Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wett-1, wette-1, zusammensetzungen.

¹wett(e)- zusammensetzungen.

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die nachfolgende übersicht faszt die besonders zahlreichen, z. t. nur gelegentlichen bildungen, die sich an ¹wette D 'wetteinsatz, wettvertrag' anschlieszen, zusammen. die wichtigsten unter ihnen stehen mit ihren belegstellen an alphabetischer stelle.
1)
zum substantiv ¹wette 'wetteinsatz, -vertrag': —
wetteinsatz m.,
wettpreis, pfandeinsatz: die wetteinsätze bei öffentlichen rennen hdwb. d. staatswiss. (1898) 5, 648. —
wettfreund m.,
jemand, der gern wettet: für alle andre wettfreunde aber waren diese zeugnisse ... nicht zureichend Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 294. —
wettgegner m.,
jemand, mit dem eine wette abgeschlossen ist: der wettgegner scheine ein geriebener herr zu sein Rosegger schr. (1895) III 3, 332. —
wettgesell m.,
wie jüngeres wettgegner: soff ers rein ausz ... und treib das so lang, bisz sein wettgesell im zu folgen nicht genug was, und verloren haben bekennen muszte Kirchhof wendunmuth 1, 263 lit. ver.
wetthandel m.,
zwistigkeit um eine wette: er wölle jhne von disem wetthandel nicht allein ohne allen schaden vnd verkleinerung seiner ehren, sondern auch mit guter reputation entledigen Federmann Guicciardini, erquickstunden (1575) 132. —
wettkunst f.,
trick beim wettverfahren: doch haben einige unter denen soldaten in diesen fall gute wissenschafft, am meisten aber die förster ... die sowohl mit dem gewehrversprechen und anderen wett-künsten absonderlich wissen umbzugehen Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 665; es geschieht oft, dasz personen ihr ... vermögen ... verspielen, zumal wenn sie ... mit den wettkünsten unbekannt sind Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 539. —
wettlust f.,
hang, neigung zum wetten: so dass liebhaber von einem zum andern (wettrennen) reisen können, um ihre wettlust zu befriedigen Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 345; die männer zechen im erwachenden trinkmasz des übermuthes, der wettlust, der prahlerei Gutzkow ges. w. (1872) 1, 142. —
wettlustig adj.:
der wettlustige kutscher Pückler-Muskau br. e. verstorbenen (1831) 2, 320; die wettlustigen zuschauer schlieszen indessen ihre wetten J. Schopenhauer reise durch England (1818) 1, 288. —
wettpferd n.,
s. u. sp. 786. —
wettpreis m.,
wetteinsatz wettgewinn:
sie setzten ganz
vertraulich nun, der barde seinen kranz,
und seinen schild der werthe rittersmann,
zum wettpreis aus, und Bergelfuss begann
Ratschky ged. (1785) 26;
wie konnte es geschehen, dasz er ... gerade von Lucinden, dem wettpreis zwischen vater und sohn, ohne alles hindernisz so empfangen wurde Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 1, 182. —
wettschuld f.,
s. u. sp. 788. —
wettspiel n.,
s. u. sp. 788. —
wettsucht f.,
verstärkend für wettlust: die wettsucht dieser nation (hat das pferderennen) zu einem ... hazardspiel gemacht Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 345. —
wettsüchtig adj.:
sie holten mit ihren knütteln so hoch und kräftig aus, dasz ein wettsüchtiger Engländer keinen penny für die härteste schädeldecke riskiert haben würde Anzengruber ges. w. (1890) 1, 98. —
wettsumme f.,
wetteinsatz: einklagung der wettsumme Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 827. —
wettteufel m.,
wie spielteufel: hitzt verschreib ich mich dem wettteufl mit haut und haar'n Anzengruber ges. w. (1890) 1, 182. —
wettweis adv.,
um die wette; vgl. ¹wette D 3 in wett weysz Frisius dict. (1556) 213ᵃ: certatim agere wettweisz kämpffen thes. lat.-germ. (1687) 174. durch wetten: barchett und fuoter zuo aim wams hat mein weib wettweis mit andern jungfrauen verloren bei Fischer schwäb. 6, 746.
