Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wett-1, wette-1, zusammensetzungen.

¹wett(e)- zusammensetzungen.

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die nachfolgende übersicht faszt die besonders zahlreichen, z. t. nur gelegentlichen bildungen, die sich an ¹wette D 'wetteinsatz, wettvertrag' anschlieszen, zusammen. die wichtigsten unter ihnen stehen mit ihren belegstellen an alphabetischer stelle.
1)
zum substantiv ¹wette 'wetteinsatz, -vertrag': —
wetteinsatz m.,
wettpreis, pfandeinsatz: die wetteinsätze bei öffentlichen rennen hdwb. d. staatswiss. (1898) 5, 648. —
wettfreund m.,
jemand, der gern wettet: für alle andre wettfreunde aber waren diese zeugnisse ... nicht zureichend Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 294. —
wettgegner m.,
jemand, mit dem eine wette abgeschlossen ist: der wettgegner scheine ein geriebener herr zu sein Rosegger schr. (1895) III 3, 332. —
wettgesell m.,
wie jüngeres wettgegner: soff ers rein ausz ... und treib das so lang, bisz sein wettgesell im zu folgen nicht genug was, und verloren haben bekennen muszte Kirchhof wendunmuth 1, 263 lit. ver.
wetthandel m.,
zwistigkeit um eine wette: er wölle jhne von disem wetthandel nicht allein ohne allen schaden vnd verkleinerung seiner ehren, sondern auch mit guter reputation entledigen Federmann Guicciardini, erquickstunden (1575) 132. —
wettkunst f.,
trick beim wettverfahren: doch haben einige unter denen soldaten in diesen fall gute wissenschafft, am meisten aber die förster ... die sowohl mit dem gewehrversprechen und anderen wett-künsten absonderlich wissen umbzugehen Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 665; es geschieht oft, dasz personen ihr ... vermögen ... verspielen, zumal wenn sie ... mit den wettkünsten unbekannt sind Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 539. —
wettlust f.,
hang, neigung zum wetten: so dass liebhaber von einem zum andern (wettrennen) reisen können, um ihre wettlust zu befriedigen Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 345; die männer zechen im erwachenden trinkmasz des übermuthes, der wettlust, der prahlerei Gutzkow ges. w. (1872) 1, 142. —
wettlustig adj.:
der wettlustige kutscher Pückler-Muskau br. e. verstorbenen (1831) 2, 320; die wettlustigen zuschauer schlieszen indessen ihre wetten J. Schopenhauer reise durch England (1818) 1, 288. —
wettpferd n.,
s. u. sp. 786. —
wettpreis m.,
wetteinsatz wettgewinn:
sie setzten ganz
vertraulich nun, der barde seinen kranz,
und seinen schild der werthe rittersmann,
zum wettpreis aus, und Bergelfuss begann
Ratschky ged. (1785) 26;
wie konnte es geschehen, dasz er ... gerade von Lucinden, dem wettpreis zwischen vater und sohn, ohne alles hindernisz so empfangen wurde Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 1, 182. —
wettschuld f.,
s. u. sp. 788. —
wettspiel n.,
s. u. sp. 788. —
wettsucht f.,
verstärkend für wettlust: die wettsucht dieser nation (hat das pferderennen) zu einem ... hazardspiel gemacht Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 345. —
wettsüchtig adj.:
sie holten mit ihren knütteln so hoch und kräftig aus, dasz ein wettsüchtiger Engländer keinen penny für die härteste schädeldecke riskiert haben würde Anzengruber ges. w. (1890) 1, 98. —
wettsumme f.,
wetteinsatz: einklagung der wettsumme Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 827. —
wettteufel m.,
wie spielteufel: hitzt verschreib ich mich dem wettteufl mit haut und haar'n Anzengruber ges. w. (1890) 1, 182. —
wettweis adv.,
um die wette; vgl. ¹wette D 3 in wett weysz Frisius dict. (1556) 213ᵃ: certatim agere wettweisz kämpffen thes. lat.-germ. (1687) 174. durch wetten: barchett und fuoter zuo aim wams hat mein weib wettweis mit andern jungfrauen verloren bei Fischer schwäb. 6, 746.
