Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gewette, gewett, n.

gewette, gewett, n.,
in den hauptverwendungen verstärkte form zu dem früheren neutrum, dem jetzt in die reihe der feminina übergeführten verbalsubstantiv wette (s. d.). im mundartlichen gebrauch sind daneben formen zu beachten, die als substantivierungen des particips unmittelbar auf das verbum zurückführen (vgl. unter 1 a). für unsere form stehen sich zwei bedeutungen gegenüber: auf der einen seite die von dem begriff eines pfandes ausgehenden verwendungen, bei denen gewette im gegensatz zu wette nur die functionen eines nomen actionis entwickelt; auf der andern seite die in das engere gebiet des rechtes und der verwaltung fallende bedeutung eines strafgeldes. von hier aus zweigt eine auf landschaftlichen (niederdeutschen) gebrauch beschränkte entwicklung ab, die auch beim grundwort, mehr noch beim compositum belegt ist. sie überträgt den namen auf die behörde, die die strafe verhängt, vgl.das gewett als amtsbezeichnung für polizeibehörden, vgl. die zusammensetzungen gewettsherrn, gewettgericht u. a. nur bedingt gehört in den bereich unseres wortes das gewette in heergewette für heergewaete (vgl. darüber 1) c), das den überlieferungen der wörterbücher angehört. ein innerer zusammenhang ist freilich auch zwischen gewaete und gewette anzunehmen, insofern beide bildungen auf die gleiche wurzel zurückführen, für die mit Mehringer (indogerm. forschungen 17, 142) die bedeutung von binden (flechten, weben) anzusetzen ist. gegen die entwicklung des juristischen begriffes pfand aus der grundbedeutung binden liegen keinerlei bedenken vor, und unterstützt wird diese deutung durch die althochdeutschen participialbildungen (kawetan, kiwetan, conjugatus, conjunctus Graff 1, 738), die unsere wortsippe im gleichen bedeutungszusammenhang vorführen, und die sich in mundartlichen gebrauchsformen fortsetzen.
1)
älteste belege, concurrenzbildungen gleichen stammes und deren mundartliche ausläufer, heergewette.
a)
das mit dem i suffix gebildete neutrum (wette) in der bedeutung von pfand, pfandsetzung hat schon einen langen zeitraum des gebrauchs und der entwicklung durchlaufen, ehe es mit dem präfix ge bezeugt ist. dasz das deutsche wort den lateinischen (vas, vadimonium) und auch griechischen bildungen (s. unten) urverwandt sei, wird neuerdings allgemein angenommen. schon bei Ulfilas ist die form vadi mehrmals bezeugt und ist dort durchweg übertragen gebraucht: jah siglands uns jah gibands vadi ahman in hairtona unsara 2. Korr. 1, 22 (und in unser hertzen das pfand, den geist gegeben hat. Luther); ebenso 5, 5; ähnl. Ephes. 1, 14. Skeireins 48. in der althochdeutschen periode bieten die glossen vielfach zeugnisse sowol für die sachbedeutung als auch für die function des nomen actionis, vgl. wetti, pignus, vadimonium, stipulatio, pactum, fenus Graff 1, 740; vgl. mittellat. vadium (gage); aus der groszen zahl der mittelhochdeutschen belege für wette (mhd. wb. 3ᵇ, 775) ist vor allem die entwicklung hervorzuheben, die die bedeutung eines pfandvertrages hier erfährt. allgemein als abmachung, der ein gegenseitiger einsatz von pfändern vorausgeht, im besondern als einleitung eines kampfes (vgl.wettkampf), liegt sie den mannigfaltigsten formeln zu grunde, mit denen die blüthezeit der mittelhochd. dichtung schaltet. das compositum mit dem präfix nimmt an diesem gebrauch erst bei den nachzüglern aus dem ende des 13. jahrh. teil; vorher ist es ein einzigesmal in einer predigt aus dem 12. jahrh. belegt, und zwar in einem gebrauche, der vielleicht dem übergang zur bedeutung von busze, strafgeld als erklärung dienen kann: michel mêre suln die mennesgin gefrouwit werdin, den der fride gemachôt was an der erde. der fride chom an der cîte: wan diu gewette werete funftûsind jâre unde mêre, daz wir armennesgen newedir habetôn gotes hulde noch der engile minne. s. Wackernagel altd. lesebuch 194. das genus des fem., das der artikel hier dem gewette beilegt, entspricht dem mitteldeutschen gebrauch von wette, das dort früh als fem. bezeugt ist. für die bedeutungsentwickelung des wortes ist der gegensatz bemerkenswerth, in den gewette hier zu friede tritt, es kennzeichnet die störung des friedens, die zeit des kampfes. da nun der juristische begriff von gewette im sinne eines strafgeldes vom gleichen anlasz ausgeht, vom friedensbruch (s. u.) und da das friedensgeld geradezu friede (fredus vgl. Brunner rechtsgesch. 1², 230) genannt wird, so wäre auch die entgegengesetzte benennung (vgl.(fehde für busze) nicht ausgeschlossen.
b)
lange vor diesem zeugnis ist das präfix ge bei andern ableitungen vom gleichen stamme belegt.
α)
schon in die sprache des Ulfilas reicht das verbum zurück: gavadjoda auk izvis ainamma vaira mauja svikna du usgiban Christau 2. Kor. 11, 2 (ich hab euch gemehelt aim man cod. Tepl.; ich habe euch vertraut einem mann, dass ich eine reine jungfrau Christo zubrächte Luther). die bedeutung von gavadjon (trauen, antrauen) läszt sich von dem juristischen begriffe der pfandsetzung ableiten (vgl. Schröder die verlobung als wettvertrag rechtsgeschichte⁴ 300) oder aber mit Mehringer a. a. o. auf den begriff conjungere zurückführen. für die zweite erklärung spricht die bedeutungsrichtung des particips, das schon in den ältesten glossen überliefert ist, und das dort ebenso wie im sprachgebrauch Notkers und einiger mittelhochd. dichter übertragene verwendungen entwickelt, die alle immer wieder auf die bedeutung ins joch spannen, conjungere, conjugare zurückführen; conjugate, nupte, kiwetan, Hrabanisch-Keronische glossen s. Steinmeyer-Sievers 1, 60; tiu zwei sint kewetiu. bediu heizet taz argumentum a conjugatis. Notker Boethius 190ᵃ Hattemer; mit clesinemo puluere, chleino gemalnemo unde gnôto gewetemo (handschr. geuéutemo) 27ᵃ. die normale schwache participialform ist nur bei Notker und in varianten zur genesis (vgl. auch die substantivbildungen in β) belegt, die mittelhochdeutschen zeugnisse zeigen wie die glossen nur starke flexion;
do was des dritten werwort er hiete gechouffot
funf gewet ohsin, er muͦse die besuchen.
Genesis und exodus 112, 32 Diemer (handschr. gewetene, Wiener handschr. gwet);
unde flôch âne strît.
doch er ûf Gringuljeten
ze dem besten rosse wære geweten (geriten)
daz ie ritter gewan,
also snelle kêrte er dan
rehte an die wider vart.
Hartmann Erec 4715 Haupt;
ich vant an der fossiure
den haft und sach die vallen.
ich bin ze der kristallen
ouch under stunden geweten.
Gottfried v. Strassburg Tristan 17117 Marold;
ich weiʒ wol, eʒ ist ein altez mære
daʒ ein armez minnerlîn ist rehte ein marterære.
seht, zuo den was ich geweten
wâfen! die wil ich lân und wil inz luoder treten.
Steinmar bei Bartsch schweiz. minnes. (19, 1) s. 170 (grosze Heidelberger handschr.: gewetten: tretten).
in deʒ tievils ioch
hatte er sich gewetten
er wol de niht tretten
von der helle stige.
Hugo v. Langenstein Martina s. 282 Keller;
erhurnet abe ein man dem andern sinen ochsen der geweten ist oder ein rint, der ist schuldic ieme des daz rint gewæsen ist funf schillinge unde dem vogte drizzig phenninge. stadtbuch von Augsburg 174 Mayer; der hofe cze Harde, wenne die maiger daruf säszen, so hettens mit der statt cze Dornhain nütt ze schaffene und hettin sunder waide und ban, wan das si mit gewetnan rindern durch die malatzgassen ab sont varen über den brunnen und wider uff. weisthum zu Dornheim (Württemb. Schwarzwald) weisth. 1, 374 (aus 1417).
β)
in eben diesen zusammenhang weisen auch substantivbildungen der althochdeutschen zeit, die von der schwachen form des präteritums abzweigen; sie leben noch heute mundartlich weiter und halten an der gleichen eng begrenzten bedeutung fest.
1))
auf das neutrum weisen:
a))
jugis ... giwetun, giwetene glossen zu 1. könige 19, 19 Steinmeyer-Sievers 1, 441 (er pflüget mit zwelff jochen Luther); par, giwet ebenda (ein joch rinder Luther); jugales, giwet, glosse zu Jeremias 51, 23 (joch Luther) ebenda 1, 634. dem entspricht auch die notiz bei Maaler: gewätt (das), allerlei rüstung unnd band zum jochen dienlich, jugamentum, compago 178ᶜ. das gleiche wiederholt bei Frisch 2, 444ᶜ. dazu vgl. die späteren mundartlichen feststellungen: das gewätt, das joch sammt zugehör zum einspannen ... ein g'wätt ochsen Stalder schweiz. idiot. 2, 438; g'wet, das joch, das joch ochsen, auch die ochsenhörner, weil die ochsen daran eingejocht werden. Lexer Kärnt. wb. 256; ebenso gewette bei Unger-Khull 290ᵃ.
b))
auf diese bedeutung könnte das folgende substantiv zurückgeführt werden, das andererseits sich auch aus gewett 2) erklären läszt:
darnach machentz ain gewett
jeder man mit ainer zu bett
da werdent si so gaͤmenlich
die kutten zipfel ubent sich.
v. d. Barfüsser mönchen 139 in Laszbergs liedersaal. 3, 394.
c))
von einer allgemeineren fassung der bedeutung conjungere geht eine andere buchung Maalers aus: wol in einanderen gefügte und gewättne blöcher, trabes compactiles 178ᶜ; dem entspricht: gewätt ... gebäude, welches aus ordentlich gefügten balken besteht. Stalder 2, 438.
2))
auch im genus des masculinums zweigt das particip eine form der substantivierung ab, die die ersterwähnte bedeutung verallgemeinert und die im besondern den unter 1)) b)) angeführten beleg erhellt: gewete, genosse vgl. mhd. wb. 3, 774ᵇ; Lexer 1, 989;
dâ prîs mit wârheit ist vernomn
an im und ouch an Gahmurete.
reht werdekeit was sîn gewete.
Parzival 326, 4;
daʒ im Marjodô
êre ûʒerhalp des herzen bôt
und sîn gewete (var.: geferte, geselle) petit Melôt,
die sîne vînde ê wâren.
Tristan 16322 Marold u. a.
in mundartlichen gebrauch ist diese verwendung nicht übergegangen.
c)
die verbindung heergewette an stelle von heergewaete ist nur in wörterbüchern belegt und mag überhaupt auf schriftlicher überlieferung beruhen. den ausgangspunkt haben wir wol in der niederdeutschen form von gewaete zu suchen. hierauf weist auch die älteste buchungbei Stielerhin: ab hoc wad venit antiquum vocab. wette et gewette, quasi gewade, propr. vestimenta aliaque supellectilia lintea: superest nobis adhuc vox heergewette Stieler 2406, ähnlich Adelung 2, 1049 u. a. in einigen buchungen ist ein allgemeinerer begriff herausgearbeitet: gewette, suppellex ... s. geräth Hederich 1, 1422: das gewett oder gewette kommt in älteren büchern nicht sowohl für kleid, als für ausstaffirung oder geräth vor. man hat davon noch das heergewette, wofür einige unrichtig hergeräth gebrauchen, weil jetzt dieses letztere eine viel weitere bedeutung hat. Heynatz 2, 55. man könnte versucht sein, diesen begriff von supplex mit den unter b) β) belegten verwendungen in beziehung zu setzen und von hier aus das heergewette zu erklären; es würde sich hierbei auch eine neue parallele zu gewende (ein gewende pferde sp. 5472) ergeben. doch die eigenart der zeugnisse für diesen gebrauch von gewette, die sich auf wörterbücher beschränken und die deutlich die abhängigkeit von einer eng begrenzten überlieferung verrathen, legt es uns näher, den ausgangspunkt für die entwicklung des allgemeinen begriffes in der parallele heergewaete, heergeräthe zu suchen, vgl. auchgewette (das, pro geräthe) res; heergewette (pro heergeräthe), res expeditoriae Steinbach 2, 985.
2)
unter den verwendungen, die an die bedeutung von pignus anknüpfen, hat die zusammengesetzte form gewette anscheinend nur solche entwickelt, die die function eines nomen actionis bloszlegen. einige zeugnisse, die sachbedeutung verrathen, weisen auf eine spätere secundäre entwicklung hin (vgl. das analoge bei ἀθλον, wettkampf, kampfpreis).
a)
die ältesten belege führen unmittelbar auf die bedeutung eines durch den einsatz von pfändern geregelten kampfes (wettkampf) zurück, die in poetischen übertragungen und erweiterungen die bindung an einsätze mehr und mehr abstreift und dem allgemeineren begriffe kampf, streit zustrebt.
α)
zum einsatz eines pfandes als der vorbedingung des zweikampfes vgl. die schon von R. Schröder rechtsgesch.⁴ 759 angezogene stelle:
ich bin ouch ein recke und solde krône tragen.
ich wil daʒ gerne fügen daʒ si von mir sagen
daʒ ich habe von rehte liute unde lant.
dar umbe sol mîn êre und ouch mîn houbet wesen phant.
Nibel. 108, 1 ff. Lachmann.
vgl. auch:
de ûtbut den kamp, dat is dat recht,
einen hantschen deme anderen to donde plecht;
den hebbe gi hir, nemet to ju!
Reinke de vos 6125 ff. Lübben.
dazu vgl. nun: da schickhet der Hunfrid dem herzog von Burgundien einen handschuech zu gewett, mit ihme im feld zustreitten & den handschuech namb der herzog von Burgundi auf. bayrische chron. bei Freyberg 1, 122; Pontus antwurt jm (dem heiden) darauf, wie er allein mit jm wolt fechten und wolt jm starck genuͦg sein. der kunig und die herren waren fast traurig und unmuͦtig daʒ Pontus sein gewette het getroffen und das fechten het versprochen. Pontus u. Sidonia (1498) b 6ᵇ.
β)
diesen belegen gehen die beispiele für den kampf selbst schon voraus, ebenso ist die erweiterung des begriffes in poetischer übertragung früher bezeugt:
eʒ wart gesehen an Gamurette,
und ouch an Dieterîch von Latrisette,
an Îsenharte eʒ ouch geschach:
der starp durch solch gewette;
eʒ ist hie sam an Tschîônâtulander.
Frauenlob 359, 9 Ettmüller s. 205.
von der truͦc er minnen last,
des was si siner froͮden gast,
siner liebiu ain sendes lait,
siner senfte unsenftekait ...
ain ungunst sines herzen ger
sines unwillen an wer,
ain versagen sonder bette,
siner sinne ain gewette,
wan er wart ir niemer fri
si waͤr im zallen ziten bi.
R. v. Ems Willehalm 4364 Junk;
daʒ ein maget einvaltic
Alexandern also gewaltic
mit worten ubir rette
und sin hoh gewette
mit magetlicher wipheit
gebrochin unde hin geleit.
Hugo von Langenstein Martina 148, 28 Keller.
b)
wie schon die unter a) α) angeführten belege zeigen, lassen die verwendungen, die in der übergangszeit zur neueren periode hervortreten, die vorstellung eines pfandes, eines einsatzes stärker wieder aufleben.
α)
hier zuerst ist der rechtsbegriff rein gefaszt bezeugt: umb gewett gelt Münchener stadtrechtbuch (v. 1453) vgl. Schmeller 2², 1050) vgl.gewedde hant, gewette scult Verwijs u. Verdam 2, 1904; vgl. wei ock eghen slot hedde oder slot gheweddes Hansische urkunde von 1352 (urkundenb. 3, 113); deponiren ... etwas zu treuen handen pfandsweisz underlegen. etwas wetten unnd umb ein gewett pfandt hinder ein dritten man legen. Simon Rot E b β. dazu vgl.: so han wir jedweder teil dem andern gelobt, und zu einem angewette ufgesetzt und gelobt, und verbuͤrget 200. markh silbers Zuͤrich gewicht, weder teil nit statt hette dasz die schildluͤt oder der obmann uszseiten, oder der merteil under inen, dasz er dem andern teile, der da gehorsam ist, des vorgenanten 200. march schuldig sig ze geben, und darzu gefallen sig, ab allem rechte siner sachen. Tschudi Schweiz. chron. (urk. von 1311) 1, 256ᵃ Iselin.
β)
auch die bedeutung eines kampfes ist in der strengen bindung an einsätze (wettkampf) bezeugt, die belege sind nur aus Wickram übermittelt:
sobaldt die junckfraw solchs geret,
schickten sie sich zu dem gewet. (wettlauf der Athalante u. des Hypomenes)
Wickram (Albrechts Ovid. 10. cap. 13 v. 1172) 8, 79 Bolte;
inn solchem zog der jüngling fort,
fürlieff die magt am selben ort.
das volck gmeinlichen rieffen thet
dem jüngling zu an seim gewet.
(resonant spectacula plausu) ebenda (10. cap. 14. v. 1228) 8, 81.
γ)
reichlicher freilich flieszen die zeugnisse für die verwendungen, die sich mehr der heutigen bedeutung einer wette nähern. der einsatz eines pfandes bleibt im vordergrunde, während das moment des kampfes und streites sich mehr und mehr verflüchtigt: als sie nuͦn gehn Rom kumen sind, haben sie aller deren heuser, zo das gewett bestanden durchgangen, irer weiber thuͦn und lassen zuͦ erkundigen. Wickram (von guten u. bösen nachbarn cap. 38) 2, 222. vor allem zahlreich sind hier die belege aus H. Sachs:
1))
bauer. ja, wer wolt uns aber bescheiden,
ob ich recht habe oder du?
Eulensp. der nechst mensch, welcher komt herzu, ...
der bawer schlegt ims dar und spricht:
ja wol, es gelt wol das gewett,
wie du ietzt selber hast geredt.
wo der saget, mein tuch sei blab,
das hosztuch du gewonnen hab;
wird aber das tuch grün zeigt an,
acht thaler ich gewonnen han.
H. Sachs (Eulenspiegel mit dem blauen hosztuch und dem bauern) 21, 55 Götze;
ains tages sagt der kauͤfman fein,
sein lebtag er die frawen sein
kein mal het hoͤren feisten oder krachen.
der lanther ... sagt: 'es guelt ein guet fischmal!
e wan zwai gancze monat thuͤnd verlauͤffen,
soltu dein frauen horen feisten
nicht ain mal, suͤnder ane zal'.
das gwet schluͤgens mit den henden zu hauffen.
(das knarrzet weib) fab. u. schw. 4, 240;
der bawer schlegt das gewett dar und spricht.
(bauer mit dem plerr) 17. 48 Götze;
2))
pei dem ein piderman mag wol pedencken,
was ungluecks truͤnckenheit ursacht,
wa man umbget mit so nerischen schwencken,
umb kelbert auͤf der gassen pis auͤf miternacht
und anrichtet geferliche gewette.
(die bachanten im beinhause) fab. u. schw. 3, 95;
genau so 2, 56;
mit dem (kaufmann) macht Ambrogilo haimlich ain gewet,
im tausent gulden an funftausent seczen thet,
er wolt in kuercz erpulen im sein frauen.
(d. poswicht im kasten) 4. 87.
ebenso 4, 112; 5, 239;
