Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wett-1, wette-1, zusammensetzungen.

¹wett(e)- zusammensetzungen.

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die nachfolgende übersicht faszt die besonders zahlreichen, z. t. nur gelegentlichen bildungen, die sich an ¹wette D 'wetteinsatz, wettvertrag' anschlieszen, zusammen. die wichtigsten unter ihnen stehen mit ihren belegstellen an alphabetischer stelle.
1)
zum substantiv ¹wette 'wetteinsatz, -vertrag': —
wetteinsatz m.,
wettpreis, pfandeinsatz: die wetteinsätze bei öffentlichen rennen hdwb. d. staatswiss. (1898) 5, 648. —
wettfreund m.,
jemand, der gern wettet: für alle andre wettfreunde aber waren diese zeugnisse ... nicht zureichend Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 294. —
wettgegner m.,
jemand, mit dem eine wette abgeschlossen ist: der wettgegner scheine ein geriebener herr zu sein Rosegger schr. (1895) III 3, 332. —
wettgesell m.,
wie jüngeres wettgegner: soff ers rein ausz ... und treib das so lang, bisz sein wettgesell im zu folgen nicht genug was, und verloren haben bekennen muszte Kirchhof wendunmuth 1, 263 lit. ver.
wetthandel m.,
zwistigkeit um eine wette: er wölle jhne von disem wetthandel nicht allein ohne allen schaden vnd verkleinerung seiner ehren, sondern auch mit guter reputation entledigen Federmann Guicciardini, erquickstunden (1575) 132. —
wettkunst f.,
trick beim wettverfahren: doch haben einige unter denen soldaten in diesen fall gute wissenschafft, am meisten aber die förster ... die sowohl mit dem gewehrversprechen und anderen wett-künsten absonderlich wissen umbzugehen Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 665; es geschieht oft, dasz personen ihr ... vermögen ... verspielen, zumal wenn sie ... mit den wettkünsten unbekannt sind Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 539. —
wettlust f.,
hang, neigung zum wetten: so dass liebhaber von einem zum andern (wettrennen) reisen können, um ihre wettlust zu befriedigen Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 345; die männer zechen im erwachenden trinkmasz des übermuthes, der wettlust, der prahlerei Gutzkow ges. w. (1872) 1, 142. —
wettlustig adj.:
der wettlustige kutscher Pückler-Muskau br. e. verstorbenen (1831) 2, 320; die wettlustigen zuschauer schlieszen indessen ihre wetten J. Schopenhauer reise durch England (1818) 1, 288. —
wettpferd n.,
s. u. sp. 786. —
wettpreis m.,
wetteinsatz wettgewinn:
sie setzten ganz
vertraulich nun, der barde seinen kranz,
und seinen schild der werthe rittersmann,
zum wettpreis aus, und Bergelfuss begann
Ratschky ged. (1785) 26;
wie konnte es geschehen, dasz er ... gerade von Lucinden, dem wettpreis zwischen vater und sohn, ohne alles hindernisz so empfangen wurde Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 1, 182. —
wettschuld f.,
s. u. sp. 788. —
wettspiel n.,
s. u. sp. 788. —
wettsucht f.,
verstärkend für wettlust: die wettsucht dieser nation (hat das pferderennen) zu einem ... hazardspiel gemacht Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 345. —
wettsüchtig adj.:
sie holten mit ihren knütteln so hoch und kräftig aus, dasz ein wettsüchtiger Engländer keinen penny für die härteste schädeldecke riskiert haben würde Anzengruber ges. w. (1890) 1, 98. —
wettsumme f.,
wetteinsatz: einklagung der wettsumme Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 827. —
wettteufel m.,
wie spielteufel: hitzt verschreib ich mich dem wettteufl mit haut und haar'n Anzengruber ges. w. (1890) 1, 182. —
wettweis adv.,
um die wette; vgl. ¹wette D 3 in wett weysz Frisius dict. (1556) 213ᵃ: certatim agere wettweisz kämpffen thes. lat.-germ. (1687) 174. durch wetten: barchett und fuoter zuo aim wams hat mein weib wettweis mit andern jungfrauen verloren bei Fischer schwäb. 6, 746.