2)
zusammensetzungen, die sich an die wendungen um (in) die wette, verkürzt (die) wette (s. ¹wette D 4 b β u. ²wett, adv.) anschlieszen; meist verben und davon abgeleitete wortbildungen, die eine um die wette ausgeübte tätigkeit bezeichnen. verbalkomposita dieser art werden in neuerer zeit in der regel nur noch in dichterisch gehobener sprache flektiert (s. u.wettfährt, wettflog, wettforschten, vereinzelt als trennbare komposita fährt wett, schlaffend dwet, vgl. auch wettgesungen, wettgeeifert neben gewetteifert); meist begegnen sie im infinitiv bzw. part. präs. oder erscheinen als substantivierte neutra (vgl. bes. wettrennen, wettrüsten). —
wettarbeiten vb.:
ich traue mir ihn zu überarbeiten, ... mit ihm zu wett-arbeiten Kramer t.-ital. 1 (1700) 29ᵃ; wie lange wird Europa im getreidebau und viehzucht noch erfolgreich wettarbeiten können mit Amerika und Australien? Riehl land u. leute ⁸202. —
wettbahn f.,
(sportliche) kampfbahn: dann möchte unser nächstes vaterland mit der begeisterung des jahres 1813 kühn in die wettbahn des ruhmes eilen (1830) Fr. L. Jahn br. 327 Meyer; weil jede kraft zuletzt die fremde stärkt — weil die wettbahn der kräfte sich aufthut Jean Paul w. 34, 37 Hempel; auf der wettbahn der tapferkeit und des glückes Gutzkow ritter v. geiste (1850) 2, 159. —
wettbewerb m.,
wettbewerben vb.,
-bewerber, m., s. o. sp. 663ff.
wettbuhlerisch adj.:
so sich vor mir mit allen reizen spreizend,
versuchten eifernd sie an mir ihr bestes,
wettbuhlerisch um mein gefallen geizend
Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 137.
wetteifer m.,
wetteiferer m.,
wetteifern vb.,
s. u. sp. 685ff.
wettfahren vb.:
wie zwei wettfahrende schifflein G. Keller ges. w. (1889) 5, 266;
entgegen dem ersehnten ziel
wettfährt das heer — voran O'Neal
H. Marggraff balladenchron. (1862) 13;
alle wochen gabs jetzt ein scheibenschieszen, ein wettfahren, eine jagd Rosegger schr. (1895) I 6, 162; der kerl fährt wett, scherzte mein genosse E. Zahn menschen (1906) 359. —
wettfahrt f.:
fast in allen dörfern (werden) ... wettfahrten ... angestellt Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 360; die flotte wettfahrt unseres dampfers mit dem neuen concurrenzdampfer Rosegger schr. (1895) II 7, 275. —
wettfäustelei f.,
handgemenge: die schlacht ... welche man, zum unterschied von kleinen wettfäusteleyn, die königliche nennt Bode Thomas Jones (1786) 2, 340. —
wettfleisz m.,
wie wetteifer, wettbewerb: der reiz des gewinnes treibt jenen wettfleisz der wirtschaftlichen kräfte, der ein vater alles leiblichen und geistigen fortschrittes Riehl d. dt. arbeit (1861) 240. —
wettfliegen vb.:
mit führung der waffen vertraut schon als kind,
wettflog sie auf flüchtigem rosz mit dem wind
Leuthold ged. (1894) 255.
wettflug m.:
diesem wettflug (des reihers u. falken) nun wird von den weidleuten mit grosser vergnügung ... zugeschen Hohberg georg. cur. (1682) 2, 659;
der rabe flog; ein trieb nach ehre, tief empfunden,
war schuld, dasz er so kühn den wettflug unternahm
Gleim s. schr. (1798) 1, 189.
wettforschen vb.:
so wettforschten im gespräch alte denker J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 1. —
wettfresser m.:
commensalis mutuus Stieler stammb. (1691) 899; vulgo obses mercatorius, qui ob addiscendam linguam vel mercaturam, loco alterius in aliquo loco propter eandem causam vivit Frisch t.-lat. wb. (1741) 2, 444ᶜ. —
wettgang m.,
von einer kriegerischen auseinandersetzung (übertragen): wo ... Makedonien und Rom sich anschickten zu dem letzten und entscheidenden wettgang Mommsen röm. gesch. (1856) 1, 354. —
wettgefühl n.,
hochgefühl, gesteigerte empfindung: im wettgefühl der empfindung und begeistrung gingen sie vorüber diese ... abende Bettine Goethes briefw. m. e. kinde (1835) 3, 188. —
wettgesang m.,
s. u. sp. 778. —
wettglänzen vb.:
ich habe mich erkuͤhnt
zu gruͤssen deinen thron, der langst sich aufgebuͤhnt,
wettglaͤnzend mit dem saal der liechten silbersternen
Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 272.