wir drei detten vor acht tag ain gewette,
das iegliche ain pruͤech antrag
nacht unde dag.
welche sich thuͦet verhawen,
zalen sol die
ein virtheil wein.
(burgerin mit dem pfaffen) 5, 149;
des lachet der wirdig edel ritter und sprach zue dem keiser: 'losʒ, keiser, ich will ein gewett mit dir tuen: ist, daʒ ich dich überwind, also daʒ mir die martter unschedlich ist zue dem tod, daʒ du dan ann min got gelaubest ... des antwurt im der keiser unnd sprach: 'ich will kein gewett mit dir hann.' buch v. heil. Georg bei Bachmann u. Singer 321. dazu vgl. auch ein gewett mit einem thun, cum aliquo sponsionem facere Aler 936ᵃ; Bayer 291ᵇ.
weil man aber vor hat vernommen
das die geselschaft an solt kommen:
auch etlich gwett drauf waren bschehen
wa man sie heut würd kommen sehen,
da stund von Gisen zwar herauf
zum kaufhaus zu, ein solcher hauf
von mann und weibern.
Fischart glückh. schiff 735 neudr. s. 22.
3))
ich pin dir ein warsager,
das gwet hast gwis verloren du
auͤf diesen reuͤters knaben.
H. Sachs (die juden vulva 22) fab. u. schw. 5, 158;
darumb ward erkannt, dasʒ er das gewett verloren, und jener redlich gewonnen hette. Bebel facetiae (1589) 174ᵃ.
4))
comedia von zweien fürstlichen rähten, die alle beede umb eines gewetts willen umb ein weib buleten. titel eines stücks von Ayrer 1, 11 Keller.
c)
in der neueren sprache ist es nur diese engere bedeutung von wette, in der auch gewette noch weiter lebt. ganz vereinzelt macht sich in den ältesten belegen dieser periode noch der allgemeinere begriff kampf, streit geltend:
d Hussiten wollt kaiser Sigmunđ
todt haben alle kurz und rund;
das thäten d Hussiten verachten,
gwunnen ihm ab etliche schlachten,
viel tausend wägen in dem gwett,
viel land und leut, dazu auch städt,
das gwunnen d Böhmen, und zugleich
verfolgt Ungern und Österreich.
ursachen ... diesem betrübten zustand in Deutschl. abzuhelfen (1620) bei Opel u. Cohn 52, 51.
α)
in den wörterbüchern wird das compositum meist mit sponsio gleichgesetzt und weist hierin auf eine ältere fassung des begriffs wette. später verräth sich in manchen nachträgen eine wandlung dieses begriffes, und die jüngern wörterbücher setzen gewette und wette im neuern sinne einfach als identisch an, nur dasz an gewette das verbalsubstantiv nach analogie von getreibe, gethue herausgearbeitet wird: verheissung oder gewett, audax sponsio Maaler 179ᵃ; gewette, satz, verheiszung, sponsio, sposum, omnis promissio stipulatioque, à wetten, deponere Henisch 1598; gewett, n., sponsio Gürtler 2, 74ᵇ; ebenso Aler 936ᵃ; Bayer 291ᵇ; Kirsch 2, 151ᵇ; Matthiae 2, 181ᵃ; gewett, n., wett ... gagûre Rädlein 1, 383ᵃ; gewette, n., la gageure, le pariement, sponsio Pomey 133; ähnlich Veneroni 75ᵃ (gewett); wette, oder gewette, lat. sponsio, franz. gageure, ist ein contract, da man sich über die wahrheit oder den ausgang einer noch ungewissen oder unbekannten sache ... dergestalt vergleichet, dasz derjenige, dessen meinung mit der wahrheit oder dem ausgange übereinkommen würde, einen gewissen gewinn haben solle, s.pact. Chomel 8, 2325; gewette, die wette (a bet or wager), die wettung (the laying of wagers or bets). teutsch-engl. wb. (1716) 772; ebenso Hilpert 1, 464ᵃ; gewette, wettung, gewedde, wedding, wed-spiel Kramer 2, 97ᵃ; ein gewett anlegen, faire une gageure; das gewett gewinnen, gagner la gageure Rondeau 2, Uu 3ᵇ; das gewette, n., das wetten (im gemeinen leben; im oberdeutschen auch für) die wette; ein gewette anstellen ... es gilt ein gewette Adelung 2, 661; gewett, die wette Loritza neues idiot. Wiennense 51; gewett ... wette. Martin u. Lienhart wb. d. Elsässischen mundarten 2, 879ᵃ (um's gewett; was gilt's gewett? er hat e gewett gemacht).
β)
die litterarischen belege sind spärlich, sie entstammen dem schriftgebrauch älterer süddeutscher stilisten, vor allem aus der Schweiz: dieses gedicht war eine art eines gewettes: mein freund d. D. Stähelin und andere werthe bekannte ... erhoben die Engelländer und rückten mir oft das unvermögen der deutschen dichtkunst vor. ich nahm die ausforderung an ... ich suchte in einem nach dem englischen geschmacke eingerichteten gedichte darzuthun, dasz die deutsche sprache keinen antheil an dem mangel philosophischer dichter hätte. Haller (vorbericht zu den gedanken über vernunft) 43 Hirzel; das war ein spasz, wie ihr einst ein gewette mit ihm anstelltet, wer den schönsten fisch angeln würde, und euer taucher ihm einen eingesalznen fisch an seiner angel hieng, den er mit grossem eifer herauszog. Wieland übersetzung des Shakespeare, (Antonius und Cleopatra 2, 5) 4, 231 (Schlegel: lustig war mit ihm das wetteangeln ... 't was merry when you wager 'd on your angling); dasz sie in diesem augenblick gegen untadelhafte männer dieses thun würden, schien so unwahrscheinlich, dass der hr. Tronchin und ich ein gewette darüber gegen die frau Tr. verloren haben, zu unserer gröszten schande, denn wir hatten fait les agréables à ses dépens. Joh. v. Müller (briefe an Bonstetten) 13, 207.
3)
die bedeutung strafgeld führt auf den dualismus zurück, der an den geldstrafen des älteren deutschen rechts wahrgenommen wird: neben dem sühngeld, welches der verletzten partei zuerkannt wurde, war in der regel auch ein bestimmter betrag an die öffentliche gewalt oder an das gemeinwesen zu entrichten, das friedensgeld, in den lateinisch geschriebenen quellen fretus, fredus, freda, gelegentlich auch pax oder poena pacis genannt Brunner rechtsgesch. 1², 230; vgl. auch R. Schröder rechtsgesch.⁴, s. 81. dieses friedensgeld wird von der mitte des 13. jahrh. ab in deutschen rechtsquellen auch wette, gewette genannt und als solches der busze gegenüber gestellt, später jedoch von ihr nicht mehr unterschieden. vgl. Schröder a. a. o. 116. vgl. auch: gewette, sachsenbusse Chomel u. a. s. unten sp. 5706, vgl. Verwijs u. Verdam 2, 1871. die deutung dieses gebrauchs darf aus lautlichen gründen nicht von wite (althochd. wîze) ausgehen, obwohl das angelsächsische und niederdeutsche auch diese wortsippe (wite ursprünglich = peinliche strafe) in den kreis der synonyma eingeführt haben, vgl. Brunner a. a. o. vgl. wedde, geldstrafe mulcta, sonst auch wite. vers. eines brem. nieders. wb. 5, 209, vgl. auch wite bei Schiller - Lübben 5, 747 ff. die oben (sp. 5701/2) beigebrachten belege berechtigen dazu, auch für gewette als strafgeld von der gleichung wette, pfand auszugehen; vgl. auch die beitreibung von busze und gewette durch pfändung s. sp. 5705. auch dafür lieszen sich gründe beibringen, dasz zuerst das friedensgeld und nicht auch die busze an diese gleichung gebunden wurde. vielleicht ist aber doch mehr gewicht auf die oben (sp. 5699) angeführte alte stelle zu legen, in der der gegensatz zwischen gewette und friede so scharf gefast ist. da die busze auch fehde (Schröder a. a. o. 81), das strafgeld sonst friede genannt wird, so wäre mit gewette die bezeichnungsart der einen form der geldstrafe auch auf die andere übergegangen. gewette würde aber mit der bedeutung unfriede, streit, kampf im letzten grunde ebenfalls auf die gleichung wette, pfand zurückführen. in der bedeutung einer geldstrafe ist nun gewette vom 13. bis zum ende des 15. jahrh. aus denkmälern der verschiedensten deutschen landschaften belegt, nicht nur aus nieder- und mittel-, sondern auch aus oberdeutschen quellen. bei den belegen aus rechtsbüchern, wie dem schwabenspiegel oder dem spiegel deutscher leute, läszt sich der oberdeutsche gebrauch durch die übernahme der betreffenden stelle aus der niederdeutschen vorlage einfach erklären. dasz aber der rechtsausdruck auch tiefer in die süddeutsche rechtssprache eindrang, beweisen die belege aus österreichischen urkunden. später schrumpft der gebrauch freilich wieder zusammen und geht auf das ursprungsgebiet zurück. zu den formen vgl.: gewedde im sachsenspiegel und im Berliner stadtb., gewetde in Mainzer urk., gewatte, gewette österr. urk. und gewett in mitteldeutschen und oberdeutschen quellen.
a)
die bedeutung strafgeld.
α)
abgrenzung von gewette und busze: umme iewelke disse sake weddet he deme richtere; unde umme alle scult, dar de man sine bute mede gewint, dar hevet die richtere sin gewedde an. sachsenspiegel landrecht 1, 53, § 1, Homeyer³ s. 206, ebenso 3, 32, 10; vgl.alle schulde, da der man sine buͦzze mit gewinnet, da hat der richter sein gewette an. doch wettet man dem richter dikke umbe unzucht, die man tuͦt vor gerichte. spiegel deutscher leute 73 Ficker; swer sô den anderen slêt âne vleischwunden oder roufet, wirt her gevangen mit gerûchte und vor gerichte brâcht, ez en gêt ime an den hals noch an sîn gesunt nicht, wenne gewette und bûze verburet her dar an. sachsenspiegel 3, 37, 1 Weiske-Hildebrand; sprich en man gut an des ime sin herre nicht ne bekant, unde he der gewere dar an darvet, he mut deme herren borgen setten sines geweddes unde siner manne bute of he sie verboret, er ime die herre dach to lenrechte bescheidet. sachsenspiegel lehnrecht § 52 Homeyer 1, 232; sprichet ein man guot an, und wirt er mit rehte dâ von gewîset, er belîbet âne buoze unde âne gewette, die wîle er sich des guotes niht underwindet. schwabenspiegel (landrecht 65) Wackernagel s. 64 (var. wette); genau so spiegel deutscher leute 73; iewelk richtere hevet gewedde binnen sime gerichte unde nene bute, wen die richtere ne mach beide klegere unde richtere nicht sin. sachsenspiegel landrecht 3, 53, § 2, Homeyer³ s. 349; vgl. auch 3, 45, § 10; over virteinnacht sal man scult gelden, de man vor gerichte gewint; gewedde over ses weken; bute na me gewedde over virteinnacht. 2, 5, § 2 ebenda s. 232; vgl. auch lehnrecht § 68, 10; sve gewedde unde bute nicht ne gift to rechten dagen, de vrone bode sal en dar vore panden. sachsenspiegel landrecht 1, 53, § 3 Homeyer³ s. 206; swer busze noch gewette nicht engît ze rehten tagen, der vrônbote sol in phenden. schwabenspiegel (landrecht 66) s. 64 (var. wette); die gleiche stelle im Berliner stadtbuch 108; der so einen scheppen strafet uf der bank her gewinet sine buse einen vierdung und der richter sin gewette. beschuldiget abir ein man einen schepphen so das orteil gevolget ist, so haben si gewunnen all ire busse und der richter sin gewette. alse manche busse alse mannich gewette. altes Kulm. recht 2, 3 s. 22 Leman.
β)
abstufung der geldstrafe je nach der stellung des strafenden oder nach der schwere des vergehens.
1))
zur abstufung nach der stellung des richters, vgl. Schröder a. a. o. s. 130: (der graf) konnte nicht, wie der könig schlechthin kraft seines amtes beliebige geldstrafen auf die nichtbefolgung seiner gebote verhängen, sondern die strafe (das gewette) richtete sich nach stammesrecht. demgemäss betrug das gräfliche gewette bei den salischen Franken, ebenso wie bei den Sachsen 15 schillinge. in besonderen fällen waren dem grafen auch höhere strafbefehle gestattet, namentlich wurde unter den Karolingern eine reihe von ausnahmefällen festgesetzt, in denen der graf die strafe des königsbannes im betrage von 60 schillingen verhängen durfte; dazu vgl. nun: Constantin de koning gaf deme pavese Silvestre werltlik gewedde to' me geistliken, die sestich schillinge mede to dvingende alle jene, die gode nicht beteren ne willen mit deme live, dat man sie dar to dvinge mit deme gude. sachsenspiegel landrecht 3, 63, § 1 Homeyer³ 359 (var. gerichte). die gleiche stelle im Berliner stadtbuch 25.
2))
dem richtere sal man erdelen up ine (den, der einen in nothwehr erschlagen hat und sich selbst dem richter stellt) dat hogeste gewedde der penninge, die man ime pleget to weddene, unde den magen ir weregelt. sachsenspiegel, landrecht 2, 14, § 1 Homeyer³ 244; weigeret sie aver dar rechtes unde werdet sie dem overen richtere beklaget, ire burmeister mut vor sie alle wedden en gewedde, unde den geburen mit drittich schillingen büten, unde iren scaden gelden. 3, 86, § 2 (var. en gemeine gewedde) ebenda 384; de wedde dat sint acht schillinge gewonliker penninghe. dat gewedde sal man gelden over ses weken. Berliner stadtbuch 108; was auch der richter richtet ader in geheigtem dinge thut, das sol er nach der scheppen verfolgten orteln richten und thun. er sol ouch für ein schlechte gewette einen schilling nemen landtpfenninge und nicht mer. vor ein freuel gewette funf schilling. vor hochste gewette dreissig schillinge landtpfenninge, die do im gerichte genge und gebe sindt, und die gewette sol ouch niemandt steigen noch höen; keiner der stadt inwonhaftig und besessen burger ader burgerin sol dem gerichte gewette nicht verbürgen. Jenaer gerichtsordnung aus der 2. hälfte des 15. jahrhs. bei Michelsen s. 75; vgl. auch Wehner observationes (1608) 215; welch man den andern vor gerichte ubel handelt und böse wort spricht, der wett dem richter fünff schilling, heisst öm der richter swigen, thut ers nicht, so wett er daz höchste gewett alzo dick er ez thut. wan di bürger siczen an örem follen rate, wirt ein orteil von on funden, wer daz strafft, findet er nicht ein bessers vonstunt er sal wetten dem richter unse höchste gewett und sal dem rate ieglichenen besondern zu buss geben fünff schilling. statuten von Rudolstadt (1404) bei Michelsen 214; demnach bedacht, seiner gnaden schultissen zu entpfelen, hinfurder von einem todtschlage, vier rinische gulden, von lemenisse und kampfir wunden zwen rinische gulden, und nicht darober, vor ein gewette und abetragk, der dem gerichte geboren moge, zu nemen. revers des raths zu Halle (1499) bei Z. Ch. v. Dreyhaupt beschreibung des Saal-kreises 1 (1749), 673.
γ)
gewette wird unter dem gesichtspunkt der einnahme betrachtet: nen recht ne mach he aver in (der herr den bauern) geven noch sie selven kiesen, dar sie des landes richtere sin recht mede krenken, oder sin gewedde minneren oder meren mogen. sachsenspiegel, landrecht 3, 79, § 1 Homeyer³ 376; emendis & iuribus antiquis, que gewetde volgariter dicuntur, sibi salvis. urk. v. 1315 bei Guden. codex dipl. anecd. r. Mogunt. 3. 129; ob aber er ieman icht gelten solt. dem werd von dem guet vergolten. ob er mit einer gueten gezeugnuzz bewärn mag. daz der sein gelter gewesen sei. und waz des guets uber wirt. des gevallen zwai tail der hausvrown und den chinden. aber der drittail gewatte unserm richter. urk. Friedrichs d. Streitbarn v. Österr. bei Senkenberg s. 271; diu hêrschaft hât verlihen hern Hûge unde sînem vetern ze lêhen, als si sprechent, alliu gerihte ze Dattenriet unde behuob ir selber niht mehr danne den drittren teil der gewettun. habsb.-österr. urbarb. (14. jahrh.) (5) 28, 19 Pfeiffer.
δ)
von wörterbüchern wird diese bedeutung in der älteren zeit nur bei Kilian und Henisch verzeichnet: ghewette (vetus sax) wette, mulcta Kilian 146ᵇ; gewette, straff, geldstraff, mulcta ... höchste gewette, ... richteres gewette Henisch 1598. bemerkenswerth ist schon hier die einschränkung des gebrauches auf Sachsen, die später immer wieder betont wird, namentlich auch seit die wörterbücher anfangen, ihre darstellungen geschichtlich zu vertiefen; gewette, emenda, amende. in Sachsen-recht die geld busz, so dem richter vor eine begangene frevelthat entrichtet wird. das höchste gewette in untergerichten sind 4 alte schock, oder 3 gulden 17 gr. Jablonski allg. lex. d. künste u. wissensch. 247ᵃ; ebenso, nur ausführlicher bei Chomel 8, 543 unter sachsenbusse, ähnlich Adelung 2, 661 u. a. dazu vgl. die aus urkunden schöpfenden darstellungen bei Haltaus 2089; Kehrein samml. ahd. ausdr. 32; vgl. auch Thiel 4, 429ᵃ.
ε)
unter den rechtssprüchwörtern finden sich einige formelhafte verwendungen von gewette: so manche busze, so manch gewette (s. o.) Graf u. Dietherr dtsche rechtssprichw. 322; nähme man kein gewette, so verginge das recht 314 u. a.
b)
die übertragung des wortes auf die behörden, die eine so gekennzeichnete geldstrafe verhängen und einziehen, ist bei dem grundwort wette mannigfach bezeugt, vgl. Frischbier 2, 465 (für Danzig); am compositum ist sie für das verwaltungsgebiet von Rostock belegt: in sachen amts der brockfischer, klegere, wider die fischer aus der straszen, beklagte, gibt ein wohllöbl. gewette diesen bescheid, dasz es hiemit bei dem vertrage von anno 1667 sein verbleiben habe. publicatum im gewette 9. 1. 1679 bei Koppmann beiträge z. gesch. der stadt Rostock I 4, 87; Voigts wunsch nach feststellung der arbeitszeit der gesellen ... wurde dahin beantwortet, dasz dies von se. rath dependire; wegen seines weiteren wunsches, dasz das rauchen der zimmergesellen bei der arbeit abgeschafft werde, sollte mit dem gewett gesprochen werden. ebenda 4, 6; auf grund ... der bekanntmachung des bundesrats vom 4. märz 1896 ... wird hiermit für ... bäckereien und konditoreien in Warnemünde ... an folgenden tagen des jahres 1907 ... überarbeit gestattet ... gegeben im gewett. Rostock, den 22. dez. 1906. B .... gewettssekretär. u. a. (vgl. dagegen gewettgericht). ebenso führt in dem von Rostock abhängigen Warnemünde die polizeibehörde den namen das gewett. in anderen gegenden sind für ähnliche functionen zusammensetzungen mit gewett üblich, vgl. gewettherrn, ↗gewettgericht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1907), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 5698, Z. 36.

