Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

westerlege, westerlegete, f.

westerlege(te), f.,
westerlegen, n., anlegen des taufkleides; taufessen; der sonntag nach ostern. in der ursprünglichen bedeutung 'anlegen des taufkleides' nach Henzen dt. wortbildung ²262 elliptische bildung (sog. klammerform) für *westerhemdelege. das wort ist fast nur im alem. bezeugt.
1)
anlegen des taufkleides:
man begund sîn (Feirefisz) kristenlîche pflegn
und sprach ob im den toufes segn.
dô der heiden touf enpfienc
unt diu westerlege ergienc
Wolfram v. Eschenbach Parzival 818, 16 Lachmann;
nâch kristen ê vrouwe Bênen nam
Willehalm, hân ich vernomen.
ir westerlege ouch vür was komen
(W. heiratete sie, nachdem sie vorher getauft war)
Ulrich v. Eschenbach Wilhelm v. Wenden 7776 Toischer.
2)
in erweitertem sinne die nach der taufe übliche festlichkeit, das taufessen: wie viel leut bei einem westerlegen seyn sollen in der kindbett (1380) Fischer schwäb. 6, 729; es soll nieman (bei der taufe) kein westerlegi nit geben (1417) schweiz. id. 3, 1200; die (Pharisäer) thetten gleich als ein frauw, die ettwann gon wil zuͦ einer westerlege Keisersberg euangelia mit vszlegung (1517) 48ᵃ; die frowen suͦchent semliche eer, wo sye vff ein westerlege kummen, do luͦgent sye, daz sye obnen an den tisch kummen ders., postill (1522) 2, 27ᵇ; die westerlöge, die kindbett mahlzeit, 14 tag oder 3 wochen nach der geburt des kindes (1787) Fischer schwäb. 6, 729. in der mundart absterbend: westerlege, westerlegete, f. Schmid schwäb. 529; wèštərlǽj, f. taufschmaus Martin-Lienhart Elsasz 1, 574. im Schwarzwald ist westerlege(te) auch auf das anläszlich der tauffestlichkeit überreichte patengeschenk übertragen, vgl. Schmid schwäb. 529.
3)
der weisze sonntag (vgl. weisz C 5 d teil 14, 1, 1, sp. 1197 und sonntag II 2 c α cc teil 10, 1, sp. 1714), der sonntag nach ostern, bis zu dem ursprünglich die zu ostern getauften heiden ihr westerhemd trugen, um es dann abzulegen: uff den sonntag quasimodogeniti nächst nach ostern, genannt die westerlegin (1505) Fischer schwäb. 6, 3408; bescheen am montag nach dem sonntag westerlegin (1541) ebda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 640, Z. 27.

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werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„westerlege“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/westerlege>.

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