2)
zusammensetzungen, die sich an die wendungen um (in) die wette, verkürzt (die) wette (s. ¹wette D 4 b β u. ²wett, adv.) anschlieszen; meist verben und davon abgeleitete wortbildungen, die eine um die wette ausgeübte tätigkeit bezeichnen. verbalkomposita dieser art werden in neuerer zeit in der regel nur noch in dichterisch gehobener sprache flektiert (s. u.wettfährt, wettflog, wettforschten, vereinzelt als trennbare komposita fährt wett, schlaffend dwet, vgl. auch wettgesungen, wettgeeifert neben gewetteifert); meist begegnen sie im infinitiv bzw. part. präs. oder erscheinen als substantivierte neutra (vgl. bes. wettrennen, wettrüsten). —
wettarbeiten vb.:
ich traue mir ihn zu überarbeiten, ... mit ihm zu wett-arbeiten Kramer t.-ital. 1 (1700) 29ᵃ; wie lange wird Europa im getreidebau und viehzucht noch erfolgreich wettarbeiten können mit Amerika und Australien? Riehl land u. leute ⁸202. —
wettbahn f.,
(sportliche) kampfbahn: dann möchte unser nächstes vaterland mit der begeisterung des jahres 1813 kühn in die wettbahn des ruhmes eilen (1830) Fr. L. Jahn br. 327 Meyer; weil jede kraft zuletzt die fremde stärkt — weil die wettbahn der kräfte sich aufthut Jean Paul w. 34, 37 Hempel; auf der wettbahn der tapferkeit und des glückes Gutzkow ritter v. geiste (1850) 2, 159. —
wettbewerb m.,
wettbewerben vb.,
-bewerber, m., s. o. sp. 663ff.
wettbuhlerisch adj.:
so sich vor mir mit allen reizen spreizend,
versuchten eifernd sie an mir ihr bestes,
wettbuhlerisch um mein gefallen geizend
Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 137.
wetteifer m.,
wetteiferer m.,
wetteifern vb.,
s. u. sp. 685ff.
wettfahren vb.:
wie zwei wettfahrende schifflein G. Keller ges. w. (1889) 5, 266;
entgegen dem ersehnten ziel
wettfährt das heer — voran O'Neal
H. Marggraff balladenchron. (1862) 13;
alle wochen gabs jetzt ein scheibenschieszen, ein wettfahren, eine jagd Rosegger schr. (1895) I 6, 162; der kerl fährt wett, scherzte mein genosse E. Zahn menschen (1906) 359. —
wettfahrt f.:
fast in allen dörfern (werden) ... wettfahrten ... angestellt Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 360; die flotte wettfahrt unseres dampfers mit dem neuen concurrenzdampfer Rosegger schr. (1895) II 7, 275. —
wettfäustelei f.,
handgemenge: die schlacht ... welche man, zum unterschied von kleinen wettfäusteleyn, die königliche nennt Bode Thomas Jones (1786) 2, 340. —
wettfleisz m.,
wie wetteifer, wettbewerb: der reiz des gewinnes treibt jenen wettfleisz der wirtschaftlichen kräfte, der ein vater alles leiblichen und geistigen fortschrittes Riehl d. dt. arbeit (1861) 240. —
wettfliegen vb.:
mit führung der waffen vertraut schon als kind,
wettflog sie auf flüchtigem rosz mit dem wind
Leuthold ged. (1894) 255.
wettflug m.:
diesem wettflug (des reihers u. falken) nun wird von den weidleuten mit grosser vergnügung ... zugeschen Hohberg georg. cur. (1682) 2, 659;
der rabe flog; ein trieb nach ehre, tief empfunden,
war schuld, dasz er so kühn den wettflug unternahm
Gleim s. schr. (1798) 1, 189.
wettforschen vb.:
so wettforschten im gespräch alte denker J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 1. —
wettfresser m.:
commensalis mutuus Stieler stammb. (1691) 899; vulgo obses mercatorius, qui ob addiscendam linguam vel mercaturam, loco alterius in aliquo loco propter eandem causam vivit Frisch t.-lat. wb. (1741) 2, 444ᶜ. —
wettgang m.,
von einer kriegerischen auseinandersetzung (übertragen): wo ... Makedonien und Rom sich anschickten zu dem letzten und entscheidenden wettgang Mommsen röm. gesch. (1856) 1, 354. —
wettgefühl n.,
hochgefühl, gesteigerte empfindung: im wettgefühl der empfindung und begeistrung gingen sie vorüber diese ... abende Bettine Goethes briefw. m. e. kinde (1835) 3, 188. —
wettgesang m.,
s. u. sp. 778. —
wettglänzen vb.:
ich habe mich erkuͤhnt
zu gruͤssen deinen thron, der langst sich aufgebuͤhnt,
wettglaͤnzend mit dem saal der liechten silbersternen
Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 272.
