Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wetterscheide, f.

wetterscheide, f.,
meist von bergen und höhenzügen, 'über welchen die gewitterwolken nicht leicht wegziehen, sondern daselbst entweder aufgehalten werden, oder vorbey ziehen, oder auch sich theilen' Adelung 5 (1786) 194; regio aëris tempestatum conciliatricula Stieler stammb. (1691) 1750: seh sie, dort ist eine wetterscheide. was ist das? so eine gegend, wo das wetter sich theilen oder zurückgehn mus Hermes Sophiens reise (1769) 4, 192; daher Brzezina, das selten von westlichen gewittern einen regen erhällt, für eine wetterscheide geltet Sternberg ausg. w. (1902) 67; das cap Guardafui ... macht eine grosse wetter- und windscheide zwischen der Mogadoxoküste und dem ... golf von Aden Ritter erdkde (1822) 1, 164; das Semmeringgebiet ist die wasser- und die wetterscheide Rosegger schr. (1895) II 7, 140. metaphorisch im sinne von 'wendepunkt': vier und vierzig verflossene jahre hatten mich ... aus dem gleise meiner laufbahnen gebracht. ich stehe an einer wetterscheide J. Grimm kl. schr. (1864) 1, 117; jenem sinnlichen momente des südens gegenüber entwickelte sich zu derselben zeit das rein geistige moment des nordens in der reformation, und durch dies zusammentreffen wird der anfang des sechszehnten jahrhunderts eine so grosze wetterscheide H. Laube ges. schr. (1875) 4, 61. im bilde: nunmehro musz er selbst in allen begebenheiten eine wetterscheide werden. er gedachte durch die liebesgrillen allen valet zu geben: und wird hierdurch der gröste politische grillenfänger polit. grillenfänger (1683) 9; lebenswechsel an der wetterscheide des see-berges Commoryns vorgestellet Hoffmannswaldau redeübungen (1702) 75; die arme, vom schicksal auseinander gedrückte seele, die gegen ihr wettergewölk keine grössere erhöhung zur wetterscheide vor sich sieht als das grab Jean Paul w. 3, 69 Hempel; dieser sieg ... ist ... die wetterscheide zwischen einer trüben, nebelvollen vergangenheit und einer hellern kommenden zeit Görres ges. schr. (1854) 3, 112; der palast der scala war aber die wetterscheide, an welchem die wolken des miszmuths sich brachen Gaudy s. w. (1844) 22, 106. im gleichen sinne auch wetterscheidung allg. haush.-lex. (1749) 3, 721; Campe 5 (1811) 694: das französische ungewitter streift noch immer jenseit des Thüringer waldes hin, wir wollen das gebürge, das uns sonst die kalten winde schickt, künftig als eine gottheit verehren, wenn es diesmal die eigenschaften einer wetterscheidung hat Göthe IV 11, 144 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 762, Z. 9.

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wettermännlein widerprellen
Zitationshilfe
„wetterscheide“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wetterscheide>.

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