Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

westentasche, f.

westentasche, f.,
die kleine, schmale tasche in der weste als aufbewahrungsort kleiner gegenstände des täglichen bedarfs: (Damis:) wo hast du das blatt her, frag ich? ... (Anton:) aus — aus ihrer — westentasche Lessing 1, 364 L.-M.; der marschall ... umhalst und küszt den sieger und füllt ihm die westentaschen mit louisd'oren E. M. Arndt schr. (1845) 4, 383; es war so still ringsumher, dasz ich die uhr in meiner westentasche picken hörte W. Raabe s. w. II 2, 183; er fuhr mit den fingern in die westentasche und bisz ein endchen von der schwarzen tabacksrolle, die er daraus hervorgeholt hatte Storm s. w. (1898) 6, 53; er suchte nervös in der westentasche nach zigaretten Carossa d. tag d. j. arztes (1955) 136. was in der westentasche getragen werden kann, gilt als besonders klein: was sie gelernt haben, können sie meist in den westentaschen verwahren Görres ges. br. (1856) 1, 429. das buch in der westentasche ist zudem ein stets griffbereites kompendium: sogenannte complimentirbüchlein, eine art Knigge oder galanthomme in der westentasche, fassen das schickliche lehrhaft zusammen Erich Schmidt charakteristiken (1886) 1, 77. ähnlich: Alfred Loth oder der agitator in der westentasche! Gerhart Hauptmann ausgew. dram. (1956) 1, 143. redewendungen: sich den finger in der westentasche brechen 'ein geradezu unwahrscheinliches pech haben': wer unglück hat, bricht den finger in der westentasche Gaudy s. w. (1844) 2, 130; passiert einem doch ein unglück, so ist es das berühmte fingerbrechen in der westentasche (1871) Fontane br. an s. familie (1905) 1, 216. — etwas wie seine westentasche kennen 'etwas genau kennen': ich bin frühaufsteher und kenne alle geheimnisse der rosenfingerigen Eos wie meine westentasche Weigand gärten gottes (1930) 22; kennen sie die Ostseebäder genau? wie meine westentasche H. Herbst Bröselmann auf brautschau (1937) 209. — nur mundartlich belegt ist die redensart: he kieht mit 't rechter oog na de linker westentasch er schielt Mensing schlesw.-holst. 5, 605. ähnlich: Frederking Hahlen 172; Leithäuser Barmen 170. — ebenso die geringschätzige drohung 'mit dir werde ich leicht fertig': ik ste̜k di in de westentasch Mensing schlesw.-holst. 5, 605.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 631, Z. 64.

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Zitationshilfe
„westentasche“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/westentasche>.

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