Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wett3, interjektion

³wett, interjektion
(meist in verbindung mit teufel). die herkunft ist unsicher; die belege aus dem 15. u. 16. jh. zeigen, dasz das wort schon in dieser zeit verschieden gedeutet und teils an ¹wetter (s. d. IV 1—3, teils an ¹wetten, vb., in verschiedenen volksetymologischen umgestaltungen angeschlossen wurde. als ausdruck der verwunderung mit folgendem fragesatz:
der graf nach Eulenspiegel schickt:
wett teuffel, was hastu erplickt?
dasz blast vnd ist kein feind vorhanden.
ich glaub, du braͤchst vns gern zuschanden!
Fischart Eulenspiegel v. 2839 Hauffen;
wett der teuffel, was machstu hie?
ebda 2576;
ey wett der teufel, was musz seyn,
dasz man mich so lang lest allein?
lieder auf d. winterkönig 103 Wolkan;
da das der wirt vernam, sprach er: weth den teufel, was thut der hie bey mir? Montanus schwankb. 349, 2 Bolte; der rysz sprach, do er sich am herd gsach: wetten tuffel! waz thuot Machmet, das er mich laszt ab minem pfert fallen (16. jh.) Morgant 197 Bachm.; wedter teuffel warumb lernst du dann also Joh. Nas antipap. eins und hundert (1567) 3, 186ᵇ; s' wetter und der teufel! soll ich dann in meinem hause nicht herr seyn dörfen? maler Müller w. (1811) 1, 246. ähnlich: wett der knyfel, sagt der vatter Lale, was solt einer in treissig jaren lehren Lalebuch 140 v. Bahder. im fragesatz:
wetter teuffl lernt dich das?
Sterzinger spiele 8, 279 Zingerle;
owe heut und jmmer mer!
wetter teuffl pringt dich da herr?
ebda 10, 161;
die magt sprach: ich weisz nit wet den teuffel wir thun Eulenspiegel 75 ndr. mit ausrufe- und aussagesatz:
wet der tiefel, mag ditz wesen!
Heinrich Wittenwiler d. ring 2176 Wieszner;
wetter zieggel
ebda 2680;
ich weysz, weth dausent teufel, wie jchs heyssen sol (1524) flugschr. a. d. reform.-zeit 1, 175 Clemen. als verwünschung: wet als unglück malum, interiectio Dasypodius (1536) 457ᶜ; malum, interiectio irascentis. quid tua (malum), id refert? wett als vnglück, an galgen, was gadt das dich an? Frisius dict. (1556) 796ᵇ; hierher wohl auch die mehrfach bezeugte verbindung wett Fritz:
(der gast) stelt sich sawr vnd mürrisch drab,
wagts doch, schnitt jm (dem huhn) zwen flügel ab,
ich setz ein batzen an ein heller,
du fleugst mir nun nit mehr vom deller
(randbem.: wett Fritz)
Scheit Grobianus v. 3440 ndr.;
wett Fritz, es ist eins erraten Hans Sachs 22, 29 lit. ver.; ich gedachte: wett, Fritz! du hasts errathen Grimmelshausen 2, 628 lit. ver.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 662, Z. 64.

wetterung, f.

wetterung, f.,
abzugsgraben, bes. des eingedeichten landes; ein wort nl. herkunft, vgl. mnl. wateringe, nl. wetering, das als fachwort des deichbaus in unterschiedlicher lautform in Deutschland eingang findet: mnd. wateringe, weteringe, hd. wässerung (teil 13, sp. 2542). die für das nd. auffällige verkürzung des stammvokals ist vielleicht auf vermischung mit ³wette zurückzuführen. 'wetterung, auch nach der gemeinen aussprache wettern, ein graben, der zur ableitung des wassers dienet' brem. wb. 5, 207; Campe 5 (1811) 695. in nd. lautgestalt erscheint das wort oft in hd. texten: de fossis aquariis ..., wodurch inwendig landes alles gewässer nach dem teich, und die darin gelegte schleussen abgeführet wird. hi nostrate lingua, communissimis ac in vulgus notis vocabulis appellantur wetterungen, graben; belgica vero sloten, wateringen Hackmann von teichen u. dämmen (1690) 448; die kajendeiche trennen die einzelnen wetterungen oder abzugsgräben von einander Zesterfleth beschr. d. Alten Landes (1847) 56; weniger rasch geht diese erdbildung in den flieszenden gräben, den fleeten, wettern oder wasserlösen vor sich, welche allenthalben die marschen durchschlängeln, das überflüssige wasser den schleusen zuführend Allmers marschenb. (1900) 116; die gröszeren ableitungsgräben, wettern, fleeten Harms verm. aufs. u. kl. schr. (1853) 9. vgl. Mensing schlesw.-holst. 5, 612; Teuchert sprachreste 185 u. ö. dazu folgende zss.: wiättergrawen Bauer-Collitz Waldeck 231ᵇ; wetternrichter 'aufseher über deiche nnd siele', wetternwall 'wall am abzugsgraben', vgl. Benzler deichbau (1792) 2, 276; 277.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 771, Z. 7.

wetter1, m.

¹wetter, m.,
eine person, welche wettet; zu ¹wetten A: wetder vadiator (15. jh.) Dief. gl. 604ᶜ. zu ¹wetten C: ein kühner, kecker wetter Kramer t.-it. 2 (1702) 1338ᵇ. literarisch kaum geläufig:
ja wenn noch für den bauer sich
auch wetter eingefunden hätten
bei Adelung 5 (1786) 191.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 698, Z. 33.

wetter2, m., (n. f.)

²wetter, m. (n., f.),
gabelförmiges verbindungsholz am wagen oder pflug; zu ³wetten: padiliga [unklar; cf. badile 'ligo' du Cange 1, 519 ?] uuetero (9. jh.) ahd. gl. 3, 656, 37; von einem wetter zu einem wagen 15 pf (arbeitslohn) (15. jh.) Tucher baumeisterb. d. dt. Nürnberg 102 lit. ver.; aber er (Nebukadnezar) thet es nit, darumb kam er von sinnen, wont er wer ein ochsz vnd asz hew, gieng am wetter J. Pauli Keisersbergs narrensch. (1520) 35ᵇ. Adelung 5 (1786) 191 beschränkt wetter, n., auf Obersachsen und führt die zss. pflugwetter, spillwetter an; weiterhin: wedder das gabelförmige holz an einem wagen zwischen der deichsel und der langwiede, dem langbaum F. B. Weber ökon. lex. (1838) 639. noch mundartlich: Crecelius oberhess. 910; Birlinger Augsburg 431; Reiser Allgäu 2, 743; als f. bei Schmid schwäb. 520; wettern, m. Schmeller bayer. ²2, 1052; dazu die ableitung wedaling (Egerl.) 'gabelförm. verbindungsholz a. pfluge', s. zs. f. vgl. sprachf. 17, 19.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 698, Z. 40.

wetter3, n.

³wetter, n.,
'witterung, unwetter'; auch 'blitz'; 'grubenluft'.
herkunft und form. ahd. wetar, mhd. wet(t)er; as. wedar, mnd. wed(d)er; mnl., nl. weder, weer; ags., afries. weder, nengl. weather; an. veđr; norw. veder, schwed. väder; dän. vejr; allgemein im sinne von 'luft(beschaffenheit), wind, witterung'. die germ. grundform *weđra- führt auf die im idg. verbreitete wortsippe der wurzel *u̮ē͏̆- zurück, zu der im dt. u. a. wehen, wind, wedel gehören, s. Walde-Pokorny 1, 220 ff; Pokorny 82. identisch mit aksl. vedro 'schönes wetter, heiterer himmel', russ. védro usw. (Vasmer russ. etym. wb. 1, 177) und daher auf idg. *u̮e-dhro- zurückgehend; wegen des vokals weniger wahrscheinlich ist die verknüpfung mit apr. wetro 'wind', lit. vétra 'sturm', aksl. větrbь 'wind', russ. veter usw. (Vasmer 1, 194), vgl. Brugmann idg. forsch. 18, 435 f. im spätmhd. setzt sich die vereinzelt schon früher begegnende doppelschreibung des inl. konsonanten durch: wetter Wernher Marienleben 3913 P.; städtechron. 3, 301; Diefenbach gl. 15ᵇ; 303ᵃ, 464ᵇ; 576ᶜ; weter noch bei Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 33 H.; österr. weist. 4, 39 (18. jh.). inlautendes d(d), das im nd. und z. t. im md. herrscht, kann schon früh unter kontraktion beider silben ausfallen, vgl. weerhaen (Köln 1507) Diefenbach gl. 432ᵃ; were unde winde bei Schiller-Lübben 5, 645. mundartlich sind diese formen heute in weiten gebieten Norddeutschlands verbreitet, z. t. mit den lautformen von wieder u. widder (s. d.) zusammenfallend: wer (Emden, Bentheim), wär (Niederrhein, Niedersachsen), wiär (südl. Westfalen); in anderen teilen des nd. und auch des md. sprachgebiets hat sich der verschluszlaut zu einem liquiden übergangslaut entwickelt: weller (Schlesw.-Holst.), wäre(r), wära (Mecklenb., Pommern), werre(r), were, wera (Hessen), oder es tritt veränderung der artikulationsstelle ein: wäger (teile der Altmark, Westprignitz, gegend um Pyritz). in einem südlich anschlieszenden, nur im hessischen unterbrochenen grenzsaum halten sich formen mit inlautendem d (d): wedder, weder, wedde (ripuarisch, moselfränk., lothr.), wedder (Südhannover), wäder (vorwiegend i. e. streifen von Halberstadt üb. Berlin bis Frankfurt/O.). im übrigen md.-obd. sprachgebiet gilt wie in der hochsprache inl. t(t), eine sonderstellung nimmt nur der südosten ein: weda, wöda, weida (bayr.-österr.); der stammvokal ist jedoch in weiten gebieten zu ä, a umgefärbt: wätter (schweiz.), watter (elsäss.; mainfränk., thür., obersächs.), water, wäter (schles.); stellenweise (um Sigmaringen, Bregenz) diphthongiert: weatter (übersicht nach dem material d. dt. sprachatlas).