wettkampf, wettkämpfen, wettkämpfer m.,vb.,m.,
s. u. sp. 779ff.
wettkauf m.:
emtio mutua Stieler stammb. (1691) 939; gara, concorrenza, competenza nel comprare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1338ᵃ. —
wettkriegen vb.,
um die wette krieg führen: am ersten tausendjährigen deutschen reiche haben sich wettkriegend und triegend versucht: Italier, Spanier, Britten Fr. L. Jahn w. (1884) 2, 523. —
wettlauf, wettlaufen, wettläufer m.,vb.,m.,
s. u. sp. 781ff.
wettleben vb.:
wen sie (die poesie) wil herrlich machen,
der wett-lebt mit der zeit
Kempe poesis triumph. (1676) 4.
wettlieben vb.:
gleich als wann diese affen es der königin Artemisia nachthun, und mit ihr wettlieben wolten J. Balde, d. truckene trunkenh. (1658) 83. —
wettplan m.,
sportplatz: ein turnspiel will bewegung, gemeinsames regen und tummeln auf dem wettplan Jahn w. (1884) 2, 95. —
wettprangen vb.:
sie wettpranget mit andern städten an herrlichen gebäuden Birken verm. Donaustrand (1684) 21. —
wettregatta f.,
wettsegeln (n.): die jährlichen wettregattas zwischen den schulknaben der groszen gymnasien Kohl land u. leute d. brit. inseln (1844) 3, 427. —
wettreiten vb.:
das mädchen ... neckte ihn und trieb ihn meistens zu kühnen, übermüthigen wettreiten an Stifter s. w. 3 (1911) 237. —
wettreiter m.:
die wettreiter, welche in vollem lauf von den rossen zum boden tauchten G. Freytag ges. w. 17 (1888) 275; um den wettreutern bahn zu machen H. Heine s. w. 7, 260 Elster.
wettrennen, wettrennen, wettrenner vb.(n.),m.,
s. u. sp. 787. —
wettringen vb.:
da er die wettringenden jünglinge sich im staube wälzen sah Herder 3, 299 S.;
und alles, was nur ruhm verhiesz,
wettrangen sie zu holen
von allen himmelspolen
Rückert ges. poet. w. (1867) 7, 225.
wettritt m.:
certamen de equorum pernicitate in hippodromo Stieler stammb. (1691) 1600;
aber ein reitliebhaber werden sie doch seyn? sind sie ein kenner?
so machen wir einen wettritt mit unserm renner
Meisl theatral. quodlibet (1820) 1, 227.
wettrudern vb.:
fünf arten von wettkämpfen werden geschildert, wettrudern, wettlauf Vieth encykl. d. leibesüb. (1793) 1, 190. —
wettrüsten vb.
(meist subst.): aber die erfüllung der forderungen von heer und flotte würde uns den trost bringen, dasz des wettrüstens ende endlich nahe ist in: daheim 48 (1912) 20ᵇ; die folgen der imperialistischen politik, durch die eine aera des wettrüstens herbeigeführt wurde amtl. kriegsdep. (4. 8. 1914); wettrüsten und rüstungsbeschränkungen sind beide politische fragen trotz ihrer militärischen form Seeckt ged. e. soldaten (1929) 56; dasz sie (die technik) ... durch bloszes wettrüsten kriege erzwang Benz geist u. reich (1933) 155. —
wettsang m.:
einst lud er gar mit ehrner stirne
die nachtigall zum wettsang ein
Pfeffel poet. versuche (1802) 8, 73.
wettsaufen vb.:
wettsaufen eines Römers und eines Deutschen Lohenstein Arminius (1689) 2, 392. —
wettschieszen vb.:
gleichwie die jenigen so zum zihl wettschiessen nit ehe abtrucken, bisz dasz sie mit den augen auff den zweck gezielt Agricola gutes aug (1629) 7; auch war uns an diesem unsrem führer besonders lieb ..., dasz er es oft vorzog, aus dem fenster der oberstube ein wettschieszen mit katapulten ... zu veranstalten E. Wiechert wälder u. menschen (1936) 42. —
wettschrift f.,
preisschrift: (die gesellschaft) wird ... auszüge des merkwürdigsten dieser wettschriften ... bekannt machen br., d. neueste literatur betr. 16 (1763) 137; der verfasser schrieb, nachdem der von der akademie zu Lyon angesetzte termin zum empfang der wettschriften über hrn. Raynals preisfrage schon verflossen war J. G. Forster s. schr. (1843) 5, 328; die akademische preis- und wettschriften Hamann br. 2, 256 Z.-H.
