Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

westwärts

westwärts,
(frühnhd. auch -wert, -wart), adv., nach, im westen. s. auch westenwärts und westerwert unter wester, adj. 2. vgl. ags. westweard(es), mnl. westwaert(s). das zufrühest in mnd. quellen (s. seerecht der hanse unter 1) bezeugte wort erscheint zunächst in hd. texten Niederdeutschlands (s. Menius, Micraelius unter 1, handelsrechn. d. dt. ordens unter 2). in der hochsprache setzt es sich erst am ende des 17. jhs. durch; lexikalisch zuerst von Stieler verzeichnet: gegen westen sive westwärts versus occidentem solem stammb. (1691) 2466. auf das mnd. beschränkt ist die verbindung des adverbs mit einer präposition zur bezeichnung der ortsherkunft (vgl. dazu die gleichbedeutende substantivische konstruktion unter westenwärts): de ghemene koopman, he zeghele van oostwart eddir van westwart (Lübeck 1393) hanserecesse I 4, 118; dat gud ..., dat van westwart in de stede gekomen ys (Lübeck 1393) ebda 127; weitere belege s. zs. f. dt. wortf. 7, 91.
1)
am verbreitetsten als richtungsadverb im sinne von 'nach westen', bes. in verbindung mit verben der bewegung: (der hansekaufmann) schal ok denne nicht zeghelen van den osterschen steden westwart (1391) seerecht d. hanse bei: Pardessus coll. de lois maritimes (1831) 2, 458; denn die Istevones sind unter den Deudschen zum weitesten abgelegen gewesen nach dem abend oder westwart Menius chron. Carionis 3 (1564) 5ᵃ; westwerts ... erstreckte sich Pommern bisz an den flusz die Warnow Micraelius altes Pommerland (1639) 2, 379; daher gab er seinem heer öffentlich zu verstehen, dasz er ... westwerts ... abzulencken ... gedächte Lohenstein Arminius (1689) 1, 623ᵃ;
ja, westwärts tobt, mit wilden stürmen,
ein welterschütternder orkan
Schwabe belust. (1741) 8, 532;
ich konnte nicht einmal vermuthen, welche richtung sie genommen, ob ostwärts oder westwärts (1852) Pückler briefw. u. tageb. (1873) 3, 441; er wies westwärts, wo wald und alp wie abgeschnitten waren Zahn die Clari-Marie (1907) 137. vereinzelt über die blosze richtungsfunktion hinausgehend unter einwirken der bedeutung von westen 2 b β: (Peters d. Gr.) erste europäische reise ... richtete seinen blick westwärts ('auf Westeuropa') Herder 23, 440 S.
2)
daneben im sinne von 'im westen', bes. in verbindung mit verben der ortsruhe, jedoch meist unter hineinspielen der bedeutung von 1: (das schiff) bleib ym 11 ten jore westwert (1417) handelsrechn. d. dt. ordens 63 Sattler;
wer kann auf beyde (Türken u. Franzosen) so, wie Östreichs
degen blitzen?
wer Deutschland ost- und westwärts schützen?
Gottsched ged. (1751) 1, 6;
westwärts (des Nils) liegen weite sandwüsten J. v. Müller s. w. (1810) 1, 36; westwärts über den bergen flammte die letzte abendröte A. Sperl söhne d. herrn Budiwoj (1927) 24. der bezugspunkt, von dem aus ein ort bestimmt wird, wird meist mit von angeschlossen: westwart van Dortmode licht de Gholtstert seebuch B V 3 Koppmann; nachmittags aber fuhren wir nach dem etliche meilen westwerts von London gelegene (!) königliche lustschlosse Hamptocour Leipziger aventurieur (1756) 2, 78; danach muss die ältere heimath der Etrusker west- oder nordwärts von Italien gesucht werden Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 111. seltener mit genitiv: hundert meilen westwärts des Rheins Fontane kriegsgefangen (³1895) 148.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 653, Z. 63.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„westwärts“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/westw%C3%A4rts>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)