wettkampf, wettkämpfen, wettkämpfer m.,vb.,m.,
s. u. sp. 779ff.
wettkauf m.:
emtio mutua Stieler stammb. (1691) 939; gara, concorrenza, competenza nel comprare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1338ᵃ. —
wettkriegen vb.,
um die wette krieg führen: am ersten tausendjährigen deutschen reiche haben sich wettkriegend und triegend versucht: Italier, Spanier, Britten Fr. L. Jahn w. (1884) 2, 523. —
wettlauf, wettlaufen, wettläufer m.,vb.,m.,
s. u. sp. 781ff.
wettleben vb.:
wen sie (die poesie) wil herrlich machen,
der wett-lebt mit der zeit
Kempe poesis triumph. (1676) 4.
wettlieben vb.:
gleich als wann diese affen es der königin Artemisia nachthun, und mit ihr wettlieben wolten J. Balde, d. truckene trunkenh. (1658) 83. —
wettplan m.,
sportplatz: ein turnspiel will bewegung, gemeinsames regen und tummeln auf dem wettplan Jahn w. (1884) 2, 95. —
wettprangen vb.:
sie wettpranget mit andern städten an herrlichen gebäuden Birken verm. Donaustrand (1684) 21. —
wettregatta f.,
wettsegeln (n.): die jährlichen wettregattas zwischen den schulknaben der groszen gymnasien Kohl land u. leute d. brit. inseln (1844) 3, 427. —
wettreiten vb.:
das mädchen ... neckte ihn und trieb ihn meistens zu kühnen, übermüthigen wettreiten an Stifter s. w. 3 (1911) 237. —
wettreiter m.:
die wettreiter, welche in vollem lauf von den rossen zum boden tauchten G. Freytag ges. w. 17 (1888) 275; um den wettreutern bahn zu machen H. Heine s. w. 7, 260 Elster.
wettrennen, wettrennen, wettrenner vb.(n.),m.,
s. u. sp. 787. —
wettringen vb.:
da er die wettringenden jünglinge sich im staube wälzen sah Herder 3, 299 S.;
und alles, was nur ruhm verhiesz,
wettrangen sie zu holen
von allen himmelspolen
Rückert ges. poet. w. (1867) 7, 225.
wettritt m.:
certamen de equorum pernicitate in hippodromo Stieler stammb. (1691) 1600;
aber ein reitliebhaber werden sie doch seyn? sind sie ein kenner?
so machen wir einen wettritt mit unserm renner
Meisl theatral. quodlibet (1820) 1, 227.
wettrudern vb.:
fünf arten von wettkämpfen werden geschildert, wettrudern, wettlauf Vieth encykl. d. leibesüb. (1793) 1, 190. —
wettrüsten vb.
(meist subst.): aber die erfüllung der forderungen von heer und flotte würde uns den trost bringen, dasz des wettrüstens ende endlich nahe ist in: daheim 48 (1912) 20ᵇ; die folgen der imperialistischen politik, durch die eine aera des wettrüstens herbeigeführt wurde amtl. kriegsdep. (4. 8. 1914); wettrüsten und rüstungsbeschränkungen sind beide politische fragen trotz ihrer militärischen form Seeckt ged. e. soldaten (1929) 56; dasz sie (die technik) ... durch bloszes wettrüsten kriege erzwang Benz geist u. reich (1933) 155. —
wettsang m.:
einst lud er gar mit ehrner stirne
die nachtigall zum wettsang ein
Pfeffel poet. versuche (1802) 8, 73.
wettsaufen vb.:
wettsaufen eines Römers und eines Deutschen Lohenstein Arminius (1689) 2, 392. —
wettschieszen vb.:
gleichwie die jenigen so zum zihl wettschiessen nit ehe abtrucken, bisz dasz sie mit den augen auff den zweck gezielt Agricola gutes aug (1629) 7; auch war uns an diesem unsrem führer besonders lieb ..., dasz er es oft vorzog, aus dem fenster der oberstube ein wettschieszen mit katapulten ... zu veranstalten E. Wiechert wälder u. menschen (1936) 42. —
wettschrift f.,
preisschrift: (die gesellschaft) wird ... auszüge des merkwürdigsten dieser wettschriften ... bekannt machen br., d. neueste literatur betr. 16 (1763) 137; der verfasser schrieb, nachdem der von der akademie zu Lyon angesetzte termin zum empfang der wettschriften über hrn. Raynals preisfrage schon verflossen war J. G. Forster s. schr. (1843) 5, 328; die akademische preis- und wettschriften Hamann br. 2, 256 Z.-H.
