Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

wett1, adj.

¹wett, adj.,
abbezahlt, erledigt, ausgeglichen. das nur prädikativ gebrauchte adjektiv ist aus formelhaften verbindungen herzuleiten, die das substantiv ¹wette mit verben, insbes. sein und werden einging. diese verbindungen knüpften zunächst an die bedeutung '(durch symbolische pfandreichung gegebenes) urteilserfüllungsgelübde' (s. ¹wette B) an; während das substantiv im 13. jh. in freier stellung zur gegenstandsbezeichnung ('strafgeld') geworden ist, nähert es sich zu gleicher zeit in prädikativer stellung über vermittelnde bedeutungen ('urteilserfüllung, abbezahlung einer schuld') der funktion eines beiworts ('abbezahlt, beendet' usw.). dieser übergang vollzog sich allmählich, so dasz keine feste grenze zwischen substantivischer und adjektivischer verwendung gezogen werden kann; daher sind alle der bedeutung nach hierher gehörigen belege (auch des substantivs) im folgenden zusammengefaszt. der abfall des auslautenden -e kennzeichnet den übergang zur adjektivischen verwendung: wet begegnet schon um 1300 im Freiberger stadtrecht, cap. IV, 8 Erm. (spätere hss.: wette), doch setzt sich die endungslose form endgültig erst im 17. jh. durch (wette noch bei Luther 46, 754 W., Chr. Weise überfl. ged. 116 ndr.).
1)
allgemein die beendigung eines zustandes, einer handlung bezeichnend (s. u.end noch wett hist. volkslieder 1, 371 L.); in dieser im mhd. verbreiteten, aber im nhd. kaum noch geläufigen verwendung zunächst auch noch substantivisch aufgefaszt (s. u.an alle wette Hiob 12 743 K.).
a)
wette werden, wette sein 'ein ende finden, aufhören':
ez was worden wette
zwischen im und der vröude:
er lebte niht wan töude (sterbend)
Wolfram v. Eschenbach Parzival 230, 18 L.;
dar umb ich nimmer komen wil
an des keisers bette.
ez muoz werden wette
zwischn uns der friuntschefte
Reinbot v. Durne hl. Georg 4148 Kraus;
dâ er des nahtes was gelegen
unt mit sîner briute der wirtschaft het gepflegen
unt zwischen in der vremde was worden wette
Lohengrin 6830 Rückert;
geselle Kaedin, ga dan,
und legen uns an ein bette:
mines leides des wirt wette,
des ich lange han gepflegen
Ulrich v. Türheim Tristan 3156 v. d. Hagen;
den knappen er mit vlize bat,
daz er im mahte ein bette.
so wuͤrde der muͤde wette
die ie ein lip getruͤge
ders., Rennewart 25 598 Hübner;
irs jamers dez wirt nymmer wett
Heinrich der Teichner ged. I 186, 36 Niew.;
kein man sol sîne wirtîn slahen:
swenne er durch schirm si siht gâhen
ze dem tische oder gein dem bette,
sô sol sîns zornes werden wette
Hugo v. Trimperg d. Renner 12 854 Ehrism.,
da tzwischen ward vil maniger chranch,
wenn man in sere drukte,
chnie und pain verruckte;
schimphen, lachen ward da wett!
Suchenwirt 4, 227 Primisser;
kum nit me so, es ist gnug gerett,
weth sie unser beyder gesprech
mhd. minnereden II 11, 167 Thiele;
und hat der chunig also geredt
so wirt doch weder end noch wett,
das Ungerland musz ser darumb verderben
(1439) hist. volkslieder 1, 371 Liliencron;
der alt sich zu dem dirnlin legt,
sein kommer der ward ganz wett
von der liebe manigfalt,
die doch was im dirnlin kalt
Zimmer. chron. ²1, 598 Barack;
auff den abend in dem bette
liegen sie als wie ein bild,
halb erfroren eingehüllt,
auff den morgen ist es wette,
denn da brennt das bette-stroh
vor der liebe liechter-loh
Chr. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 116 ndr.;
und doch hat mir dein schwert den zarten sprosz gemäht,
den teuren blonden jungen. da war die freundschaft wett
Scheffel ges. w. (1907) 2, 193;
wette werden im sinne von 'aufgehoben, ungültig werden' (nicht in der bedeutung 'vergütet' wie unten, vgl.wettmachen 1): an deme fritage ving man die juden, an dem samestage brante man die juden ... waz man den juden schuldig waz, daz wart alles wette, unde wurdent alle pfant und briefe die sie hettent uber schulde wider geben (Straszburger judenpogrome 1349) städtechron. 8, 130. formelhaft in der verbindung ohne (sonder) wette 'ohne aufhören, für immer, endgültig':
mit sichtuͦm sunder wette
Suchenwirt 25, 314 Primisser;
uz disen worten Helyu
endelich geloubte nu
daz Job vort an alle wette
an gote verzwivelt hette
Hiob 12 743 Karsten;
in neuerer sprache mit gen. wie nhd. ledig: die erde ... umhüllte locker und reich den menschen, der da, aller lust und leiden wett, in ihr gebettet lag Anzengruber ges. w. (1890) 1, 238.
b)
bergmannssprachlich in der wendung sich wett(e)arbeiten, bauen: sich wette bauen heist, wenn einer so vil in eine zeche gebauet und nichts daraus erhoben, dass er mit bauen auffhören muss Schönberg berginform. (1693) 2, 108; Minerophilus bergwerckslex. (1730) 715; Hertwig neues u. vollk. bergb. (1734) 424ᵃ. der ursprüngliche wortsinn wird im 18. jh. kaum noch verstanden; vgl.: sich wett bauen ... den bergbau aus mangel der ausbeute liegen lassen ... vielleicht eigentlich 'sich arm bauen' Adelung 5 (1786) 190. schon im 16. jh. zur bezeichnung erfolgloser mühe und arbeit: wenn die zehen gebot einem das hertz vnd gewissen treffen vnd verwunden, da ist es muͤhe vnd arbeit, da bricht weder stein noch ertz, sondern mancher arbeit sich gar wett Mathesius Sarepta (1571) 40ᵇ; was sich mit dem zalpfenning wet gearbeitet vnd laufft darnach vmb ein pfarr, das wird leider Christo nicht vil fische fangen ders., postilla (1579) 2, 202ᵇ. hieran anknüpfend auch sich wette machen 'nutzlos werden': was das meer verworffen, und sich an allen orten wette gemacht, ... das koͤmpt alles auff den bergstedten zusammen Mathesius erkl. d. ep. a. d. Corinther (1591) 1, 3ᵇ.
2)
'quitt, ausgeglichen, gleich'; von der beglichenen schuld, weitergreifend auch bei mannigfachen gegenüberstellungen, in denen die vorstellung einer aufrechnung verschiedener gröszen vorherrscht: wett pariglia Kramer t.-ital. 2 (1702) 1337ᶜ; mundartlich: durch gegenleistung ausgeglichen Crecelius Oberhessen 909; wett gleich gemacht Reinwald Henneberg 1, 192. die bedeutung 1 kann auch hier mit hineinspielen, 'ausreichend, genug':
'von natur ist iecleich weib
unkeusch gar an irem leib.'
Snattereina ditz verredt;
sei sprach: 'und ist es noch nicht wett,
so hörr noch eins: daz sag ich dir!
wer nach seines hertzen gir
leben wil, der tuot nicht recht
Heinrich Wittenwiler d. ring 2842 Wieszner;
'quitt, fertig': sein geschick war mir gleichgiltig, wir waren längst wett mit einander H. v. Zobeltitz in: daheim 31, 318ᵇ. oft in verbindung mit eben 'gleich' (vgl. ebenwette Lexer 1, 505):
vff vnd nider als ein stampf
fuorent sy an dem bette
si spiltent eben wette
daz iezt lag ob daz lag dann vnder
liedersaal 3, 406 Laszberg;
wenn er ist voll vnd nit fast laͤr,
so bin ich voll, voͤller dann er.
ich suffen, das ich seich ins bett;
damit so sind wir aͤben wett
H. R. Manuel weinspiel v. 2619 ndr.;
morgen machen wirs eben wett (die schulden) Fischart Garg. 144 ndr.; der den guten willen hat, das geschehene ungeschehen, oder doch wenigstens wett und eben zu machen H. Kurz sonnenwirt (1855) 209.
a)
wett sein, wett werden.
α)
im schuldrechtlichen sinne; mit persönlichem subjekt 'frei von schuld'. zu 'quitus' wett, ledig Diefenbach gl. 481ᵃ vgl.: sie sind wett neuter alteri debet, wett liber a debitis Steinbach dt. wb. (1734) 2, 985;
sy, baderin,
nun besynn
vnd gewynn
yedem nach dem bad ain rösches pette.
du darft nit sorgen
vmb das porgen
hiut vnd morgen
schaff wir alles, das er wol wirt wette!
liederbuch d. Hätzlerin 1, 91, 108 Haltaus;
auf die schuld bezogen 'abbezahlt, vergütet', auch im sinne einer aufrechnung verschiedener schuldposten: ist ein man schuldic unde ist man im wider schuldic, so sal he schult gein schult slan, so wirdit des wet (var. wette), des indarf he nicht verschozzen Freiberger stadtrecht cap. IV, 8 Ermisch; schickten die von Nurmberg etlich ir diener ... und namen vier küe ... und das teten sie darümb und auch pillich, wann markgraf F. ... der het ... auch sovil uns genumen on alle ursach, darumb so wer es nun pillich wett gewesen (Nürnberg 15. jh.) städtechron. 11, 611; das sie sollich der stett rechnung und aufgeben vergleicht und wett sein lassen (1492) urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 140 lit. ver.;
dann welcher so lang zünset hett
das zynss und houptgut wernn wett
so solt der selb kein zinss ane geben
Gengenbach 394 Goedeke;
er solt den klang (der münzen) vors geld nehmen vnd die zech wett seyn lassen Lehmann floril. polit. (1662) 1, 85. ähnlich beim würfelspiel:
setz har din seckel, sampt dem huot,
ich schlach dir druff mit früschem muth,
und gwünn dirs ab mit gferden,
ich hoff es müsz wider wett werden
S. Meinrad 33 lit. ver
im bilde: der schilling muͦst jn vor vff jren arsz geben werden, dan wolt es gott lassen weth sein, sie hetten sonst gemainet, jr sach were recht S. Franck Germ. chron. (1538) 117ᵃ; sprichwörtlich: wann ein vngetrewes herz von einem getrewen diener mit gleicher müntz bezahlt wird, so ists wett Lehmann floril. polit. (1662) 1, 145.
β)
bei handlungen und geschehnissen, die gegeneinander aufgewogen werden: darumb das ich euch in ewern tempel gegriffen hab, ... und schaden an ochsen und schafen gethan, so greiffet jr mir wider an meinen tempel, so wirds wette (1538) Luther 46, 754 W.; mönch, höre mich beichten und absoluiere mich recht ... ich bin ein reuber gewest, bin aber keiner wiederumb gewest, ist wette, ich habe gefressen und gesoffen, habe auch wol hunger und durst gelitten, ist wette (16. jh.) B. Hertzog schiltwache (o. j.) H 2;
er macht vil wirffel do zuͦhand,
do mit er gott die boszheit thet,
es ward an jm gar balt wett.
dann er muͦst drum in hell abgrund
Gengenbach 377 Goedeke;
wann mir einer eins gibt, so soll ichs ihm widergeben, so seye es wett Moscherosch gesichte (1650) 2, 501; dann wann einer (bei der zecherei) expedirt wurde, dasz er weder sitzen, gehen oder stehen mehr konte, so hiesz es: nun ists wett! du hast mirs hiebevor auch so gekocht, jetzt ist dirs eingetränckt Grimmelshausen Simpl. 86 Scholte;
'mein hähngen' ist biszweilen wette,
wann er zuvor 'mein hühngen' spricht
(anreden zweier liebenden)
Chr. Weise überfl. gedanken 127 ndr.;
jetzt lieb ich sie auch, ...
weil ich vermuthe, dasz der üpp'ge mohr
mir ins gehege kam ...
nichts kann und soll mein herz beruhigen,
bis ich ihm wett geworden, weib um weib
(till I am even'd with him, wife for wife)
Shakespeare 8 (1832) 209 (Oth. 2, 1);
und hier spart ihr euch ab, um dort zu sammeln.
nennt ihr das recht? seht ihr! so sind wir wett
Grillparzer s. w. 8, 17 Sauer;
mit meinem vater bin ich wett; er gab
ein leben mir, ich rettete ihm eins
Grabbe w. 1, 148 Bl.
b)
in anderen, z. t. stehenden verbalverbindungen (die in heutiger sprache allein noch geläufige verbindung wettmachen wird als zusammensetzung aufgefaszt, s. u. sp. 783):
α)
wett(-)schlagen; vereinzelt noch substantivisch in die wette schlagen: auch so kompts wol widderumb, das du fur deyne muhe ettwa zu wenig nemest, da las ynn die wette schlahen ünd gegen ander auffheben, wo du zu viel genomen hast Luther 15, 297 W. adverbiell (z. t. als verbalpräfix); wettschlagen compenser l'un par 'autre Mozin dt.-frz. 4 (1856) 1212:
das schlah wir gen einander wett,
was eins dem andern ie getet
fastnachtsp. 1, 482 lit. ver.;
hatt jemants ain beschwaͤrung, so ist es billig, die selben gegen der gemaynen saͤlickayt aller mentschen wett zu schlagen Spalatin Erasmus, clage des frids (1521) H 1ᵇ; gott ist selbs ein solcher Naphthali, weil er mit uns wett schlegt, wöllen wir böss sein, so ist ehr widder böss G. Wicelius annotationes (1536) 22ᵃ;
ob mir schon einer drumb wolt fluchen,
so werd ich jn im zedel suchen:
mancher mir dannocht wol drumb redt,
so schlag ich eins zum andern wett
Scheit Grobianus v. 4916 ndr.;
ich will mit reicher gabe wettschlagen meine schuld
Scheffel ges. w. (1907) 2, 190;
so dasz sie meinte, dem wirth die doppelkreide in ihrer weise wettschlagen zu dürfen, indem sie etwas mitnahm W. Chézy erinn. (1863) 1, 292; die schuld des hauptschuldners an den gläubiger kann der bürge wettschlagen bad. landrecht (1809) 347. vgl.: wettschlagung compensation ebda, satz 1234 u. s. auch schweiz. id. 9, 486.