bedeutung und gebrauch. von den ältesten quellen bis zur gegenwart bezeichnet das wort vor allem den zustand der atmosphäre (I). im verlauf der bedeutungsgeschichtlichen entwicklung ist eine allmähliche begriffliche abstraktion des ursprünglich noch konkret gefaszten sinngehaltes 'lufthauch, wind' zu erkennen, so dasz das wort in heutiger sprache vorwiegend als gesamtbezeichnung aller witterungsvorgänge dient. das wohl gemeingermanische wort (gotisch nicht überliefert) weist im deutschen einige aus der grundbedeutung abgeleitete sonderbedeutungen auf ('blitz' II, 'grubenluft' III, affektbetonter gebrauch IV), die in den verwandten sprachen nicht entwickelt sind; dagegen ist die vor allem in den nordischen sprachen noch lebendige bedeutung 'luft, wind' im deutschen beim simplex (auszer speziellem 'grubenluft' III) kaum noch vorhanden (doch vgl. komposita wie wetterfahne, -harfe u. a. u. s. I A 1 c γ, 2 e). sie ist vermutlich aber auch im ahd. noch vorherrschend gewesen, wie aus der häufigen glossierung von lat. aura hervorgeht: (vocem ... dei deambulantis in paradiso) ad auram post meridie za uuetere after mittemu tage (8./9. jh.) ahd. gl. 1, 316, 6 St.-S. (zu Gen. 3, 8); (cadavera ...) volucres (rapientur) in auras (animas comitata priores) in dei heitarun vuetar (11. jh.) ebda 2, 424, 18—20 (zu Prud., cath. 10, 43); weiterhin 2, 44, 12; 171, 30; 262, 40; 275, 57; 58; 276, 3; 3, 223, 62; 4, 132, 36 (sämtl. 9. bis 13. jh.); ferner: auriginem fallentem uuetar triugantaz (8./9. jh.; aurigo 'gelbsucht' mit aura verwechselt) ahd. gl. 1, 354, 23. seltenere glossierungen: (ruit ... turbidus imber aqua densisque nigerrimus) austris uuederon (11. jh.) 2, 709, 21 (zu Vergil, Aen. 5, 696); (placemus ventos, ... modo) Juppiter (adsit) vuetar (11. jh.) 2, 651, 15 (zu Vergil, Aen. 3, 116); per hiemen uuedar (9. jh., Essener gll.) 4, 302, 48 (nach Joh. 10, 22); serenum (erit, rubicundum est ... caelum) heitar vel uuetar (10. jh.) 2, 333, 62 (zu Mt. 16, 2); (tu fabricatus es) auroram (et solem) uuetar (10./11. jh.) 1, 519, 21 (zu ps. 73, 16); vgl. auch s. v. aeromanticus Diefenbach gl. 15ᵇ; aura 61ᵇ; intemperies 303ᵃ; proliuies 464ᵃ; temperies 576ᵇ; tempestas 576ᶜ; fulgor, nov. gl. 184ᵇ; weiterhin: brumare gryessen als das wetter gefreust nov. gl. 60ᵃ; procella vngestum des weters ebda 304ᵃ. auch die mittelalterlichen bibelübersetzungen bevorzugen wetter als übersetzung von lat. aura: er (gott) gemachota daz ungeuuitere ze uuetere. unde an diu stilleton sîne uuella (statuit procellam eius in auram) Notker 2, 463, 11 P. (ps. 106, 29; entspr. Millst., Windb. Trierer, Trebnitzer, Wegeleb. ps.); und di wirt alle der wint weknemen, unde daz wetir wirt si irboren (auferet ventus, tollet aura) Claus Cranc Jes. 57, 13 Zies. (entspr. Kölner bibel 1478, lufft Mentelbibel); huben auff ein kleynen segel nach dem blasen des wäters (secundum aurae flatum) erste dt. bibel (Zainer), apostelgesch. 27, 40 K. (lufftes Mentelbibel, windes Kölner bibel). Luther wählt hier andere übersetzungen; er setzt wetter oft an die stelle von unwetter, ungewitter (tempestas) der älteren texte, z. b. ps. 50, 3; 55, 9; 81, 8; 83, 16; Jes. 54, 11; doch ist auch hier der wortsinn 'lufthauch, wind' noch deutlich greifbar: ein starcker vnd mechtiger vom herrn, wie ein hagelsturm, wie ein schedlich wetter (turbo confringens), wie ein wassersturm Jes. 28, 2 Binds.; vgl. auch: vnd wollt eylen das ich entrunne, fur dem vngestumen wind und wetter (1524) ps. 55, 9 W. [... a spiritu commotionis (movente in tempestate) a turbine, fur dem sturmwind (des wetters) und wetter, et nos dicimus ein wetter, ausgenomen das wirs nicht wind nennen ... rev.-protok. z. ps. 1531, deutsche bibel 3, 57].
I.
zustand der atmosphäre.
A.
im eigentlichen sinne.
1)
'unwetter, gewitter', gesamtbezeichnung für vorübergehende, aber heftige und schädigende witterungsvorgänge (meist starker regen und sturm, auch elektrische entladungen einschlieszend).
a)
prägnant: es stehet ein wetter, ein schweres gewitter am himmel Kramer t.-ital. 2 (1702) 1339ᵃ; ins wetter kommen, vom wetter übereilet werden ebda;
als der gesell sin red volbracht,
da was vergangen wol die nacht
und was das weter worden stil
mhd. minnereden II 16, 261 Thiele;
das wetter tet als greulichen, das sy wonten sye muͤsten all sterben summerteil d. heyligen leben (1472) 18ᵃ; dann je behender ... der donder ..., je böser daz wetter ist M. Herr feldbau (1551) 26ᵇ; dass es etlichen vnuernuͤnfftigen thieren von natur eingepflantzt ist, dass sie zukuͤnfftiges wetter oder vngewitter ... zuuor wissen vnnd fuͤhlen koͤnnen theatr. diabol. (1569) 97ᵃ; durch mittel eines wetter verhindert (am viehaustreiben) (1607) österr. weist. 4, 270;
es donnert sehr, o lieber gott!
wir hörens warlich ohne spott.
machs mit dem wetter nicht zu lang,
es ist uns hertzlich angst und bang
(17. jh.) bei Fischer-Tümpel kirchenlied 5, 225;
dieses wetter hatte einen grossen bären ins städtel gejagt Lehmann hist. schauplatz (1699) 546; gewahrte ein von südwest herankommendes wetter Göthe III 11, 244 W.; ein wetter droht G. Freytag ges. w. 9 (1887) 7. in diesem sinne auch pluralisch: es stehen zwey wetter gegen einander Kramer t.-ital. 2 (1702) 1339ᵃ; doch so worden vil groszer waszer und wetter in dem selben jare (15. jh.) Windecke denkw. 346 Altmann;
wie wenn der donnersturm der wetter sich verzogen,
wenn nach der blitzen knall der wolcken nacht verflogen
Gryphius trauersp. 215 Palm;
wenn ins land die wetter hängen
und der mensch erschrocken steht,
wendet, wie mit glockenklängen
die gewitter dein gebet
Eichendorff s. w. (1864) 1, 616;
grobe wetter und schaurige nächte Waggerl mütter (1935) 6.
