Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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watsche, wätsche, f.

watsche, wätsche, f.
ohrfeige, vgl. watsch, m. und watschel.
1)
das wort ist in Süd- und Mitteldeutschland weit verbreitet (in manche gegenden aber erst neuerdings eingedrungen; z. th. gilt nur das m., so in der Schweiz): els. Martin-Lienhart 2, 885. bad. zeitschr. f. d. mda. 1913, 367. bair. öst. Schmeller 2, 1058. Schöpf 804. Höfer 3, 272. Castelli 262. Loritza 141. Lexer 251. lothr. Follmann 533. pfälz. Autenrieth 150. nass. Kehrein 439. hess. Crecelius 896. Vilmar 442. Schmidt Westerwald 322. wb. d. luxemb. mda. 478. in Köln Hönig² 199ᵇ. ostfr. Ruckert 194. Sartorius 133 henneb. Spiesz 276. thür. Hertel 254. im Vogtland zeitschr. f. d. mda. 1914, 325. im Erzgebirge Müller-Fraureuth 2, 644ᵇ. in Nordböhmen Frommann 2, 240. in der Lausitz Anton (1830) 4. in Schlesien Berndt 159. Weinhold 114. Gusinde 211. in Posen Bernd 345. im nd. scheint das wort nirgends heimisch, nach Berlin Brendicke 192 ist es sicher erst eingeschleppt.
2)
die bair.-öst. formen führen auf wätsche zurück, im els. und in den meisten md. mundarten wird dunkleres a gesprochen, also grundform watsche. der vokal schwankt zwischen kürze und länge, letztere wird aus Österreich, Pfalz, Nordböhmen, Sachsen angegeben und dürfte vorwiegen, doch haben die westlichen mundarten meist die kürze. im östlichen Mitteldeutschland ist auch wie sonst nach zischlauten ein guttural entwickelt: aus Sachsen wird watschje und watschke angegeben (zeitschr. f. d. mda. 1907, 33), aus der Lausitz und Posen watschke.
3)
watsche wird von Gerland zeitschr. f. vgl. sprachw. 21, 67 und Winteler beitr. 14, 461 aus wack(e)ze, von Lessiak beitr. 28, 135 aus wag(e)ze mit verlust eines gutturals erklärt; das subst. müszte dann vom verbum ausgegangen sein. wackzen kommt auch vereinzelt vor (oben sp. 238) und bildet wahrscheinlich die grundlage von watscheln, aus 'bewegen' konnte sich die bedeutung 'schlagen' entwickeln, vgl. sp. 214 einen wackeln 'prügeln'. watsche kann aber von der interj. watsch nicht getrennt werden, es bezeichnet einen plötzlich und hörbar auffallenden schlag ('streich auf die backe, schnell und unverhofft' Schmeller); auch patsch und quatsche (zeitschr. f. hd. mda. 2, 38) erscheinen als 'ohrfeige', während andrerseits els. wätschele 'händchen' ist (gib mir din wätschele) wie sonst patsche Martin-Lienhart 2, 885ᵇ. eine seltenere nebenform ist wasche (sp. 2217), wie wascheln und watscheln 'schlottern' (els. ōrenwatschlen Martin-Lienhart 2, 885), waschen und watschen 'schwätzen' neben einander gleiche onomatopoetische grundlage haben (die verbindung von waschen mit dän. vaase bei Falk-Torp 2, 419 ist nicht überzeugend). auch schlappe 'ohrfeige' ist von der interj. schlapp! gebildet. mit mhd. ôrewetzelîn bei H. v. Freiberg Tristan 5478 kann watsche im zusammenhang stehen, da watz neben watsch vorkommt (s. u. watz, m. 3). vgl. noch Kretschmer wortgeographie 104.
4)
das wort hat in Baiern und Österreich am meisten eingang in die allgemeine sprache gefunden und hat sich von hier aus auch weiter verbreitet. schon Mozart gebraucht es im briefstil: noch von Wien aus bittet er ... der Nannerl ein paar ohrfeigen, ein paar maulschellen, ein paar wachteln, ein paar watschen, ein paar faunzen und ein paar maultaschen zu geben Jahn Mozart 1, 139. im 19. jahrh. auch litterarisch: bey uns musz alles ruhig und still zugehn — wenn auch einer aus zufall eine watschen kriegt, so rührt er sich nit Meisl theatralisches quodlibet 1, 138 (der kirchtag in Petersdorf 2, 8); er hat in der lehrzeit manche watschen kriegt Nestroy 1, 171; so oane legt ihr fein's zart's pratzerl'n dienstleuten öfter ins g'sicht ... a watschen kann wohl brennen, doch sie zünd't nit Anzengruber 9, 80 (fleck auf der ehr 2, 15); der Bayer aber, nicht faul, langte mit dem arm weitmächtig aus, um dem Schwäblein auch eine zu versetzen; und es wär auch eine watsche gewesen, an die er sein lebtag gedacht hätte Aurbacher volksbüchlein 215; ein bauer aber ... schrie spröd: ja gseng dirs der teufel! den traf aber eine so keife watschen, dasz er wie im flug über die brucken stürzte v. Leoprechting aus dem Lechrain 91; der Simon ... haut seinem vorgesetzten eine watschen herunter, dasz er unter den tisch gefallen ist L. Thoma kleinstadtgeschichten 64. auch aus Schlesien: giebt ihm der erste beste junge, nicht gröszer wie er, eine 'verwend'te' — hier zu lande heiszt's watsche — auf die linke backe, gleich hält mein Christian ihm auch die rechte backe hin Holtei Christian Lammfell 2, 52. els. ist watsch auch allgemein 'schlag', lothr. 'rutenstreich' und die rute selbst. redensarten: dem dreck e watsch gen 'vergebliche arbeit verrichten' (els. lothr.); das haus had a wadschn kriagt 'groszen verlust gehabt' Hügel 184 aus Wien, ähnlich els. 'hat einen procesz verloren' Martin-Lienhart 2, 966ᵇ. in der Steiermark sind watschen grosze, mit sauerteig angemachte mehlnocken, in wasser gekocht Unger-Khull 613ᵇ. Rosegger im heimgarten 4, 950. vgl.maultaschen als bezeichnung eines backwerks.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1918), Bd. XIII (1922), Sp. 2591, Z. 4.

watsche, f.

watsche, f.
ente Campe (als schlesisch).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1918), Bd. XIII (1922), Sp. 2592, Z. 19.

watsche

watsche
'reisetasche' s. wätschger.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1918), Bd. XIII (1922), Sp. 2592, Z. 20.

wätsche, f.

wätsche, f.
bei Henisch 468 wird wetsche als schlesische benennung der kröte, rubeta terrestris major, angeführt, ebenso nach Frommann 4, 190 bei Schwenckfeldt theriotr. 159. wol zu mhd. wackzen, also eig. die watschelnde. vgl. watschker.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1918), Bd. XIII (1922), Sp. 2592, Z. 21.

wetsche, f.

wetsche, f.,
s. wätsche teil 13, sp. 2592.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 658, Z. 26.

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Zitationshilfe
„wetsche“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wetsche>.

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