β)
wett(-)spielen 'wettmachen, vergelten, heimzahlen': ob si schon jetz weinend, so gedenckend daran, dass si domalen all miner gelachet; jetz hab ich wett mit inen gespilt Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 188; aber gleich wie mich das unglück hauffenweisz überfiele, ... also bedunckte mich auch jetzt, das glück wolte es wieder wett spielen Grimmelshausen Simpl. 183 Scholte; meynstu auch wol, es geschehe dir unrecht, wenn dir einer wieder wett spielte, was du zu Parisz begangen ebda 334; man musz es diesem boszhafftigen geschlecht wieder wett spielen ders., 2, 577 Keller. anders gewendet: hab ich doch ohnehin noch einen ehrlichen namen mit euch wettzuspielen (euch entgegenzusetzen, in die wagschale zu werfen) Schiller w. 3, 200 W. (Räuber). vgl. noch: reciprocation das wettspielen, die wiederkehrung Spanutius (1720) 406.
γ)
wett aufgehen 'sich aufheben, ausgleichen': es gehet wett auf calculus par est positus Dentzler clavis (1686) 2, 346; Aler dict. (1727) 2, 2181ᵇ; wet ufgo Seiler Basel 314; so schlägt das wasser in die füsz ... vnd dir die narrheit ... in grind, damit geht es wett auff Guarinonius grewel (1610) 669; hab ich heutigen tages noch einen creditor in Berlin — auch etliche debitoren für ein paar batzen — und geht's ungefehr so wett auf Bräker s. schr. (1789) 1, 141. sprichwörtlich: es geht zu (es geht wett auf) wie an des Birrenhansen hochzeit 'sehr kärglich' Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 64. aus dieser verbalverbindung entsteht als adverbielle neubildung wettauf: die haushaltung mehrte sich von jahr zu jahr, so dasz einnahm' und ausgabe sich immer wettauf frassen Bräker s. schr. (1789) 1, 221; gut also, erwiderte sie ruhig ..., dann sind wir ja wettauf P. Dörfler die lampe d. tör. jungfrau (1930) 95.
δ)
seltenere verbindungen: so wir vns mit gelde losz und wette keuffen Mathesius katechismus (1589) 64;
doch, weil ich an der Elb auch deiner zier vergasz,
mich Amarillis schenkt; hast du auch wechseln müssen.
so ist es wettgetauscht
S. v. Birken Pegnesis (1673) 1, 139.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 658, Z. 39.

wett2

²wett,
adverb, verkürzt aus (in, um) die wette, s. ¹wette D 5 b. meist in enger verbindung mit verben (s. die verbalkomposita sp. 683), doch vereinzelt auch in freierer verwendung:
so lieben wir mit frohem schritte
uns hand in hand durchs leben wett
Herder 25, 371 S.;
wie wacker dort Icilius, allen voran,
dem löwen wett sein junges leben wagt
Lohmann dram. schr. (1862) 1, 307.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 662, Z. 54.

wett3, interjektion

³wett, interjektion
(meist in verbindung mit teufel). die herkunft ist unsicher; die belege aus dem 15. u. 16. jh. zeigen, dasz das wort schon in dieser zeit verschieden gedeutet und teils an ¹wetter (s. d. IV 1—3, teils an ¹wetten, vb., in verschiedenen volksetymologischen umgestaltungen angeschlossen wurde. als ausdruck der verwunderung mit folgendem fragesatz:
der graf nach Eulenspiegel schickt:
wett teuffel, was hastu erplickt?
dasz blast vnd ist kein feind vorhanden.
ich glaub, du braͤchst vns gern zuschanden!
Fischart Eulenspiegel v. 2839 Hauffen;
wett der teuffel, was machstu hie?
ebda 2576;
ey wett der teufel, was musz seyn,
dasz man mich so lang lest allein?
lieder auf d. winterkönig 103 Wolkan;
da das der wirt vernam, sprach er: weth den teufel, was thut der hie bey mir? Montanus schwankb. 349, 2 Bolte; der rysz sprach, do er sich am herd gsach: wetten tuffel! waz thuot Machmet, das er mich laszt ab minem pfert fallen (16. jh.) Morgant 197 Bachm.; wedter teuffel warumb lernst du dann also Joh. Nas antipap. eins und hundert (1567) 3, 186ᵇ; s' wetter und der teufel! soll ich dann in meinem hause nicht herr seyn dörfen? maler Müller w. (1811) 1, 246. ähnlich: wett der knyfel, sagt der vatter Lale, was solt einer in treissig jaren lehren Lalebuch 140 v. Bahder. im fragesatz:
wetter teuffl lernt dich das?
Sterzinger spiele 8, 279 Zingerle;
owe heut und jmmer mer!
wetter teuffl pringt dich da herr?
ebda 10, 161;
die magt sprach: ich weisz nit wet den teuffel wir thun Eulenspiegel 75 ndr. mit ausrufe- und aussagesatz:
wet der tiefel, mag ditz wesen!
Heinrich Wittenwiler d. ring 2176 Wieszner;
wetter zieggel
ebda 2680;
ich weysz, weth dausent teufel, wie jchs heyssen sol (1524) flugschr. a. d. reform.-zeit 1, 175 Clemen. als verwünschung: wet als unglück malum, interiectio Dasypodius (1536) 457ᶜ; malum, interiectio irascentis. quid tua (malum), id refert? wett als vnglück, an galgen, was gadt das dich an? Frisius dict. (1556) 796ᵇ; hierher wohl auch die mehrfach bezeugte verbindung wett Fritz:
(der gast) stelt sich sawr vnd mürrisch drab,
wagts doch, schnitt jm (dem huhn) zwen flügel ab,
ich setz ein batzen an ein heller,
du fleugst mir nun nit mehr vom deller
(randbem.: wett Fritz)
Scheit Grobianus v. 3440 ndr.;
wett Fritz, es ist eins erraten Hans Sachs 22, 29 lit. ver.; ich gedachte: wett, Fritz! du hasts errathen Grimmelshausen 2, 628 lit. ver.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 662, Z. 64.

wett1, adj.

¹wett, adj.,
abbezahlt, erledigt, ausgeglichen. das nur prädikativ gebrauchte adjektiv ist aus formelhaften verbindungen herzuleiten, die das substantiv ¹wette mit verben, insbes. sein und werden einging. diese verbindungen knüpften zunächst an die bedeutung '(durch symbolische pfandreichung gegebenes) urteilserfüllungsgelübde' (s. ¹wette B) an; während das substantiv im 13. jh. in freier stellung zur gegenstandsbezeichnung ('strafgeld') geworden ist, nähert es sich zu gleicher zeit in prädikativer stellung über vermittelnde bedeutungen ('urteilserfüllung, abbezahlung einer schuld') der funktion eines beiworts ('abbezahlt, beendet' usw.). dieser übergang vollzog sich allmählich, so dasz keine feste grenze zwischen substantivischer und adjektivischer verwendung gezogen werden kann; daher sind alle der bedeutung nach hierher gehörigen belege (auch des substantivs) im folgenden zusammengefaszt. der abfall des auslautenden -e kennzeichnet den übergang zur adjektivischen verwendung: wet begegnet schon um 1300 im Freiberger stadtrecht, cap. IV, 8 Erm. (spätere hss.: wette), doch setzt sich die endungslose form endgültig erst im 17. jh. durch (wette noch bei Luther 46, 754 W., Chr. Weise überfl. ged. 116 ndr.).
1)
allgemein die beendigung eines zustandes, einer handlung bezeichnend (s. u.end noch wett hist. volkslieder 1, 371 L.); in dieser im mhd. verbreiteten, aber im nhd. kaum noch geläufigen verwendung zunächst auch noch substantivisch aufgefaszt (s. u.an alle wette Hiob 12 743 K.).
a)
wette werden, wette sein 'ein ende finden, aufhören':
ez was worden wette
zwischen im und der vröude:
er lebte niht wan töude (sterbend)
Wolfram v. Eschenbach Parzival 230, 18 L.;
dar umb ich nimmer komen wil
an des keisers bette.
ez muoz werden wette
zwischn uns der friuntschefte
Reinbot v. Durne hl. Georg 4148 Kraus;
dâ er des nahtes was gelegen
unt mit sîner briute der wirtschaft het gepflegen
unt zwischen in der vremde was worden wette
Lohengrin 6830 Rückert;
geselle Kaedin, ga dan,
und legen uns an ein bette:
mines leides des wirt wette,
des ich lange han gepflegen
Ulrich v. Türheim Tristan 3156 v. d. Hagen;
den knappen er mit vlize bat,
daz er im mahte ein bette.
so wuͤrde der muͤde wette
die ie ein lip getruͤge
ders., Rennewart 25 598 Hübner;
irs jamers dez wirt nymmer wett
Heinrich der Teichner ged. I 186, 36 Niew.;
kein man sol sîne wirtîn slahen:
swenne er durch schirm si siht gâhen
ze dem tische oder gein dem bette,
sô sol sîns zornes werden wette
Hugo v. Trimperg d. Renner 12 854 Ehrism.,
da tzwischen ward vil maniger chranch,
wenn man in sere drukte,
chnie und pain verruckte;
schimphen, lachen ward da wett!
Suchenwirt 4, 227 Primisser;
kum nit me so, es ist gnug gerett,
weth sie unser beyder gesprech
mhd. minnereden II 11, 167 Thiele;
und hat der chunig also geredt
so wirt doch weder end noch wett,
das Ungerland musz ser darumb verderben
(1439) hist. volkslieder 1, 371 Liliencron;
der alt sich zu dem dirnlin legt,
sein kommer der ward ganz wett
von der liebe manigfalt,
die doch was im dirnlin kalt
Zimmer. chron. ²1, 598 Barack;
auff den abend in dem bette
liegen sie als wie ein bild,
halb erfroren eingehüllt,
auff den morgen ist es wette,
denn da brennt das bette-stroh
vor der liebe liechter-loh
Chr. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 116 ndr.;
und doch hat mir dein schwert den zarten sprosz gemäht,
den teuren blonden jungen. da war die freundschaft wett
Scheffel ges. w. (1907) 2, 193;
wette werden im sinne von 'aufgehoben, ungültig werden' (nicht in der bedeutung 'vergütet' wie unten, vgl.wettmachen 1): an deme fritage ving man die juden, an dem samestage brante man die juden ... waz man den juden schuldig waz, daz wart alles wette, unde wurdent alle pfant und briefe die sie hettent uber schulde wider geben (Straszburger judenpogrome 1349) städtechron. 8, 130. formelhaft in der verbindung ohne (sonder) wette 'ohne aufhören, für immer, endgültig':
mit sichtuͦm sunder wette
Suchenwirt 25, 314 Primisser;
uz disen worten Helyu
endelich geloubte nu
daz Job vort an alle wette
an gote verzwivelt hette
Hiob 12 743 Karsten;
in neuerer sprache mit gen. wie nhd. ledig: die erde ... umhüllte locker und reich den menschen, der da, aller lust und leiden wett, in ihr gebettet lag Anzengruber ges. w. (1890) 1, 238.
b)
bergmannssprachlich in der wendung sich wett(e)arbeiten, bauen: sich wette bauen heist, wenn einer so vil in eine zeche gebauet und nichts daraus erhoben, dass er mit bauen auffhören muss Schönberg berginform. (1693) 2, 108; Minerophilus bergwerckslex. (1730) 715; Hertwig neues u. vollk. bergb. (1734) 424ᵃ. der ursprüngliche wortsinn wird im 18. jh. kaum noch verstanden; vgl.: sich wett bauen ... den bergbau aus mangel der ausbeute liegen lassen ... vielleicht eigentlich 'sich arm bauen' Adelung 5 (1786) 190. schon im 16. jh. zur bezeichnung erfolgloser mühe und arbeit: wenn die zehen gebot einem das hertz vnd gewissen treffen vnd verwunden, da ist es muͤhe vnd arbeit, da bricht weder stein noch ertz, sondern mancher arbeit sich gar wett Mathesius Sarepta (1571) 40ᵇ; was sich mit dem zalpfenning wet gearbeitet vnd laufft darnach vmb ein pfarr, das wird leider Christo nicht vil fische fangen ders., postilla (1579) 2, 202ᵇ. hieran anknüpfend auch sich wette machen 'nutzlos werden': was das meer verworffen, und sich an allen orten wette gemacht, ... das koͤmpt alles auff den bergstedten zusammen Mathesius erkl. d. ep. a. d. Corinther (1591) 1, 3ᵇ.