waten, verb.

waten, verb.
schreiten, besonders durchs wasser.
I.
herkunft, formen, flexion.
1)
mhd. waten, ahd. (erst bei Notker belegt) waten, übereinstimmend mit mnd. waden 'schreiten, durchdringen, waten' Schiller - Lübben 5, 572, mndl. waden 'durchdringen, hervordringen (vom blut), waten' Verdam 680ᵃ, afries. wada Richthofen 1122, wfries. wâdzje Dijkstra 3, 394, ags. wadan 'gehen, durchschreiten, durchdringen' Bosworth-Toller 1148, engl. wade, anord. vađa 'gehen, vorwärtsdringen, mit beschwerde durchschreiten, waten' Fritzner 3, 836, schwed. vada, dän. vade, im got. nicht belegt. dazu die subst. wat, wate 'furt, untiefe' und wette, jetzt wede 'schwemme'. verwandte finden sich nur im lat.: vadum 'furt' und vadare 'waten' stimmen in der form der wurzelsilbe überein, während das ablautende vādere 'schreiten' seiner bildung nach näher steht. einflusz von waten im anlaut zeigt sich bei dem zunächst auf lat. vadare zurückgehenden ital. guadare 'waten'. — im mhd. steht neben waten auch ein schwach flect. weten, das nur theilweise trans. als 'gehen, waten machen (vom pferd), in die schwemme reiten', häufiger intrans. als 'schreiten, gehen, waten' gebraucht wird. dazu ist mehrfach ein starkes part. geweten im reim auf getreten überliefert; wahrscheinlich ist mit Müller mhd. wb. 3, 535 dafür gewetet: getretet einzusetzen. ein vereinzeltes wehtent für watent steht noch bei Seuse 247, 9 Bihlmeyer (vadare, wetten Diefenbach gl. 604ᵇ, nov. gl. 375ᵇ steht wol für vadiare).
2)
seit etwa 1300 tritt im alem.-schwäb. die auf erhaltung der kürze hinweisende form watten auf: Diefenbach a. a. o. liedersaal 1, 34. Pseudo - Neidhart XXXI V, 11 Haupt. H. v. Langenstein Martina 75, 41. des teufels netz 12301. Seuse 202, 7 u. ö. Schlettstadter stadtrechte 2, 546 Gény. Wackernagel kirchenlied 3, 582, 10. Hätzlerin liederbuch 2, 68, 145. Keisersberg emeis 60. Pauli schimpf u. ernst 328. schweiz. schausp. 2, 243, 3229. Murner geuchmatt 1610, schelmenzunft 48, 25, vom luth. narren 2476. Eberlin v. Günzburg 1, 101. S. Franck chronica 322ᵃ, chron. Germ. 118ᵇ. Wickram 3, 51, 38. 6, 95, 2675. Uhland volksl. 526 (: platten). Zimmerische chronik² 4, 36, 23. Münster cosmogr. 1129. Fischart von S. Dominicus 318 (watt). Garg. 9 u. ö. Xylander Plutarchus (1580) 134ᵃ. Stumpf Schwytzerchronik 305ᵇ. Tschudi chron. helv. 1, 229 u. ö. Grasser schweitz. heldenbuch (1624) 111. Philander 2, 23. 102. 173. 182. Dannhawer catechismusmilch 1, 534. im 16. jahrh. tritt watten auch bei Rheinfranken auf: Livius bei Carbach (1530) 154ᵇ. Nigrinus papist. inquisition 420. vereinzelt bei Luther 34, ii, 301, 24 watte (nicht von Luther selbst herausg.). im 17. jahrh. watten auch bei Spee trutznacht. 277 (aber im reim 287 wadet). Guarinonius grewel der verwüstung 386. Abr. a S. Clara Judas 2 (1690) 90. noch im 18. jahrh. zuweilen bei Süddeutschen: Geszner (1762) 3, 6. Denis lieder Sineds (1772) 24. H. L. Wagner theaterstücke (1779) Macbeth 3, 11 s. 90. J. Paul flegeljahre 1, 26 (sonst waten). von wörterbüchern haben watten, auszer Dasypodius, Frisius, Maaler, Calepinus, auch Krämer, Dentzler, Pomay, Castelli, neben waden Kramer (1719) und Aler.eine grosze verbreitung hat im 17. und 18. jahrh. (im 16. nur bei dem Niederdeutschen Sastrow 1, 76) die form waden. sie kann nicht schlechthin als dialektform angesehen werden, da sie auch bei Obd. häufig ist, sondern erklärt sich hauptsächlich aus gelehrtem einflusz des lat. vadare: Albertinus zeitkürtzer 43. v. Chemnitz schwed. krieg 2, 194. Harsdörffer gesprechsp. 1 L 2ᵃ. Voigtländer oden u. lieder 80. Olearius pers. reisebeschr. 40ᵇ. Abr. a S. Clara mercks Wien 50. Gellert 1, 205 (: schaden). Zachariä 1, 327 (wadeten). Rabener 1, 235. Gleim schriften 1, 156. Möser patr. phant. 1, 92. Moritz reise in Italien 3, 231 (wadeten). Zimmermann über die einsamkeit 2, 56. Wieland 22, 274 (: beladen). 22, 73. Göthe 1, 146 (: promenaden), vgl. 15, 123 (Faust 2, 7287) den reim watend: (wadend hs.): badend und 24, 316 in der ausg. letzter hand herangewadet. G. Forster 1, 152 (wadete). Arnim an Bettina 292. Brentano, lit. denkm. 15, 103 (pfade: wade). Grimm märchen 2 (1843) 192. Seume 179. Heine 1, 341 Elster. W. O. v. Horn aus der Maje 1, 54. von wörterbüchern haben Hulsius, Kirsch, Steinbach, Frisch nur waden, das auch von Stieler, Ludwig, Kramer, Aler erwähnt und noch 1793 von Braun in seinem wb. bevorzugt wird; doch sprechen sich die grammatiker (Gueintz, Bellin, Gottsched) für waten aus, nur Bödiker (grundsätze 108) verlangt waden; den ausschlag gab, dasz Adelung sich für waten entschied und waden für dialektisch erklärte. jetzt gilt in den md. und nd. mundarten wâden. eigenthümlich ist, dasz dafür nicht selten bâden eintritt, so in Ober- und Rheinhessen Crecelius 84 (wo aber baden starke formen bildet), im Taubergrund Heilig 47, im Unterharz Liesenberg 216 und im Mansfeldischen Jecht 5. es kommt auch litterarisch vor: ich zog meine kleider aus, badete durch das wasser bisz an das zerbrochene schiff Schnabel Felsenburg 1, 108 neudr.; hin (zum wrack) zu baden 111 (daneben hindurch waden 129);
er musz durch flusz und sümpfe baden.
Novalis schriften² 1, 78.
3)
die starke flexion (mhd. praet. wuot, part. gewaten) hat sich bis ins nhd. hinein erhalten. am frühesten verschwinden die starken formen im praes. doch kommt die 3. sg. wet noch bei Luther 29, 499, 30, wät bei S. Franck sprichw. 1, 13ᵇ, wödt (in C wätt) bei H. Sachs 1, 367, 7 Keller vor. dagegen watt schweiz. schausp. 1, 124, 395, wadt Wickram 6, 43, 1111 Bolte, wattet schon H. v. Langenstein Martina 170, 38, ferner Murner geuchmatt 1610, Judas Nazarei 13 Kück, Garg. 242. die 2. sg. watest bei Paracelsus chirurg. bücher (1618) 533 C. der imp. sg. wate bei Luther Jes. 47, 2. das starke praet. ist im 16. jahrh. noch ganz gewöhnlich: wute Decamerone 531, wuͦtt Hätzlerin liederbuch I, 120, 2, wuet pfarrer v. Kalenberg 1016 neudr. Aventin 5, 133, 14 Lexer, wut H. Sachs 22, 158, 10 u. ö., wuͦt Wickram 8, 199, 86 u. ö. Schumann nachtbüchlein 56, 17. Wirre fürstl. hochzeit J 2ᵃ, wüden Kantzow chron. v. Pommern 378 Gäbel. noch Bödiker grundsätze 108 führt wud neben wadete an. jetzt kommt noch im bair. der conj. wüet neben watet Schmeller 2, 1045 vor, in Sebnitz (veraltet) wut (auch part. gəwut) Meiche 50. das praet. wute wird auch noch von Schmotther schreiber u. rechner (Dresden 1752) 481 verlangt. die schwache bildung schon vereinzelt im mhd.:
eʒ wart drey tagen
gefochten, daʒ manig held starb ...
in dem pluͦt sie waten
recht als ain pach flüʒʒ.
der grosze Alexander 1396 Guth.
watete (md. mundartlich watte z. b. in Leipzig) dringt erst im 17. jahrh. durch, z. b. Lohenstein Arminius 1, 681ᵃ. noch fester haftet das starke part. praet.: gewaten Kirchhof milit. disc. 181. Tschudi chron. helv. 1, 166, gewatten S. Franck chron. Germ. 118ᵇ. Winckler 2000 gute gedanken (1685) G 3ᵇ. Abr. a S. Clara Judas 2 (1690), 90, gewaden Voigtländer oden u. lieder 80. sächs. curiositätencabinet 1741, 132. noch jetzt in obd. und md. mundarten: alem. Martin-Lienhart 2, 878ᵇ. südfr. Meisinger 224. bair. Schmeller 2, 1045. in Wien Hügel 184, Nürnberg Gebhardt 297, Leipzig (auch gewatt) Albrecht 55. schles. Weinhold 127. gewatet steht bei Schweinichen denkw. 185. Lohenstein Arminius 1, 413ᵃ, gewadet v. Chemnitz schwed. krieg 2, 194. Stieler, Gottsched u. a. verlangen gewatet (Bödiker gewadet).
4)
zur umschreibung des perfects dient ursprünglich haben neben sein, ersteres steht dann, wenn die bewegung in ihrem verlauf vorgestellt wird s. u. II 2 a α Wackernagel kirchenlied 3, 583, 10 und 2 d ζ Seuse 202, 7 Bihlmeyer. jetzt wird fast nur sein verwendet (wir haben gewaten Weinhold a. a. o.)
II.
bedeutung und gebrauch. wie der enge zusammenhang mit lat. vadere zeigt, ist von der allgemeinen bedeutung 'schreiten' auszugehen, die im altgerm. lebt und sich spurweise auch bis ins spätmhd. erhalten hat. dasselbe gilt von andern aus der älteren sprache übernommenen bedeutungen. die eingeschränkte bedeutung 'durch etwas schreiten, was dem gehen schwierigkeiten macht, bes. wasser', ist aber im deutschen von anfang an die herrschende.
1)
reste der älteren bedeutungen.
a)
die ags. epik gebraucht wadan für 'einem ziele zuschreiten' z. b.:
wód þá wíges weard,   wǽpen up áhóf,
bord to gebeorge,   and wiđ þæs beornes stóp.
Byrhtnoths tod 130;
(Grendel) wód under wolcnum.
Beowulf 714.
dem mhd. ist dieser gebrauch noch bekannt, namentlich bei weten:
ich bin ze der kristallen
ouch under stunden geweten.
G. v. Straszburg Tristan 17 117.
weitere stellen s. mhd. wb. 3, 535ᵇ. auch waten kommt so vor, namentlich für ein feierliches schreiten:
möht ich gewatten
under ir trostes schatten.
liedersaal 1, 34;
doch hatte si nach prise (Martina im kerker)
die lebendigen spise,
der ist si nu gesattet
dort da diu süeʒe wattet
in der lihten megde schar.
Hugo v. Langenstein Martina 170, 38 (s. 429);
der werde got milt unde guot
daʒ ist der meister hôchgemuot
derʒ alleʒ tuot
und nâch uns wuot
dâ hin al zuo der helle gluot
dô er vergoʒʒen hêt sîn bluot
am frônen criuze.
Kolmarer handschr. 12, 35 Bartsch;
(Maria half den mönchen) biʒ der convent wider zu clostere ginc. do wut unser vrowe wider ze himile mit iren zwein juncvrowen die heilige regel für ein vollkommenes leben 56, 29 Priebsch. vgl. mnd. de jodden quemen her gewaden quelle bei Schiller-Lübben 5, 572. von thieren ist es 'mutig, lustig einherspringen':
das rosz in seynem getzeuge wuth,
und sprach von rechtem obirmuth.
Reinhart Fuchs 432 (der kranke lewe 25);
sîn ors vast in sprüngen wuot.
Enikel weltchronik 15 808 Strauch
(ebenso fürstenbuch 1162 und 3034);
der esel in dem grase wuot.
dâ schuof im sîn magenfröude, er sanc ein hügeliet als ê.
Marner XV, 130 Strauch.
waten 'schwerfällig gehen' s. 2 d α, 'schlecht, beschwerlich gehen', namentlich im gegensatz zu gehen und schwimmen, (übertragen) 'in schlechter lage sein' s. 2 d ζ bis ι.
b)
im anord. und ags. bedeutet das wort auch namentlich 'vorwärts dringen, hindurch dringen':
wód þá þurh þone wælréc.
Beowulf 2661.
so wird es im ags. auch vom licht, vom feuer, von den waffen gebraucht. auch den letzteren gebrauch hat die mhd. dichtung (wie auch mnd.-mndl) aus der altgerm. epik übernommen:
sîn helm was alsô gût
sô der nî nechein swert durch gewût.
Lamprecht Alexander 896 (Vorauer hs.);
er sluoc den vide ære   ûf den helmehuot,
daʒ des swertes ecke   unz ûf die spange wuot.
Nibel. 2214, 2;
in den helm daʒ swert sô tiefe wuot
biʒ ûf daʒ harsenier.
U. v. d. Türlin Willehalm 52, 3 Singer;
ir pfeil kunnen schir watten
durch das flaisch und durch das verch.
H. v. Neustadt Apollonius 3005 Singer;
das sper im durch das hirn wuͤt
und durch den helm als durch ain stro.
6340
do an dem creucz kron, nagel, sper
ym so frefflich durch sein glidmas wut.
H. Folz meisterlieder 13, 157 Mayer.
zuweilen auch sonst 'durch etwas hindurchgehen':
anderhalp nam ich des schildes war:
der was dô rôt als ein bluot.
ein strich dâ mitten durich wuot.
Enikel fürstenbuch 3060 Strauch;
des kriuzes kraft erlœset hât die îsrahêlischen geste:
diu wurzel durch die helle wuot
und nam dar ûʒ daʒ reine himelische guot.
Wartburgkrieg 74 Simrock.
'bis wohin reichen':
ein überkleit truoc diu meit
von scharlach, ein kappen guot,
diu ze tal ûf die erde wuot.
H. v. d. Türlin krone 7720.
namentlich auch vom durch die rüstung strömenden blut:
und daʒ daʒ heiʒe bluot
durch die beckelhûben wuot.
Ottokar reimchronik 62 325 Seemüller;
alsô daʒ im daʒ rôte bluot
ze tal durch die ringe wuot.
Enikel fürstenbuch 3662 Strauch;
er lebte noch, ye doch das pluͦt
im durch den helm ausz wuͦt.
H. v. Neustadt Apollonius 10 071 Singer.
auch nur 'hervorquellen':
der sweiʒ und daʒ bluot,
daʒ durch nôt ûʒ in wuot
und ûʒ den wunden ran.
Ottokar reimchron. 58 626 Seemüller;
daʒ im daʒ bluot
unt waʒʒer von der sîten wuot.
W. v. Rheinau Marienleben 209, 22;
das do pleib weder fleisch noch plut,
dan das ym ausz der seyten wut,
do vonn uns kam des tauffes flut.
H. Folz meisterlieder 37, 58 Mayer.
2)
die eingeschränkte bedeutung 'vadare'.
a)
am häufigsten wird waten vom gehen im wasser gebraucht.
α)
bis ins 16. jahrh. kann ein acc. angeschlossen werden:
er wuot diu waʒʒer bî dem stege.
Hartm. v. Aue Gregorius 2766 Paul;
ein so starc waʒʒer vloʒ
daʒ zu watene ist zu groʒ.
väterbuch 35 322 Reiszenberger;
dô sie die vluot (vluht hs.) begunde waten,
nu gienc sie diu müede an.
H. v. d. Türlin krone 9438;
wir muͦsten waten wasser grosz.
Liliencron hist. volksl. 1, 39, 175 (1396);
wann das (wasser) nit soͤrglich z watten wer,
so wer das meins hertzen beger,
das ich mein muͤden fuͤsz solt baden.
Wickram 6, 95, 2675 (Tobias 5, 6) Bolte;