b)
in verbindung mit attributen, die art und stärke des unwetters bezeichnen; grosz(es) w. (in älterer sprache sehr geläufig): in grôzem weter Konrad v. Megenberg buch d. natur 92 Pf.; wenn aber sonst in der wochen ain grosz wetter anfallen wurd (1734) österr. weist. 4, 226. schwer (es) w.: demnach es schwer wetter, assen sie vil mässiger als zur andern zeit Fischart Garg. 303 ndr.; ein ungewitter, schweres wetter oder dergleichen Prätorius philos. colvs (1662) 61. starkes w.: des starken wetters wut S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 7; Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 427. ungestüm (es) w.: (er) wirt bewegt von einem zu dem anderen als das vngestüme weter auff dem mere Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 33 Herrmann; buch d. liebe (1587) 202ᵃ. in weiteren gelegentlichen verbindungen: wann man von wildem weter oder snee darzue nit kömen mag (14. jh.) österr. weist. 1, 199; bewahre mich ... fuͤr vngeschlachtem wetter Ringwaldt handbüchlin (1598) a 4ᵃ; soll (man) für die hohe wetter das leblich pett vollbringen (16. jh.) österr. weist. 5, 147;
wann sie bey hartem wetter streng
gerudert haben in die läng
Spreng Ilias (1610) 83ᵃ.
mit attributen, die vor allem menschliche empfindungen gegenüber dem unwetter zum ausdruck bringen: widerwertig wetter Niclas v. Wyle translat. 109 Keller; grewlich wetter Hans Sachs 22, 310 lit. ver.; grausam, schrecklich wetter J. Böhme s. w. 2, 14 Schiebler; das schreckliche vnd vnerhörte wetter Rätel Curäi chron. (1607) 447; schwere, besorgliche weter (1716) österr. weist. 4, 39; beim erbärmlichsten wetter (1783) Schiller br. 1, 164 Jonas. die bedeutung 'unwetter' kann durch adjektive wie übel, böse u. dgl. verstärkt werden; diese verbindungen lassen sich jedoch nicht scharf von jenen abgrenzen, in denen im anschlusz an eine allgemeinere grundbedeutung (B 'witterung') das schlechte wetter im unterschied zum guten wetter bezeichnet werden soll: úbel wetter Wernher Marienleben 3913 Päpke; wiewol, wann gott zörnet, kein kunst für bös wetter hülft Sebiz feldbau (1579) 7; Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 110; Lenz ged. 211 Weinhold; was so schlimmes wetter gebracht Görres ges. br. (1858) 3, 1.
c)
in mannigfachen abstufungen des wortsinns tritt wetter als sinnverwandter oder umfassenderer begriff zu besonders benannten witterungsvorgängen (donner, regen, sturm usw.) hinzu, bisweilen dient es in verbindung mit verben wie krachen, gieszen, sich erheben sogar zur bezeichnung dieser erscheinungen.
α)
in verbindung mit blitz, donner u. dgl. (z. t. der verwendung unter II nahestehend): welch ein wetter und donner macht er (gott) ynn der lufft und verbrandt yhm (Hiob) alle sein gut Luther 30, 2, 188 W.;
gott liesz donnern von himel ferrn,
ein grosz wetter hören also
Hans Sachs 19, 203 lit. ver.;
ach gott, kein harter schlag
des rauen wetters mag
die felsen so erschüttern,
als dieser thon mein hertz
Simon Dach 91 Öst.;
wie wenn das wetter blitzet,
und auff den dicken wald viel donnerkeile sprützet,
die steinern' eiche spällt, der fichten krafft zerbricht
Fleming teutsche poemata (1642) 197;
was hör ich! ha, das wetter blitzt;
itzt — wird der donner fallen, itzt!
Kretschmann s. w. (1784) 1, 157.
im gleichen sinne wie donner: sein hertz wird nicht besiegt, wenn gleich alle wetter krachen Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 1024;
und voll verwunderung vernahm:
dasz ein gewünschtes wetter krachte,
und erd und himmel bebend machte
anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 875 Gottsched.
β)
in verbindung mit regen, hagel, schnee u. dgl.:
sich huop ein hagel unde ein regen:
wan daz mich der gotes segen
vriste von des weteres nôt,
ich wær der wîle dicke tôt
Hartmann v. Aue Iwein 655 B.;
die lúte so ein wetter kummet, regen und hagel, so fliehent sú under ein tach Tauler pred. 93 Vetter; obe leitern, stuͦle, bencke und desglichen am regen oder wetter stünde, das sol er an das trucken tun (15. jh.) straszb. zunftordn. 58 Brucker; entstund ... ein erschrockenlich wetter vnd wolckenbruch Stumpf Schweizerchron. (1606) 125ᵇ. wie 'regengusz, wolkenbruch':
dô was der doner vil grôz.
awie starke daz weter ave gôz
Lamprecht Alexander 110 Kinzel;
des nachts kam sich ein wetter gros
das vber berg vnd tieffen thal herflus
(16. jh.) bergreihen 17 var., ndr.;
γ)
in verbindung mit sturm (oft in der doppelformel sturm u. wetter) u. ähnl.:
thuo bigan thes uuedares craft,
ûst up stîgan
Heliand 2241 Behaghel;
leib und seel hält er verdeckt,
wenn dich sturm und wetter schreckt
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 320;
nach des wilden weters sturm, nach des harten donners krachen,
pfleget uns die liebe sonn oft in kurzem an zu lachen
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 15;
dasz ihm keine wetter schaden,
fesselt alle stürme an
Schiller 15, 1, 4 G.
auch im sinne von 'sturm, seesturm':
so sie in thaz scif gigiangun sie wetar sar bifiangun
(vento magno flante)
Otfrid III 8, 11 Erdm.;
heut habt ihr gehort, wie unser herr ins schiff getretten etc. das sich also ein wetter erhebt, das die flutten schtehn uber die vher (1544) Luther 49, 334 W.; bald wird sich das wetter legen Voigtländer oden u. lieder (1642) 81;
Boreas pfeifft, saust und rufft
hin und wieder in der lufft,
fellet alle blätter
durch sein strenges wetter
Simon Dach 411 Öst.;
aber doch wollt ich, dasz ... wetter brauszten maler Müller w. (1811) 1, 189;
und der hoffahrt morsche götter
treiben hin wie spreu im wetter,
auf vom schlafe fährt das land
moderne dichtercharaktere 183 Arent.-C.-H.;
zum erstenmal wurden an diesem abend auch unsere baracken geheizt. das wetter hatte gerade gedreht A. Seghers d. siebte kreuz (1950) 8.
δ)
in der alliterierenden doppelformel wind (und) wetter ist wetter in den meisten fällen als die allgemeinere, alle einzelerscheinungen der witterung umgreifende bezeichnung aufzufassen; nur vereinzelt sind beide glieder begrifflich streng geschieden, vgl.: die witterung (temperies aëris) enthält zwei stücke: wind und wetter. das letztere ist entweder blos sichtbar als heller, theils reiner, theils mit wolken bestreuter, theils bezogener himmel; oder auch fühlbar kalt oder warm, feucht oder trocken Kant w. (1838) 9, 124. seit den frühesten quellen bezeugt (doch nicht ausschlieszlich in der bedeutung 'unwetter', s. auch e und 2 d):
thô uuard uuind mikil
hôh uueder afhaban
Heliand 2914 Behaghel;
und gieng uf wasser truken hin,
hies wind und wetter stille sin
Marienleben 7858 Päpke;
grosze, gewaltige, fährliche ungestüme winde, wetter und wellen bei Luther tischr. 5, 628 W.;
sie hatten sich und ihren kahn
dem wind und wetter übergeben
Triller poet. betracht. (1750) 2, 71;
wetter und wind, regen und sturm kamen nicht in anschlag; es war als wenn man nur lebte um nasz zu werden und sich wieder zu trocknen Göthe I 17, 228 W.
d)
im vorstellungsgehalt überwiegen optische eindrücke bei heranziehendem oder hereinbrechendem unwetter:
als wann hoch in der wolcken lauff,
ein grosses wetter zeucht zu hauff
C. Scheit frölich heimfart (o. j.) C 1ᵇ;
gnedigste frau, hab mich vmbgsehen,
wie die wolcken so schwartzlich stehn,
am himmel ein wetter thut vmbgehn
Ayrer dramen 369 lit. ver.;
bald brach ein wetter aus,
und trübte hellen schein
Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 52;
naͤher zog im raschen lauf
das schwarz gedraͤngte wetter auf
R. Z. Becker mildh liederbuch (1799) 43.
e)
wo schädigende einwirkung besonders betont ist, steht das wort im sinne von 'witterungsunbilden' (auch pluralisch, vgl. a): uuaz ouh tes, taz ... diu rinda ze ûzerôst samoso arbeito genîetotiu gagen allên uueteren ze skerme stât (adversum celi intemperiem) Notker 1, 202, 22 P.;
gedillet und getrâmet   diu schif man dô vant
gên wetere und gên strîte
Gudrun 269 Symons;
ein breitlachter huͦt mit breiten stuͤrmen für die sonnen vnnd das waͤtter Frisius dict. (1556) 1399ᵇ; (im bilde:) vnmüglich, das die kirch solche vngestüme wetter het erleyden künden Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 2, R 4ᵇ; auch die gelehrten werden durch sie ... vor den ungemächlichkeiten des wetters bewahrt Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 127. auch hier oft in der verbindung wind und wetter (vgl.c δ): (bäume,) welche den gantzen winter hindurch wind und wetter ausgesetzet gewesen allg. haush.-lex. (1749) 1, h 1ᵇ; ein ehrbares häuslein, um darinn schutz gegen wind und wetter zu finden Lichtenberg nachlasz 21 Leitzm.;
wie aber birgt er sich vor kälte, wind und wetter?