2)
'quitt, ausgeglichen, gleich'; von der beglichenen schuld, weitergreifend auch bei mannigfachen gegenüberstellungen, in denen die vorstellung einer aufrechnung verschiedener gröszen vorherrscht: wett pariglia Kramer t.-ital. 2 (1702) 1337ᶜ; mundartlich: durch gegenleistung ausgeglichen Crecelius Oberhessen 909; wett gleich gemacht Reinwald Henneberg 1, 192. die bedeutung 1 kann auch hier mit hineinspielen, 'ausreichend, genug':
'von natur ist iecleich weib
unkeusch gar an irem leib.'
Snattereina ditz verredt;
sei sprach: 'und ist es noch nicht wett,
so hörr noch eins: daz sag ich dir!
wer nach seines hertzen gir
leben wil, der tuot nicht recht
Heinrich Wittenwiler d. ring 2842 Wieszner;
'quitt, fertig': sein geschick war mir gleichgiltig, wir waren längst wett mit einander H. v. Zobeltitz in: daheim 31, 318ᵇ. oft in verbindung mit eben 'gleich' (vgl. ebenwette Lexer 1, 505):
vff vnd nider als ein stampf
fuorent sy an dem bette
si spiltent eben wette
daz iezt lag ob daz lag dann vnder
liedersaal 3, 406 Laszberg;
wenn er ist voll vnd nit fast laͤr,
so bin ich voll, voͤller dann er.
ich suffen, das ich seich ins bett;
damit so sind wir aͤben wett
H. R. Manuel weinspiel v. 2619 ndr.;
morgen machen wirs eben wett (die schulden) Fischart Garg. 144 ndr.; der den guten willen hat, das geschehene ungeschehen, oder doch wenigstens wett und eben zu machen H. Kurz sonnenwirt (1855) 209.
a)
wett sein, wett werden.
α)
im schuldrechtlichen sinne; mit persönlichem subjekt 'frei von schuld'. zu 'quitus' wett, ledig Diefenbach gl. 481ᵃ vgl.: sie sind wett neuter alteri debet, wett liber a debitis Steinbach dt. wb. (1734) 2, 985;
sy, baderin,
nun besynn
vnd gewynn
yedem nach dem bad ain rösches pette.
du darft nit sorgen
vmb das porgen
hiut vnd morgen
schaff wir alles, das er wol wirt wette!
liederbuch d. Hätzlerin 1, 91, 108 Haltaus;
auf die schuld bezogen 'abbezahlt, vergütet', auch im sinne einer aufrechnung verschiedener schuldposten: ist ein man schuldic unde ist man im wider schuldic, so sal he schult gein schult slan, so wirdit des wet (var. wette), des indarf he nicht verschozzen Freiberger stadtrecht cap. IV, 8 Ermisch; schickten die von Nurmberg etlich ir diener ... und namen vier küe ... und das teten sie darümb und auch pillich, wann markgraf F. ... der het ... auch sovil uns genumen on alle ursach, darumb so wer es nun pillich wett gewesen (Nürnberg 15. jh.) städtechron. 11, 611; das sie sollich der stett rechnung und aufgeben vergleicht und wett sein lassen (1492) urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 140 lit. ver.;
dann welcher so lang zünset hett
das zynss und houptgut wernn wett
so solt der selb kein zinss ane geben
Gengenbach 394 Goedeke;
er solt den klang (der münzen) vors geld nehmen vnd die zech wett seyn lassen Lehmann floril. polit. (1662) 1, 85. ähnlich beim würfelspiel:
setz har din seckel, sampt dem huot,
ich schlach dir druff mit früschem muth,
und gwünn dirs ab mit gferden,
ich hoff es müsz wider wett werden
S. Meinrad 33 lit. ver
im bilde: der schilling muͦst jn vor vff jren arsz geben werden, dan wolt es gott lassen weth sein, sie hetten sonst gemainet, jr sach were recht S. Franck Germ. chron. (1538) 117ᵃ; sprichwörtlich: wann ein vngetrewes herz von einem getrewen diener mit gleicher müntz bezahlt wird, so ists wett Lehmann floril. polit. (1662) 1, 145.
β)
bei handlungen und geschehnissen, die gegeneinander aufgewogen werden: darumb das ich euch in ewern tempel gegriffen hab, ... und schaden an ochsen und schafen gethan, so greiffet jr mir wider an meinen tempel, so wirds wette (1538) Luther 46, 754 W.; mönch, höre mich beichten und absoluiere mich recht ... ich bin ein reuber gewest, bin aber keiner wiederumb gewest, ist wette, ich habe gefressen und gesoffen, habe auch wol hunger und durst gelitten, ist wette (16. jh.) B. Hertzog schiltwache (o. j.) H 2;
er macht vil wirffel do zuͦhand,
do mit er gott die boszheit thet,
es ward an jm gar balt wett.
dann er muͦst drum in hell abgrund
Gengenbach 377 Goedeke;
wann mir einer eins gibt, so soll ichs ihm widergeben, so seye es wett Moscherosch gesichte (1650) 2, 501; dann wann einer (bei der zecherei) expedirt wurde, dasz er weder sitzen, gehen oder stehen mehr konte, so hiesz es: nun ists wett! du hast mirs hiebevor auch so gekocht, jetzt ist dirs eingetränckt Grimmelshausen Simpl. 86 Scholte;
'mein hähngen' ist biszweilen wette,
wann er zuvor 'mein hühngen' spricht
(anreden zweier liebenden)
Chr. Weise überfl. gedanken 127 ndr.;
jetzt lieb ich sie auch, ...
weil ich vermuthe, dasz der üpp'ge mohr
mir ins gehege kam ...
nichts kann und soll mein herz beruhigen,
bis ich ihm wett geworden, weib um weib
(till I am even'd with him, wife for wife)
Shakespeare 8 (1832) 209 (Oth. 2, 1);
und hier spart ihr euch ab, um dort zu sammeln.
nennt ihr das recht? seht ihr! so sind wir wett
Grillparzer s. w. 8, 17 Sauer;
mit meinem vater bin ich wett; er gab
ein leben mir, ich rettete ihm eins
Grabbe w. 1, 148 Bl.
b)
in anderen, z. t. stehenden verbalverbindungen (die in heutiger sprache allein noch geläufige verbindung wettmachen wird als zusammensetzung aufgefaszt, s. u. sp. 783):
α)
wett(-)schlagen; vereinzelt noch substantivisch in die wette schlagen: auch so kompts wol widderumb, das du fur deyne muhe ettwa zu wenig nemest, da las ynn die wette schlahen ünd gegen ander auffheben, wo du zu viel genomen hast Luther 15, 297 W. adverbiell (z. t. als verbalpräfix); wettschlagen compenser l'un par 'autre Mozin dt.-frz. 4 (1856) 1212:
das schlah wir gen einander wett,
was eins dem andern ie getet
fastnachtsp. 1, 482 lit. ver.;
hatt jemants ain beschwaͤrung, so ist es billig, die selben gegen der gemaynen saͤlickayt aller mentschen wett zu schlagen Spalatin Erasmus, clage des frids (1521) H 1ᵇ; gott ist selbs ein solcher Naphthali, weil er mit uns wett schlegt, wöllen wir böss sein, so ist ehr widder böss G. Wicelius annotationes (1536) 22ᵃ;
ob mir schon einer drumb wolt fluchen,
so werd ich jn im zedel suchen:
mancher mir dannocht wol drumb redt,
so schlag ich eins zum andern wett
Scheit Grobianus v. 4916 ndr.;
ich will mit reicher gabe wettschlagen meine schuld
Scheffel ges. w. (1907) 2, 190;
so dasz sie meinte, dem wirth die doppelkreide in ihrer weise wettschlagen zu dürfen, indem sie etwas mitnahm W. Chézy erinn. (1863) 1, 292; die schuld des hauptschuldners an den gläubiger kann der bürge wettschlagen bad. landrecht (1809) 347. vgl.: wettschlagung compensation ebda, satz 1234 u. s. auch schweiz. id. 9, 486.
β)
wett(-)spielen 'wettmachen, vergelten, heimzahlen': ob si schon jetz weinend, so gedenckend daran, dass si domalen all miner gelachet; jetz hab ich wett mit inen gespilt Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 188; aber gleich wie mich das unglück hauffenweisz überfiele, ... also bedunckte mich auch jetzt, das glück wolte es wieder wett spielen Grimmelshausen Simpl. 183 Scholte; meynstu auch wol, es geschehe dir unrecht, wenn dir einer wieder wett spielte, was du zu Parisz begangen ebda 334; man musz es diesem boszhafftigen geschlecht wieder wett spielen ders., 2, 577 Keller. anders gewendet: hab ich doch ohnehin noch einen ehrlichen namen mit euch wettzuspielen (euch entgegenzusetzen, in die wagschale zu werfen) Schiller w. 3, 200 W. (Räuber). vgl. noch: reciprocation das wettspielen, die wiederkehrung Spanutius (1720) 406.
γ)
wett aufgehen 'sich aufheben, ausgleichen': es gehet wett auf calculus par est positus Dentzler clavis (1686) 2, 346; Aler dict. (1727) 2, 2181ᵇ; wet ufgo Seiler Basel 314; so schlägt das wasser in die füsz ... vnd dir die narrheit ... in grind, damit geht es wett auff Guarinonius grewel (1610) 669; hab ich heutigen tages noch einen creditor in Berlin — auch etliche debitoren für ein paar batzen — und geht's ungefehr so wett auf Bräker s. schr. (1789) 1, 141. sprichwörtlich: es geht zu (es geht wett auf) wie an des Birrenhansen hochzeit 'sehr kärglich' Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 64. aus dieser verbalverbindung entsteht als adverbielle neubildung wettauf: die haushaltung mehrte sich von jahr zu jahr, so dasz einnahm' und ausgabe sich immer wettauf frassen Bräker s. schr. (1789) 1, 221; gut also, erwiderte sie ruhig ..., dann sind wir ja wettauf P. Dörfler die lampe d. tör. jungfrau (1930) 95.
δ)
seltenere verbindungen: so wir vns mit gelde losz und wette keuffen Mathesius katechismus (1589) 64;
doch, weil ich an der Elb auch deiner zier vergasz,
mich Amarillis schenkt; hast du auch wechseln müssen.
so ist es wettgetauscht
S. v. Birken Pegnesis (1673) 1, 139.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 658, Z. 39.

wette1, f., (in älterer spr. n.)

¹wette, f. (in älterer spr. n.),
pfand; strafgeld; ratsbehörde; wetteinsatz, wettvertrag.
verbreitung, herkunft, form. got. wadi, n., ἀρραβών; an. veđ, n., pfand, (spiel)einsatz; norw. vedd, vad, wetteinsatz, -vertrag; mschwed. vaþ, vaeþ, n., pfand, berufungsgebühr, wetteinsatz; schwed. vad, n., wettvertrag, einspruch; dän. ved nur in slaͦ til veds wetten; ags. wed(d), n., pfand, zusicherung, vertrag; engl. (veralt.) wed, pfand, wetteinsatz; afries. wed, wedde, n., pfand, vertrag, bürgschaft, strafgeld. mnl. wedde, n., f., pfand, vertrag, preis, lohn, geldschuld; nl. wed, f., wettstreit, wedde, f., lohn, gehalt. as. weddi, n.; mnd. wedde, n., f.; ahd. wetti, n., mhd. wette, n., f. die germ. grundform *wadja(m) führt auf eine vorgerm. wurzel *u̯adh- zurück, zu der auch lat. vas, vadis 'bürge' und vadimonium 'bürgschaft', lit. vadúoti 'etwas verpfändetes einlösen' gehören, weiteres s. bei Walde-Pokorny 1, 216; Pokorny 1, 1109; Walde-Hofmann 2, 735; Falk-Torp 2, 1358; Feist ³539. der verschiedentlich angenommene zusammenhang mit den wurzeln *u̯edh- 'verbinden' (so Gierke schuld u. haftung 22) oder *u̯edh- 'führen' (Fick Bezz. beitr. 28, 105) stöszt auf lautliche schwierigkeiten und ist daher unwahrscheinlich, vgl. Uhlenbeck PBB 30, 321. das gleiche gilt auch von der zurückführung des germanischen wortes auf eine vulgärlat. kurzform *vadium (zu lat. vadimonium, so Bréal mém. d. l. soc. d. ling. 7, 441). mlat. vadia, vadium ist, wie die selteneren formen guadia, guadium (vgl. du Cange gloss. lat. 8, 227) zeigen, eine entlehnung aus dem germanischen (s. u.A 2) und entspricht im mittelalter dem deutschen wort wette in den bedeutungen A u. B. — germ. *wadja- wird als schuldrechtlicher terminus von den romanischen sprachen entlehnt: afrz. gage, m., 'pfand', seltener 'buszzahlung, sold'; frz. gage 'pfand', -s. pl., 'löhnung'; aus dem frz. auch it. gaggio, span., port. gage 'pfand, lohn' (weiteres bei Meyer-Lübke rom. etym. wb., nr. 9474); im engl. überdauern die rom. lehnformen gage 'pfand' und wage(s) 'lohn' (a. d. nordfrz.) das einheimische wed (s. o.). die erhaltung des auslautenden vokals im deutschen hat die inlautende doppelkonsonanz gesichert; nur vereinzelt begegnet (die im nom. u. akk. sg. lautgesetzliche) einfachschreibung in älterer sprache: uueti (9. jh.) ahd. gl. 2, 148, 43 St.-S.; wete (12. jh.) bei Müllenhoff-Scherer denkm. ³1, 319; könig Rother 2996 Frings-K. auch bei gelegentlichem abfall des ausl. e wird meist doppelschreibung beibehalten: wett (1349) qu. z. gesch. d. st. Kulmbach 303 Meyer; (1374) mon. Zoll. 1, 228; weist. 6, 315. hyperhochdeutsch ist wetzi ahd. gl. 3, 687, 29 St.-S. der übergang vom neutr. zum fem. setzt bereits im 14. jh. ein: der wette ... schuldig Nürnberger polizeiordn. 20 Baader; als fem. weiterhin: (14. jh.) weist. 4, 91; (15. jh.) Mainzer gerichtsformeln 18 Hallein; (1455) Quedlinb. urkundenb. 1, 437 Jan.; Steinhöwel Äsop. 58 lit. ver. das neutr. vielleicht noch im 17. jh.: ein wette Corvinus fons lat. (1646) 825.