flumen facile vadari potest, der flusz mag leichtlich gewatten werden Dasypodius 254ᵇ; ein wasser das man allenthalben reyten und watten mag Maaler 487ᵃ; das wasser der Kander also grosz was, dasz man das nit wol mocht waten, dann mit einem ross das riten Strettlinger chronik 1, 19 Bächtold; waren die selben lachen so seicht worden, dasz sie zuͦ watten und zuͦ gründen waren und das wasser eynem menschen nit ferr über den nabel ging Livius v. Carbach (1530) 154ᵇ; der Rhein sey so klein worden, das man in allethalben habe watten können Nigrinus papist. inquisition 420; wenn man an die gräben kompt, die nicht wol zu waten oder zu reihten seind Fronsperger kriegsb. 1, 96ᵇ (1573). die furt waten, gern bildlich 'den weg, der zu einem ziele führt, einschlagen':
sîn heilic marter übervaht
den tiuvel und der helle gluot,
und mahte daʒ diu sêle wuot
des êweclichen heiles furt.
K. v. Würzburg goldene schmiede 986;
wie hoch si sint gesellet
dem adel und auch der gepurt,
di muʒʒen waten deinen (des todes) furt,
wi tieff er ist des smertzen.
P. Suchenwirt 6, 6 Primisser;
gelükes furt
wuͦt wir aus tieffes jamers pach.
41, 1243;
darumb sey keck auff diser pan,
die ich vor lengst gebawet han,
ich bin die fort gewatten:
glaubst du nur von hertzen mir,
es sol dir wol geratten.
Wackernagel kirchenlied 3, 582, 10
(aber in der älteren fassung 583, 10:
die färth hab ich gewatten).
vgl. auch Hätzlerin liederbuch II, 68, 145 (s. 266). pfarrer v. Kalenberg 1016 neudr. das auftreten der construction in späterer zeit erklärt sich durch lateinischen einflusz:
schiffe frölich die fahrt des lebens, denn wenn du die letzte
anfurt watest, so geht's grämlich und mühsam daher.
Herder 26, 102 Suphan.
β)
jetzt können sich nur präpositionelle bestimmungen anreihen. mit richtungsbestimmungen über (vorwiegend in der älteren sprache), durch, in:
mit fuoʒʒen wuot er uber fluot:
zuo den winten chod er 'ruowet'.
Ezzolied 223;
do satzt er daʒ chint nider auf die erden und wuot nach dem andern über den pach gesta Romanorum 169 Keller; diser zeit lebet ain ris und reck ..., der wuet überal über die wasser, dorft über kain pruck gên Aventin 5, 133, 14 Lexer;
sie wollten auff die freytag znacht
hin über die Pegenitz waten.
H. Sachs 9, 342, 28 Keller;
uber den bach ich heint nit kumb;
wann ich mag nit hinüber waten.
17, 358, 11 Götze;
er dan durch die bächlein wadet.
Spee trutznacht. 287;
entblösze den fus, entdecke den schenckel, wate durchs wasser, das deine scham auffgedeckt ... werde Jes. 47, 2; von dem fünfften jar an ... gewenet man sie (die kinder) zuͦ watten durch die strenge wässer S. Münster cosmographey 1129; der Rhin was ... so klein, dasz man ... dardurch riten und watten mocht Tschudi chron. helv. 1, 229;
hucklet er auff dem mönnich fein.
der wuth mit im in bach hinein.
H. Sachs 17, 358, 26 Götze;
viel wateten ins meer und-reichten ihr die hand.
v. Lohenstein Agrippina 59;
also underliesen die andern weiber nit, zu ir ins wasser zu watten und zogen sie ... wider herausz Zimmerische chronik² 4, 36. 23; die fischer können halbe stunden in den see hinein waten bis sie 3 fusz wassertiefe finden Ritter erdkunde 2, 539. auch aus:
darauff kommen etlich soldaten,
die auch erst ausz dem wasser waten,
weil sie schiffbruch erlidten han
Spangenberg Hecuba v. 150 Dähnhardt;
dasz wir zwischen den steinen vollend herausz (aus dem wasser) waden musten Olearius pers. reisebeschreibung 40ᵇ. in mit ruhebestimmungen: der münch ... wuͦt im weyher und halff ir suchen Schumann nachtbüchlein 56, 17 (nr. 17) Bolte; dort sieht man (nach eintritt der ebbe) barfusz und hochgeschürzt männer und frauen in den prielen waten, kleine netztramen vor sich herschiebend Allmers marschenbuch 1/2, 329. zu mit angabe des durch waten erreichten ziels:
Hagene in grôʒem zorne   spranc ûʒ in die vluot.
der degen ûʒ erkorne   zuo dem stade wuot.
Kudrun 503, 2;
der hat ein baum in seiner hand,
da mit da wödt (C wätt) er bald zu land.
H. Sachs 1, 367, 7 Keller;
wir andren ... fillen ein (im eis), mosten zu lande waden Sastrow 1, 76; sie hatte ebenfalls ihr schuhzeug abgethan, um zum flosz hinüber zu waten Storm 4, 218.
γ)
oft wird angegeben, wie weit man mit dem körper ins wasser geht: das sie bisz an die knie waten musten Faber Saxonia (1563) 296ᵃ; so dasz wir ... ziemlich bis an den gürtel auf der strasze im wasser waden muszten Seume 179; dasz viele Indianer bis mitten an den leib im wasser wadeten G. Forster (1843) 2, 159; weil er im anlauff fast bisz unter die arme durchs wasser gewadet v. Chemnitz schwed. krieg 2, 194; were he dan gerne ubir, so sal he wati in diz waʒʒir biʒ an sinin hals das älteste rechtsbuch der reichsstadt Mühlhausen 45 Stephan;
sie wuͦten drin (im see) bisz an das kinn.
Liliencron hist. volksl. 2, 142, 21 (1476).
bildlich: bis à ̃'n hàls eini wà'n, das äuszerste wagen Schmeller 2, 1045.
δ)
auch waten ohne zusätze wird für gewöhnlich auf das gehen im wasser bezogen: zogen ... obir die Oder, die also kleine was, dasz sie zu rosse und zu fusze daruber zogen und wuten Eschenloer geschichten der st. Breslau 1, 106;
ich trage dich, mutter, durch die fluth,
noch reicht sie nicht hoch, ich wate gut.
Göthe 2, 36 Weim. ausg.;
da kam der strom, der schneestrom schosz mir um die bein', ich watet, und stieg und watet 39, 141 (Gottfr. v. Berl. 5). er kommt gewatet (wie gegangen usw.):
Coridon kom her gewaden,
hülff mir ausz gefahr und schaden,
und mein bodt vom lande stosz.
Voigtländer oden u. lieder 80;
als ... ein ... weib ... über die helfte des stromes gegen dem Drusus gewatet kam v. Lohenstein Arminius 1, 413ᵃ. waten im gegensatz zu schwimmen (vgl. d ι):
der Crichen vil zû stade spranc ...
ettislîcher ûʒ swam,
ettislîch ginc und wût,
als man zû solche nôt tût.
Herbort v. Fritslar troj. krieg 4277.
b)
weiter wird waten auch vom gehen im schnee, kot, sumpf, in blumen (zunächst bethauten), im gras, sand usw. gebraucht.
α)
im tieffen schnee wut ich mit macht.
Wickram 6, 102, 112 Bolte;
wuͦt hin und wider durch den schnee.
H. Wirre fürstl. hochzeit (1568) J 2ᵃ;
meyn (des fuszes) beruff ist eben desz leybes ac oculi, quamvis ich ym drecke watte Luther 34, ii, 301, 24 Weim. ausg.;
ir drey giengen an wenden haym,
wuten hin durch dreck, kot und laym.
H. Sachs 5, 168, 25 Keller;
die leut ... lasen ine (den kranken) oben angehn und watten sie im kat Fischart podagr. trostb. 81, 17 Hauffen; denn er letzlichen aus dem kähnlein war gesprungen und im schlamm gewatet v. Schweinichen denkw. 185;
auch ob ir kainer durch ain mos
muest waten in der straszen.
Oswald v. Wolkenstein 63, 124 Schatz;
hier wadet bis ans knie geschürzt
ein nönnchen im morast.
Wieland 22, 73 (Oberon II, 34, 1);
liebes mädchen! lasz uns waden,
waden noch durch diesen quark.
Göthe 1, 146 Weim. ausg.;
und waten frisch durch sumpf und moor Fr. L. Jahn werke 1, 397; mich dunket, ich si sin karrer und watte mit den groszen schuͦhen uffgeschúrtzet durch daʒ ror H. Seuse 467, 32 Bihlmeyer.
β)
gerner ich durch liehte bluomen linde
hiure in touwes flüete wuot.
K. v. Würzburg lieder 13, 5 Bartsch;
die blumlein waren fein betawet.
dardurch wut ich yn einer wysn.
H. Sachs 22, 158, 10 Götze;
sie bestreueten für ihnen den weg mit so viel blumen, dasz sie gleichsam darinnen waten musten v. Lohenstein Arminius 2, 431ᵇ. in rosen waten, vgl.auf rosen gehen u. dgl. th. 8, 1172:
ob ich in dien rôsen wüete
an den gürtel mîn, die touwes wæren naʒ,
sost mîn muot
doch ze vröuden kleine,
mich entrœste ein wîb aleine.
minnesinger 1, 305ᵃ Hagen;
do wattet der alt Leviathan in rosen, do im der fundt geratten was, das die christen selbs miszhellig waren Judas Nazarei 13 Kück.
ain fraw in ainem garten sasz,
ir lieb wuͦt durch dss gröne gras.
Hätzlerin liederbuch I, 120, 2 (s. 92);
kaum dasz der tag grauet, so wadet er (der grasmäher) schon im thaue Möser patr. phant. 1, 92; hieher gingen wir — oder wateten vielmehr durch das hohe schwadgras Kosegarten Hainings briefe an Emma 1, 21; dasz die bauern auf den rainen wateten und den schusz der halme maszen J. Paul unsichtb. loge 3, 152;
viel dürres laub in haufen
musz unser fusz durchlaufen
und waten mitten drin.
Scheffel frau Aventiure 176.
γ)
er hatte sehr hohe absätze an seinen schuhen, und gieng beständig, als wenn er im sande wadete Rabener 1, 235; bis tief über die knöchel im eckigen schotter zu waten H. v. Barth aus den nördl. Kalkalpen 102; wie ich damals durch glühende asche watete Schubart leben u. gesinnungen 2, 146.
δ)
dasz, wie der gelehrte abt Gerbert klagt, man damals bis an die knie in zerrissenen urkunden waten konnte Scheffel werke 3, 142. bildlich 'woran überflusz haben' (wie schwimmen): mir brauchen o erscht kee fleesch, ver uns essen's de fabrikanten. die waten im fette rum bis hieher G. Hauptmann die weber 38 (akt 2). andre bildliche wendungen s. d β bis ε. kühn vom gehen in einem auf den boden fallenden schein: so kann er ja schon von drei uhr an in der warmen dämmerung durch den starken mondschein in der stube auf und ab watten J. Paul flegeljahre 1, 26.
c)
auch von thieren wird waten seit dem mhd. gebraucht.
α)
von vierfüszlern: wenne die elephanten über ain waʒʒer wellent waten K. v. Megenberg 135, 3;
kameele waten in dem sumpf,
wo einst die götter tranken.
Herder 27, 293 Suphan;
die ros,
die da waten durch daʒ mos.
König vom Odenwalde 5, 206 Schröder;
es wuͦtend drü füli durch einen bach.
schweiz. volksl 2, 44 (1468) Tobler;
ihre sonst so muthigen rosse wadeten jetzt langsam durch die grundlosen äcker Zachariä 1, 327; schritt um schritt wateten die pferde durch den lockern sand Freytag 5, 22 (soll u. h. 4, 2);
und tut im sere wee,
dasz die zwen ochsen ryche
so gar gewaltigkliche
nun wattend in dem klee.
Tschudi chron. helv. 1, 139;
wenn die schaafe und die rinder um uns her im hohen grase watten Geszner (1762) 3, 6 (1777: waten);
Barry ...
steht still dann, winselt, schaut sich um,
dann fort er watet, mühvoll stöhnend.
v. Droste-Hülshoff 2, 154 Kreiten.
β)
ungewöhnlich von amphibien:
gleich wie im mur und schleim ein frosch
lehrt seine jung da watten.
Garg. 9 Alsleben;
sein kunst leert er auch die schildpadden,
so im gebruch und teichen wathen.
Froschmeuseler T 4ᵃ (II, 1, 4).
γ)
eingebürgert ist waten von hochbeinigen vögeln, die sich viel im sumpf aufhalten:
nun wadet er (der storch), langsam schreitend
durch die wiesen, im thau, und füllt mit fröschen den schlund an.
Zachariä 2, 14;
auf unsrer wiese gehet was,
watet durch die sümpfe.
Hoffmann v. Fallersleben 2, 375;
er (der reiher) geht vom ufer ab, und wadet in den bach!
Gleim schriften 1, 156;
er gehörte zur klasse der watenden wasservögel J. G. Forster (1843) 2, 396;
waʒ der creatûren lebt,
waʒ vliuget, vliuʒet, wetet, gêt, klimt, oder swebt.
minnesinger 3, 405ᵇ Hagen;
so dasz schlieszlich ein jeglich getier, watendes, fliegendes, schwimmendes und kriechendes, auf der klostertafel seine vertretung fand Scheffel Ekkeh. 52.
d)
übertragene bedeutungen.
α)
waten kann eine schwerfällige, gespreizte gangart bezeichnen, ein behindertes, vorsichtiges gehen, bei dem man die beine hochhebt wie ein watender (z. th. kann an den folgenden stellen an nachklänge der alten bedeutung 'schreiten' gedacht werden):
treit si (die bäurin) aiger in dem kratten,
so gat si dört her watten.
des teufels netz 12 301 Barack;
ich sach in îsen watten
vier, daʒ wâren ... gest:
von den lac manger roc zerzart.
Pseudo-Neidhart XXXIV, 11 Haupt;
in den hadern er (der bewaffnete bürger) da wuͦt.
Liliencron hist. volksl. 1, 40, 320;
da gen sie (die landsknechte in den pluderhosen) einher watten
gleich als der teufel recht.
Uhland volksl. 526;
dort thun zwen waltbrüder herwaten.
H. Sachs 11, 367, 16 Keller;
zu Sodom so will bleiben ich
bey andern guten schluckern allen ...
wölt ir (Lot), so mügt ir dahin waten.
10, 33, 10,
hier wol nur als verächtlicher ausdruck für 'gehen' zu nehmen, vgl. aus der schweiz. studentensprache: watten, durchbrennen, sich von hinten empfehlen Vollmann (Gräszli) burschic. wb. 496. redensarten: er is dri ine gewatte wie-n-e chue in a rüebacker Martin-Lienhart 2, 878ᵇ; er watet daher wie der gakeler im erbsenstroh Wander 4, 1838 (Nürtingen). ostfries. mit etwas andrer bedeutungsentwicklung 'mit vehemenz, rücksichtslos treten oder schreiten' z. b.: hê wâdt 't all kört un klen; hê wâdt d'r lîk dör hen, d'r mag stan wat d'r wil ten Doornkaat-Koolman 3, 495.
β)
im blute waten. aus der epischen dichtung stammender übertreibender ausdruck:
und wie man dâ in bluot wuot
an der selben zît,
daʒ geschach von dem strît.
Enikel weltchronik 18 932 Strauch.
mit näheren bestimmungen:
unze die helede gûte
wûten in den blûte