Mörike ges. schr. (1905) 3, 100.
f)
gegen, wider, für, zu dem wetter läuten; ein volkstümlicher brauch, um das (un)wetter zu bannen (vgl. hdwb. d. dt. aberglaubens 9, 508): das man mit einer glocken leutet wider das wetter Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 84ᵇ; der kilwart ... sol schweren ... ouch wann das nott gegen dem wetter zu lúten und die lúter ... beruffen (um 1500) Schlettstädter stadtrechte 2, 730 Gény; do komend vil tonder und blitzgen, und lüt man vast für das wetter Richental chron. d. Constanzer concils 115 lit. ver.; darumb leütte man zu dem weter die glockenn Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 9 ndr. ähnlich: bisz der verstaͤndigst ... hiesz gegen dem wetter zuspritzen, da hort es auff Fischart Garg. 40 ndr. in freierer verwendung: soll keyn besser ding sein, damit ... das wetter besser zertheylet werde: dann das man die glocken allenthalben schallen ... lasse Sebiz feldbau (1579) 291; läuten sie doch die glocke nicht, wenn kein wetter am himmel stehet Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 229. auf abergläubischen vorstellungen beruht auch die wendung wetter machen (s. auch sp. 751): die da milch stelen, wetter machen, auff böck und bessen reytten Luther 10, 1, 1, 591 W.;
also der teufl durch phantasey
offt richtet an sein zauberey
durch alte weiber mit gfehrling sachen,
auff dem bock fahrn und wetter machen
Hans Sachs 17, 314 lit. ver.;
gemachte und zauberische wetter Maximilian v. Bayern landgebott wider abergl., zauberey (1611) 13; ein solches gemachtes wetter wurde aura levatitia ... genennt M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 512. in der wendung wetter rufen:
die mit starken runenliedern
knoten knüpfte, ketten sprengte,
wetter rief und stürme stillte
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 91.
g)
auszergewöhnliche, gewitterähnliche vorgänge bezeichnet das wort im religiösen sprachgebrauch, meist im zusammenhang mit erscheinungen gottes oder göttlicher wesen: da aber der herr wollt Elia ym wetter gen hymel holen Luther dt. bibel 9, 2, 4 W. (2. kön. 2, 1);
darauff so wird mit vielen frommn
der herr im wetter rhunter kommn
Ringwaldt christl. warnung (1592) L 2ᵃ;
David beschreibet gottes maiestet durch die tonnerschlege unt wetter Schede-Melissus ps. 102 ndr. als göttliches strafgericht: dar en tegen wort de torn des heren wo ein vngestuͤmmich wedder heruth brecken Rotmann restitution 101 ndr.;
lass deine rache mich in den furchtbarsten wettern,
zorn ohn erbarmen mich zur tiefsten hölle schmettern
slg. v. schausp. (1764) 2, 16;
dann zürnet allvater in wettern herab
Denis lieder Sineds (1772) 114;
im wetter eingehüllt, tritt er (der gott) mit macht hervor Göthe I 51, 145 W.;
warum kamst du nicht in wettern,
Zeus, den frevler zu zerschmettern?
Eichendorff s. w. (1864) 1, 691.
ungewöhnlich: wer aber schläfft ..., der wirt auch der mal eines wider auffwachen, wenn nun der son gottes ein gerümpel vnd gepressel in dem letzten wetter anrichten vnnd alle so vnter der erden schlaffen auffmuntern wirdt Mathesius leychpred. 1 (1569) 29ᵇ.
2)
'witterung'; der jeweilige zustand der atmosphäre oder die gesamtheit des witterungsverlaufes.
a)
in prägnantem sinne. meist von einem besonderen, zeitlich begrenzten witterungszustand, von der jeweiligen wetterlage; in neuerer sprache wird jedoch mehr und mehr die gesamtheit des witterungsverlaufes in den vorstellungsgehalt einbezogen; wetter costitutione, temperamento, stato, stagione dell'aria e del tempo; tempo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1338ᵇ; es wird bald ander wetter werden ebda 1338ᶜ: taz hiezen sie Iouis lahter. uuanda demo ist taz uueter gelîh in lenzen Notker 1, 712 Piper;
diu nuz diu an dem boume stât,
swaz weters sî ane gât,
daz nimt diu schal über sich
Hartmann v. Aue klage 452 Bech
umme dy czit ist das wetir getempirt czu rechtir moze md. Marco Polo 23 Tscharner; ain habch sasz in ainer nachtgallen nest, und beschowet daz wetter Steinhöwel Äsop 147 lit. ver.; wann wie got wetter gibt das gefalt mir aller bast Keisersberg pred. teütsch (1508) 93ᵃ;
wo nicht das volck den vogel kent,
wie er sich nach dem wetter wend
Fischart s. dicht. 1, 92 Kurz;
das wetter will seinen willen vnd gang haben Lehmann floril. polit. (1662) 3, 45; vngleiche wetter macht vngleiche fahrt ebda 1, 90; die streiche, die das wetter dem witterungskundigen spielt W. Raabe Horacker (1876) 103; doch machte diesmal das wetter einen strich durch meine rechnung Barth Kalkalpen (1874) 376; wohlerzogene menschen sprechen in gesellschaft weder vom wetter noch von der religion M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 44. in hinsicht auf die beschaffenheit für einen bestimmten zweck 'geeignetes, gutes wetter': der wein hatte gar kein wetter und ward sein gar wenig, darzu gantz sawr C. Spangenberg Mansfeld. chron. (1572) 1, 88ᵃ; in zehen oder eilff tagen, nach dem das wetter ist, kan der curier Wien erreichen Schweigger reyszbeschr. (1619) 67; dann läst man sie (die kühe) in ställen stehen, oder wo wetter ist, auf dem hofe (1667) viehbüchlein 25; meine wiesen zu hause ... die können solch wetter brauchen Fontane ges. w. (1905) I 5, 136; ist es kalt und sternklar, oder liegt der nebel auf den wiesen, dann regnet es bestimmt, und ist es dunkel und warm, dann gibt es wetter, wenn es nicht regnet Löns heidbilder (1913) 114. unter dem gesichtspunkt klimatischer unterschiede: damit sie (die kühe) nicht von verwandlung der stett, wetters, speisen ... in kranckheit fallen Heyden Plinius (1565) 235; ungeachtet aller klagen gegen die unannehmlichkeit und ungewiszheit unsers wetters Archenholz England u. Italien (1785) I 1, 94; unter welchem himmel erzeugt, und in teutschem wind und wetter aufgewachsen, magst du darin bestehen oder vergehen Heinse s. w. 4, 3 Sch.
b)
in verbindung mit attributen.
α)
in hinsicht auf die allgemeine beschaffenheit bewertet; schön (es) w.:
that than is sân after thiu   sumer ginâhid
uuarm endi uunsam   endi uueder scôni
Heliand 4343 Behaghel;
der uuinter ist hina ... in demo scônen uuetere, so sint nu geuuahsen flores virtutum Williram 39, 8 Seem.;
desz andern tags so was schoͤn wetter,
da wolte schmieren er das leder
Fischart Eulenspiegel 2, 226 Hauffen;
gegen 6 uhr nach Zürch bey sehr schönem wetter Göthe III 2, 155 W. gut (es), besser (es) w.:
gut weter slug sy da
di richte gegen Galacia
Heinrich v. Neustadt Apollonius 14 898 Singer;
nun da draten sie ausz ans land,
ein besser wetter zu erpeytten
Hans Sachs 2, 227 lit. ver.;
gut wetter zur seefahrt venusgärtlein 15 ndr. schlechtes w.: wir haben schlechtes wetter hier (1804) Beethoven s. br. 1, 137 Kal.; er hatte exerziren für uns bestellt, welches aber des schlechten wetters wegen unmöglich geworden war Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 139. in weiteren verbindungen: es muͦss noch menig wandelber weter úber dich gan Seuse dt. schr. 364 Bihlm.; ein schön, fruchtbar wetter (1539) bei Luther tischr. 4, 466 W.; es ist bisher eitel koͤstlich wetter gewest ders., br. 5, 294 W.; in eim senfften weter Hans Sachs 6, 273 lit. ver.; wo ... sein gegenthail (ackernachbar) mit dem paw oder dungen verzuge bis auf waich wetter (16. jh.) österr. weist. 1, 154; hetten wir ietzund nicht so herrlich wetter in dieser reisz gehabt Kirchhof wendunmuth 2, 35 lit. ver.; hüpsch vnd lieblich wetter Amadis 1, 22 Keller; dass sie (d. vögel) ... die bäue, wo das rauhe wetter nicht hindert, meistentheils in monatsfrist vollbringen Prätorius winterfl. d. sommervögel (1678) vortrab A 2ᵇ; wenn er bey angenehmem wetter studiren sol, da er sich ... auf dem lande oder in einem garten vergnügen wolte Chr. Wolff ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 349; deine lorbeerblätter ... dauren in dem strengsten wetter Triller poet. betracht. (1750) 4, 258; bey hartem wetter Göchhausen notabilia venatoris (1741) 2;
der tag war schön, ins grüne gehn,
trieb an das lustge wetter
Erlach volkslieder d. Deutschen (1834) 1, 353;
doch es hatte auch sein gutes, dasz er (der sturm) gleich am ersten abende austobte, dann blieb vielleicht für die folgenden tage reines wetter Holtei erz. schr. (1861) 7, 23.
