Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wettlauf, wettelauf, m.

wett(e)lauf, m.,
vereinzelt auch zwettlauf (aus zu-wette-lauf) Lazius chor. beschr. (1556) B 8ᵃ.
1)
der lauf, die bewegung um die wette. im eigentlichen sinne 'brauium wedde lopes danck' (15. jh., nd.) Diefenbach gl. 81ᵃ; patenti spatio insurgere sich inn lauff gaͤben mit grosser gesellschafft, ein wettlauff zethuͦn anheben Frisius dict. (1556) 1228ᵇ: wir sahen geren den wetlauf, den du tetest mit dem hasen ackermann aus Böhmen 40 Bernt; umme allerley wettelouffe und sust wettunge, wovon dy zeyn, do darff nymant dem anderen zcu gerichte umbe antwerten (15. jh.) Danziger schöffenbuch 71 Toeppen; er kauffte sechs persianische klepper, welche sich mit den hirschen in einen wettlauff einlassen dürffen Ziegler asiat. Banise (1689) 507;
denn es ist
ein alter glaube, unfruchtbare weiber,
berührt bei diesem heilgen wettelauf,
entladen sich des fluchs
Shakespeare 2 (1797) 12;
die kinder hatten ... die nachricht zu überbringen, einen wettlauf angestellt Göthe I 23, 203 W.; im wettlaufe mit der scheuen gemse umherschweifen Barth Kalkalpen (1874) 552. besonders vom lauf der pferde; vgl. Diefenbach gl. 206ᵇ s. v. equidium: wetten lute vmme wetteloufe mit pferden (14. jh.) Kulmer recht 77 Leman; wann du nun ein ross zum wettlauff wilt richten Seutter hippiatria (1588) 7; da von den römischen jungen rittern zu pferde und zu wagen ein wetlauf gehalten wurde A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 957; das schnellfüssige ross, wie wird es gerühmt — wenns oft die preise des wettlaufs davon trug Bode Montaigne (1793) 2, 434; die bereiter der rennpferde sind leicht ... angekleidet. sie werden vor dem wettlaufe gewogen Archenholz England u. Italien (1785) I 2, 538. wettfahrt: die unzähligen barken mit fremden und Venetianern darin, der Canal grande von ihnen durchfurcht, und das volk an den ufern, das dem wettlaufe der gondeln zuschaute H. Grimm Michelangelo (1890) 2, 62.
2)
in älteren lexikalischen belegen auch übertragen auf die rennbahn (vgl. lauf 2 e, teil 6, sp. 308): ipodromium wetlawf (15. jh. obd.) Diefenbach gl. 308ᵇ; stadium wetlauff (15. jh.) ders., nov. gl. 347ᵃ; gewendt wegs, roszlauff, wette lauff, acker lenge, stadium Henisch t. spr. (1616) 1597.
3)
beim vergleich gleichzeitiger bewegungen und ereignisse, deren intensität und ausmasz die vorstellung des wettlaufs wachruft:
mit krieg und ungewitter beladen, fliegen schlösser,
im wettlauf mit den winden durch schäumende gewässer
Dusch verm. w. (1754) 116;
es entsteht ein wettlauf der verbrechen, bis aus königlichem geblüt endlich ein scheusal erzeugt wird, ... könig Richard III. A. Müller verm. schr. (1812) 2, 68;
im wettlauf mit der sonne bleibt
der mond zurück, der schwächre reiter
Rückert ges. pœt. schr. (1867) 1, 258;
auf, wackrer Golo! frische rosse her!
dasz wir den wettlauf mit dem sturm beginnen
Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 3, 42;
und parricidisch
reiht im wettlauf mächtiger ungeheur sich
frevler an frevler
Platen w. 1, 226 Hempel;
unsre schläfen fieberten noch vom wettlauf mit dem tode Ernst Wiechert d. todeskanditat (1934) 14.
4)
sinnbildlicher gebrauch; allgemein vom streben nach einem ziel: hie zuͦ sol sin unser wettelǒf, wer dis zil begriffet, wol ime! Seuse dt. schr. 493 Bihlm.; welcher ihnen einen preis aufsetzet, der sie aufmuntert, einen wettlauf nach ihrer eigenen vollkommenheit anzustellen J. E. Schlegel w. (1761) 3, 335; musz mit ihnen allen den wettlauf nach dem kranze des ruhmes wagen Herder 16, 32 S.; mehrere nebenbuhler waren in dem wettlauf nach dem groszen ziel von Pompeius überholt Mommsen röm. gesch. (1866) 3, 187; eine art von wettlauf im liberalismus zwischen den beiden regirungen Bismarck ged. u. erinn. 2, 264 volksausg.; denken wir nur an das wachstum des englischen, des russischen, des amerikanischen weltreichs, an den allgemeinen wettlauf in den kolonien K. A. v. Müller aufs. u. vortr. (1926) 159. in hinsicht auf den verlauf des lebens und den lebenskampf; im vergleich: dann wie sich die jenigen, so im wettlauff das fürgesteckte zihl erreicht, umbwenden, ... also musz auch inn der enderung desz lebens, der tod zwischen beide leben kommen Schweickhart zu Helfenstein Basilius magnus (1591) 471; sinnbildlich: was ist unser hinfälliges leben? der weg zum grab, der wettlauff zum tod Harsdörffer teutscher secretar. (1656) 2, 56; dieses zeitliche leben ist nur ein wettelauf Butschky Pathmos (1677) 175; es wäre eine thorheit, wenn man in dem wettlaufe dieser welt alsdenn erst wolte anfangen langsam zu gehen, da man dem ziel am nächsten ist Lindenborn Diogenes (1742) 1, 690;
weil du die macht hast und die gnade, hinter
die maske hinzuschauen und durch sie
(die still verblich im regen vieler winter)
und meiner seele antlitz findest, wie
es dieses lebens wettlauf müd begleitet
Rilke ges. w. (1927) 6, 45.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 781, Z. 39.

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werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„wettelauf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wettelauf>.

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