wettschwimmen vb.:
als frühlingswind wäre er (Grendel) dann zu fassen in dem jugendabenteuer seines wettschwimmens mit Breca Laistner nebelsagen (1879) 265; die parole zum wettschwimmen mit der sonne kaum erteilt, so war Tito ... im see verschwunden H. Hesse glasperlenspiel (1943) 2, 211. —
wettsingen vb.:
Corynna von Thebe, deren Pindarus gedencket, dasz sie ... funffmal den crantz im wettsingen oder stechen gewunnen C. Spangenberg v. d. musica 75 lit. ver.; die der arbeit also obliegen, dasz sie über andere seyn wollen, seynd gleich denen wettsingenden nachtigallen, welche lieber sterben, als ihnen überschreien lassen wollen Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 109; es wurde nach den zünftigen gebräuchen wettgesungen, ein schulfreund oder singer zum meister gesprochen und dergleichen mehr G. Keller ges. w. (1889) 2, 192. —
wettspiel n.,
-spielen, vb., s. u. sp. 788f.
wettstreit, wettstreiten, wettstreiter m.,vb.,m.,
s. u. sp. 789ff.
wettstritt m.,
wettstreit: ein holdseliges bluͤmlein, das ... mit seinem schneeweiszen blaͤtlein mit dem noch ligenden schnee einen wettstritt haͤlt Hohberg georg. cur. (1682) 1, 658. —
wetttrunk m.:
glaub, Anacharsis hatte recht,
der, weil er sich zuerst bezecht,
begehrte, daß man ihm des wetttrunks preis ertheilte
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 49.
wettturnen vb.:
die ehrenthat der altvordern verjüngt sich im wettturnen Jahn w. (1884) 2, 10. —
wettübung f.:
warum wird es nicht jeder fischerzunft zur pflicht gemacht, solche wettübungen alljährlich zu halten? Jahn w. (1884) 1, 271. —
wettwerben vb.,
im 17. und 18. jh. lexikalisch für späteres wettbewerben: esser' in concorrenza con un'altro à qualche cosa neben einem andern nach etwas stehen oder trachten, wettwerben um etwas Kramer it.-teutsch (1674) 453ᵇ; es ist ein grosses eifern und wettwerben unter diesen zweyen ebda; es ist hierbey ein grosses wettwerben il y a là une grande concurrence Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1051ᵇ; wettwerben concurreren, even veel recht en pretensie op iets hebben Kramer-Moerbeek (1768) 416ᵇ; wettwerben concourir Mozin frz.-dt. 4 (1856) 1212ᵇ. —
wettwerber m.:
competente, concorrente, corrivale Kramer t.-ital. 2 (1702) 1338ᵇ; een concurrent, een medestreever na iets Kramer-Moerbeek (1768) 416ᵇ; wettstreiter, wettwerber rival, concurrent, competiteur émule, dict. all.-franç. (1762) 1083; wettwerber concurrent Mozin frz.-dt. 4 (1856) 1212ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 682, Z. 20.

wettlauf, wettelauf, m.

wett(e)lauf, m.,
vereinzelt auch zwettlauf (aus zu-wette-lauf) Lazius chor. beschr. (1556) B 8ᵃ.
1)
der lauf, die bewegung um die wette. im eigentlichen sinne 'brauium wedde lopes danck' (15. jh., nd.) Diefenbach gl. 81ᵃ; patenti spatio insurgere sich inn lauff gaͤben mit grosser gesellschafft, ein wettlauff zethuͦn anheben Frisius dict. (1556) 1228ᵇ: wir sahen geren den wetlauf, den du tetest mit dem hasen ackermann aus Böhmen 40 Bernt; umme allerley wettelouffe und sust wettunge, wovon dy zeyn, do darff nymant dem anderen zcu gerichte umbe antwerten (15. jh.) Danziger schöffenbuch 71 Toeppen; er kauffte sechs persianische klepper, welche sich mit den hirschen in einen wettlauff einlassen dürffen Ziegler asiat. Banise (1689) 507;
denn es ist
ein alter glaube, unfruchtbare weiber,
berührt bei diesem heilgen wettelauf,
entladen sich des fluchs
Shakespeare 2 (1797) 12;
die kinder hatten ... die nachricht zu überbringen, einen wettlauf angestellt Göthe I 23, 203 W.; im wettlaufe mit der scheuen gemse umherschweifen Barth Kalkalpen (1874) 552. besonders vom lauf der pferde; vgl. Diefenbach gl. 206ᵇ s. v. equidium: wetten lute vmme wetteloufe mit pferden (14. jh.) Kulmer recht 77 Leman; wann du nun ein ross zum wettlauff wilt richten Seutter hippiatria (1588) 7; da von den römischen jungen rittern zu pferde und zu wagen ein wetlauf gehalten wurde A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 957; das schnellfüssige ross, wie wird es gerühmt — wenns oft die preise des wettlaufs davon trug Bode Montaigne (1793) 2, 434; die bereiter der rennpferde sind leicht ... angekleidet. sie werden vor dem wettlaufe gewogen Archenholz England u. Italien (1785) I 2, 538. wettfahrt: die unzähligen barken mit fremden und Venetianern darin, der Canal grande von ihnen durchfurcht, und das volk an den ufern, das dem wettlaufe der gondeln zuschaute H. Grimm Michelangelo (1890) 2, 62.