β)
mit attributen, die einzelne witterungseigenschaften (temperatur, feuchtigkeit, luftbewegung, lichtverhältnisse u. dgl.) näher bestimmen: in dem kalten winde und frostigen weter Seuse dt. schr. 81 Bihlm.; wart es wedder gut warm wetter Stolle thür. chron. 163 lit. ver.; in dem winter oder herbst so kalt wetter ist Murner bei U. v. Hutten opera 5, 420 Böcking; solle sich ... sonderlich bei dürr oder heissen wetter niemants unterstehen ainiches feuer ... anzezinden (17. jh.) österr. weist. 1, 122; auff heisz vnd schwul wetter folgt gern der donner Petri d. Teutschen weiszh. (1605) J 8ᵃ;
ein rauhes ungestüm, und ein erfrornes wetter
bedeckt mit eisz und schnee die bunten blumenblätter
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 103;
pey truckem weter Arigo decameron 370 Keller; damit sie dem regen und nasse weter entgen möchten ebda 351; feucht wetter, für oder nach dem regen, wann es noch ein wenig tröpffelt Alberus dict. (1540) Ii 1ᵃ; wann die imlin nicht können von wegen des feuchten wetters ... auszfligen Sebiz feldbau (1580) 302; im monath may, wenn es regnicht wetter gewesen Carlowitz gesch. d. wildwachs. bäume (1732) 189ᵇ; als lange als stille und suͤs wetter ist Tauler pred. 188 Vetter;
windt vnd meer hat er gescholten,
dasz bald still schön wetter war
Wackernagel dt. kirchenlied (1864) 3, 147;
innôr ran ein anderiu (aha), miliche unde uuîzemo uuetere gelîchiu (lactis instar candidaeque lucis) Notker 1, 707 Piper; das si (zauberer) machin clar wetir vinstir und tunkil md. Marco Polo 12 Tscharner; wann die kranch stillschweigendt hoch her fliehen, verkündigen sie hell wetter Nigrinus v. zäuberern (1592) 134; sich ... begäbe, das in der wochen unstetes weter seie und (man) nichts arbeiten oder einfieren mechte, am sambstag aber schen, hell und liecht weter wurde (1631) österr. weist. 3, 5;
bey dem aufgeklärten wetter,
stellen mir die bunten blätter
gar ein lieblich schauspiel für
Brockes ird. vergnügen (1721) 4, 320;
wodurch eine seele ein heiteres wetter und die rechte und einige vergnügung erlanget Ryssel v. d. seelenfrieden (1685) 115;
wenn auf das grün der jungen blätter
der sonne himmlisch feuer strahlt;
so scheint in einem heitern wetter
das paradies selbst abgemahlt
Brockes ird. vergnügen (1721) 2, 23;
wenn truͤb oder dunckel wetter ist Eppendorff Plinius (1543) 11, 179; bei nebeligem wetter Ratzel völkerkde (1885) 2, 298; indem der bauer ... nicht auf gebahnte, sondern auf wege gewiesen ist, die meist noch in ursprünglicher schlechtigkeit vorhanden sind, kann er die eigenthümlichkeit eines 'wüsten wetters' von grund auf genieszen M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 71. gelegentlich in zusammenhängen, die die auswirkung des wetters bezeichnen: schwaͤrmuͤtig waͤtter Frisius dict. (1556) 613ᵃ; so versinckt das geschuͤtz sonderlich in feuchten wetter Fronsberger kriegsb. (1573) 1, 149ᵇ; der feldherr liesz bey dieser begebenheit selbst befehl und zeichen geben, dasz die Deutschen bey so gefaͤhrlicher finsternisz und schluͤpfrigem wetter ihren feind in die morastigen waͤlder nicht verfolgen ... solten Lohenstein Arminius (1689) 1, 519; es war seine gewohnheit, bei schmutzigem wetter die stiefel nie in seinem zimmer abzuziehen Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 249.
c)
in verbalverbindungen, die meist die veränderung des wetters (oder auch der windrichtung) bezeichnen:
swie daz weter tüeje,
der gast sol wesen früeje
minnesangs frühling 27, 7 Kr.;
dasz der himmel ... gar voller geygen hange, vnnd sich das wetter nicht verkeren köndt Amadis 1, 299 lit. ver.;
das wetter will vercheren sich,
das brüff ich an dem winde
liederbuch d. Hätzlerin 53 Haltaus;
daz weter würt sich enderen Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 119ᵃ; wenn das wetter am hertesten und keltesten ist, so bricht es (1524) Luther 16, 22 W.; kamen sie mit gutem wind in die insel Rodiss, da wendet sich das wetter widerumb buch d. liebe (1587) 150ᵃ; es frieret auff, das wetter gehet auff, es dewet auff Duez nomencl. (1663) 13; wenn man von dem tage an, da der erste schnee fällt, bis nächst künftigen neumond zählet, so viel derselben tage sind, so offt wird im winter das wetter aufgehen oder aufthauen Grässe jägerbrevier (1869) 94; mit einem erklecklichen hühnerauge am groszen zäh, der sie, wenns ander wetter wurde, wie eine furunkel brannte Musäus kinderklapper (1794) 40; das wetter liesz sich zum regen an J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 91; die erste zeit des mais war sehr schön, nachher ist aber das wetter umgeschlagen Göthe IV 23, 41 W.; jetzt reiszts 'n, bal si's wetter draaht Stieler ged. 1, 21 Reclam; item wie sich das wetter hellt auf den tag, so die sonn geet in den wider (widder) (16. jh.) Reymann wetterbüchl. 8 Hellmann; das wetter hellt sich aus, wir haben einen schönen tag zu gewarten Göthe I 8, 165 W. in freierer fügung:
darumb sie sich machten haymwartz,
eh sie das wetter machet nas
Hans Sachs 2, 238 lit. ver.;
derhalben ducke sich ein yegklicher, das in das wetter nit netze, er möcht sonst nasz oder auff das wenigst feücht werden Lindener katzipori 175 lit. ver.;
lufft vnd wetter wider lacht.
kelt vnd winter ist gebrochen
Spee trutznachtigall (1649) 100;
das wetter fing nach und nach an sich zu überziehen Göthe IV 4, 131 W.
d)
in der verbindung wind und wetter (in diesem zusammenhang fast ausschlieszlich in hinsicht auf das reisewetter, andere verwendungen s. ob. 1 c δ, e):
ir segen si vil dicke sprach
uber lude unde uber kint
gût sî ûch weder unde wint
hl. Elisabeth 594 Rieger;
ein glücklich wind und wetter zu schiffen anschlug Wickram w. 1, 108 lit. ver.; eijn schijp lijcht in eijner hauen unde ijs vorbeijdende wedder unn wijnth (16. jh.) bei Pardessus coll. de lois maritimes (1828) 1, 506; wem wetter vnd wind mit ist, der kan bald fortkommen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Aaa 4ᵃ; wind und wetter wolten uns ... wol A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 708; mehr als einmal von wind und wetter zurückgeworfen, landete sie (die königin) endlich ... bei Burlington Ranke s. w. 16 (1875) 158; ich gehe vor ende aprill nach Kissingen, wind und wetter dienend Dahlmann in: briefw. zw. J. u. W. Grimm (1885) 1, 100; alles dasz gilt indesz nur insofern, wie der schiffer sagt, wind und wetter dient Pückler briefw. u. tageb. (1873) 3, 225;
