Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wetterdach, n.

wetterdach, n.,
schutzdach gegen witterungsunbilden, besonders regen: pluteus ein schirmtach, wettertach Orsäus nomencl. method. (1623) 153; grunda, tectum quod supra vestibulum eminet Reyher thes. (1668) 2, 2922; wetterdach parapioggia, tetticello, coperto contro i temporali Kramer t.-ital. 2 (1702) 1339ᵇ. bezeichnung verschiedener schutzvorrichtungen an gebäuden; praestega vortach, schopff, bedeckter gang, darunter man ein gespräch halten und spatzieren kan, it. wettertach Kirsch cornucop. (1718) 861; es pflegen dergleichen (dächer) auch an den häusern hier und dar, sonderlich über die öffnungen der thüren und gewölbe angemachet zu werden, um die heftigen schlagregen, wie nicht weniger andre stürmische witterungen abzuhalten, dasz sie daselbst nicht verdrieszlich fallen und schaden verursachen, welche arten daher wetterdächer heissen Wolff mathem. lex. (1747) 354; in norddeutschen und thüringischen städten bildeten sie (die wetterdächer) oft eine fortlaufende überdachung des bürgersteigs; auch in höfen fand man sie sehr zahlreich, wenn den hof keine überhangende galerie umzog Müller-Mothes archäol. wb. (1877) 985: es sollen auch die brotbeckenlaeden, welche gemeinlich under den überhängen und wettertächern stehen ..., sechs oder vier pfenning der iaracht oder dem marzal nach ingezogen werden (1589) verf.-gesch. d. st. Straszb. 1, 633 Eheberg; steig derhalben dieselbige nacht durchs fenster über ein wettertach in die darneben gelegene grosse cantzley stuben Moscherosch gesichte (1646) 3, 158; andere (formen) ragen hervor, wie die wettertächer oder krambuden Sinold cur. caffehaus (1698) 22; auswendig an der kirche sahen wir unter einem wetterdach das in stein gehauene bildnisz der h. Catharina Uffenbach merkw. reisen (1753) 1, 170; ein schmaler gang, mit einem wetterdache versehen ... führt ... auf und ab Chr. Fr. Schulz reise e. Livländers (1795) 5, 85; das schwarze rosz stand unter einem wetterdach W. Raabe s. w. I 6, 217; (dem dorfkrug) fehlte ... der auf holzsäulen ruhende, jedem vorfahrenden wagen als wetterdach dienende giebelbau Fontane ges. w. (1905) I 1, 61. mit anderem verwendungszweck: wetterdach ist in der baukunst ein dach über den fenstern der glocken, daran der schall herab prallen kann, der sich oben in der luft zerstreuen würde Gottsched wb. d. dt. wissensch. (1760) 1652. überhaupt für jeden natürlichen oder künstlichen wetterschutz: sie standen unter der letzten ulme, die ... noch ein wetterdach ... gewährte Alexis ruhe (1852) 1, 193; die Wulwa zeichnen ihre strandgräber durch ein groszes wetterdach aus strohgeflecht aus Ratzel völkerkde (1885) 2, 707; scherzhaft:
man sagt von einem land, da sich die leute legen
und mit dem breiten fusz sich schützen vor dem regen;
das darf ich nicht, die nas ist mir ein wetterdach
(17. jh.) in: zs. d. ver. f. volkskde 15, 34.
vom regenschirm: ich frag: es wird wohl regnen? — nun was schads, sie haben ja ein wetterdach bei sich Bettine d. Günderode (1840) 2, 37; stieg ... auf die speichen des vorderrades und langte mir mein seidenes wetterdach hervor. ich spannte es aus W. Raabe s. w. II 2, 23; Albrecht Leipzig 236. ein bekleidungsstück: scortea ... ein liederner mantel oder wetterdach wie die pilger haben im papstthumb Corvinus fons lat. (1646) 749. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 720, Z. 25.

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werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„wetterdach“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wetterdach>.

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