bedeutung und gebrauch. das in allen germanischen sprachen begegnende wort nimmt innerhalb der älteren rechtsterminologie eine bedeutsame stellung ein. die verwendung im bereich des schuldrechts (A 'pfand') kann als gemeingermanisch angesehen werden. dagegen ist der jüngere gebrauch als strafrechtlicher terminus (B 'strafgeld') im wesentlichen auf das deutsche sprachgebiet beschränkt; eine weiterentwicklung dieser bedeutung (C 'ratsbehörde, gericht') gilt vorwiegend in den hansestädten. gegenüber der reichen bedeutungsdifferenzierung in früherer zeit erscheint der stark an formelhafte wendungen gebundene wortgebrauch in heutiger sprache (D) nur noch als eine relikthafte fortsetzung einer älteren, wohl gemeingermanischen sonderbedeutung ('pfand-, spieleinsatz'), die sich allmählich von der rechtssprache löste. das wort verliert in allen germanischen sprachen seit dem mittelalter seine ursprüngliche bedeutung 'pfand' (doch vgl. das lehnwort in den romanischen sprachen, s. o.). im deutschen lassen mehrere häufig gebrauchte neuere zusammensetzungen (z. b. wetteifer, wettbewerb, wettrüsten) den übergang in den allgemeinen sprachgebrauch erkennen und zeigen zugleich die noch ungebrochene triebkraft dieses wortes.
A.
im schuldrecht: ein haftungsgegenstand (pfand), der für die erfüllung einer schuld gegeben wird; ein vertragssymbol (vadium), das bei nichterfüllung einer schuld den zugriff auf person oder vermögen des schuldners sichert; weiterhin auch das rechtsgeschäft selbst, die zusicherung, einer rechtsverbindlichkeit nachzukommen.seit dem 10. jh. wird das wort in diesem bedeutungsbereich mehr und mehr durch das schon in den ältesten quellen neben wetti (urspr. 'das gesetzte pfand') bezeugte phant (urspr. 'das genommene pfand') verdrängt. in dieser zeit vollzieht sich auch eine umbildung des germanischen schuld- und pfandrechts, in dem wetti ursprünglich noch als vergeiselungsvertrag (vgl. 2 d), meist aber als vorläufige hingabe an zahlungsstatt (verfallspfand) aufgefaszt wurde; demgegenüber bezeichnet mhd. pfant in der regel eine zusätzliche sicherung eines formellen schuldversprechens (verpfändung des sachwertes ohne besitzrecht am gegenstand, verkaufspfand), vgl. Schröder-Künszberg rechtsgesch. (1932) 68; 780; Gierke schuld u. haftung (1910) 325. im deutschen ist wette im sinne von 'pfand' seit dem 16. jh. nicht mehr nachweisbar; dies steht im auffälligen gegensatz zur erhaltung der worte gage, gaggio (˂ germ. *wadja) für 'pfand' in den romanischen sprachen und im englischen. für die bürgenstellung, die an die stelle des vergeiselungsvertrages tritt, wird wetti schon im ahd. nur noch selten gebraucht (vgl. ahd. burigo). — im mhd. schlieszen sich bedeutungsvarianten von wette an den älteren gebrauch im bereich des schuldrechts an.
1)
angeld, pfand. got. wadi übersetzt in den Paulusbriefen griech. ἀρραβών 'das angeld' (in übertragenem gebrauch vom geist, der den menschen von gott gegeben ist als gewähr für künftigen heilsbesitz): jah sigljands uns jah gibands wadi ahman in hairtona unsara 2. Kor. 1, 22; jah gaf uns wadi ahman 2. Kor. 5, 5; izei ist wadi arbjis unsaris Eph. 1, 14. im anschlusz daran auch: jah ju þaþro swe wadi þairh ... skeirins 6, 29 Streitb.; vgl. fernerhin wadjabokos χειρόγραφον 'handschrift, pfandbrief' Kol. 2, 14. ahd. wetti ist nur in glossen bezeugt, deren älteste dem gotischen wortgebrauch genau entspricht: (dedit) pignus (spiritum) uuetti (8. jh.) ahd. gl. 1, 765, 22 (zu 2. Kor. 1, 22); ähnlich auch: (spiritum sanctum, qui datus est nobis ...; fides) pignori (prima debetur) uuetti (9./10. jh.) 2, 25, 3 (zu Ambrosius, Luc. 1, 12). in anderen fällen auch zur bezeichnung des ausbedungenen 'pfandes', das später zurückgegeben wird: (dedit ei pro arrabone. arrabona i.) vadimonium uuetti (11. jh.) 1, 307, 60; arrabo pant vel uueddi (11. jh.) 1, 318, 41; arrabo, pignus wedde (12. u. 14. jh.) 4, 251, 8 (sämtl. zu Gen. 38, 17). — weitere glossierungen zu lat. pignus: (feminam ... quae) septem pignoribus (ad regnum praemissis ... pervenit octava) sibun uuettun edo fantun (8./9. jh.) 2, 306, 40 (zu Gregors hom. I 3, 1445); pignora uuetti (9. jh.) 1, 228, 37 (Ra); (custodem praemittit opum,) quo pignore (gazas incipiet proferre suas) pidemo vuette (10./11. jh.) 2, 772, 8; bidemo uuetti (11. jh.) 2, 28, 69 (zu Arator, Vig. I 702); so auch 2, 316, 63; 587, 75; 769, 12; 22; 4, 216, 60 (sämtl. 9.—12. jh.). zu lat. arra(bo): arras (gegenglosse zu aras) uuetti (8./9. jh.) 1, 636, 24; arrabotia (l. arrabona) vuetzi (11. jh.) 3, 687, 29 (falsch verhochdeutscht für vuetti). in folgenden übersetzungen von lat. vadimonium (s. o.) wohl als glossenwort aufzufassen (doch vgl. 2 c): (catillata geris) vadimonia vuetti (11. jh.) 2, 162, 2 (zu Fulgentius, expos. serm.); vadimonium uuette (12. jh.) 4, 106, 5; wetti (13. jh.) 164, 10 (gloss. Salom.). auch im mhd. und mnd. noch in der bedeutung 'pfand' bezeugt. im anschlusz an die got.-ahd. übersetzung von 2. Kor. 1, 22 (s. o.): zu der frǒde der engelischen mandunge, von der wir nu enphangin habin daz wetti des heiligin geistis spec. ecclesiae 77 Mellbourn. '(substanz-)pfand':
swer ime (dem teufel) iht sol, der mac wol sorgen.
ê ich im lange schuldic wære,
ich wolt ê zeinem juden borgen.
er swîget unz an einen tac:
sô wil er danne ein wette hân,
sô jener niht vergelten mac
Walther v. d. Vogelweide 100, 31 Kraus;
ir müezet iuwer wete (var. pfant) quiten
von anderme bejage
Konrad v. Fussesbrunnen kindh. Jesu 1576 K.;
und von edelen gesteyne
heyz her iz wiren reyne
und machen von so richer kost,
daz men iz ymber hette gelost
vor dhusent marc, sven iz hette
gestan zo perseme oder zo wette
(var.: af et to pande hedde gestan)
braunschw. reimchron. 4552 Weiland;
nymt her (der jude) zu wedde (var. phande) kelkhe oder bûche oder gerwe ..., men richtet uber ine alse uber eynen dief Sachsenspiegel 112 Eckh.; 127; kundige wi, dat dat gut to wedde steit den vor twintusch marke min dan twe hundert (1292) westf. urkundenb. 6, 472 W.-F.; dat wedde efte pande (1492) Flensburger stadtrecht, cap. 31 Thorsen. so auch noch: vadimonium weth (obd.), wedde (md.), weedde (nd.) Diefenbach gloss. 604ᶜ (sämtl. 15. jh.). seit dem 16. jh. in diesem sinne nicht mehr belegt; die angaben bei Adelung 5 (1786) 191 und Campe 5 (1811) 691, dasz das wort in der bedeutung 'unterpfand' noch im niedersächsischen üblich sei, sind wohl irrtümlich und beruhen vermutlich auf Dähnert plattdt. wb. (1781) 541, der diese verwendung aber als veraltet ('aus urkunden') bezeichnet.
2)
zur bezeichnung einer persönlichen, durch vertragssymbol, bürgschaft oder gelöbnis gegebenen sicherheitsleistung; das vertragssymbol selbst; auch von bürgen und geiseln, durch die diese sicherheit gegeben wird. in diesem sinne bereits in frühen mlat. texten als rechtsterminus begegnend: si quis alii uuadia et fideiussorem de sacramentum dederit, per omnia, quod per uuadia obligauit, adinpleat (643) edictus Rothari cap. 360, in: ges. d. Langobarden 142 Beyerle; si quis amodo in presentia regis uel iudicis seu liberorum hominum qualecumque modo uuadia dederit, et postea negare uoluerit ille, qui uadia dedit, quod in tali tenore uuadia non dedisset, sicut ille, qui uuadia suscepit, queritur (746) ges. Ratchis, cap. 5, ebda 345; vgl. auch Baesecke d. dt. worte d. germ. gesetze PBB 59, 53; 65; 88; at ille veniam postulat de commisso scelere; illi vero falsa humilitate wadium suum in manum dare voluit (7. jh.) Bobolenus vita Germani, in: MGH, script. rer. Merov. 5, 38.
a)
symbolisches pfand, vadium; für die zahlung des muntschatzes (vom handschuh): dâ ein frî Swêbenne êwet ain Swâb, der ist ain frî man, dâ muoz er im siben hantscuohe hân. mitten gît er siben wete nâch dem swâbeschen rehte schwäb. trauformel (12. jh.) in: Müllenhoff-Scherer denkm. ³1, 319; diu wete elliu diu nimet diu frouwe unde ir voget. nû nimet der voget, ir geborn voget, diu wete unde die frouwen unde ain swert ... unde sprichet ebda 320. — eine besondere ausprägung hat die symbolische pfandreichung (vadiation) im mittelalterlichen gerichtsverfahren, insbesondere beim gerichtlichen zweikampf, erfahren; das geben des pfandes (meist eines handschuhs) in die hand des gerichtsherrn hat hier die bedeutung eines beweiserfüllungsgelübdes, vgl. Coulin gerichtl. zweikampf i. afrz. prozesz (1906) 72; Du Cange gloss. lat. 8, 229ᵇ (s. v. vadium). dieser rechtsbrauch begegnet häufig auf fränkischem gebiet (s. afrz. gage Tobler-Lommatzsch afrz. wb. 4, 31; mnl. wedde Verwijs-Verdam 9, 1870), ist aber auch in den langobardischen (s. o.), friesischen, angelsächsischen und nordischen volksrechten ausgebildet, vgl. Gierke schuld u. haftung (1910) 315; 318; 322. in diesem sinne begegnet mhd. wette in der übersetzung des afrz. Lancelot-romans, offenbar unter einflusz des wortgebrauches der quelle (s. auch gewette, teil 4, 1, 3, sp. 5701): gab dem konig einen hantschuch in die hant und sprach, er wolt selb fechten. 'herre ... seht hien myn wette (tenez ... mon gaige) das ich nye verrettery zu uch gethet' Lancelot 1, 24 Kluge; ir dri wolten den kampff nemen wiedder yn allein ... und buͦden ... dem konig ir wette (les gages). desglichen det Lancelot und bat yn das er die wette beidenthalb neme ebda 526; 497; 525; darnach bot er sin wette, ob ymant da were der da wiedder yn sprechen wolt als er zu recht solt, das ers off yn bereden wolt ebda 515. zur bezeichnung eines symbolischen pfandes (als zeichen der bereitschaft zur eidesleistung) auch in einer späteren mnd. quelle: beschuldigt einer den anderen mit eideshand, secht de beklagede nein, he lecht sin överst wedde, dat is einen hot, in. darup wert dem klager gefraget, efte he den eid hebben wil. secht he ja, de beklageder mot schweren und wert em sin hot ... wedder togestellet (16. jh.) rügisch. landrecht 16 Frommh.