derweil das rohr am bach durch schwankes biegen
in wind und wetter stehn bleibt, nach wie vor
H. Heine s. w. 1, 58 Elster.
e)
oft als sammelbegriff für mannigfache witterungseinflüsse gebraucht (im unterschied zu 1 e vorwiegend von der andauernden und wechselnden einwirkung des wetters): dis (traurigkeit) kummet underwilen von natúrlicher swermuͤtekeit und von dem himmel oder von dem wetter oder ouch von dem viende; dis sol man fúrkummen mit senfmuͤtikeit Tauler pred. 93 Vetter; es sollen aber etliche geschosz auff den ... weeren beleyben, die mag man for dem wetter mit pretterwerck ... bedecken A. Dürer befestigung d. stett (1527) E 3ᵃ; weil es (das kupfer) ... in der erden oder im wetter verwesen kan Kepler opera omnia 5, 590 Frisch; wo ainer aber die weg durch das weter verlegen laszen wurde, soll ieder gepfent werden (1650) österr. weist. 4, 92;
zerbricht das glasz nicht gantz, so kriegt es schnoͤde flecken,
laufft von dem wetter an, und wird sehr ungestalt
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 1, 9;
von diesem baume meldung thut, dasz dessen holtz in allem wetter und zwar je länger je besser dauren ... solle Neumark neuspr. teutscher palmb. (1668) 167; dasz alle architektonischen monumente ... vom wetter ... zerstört ... werden Göthe I 48, 142 W. am wetter liegen, ins wetter kommen u. dgl. 'an der freien luft liegen, den witterungseinflüssen ausgesetzt werden': waz vnder dem himel oder am wetter vnd nit vnder dem dach ist Dasypodius dict. (1535) m 1ᵇ; damit, so viel möglich ... mit steinen, was aber holtzwerck seyn musz, auch so ins truckene und nicht ins wetter kompt, mit dännenholtz ... gebawt werde churf. Pfaltz landtsordn. (1582) 81ᵃ; der gegraben sand ... wann er zu lang im wetter, an der sonnen ... ligt, wird er zu grund vnd erdrich Sebiz feldbau (1579) 34; das holtz ... lest (man) ... ligen am wetter, sonnen vnd regens Thurneysser magna alchymia (1583) 52; ein grawer kupfferstein, darausz täglich, so er am wetter ligt, hauffig kupfferwasser treüfft Martin Ruland lex. alchemiae (1612) 395; vgl. auch Fischer schwäb. 6, 738.
B.
in übertragenem und bildlichem gebrauch, in vergleichen und redensarten (s. auch IV).
1)
häufig bezeichnet das wort im anschlusz an die bedeutung 'unwetter' (A 1) ein ereignis mit verheerenden folgen, ein unglück, bedrohliches geschehen u. dgl.: vor seinem undergang ... wolt er (der papst) gern eynen grossen donnerschlag über teutsche nation ... sehen, der hoffnung ..., er möcht dem wetter entkomen Sleidanus reden 77 lit. ver.;
was fuͤr ein wetter gantz abschewlich,
von krieg vnd blutvergiessen greulich,
sey gangen von Mycenis ausz
vber das troianisch hausz
Spreng Äneis (1610) 136ᵃ;
wann uns des unglücks wetter schreckt
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 345ᵇ;
doch müste der feld marschalek allzeit ein absehen auff Italien haben, von wannen kein geringes wetter zubefürchten Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 456;
bald zog das wetter auf, das mit geschwinder macht
auf meines schwähers haupt und ehgemahl erkracht
Gryphius trauersp. 158 Palm;
ach! liesze sich von dir das wetter doch vertreiben,
das deinem haupte droht!
Gottsched dt. schaubühne 6 (1745) 253;
gott, wahrheit und vernunft sind doch allein das licht,
mit dem ein kluger fuͤrst durch alle wetter bricht
Neukirch ged. (1744) d 7ᵃ;
das gute schicksal lasse aus dem bevorstehenden feldzug keinen krieg werden. ich hoffe es. wir haben in diesen calculirenden zeiten mehr solche wetter vorübergehn sehn Göthe IV 9, 306 W.; in den letzten jahren Ludwigs XV. verschlief das cabinet von Versailles das schlimme wetter der politik Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 63.
2)
in ähnlichem sinne für turbulente ereignisse mannigfacher art (streitigkeiten, getümmel, aufruhr): da geht eyn new wetter her. ich hatte mich schir zu ruge gestellet und meynet es were ausgestritten Luther 18, 62 W.;
der mensch, der ist die kleine welt. sein haupt, das ist der himmel.
gar recht! denn da entspinnt sich her manch wetter und getümmel
Logau sämtl. sinnged. 506 lit. ver.;
paläste sind ein rechtes meer,
wo stets die tollen wetter rasen
Ziegler asiat. Banise (1689) 859;
weil Innocentius gantz nicht säumte, ein wetter nach dem andern wider die Hohenstauffen zu erregen Hahn staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 2, 186; preussische männer, die sich der zeiten erinnern, wo die wetter des krieges ... bedeutenden menschen bewunderung einprägten, sie sind heute gekommen, unsre worte über Friedrich zu vernehmen Göthe I 41, 1, 5 W.;
die tisch die krachen, alles rennt,
dös gibt a wetter — sakrament!
Stieler ged. 4, 19 Reclam;
ein wetter sieden unfrieden und zank anrichten Körte sprichw. (1837) 489; es gibt solche tage, ... wo das ärgerliche nicht aufhören kann, bis die galle überläuft und es wetter gibt zwischen den menschen Gotthelf ausgew. w. (1885) 2, 32. auch von den wechselfällen des schicksals:
der rosen purpurhaupt, der edlen lorbern wipffel,
entgehn des hofes sturm, des glückes wettern nicht
Lohenstein Arminius (1689) 1, 557ᵇ
stehen sie bey ihrem sohne, lieber guter vater, in dieser gefährlichen schwärmerey, und lassen ihn nicht in den stürmen und wettern des schicksals untergehn Heinse s. w. 9, 262 Sch.
3)
vom göttlichen strafgericht; z. t. noch dem eigentlichen wortgebrauch nahestehend (vgl. wettergericht): wann einst über die gottlosen die wetter deiner gerichte fallen J. D. Frisch neukling. harpfe Davids (1719) 58;
Zeus, rüste mich mit deinen wettern,
sprach einst im zorne Lydia
Gotter in: Göttinger musenalmanach (1771) 56 lit.-denkm.;
auf mich, ihr götter! schüttet sie,
die wetter eures grimmes!
theater d. Deutschen (1768) 7, 156;
dunkelste wetter ihres zornigen gottes zogen über diese frauen herauf Gutzkow ges. w. (1872) 1, 31; wir wissen alle, dasz gott diese kriegsknechte und soldatenteufel dahingegeben hat in ihren bösen gelüsten, und wird ihnen ein wetter zum lohn geben Ina Seidel Lennacker (1938) 219.
4)
oft in der verbindung wetter der schlacht u. dgl.:
so stürtzte sich sein volck ...
im wetter des gefechts und der canonen dampf,
nun desto hitziger in den erneurten kampf
Besser schr. (1732) 1, 47;
... nicht deine brüllenden tode
schrecken mich, nicht deine wetter, schlacht!
Klopstock oden 1, 151 M.-P.
ungewöhnlich von personen:
sei behutsam auf der wacht!
sei ein wetter in der schlacht!
Stolberg ges. w. (1820) 1, 45.
mit stärkerem sinnlichen vorstellungsgehalt von niedergehenden geschossen u. dgl.:
up, up, up, up, bald und davon,
in dem wetter nicht lang zu stan!
es blitzt und schlägt mit pulver und blei
bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg 435;
schreckt, ihr wälle, lufft und stad
durch der groben stücke wetter
Simon Dach 683 Öst.;
diese regung (liebe zum vaterlande) ... reiszt uns durch die gedrungenen schaaren, durch gezückte eysen und feurige wetter Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 231; rauchterrassen wälzen sich über uns hin. in schweren wettern rauscht eisen nieder Binding ges. w. (1937) 2, 148.
5)
in formelhaftem vergleich wie ein wetter 'im ungestüm, stürmisch': dasz er (der Türke) ... daher komm ... wie ein hagelsturm, wie ein schädlich wetter vnd wassersturm, die mächtiglich einreissen Schweigger reyszbeschr. (1619) 158;
wie ein wetter solln sie brechn herein,
und schrecken die papistisch rott,
dasz sie werde zu schand und spott!
bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg 103;
der spass der postillons ist, dass sie über pflöcke wegfahren wie wetter und hernach langsam Heinse s. w. 7, 279 Sch.;
er reitet wie wetter hinein in die stadt,
die der Wallenstein weiland belagert hat
Böhme volksth. lieder d. Deutschen (1813) 84;
wir hinauf wie wetter, und zum fenster herunter mit dem kerl Göthe I 8, 140 W.
6)
redensartlich das wetter vorübergehen lassen u. dgl. 'abwarten, bis es besser wird; sich abwartend verhalten': aliquo abeam, dum hae silescunt turbae bis dieser lermen still wird, bis dis wetter fuͤruͤber zeucht Faber thes. (1587) 759ᵇ;
darumb, Teutschland, hab dich in huͦt,
hab nit zuͦ lieb ietz das welsch guͦt,
wan es ist nit alles werschafft,
die sach an einem nagel hafft,
der fast tieff inn der wand thuͦt stan,
huͦt dich, lasz wetter uber gan
welsch gattung 339 Waga;
dondert das glück, ker dich nit dran,
lasz das wetter über gon
S. Franck sprichw. (1541) 1, 158ᵃ;
ob schon der gemeine poͤffel thet,
der nicht es weisz, noch auch versteht,
das musz man nicht zu hertzen fassn,
vnd das wetter vbergehen lassen
Gilhusius gramm. (1597) 2, 28;
das bey solchem zerrüttlichen wesen vnd feindtlichem anzuge die benachbarten ... länder ... bey ihrer vnschult ... das wetter vber sich gehen lassen ... müssen (1618) acta publica 1, 190 Palm. ähnlich: da vermeinet er (der flüchtling) sich ein zeytle zuenthalten, biss das waͤtter vergienge Stumpf Schweizerchron. (1606) 387ᵇ; das wetter ziehe euch vorüber und eine freche faust müsse euch nie berühren Herder 17, 352 S.