vaste biʒ an di knî.
Lamprecht Alexander 2146 Kinzel;
si wuoten unz an die waden
in dem bluotigen sê.
K. v. Würzburg Servatius 2114 Haupt (vgl. ackermann aus Böhmen 17, 26 Bernt);
daʒ man in menschen bluot
unz an die sporen wuot.
Ottokar reimchron. 50 702 Seemüller;
er gink in dem blude
und biʒ an dy enkil wude,
halt wo er sich hin wendit.
Dalimil chronik v. Böhmen 138, 4 Hanka;
do bschach eyn schlacht, das man imm bluͦt
herauff bisz an die knoden wuͦt.
Wickram 8, 215, 630 Bolte;
hier sah man erst der feinde wut,
ich muszte im Trojanerblut
bis übern knöchel waten.
Blumauer ged. (1782) 202;
es wadete Edith Schwanenhals
im blute mit nackten füszen.
Heine 1, 341 Elster.
bildlich:
seit er so unsinnig und rasen
ist worden und tobt über d' maszen
und wadt also im menschenbluͦt.
Wickram 6, 43, 1111 (Tobias 1, 22) Bolte;
sie hetten in des unschuldigen gemeynen manns pluͦt gewatten S Franck chron. Germ. (1538) 118ᵇ; das römische volk, welches jahrhunderte lang weniger im blute der völker watete als auf dem blute schiffte J. Paul dämmerungen 58.
γ)
aus der religiösen litteratur stammt in thränen (wie in einem meer) waten (hier wird schwimmen vorgezogen):
er in blut und ich (Maria) in zähren,
sohn und mutter watten schier.
Spee trutznacht. 277;
wo nehm ich rettung her,
wenn ich im thränen-meer
und in den jammer-fluthen wate?
Schmolcke schriften 1, 149.
δ)
andre bildliche wendungen: bin ich doch ohnehin schon bisz an die ohren in todsünden gewatet, dasz es unsinn wäre zurückzuschwimmen, wenn das ufer schon so weit hinten liegt Schiller 2, 133 (räuber 4, 2 schausp.). häufig ist im kot, schlamm u. dgl. waten von verächtlichem leben oder niedrig stehendem handeln:
und f lge dem, der dich zu g tt sich kehren heist,
damit du nicht auffs neu im kohte mügest wahten
der ungerechtigkeit.
Rist Parnasz 592;
so neben einem mann
von siebenzig, mit gicht und stein beladen,
durchs leben, wie durch einen sumpf, zu waden.
Wieland 22, 274 (Oberon 6, 54);
menschen, die nicht im schlamme des gemeinen lebens waden Zimmermann über die einsamkeit 2, 56; der verfasser des Fridolin und des wunderschranks watete im sumpf der dicksten prosa Hebbel 12, 346; während die abenteurer fort und fort durch einen schmutz von scheingeschälten und ähnlichen dingen waten Lasker bei Flathe deutsche reden 2, 276.
ε)
im sande waten von ermüdender, meist zugleich wenig nutzbringender thätigkeit:
dem lehrer-stand,
dessen knie
spat und früh
durch den sand
ohn verdrusz
waden musz.
J. L. Frisch schulspiel von der unsauberkeit der falschen dicht- und reim-kunst 33 Fischer;
(die fragmente sollen) in einem so ermüdenden style geschrieben seyn, dasz man während dem lesen beständig im sande zu waten glaubt Matthisson schriften 3 (1825), 108: ohne abschnitte und theilungen watet man in ihm (Klotzens buche) eine strecke von zweihundert sieben und dreiszig seiten, ich hätte beinahe geschrieben, meilen, durch eine grosze sandwüste Herder 3, 475 Suphan.
ζ)
auch für sich kann waten ein beschwerliches handeln oder leben bezeichnen: er hat zu waten 'musz sich sehr plagen' Wander 4, 1838; es gibt einem doch niemand was dazu, wenn man sich das herz abdruckt; es laszt ein jedes das andere waten, wie's durchkommen mag Auerbach dorfgeschichten 2³, 31. els. durch schwierigkeiten schreiten, sich so gut wie es geht behelfen müssen Martin-Lienhart a. a. o. (bes. mit mühe seine schulden bezahlen, seine geschäfte zu ende bringen). so wol bei Göthe: jetzt watet sie (die schwester) nach art und lust briefe 2, 125 Weim. ausg. sich müde waten: dasz die düstere, unreine erdatmosphäre, worin der arme mensch sich müde watet, das heilige grab ist für die gekreuzigte tugend J. Paul aus des teufels pap. 2, 137. einen weg waten 'unter schwierigkeiten zurücklegen': wie han ich so mengen muͤlichen weg gewatten! H. Seuse 202, 7 Bihlmeyer;
ob ich des lebens thränenvolle pfade,
mit trüber seele immer weiter wade.
Brentano Gustav Wasa (lit. denkm. 15) 103.
durch etwas waten 'etwas durchmachen': als etlichú torohtú menschen sprechent, daʒ man dur alle gebresten muͤsz waten, der zuͦ volkomenr gelassenheit wil komen H. Seuse 161, 29 Bihlmeyer; das vermögen uns selbst zu regen, selbst zu handeln, selbst zu waden durch alle widerwärtigkeiten des lebens Zimmermann über die einsamkeit 3, 151; nun ich grau werde, musz ich so durch lauter leid und unruhe waten Frenssen Jörn Uhl (1902) 165. in etwas waten 'in schwieriger lage sein':
so hatts der hagel alls zerstreuwt,
die reben, acker und matten:
desz mündt mir in groszer armuͦt watten.
schweiz. schausp. 2, 243, 3229;
was hilfft es, zu haben vill ducaten,
wann man den neben-menschen lässet in der armut waden?
Abr. a S. Clara etwas für alle 2 (1711), 440.
η)
in etwas waten kann früher auch nur sein (vgl.δ) 'sich mitten in etwas befinden, in etwas befangen sein' (vgl. in der neueren sprache in etwas schwimmen, was aber mehr ist 'sich bewuszt einem zustand hingeben' th. 9 2632):
sie gunten ir kain guete,
ir hertz in untrew wuete.
H. Sachs fab. u. schw. 3, 15 Götze-Drescher.
aus etwas waten 'sich aus etwas herausarbeiten':
gip in suoʒir vater trost,
daʒ siu werden gar erlost
von des tiefils hende ...
hilf in uʒ den sünden watten.
H. v. Langenstein Martina 75, 41 Keller;
möcht wir ausz disen swachen lüsten waten,
der wir natürlich hie begern.
Oswald v. Wolkenstein 95, 62 Schatz.
in etwas (acc.) waten 'sich in etwas hineinstürzen': weil nuͦn sich kein fall begeben mag, der sich nit in alten tagen vor zuͦtragen hab, wie (sie) nuͦn in disse, drausz und drin mit glück oder unglück gewaten seind, das steet uns zur leer gschriben, dasz mans in nach thuͦ oder meid S. Franck teutscher nat. chron. (1539) vorr. 3ᵃ;
ein gselschafft gut   on übermut
liebt mir vor allen dingen.
wo ich zu der   komm on gefer,
mein hertz thut mir auffspringen.
wat mit hinein   und beutel wein,
lasz bald die tauben fliegen.
Forster frische teutsche liedlein 144 neudr.
ähnlich durch etwas waten: er wät durch alle wasser. er setzts hinein (riskiert alles) S. Franck sprichw. 1, 13ᵇ.
θ)
eine andere ältere wendung ist es watet 'es geht schlecht, mit schwierigkeiten': seidher sie (die kanonen) auffkommen, entsteht ein grosze glockenverfolgung, man schmeltzt sie zu maurprechern, ja zu prechern unserer canonischen recht und aller glockenfreyheit: non diu vadet benè, wann es also wattet Garg. 242 Alsleben. in verbindung mit gehen: da lassen sie alles gehen und watten, wie es watten kan Guarinonius grewel der verwüstung 386; wan sie (die alamodischen weichlinge) nur ihren namen bei gemeinen ... leüten nicht verliehren, da lassen sie alles gehen und watten Philander 2, 102.
ι)
häufig ist waten in übertragenem sinn in verbindung mit oder im gegensatz zu schwimmen; in den redensarten ist meist schwimmen vorausgestellt.
1))
in etwas schwimmen und waten: pei dem vogel verstên ich ainen gedultigen menschen, der seinr tugent niht vergiʒʒet in glück und in ungelück. der fleugt in dem glück ..., aber in dem ungelück swimmet er und wet in mangem leiden K. v. Megenberg 203, 23; ich will geswigen ... menges sweren lidens, in dem sú swimment und wehtent nacht und tag H. Seuse 247, 9 Bihlmeyer; wir ... förchten uns nit immerdar zu schwimmen und zu waden in sünden Albertinus zeitkürtzer 43.
2))
einen schwimmen und waten lassen 'ihn selbst dafür sorgen lassen, wie er durchkommt' (ebenso schwimmen und baden lassen H. Sachs 14, 178, 25 Götze): die münch fragen uff alle ort, wie sie ein kind ufftriben yn ein kloster, darnach lassen sie die armen kind watten und schwimmen on alle hilff Eberlin v. Günzburg 1, 101 neudr. ähnlich: wer einmal darinn steckt, mag schwimmen und waten, wie es gehen will Göthe briefe 21, 352 Weim. ausg.
3))
er hat zu schwimmen und zu waten 'er musz sorgen, dasz er auf irgend eine weise durchkommt':
so wurd sunst zu stoltz und gail
die magd bey eim endlichen man,
drumb henck ich ir den schlüffel an,
das sie hat zu schwimmen und waten.
H. Sachs 5, 116, 11 Keller;
da hat ein liebender zu schwimmen und zu wathen,
die sehnsucht zweiffelt stets an einer gegen-gunst.
Picander ged. 2, 255;
weil dann mit mir (der union) die treuen staden
auch haben müeszen schwimmen, waten,
muesz ich fürwahr so treuer pflicht
gar keines wegs vergessen nicht.
Opel u. Cohn 30jähr. krieg 138.
4))
er kann weder schwimmen noch waten. noch bildlich:
gener leget dich in daʒ waʒʒer (die hölle),
dâr dû inde dîne gaden
nemugin geswimmin noch gewadin
könig Rother 4558.
sonst 'er kann weder so noch so durchkommen, weisz sich nicht zu helfen':
ich waten noch geswimmen kan
und get mein pflueg uneben.
Osw. v. Wolkenstein 104, 9 Schatz;
das ist fürwar ein armer man,
der nicht waten noch schwimmen kan,
nicht hinder sich noch für sich kommen,
dem ist all freud auff erd entnommen.
Eyering 1, 339;
also dasz ... auch die fromme jugendt, der lehr halben, weder schwimmen noch waten kan M. v. Ossa prudentia regnativa (1607) 93; Karl August kann nicht mehr ohne ihn (Göthe) schwimmen noch waten Wieland, Mercks briefsammlung 88. etwas abweichend:
dem geuchsche wysz und buͦlschafft liebt,
für guͦt vernunfft so schellig wurdt,
das er nüm schwimpt nach wattet furt.
Murner geuchmatt 1621 Uhl.
besonders auch 'er befindet sich in schlechten verhältnissen':
(während des krieges war überflusz an lebensmitteln in Nürnberg)
dar umb sy willig warn in sachen,
der sunst nit swymen (mocht) noch waten,
der reyset ausz mit singen und lachen (gegen den feind).
Rosenplüt von Nürnberger raysz 443 Lochner;
darüber hab ich all mein vermögen zugesetzt und so gar bin ich in das verderben gerahten, das ich fast nach dem sprichwort mehr weder watten noch schwimmen kan Philander 2, 173; er straffets (die arbeit am sonntag) mit allerhand unglück, armut, krebsgang in der nahrung, dasz mancher bey groszer arbeit weder watten noch schwimmen kan Dannhawer catechmusmilch 1, 534; vgl. auch die th. 9, 2630 gegebenen belege. selten positiv:
kunst alle dinc durchgriffen hât; kunst diu kan waten swimmen.
Kolmarer handschrift 38, 3.
5))
waten als 'mit beschwerde gehen' kann auch in einen gegensatz zu schwimmen 'sich frei bewegen' gebracht werden:
do fieng mirs (das unglück) an zuͦ hertzen gon
und lernt in meiner armuͦt schwymmen,
do ich so gantz kundt watten nymmen.
Murner schelmenzunft 48, 25 neudr.;
die ganze woche mehr gewatet als geschwommen Göthe tagebücher 1, 95 Weim. ausg.; in irrdischen dingen gilt waten, nicht schwimmen briefe 6, 57; so ein element (Rom) hab ich mir lange gewünscht, um auch einmal zu schwimmen und nicht immer zu waten 8, 67.
e)
von neueren wird waten auch von leblosen dingen und von abstracten gebraucht:
nun es ist euch gesund (ihr wogen!), dasz ihr euch lassen rathen
und eure wellen heist an andre ufer wathen.
Neukirch in Hoffmannswaldaus u. anderer Deutschen ged. 5, 4.
beliebt bei J. Paul: zwei bäche wateten in veränderlichen entfernungen ... über den langen wiesengrund Hesp. 1, 242; quäkend watete der kahn in der flachen, trägen wüste des abgeplatteten stroms Tit. 4, 52; wild drangen und wateten die vorgebirge in das meer 4, 130; den 15ten april 1793 kann der leser tief im hohlweg drei bagagewagen waten sehen Q. Fixlein 162; um ihn wateten bis an die fenster die eremitagen des landmanns in grünenden halmen Kamp. 19; das matte so lange im heiszen fiebersande watende gemüth (des kranken) Tit. 4, 49; seine sonst fliegenden gedanken wateten jetzt träge durch den dunstkreis des gehirns Q. Fixlein 42. in Davos wird watten von der sonne gebraucht, wenn sie mühsam durch den nebel dringt Bühler 1, 320 (vgl. engl. wade von sonne und mond, die durch die wolken brechen). technisch von rädern 'halb im wasser stecken': schwellwasser ... das wasser, welches in dem mühlgraben unterhalb der wasserräder so hoch steigt, dasz dieselben im wasser waten und nicht mehr gehen können Pierer universal-lex.⁴ 15, 669. Karmarsch-Heeren³ 10, 345. Lueger 7, 861.
f)
der inf. in substantivischem gebrauch ist wenig entwickelt:
daʒ erzaigt got an Offorum den rain,
dem iezt erchuelt wâren die pain
von dem waten hin und her.
Christophorus 943 Schönbach (zeitschr. f. d. alt. 17, 115);
und vor der stadt, da ist ein waten,
ein wühlen durch das kiesgeschrill.
v. Droste-Hülshoff 2, 510 Kreiten.
g)
sprichwörtliches: wer durch die furt will, darf das waten nicht scheuen Wander 1, 1292; einem jeden wird sein wasser tieff gnug zu waten Petri d. Teutschen weiszheit 2, T 4; uber unbekanten flusz ist es allezeit zu letzte am sichersten waten Winckler 2000 gutte gedancken H 10ᵇ; wer durch den flusz gewatten, weisz wie tieff er ist G 3ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1918), Bd. XIII (1922), Sp. 2572, Z. 1.