b)
oft bleibt die überreichung eines symbolischen gegenstandes unerwähnt; das wort bezeichnet in diesem zusammenhang dann auch allgemeiner den symbolischen verpflichtungsakt durch handschlag (treueverpfändung) oder eine ehrenwörtliche versicherung (zur verpfändung des wortes vgl. A. Heusler inst. d. dt. privatrechts [1885] 2, 247; zs. f. rechtsgesch., germ. abt. 26, 192; s. auch mnl. wedde Verwijs-Verdam 9, 1871). 'förmliche zusicherung' (wie unter d auch von personen: promittentes): (quotquot virginitatem) promittentes vetti (irritam faciunt) sponsionem vetti, (inter bigamos censeantur) (9. jh.) ahd. gl. 2, 141, 33; 34 (zu: canones conc. Ancyr. XXVIII); sponsio uuetti (12./13. jh.) 4, 122, 39; 160, 64 (gloss. Salom.); dederunt manus suas (ut eiicerent uxores suas) gapun vuetti (7 hss., 10.—13. jh.) 1, 471, 36 (zu Esdr. 10, 19); (accepi librum possessionis signatum et) stipulationes mit vuette (3 hss., 10.—12. jh.), vuette (11. jh.) 1, 632, 36 (zu Jerem. 32, 11); vgl. hierzu auch die stabende rechtsformel mit wort und wette im angelsächsischen: þaet we habbađ ealle ægþer ge mid worde ge mid wedde gefæstnod (um 1000) gesetze der Angelsachsen 1, 236 Liebermann. förmliche verpflichtung zur übernahme einer bürgschaft: wer an gericht geborget wirt, enqueme der nit, als er solde, so muste ime der person, der ien an gericht geborget hette mit der wette, an gericht stellen (15. jh.) Mainzer gerichtsformeln (1891) 18 Hallein.
c)
von der verwendung des wortes im sinne einer förmlichen verpflichtung (b) leitet sich die bedeutung 'übereinkommen, vertrag' her; so vielleicht schon in Prudentiusglossen des 11. jhs.: (divisa ... ponto littora conveniunt nunc per) vadimonia (ad unum ... forum) vuette ahd. gl. 2, 471, 67; uuette, uueitte 519, 61; uuette 529, 39; uuetti 571, 34 (zu Prudentius, contra Symm. II 614). weiterhin: pactum wette (12. jh.) 3, 414, 38 (gloss. Herrad.); 4, 217, 16; emologium wedde (Straszb. 1518) Diefenbach gl. 207ᵃ.
d)
'bürge, bürgschaftsleistung' (vereinzelt): (clericus) fideijussionibus (inserviens abjiciatur) uuettin (9. jh.) ahd. gl. 2, 141, 6 (zu: canones apost. XX); (qui) vades (se offerunt pro debitis) uuetti (10. jh.) 1, 526, 39 (zu Prov. 22, 26) 4, 106, 3; 164, 18 (12./13. jh.);
want ich durch dat beste,
reyne maget ind vnbeleste,
leuende mich uch begaff,
ind verzey vp de heydenschaff,
vp dat ich uch hedde
zo burge ind zo wedde
zo allen mynen noden
Karlmeinet 264, 12 lit. ver.
von einer person, die als faustpfand (geisel) behalten wird:
daz was der koninc Rother.
vnde hat geuort ouer mere
mine tochter vnde din ...
si vil der listige man
zo eineme wete han
biz ime wirt gelonit
könig Rother 2996 Frings-Kuhnt.
3)
an die gebrauchsweisen im bereich des schuldrechts schlieszt sich die verwendung des wortes im sinne von 'zins, darlehen': (nec omnino cuiquam clericorum liceat de qualibet re) fenus (accipere) uuetti vel prasma (9. jh.) ahd. gl. 2, 148, 43 (zu: canones conc. Carth. V); (reddat tibi dominus semen de muliere hac pro) foenore (quod commodasti domino) uuetti (9. jh.) 1, 707, 9; vueddi (10.—- 12. jh.) 1, 407, 12; 4, 267, 13 (zu I. reg. 2, 20). noch mhd.: C. F. sprach ..., daz er si ein formunt eins kindes, vnd habe von ime in genumen sin cins vnd wette von etlicher gute wegen, di er im solt wern (1350) Würzburg, stadtarch. standb. 506, s. 123. spärliche zeugnisse lassen erkennen, dasz das wortvielleicht unter einfluß des strafrechtlichen gebrauchs (B) — auch für öffentliche leistungen anwendung fand: auch tun wir die genad der pfarr an iren widemgueten zu dem Windischenhaig, dasz wir noch unser erben noch niemant von unsern wegen wett noch stewer, fron noch fueter, noch keinerlei ander dinst an sie ewichen nimer gevoderen schullen (1349) qu. z. gesch. d. st. Kulmbach 303 Meyer. in einem nsächs. verzeichnis von gütern u. gerechtsamen sind als öffentl. abgaben genannt ('richterverpflegung f. d. königsdienst'): wedehonre, wedeeygere (um 1300) bei Kindlinger gesch. d. fam. v. Volmestein (1801) 2, 297; s. auch Minnigerode königszins (1928) 81.
4)
im anschlusz an die bei ¹wetten A 2 nachweisbare bedeutung 'heischen, fordern' (s. sp. 691) für die vorladung vor ein (auswärtiges) gericht: optuli ea (bona) cum omni iure ..., exempta ab omni exactione ...; ceterum vero ut ecclesia predicta bona in ampliori libertate possideat, ab euocationis iugo, quae wethe uocatur, libera dimitto (um 1217) meckl. urkb. 1, 217; vgl.wettung 1, sp. 792.
B.
im strafrecht: strafgeld (mit dem eine schuld 'wett'-gemacht wird), das an den richter oder an das gemeinwesen zu zahlen ist, gleichbedeutend mit brüche, pene u. dgl. (meist im unterschied zur busze, die dem verletzten gebührt); in dieser bedeutung vor allem im 'ostfälisch-thüringischen, aber auch im friesischen, am Rhein und in Südwestdeutschland häufig', His strafrecht d. dt. mittelalters (1920) 1, 610. wette wird zu einem terminus des strafrechts, als mit der ausbildung der öffentlichen gewalt das ältere volksrechtliche friedensgeld mehr und mehr den charakter einer strafzahlung annimmt; diese fällt damit zusammen mit der älteren bannbusze, deren höhe sich auch nach der amtsgewalt richtete, durch die ein übertretenes gebot oder verbot erlassen wurde (vgl. 1 u. 3). der ansatz zu dem bedeutungsübergang (pfandstrafgeld) liegt in der oft bezeugten symbolischen pfandreichung (vadiation) als urteilserfüllungsgelübde (vgl. ¹wett, adj. u. ¹wetten A 2); von hier aus ging der name der wette auf den versprochenen leistungsgegenstand über, s. Gierke schuld u. haftung (1910) 327 u. vgl. folgende textstelle aus dem Karlmeinet. 'symbolischer akt (vgl.A 2 b), der die übernahme einer zahlung als genugtuungsleistung versinnbildlicht':
sus so dede Dederich
da syn son hadde sich
versumet entgan synen heren (Karl).
da woulde hey id weder keren
ind boit Karlle mit syner hant
sin wedd ind hait bekant,
wat syn sone hedde mysdæn,
dar woulde hey vurstæn ...
als Karlle der konynck riche
van Ardanen Dederiche
vur synen sone sich sach erbeden
ind rechtz vur en woulde plegen,
sin wedde Karlle do intfeynck.
an eynen dat hey is geynck
ind vragede, wat hey hedde
verburt (verwirkt) mit dem wedde.
hey (Karl) delde eme gerade ...
van siluer bundert dusent marck
die genugtuungsleistung selbst:
... hey ouch mit syme swede bar
vur uch eme syn houet speilt
ind hey also vele neit
dar vmb wedde noch en gaff
Karlmeinet 247, 35; 44; 47; 248, 29 lit. ver. (zur stelle s. PBB 75, 54)
im nhd. begegnet das wort als strafrechtlicher ausdruck nur noch selten, vereinzelt hält es sich mundartlich: wedde busze, strafe Köppen Dortmund 66. bedeutungsvarianten, die an wette im sinne von 'urteilserfüllungsgelübde' anknüpfen, leben in ¹wett, adj., und wettmachen, vb., weiter (s. d.).
1)
strafgeld im allgemeinen sinne:wedde, ↗wette heisset die strafe, die man dem richter giebt, busz giebt man dem kläger Schottel v. unterschiedl. rechten (1671) 235; Stieler stammb. (1691) 2407; swer wedde unde bûze nicht ne gibt zu rechten tagen, die vrône bode sal dâ vore phanden Sachsenspiegel 47 Eckhardt; wint aber die man sîne bûze êr deme wedde, men sol se lêsten uber ses wochen ebda 62; dar mide ne heuet he wedde noch bote verscult an neneme gerichte (1227) urkundenb. d. st. Braunschweig 5 Hänselm.; districte precipimus, ut omnis iudex ... nemini, qui a proscriptione absolvitur, relaxet penam que dicitur wette (1235) in: MGH, constit. 2, 246; swenne aber vorme rate umbe frevel wirt gewettet, so sol der schultheisse und der vogt han gewalt umbe das wette ze rihtenne, alse were es vor in geschehen an gerihte (1270) Straszb. urkundenb. 4, 6; swaz pfande man den burgern nimt umbe ir wette von der stat wegen an allen sachen, die behelt man sehs wochen und verkauft sie denne (13./14. jh.) Nürnberger polizeiordn. 10 Baader; hat och der huͦber ein bette, er sols dar lihen, der es vordert: tete er des niht, er sols gebessern mit dem wette, er enswere denne ze den heiligen, das er sin niht enhabit (14. jh.) weist. 4, 91 Gr.; brengit eyn man den andirn vmme roub ... yn gevenknysse vnde kan yn der tzucht nicht obirwynden, so sal her yn myt wette vnd myt busse von rechte lossen (14. jh.) Kulmer recht 63 Leman; man sol dem underschultheiszen ein buoch machen und darin schriben allez waz von gerichtz wegen vellet, es sien frönungen, frevel, wetten (um 1420) Schlettstädter stadtr. 333 Gény; bitten die vom adel ... das s. kf. gn. die wedde und broke ... ihne lassen widerum folgen, wie sie von alters gehabt (1540) ständeakten Joachims II. 1, 93 Friedensburg. in hinsicht auf die bestrafung und verurteilung: sette se ... in konyngsban und wedde, in den hogesten unfrede, und macke ze ... rechtlois, vredelois und onwerdich alles rechts (1490) bei Anton beitr. z. den ... teutschen rechten (1777) 134. in neuerer zeit nur noch in historischen darstellungen: so wurde ein aussergerichtlicher vergleich über ein verbrechen verbothen ... hat denn die obrigkeit nicht beständig seit den ältesten zeiten eine wedde bekommen? allg. dt. bibl. (1765) 5, 136; dass schon von uralten zeiten her dieses die ordentliche strafe oder wette der fürsten gewesen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 146; sowohl wette als busze richten sich gewöhnlich nach dem stande des richters Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 638.
2)
oft speziell als 'versäumnisstrafe': swele dar niht enkeme, der were driier schillinge schvldich, vnd swaz ze den gedingen slehter wette gewetet wirt, daz ist dez hofes div zwei teil, vnd dez vogtes daz dritteteil (1279) corp. d. altdt. originalurk. 1, 355 W.; welhesz jarsz der zinsz nit geriht wúrde in sölichem geding vnd vf daz zil alz vorgeschrieben stet, so hat ain jeklich priester ... gut reht vff diu vorgeschrieben gut wett vff slachen mon. Zollerana 1, 228 (nr. 367); vnd wels jars er vnd sin erben daz obgenant pfünt ... nit riht ... so mögen sie wette vff den obgenannten garten slahen in: zs. f. gesch. d. Oberrheins 9, 126 Mone; wer von dem gotzhuse gut hat, zinset er das nút als er zerecht sol in den nún dingen ... die sol vnser herre ziechen in sinen gewalt für wette vnd fúr die zinse (um 1400) weist. 4, 106 Gr.; welcher sin zins oder gült jaerlich uf die zit wie das gefelt nit richtet und bezalt, so hat der zinsherr oder lehenherr recht wett anzuschniden (anzurechnen) mit zwen masz wins ebda 6, 315.
3)
in verbindung mit attributen, die höhe und abstufung der wetten bezeichnen (dazu vgl. H. Sperling z. gesch. v. busze u. gewette [1874] 17 ff.): unse richter sall boren van eynen slichten wedde (simplici vadimonio) dat ... gheheyten is deghelikes wedde, veyr penninghe (1341) bei Nigge bilder a. Lünens verg. tagen (1914) 162; der schultheisz hatt das recht, das die schlechten wetden sin sint (15. jh.) weist. 4, 240 Gr.; minores pene, vulgariter dicte kleyne wette (1399) niederrh. schöffenspr. 179; men weist ime zu die cleine wett (1413) ebda 727; we dyt deyt, de brickt dat hogeste wedde: unde dat hogeste wedde is dyt: deme mestere 1 schill. unde iowelkeme gewerken 6 penn. (1393) urkundenb. d. st. Wernigerode 112 Jak.; pene majores que appellantur vulgariter grœsze wedde (1447) weist. 2, 740; die grosze wette die ist halbr phund phennig (1455) Quedlinb. urkundenb. 1, 437 Janicke.
