Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wetterschlag, m.

wetterschlag, m.
1) donnerschlag, blitzschlag. der vorstellungsgehalt umfaszt meist beide erscheinungen, doch kann nach dem zusammenhang jeweils eine in den vordergrund treten, vgl.: ein flammender blitzstrahl erfüllte die halle, ein wetterschlag dröhnte, die balken des daches brachen zusammen G. Freytag ges. w. 8 (1887) 206; dort stand der altar des hohen engels, der im federhemd in den lüften waltete und den wetterschlag vom glockenthurm abhielt ebda 9 (1887) 15; ich fühlte diesen augenblick wie einen wetterschlag, dem nacht und totenstille folgte Hölderlin ges. dicht. 2, 188 Litzmann. seit dem 15. jh. bezeugt, aber erst in neuerer literatur häufiger begegnend: fulgor wetter glast o. schlag (1495) Diefenbach gl. 250ᶜ; tonitrus, fragor nubium, it. fulmen Stieler stammb. (1691) 1812: dann bey disem wetterschlag erkennt man den zukünfftigen zoren gottes Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 5, 71ᵃ; daher auch zuschliessen, das auch die temperatur des gewitters nach martialischer ungestümmkeit erzeigen möcht, mit schweren wetterschlegen und wilden brünsten, so sich vom himel entzünden Chr. Heiden practica (1573) A 2ᵇ; warff ein grosser sturmwind vnd wetterschlag die gibelwand an der kirch geschwind herundter Rätel Joachimi Curäi chron. (1607) 459; ob man ... weis, das die elementarischen wetterschläge gemeiniglich liber einen harten und widerstehenden gegenwurf zerschmettern, weiche und gelinde sachen aber unverletzt lassen Butschky Pathmos (1677) 744; ist demnach die hauszwurtzel wieder den wetterschlag gantz nichts nütze J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 1, 95;
des sichern blitzes wetterschlag
aus leuchtenden donnerwolken
Göthe I 3, 205 W.;
ein grauser wetterschlag! der donner kracht.
was sah ich dort in blitzerhellter nacht?
C. F. Meyer s. w. 2, 298 Knaur;
derselbe bauer ... sagt doch auch beim wetterschlag: kann gott das haus wegbrennen, so können wirs wieder bauen Riehl dt. arbeit (1861) 168. ungewöhnlich von einschlagenden geschossen: und liesz zehen grobe stuͤcke drauf fuͤhren, welche der stadtmauren einen wetterschlag uͤber den andern gaben Francisci traursaal (1669) 2, 504. im übertragenen gebrauch: dahero auch in einem alten Sachsenn recht stehet: Chur-Maintz solle den churfürsten zur wahl gebiethen bey dem kirchenbann ... im übrigen sind die evangelischen churfürsten von diesem wetterschlag frey Ludewig erläut. d. güld. bulle (1716) 1, 80;
die arme vaterstadt verliehrt sich in der asche:
disz ist von meinem weh der gröszte wetterschlag
J. Chr. Günther ged. (1735) 570;
mit ihrem heilgen wetterschlage,
mit unerbittlichkeit vollbringt
die noth an einem groszen tage,
was kaum jahrhunderten gelingt
Hölderlin s. w. 1, 1, 185 Beiszner;
dann sollt ihr meine stimme hören,
das donnerwort, den wetterschlag
H. Heine s. w. 1, 319 Elster;
das waren wetterschläge in ihr herz Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 4, 222; zwar die praxis der alten ära ist ihm noch immer eine liebe gewohnheit, er blitzt und donnert für alte weiber und liefert den spinnstuben effectvolle wetterschläge Kürnberger siegelringe (1874) 394; ich gab mehreren offizieren ... gitarrestunden, bis mit einem male die wetterschläge des krieges diese friedlichen klänge übertäubten (um 1830) Daniel Elster irrfahrten (1912) 1, 47. 2) auch 'ein unwetter, ein groszes und heftiges hagelwetter, welches die feldfrüchte zerschlägt' Campe 5 (1811) 694: wenn man so sein schönes korn aufm acker stehen hat, und der liebe gott hats vor wetterschlag behütet Miller Siegwart (1777) 1, 150; weder misswachs noch wetterschlag ... haben ihn von M. weggebracht allg. dt. bibl. (1765) 113, 538. vgl. auch: fensterladen dienen ... zum schutz der fenster gegen wetterschlag Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 169. 3) das vom unwetter niedergeschlagene: 'der an feldfrüchten ... verursachte schaden durch ein hagelwetter' Campe 5 (1811) 694; 'holz, das der wind gefällt und gebrochen hat, kommt unter folgenden namen vor: gefäll, wintfall, ... es heiszt auch blosz wetterschlag' J. Grimm dt. rechtsalterth. ⁴ 2, 25. 4) seltenere anwendungen; in anlehnung an gehirnschlag, herzschlag: dasz der alte wirklich den morgen drauf todt im bette gefunden worden, hatte er sich so zu gemüthe gezogen, dasz sein verstand totalen wetterschlag erlitten Meissner Adolph d. kühne (1792) 3, 25. bergmannssprachlich: wetterschlag ein schlag (strecke) zur wetterführung Veith bergwb. (1870) 416. als gebäudeteil: so die strebepfeiler mit ihren gesimsen, wetterschlägen und wasserspeiern ... kurz alles ... zeigt das bestreben, das technische und mechanische zum vehikel der kunst zu machen Reichensperger verm. schr. (1856) 129. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 763, Z. 74.

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wettermännlein widerprellen
Zitationshilfe
„wetterschlag“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wetterschlag>.

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