waten, verb.

waten, verb.
mit einer wate fischen. in Preuszen Frischbier 2, 452. mnd. waden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1918), Bd. XIII (1922), Sp. 2582, Z. 77.

wäten, verb.

wäten, verb.
kleiden, ableitung von wat, die im 14. jahrh. veraltet (dagegen ist im ndl. waden als 'ins leichentuch legen' erhalten):
swenn ir den armen wâtet (hs. wastet),
mir selben ir eʒ tâtet.
Otto v. Freising Barlaam 3440 Perdisch.
in, mit:
do waten si den guͦten
in einen phellel roten.
Ava leben Jesu 1567 Piper;
daʒ sint die die sich da weten
mit brutlicher wete.
H. v. Hesler apokalypse 4748 Helm;
er ... leite von im sine phelline wat, wâte sich mit harineme gewâte speculum ecclesiae 70 Kelle; gewedit mit wiszem gewande Diefenbach-Wülcker 895 aus Frankfurter hs.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1918), Bd. XIII (1922), Sp. 2583, Z. 1.

wetten1, vb.

¹wetten, vb.,
pfand geben (nehmen); busze zahlen; eine wette abschlieszen. ahd. wetton, mhd. wetten; mnd. wedden; afries. weddia, mnl. wedden 'versprechen, sicherheit leisten, busze zahlen'; nl. wedden 'eine wette abschlieszen'; ags. weddian 'einen vertrag machen, versprechen, verheiraten'; engl. wed 'als pfand setzen, verheiraten'; vgl. got. gawadjon 'verloben'; an. veđja 'pfand setzen, berufung einlegen'; schw. vädja 'appellieren'; norw. vedda, dän. vædde 'eine wette abschlieszen'. gemeingermanische ableitung von ¹wette, die je nach dialekt und sprachperiode den bedeutungen dieses wortes folgt; allein im gotischen und englischen tritt eine gegenüber dem substantiv erweiterte bedeutung 'verloben, verheiraten' auf, die im deutschen nicht entwickelt ist (doch vgl. Verwijs-Verdam 9, 1878 und s. u. A 2 schwäb. trauformel.).
A.
eine dingliche oder persönliche sicherheit nehmen oder geben.
1)
zu ¹wette A 1 'pfand'.
a)
'als pfand nehmen': pigneror uetton, uuettisceffon (11./12. jh.) ahd. gl. 4, 246, 17 St.-S. in mittelalterlichen rechtsbüchern und urkunden besonders beim erwerb von pfandbesitz und nutzungsrechten: scal nen borghere kopen noch wedden voghedige, noch tolnen (14. jh.) brem. stadtrecht 55 Ölrichs; we ock eghene slote hedde ofte slot geweddet hedde, en wolde he den lantvrede nicht sweren, sche em schade, so en drocht men em nicht richten (1364) Dortmunder urkundenb. 1, 585 Rübel; (der rat von G. verspricht, dasz er ein bestimmtes haus wolle) kopen odir wedden ane argelist unde geverde (1417) Göttinger urkb. 2, 38 Schmidt; welkeme unsem borgere edder borgersche goud, dat sey in phandes weren hedden, worde afgelost, des enschal neyn unser borgere in dren jaren wedden na der losinge (um 1434) Duderstädter urkb. 401 Jäger; (ein bauer kauft um 30 gulden einen zehnten und bedingt sich aus, dasz ihn während der nächsten 6 jahre) nymants von solchem zcehenden wetthen, dingen adder meigern sall (1506) Kaufunger urkb. 2, 227 Roques; dass niemand sich solle untermassen, einige länderei ohne deiche, dämme, schafgeld, zinskorn an sich zu wetten oder auch erblich zu kaufen (1595) bei G. Sello beitr. z. gesch. d. landes Würden (1891) 76; im jahr 1421 vorsetzen die von Mulhausen ... das halbe theil am schlosse zu Seebach, welchs sie im jahr 1398 von bischof Johan ... ahn sich gewettet hatten (16. jh.) chron. d. st. Mühlhausen i. Thür. 1, 110 Jordan.
b)
'als pfand setzen' (lexikalisch): vadiare wedden vel pant setten voc. Enghelhus. (1445) 71ᵇ (handschriftl.).
2)
als persönliche sicherheitsleistung, 'ein gelöbnis, versprechen geben', z. t. noch in verbindung mit einer realen oder symbolischen pfandsetzung bzw. handreichung (vgl. ¹wette A 1, 2a): wâ ich iu wette, aller der wette der ich iu getân hân widembuoche ze vrummenne unde diu ze geloutenne ze hove und ze gedinge schwäb. trauformel (12. jh.) in: Müllenhoff-Scherer denkm. ³1, 320 (sonst dafür erwette 'verspreche, gelobe mit pfandsetzung'); beclaget ein man den andren vmbe gülte ..., dem sol man für gebieten dristvnt, vnd kvmet er für, so sol er im sin guͦt geben oder wetten, vnd sol im der rihter gebieten, daz er im sin guͦt gebe, é daz er dannan kome, oder im verphende mit bereitem guͦte (1287) Schwabenspiegel, landr. nr. 305 Laszberg; wett mit mir, wo du nit einn falschen aid schwerest da pignus ni nunc peieres Schönsleder prompt. (1618) Oo 4ᵃ. 'verbindlich zusichern, behaupten':
der kunic ir rehte sagete
also er gewettet habete
kaiserchronik 4654 Schröder;
Fridreich W. hat gewett, als recht ist, Otten dem Hauser 50 gulden reinische ab den juden ze lozen (1384) Münchener gerichtsb. 289 festg. Dornburg; swelich purger ainen andern purger bechlagt umb gelt, daz er im sol umb ainen chauff, daz sol er im wetten in vierzehen tagen ze geben (1347) stadtrecht. v. München, art. 286 Auer;
des hât her sich verpflichtet ...
ich kanz iuch noch gesagen baz:
ein wetten ist von im geschehen
er hât dem speher verjehen,
daz ir habet ein hundelîn,
daz hundel sî gewesen sîn
Heinrich v. Freiberg Tristan 4245 Bernt.
als beweiserfüllungsgelübde und herausforderung im gerichtlichen zweikampf:
dar umb wil ich iu wetten an
den kampf, daz es nie geschach,
noch wîbes güete nie zebrach
sô grôzez unbilde;
mit sper und mit schilde
wil ich daz bewæren
Heinrich v. d. Türlin krône 21 640 Scholl.
vom prozessualen wortgebrauch her erklärt sich folgende glossierung im sinne von 'heischen, fordern': flagitat, reposcit, expostulat, exigit, euadatur uuettot ahd. gl. 4, 115, 5; wettit 127, 12; 143, 25 (sämtl. 12.—13. jh.). weiterhin: item wan ein person eim slecht an gericht borget, enqueme dan der persone, der an gericht geborget wird, nit an gericht, so mag der cleger wetten zü dreie malen an gericht zü stellen den personen, den er an gericht geborget hette (15. jh.) Mainzer gerichtsformeln 90 Hallein.
B.
'busze leisten', meist in form einer strafzahlung an die obrigkeit oder an das gericht (zu ¹wette B).
1)
'verwirken'; in hinsicht auf die bestrafung an körperteilen, z. t. noch im deutlichen anschlusz an die bedeutung 'verpfänden': swer bî koninges banne dingit, die den ban nicht untfangen hât, der sal wedden sîne tzungen Sachsenspiegel I 59 § 1 E.; dy markthocken dy sten vntter des purgermeisters gerichte vnd wetten den burgrmeister haut vnd hoer, ob sy misse teten (1399) bei Böhme dipl. beytr. z. unters. d. schles. rechte (1770) 3, 74; wundet aber eyn auswirdiger eynen bürger ..., man sol den theter richten zu der handt, ime die vorteylen und abschlagen, und ist nicht weiter schuldig zu wetten noch zu büssen (1540) stadtordn. f. Jena 54 Michelsen; de jure Saxonico müssen sie wetten, h. e. gestrafft werden zu haut und haar Speidel notabilia (1634) 421. für die bestrafung an körperteilen treten geldstrafen ein: wer finger und zungen weddet, darvor wil der rad nemen 1 sch 20 groschen, des selbigen glich vor der högestin busse (15. jh.) werder- u. achtbuch d. st. Eisleben 45 Gröszler. dazu vgl. auch: horum reus vadiabit advocato 60 n. pro pelle et capillis suis, si pauper est et bannum persolvere non poterit (12. jh.) weist. 6, 126 Gr.
2)
'(dem richter) eine (geld) busze zahlen, leisten; mit geld büszen'; wedden, wetten nach dem alten Sachsen recht, heisset verbüssen, busz geben, um eine missethat Schottel tractat (1671) 235: componere, id est wetten (1200) steir. urkb. 2, 65 Zahn; iewelk virsegit man weddet deme richtêre unde gibt deme bûze, die ûph ene gevuchten hat Sachsenspiegel II 12 § 8 b Eckh.; wert he dar umme beklaget to lantrechte, he mut deme richtere wedden, unde jeneme sine bute geven, unde ine ut dem scaden nemen ebda III 87 § 1; virstundi abir he dir giboti dru, so sal he wetti sex phennigi (um 1220) Mühlhäuser reichsrechtsb. (²1934) nr. 45, 2 Meyer; vnd gebivtet och der keiser einem igelichen rihter dem gewettet wirt, da er den ahter vz der aht laet, daz er die wette gar neme vnd ir niht enlaze (1235) corp. d. altdt. originalurk. 1, 13 Wilhelm; welk ammethman wil varen mit werke buten desse stad ..., de scal sin werk den meisteren erst bezeen laten, we des nicht en deyt, de scal dat wedden vor iewelk stucke vj. pen (um 1410) in: zs. d. ver. f. Hamb. gesch. 5, 318; wer des gebotenen friedes nicht hilde, der wettet dem richter ein pfunt pfenninge buesse und der stadt zehenn fuder stein (1543) bei Michelsen rechtsdenkm. aus Thür. 48; wer dem richter wettet, der soll es stetend thun Meichszner land- u. lehnrecht (156) 18ᵃ; deme de perde hören, mot nichtsdestoweiger ⁶ den schaden wedden (16. jh.) rügisches landrecht 77 Frommh. auch wohl im sinne von 'sich zur buszleistung (durch pfandhinterlegung) verpflichten': swenne aber vorme rate umbe frevel wirt gewettet, so sol der schultheisse und der voͧt han gewalt umbe das wette ze rihtenne, alse were es vor in geschehen an gerihte (1270) Straszb. urkb. 4, 2, 6. weiterhin: auf jmd. wetten 'eine geldstrafe auferlegen': dieselben eigenlüt sollen auch wissen ob sy das ding fürsezend und nit gehorsam werend, so soll man darnach uff sy wetten und sy zwingen zu tunde nach dieses hoffs rechte (1343) bei Burckhardt hofrödel 215. von einem zu zahlenden preis:
drumb könnens (die heiligen) vom ewigen todt
auch andere leut damit erretten,
wo sies mit gelt von jnen wetten
B. Waldis d. päpstisch reych (1956) N₄.
in neuerer zeit nur noch in geschichtlichen abhandlungen: so muss er diesem ... sein buss geben, und dazu schadlos halten, und muss auch dem richter darum wetten M. I. Schmid gesch. d. Deutschen (1778) 3, 263; in allen fällen, wo eine parthei eine busze von ihrem gegner zu fordern hat, musz dieser auch dem richter wetten, d. h. eine geldstrafe bezahlen Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 637.
C.
im anschlusz an ¹wette D 'wetteinsatz, wettvertrag'.
1)
zur bezeichnung einer verbindlichen abmachung über einen wetteinsatz. während ursprünglich der wortsinn auf das setzen des pfandes gerichtet war (s. u.a die Vergilglosse), verlagerte er sich später mehr auf die vereinbarung selbst, vgl.: sie wetteten und versigelten daz und saczten ze pfand ire ring Steinhöwel Äsop 58 lit. ver.;
ich wette, so du wilt, und setz ein gutes pfand,
der ursprung dieses hohns sey neyd und unverstand
Rachel satyr. gedichte 105 ndr.
a)
'etwas als pfand- oder wetteinsatz setzen, einen wettvertrag über einen einsatz abschlieszen' (ego hanc vitulam ...) depono: (tu dic, mecum quo pignore certes) wetton (12. jh.) ahd. gl. 2, 677, 45 (zu Vergil, Ecl. 3, 31), vgl. 2, 689, 29; deponere aliquid hinder einen vnpartygischen mann ein pfand legen, etwas wetten Frisius dict. (1556) 393ᵃ; 922ᵃ;
den kosten sie verloren hetten,
den sie auff dise bottschafft wetten
Murner Vergils Äneis (1559) m 4ᵇ;
dop! wette was du willst! Stoppe Parnasz (1735) 324; ein ansehnlicher kaufmann ... wettete daher auf sein männliches geschlecht zwanzigtausend pf. st. Archenholz England u. Italien (1785) I 2, 296; ich wette die beste ziege S. Gessner schr. (1777) 2, 110 (vgl. ob. d. Vergilgl.); wetten wir einen becher griechischen weins Göthe I 43, 344 W.;
herr Peter sprach: ich wette mein rosz,
wohl gegen deine hunde
H. Heine s. w. 1, 282 Elster.
b)
'mit jmd. einen wettvertrag, eine wette (meist über den ausgang einer ungewissen sache) abschlieszen': mit eim wetten pignore concertare, decertare, certare Dasypodius (1536) 457ᶜ;
alsô wart erhaben
under dem her grôzez wetten.
etelich ez dâmit heten,
der kunic kæme schiere;
dâwider jâhen viere,
sîn vart wær widergenge
Ottokar österr. reimchron. 84 439 Seemüller;