C.
vorwiegend in den seestädten die 'ratsbehörde, die die strafgelder einzieht', dann auch 'gericht zur schlichtung von gewerbestreitigkeiten' (im gleichen sinne auch gewette, s. teil 4, 1, 3, 5706). zunächst nur mnd., in den ordensgebieten aber auch schon früh im hd. kontext. diese bezeichnung geht vermutlich von den die strafgelder einziehenden personen aus (vgl.wettherr, wettmeister); für den bedeutungsübergang auf die behörde ist auch sekundärer einfluß von (vorw. mnl.) wette 'stadtrat, senat' Lübben-Walther 579 (vgl. ²wette) zu erwägen. zur sache vgl. zs. d. ver. f. lüb. gesch. 1, 197; 27, 209; zs. f. rechtsgesch., germ. abt. 26, 84. belege: und kumpt he vor dat wedde und weddet he dat, dat he denne blive und were dat, dat he daar vorswere (14. jh.) in: mitt. d. ver. f. lübeck. gesch. 3, 62; Hans von Geseke was mit mir vor der wette unde her sprach, wie das myn herre denselben 6 gesellen die vorgeschreben summa qwit gegeben hette durch en (1420) handelsrechn. d. dt. ordens 257 Sattler; von dehme sall die aussgedrückte busse dubbelt durch der stadt wette genommen werden (1540) Danziger hochzeits- u. kleiderordn. 27 Günther; item so jemanth der schipperen ... stylle schwege, unnd nicht en clagede ... desulve schipper schall sick des vor deme wedde mith sinem ede purgeren und enthleggen (Lübeck 1542) bei Pardessus coll. de lois maritimes (1834) 3, 437; wer da begriffen wird auff scheinbahrer that mit falscher masz zu wein, bier und allerley getränke ..., der ist der wette zehen thaler zu geben schuldig (1680) lüb. stadtr. 4, tit. 12, 1; würde einem dieb sein ... gut abgejaget, davon gehören der dritte theil demjenigen, welcher es ihm abgejaget hat, die andere zwey dritte theile gehören dem wette und dem gerichte ebda 4, tit. 1, 2; es erkennet aber die wette über alle sachen, so wieder der burger freiheit von fremden gehandelt Curicke d. st. Dantzig hist. beschreib. (1688) 120ᵇ; falls sie einigen mangel an solchem schiffe bespüren sollten, soll er gehalten sein, selbiges dem ... dirigirenden herrn deputirten zur wedde anzuzeigen (1709) bei Baasch börtfahrt (1898) 110; ich schwere ... dasz ich der wette treulich und fleiszig abwarten ... will corp. constit. Prutenicarum 2, 325 Grube; vgl. noch: wette heist in einigen see-städten das handwercks-gericht, vor welchen der handwercksleute ihre streitigkeiten abgethan, ihre privilegia conserviret, und ferner gute verordnungen zu der handwercker aufnahme und besten gemachet werden Hübner (³1717) zeitungslex. 1759; in der alten Danziger verfassung diejenige behörde, welche das polizei- und handelsgericht vorstellte Frischbier pr. 2, 465; weiterhin: wetten handeln, handel treiben ebda 2, 466.
D.
im allgemeinen sprachgebrauch (vor allem bei turnieren und spielen, aber auch beim meinungsstreit): pfandeinsatz, der der gewinnenden oder recht behaltenden partei zufällt; auch die vertragliche vereinbarung, durch die ein preis eingesetzt wird; der wettstreit. in weiterführung älterer rechtssprachlicher ansätze (vgl. 1) entfaltet sich dieser bedeutungsbereich beim aufkommen der ritterlichen kampfspiele des mittelalters; wette 'pfand' erhält dabei zunächst die speziellere bedeutung 'spieleinsatz', vgl.wettes stan 'auf dem spiele stehen':
von spile hebt sich manege zît
fluoch, zorn, schelten, sweren, strît.
ne spriche niht dazz ieman tuo:
dâ hœret manec untriuwe zuo.
sîn phant dicke wettes stât,
der sich an die würfel lât
Freidank 48, 17 Grimm (s. u. 4 b α).
diese reale pfandsetzung ist der ausgangspunkt der wette im heutigen sinne; das gilt auch für die beim meinungsstreit abgeschlossene wette, obwohl sich hier sprachlich gewisse berührungen mit der beteuerungsformel beim symbolischen verpflichtungsakt (A 2 b; vgl. auch ²wette 2 und ¹wetten C 2 c) ergeben; s. dazu O. Gierke schuld u. haftung (1910) 328.
1)
einsatz beim spiel oder meinungsstreit, siegespreis. im gegenständlichen sinne: bravium lon vel wette (12. jh.) ahd. gl. 3, 419, 37 St.-S. (gloss. Herrad.); sehet ... die da enwette loufent, ... wie die allesamt lovfen unt arbeiten, vnt wie si iedoch sumeliche uil harte uermissen. want si engewinnent umbe daz daz wette alle niht. want daz wette daz engewinnet niemen, niewan der eine, der da rehte hin ze dem zil chumt. nv lovfet ovch ir also ... daz iv daz wette werde (12./13. jh.) dt. predigten 36 Roth;
ir endürfent niht belîben
ungespilt umbe daz,
ob ir enwizzent waz
und welch wett ir setzent
K. Fleck Flore u. Blanscheflor 5213 Sommer;
ich wil daz houbet mîn
dar umbe lâzen wette sîn.
si habent ninder under in
bezzer degene denn wir han
Biterolf 9449 Jänicke;
dasz doctor M. Luther, als ehr widder den Deczel ... angehoben offendlich zcu schreyben, gereydt ohn zuuor doctor ... gewest, dasz will F. V. bey einer wette hundert rheinischer goldgulden (1538) bei Luther br. 8, 302 W.; als endlich die jünglinge von jhr die gewonnene wette gefordert Lehmann floril. polit. (1662) 3, 309. im bildlichen ausdruck: sollen denn die unvernünftige bestien, die leuen, uns, in der fürsichtigkeit, die wette abgewinnen? (den rang ablaufen) Francisci weh d. ewigkeit (1686) 885. dichterisch auch vom einsatz des lebens beim kampf:
die Littowen sie zû vrû
triben ûz dem bette.
dâ gab vil mancher wette,
daz er dar umme tôt gelac
livländ. reimchron. 1532 Meyer.
in verbindung mit attributen, die höhe und wert des einsatzes (oder vertragsabschlusses) bezeichnen:
got herre, wie gewirbe ich
mit dirre veigen lage?
nu stat mir disiu wage (wagnis)
zeime hohen wette
Gottfried v. Straszburg Tristan 15 173 Ranke;
einen silbernen teller ... nach welchem der könig mit seinen chanen ... zu schiessen und darbey grosse wetten zu setzen pflegen Olearius persianische reisebeschr. (1696) 293; zwey solche feldherrn ... hatten im ganzen laufe dieses kriegs noch in keiner offenbaren schlacht ihre kräfte gemessen, eine so hohe wette noch nie die kühnheit geschreckt Schiller 8, 287 G. allgemeiner 'preis, wert':
nun dörfft ich offentlich mit meinen brüdern gehn,
und in der waffenkunst auf gleicher wette stehn
Hohberg d. habspurg. Ottobert (1664) C 1ᵇ.
2)
förmliche vereinbarung, durch die wechselseitig eine bestimmte leistung zugesichert oder ein gewinn eingesetzt wird; diese vereinbarung wird meist beim streit über eine ungewisse sache oder bei einem noch unentschiedenen ausgang abgeschlossen, seltener von den teilnehmern eines wettstreites, vgl.: wette ... ist ein contract, da man sich über die wahrheit oder den ausgang einer noch ungewissen oder unbekannten sache, die einer für wahr, der andere aber für falsch hält, dergestalt vergleichet, dasz derjenige, dessen meinung mit der wahrheit oder dem ausgange übereinkommen würde, einen gewissen gewinn haben solle, Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 8, 2325: daz ... ein iegleichz groszerz gescheft ..., es gescheh von spil oder von wetten ..., vor zwain oder vor menigerm der hundert mannen enden ... sol (14. jh.) Wiener Neustädter stadtr. cap. 73 Winter; seintmal die sachen ... antrift, das tapelspil (würfelspiel) und wett gleich ist, so sol darüber kein gericht geen (15. jh.) Leipziger schöffenspruchslg. 382 Kisch; wo twe luede wedden umme eine sake, wolde ein van den twen des weddes nicht thostaen, so mach eme dat de ander avertuegen mit unbeseten lueden (15. jh.) bei Hach altes lüb. recht 570; darumb, das du gestern hast gewettet, du wöllest das gancze mer usztrinken und hast den ring ze zugnus der wett geseczet Steinhöwel Äsop 58 lit. ver.; der richter sol vber wetten vnd falsche müntze nicht richten König processus (1541) 64; darauf liesz ich ihm zuentbieten, er hätte ... die wette ... nicht erfüllet (1581) Schweinichen denkw. 255 Öst.; sol diese wette also seyn, dafern du die vrsache meines betrübnis wissen wirst, ... so wil ich dir ... 2000 kronen geben engl. comedien u. tragedien (1624) X 1ᵇ; er entlehnte ... geld von Siegwart ... und gewanns ihm dann durch wetten und spiele ... ab Miller Siegwart (1777) 1, 168; der ritter d'Eon ... gab wegen seines zweifelhaften geschlechts gelegenheit zu erstaunlichen wetten Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 292;
schon gut! nur dauert es nicht lange.
mir ist für meine wette gar nicht bange
Göthe I 14, 23 W. (Faust I);
die aufgabe sei gelöst und die wunderliche wette entschieden Eichendorff s. w. (1864) 3, 371. beim pferderennsport hat sich ein besonderes verfahren der wettabschlüsse herausgebildet, vgl.: der abschlusz einer wette erfolgt mit hilfe staatlich konzessionierter buchmacher oder auf den rennplätzen durch totalisatoren gr. Brockhaus ¹⁵ 20, 272; bietet der buchmacher seinen kurs auf das rennpferd Achilles '4: 1 gegen Achilles' an, so verspricht er damit dem, der die wette annimmt und zu diesem zweck 50 mark einzahlt, 200 mark gewinn, wenn Achilles siegt ebda 3, 463. das wort kann in diesem zusammenhang seinen ursprünglichen sinn verlieren, wenn z. b. beim wettverfahren mit dem totalisator nicht um einen vorher festgesetzten gewinn gewettet wird, sondern dieser erst nachträglich aus den einsätzen errechnet wird (bei neueren sportarten werden für das gleiche verfahren andere bezeichnungen bevorzugt, vgl. fuszballtoto). in verbalen wendungen, die den abschlusz der vereinbarung bezeichnen; wette tun: eine wette tuhn facere sponsionem, vel interponere Stieler stammb. (1691) 2407;
die droschel hat ain wett getan
mit ainem alten rappen
zu tichten auff des maien pan
und gilt ain junge kappen
Oswald v. Wolkenstein 28, 9 Schatz;
ein wette wolte ich drauf thun, ewer heiligkeit solte mehr stercke haben, ein ruder zufuͤhren, den gaben und kreffte ein bisthumb zu regieren Scherdiger orbis hist. (1591) 290; P. und Ph. thaten offt eine kleine wette miteinander, welche am meysten fische fangen kondte Opitz Sidney's Arcadia (1643) 159. w. anschlagen: sponsionem cum aliquo facere mit einem eine wette anschlagen Faber thes. (1587) 790ᵇ; Hoffmannswaldau redeübungen (1702) 53;
einmal in einem tiefen thal
der kukuk und die nachtigal
eine wett thäten anschlagen,
zu singen um das meisterstück
Herder 5, 192 S.
w. anstellen: sind sie hernach in ihren gedancken der sache so gewisz, dasz sie zur andern zeit wohl gar wetten drüber anstellen, es werde so oder so werden J. G. Schmidt gestrieg. rockenphilos. (1706) 1, 145; befahl mir euch wissen zu lassen, dass er eine grosse wette auf euren kopf angestellt habe Shakespeare 3 (1798) 344 (Hamlet); Ranke s. w. (1867) 40/41, 273. w. verbinden: es wäre denn, dasz wetten mit ihm verbunden worden Hippel über d. ehe (1792) 186. w. eingehen: so hat dennoch keiner unter ihnen auf des grafen ferners zunöthigen die wette eingehen wollen (1715) Berliner geschrieb. zeitungen 8 Friedl.; Schiller 3, 130 G.; Bismarck ged. u. erinn. 1, 20 volksausg.; H. Mann ausgew. w. 1, 582 Kant. w. wagen: wil er eine wette wagen? Logau sämtl. sinnged. 161 lit. ver.; Tieck schr. (1828) 1, 354. w. machen: wetten haben sie darauf gemacht (dasz eine tugendhafte edelfrau verführt werde) W. Raabe s. w. I 3, 464. w. abschlieszen: für jede abgeschlossene wette ist eine steuer zu entrichten (beim pferderennen) gr. Brockhaus ²⁰3, 463; es fehlt nicht viel, dasz im getobe der begeisterung wetten abgeschlossen werden A. Zweig Grischa (1953) 121; Kellermann tunnel (1955) 308. — weiterhin: denn ich selbst dergleichen hunde in meiner faust gehabt, auf welche ich ... ein grosse wette halten wollen, von weitem zu sagen, was sie ... suchten Göchhausen notabilia venat. (1741) 13.
3)
'wettstreit, wettspiel'; nur gelegentlich bezeugt, meist in übertragenem gebrauch: certatim in kampffs weysz ... in wett weysz, wenn ye einer den anderen überwinden oder übertraͤffen wil, oder dem anderen vorthuͦn Frisius dict. (1556) 213ᵃ:
Tristan der minnen blinde tete
den poinder und die ritterschaft
ze harte über sine craft:
er spranc hin an daz bette
und verlos ouch an dem wette,
wan ime sin ader uf brach
Gottfried v. Straszburg Tristan 15 190 Ranke,
sî tragin rittirlîch ir swert ...