7)
in hinsicht auf die umstände, unter denen etwas vor sich geht oder gehen soll: auf gut wetter warten aspettare la buona fortuna Kramer t.-ital. 2 (1702) 1338ᶜ; ich han es schon ingenomen, das ampt: got geb geluck und schon wetter darzu! (1483) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 2, 76; die erste lieferung der neuen ausgabe meiner werke ist schon abgedruckt, Cotta secretirt sie aber und wartet mit der subscriptionsanzeige auf besseres wetter Göthe in: Goethe-Zelter-briefw. 2, 202 Riemer; dasz sich Ludwig Philipp 1848 einmal im wetter irrte, und Guizot behielt, wo Thiers nöthig gewesen wäre, das brachte ihn um den thron H. Laube ges. schr. (1875) 1, 377; fräulein Marianel, sobald sie einsah, wie wind und wetter standen, ... schlug sie in ihrer angeborenen pfiffigkeit zur siegreichen partei Holtei erz. schr. (1861) 14, 227; ein laubfrosch zeigte in seinem glase ... das wetter an. das politische wetter aber zeigte sich der meister ... selber an W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 52; ein groszes stolzes reich ist aufgerichtet gestanden ... damals hat der Hunn scheu hinter seinem landhag an der Donau gelagert, 's war kein wetter für ihn Scheffel Ekkehard (1855) 156. in verbalverbindungen, die eine änderung des geschehens bezeichnen; häufig bei Luther: den morgen solt sichs wetter wol umkeren, das er mich verfolgete 19, 573 W.; auff das nicht das wetter sich wende und got den baurn widderumb den sieg gebe ebda 18, 374; 19, 316; 32, 453; 46, 104 (vgl. wetterwendisch). weiterhin: doch wo sich das spiel vnd wetter vmbkeret Amadis 1, 52 lit. ver.
8)
sinnbildlich für seelische erschütterungen und anfechtungen: also sol der mensch in der anfechtung des geistlichen wetters alle entpfindtnusz bedecken mit einer starcken zuversicht (1522) M. Stifel in: flugschr. a. d. reform. 3, 331 Clemen; also wirst du auch, ob schon das vngestümme wetter der anfechtung an meiner zungen vnnd andern gliedmassen sich finden möchte, gleichwol mitten vnter denselben diesen glauben ... in mir erhalten Saubert currus Simeonis (1627) 594; erzählt ein mann dem manne von den wirklichen wettern der seele? wenn er dürfte, wollte er nicht, wenn er wollte, könnte er nicht quelle a. d. j. 1916. in näherem anschlusz an das folgende versinnbildlicht das wort den mancherlei schwankungen unterworfenen menschlichen gemütszustand:
es ist schlecht wetter bey uns allen, herr,
wenn ihr betrübt seyd
Shakespeare 3 (1798) 51;
wo er hinkommt, wendet er die wetter übler laune von den glatten stirnen der damen zwischen die bemoosten geweihe der männer hinein Eichendorff s. w. (1864) 4, 281; jetzt bin ich darüber weg, das wetter in meiner seele mag sich ändern, wie es will, diese narbe juckt nicht mehr W. Raabe s. w. I 6, 8; ein verdriesslicher schweiss bricht an mir aus. mit meinem guten wetter ist es vorbei Nietzsche w. (1895) 8, 7; wir hier fühlen uns in unserm ganzen leben in einem dauernden kontakte mit dir, und dein befinden macht auch auf unserem barometer das wetter Mommsen-Wilamowitz briefw. 499 W.
9)
in der verbindung gut (schön) wetter häufig zur bezeichnung eines gewogenen und geneigten sinnes:
gutts wetters er (der bittsteller) erwarten thet
hinter ein zaun, alls er nun hett
ersehen die gelegenheit,
das under frembder obrigkeit
er da den edlen graffen fandt
hess. reimchron. 208 Adrian.
meist in formelhaften wendungen; um gut, schön wetter bitten 'um verzeihung, nachsicht bitten': um schön wetter bitten bona verba dare, blando sermone uti, deprecari Stieler stammb. (1691) 2462; anfänglich spotteten sie seines eifers, auf die letze aber fühlten sie seinen arm dermassen, dass sie musten um gut wetter bitten A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 662; der mann aber wiegete immer mehr und mehr, bisz ihr (d. frau) die inwendigen zwecken so manchen harten stosz und lendweh gaben, dasz sie anfieng um quartier und schön wetter zu bitten ollapatrida 332 Wiener ndr.; wies ihm aber an proviant und futter mangelte, und keine weitere hülff sahe, bath er beim tzar um schön wetter Paullini philos. feierabend (1708) 380; ich wette, nach einer halben stunde soll er kommen und um schön wetter bitten J. M. Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 385; mundartlich: um jut wetter bitten Brendicke Berlin 193ᵃ; Frischbier 2, 466. ähnlich:
di hart-ahrt toͤbet nuhn und zittert,
si haͤlt uͤm schoͤnes wetter ahn
Zesen adriat. Rosemund 259 ndr.
gut wetter machen 'geneigte stimmung machen': so war es ihm schon öfter gelungen, wieder gut wetter zu machen O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 117; die mutter machte gut wetter beim vater, der es leiden mochte, wenn der sohn mit ihm bästelte Finckh Rapunzel (1909) 76. in älterer sprache auch in anderem sinne begegnend, gut wetter sein lassen 'unbeschwerten mutes, gleichgültig sein': solches ist seer verdrislich, wenn die leute so balde ... des worts gottes müde und überdrüssig (werden), gleich als were es nur darumb zuthun, das mans bis weilen höre und las es nachmals gut wetter sein Luther 28, 625 W.; sondern (sie) gehet hie spacieren und schwäntzelieren, oder setzet sich dahin auff einen weichen pausten und lest gut wetter sein Decimator hochzeitpred. (1601) M 1ᵃ;
ich zog mich ab und legt mich niedr,
thet mein gebet, schlieff drüber ein,
und liesz also gut wetter sein
Wolff Ferber armbrust schiessen (1610) C 2ᵃ.
ähnlich: inzwischen spielten wir gut wetter, gingen alle tage fischen, vögelschiessen und jagen A. Müller denckwürd. (1678) 9ᵃ; gut wetter geben 'gute miene machen': wann er dann nit gut wetter geit, so wird er inn die pfitzen geleit Fischart Garg. 71 ndr.
II.
'blitz'; diese bedeutung hat sich früh aus dem gebrauch im sinne von I A 1 'unwetter, gewitter' verselbständigt: fulmine percuti vom wetter getroffen werden B. Faber thes. (1587) 344ᵃ; vom wetter gerührt fulguritus Reyher thes. (1668) 2, 2761; do sloch in dat weder unde starf (a fulmine percussus est) Eike v. Repgow sächs. weltchron. 74 W.; sie haben ein gewonhaitt, wann das weter ainen zu tod schlecht, so nemen sie in und legen yn in ein truchen (14. jh.) Schiltberger reiseb. 63 lit. ver.; darnach ... slug das wetter in sant Lorentzen kirch (15. jh.) städtechron. 3, 301; da er vor dem altar kniete, schlug ihn das wetter Luther tischr. 4, 8 W.; ein wolckenborst sey gefallen, das wetter hab angezündet oder es sey feuer eingelegt oder durch verseumnis des gesindes entstanden Pape bettel- u. garteteuffel (1586) L 4ᵇ; wie das wetter gewoͤhnlich die hohen gebaͤw triefft, also je hoͤher einer ist, jemehr steht er in grosser gefahr seines lebens halb Schweigger reyszbeschr. (1619) 165;
lasst uns sehn, was nach uns schlägt,
was uns auf die bahre trägt,
wie das wetter sich entzünde,
wie man eyd und pflicht entbinde
Gryphius trauersp. 435 lit. ver.;
wie man pulvermagazine vor dem einschlagen des wetters zu verwahren hat Stahl gewehrgerechter jäger (1762) 44;
wo bin ich? himmel! was soll ich beginnen?
das wetter schlägt auf beiden seiten ein
Göthe I 9, 329 W.;
im stummen flackern der fernen wetter sah ich, wie er ein stück wabe abbisz Scholz a. grünen strand (1958) 222; im vergleich: ritt aus dem laͤger fort, welchem das kriegsvolck ..., als wenn es vom wetter gerühret wäre, bestürtzt nachsahe Lohenstein Arminius (1689) 1, 237ᵃ;
wie wetter schlug des liebsten schwert
den ungeschliffnen nieder
Bürger s. w. 54ᵃ Bohtz.
metaphorisch:
der straffen wetter blitzt. heult richter! mörder weinet!