wettschwimmen vb.:
als frühlingswind wäre er (Grendel) dann zu fassen in dem jugendabenteuer seines wettschwimmens mit Breca Laistner nebelsagen (1879) 265; die parole zum wettschwimmen mit der sonne kaum erteilt, so war Tito ... im see verschwunden H. Hesse glasperlenspiel (1943) 2, 211. —
wettsingen vb.:
Corynna von Thebe, deren Pindarus gedencket, dasz sie ... funffmal den crantz im wettsingen oder stechen gewunnen C. Spangenberg v. d. musica 75 lit. ver.; die der arbeit also obliegen, dasz sie über andere seyn wollen, seynd gleich denen wettsingenden nachtigallen, welche lieber sterben, als ihnen überschreien lassen wollen Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 109; es wurde nach den zünftigen gebräuchen wettgesungen, ein schulfreund oder singer zum meister gesprochen und dergleichen mehr G. Keller ges. w. (1889) 2, 192. —
wettspiel n.,
-spielen, vb., s. u. sp. 788f.
wettstreit, wettstreiten, wettstreiter m.,vb.,m.,
s. u. sp. 789ff.
wettstritt m.,
wettstreit: ein holdseliges bluͤmlein, das ... mit seinem schneeweiszen blaͤtlein mit dem noch ligenden schnee einen wettstritt haͤlt Hohberg georg. cur. (1682) 1, 658. —
wetttrunk m.:
glaub, Anacharsis hatte recht,
der, weil er sich zuerst bezecht,
begehrte, daß man ihm des wetttrunks preis ertheilte
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 49.
wettturnen vb.:
die ehrenthat der altvordern verjüngt sich im wettturnen Jahn w. (1884) 2, 10. —
wettübung f.:
warum wird es nicht jeder fischerzunft zur pflicht gemacht, solche wettübungen alljährlich zu halten? Jahn w. (1884) 1, 271. —
wettwerben vb.,
im 17. und 18. jh. lexikalisch für späteres wettbewerben: esser' in concorrenza con un'altro à qualche cosa neben einem andern nach etwas stehen oder trachten, wettwerben um etwas Kramer it.-teutsch (1674) 453ᵇ; es ist ein grosses eifern und wettwerben unter diesen zweyen ebda; es ist hierbey ein grosses wettwerben il y a là une grande concurrence Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1051ᵇ; wettwerben concurreren, even veel recht en pretensie op iets hebben Kramer-Moerbeek (1768) 416ᵇ; wettwerben concourir Mozin frz.-dt. 4 (1856) 1212ᵇ. —
wettwerber m.:
competente, concorrente, corrivale Kramer t.-ital. 2 (1702) 1338ᵇ; een concurrent, een medestreever na iets Kramer-Moerbeek (1768) 416ᵇ; wettstreiter, wettwerber rival, concurrent, competiteur émule, dict. all.-franç. (1762) 1083; wettwerber concurrent Mozin frz.-dt. 4 (1856) 1212ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 682, Z. 20.

wetteifern, vb.

wetteifern, vb.,
einander überbieten wollen. seit dem 17. jh. bezeugt, doch begegnet noch im 18. jh. die präpositionale wendung: doch haben sich ... sonderlich in Meiszen gute dichter gefunden, die mit jenen um die wette geeifert neuer büchersaal (1745) 1, 239. die zusammenrückung ist zunächst noch unfest: ohne deren (d. weisheit) einflüsse noch ... kein held mit den unsterblichen wett geeifert hat Wieland w. I 3, 52 akad.;
wettgeeifert wurd ohn' ende,
wer sie (die knospen) mehr und schöner fände
J. H. Voss s. ged. (1802) 5, 220.
dagegen vgl.: hatten sie beide verschiednemal um die anführerstelle im kriege gewetteifert Meissner skizzen (1778) 2, 173; hatten die ... leute ... gewetteifert O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 2, 379; Meinecke Boyen (1896) 2, 32.