ûf ir huf gebunden ...
an in ist ellenthafte wel (wahl)
zu strîtlîchir wette
Nicolaus v. Jeroschin kronike v. Pruzinlant 771 Strehlke;
zur schönen wett
nun beyde trett,
mein Jesum last erklingen
Spee trutznachtigall 20 ndr.;
vermildernd schien das helle abendroth
auf dieses urwalds grauenvolle stätte,
wo ungestört das leben mit dem tod
jahrtausend lang gekämpft die ernste wette
Lenau ged. (1857) 1, 232.
4)
in wendungen, die sich nicht einer einzelnen der oben angeführten bedeutungen (1—3) anschlieszen, sondern wegen ihres z. t. formelhaften charakters mehrdeutig sind.
a)
verbale verbindungen.
α)
die höhe des einsatzes, die art der vereinbarung betreffend (vgl. 1, 2); eine wette schlagen auf jm.: der könig hat eine wette auf euch (Hamlet) und auf dem jungen Leonhardo geschlagen ... ihr sollt zusammen ... fechten schausp. engl. comöd. 182 Creizenach. die wette bieten:
kannst du mich mit genusz betrügen;
das sey für mich der letzte tag!
die wette biet' ich
Göthe I 14, 81 W. (Faust I).
es gilt eine wette u. dgl.: sacramento contendere es eine wette gelten lassen Corvinus (1646) 725; vnd wenn es sollte eine wette gelten, wer sich zum meisten in den Venus kampff brauchen köndte schausp. engl. comödianten 24 Creizenach; C. Weise erznarren 132 ndr.; dasz ... ein exercirter meister sich gar wohl obligiren koͤnte, eine jedwede arie, ... wenn es eine wette gelten solte, 5, 6 und mehr mahl ... zu componiren Heinichen generalbasz (1728) 88; es gilt eine wette, sie müssen eine probe bestehn Göthe I 9, 150 W. mit der verbindung die wette gilt wird jedoch die gültigkeit der abmachung bezeichnet: hier meine hand zum pfande ... die wette gilt Arnim s. w. (1853) 9, 115; die wette galt, ... und das geld wurde ausgesetzt Hebel w. 2, 84 Behaghel. dagegen in der frageform was gilt die wette? auf die höhe des einsatzes bezogen: so kannst du nicht treffen. — ich kann, was gilt die wette? G. Freytag ges. w. (1886) 2, 72. oft nur als rhetorische frage: was gilt die wette, das hast du von ihm gelernt Meissner skizzen (1778) 1, 175; man nenne mir das stück des grossen Corneille, welches ch nicht besser machen wollte. was gilt die wette? Lessing 10, 296 L.-M.; es sind aber blumen ... was gilt die wette, dasz ich dir etwas hübsches zusammenstelle Fontane ges. w. (1905) I 5, 191.
β)
den ausgang der wette, gewinn oder verlust des einsatzes betreffend (vgl. 1, 2); die wette gewinnen: solcher gestalten hatte Isidoro die wette schon gewonnen Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 65; das spiel ... ist gleichsam eine wette, welche derjenige gewinnen soll, der die meiste geschicklichkeit besitzt J. E. Schlegel w. (1761) 3, 470; er schreibt, dasz unser almanach ihm eine wette von 6 champagnerflaschen gewonnen habe, denn er habe gegen einen andern behauptet, er würde gewisz keine xenien enthalten (1796) Schiller br. 5, 290 Jonas; Mephistopheles darf seine wette nur halb gewinnen Göthe IV 34, 5 W.; irgend jemand schrieb: er gewinnt die wette! Renn adel im untergang (1947) 295. das, die wette verlieren: vorweddede einer sin ganze gut und vorlöre dat wedde, he mot sik mit dem, de gewunnen heft, seines gefallens vordragen (16. jh.) rügisches landr. 67 Frommhold; ich wollte meine wette verlieren, wenn man nicht oft den vers gelesen, ohne seinen sinn einzusehen, und zu bewundern Schönaich ästhetik (1754) 8; wette nicht; denn sieh, ob du nicht die wette verloren hättest Lessing 2, 19 L.-M.;
nein! frechere wette
verliert man nicht,
als an der Elbe ich
dazumalen
Göthe I 4, 244 W.;
einige, die ihre erste wette verloren hatten, wollten durch eine zweite ... den verlust wiedergutmachen H. Mann ausgew. w. 1, 586 Kant.ungewöhnlich: sonst ist auch bekant, das Eunomus, als er mit Aristone eine wette versingen wollen, sich zugleich seiner leyer gebraucht Butschky Pathmos (1677) 165.
b)
präpositionale verbindungen; zu(r) wette; in, um (die) wette.
α)
ze wette, zu(r) wette. im mhd. oft in verbindung mit den verben stân und setzen, hier zunächst noch in der bedeutung 1 'wetteinsatz' (in deutlichem anschlusz an A 1 a 'pfand', vgl. dieselbe wendung ze wette stân braunschw. reimchron., ebda; ferner unten βαα in die wette setzen und γ auf die wette setzen):
sî minneten sunder bette:
diu minne stuont ze wette,
sweder nider gelæge (im zweikampf)
dem wart der tôt wæge (bevorstehend)
Hartmann v. Aue Erec 9108 Haupt;
sî sprach 'her Iwein, hœret ir?
sî suochent iuch. nû volget mir,
und enkumt niht ab dem bette.
iu stêt ditz dinc ze wette
niuwan umbe daz lebn
Iwein 1232 Ben.-Lachmann;
ich getorste wol ze wette
den lîp dar umbe setzen,
daz ez beginnet letzen
noch hînaht alle iuwer tage,
geloubent ir niht mîner sage
Heinrich v. d. Türlin diu crone 20 662 lit. ver.;
ich sezze iu ze wette
beide mîn guot unde lîp
ob iuch daz minneklîche wîp
iemer nîe an geschrîe
in: gesamtabenteuer 1, 222 v. d. Hagen;
und wenn sie gleichsam was darauf zur wette setzen,
wer von den beyden wohl am allermeisten liebt
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 312;
da (im turnier) steht haut und haar zur wette C. G. Cramer turnier zu Nordhausen (1822) 102. doch kann die gleiche wendung auch inhaltlich dem folgenden entsprechen: bis izt noch scheinen dichter und publikum gegen einander zur wette gesezt zu haben, welcher den andern, von seite der dichter an güte, von seiten des publikums an vernachlässigung übertreffen werde Kretschmann s. w. (1784) 2, 22; ich will es zur wette setzen ich will darauf wetten Vilmar Kurhessen 451. der ursprüngliche sinn verblaszt in formelhaften verbindungen mit verben, die eine auf den gewinn des wetteinsatzes gerichtete tätigkeit, ein sich messen im sportlichen leistungskampf bezeichnen (fechten, laufen, rennen u. dgl.); hier ist schon in den frühen belegen nicht immer zu entscheiden, ob tatsächlich ein gewinn eingesetzt war oder ob nicht vielmehr die gleichzeitige anstrengung zweier gegeneinander oder miteinander handelnder personen zum ausdruck gebracht werden soll:
ir ros si ze wette ranten
sô samenten sich die frowen
ir scône spil ze scowen
kaiserchronik 114 Schröder;
wâre daz irs phlâget:
daz ir sanfte lâget
an einem scônen bette,
und wârez dâ ze wette
daz vehten umb die minne
dâ moht ir wol gewinnen ...
dar umbe setze ich û min phant,
einen trôischen bisant
Heinrich v. Veldeke Eneide 241, 22 Ettm.;
dô sprach von Niderlande   der küene Sîfrit
daz muget ir wol versuochen,   welt ir mir loufen mit
ze wette zuo dem brunnen
Nibelungenlied 973, 3 Bartsch;
swâ dise zwêne solten leben
ze wette umb êre, wem daz lop
die wisen solten geben ...
sô næme ich den ze kempfen,
der sich vor untugenden kunde schamen
Reinmar v. Zweter 81, 5 Roethe;
welicher zewett loufft vnd zum zyl kompt, dem ist nit not sich wyter ze uben Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) j 5ᵇ; welche auch mit den göttern zu wet geschossen Schaidenreisser Odyssea (1537) 32ᵃ; zwar gab es auch musiker, die zu Delphis nicht zur wette mitspielen wollten Herder 12, 252 S.;
stellt dem Antonus grad euch in den weg,
wenn er zur wette läuft
Shakespeare 2 (1797) 12;
so wird der trug zu nichte,
wenn list mit list zur wette,
kühnheit mit klugheit ringt
Göthe I 12, 175 W.;
hättst du sie dort gesehn im drachenhorst,
wie sie sich mit dem wurm zur wette bäumte
Grillparzer s. w. 5, 167 Sauer.
auch in zusammenhängen, in denen nur intensität und gleichzeitigkeit der handlung bezeichnet werden soll:
do sie schieden von dem bette,
sie kusten sich ze wette
gesamtabenteuer 2, 213 v. d. Hagen;
man kam mit schallenklichen bracht
vnd bracht in ze ezzent an daz bett
gelückez wuͤnst man in ze wett
liedersaal 3, 407, 294 Laszberg.
ungewöhnlich zur wett (stellen) 'auf ungewissen ausgang':
(ich) musz alles sagen, alles hören, alles
zur wett und wage stellen! — aufgehangen
sind, Tyche, deine schalen!
Immermann w. 16, 287 Hempel.
β)
in, um die wette; im mhd. in der artikellosen verbindung in-, enwette. im 16. und 17. jh. überwiegt in die wette, im 18. jh. begegnen beide wendungen in annähernd gleicher häufigkeit; Adelung bevorzugt schon die verbindung mit um: in (besser um) die wette 5 (1786) 191. im 19. jh. wird um die wette üblicher und ist im 20. jh. schriftsprachlich allein gebräuchlich; anders nur noch mundartlich, z. b. inne wedde rönn um die wette laufen Lademann Teltow 278; entsprechend Bauer-Collitz Waldeck 261ᵃ; Stürenburg ostfries. 326ᵇ.
αα)
in diesen wendungen ist die beziehung auf einen wetteinsatz schon in den frühen belegen nur noch selten vorhanden (vgl. auch D 1 oben, dt. pred. 36 Roth):
wan eyn dre edder veer selen hedde,
so mochte he eyne setten in de wedde;
aver so ik hebbe eyne alleyne,
so mod ik sorghe hebben umme de eyne
narrenschyp (Lübeck 1497) 105, 52 Brandes.
auch später nur gelegentlich in dichterisch freier sprache:
trat doch die sau mit Athene zum wettkampf! siehe, das böcklein
steht! auf, seze nun du ein gemästetes lamm in die wette
Voss Theokrit, Bion u. Moschus (1808) 49;
o gewisz, wenn je sich ein mann darstellt, der mehr dich Demos vertheidigt,
der mehr als ich die liebe beweist, gleich wag ich das haupt in die wett' hin
ders., Aristophanes (1821) 1, 150.
bisweilen auch in engerem anschlusz an 3 'wettstreit':
... ehr und gut, das durch alt-seyn nicht vergeht,
sondern mit der ewigkeit immer in die wette steht
('d. i. besteht')
Logau sinnged. (1654) 3, 41;
und hast du niemals nicht gehöret,
was Amarillis thut? die eben auch so schön
und die mit dir kan in die wette gehn
an schönheit und gestalt
Rheinbaben poet. übers. (1711) 13;
ββ)
meist dienen diese wendungen zur bezeichnung einer bemühung zweier oder mehrerer personen, sich in ihrem eifer und in ihren leistungen gegenseitig zu übertreffen:
si zwene waren under in
alle stunde und alle zit
inwette unde inwiderstrit
wider ein ander dienesthaft.
triuwe unde geselleschaft
gelobeten si zwene
Gottfried v. Straszburg Tristan 18 746 Ranke; 16 897;
einer der in wette lǒffet Tauler pred. 303 Vetter; seine sorge stehet darauff ... das er vmb die wette erbeite (concertatur) mit den goldschmiden Luther weish. 15, 9; auff diese schreckliche suͤnde folgeten auch die straffen, das er anhub mit andern inn die wett zu sauffen Menius chron. Carionis (1560) 1, 172ᵇ; reimeten vmb die wett, dichteten lieder auff allerley melodei Fischart Garg. 304 ndr.;
sie spinnt mit dem gesind' in dessen in de wette
Opitz teutsche poemata 238 ndr.;
haben viel getreue patrioten die feder ergriffen und damit ... unsrem ... reichs vater ... daurhafftere papirne ehrenseulen und tempel aufzurichten sich in die wette befliszen Birken ostl. lorbeerhayn (1657) )( 7ᵇ; da eiferten wir in die wette, einander in honigwörtchen zu übertreffen Bräker arm. mann i. Tockenburg 70 Wilbrandt;
es strebe von euch jeder um die wette
die kraft des steins in seinem ring an tag
zu legen
Lessing 3, 95 L.-M.;
(indesz) zehn tausend sklaven seiner üppigkeit in die wette eifern, um unerhörte und ungeheure wollüste zu erdenken Wieland s. w. (1794) 1, 1388; die künstler und das volk überlieszen sich der reizbarkeit des gefühls und beeiferten sich in die wette, das verdienst ihrer mitbürger zu krönen J. G. Forster ausgew. kl. schr. (1789) 148; zur übung wird der weitensprung am besten um die wette gemacht Jahn w. (1848) 2, 33; (der general) erzählt selbst die schönsten geschichten aus seiner leutnantszeit, wie er einmal um die wette würste gefressen ... hatte A. Zweig eins. e. königs (1950) 177.