Gryphius trauersp. 456 lit. ver.;
ich bin eine art blitzableiter für die üble laune gewisser personen, ich darf mich nur sehen lassen, so schlägt das wetter auf mich los Bauernfeld ges. schr. (1871) 2, 124.
III.
in der bergmannssprache zur bezeichnung der luft im bergwerk: spiritum suppeditare wetter oder wind bringen Golius onomast. (1579) 72; wetter nennen die bergleute die luft in der grube Junghans gräublein ertz (1680) F 3ᵇ. die luft im bergwerk schlechthin, ohne nähere qualitätsbezeichnung: welchen pau er in nutz arbaiten würdet, es sey zu wetter, lufft oder wasser nemen (1477) Lori slg. baier. bergrechts (1764) 108; aber es verhindert sehr offt die bergkheuwen die viele des wassers, auch zun zeiten das wetter, das nicht sein durchgang haben mag Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 85; stollengerechtigkeit erwirbt der stollen, wenn er ... mit seiner wasserseige in eine zeche kömmt, derselben wasser abführt und wetter einbringt Junghans gräublein ertz (1680) E 4ᶜ; wetter kan sich zum einzuge nicht anholen, ist, wenn die lufft ihren rechten zug durch die schächte ... nicht haben kan Schönberg ausf. berginform. (1693) 2, 108; wetter hat das gestein gehoben mürbe gemacht, ebda. mit attributen (meist zur bezeichnung schädlicher luft): gut wetter ist die gute reine lufft in der grube Junghans gräublein ertz (1680) C 3ᵇ; wetter ... sind zweierlei, frische und faule oder matte bergmänn. wb. (1778) 603; das arme bergkleut in gruben vnd huͤtten viel boͤsz wetter ... kalte dempfe, feucht prodem ... inn sich ziehen Mathesius Sarepta (1571) 3ᵃ; aber zu seinem grossen unglück stehet unterdessen das böse wetter auff (eine gifftige lufft, so offtmahls in den bergwercken verspühret wird) J. D. Ernst d. hist. bilderhausz (1691) 300; die warmen wetter ... drohten ihn zu ersticken Zachariä poet. schr. (1763) 2, 230; es waren böse wetter darin, mir wurde heisz und schwül Immermann w. 1, 113 Hempel; man wünscht tausend mal dem hinuntersteigenden grubenmann gottes schutz vor 'bösen wettern' Gutzkow ges. w. (1872) 7, 58. in der verbindung schlagende wetter ('explosive gase im bergwerk'): was wissen denn die (laien) von gesenk, ort, wange, ... nur was schlagende wetter sind, das weisz allerdings jeder Hans Hoffmann Harzwanderungen (1902) 97. prägnant für die schädliche luft im bergwerk:
dasz vns kein wand nicht schlahe,
kein kalter gifft noch schwadt,
kein wetter vns ergreiffe
Rinckhart christl. ritter 68 ndr.;
während der abteiffung des schachts und dessen einfassung eräugnet es sich biszweilen, dasz starke schwefelige und arsenicalische dünste darinnen aufsteigen, die man wetter nennet Langsdorf von salzwerken (1781) 101; mein licht war ein paarmal von den wettern, (der schlechten oder geringen luft) ausgelöscht Wackenroder w. u. br. 2, 237 v. d. Leyen.
IV.
affektbetonter wortgebrauch. die beziehung zum ursprünglichen wortsinn (I) ist teils noch deutlich vorhanden (1, 2), teils aber schon verblaszt (3, 4).
1)
im sinne einer strafpredigt, eines zornausbruches; ein wetter anfangen, ein wetter machen fare una tempestà cioè tumulto Kramer t.-ital. 2 (1702) 1339ᵃ: am letzten, so er muͦde worden, die schrifft zu marteren, adder villeicht nit mehr gewiszt, geht das wetter ubir mich und byn da eyn ertzketzer, ketzer, abtrunniger Luther 1, 391 W.; ich will euch auch ein wetter machen Hans Sachs 7, 106 lit. ver.; ein solches wetter machte hier Dolanda, welches auch Caraffen dermassen rührete, dasz er eine gute weile ohne alle bewegung da stund music. quacksalber 225 lit.-denkm.; o hätte ich ihnen doch solches nicht gesagt! das wetter wird alsdann auf meinen rücken fallen Petrasch sämtl. lustsp. (1765) 1, 609; ach! was es da für ein wetter absetzen wird, dacht ich und zitterte Bräker s. schr. (1789) 2, 111; natürlich fuhren die wetter des königs auf diesen in fragen und vorwürfen H. Laube ges. schr. (1875) 2, 215; wenn die alte herauskäme! dachte ich. es gäb ein böses wetter! Storm s. w. (1919) 2, 209. gelegentlich mit stärkerem sinnlichen vorstellungsgehalt:
o fluche, freund, nicht alles wetter
auf deinen eigensinngen vetter
Lessing 1, 100 L.-M.;
ich wolte, dasz flugs das wetter drein schmiesse, weil sie gar nichts verschweigen kan Chr. Reuter ehrl. frau Schlampampe 97 ndr.
2)
in verwünschungen: einem alle wetter auf den hals fluchen imprecare ad uno tutte la tempesta e fulmini, cioè tutte le maledittioni di dio addosso Kramer t.-ital. 2 (1702) 1339ᵃ;
wenn sie zu hause bleibt,
so hat sie stets papier, worauf sie briefe schreibt,
und frag ich sie: wohin? so heist es bald der vetter,
bald zur frau muhme hin. ey! hole dich das wetter
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 4, 345;
der teufel ist los, und dich soll das wetter schlagen Schiller 3, 407 G.; in aller welt ... wo bleibst du denn? das wetter soll dich regieren. ich warte hier schon über eine stunde Lenz ges. schr. (1828) 1, 23; das wetter über den unklugen schalk! (a pestilence on him) Shakespeare 3 (1798) 351; der hier ist von der schaarwache ergriffen worden, und hat gesagt, es wäre ihm sehr lieb. (Sturm:) lieb? so schlage das wetter drein Raupach dram. w. kom. gattung (1829) 4, 102; der donner und das wetter hole die welt Jean Paul w. 15/18, 455 Hempel; soll mich das wetter, wenn ich den namen all mein lebtag gehört habe Fontane ges. w. (1905) I 1, 65.
3)
in ausrufen des unwillens, des erstaunens (vgl. auch ³wett): potz wetter! potta cospettonazza! Kramer t.-ital. 2 (1702) 1339ᵃ; halt kutscher! potz wetter! so halt doch, du tauber esel! Langbein schr. 6 (1841) 5;
wetter auch! wo ihr nach uns fragt,
wir heiszen des Friedländers wilde jagd,
und machen dem namen keine schande
Schiller 12, 23 G.;
hagel und wetter! all donner und blitz! nicht zu finden, wo? Bode Thomas Jones (1786) 4, 108;
he! sachte, wenn ich bitten darf,
(fällt Paris ein) zum wetter! nicht so scharf!
Wieland s. w. (1794) 10, 175;
aber beym wetter, eilt euch: Percy ist schon im felde (but, sirrah, make haste) Shakespeare 6 (1800) 142; wetter element! was erinnert ihr mich an das? Schiller 2, 61 G.; ey wetter! wo bleibt ihr so lange? maler Müller w. (1811) 3, 38; blitz und 's wetter! ebda 1, 257; (major:) hülfe! 's meine tochter! sackerment und all das wetter! graf! Lenz ges. schr. 1, 54 Tieck; donner und wetter! Iffland dram. w. (1798) 3, 46; gott, schlag und wetter! H. v. Kleist w. 1, 443 E. Schmidt; wetter und wolkenbruch, wie sich die menschen um den wahren Jakob (auf dem Jahrmarkt) scharen R. Betsch d. sieben glückseligkeiten (1936) 203. redensartlich: nun so schlagen alle wetter zusammen! Stephanie d. Jüng. s. lustsp. (1771) 121.
4)
als schelte (nur im 16. u. 17. jh. nachweisbar; volksetymologische umformung von vetula vettel? vgl.: vettel von venit a vetula sed a wetter Stieler 2466 u. t. 12, 2, 23):
du fiper, nater, du weter, donder und plitz,
du wulfin, unhuld, preckin, pilbitz!
fastnachtsp. 1, 255 Keller;
begegnete mir ein altes weib ... ich sahe das alt wetter mit forcht und schrecken an, dann sie war ein abscheuliches bild Moscherosch gesichte 1 (1650) 261; auf solche weisz, ist dieses alte wetter endlich gar auszm dienst geloffen, und hat meinen guten hern allenthalben auszgeschrien frantzös. simpl. (1683) 1, 53; hierher wohl auch:
ich seh auch nicht wie der teuffel
oder sonst ein wetter ausz
Chr. Weise überfl. gedanken 64 ndr.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 698, Z. 58.

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Zitationshilfe
„wetter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wetter>, abgerufen am 28.11.2020.

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