Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

westenwind, m.

westenwind, m.,
wind aus westen. vgl. anord. vestanvindr, ags. westanwind, nnl. westenwind. die schon ahd. bezeugte bildung (s. dazu westen 4) ist bis ins 17. jh. lebendig; im 18. jh. wird sie durch westwind (s. d.) verdrängt (vgl. auch westerwind): zephirus uuestanuuint (11. jh.) ahd. gl. 2, 701, 13 St.-S.; nothus uuestanuuint (11. jh.) ebda 704, 27; sô ze lenzen fone des uuesteneuuindes uuarmi rôseblûomen uuerdent (cum flatu tepentis zephiri) Notker 1, 77 Piper; der vierd wind haizt der westenwint oder der westener (var.: westerwint) Konrad v. Megenberg buch d. natur 80 Pf.; favonius westenwint (1417 nd.) Diefenbach nov. gl. 169ᵃ; (15. jh.) ders., gl. 228ᵃ; fauonius est ... nomen venti eyn westenwint gemma gemm. (Köln 1512) H 5ᵇ; zephyrus vel fauonius westenwindt Chyträus nomencl. (1585) 26;
allain lies er (Äolus) den westenwind
ledig, das er gar senft und lind
das schieff solt dreiben auff dem meer
Hans Sachs 22, 321 lit. ver.;
allain den abent oder westenwind zuͦ latein zephyrum liesz er (Äolus) frey wähen Schaidenreisser Odyssea 97 Weidling;
westen windt,
erfrewet mannich fischers kind
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Lll 4ᵃ.
zum dichterischen gebrauch des wortes im 17./18. jh. vgl. west B 3:
der kühle westenwind
bricht blumen durch den tal, da manche nymphe rinnt
(1636) Fleming dt. ged. 1, 474 lit. ver.;
komm, nur einen kusz mir noch zu gönnen!
niemand sieht es, als der westenwind
Königsb. dichterkreis 53 ndr.;
kahm ein sanfter westenwind,
der mit disem lokken spielte
Rist neuer teutscher Parnass (1652) 93;
und regieren daselbst (in Österreich) ... der ostwind, der kälte und schönes wetter, und der westenwind, der regen ... zu bringen pflegt Hohberg georg. cur. (1682) 1, 25;
seht, wie sie, auf den schwanken stielen,
wenn laue westenwinde kühlen,
sanft wankend, glänzen, schimmern, spielen
Brockes ird. vergnügen 8 (1746) 42;
was säuselt wie ein westenwind
vom frühlingshimmel sanft und lind?
Arndt w. 5, 73 R.-M.
mundartlich: westenwind Mensing schlesw.-holst. 5, 605. eigentümlich ist der gebrauch einer windbezeichnung anstelle der himmelsrichtung (vgl.westerluft): kegin dem westinwinde maz er (der engel) vumfhundirt messeror alumme (Ezech. 42, 19) Claus Cranc prophetenübers. 242 Zies.; daher sind viel der meinung, man solle der gebäue länge nach dem obern, das ist westenwind einrichten Hohberg georg. cur. (1682) 1, 25ᵇ; vgl.: (die dachrinnen) liegen am besten, wann sie gerad von westen gegen osten oder, wie die bauren in Österreich reden, vom untern wind gegen dem obern nach der länge gerichtet seyn ebda 25ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 632, Z. 55.

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werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„westenwind“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/westenwind>.

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