Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

westerhaube, f.

westerhaube, f.,
westerhäublein, -chen, n., taufhaube, glückshaube. kompositum zu ¹wester 'taufe'. vgl. mnd., mnl. westerhuve.
1)
taufhaube, die dem täufling nach vollzogener taufe aufgesetzte weisze haube (vgl. westerhemd 1). lat. u. dt. taufordnungen bezeugen den gebrauch der taufhaube: (sacerdos) imponendo mitram in capite infantis dicens: accipe vestem candidam Magdeb. agende (1497) in: zs. f. kirchl. wissensch. u. leben 10 (1889) 423; der priester setzt dem kinde das westerheublein auff und spricht: nym hin das weisse kleid kirchenordn. im churfurstenth. d. marcken zu Brandenburg (Berlin 1540) ebda 426. Luther nennt sie im taufbüchlein von 1523 einfach haube: und weyl die paten das kind noch hallten ynn der tauffe, sol yhm der priester die hauben auffsetzen w. 12, 46 W. im ältesten beleg bildlich für einen ritterhelm:
den Rihn he (der ritter) hin zu berge fuͦr
da siner wester huben snuor
von vil spern wart gerurt
(hs. ca. 1300) mittelrhein. hofdichtung in: zs. f. dt. altertum 36, 216.
weitere zeugnisse: undt settede dar eine westerhuve baven up und toch dem kinde ein westerhembde ahn (1550) F. Wessel schilderung d. kathol. gottesdienstes in Stralsund (1837) 15 Zober; dein näcke und blösze, das ist dein reichthumb, dein nichtiges westerhäubele, ... dein schmuck und pracht qu. v. 1642 bei Fischer schwäb. 6, 728.
2)
übertragen: ein teil der embryonalhaut, der bei neugeborenen manchmal (besonders am kopf) hängen bleibt und sich wie eine taufhaube über den kopf zieht. s. auch gleichbed. glückshaube teil 4, 1, 5, sp. 374; häublein 4 teil 4, 2, sp. 568 sowie westerhemd 3. weitere synonyma im hdwb. d. dt. aberglaubens 3, 890 f. (unter glückshaube). ein mit einer westerhaube geborenes kind gilt als besonders vom glück begünstigt: derselb jung herr hat ain westerhauben gehapt (also würt das felin genannt, das die künder zu zeiten ob irem angesicht mit inen an die welt pringen). das ist domals für ain glückhafts, guets zaichen geachtet worden, dann sollichs bei wenig kindern zu finden Zimmer. chron. ²2, 333 Barack; herr Froben von Hutten wellt ie, man sollt kolen und würfel zum westerheublin (des neugeborenen) legen, damit der jung herr, da er erwüchse, zu aim spüler und aim wilden, abenteuririgen rittersman würde ebda; (der mörder hat) die frauwen vffgeschnitten, vnd eyne westerhauben von jr genommen (die ihm beim spielen glück bringen sollte) qu. v. 1579 bei Vilmar Kurhessen 451; westerhaub Schmidt Westerwald (1800) 326; westerhäubchen Krünitz öcon. encycl. 238 (1856) 444; nach Heinzerling-Reuter Siegerland 323 ist das wort heute nahezu ausgestorben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 637, Z. 14.

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Zitationshilfe
„westerhaube“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/westerhaube>.

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