1)
gegeneinander streben, sich den rang streitig machen, rivalisieren, z. t. mit abschätzigem nebensinn (vgl. wetteifer 1): und weil, auch in andren sachen, einer wider den andren wetteiferte, erwuchs endlich hasz und feindschaft daraus Valvasor herzogth. Crain (1689) 2, 185; es ist gegen die wahrheit der geschichte, wenn man den bösartigen, widersinnigen character zusammengedrängter menschen, wetteifernder künstler, ... neidiger gelehrten zu allgemeinen eigenschaften des menschlichen geschlechts macht Herder 13, 321 S.; sie wetteiferten um den vorzug, die werkzeuge seiner schändlichsten leidenschaften, seiner ungerechtesten befehle zu sein Wieland s. w. (1794) 7, 66; alle darstellung seiner eigenen person oder seiner kunst mit geschmack setzt einen gesellschaftlichen zustand ... voraus, der nicht immer gesellig, ... sondern im anfange gemeiniglich barbarisch, ungesellig und blos wetteifernd ist Kant w. (1839) 10, 262; alles wetteifern um öffentliche ämter und ehrenstellen werde ihm (dem wahren weisen) ... nicht einmal im traume bekannt Zimmermann einsamkeit (1784) 1, 153; überall wetteiferte die macht der innern localen antriebe mit der autorität der reichsgewalten Ranke s. w. (1867) 1, 223.
2)
in der kunstkritik; mit e. vorbild u. dgl. wetteifern 'es zu erreichen und zu übertreffen streben'; nur im 18. u. 19. jh. geläufig: der mit ihm im ernste wetteifern und nicht blos nachahmen wolte Meissner Alcibiades (1781) 2, 5; es herrschte darin ... ein air de grandeur, welches einen mit stiller ehrfurcht erfüllte, und mit den schönheiten der griechischen architectur wetteiferte Bode Thomas Jones (1786) 1, 28; obwohl M. durch ein gemählde mit den alten zu wetteifern wagte, in statuen würde ers unterlassen haben Herder 22, 268 S.; so sehe ich nicht, warum nicht ein künftiger deutscher geschichtschreiber mit einem Livius ... wetteifern könne br., d. neueste litt. betr. 20 (1764) 17; wie oft bearbeiteten alte künstler eine bekannte darstellung und wetteiferten in gleicher oder gröszerer meisterschaft mit ihrem vorgänger Göthe I 48, 43 W.
3)
sich bemühen, einander im streben, in leistung und vorbildlichem verhalten zu übertreffen (vgl. wetteifer 3): so weteiferten sie untereinander ... ihren vater ... zu unterstützen neue schausp. (1771) 12, 16; sowohl Wilhelmine als die junge Mariane wetteiferten, der kleinen Charlotte die beste erziehung zu geben Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 18;
der wetteifert ja wohl, auch Phöbus gesang zu besiegen
Voss Virgil (1799) 1, 56;
es erschienen, da die Ptolemäer und die könige von Pergamus in vergröszerung ihrer bibliotheken wetteiferten, unterschobene schriften aller art Winckelmann s. w. (1825) 7, 202; er wird sogleich den übrigen mitgliedern des ordens vorgestellt, und alle wetteifern, wer es dem andern an gefälligkeit, freundschaftsbezeugungen und geschenken zuvorthun könne J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 98; zum symbol eines wie Hatem und Suleika in liebe und dichtung wetteifernden paares Göthe I 4, 81 W.; aber bald wetteiferten wir darin, die schiffe verschiedener völker aus dem bloszen bau ohne hülfe der flagge zu erkennen Steffens was ich erlebte (1840) 1, 67; zwei postwägen, ... die einander an schnelligkeit zu übertreffen wetteiferten A. v. Arnim s. w. (1853) 2, 305; wir wetteiferten mit einander, solche drachen in den verschiedensten formen zu machen Kerner bilderbuch (1849) 9; hier kehrte sich ihr streit um und sie wetteiferten, sich ergeben zu zeigen Ranke s. w. (1867) 35, 131.
4)
in wettbewerb treten, konkurrieren, sich messen, vergleichen (lassen); meist in verbindungen wie wetteifern können, mögen, wollen. vereinzelt in verbindung mit dem dat.:
selbst vor Achilleus nicht, dem zerschmetterer, möcht er weichen,
im stillstehenden kampf; denn im lauf wetteifert ihm niemand
Voss Ilias (1821) 13, 325
in verbindung mit der präpos. mit: ich mag mit herrn D. nicht wetteifern; er hat so viel poetischen styl und sprache in seiner gewalt Herder 5, 174 S.;
Hafis mit dir, mit dir allein
will ich wetteifern!
