1797) Caroline br. 1, 195 Waitz. daher die drastische redensart: hest du wepsken im steerde kannst du nicht still sitzen oder ruhig seyn brem.-niedersächs. wb. 5, 231; wäspi im hindere ha kein sitzleder haben, nirgends still sitzen können Seiler Basel 311. dazu: da sie dasz horten, wurden sie fast zornig und erbleichten und sahen wie die doten und kamen inen die websten in den hindern, und rütsten uff der benck hin und har (1530) Basler chron. 1, 475; sie ruckte mit dem arss hin und wieder, als wann sie wespen drinn gehabt Grimmelshausen 2, 560 Keller. ähnlich erklärt sich die redensart: wepsen in de kop hebben verdreht oder verrückt sein Doornkaat Koolman ostfries. 3, 536. dem unruhig hin und her fliegenden tier vergleicht man 'ein lebhaftes frauenzimmer' Hügel Wien 188. die wespe geht auf raub nach süszigkeiten aus:
vnd als die wespen sein gesindt,
wie man dauon geschrieben findt,
die fliegen für der binen hausz
vnd fressen jhn das höng herausz,
vnd rauben jhn jhren vorrad
Alberus fabeln 145 ndr.;
wespen naschten vom zucker, womit die kirschkuchen dick bestreut waren Holtei erz. schr. (1861) 13, 171. daher gilt sie im vergleich und in der übertragung auf den menschen als gewinnsüchtiger schmarotzer: unzahlbarliche schmeichler und mitzecher, pflegen nit anderst als die wespen, umb sein hausz herumb zufliegen Schweickhart v. Helfenstein Basilius Magnus (1591) 125; der einfältige mensch ... hielt alle die wespen, die ihm seine leber auffraszen, für freunde, die sich aus wohlwollen und gutem herzen zu ihm gesellten, da sie doch nur des fraszes wegen kamen Wieland Lucian (1788) 1, 62. im vergleich zu andern insekten ist die wespe stark und nur schwer zu bezwingen:
dar umb schult ir nit wenkchen
von ewrm müet; ir schult gedenkchen,
das zechen taussent mukchen
hundert wespen nider drukchen
Seifrit Alexander 2644 Gereke.
auch jedes spinnennetz zerreiszt sie, wie der folgende beliebte vergleich zeigt: (der papst) fleucht durch christlichen beuelh, wie ein grosse wespen ein fliehen netz odder spinnen garn durchfleucht Carlstadt v. bepstl. heylichkait (1520) B 3ᵇ; zimmermeister: mit fliegen mag das angehen (sie zu fangen). die wespen (Egmont) lachen eures gespinnstes. Vansen: nachdem die spinnen sind Göthe I 8, 251 W. die in der mitte gleichsam zusammengezogene körperform der wespe veranlaszt den vergleich mit der modisch eingeschnürten taille (vgl. wespentaille): hinter ihm erschien holdlächelnd, mit der taille einer wespe, frisiert à l'impératrice, madame Angelika Schminkert W. Raabe s. w. I 5, 329; sie war wohl schlank wie eine wespe Fontane ges. w. (1905) I 2, 109.
2)
in vereinzelten übertragenen bedeutungen.
a)
eine maulschelle, da sie gleichfalls 'sticht' (s. jedoch auch unter waffe 2 teil 13, sp. 288): und wie ich sagte, der brunn wäre unser, so gab mir einer eine wespe, dasz ich zu boden fiel Chr. Weise opferung Isaacs (1682) 39; es ist wunder, dasz der medicus keine wespe davon getragen hat ders., erznarren 209 ndr. hierzu auch wohl wopse, f., schallender, derber schlag, backenstreich Knothe Markersdorfer ma. 125. vgl.: hornisse ohrfeige Müller-Fraureuth obersächs. 1, 530.
b)
als 'geiszel': (Notker d. stammler) kannte ... die buszwerkzeuge, die ihrem rang nach an der wand hingen, vom neunfältigen 'skorpion' herab bis zur einfachen 'wespe' Scheffel ges. w. (1907) 1, 146.
c)
'diese nebenschnüre (an der angelhauptschnur) 40 cm lang und aus doppelgedrehter schnur bestehend heiszen wefzen wespen' (am Neckar bei Heidelberg) zs. f. dt. wortforschung 6, 75.
3)
diminutiva: die wefftzlin und klainen mügklin (unbedeutende feinde) Montanus schwankbücher 138 lit. ver.; das selbe wefftzlein V. Schumann nachtbüchlein 172 Bolte;
sumsend nähert ietzt
ein wespchen ihr und schnappend fährt sie auf
Harries Thomsons jahreszeiten (1796) 81.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 604, Z. 64.

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Zitationshilfe
„wespe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wespe>.

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