Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wetterlaunisch, adj.

-launisch, adj.,
unbeständig wie das wetter (zu wetterlaune 2 u. 3); wetterläunisch accigliato, triste naturalmente, quando il tempo è torbido Kramer t.-ital. 2 (1702) 1339ᵇ:
sichst nit, wie sicht dein man so heünisch,
tückisch, hemisch und wetterleünisch?
Hans Sachs 14, 178 lit. ver.;
und wirst bei dir selbst so gar wetterleunisch, das du nie wider anzeuchst zween spruͤche Wicelius v. d. christl. kirchen (1534) N 2ᵇ; mon coeur du kommst mir etwas wetterleunisch vor, ist dir etwas über den beltz geloffen? (um 1715) Callenbach uti ante hac (o. j.) 54; darob der schlimste kollerer hätte wetterläunisch werden mögen Grimmelshausen Simpl. 240 Scholte; wetterleünisch bin ich eben nicht sehr, aber kan braff gridtlich sein Elisabeth Charlotte v. Orleans br. 1719, 325 Holland; der würden, die ein wetterlaunisch volk bietet und wieder entreisst, nicht achtend Bode Montaigne (1793) 4, 593; denn ihre liebe gegen Doranten ist so lau, so wetterläunisch Lessing 10, 94 L.-M.; man nennt ... alte leute wetterlaunisch, wenn sie die eine zeit auszerordentlich gütig ... und die andere verdrieszlich ... sind Möser w. (1842) 5, 81; könnte ich doch so, wie Herder, bei jedem wetter arbeiten! ich kann es physisch nicht, und bin wirklich seit einiger zeit etwas hypochonder. leider ist auch mein bube schon wetterlaunisch Knebel literar. nachl. (1835) 2, 386;
ein mensch als hätt ihn der april geboren:
bald heldenkühn, und rasch zur that gesinnt,
bald träumerisch in schwärmerei verloren;
trübsinnig heute, wetterlaunisch, blind
und morgen jeden kummer abgeschworen
Geibel ges. w. (1883) 1, 84.
ungewöhnlich: 'mondsüchtig, lunatique' Schrader dt.-frz. wb. 2 (1784) 1622; als schimpfwort verzeichnet bei Pansner schimpfwb. (1839) 78ᵃ; mundartlich bei Bauer-Collitz Waldeck 113ᵃ; Vilmar Kurhessen 451. von hunden: ein wetterläunischer hund heisset derjenige, der wie das wetter bald angenehm, bald verdrieszlich ... ist ..., wobey er denn weder recht gesund, noch recht krank, und zu allem ganz verdrossen ist Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 455; 461; indem ich aber bedachte, ... dasz man von hunden sagt, sie sein wetterläunisch Schütze Herrnhuth. in tumore (1751) 3, 35; wenn die hunde wetterläunisch sind, so fressen sie dieses gras (das gemeine knäuelgras), welches durch seine rauhen blätter ihnen brechen erregt Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 415; (der hund) ist wetterlaunisch, laszt ihn, sagte endlich Apollonia Dörfler Apollonias sommer (1932) 377. von bienen: wetterläunisch sind die bienen, wenn sie nach der kenntnisz, die sie von der luft haben, sich nicht getrauen vom fladerloch im feld zu fliegen, ungeacht es noch sonnenschein ist. sie pflegen um solche zeit, wenn ein ungewitter in der luft ist, böser und zum stechen geneigter zu seyn als sonst Overbeck gloss. melitt. (1765) 96.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 741, Z. 20.

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werksatz wettermäszig
Zitationshilfe
„wetterläunisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wetterl%C3%A4unisch>.

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