dies jars da kom ein obenteurer her, der wettet mit einen hie und liesz im hend und fuͤsz ... pinden und in einen sak stossen ... wetet vil leut, er plib in dem sak und ertruͤnk ... etlich die wetteten, er koͤm herausz, und uber ein claine weil so scheust er ausz dem wasser (15. jh.) städtechron. 10, 165; nu mainet der hasz, er wölte mit jm wetten, wölcher den anndern überwund, der solt recht haben, das gefiel dem wolff Keisersberg granatapfel (1510) Aa 7ᵃ; ob ir zween oder mehr mit einander wetten, und dút nit umb unerbare ... sachen ist, so solle derlei wetten bstand haben (1599) niederösterr. landrechtsentw. 2, tit. 14, 4; andere wetteten mit einander, welcher der schleyer ... besser anstehen solte Moscherosch gesichte 1 (1650) 138; während noch immer fort gewettet wird, womit auch die freunde des wettrennens nicht eher aufhören, als bis sie die anlaufenden pferde erblicken rhein. conv.-lex. (1830) 12, 284; wollte doch gestern noch ein mann von groszer weltkenntnisz wetten, dasz kein krieg wird Gentz schr. (1838) 4, 266; vorgestern nacht haben wir ... gewettet, wo wohl der französische durchbruch versucht werden wird A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 304.
c)
in präpositionalen verbindungen.
α)
wetten an 'als einsatz hingeben, aufs spiel setzen' (im anschlusz an a):
derwegen manchen grossen streit
erregen (sie) in der gantzen welt,
daran wetten grosz gut und gelt
lieder auf den winterkönig 66 Wolkan;
sollen auch wir immer noch an das dunkle verhängnis einer macht wetten, die ausser uns ist und wirkt, und nicht an die macht, welche gott in männerbrüste gelegt hat? E. M. Arndt schr. (1845) 4, 44.
β)
wetten um einen betrag, gewinn u. dgl.; pignus der zu satz, darumb mann wett, was es gilt Alberus nov. dict. (1540) qq 3ᵇ: welicher mit einem um geltschuld wettet, um die ... het er fierzechen tag zil (1258) stadtr. v. Bremgarten 23 Merz;
der spotter sprach sa zestunt:
'ich wette mit iu umb ein phunt'
mhd. erzählungen I 3, 38 Leitzmann;
wo twe luede wedden umme eine sake, wolde ein van den twen des weddes nicht thostaen, so mach eme dat de ander avertuegen mit unbeseten lueden (16. jh.) d. alte lüb. recht 570 Hach; ward von ime umb ain schönen hengst gewettet Zimmer. chron. (²1881) 1, 407 Barack; ihrer zween umb ein stück gelds wetten Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 307;
denn viel gewinnst du wohl, worauf du nicht gesonnen,
worum du nicht gewettet hast
Göthe I 4, 241 W;
in älterer sprache auch in hinsicht auf einen ungewissen ausgang: wetten lûte umme wetteloufe mit pferden ... adir in dem spyle ymant den andirn hyndirt ... do en sal der richter nycht obir richten Kulmer recht 77 Leman.
γ)
wetten auf eine behauptung, eine umstrittene person u. dgl.: die rede geht noch alhie, das der konig von Frangkreich solde mit tode abgangen sein, und wirt alhie von vill kaufleuten darauf gewett, er sei todt, die andern, es sei nicht (1523) H. v. d. Planitz berichte 397 Wülcker;
(die ratsherren versprachen)
... zu gedächtnus der schiffart
den hafen, darauf gwettet ward,
vnd wog huntert vnd zwanzig pfund,
aufzuheben, das es werd kund
Fischart w. 1, 160 Hauffen;
die gläser sind zum wandern,
zum stehen nicht gemacht. wir wetten auf den man,
der etwan, wie man meint, nicht mehr bestehen kan
Fleming dt. ged. 1, 97 lit. ver.;
die hölle schien auf meinen fall zu wetten
Thümmel reise i. d. mittern. provinzen v. Frankr. (1791) 4, 247;
er wettete auf schlechten ausgang und verlor Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 361. vgl. noch: es trat (in dem spielhause) ein fremder herr zu mir und sagte, dass er auf mich wetten werde Stifter s. w. 2 (1908) 165. vereinzelt über etwas wetten:
wer lust zu wetten träget, mag kühnlich drüber wetten,
dasz jungfern gerne männer und weiber kinder hätten
Logau sinnged. 317 lit. ver.
d)
syntaktische besonderheiten; jmdm wetten 'mit jmd. eine wette abschlieszen': in der kumpania sal niemand den anderen mannen wetten ader spelen bei einer halben tunnen birs (1385) in: mon. hist. Warmiensis 5, 144. mit pronominalem genitiv (ergänzend z. präpos. wendung):
si fuorte in dô besunder
ûf einen senften materaz ...
und hæte ich sîn gewettet
umb allez daz ich ie gesach,
ir hôhen freude und ir gemach
künd ich gesagen halbez niht
Konrad v. Würzburg Engelhard 3114 Gereke;
des wett ich vmb ein sunnen kron (goldmünze)
Murner dt. schr. 5, 205 Fuchs;
des wett ich mit euch umb ein kue
fastnachtspiele 1, 353 Keller.
2)
oft in rethorischen wendungen, ohne dasz dabei noch der abschlusz einer wette deutlich wird; bei diesem meist an die direkte rede gebundenen gebrauch verblaszt der ursprüngliche wortsinn.
a)
konjunktivisch:
seit das der schalk ist so verlogen,
ich hett darauf gewettet grosz,
wo er gewesen wer so los
fastnachtspiele 1, 82 Keller;
um vil gelds ich gewettet het,
er wär heut nit kommen darvon,
sonder het müssen zu grund gan
Maximilian Teuerdank 116 Goedeke.
in konjunktivischen verbindungen, ich törste, dürfte, wolte u. dgl. wetten:
des torstich umbe tûsent pfunt
wetten, daz des niht enist
Otte Eraclius 3117 Maszmann;
fúr war ich úch das sagen wil,
ich getörst ouch das wol wetten,
des goldes sy me hetten
denn der keiser
Hans v. Bühel Diocletian 2899 Keller
ich dorft umb etwas weten,
wan ietz die zwelff kömen al sant
und al ir dicht zu samen wer gebunden,
man fund zwelff neuer dichte,
die al ir kunst vernichte
Hans Folz meisterlieder 91, 49 Mayer;
ich dürfft umb einen finger wetten, mein wehren hette mehr gethan, denn noch heutiges tages thun alle drey entschuldigung hertzog Georgens (1529) Luther 30, 2, 38 W.;
fur war so wolt ich wetten,
e er den lip liesze veygen (dem tode überliesze),
er geb sich e zu eygen
dem der in hett gevangen
minneburg 1745 Pyritz;
ich wolt wetten, das du hetst sieder
kaum zehen bäum gfelt und umbgschlagen
Hans Sachs 9, 368 lit. ver.;
ich wolte wetten, dasz sein vatter ein christ geweszen Elisabeth Charlotte v. Orleans br. 1716 —18, 401 Holland; denn es ist eben keine grosze kunst, im trauerspiel edel und groszmüthig zu sein, ein königreich zu verschenken ... und dergleichen dinge mehr, die im gemeinen leben, ich wollte wetten ein könig so gut als ein anderer von sich ablehnet Göthe I 51, 114 W. mit adverbiellen zusätzen: wobei ich fast wetten wollte, dasz er die phrasin ... nicht gehöret J. G. Schütze Herrnhuthianismus in lit. (1752) 1, 56; Ch. Weise polit. redner (1677) 492; ich wollte auch beinah darauf wetten, dasz Schwan den verlag aufgeben wird (1784) Schiller br. 1, 191 Jonas. unpersönlich: wenn dieser ... sagt, er beschäftige sich ... am meisten mit dem Barreau, so sollte man fast wetten, dasz das gute barreau hier für einen schriftsteller angesehen worden Lessing 7, 22 L.-M.; man möchte wetten, dasz der mann an einem geistlichen hosenträger ... schreibt Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 6, 543.
b)
wendungen, die die bereitschaft zum abschlusz einer wette ausdrücken; ich will wetten:
einez daz muoz im geschehen,
seht, des wil ich wetten,
swâ si in bî dem pfluoge sehen,
daz si in gar enpfetten (ausschirren)
in: Neidhart 288 Haupt-Wieszner;
ich weisz wird ihm behagen,
wil wetten ihm gefalls
Spee trutznachtigall (1649) 215;
wetten wil ich, dass ihr thun
gantz auff missgrieff wird beruhn
Logau sämtl. sinnged. 203 lit. ver.;
wenn die dreitausendthalernachricht sich bestätigt, so will ich wetten, dasz irgend ein eigennütziger schuft von erbschleichern ... dir bei ihm (dem erblasser) zuvorgekommen ist (1792) Schiller br. 3, 215 Jonas. unpersönlich in verbindung mit kann: man kann zehn gegen eins wetten, dass manche von ihnen ... schlechter beritten seyn würden Bode Tristram Schandi (1774) 1, 28;
und wo man sicher wetten kann,
wer hosen trägt, der ist ein mann
Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 52.
c)
besonders in neuerer sprache häufig in der formelhaften wendung ich wette (, dasz ...); meist eine behauptung einleitend, aber auch nachgestellt und in parenthese:
ain freuntschafft ward ir da kunt
lieplich an ainem pette.
sicherlich ich wette ...
das er dy mynne wolte,
so er von ir solte
Heinrich v. Neustadt Apollonius 13 648 Singer;
o Luther greiff inn dein busen, ich wedt, du werdest kolen finden Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, 8ᵃ; o du verlogner balg ... ich wette, dasz er nicht eins deine hand berühret hat Bucholtz Herkuliskus (1665) 442;
dir hat, mein bräutigam, ich wette,
kein herbst wohl noch so schön gelacht
Günther ged. (1735) 215;
... da liegt er
todt, der gierige räuber! er thut es nicht wieder, ich wette!
Zachariä poet. schr. (1763) 2, 136;
das wunderbare räzel ihres grams,
die königin — ich wette — kann es kösen
Schiller 5, 1, 11 G.;
ich wette, sie machen sich einen vorwurf daraus, dasz sie sich satt essen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 308. umgangssprachlich weiter verkürzt (für: wollen wir wetten?): jetzt sag ich dir was, Wolfgang. wetten, dass du umfällst? H. Mann d. untertan (1949) 320; nun frau Qu., wetten, dasz ich ... aus ihrem munde höre, was die Trudel mit den postkarten zu tun hat? Fallada jeder stirbt (1951) 428. ein akk.-objekt dient hier nur zur rethorischen ausschmückung: ich wette inzwischen hundert gegen eins: herr V. soll noch heute abend in ihren augen der liebenswürdige ... mensch seyn, der er sonst gewesen ist Löwen schr. (1765) 4, 182; ich wette meinen bart W. Hauff s. w. 1, 17 Hesse; ich wett meinen kopf, dass er sein geld nur aus sicherheitsgründen dem roten gauner ... überschrieben hat O. M. Graf unruhe (1948) 441. in gleichem sinne mit dat. eth.: ich wett euch, sein ist die schuld nicht Mörike ges. schr. (1905) 1, 252.
d)
in der redensart so haben wir nicht gewettet u. dgl.; meist als ausdruck einer weigerung, eine zumutung hinzunehmen (urspr. sinn: 'so haben wir es nicht abgemacht'):
nein: halt, so han wir nicht gewett,
nein traun so wards nicht abgered
(1613) Rinckhart christl. ritter 87 ndr.;
o nein, so haben wir nicht gewettet, gehe du mir hieher (1620) Stapelius tragico-comoedia (o. j.) B 7ᵃ; nein, madam, so haben wir nicht gewettet Eschenburg beispielslg. (1788) 7, 359; der herr hat sich für den Euripides ausgegeben, und nun da er sieht, dasz es ernst gilt, tritt er auf die hinterbeine — nä! so haben wir nicht gewettet! Wieland w. (1796) 19, 305; nein, sagte das hähnchen, das wäre mir recht! lieber geh ich zu fuss nach haus, aber dass ich mich vorspannen lasse, so haben wir nicht gewettet br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 31; ob er fluchte oder: so ist nicht gewettet! sagte, um fünf uhr muszte sich der dreikönigenwirt an eine seltsame tafel begeben W. Schäfer wendekreis neuer anekd. (1937) 31.
3)
wettstreiten (vgl. die wendungen in, um die wette): mangelt es vielleicht unter uns an weibsbildern, die ... sich versichern koͤnnen, dasz sie so gar wol mit denen von der heidenschafft allerschoͤnst-erdichteten goͤttinnen wetten koͤnnen Stubenberg Samson (1657) 25; sein wolstand wettete, in der ausbreitung, mit dem schönsten lorberbaum Valvasor herzogth. Crain (1689) 3, 2, 203;
so wird das morgenroht mit düstren schatten wetten
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 33;
fagott und flöt und klarinetten
beginnen da ein lieblich wetten
Brentano ges. schr. (1852) 2, 7;
Ricciolella das haupt erhebt, ...
schneller schlägt sie die kastagnetten;
will sie mit dem winde wetten?
moderne dichtercharaktere 222 Arend-C.-H.
in der verbindung mit wagen klingt auch die bedeutung 'aufs spiel setzen' an: (vgl. 1 c α):
der mann musz hinaus
ins feindliche leben
musz wirken und streben
und pflanzen und schaffen,
erlisten, erraffen,
musz wetten und wagen
das glück zu erjagen
Schiller 11, 309 G.;
denn er wuszte wohl, dasz nichts aufgeklärter macht als die wettende, wagende arbeit Riehl d. dt. arbeit (1861) 309; in der ... bewegung der massen (in der neuzeit) sind die alten bedachten ordnungen vor dem wetten und wagen und vor der gelegenheit zur ausbeutung zurückgewichen Avé-Lallemant gaunertum 3 (1862) 128.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 690, Z. 25.