Göthe I 6, 39 W.;
so finden wir, dasz ... wir zuletzt beim kunstgebrauch nur darin mit der natur wetteifern können, wenn wir die art, wie sie bei bildung ihrer werke verfährt, ihr wenigstens einigermassen abgelernt haben ebda I 47, 15; welche andern Hellenen hätten wohl an geschicklichkeit, menge und tapferkeit mit ihnen wetteifern können? Fr. Schlegel s. w. (1846) 4, 145; er muszte sichs eingestehen, dasz er nicht wohlhabend genug sei, mit den kavalieren ... im aufwande zu wetteifern Holtei erz. schr. (1861) 23, 79; an kostbarkeiten konnten die Römer mit den alexandrinischen schaͤzen nicht wetteifern wollen Niebuhr röm. gesch. 3 (1843) 641; seit wir ... darauf verzichtet haben, schöpferisch mit jenen generationen zu wetteifern H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 36. mit nennung des erstrebten zieles (wetteifern um):
... wir wollen in steter erwartung
künftig wie vor, um den preis wetteifern
J. H. Voss Odyssee 2, 207 Bernays.
5)
mehr zur bezeichnung der intensität einer handlung, ohne dasz noch ein bewusztes streben deutlich wird (vgl. ¹wette C 4 b β, εε):
wetteifernd höhnt mit herbem spotte
den eingebrachten fang die rachbegierige rotte
Schiller 6, 350 G.;
und seinerseits wetteiferte Alba mit seinem könige in der grausamkeit ebda 4, 101; frauen und mädchen wetteifern keck und ohne scheu über ihre nun einmal anerkannten zustände Göthe I 40, 267 W.; im ausgelassenen lachen wetteiferten die beiden jungen frauen miteinander Polenz Grabenhäger (1898) 1, 289.
6)
vom menschlichen verhalten her auf vorgänge in der natur, auf sachl. und abstrakte zusammenhänge übertragen: daher musz der erzählende theil eines epischen gedichts in der lebhaftigkeit und richtigkeit seiner schilderungen mit der mahlerey wetteifern allg. dt. bibl. (1765) 4, 1, 198; sie kamen aus einem kühlen wald heraus, wo die grasemücken, amseln und nachtigallen in gesängen wetteiferten Miller Siegwart (1777) 1, 13; tugend und grazien wetteiferten sich selbst zu übertreffen, und Franziska ward! Schiller 1, 45 G.; notenstich, titelblatt, sodann der allerherrlichste einband wetteifern mit einander die gabe stattlich zu vollenden Göthe IV 39, 231 W.; lasse ich mich täglich ... auf diese zinne bringen, welche mit allen schönen aussichten um Jena wetteifert ebda 29, 42; er (der roggen) wetteifert mit der gerste um die nord- und höhengrenze des getreidebaus überhaupt Hoops waldbäume u. kulturpfl. (1905) 637. beim vergleich bestimmter eigenschaften, beim abwägen einzelner vorzüge wird ebenfalls gern die vorstellung des wettstreits wachgerufen (vgl. wettstreit 7, wettstreiten): eine junge rose wetteifert in ihren blonden haaren mit dem jungfräulichen incarnat ihrer wangen Pfeffel pros. versuche (1810) 7, 186; plötzlich erschienen die nymphen des waldes und erhoben die hände, die mit jungen blättern wetteifern an weichheit und schöne J. G. Forster s. schr. (1943) 9, 237; ein tafelgebirge, wetteifernd mit dem steinernen meere, wenn nicht an ausdehnung, so doch an öde und zerrissenheit Barth Kalkalpen (1874) 72; ein gemälde, das diesen zierrath (den schmuck d. orients) mit frischen ... farben ausdrückt, kann mit der natur wetteifern Herder 16, 75 S.; eine kleine goldene uhr, sehr zierlich gearbeitet und so flach, dass sie fast mit einer münze wetteifern konnte Stifter s. w. 4, 1 (1911) 213; die anmuth ihres betragens schien mit der beblümten erde, und die unverwüstliche heiterkeit ihres antlitzes mit dem blauen himmel zu wetteifern Göthe I 28, 15 W.; ein höchst zusammengesetztes mit einem zweige wetteiferndes blatt wird entwickelt ebda II 6, 34; es ist wahr, dass die schottische hauptstadt unbedingt an schönheit mit neapel wetteifern kann Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 228.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 687, Z. 56.

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„wetteifern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wetteifern>.

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