γγ)
im vergleich:
die gesellen der mêintate
die ilten uil drate
rehte alse umbe wette
uon bette ze bette
Wernher Maria 4893 Wesle (Berliner hs.);
ja herre, da ist inne
ein man und ein gotinne:
diu ligent an einem bette
und slafent alse inwette
Gottfried v. Straszburg Tristan 17 472 Ranke;
da sich allerley geschwinde gutgeartete koͤpf ... bemuͤheten, mit den Griechen gleichsam vmb die wett von den tiefsinnigsten kuͤnsten zuschreiben Fischart w. 3, 122 Hauffen; dann die erd selber ist im himmel, und laufft mitten zwischen Marte und Venere daher, als gleich in die wet Kepler opera omnia 1, 508 Frisch; schafften sie ihre vorige prächtige weltliche kleider ... gleichsam in die wette ab Hahn einl. z. d. teutschen staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 1, 147;
denn ihr seyd die kleine welt,
welche gleiche lust und freude
mit dem grossen weltgebäude
gleichsam umb die wette hält
Chr. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 119 ndr.
δδ)
oft wird die vorstellung des wettstreits auf gleichzeitige und vergleichbare vorgänge in der belebten und unbelebten natur übertragen: hastu nie gehort die fabeln, da der esel mit dem lowen in die wette schrey Luther 7, 202 W.; denn sie (die nachtigallen) mit einander vnder ihnen um die wett singen, darmit man höre, welche die ander in lieplichheit des gesangs übertreffe Ryff thierb. Alberti magni (1545) Q 2ᵃ;
fuͤrnaͤmlich aber schos jr stral
die sonn auf vnser schiflin schmal,
weil sie jm schir vergonnen thet,
das es lif mit jr vm die wett
Fischart w. 1, 150 Hauffen;
der terpentin-baum aber überträfe ... alle andere in der welt; als welcher ... mit der zeit in die wette zu tauren schiene Lohenstein Arminius (1689) 2, 317ᵃ;
es scheint, ob prangt hier kraut und bluhmen in die wette
Brockes ird. vergnügen i. gott (1721) 4, 184;
alle geschlechter der ... wolken, winde ... verbanden sich in die wette diesem kinde zu warten Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 39;
und stürme brausen um die wette,
vom meer aufs land, vom land aufs meer
Göthe I 14, 20 W. (Faust I);
und nun verschlossen in sich selbst, als hätte
diesz herz sich nie geöffnet, selige stunden
mit jedem stern des himmels um die wette
an ihrer seite leuchtend nicht empfunden
ebda 3, 22 (Marienbader elegie);
die Dolomiten stehen in langen reihen drei und vier mann hoch über einander und strecken ihre haifischzähne in die wette empor, um sich gegenseitig zu ergänzen Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 200; blanke messingkessel blitzten über dem herde mit einem mörser aus gleichem stoffe um die wette H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 177; seine wangen glühten um die wette mit den gestickten rosen auf seinem kleide A. Sperl söhne d. hrn. Budiwoj (1927) 175; (eines kranken mädchens) puls flog mit dem atem um die wette Carossa schicksale dr. Bürgers (1930) 5. auch auf (personifizierte) menschliche eigenschaften übertragen:
dein witz und hoher muht die spielen in die wett'
Rist Parnasz (1652) 227;
annehmlichkeiten und das allergenaueste gleichmasz aller glieder schmücketen um die wette ihre ganze person J. E. Schlegel w. (1761) 3, 488; empfindsamkeit und fleisz erstrebten sich in die wette, den ganzen staat in eine so lebhafte als heilsame thätigkeit zu setzen Wieland s. w. (1794) 6, 69. ungewöhnlich von vergleichbaren fähigkeiten: meine schwester, sagte Hersilie, weisz sie (die inschriften) sämmtlich auszulegen, mit dem custode versteht sie's um die wette Göthe I 24, 99 W.
εε)
in anderen fällen nur noch zur bezeichnung der intensität, der gemeinsamkeit oder der gleichzeitigkeit des handelns (des vorgangs), ohne dasz hier noch ein bewusztes wetteifern zum vorstellungsinhalt gehört:
die leiten sich ân allen zorn
z'ein ander an daz bette
und fröuten sich enwette
mit herzen und mit lîbe
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 9138 Keller;
inn eynen ströen pett
da schlaffens inn die wett
Hans Sachs 5, 294 lit. ver.;
ein sach wie die zwen umb wet lugen Murner kl. schr. 3, 138 Pfeiffer-Belli; die fuhrleute aber als müde kerl schliffen fort, also dasz sie auch miteinander umb die wette daher schnarchten Grimmelshausen simpl. schr. 2, 291 Kurz;
sonst gieng ich bald zu bette
wenn nun der abend kam,
vnd alles umb die wette
mit sich zur ruhe nahm
Chr. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 36 ndr.;
die welt springt aus dem bette
zur arbeit, die sie kan.
es legt sich vmb die wette
zugleich ein jederman
mit kleid vnd sorgen an
Simon Dach bei Fischer-Tümpel evang. kirchenlied 3, 97;
das feld ist unser bette,
der gottesacker auch. wir (soldaten) leben um die wette
und sterben auch also. wer härmet sich darum?
Fleming dt. ged. 1, 113 lit. ver.;
wir koͤnnen nicht vergessen, ...
was sie (d. gestorbenen kinder) zu tisch und bette
den eltern in die wette
vor lustigkeit gemacht
Chr. Weise polit. redner (1677) 608;
was brauchst du denn
der väter überhaupt? wenn sie nun sterben?
bey zeiten sich nach einem umgesehn,
der mit uns um die wette leben will
Lessing 3, 168 L.-M. (Nathan);
der hunger ... nahm bald überhand; menschen und pferde fielen um die wette um Hebbel I 9, 203 Werner; ich ... hungerte mit meinem schreiber Pinnemann um die wette W. Raabe s. w. I 6, 18. die vorstellung gegenseitiger steigerung klingt noch an: seine habe wieder zu erhalten, die man ihm in die wette geraubt hatte Seume spaziergang nach Syrakus (1815) 1, 134; die ... gemeinden ... verkaufen ihre schönen plaggengründe um die wette J. Möser s. w. (1842) 1, 91; Lehnert ... kam ... mit der alten um die wette ... in eine behagliche stimmung Fontane ges. w. (1905) I 6, 200.
ζζ)
schlieszlich auch als blosze verstärkungsformel in zusammenhängen, in denen die beziehung auf eine vergleichbare handlung verblaszt ist:
sus trâten si gimeine
ûf hôher unde liezen dar
die vrouwen aller wunne bar
kêren zuo dem bette.
des wart von ir enwette
geweinet unde enwiderstrît
si viel dâ nider an der zît
ûf den tôten jungelinc
Konrad v. Würzburg Alexius 1124 Gereke;
dô wart in zwein mit schalle
geholfen an ein bette,
daz mit gezierde enwette
was nâch wunsche wol bereit
ders., trojan. krieg 28 972 lit. ver.;
ein fauler schaffet nichts, und friszt doch in die wette
J. Grob epigr. 105 lit. ver.;
die hochgeschätzte tulipan,
das sinnbild auf dem bette,
zieht ihre fremde kleider an
und pranget in die wette
Harsdörffer bei Fischer-Tümpel evang. kirchenlied 5, 12;
die nacht ...
ist eben die, die vmb die wett
in mir mein elend mus ernewen
Dietrich v. d. Werder buszpsalmen (1632) B 2ᵇ.
ähnlich auch:
durch der hände lange kette
um die wette
fliegt der eimer
Schiller 11, 311 G.
γ)
selten auf die wette (setzen); in annäherung an 1 'wetteinsatz':
viel groszmögende städt
auf ungewisse wett
setzen das ihre hin,
ungewisz der gewinn
bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg (1862) 399;
euren besten fingerhut setzet nicht so bald auf die wette Bucholtz Herkuliskus (1665) 1170.
c)
in der verkürzten formel die wette (vgl. ²wett, adv., und die kompositionstypen ¹wette 2): stadiodromus der die wett leufft, der sich mit lauffen übet Alberus nov. dict. (1540) b 2ᵇ;
ich inweiz ab ich ûch betrîge
ein swalbe solde dî wette vlîge
so ich wêne wedir einen gouch
mitteldt. ged. 4, 351 Bartsch;
(etliche knaben) ir kürczweyle triben ... als mit ringen springen und die wette lauffen Arigo Decameron 130 Keller; ach lieben kinder, nun schlaffend dwet! (verkürzt für die wett) Zimmer. chron. ²4, 246 B.;
die welt ist schon zu bette
und hat die augen zu,
wir schlaffen all die wette,
das meer ligt auch zu ruh
Opitz teutsche poemata (1624) 63;
liebe und rache kaͤmpften in seiner seele die wette Lohenstein Arminius (1689) 1, 282ᵃ;
est immer schimmlich brod.
legt euch nicht satt zu bette
ihr geitziges gesipp, lauft lauffet nun die wette
nach blanck-gemüntzten koht
Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 132.
der wette (gen.): prouocat ad certamen uini er wil der wet mit jm sauffen Alberus nov. dict. (1540) qq 3ᵇ. vgl. noch: es ist nicht möglich, einen menschen zu mittag an die tafel des herrn zu ziehen, der abends in einem bierhause mit dem kutscher eine wette trinkt Sonnenfels ges. schr. (1784) 5, 332;
die todesangst, der hunger rennen wette
Lenau neuere ged. (1838) 81.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 665, Z. 69.

wette2, f., n.

²wette, f., n.,
gesetz, recht. nl. wet. das wort gehört vor allem dem niederländischen sprachgebiet an, greift aber gelegentlich auf das niederdeutsche (fries.) und hochdeutsche über, z. t. an ¹wette lautlich angeglichen.mnl. wet 'recht, gesetz, gericht' Verwijs-Verdam 9, 2, 2361; mnd. wette 'gesetz, stadtrat, senat' Lübben-Walther 579; zu got. witoþ, n., ahd. wizzod, m., n., andfrk. witut 'gesetz'; afries. witat 'hostie'.
1)
'gesetz, brauch'; lexikalische nachweise: fas temelich, behorlich, off eyn weth, opgesetzt a deo (Köln 1507) Diefenbach gloss. 226ᵇ; exlex (i. ex lege positus) on gesatz (Augsb. 1512), sunder wet (Köln 1507) ebda 217; zum letzteren vgl. noch: man sagte von ihm (dem wildfang), er hätte keine wette, das ist, er wäre rechtlos in dem lande Möser osnabr. gesch. (1780) 1, 76; wette ein gesetz, ebda 71 anm. literarisch: die einander hielten trûwe nâch der cristen wete (15. jh.) Malagis, bei Lexer 3, 808; neue herren machen neue wetten bei Simrock dt. sprichw. (1846) 247; 'rechtssatzung':
zwar kennt er nicht das recht der völcker, noch die wette
der reiche, doch er spielt alumber und bassette
(1704) Wernicke epigr. 238 Pechel.
mundartlich: wedd, wet, f., brauch, tradition, gesetz Schmidt-Petersen nordfries. 160; 162; nii wetten neue satzungen Holthausen nordfries. stud. in: PBB 49, 219; neue sitten, ebda 232; wet gesetz Doornkaat Koolman ostfries. 3, 545; wedde bisweilen jetzt noch für 'gesetz', brem.-ns. 5 (1771) 209; wedd, f., satzung Mensing schlesw.-holst. 5, 554; wett gesetz (selten) Böning Oldenburg 132; wette, pl., vorschriften, gesetze Müller-Weitz Aachen 261.
2)
in formelhaften wendungen; nach, bei meiner wette 'bei meinem glauben, meiner treu' vgl. mnl. wet Verwijs-Verdam 9, 2, 2364:
sint vrouwe maze ziret alle ding,
also di erde hemelischen ring;
so ziret ouch nach minem wette
deser stein Salomonis bette
Brun v. Schonebeck hoheslied 1711 Fischer;
des sprach di brut ouch al war,
ir lip der were schone gar.
nu sage ich nach miner wette
Jhesus gotes son was daz bette
ebda 8431;
vater mîn, bî mîner wet,
ich kam nie gên Tholet
Malagis (15. jh.) bei Lexer 3, 808 (übers. a. d. mnl).
schlieszlich allgemein '(wahre) behauptung, kunde':
ja saget uns di ware wette,
Maria di were gotis bette,
dar in er sich legete durch libe
der tochtere Jherusalem ich bribe (versichere)
Brun v. Schonebeck hoheslied 1551 Fischer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 681, Z. 33.

wette3, f.

³wette, f.,
s.wede, teil 13, sp. 2814; zu den dort angeführten belegen vgl. noch: vadum, quod varewette dicitur (1297) bei Buck flurn. 300; weitere nachweise a. d. nd.: wedde ... tief ins land gehendes seewasser, dergleichen auf Rügen verschiedene sind, wodurch man fahren und reiten kann Dähnert plattdt. wb. (1781) 541; dazu auch: weddepoot wurden früher die in Dortmund befindlichen vier grossen wasserbehälter genannt; kolk, schwemme, brandteich Köppen Dortmund 66; vgl. ⁴wetten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 682, Z. 10.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„wett“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wett>, abgerufen am 02.12.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)