wetten2, vb.

²wetten, vb.,
ausgleichen, wettmachen (zu ¹wett 2); in fremdwbb. als übersetzung von parieren: gehorchen, folgen, wetten, die streiche im fechten abwenden Spanutius sprüchw.-lex. (1720) 346; Sperander à la modespr. (1727) 444; Kinderling reinigk. (1795) 308. das wort dient zur wiedergabe einer wohl nur gelegentlich dem fremdwort parieren zukommenden bedeutung 'wettmachen', wozu lat. paritas 'gleichheit' und ital. pariglia 'gleiche vergeltung' Kramer it.-ted. (1693) 800 zu vergleichen sind. literarisch nicht bezeugt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 696, Z. 61.

wetten3, vb.

³wetten, vb.,
verbinden, zusammenfügen. vorwiegend oberdeutsches, seit den ältesten quellen bezeugtes wort: coniugate kauuetan, kiuuetan (K, Pa, Ra, 8./9. jh.) ahd. gl. 1, 60, 34; quippe consociato sibi quodam puero renitenti i. pulcherrimo einemo scônemo chinde. ineben imo genuuetenemo Notker Marcianus Capella 176, 8 Sehrt-St. mhd. reich belegt, s. mhd. wb. 3, 773; Lexer 3, 805. das wort, das dem got. (gawidan) gawaþ συνέζευξεν entspricht, führt auf eine idg. wurzel *u̯edh- zurück, zu der auch ai. vivadhá 'schulterjoch', air. fedan 'gespann, geschirr' und cymr. gwedd 'joch' gehören, s. Walde-Pokorny 1, 256; Pokorny 1116 f.
1)
einspannen, zusammenjochen, bes. von zugtieren: coniugere zusammen jochen oder waͤtten, an einanderen oder zesamen binden gleych als an ein joch Frisius dict. (1556) 298ᵇ; jungirn fügen, zusamen fügen, wetten, als man die ochsen in das joch zammet Roth dict. (1571) J 3ᵇ; und wann uns nit verdrúst das joch zuͦ machen an das dri (ochsen) gewetten werden (iungantur) Österreicher Columella 2, 10 lit. ver.; in den rinderzuͤgen soͤllend allwegen zwen gleycher stercke ... zusammen gewaͤtten werden Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 117ᵃ; so ein thail ... waidet oder etzet, soll das par, es sei gewet (var. gewetten) oder nit, per acht kreuzer gephendt werden (16. jh.) österr. weist. 4, 117. in obd. maa. noch geläufig: bātn einjochen Tschinkel Gottschee 114; wätn ein-, anspannen (v. zugtieren) Bacher Lusern 224; betten ins joch spannen Schmeller cimbr. 111; wetten binden, zusammenfügen Loritza Wien 143; Schmeller-Fr. bayer. 2, 1048; Schöpf Tirol 813; Schatz Tiroler maa. 702; Fischer schwäb. 6, 731; Seiler Basel 314.
2)
verbinden, ineinander fügen: seine (des lärchenbaums) zapffen sind aus breitlichten, stumpffen schuppen gleichsam ineinanderer gewettet Muralt eydgen. lustgarte (1715) 85. meist von bauteilen (wänden, balken usw.): trabes compactiles wol in einanderen gefuͤgt vnd gewaͤttet Frisius dict. (1556) 269ᵃ; iter textum caecis parietibus ein finsterer waͤg ausz zesamen gefuͤgten oder in einanderen gewaͤttnen wenden gemacht, ein irrgang ebda 1308ᵇ; hat ein landmann, genennt Stouffacher, ein hüpsch neüw gewaͤtten oder gestrickt hauss gebauwen Stumpf Schweizerchron. (1606) 512ᵇ. hierher vielleicht auch: pertinere, attinere wedden, also: dat holt schal an der muren wenden (l. wedden) Diefenbach nov. gl. 289ᵇ; 174ᵇ (aus nd.-lat. glossaren). dazu vgl. noch die zss.: wettstangen gehören zum flöszereibetriebe, um bei langholzflöszen sie in die quere einzusetzen und mehr steifheit zu bewirken Behlen forst- u. jagdkde (1840) 6, 383.
3)
mhd. oft in übertragener verwendung, z. t. noch mit deutlich bildlichem vorstellungsgehalt:
sus schiet der künig von ir dan:
ir liebe zesamne was geweten
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 247, 11 Singer;
und ist in des taufes joch
mit dem taufe geweten
Ulrich v. Türheim Rennewart 29 921 Hübner;
in minen dienst swie du dich wetest
und nider vallend mich an petest
d. sœlden hort 4509 Adrian;
wiltu dich ze guͤt wetten,
dirr ding vliz dich
und lop got loblich
ebda 710;
swie vil daz si kunde
in uf die fuͤzze treten
und mit den augen weten
diu hertzen gaen ain ander,
daz alles wol erkander,
daz traib er mit ir zuͤhteclich
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 12 930 Regel.
4)
in unglück, gefahr u. dgl. verstricken, in etwas nachteiliges hineinziehen: angoribus et molestiis implicatus in kummer vnd muͤy gewaͤtten Frisius dict. (1556) 91ᵃ; einen in ein boͤse sach waͤtten inducere aliquem Maaler t. spr. (1561) 482ᶜ; wetten, einen in gefahr in discrimen adducere aliquem Dentzler clavis ling. lat. (1716) 349ᵇ;
der kaiser Karol unterstund
der religion zu vertreiben rund,
wo er nur könnte die betreten,
that aber sich in unglück wetten
Opel-Cohn dreiszigj. krieg 52;
betreffend ... das weitläufige advocieren ... und das damit underlaufende ... schmähen, warmit die parteyen durch andere als die sonst bestellte redner ... in ... kostbare weitläufigkeit gewettet (werden) (1694) rechtsqu. v. Basel 1, 435.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 696, Z. 71.

wetten4, vb.

⁴wetten, vb.,
zur schwemme (s. ³wette) führen, baden, tränken, vgl.weden teil 12, sp. 2833. in dieser bedeutung ist das wort als denominativbildung zu wette, f. 'schwemme' aufzufassen; in der vor allem mhd. belegten bedeutung 'waten, gehen' (s. mhd. wb. 3, 535ᵃ; Lexer 3, 805; Diefenbach gl. 604ᵇ s. v. vadare) ist es dagegen auf eine j-bildung zu waten zurückzuführen. adaquare trencken, wetten (md., 15. jh.) Diefenbach gl. 636ᶜ; (obd.) nov. gl. 8;
ich wæne, bluomen unde gras
von in hie sêre wart getrett:
des wurden sêr gewett
diu ors in dem sweize
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 221, 24 Singer;
(er) sol das vieh weder swemmen noch wetten (1429) weist. 4, 300 Grimm; doselbst ire pferd gewetet und getrennckt Thomas v. Absberg 37 lit. ver.; ein quellender brun ist da, das man im uslauff, so grosz ist, die pferdt darinn wettet Laurentius Friesz underweisung u. auszlegung d. cartha marina (1530) C 2ᵃ; unangesehen die Aach gnuog wohl müdtlen dardurch thät laufen, ware solche niemalen sauber, dan man auszer und innerhalb aller orten, weil gar warmb und im sommer stättigs thate wäschen, sudlen, wedten und die pferd darin schwämmen Bürster schwed. krieg 163 v. Weech; weitere belege bei Fischer schwäb. 6, 735.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 698, Z. 6.

wetten5, vb.

⁵wetten, vb.,
handel treiben; s. ¹wette C, sp. 672.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 698, Z. 32.

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Zitationshilfe
„wetten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wetten>, abgerufen am 24.11.2020.

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