2)
in älteren lexikalischen belegen auch übertragen auf die rennbahn (vgl. lauf 2 e, teil 6, sp. 308): ipodromium wetlawf (15. jh. obd.) Diefenbach gl. 308ᵇ; stadium wetlauff (15. jh.) ders., nov. gl. 347ᵃ; gewendt wegs, roszlauff, wette lauff, acker lenge, stadium Henisch t. spr. (1616) 1597.
3)
beim vergleich gleichzeitiger bewegungen und ereignisse, deren intensität und ausmasz die vorstellung des wettlaufs wachruft:
mit krieg und ungewitter beladen, fliegen schlösser,
im wettlauf mit den winden durch schäumende gewässer
Dusch verm. w. (1754) 116;
es entsteht ein wettlauf der verbrechen, bis aus königlichem geblüt endlich ein scheusal erzeugt wird, ... könig Richard III. A. Müller verm. schr. (1812) 2, 68;
im wettlauf mit der sonne bleibt
der mond zurück, der schwächre reiter
Rückert ges. pœt. schr. (1867) 1, 258;
auf, wackrer Golo! frische rosse her!
dasz wir den wettlauf mit dem sturm beginnen
Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 3, 42;
und parricidisch
reiht im wettlauf mächtiger ungeheur sich
frevler an frevler
Platen w. 1, 226 Hempel;
unsre schläfen fieberten noch vom wettlauf mit dem tode Ernst Wiechert d. todeskanditat (1934) 14.
4)
sinnbildlicher gebrauch; allgemein vom streben nach einem ziel: hie zuͦ sol sin unser wettelǒf, wer dis zil begriffet, wol ime! Seuse dt. schr. 493 Bihlm.; welcher ihnen einen preis aufsetzet, der sie aufmuntert, einen wettlauf nach ihrer eigenen vollkommenheit anzustellen J. E. Schlegel w. (1761) 3, 335; musz mit ihnen allen den wettlauf nach dem kranze des ruhmes wagen Herder 16, 32 S.; mehrere nebenbuhler waren in dem wettlauf nach dem groszen ziel von Pompeius überholt Mommsen röm. gesch. (1866) 3, 187; eine art von wettlauf im liberalismus zwischen den beiden regirungen Bismarck ged. u. erinn. 2, 264 volksausg.; denken wir nur an das wachstum des englischen, des russischen, des amerikanischen weltreichs, an den allgemeinen wettlauf in den kolonien K. A. v. Müller aufs. u. vortr. (1926) 159. in hinsicht auf den verlauf des lebens und den lebenskampf; im vergleich: dann wie sich die jenigen, so im wettlauff das fürgesteckte zihl erreicht, umbwenden, ... also musz auch inn der enderung desz lebens, der tod zwischen beide leben kommen Schweickhart zu Helfenstein Basilius magnus (1591) 471; sinnbildlich: was ist unser hinfälliges leben? der weg zum grab, der wettlauff zum tod Harsdörffer teutscher secretar. (1656) 2, 56; dieses zeitliche leben ist nur ein wettelauf Butschky Pathmos (1677) 175; es wäre eine thorheit, wenn man in dem wettlaufe dieser welt alsdenn erst wolte anfangen langsam zu gehen, da man dem ziel am nächsten ist Lindenborn Diogenes (1742) 1, 690;
weil du die macht hast und die gnade, hinter
die maske hinzuschauen und durch sie
(die still verblich im regen vieler winter)
und meiner seele antlitz findest, wie
es dieses lebens wettlauf müd begleitet
Rilke ges. w. (1927) 6, 45.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 781, Z. 39.

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„wettlauf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wettlauf>.

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