2)
zusammensetzungen, die sich an die wendungen um (in) die wette, verkürzt (die) wette (s. ¹wette D 4 b β u. ²wett, adv.) anschlieszen; meist verben und davon abgeleitete wortbildungen, die eine um die wette ausgeübte tätigkeit bezeichnen. verbalkomposita dieser art werden in neuerer zeit in der regel nur noch in dichterisch gehobener sprache flektiert (s. u.wettfährt, wettflog, wettforschten, vereinzelt als trennbare komposita fährt wett, schlaffend dwet, vgl. auch wettgesungen, wettgeeifert neben gewetteifert); meist begegnen sie im infinitiv bzw. part. präs. oder erscheinen als substantivierte neutra (vgl. bes. wettrennen, wettrüsten). —
wettarbeiten vb.:
ich traue mir ihn zu überarbeiten, ... mit ihm zu wett-arbeiten Kramer t.-ital. 1 (1700) 29ᵃ; wie lange wird Europa im getreidebau und viehzucht noch erfolgreich wettarbeiten können mit Amerika und Australien? Riehl land u. leute ⁸202. —
wettbahn f.,
(sportliche) kampfbahn: dann möchte unser nächstes vaterland mit der begeisterung des jahres 1813 kühn in die wettbahn des ruhmes eilen (1830) Fr. L. Jahn br. 327 Meyer; weil jede kraft zuletzt die fremde stärkt — weil die wettbahn der kräfte sich aufthut Jean Paul w. 34, 37 Hempel; auf der wettbahn der tapferkeit und des glückes Gutzkow ritter v. geiste (1850) 2, 159. —
wettbewerb m.,
wettbewerben vb.,
-bewerber, m., s. o. sp. 663ff.
wettbuhlerisch adj.:
so sich vor mir mit allen reizen spreizend,
versuchten eifernd sie an mir ihr bestes,
wettbuhlerisch um mein gefallen geizend
Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 137.
wetteifer m.,
wetteiferer m.,
wetteifern vb.,
s. u. sp. 685ff.
wettfahren vb.:
wie zwei wettfahrende schifflein G. Keller ges. w. (1889) 5, 266;
entgegen dem ersehnten ziel
wettfährt das heer — voran O'Neal
H. Marggraff balladenchron. (1862) 13;
alle wochen gabs jetzt ein scheibenschieszen, ein wettfahren, eine jagd Rosegger schr. (1895) I 6, 162; der kerl fährt wett, scherzte mein genosse E. Zahn menschen (1906) 359. —
wettfahrt f.:
fast in allen dörfern (werden) ... wettfahrten ... angestellt Vieth encycl. d. leibesüb. (1793) 1, 360; die flotte wettfahrt unseres dampfers mit dem neuen concurrenzdampfer Rosegger schr. (1895) II 7, 275. —
wettfäustelei f.,
handgemenge: die schlacht ... welche man, zum unterschied von kleinen wettfäusteleyn, die königliche nennt Bode Thomas Jones (1786) 2, 340. —
wettfleisz m.,
wie wetteifer, wettbewerb: der reiz des gewinnes treibt jenen wettfleisz der wirtschaftlichen kräfte, der ein vater alles leiblichen und geistigen fortschrittes Riehl d. dt. arbeit (1861) 240. —
wettfliegen vb.:
mit führung der waffen vertraut schon als kind,
wettflog sie auf flüchtigem rosz mit dem wind
Leuthold ged. (1894) 255.
wettflug m.:
diesem wettflug (des reihers u. falken) nun wird von den weidleuten mit grosser vergnügung ... zugeschen Hohberg georg. cur. (1682) 2, 659;
der rabe flog; ein trieb nach ehre, tief empfunden,
war schuld, dasz er so kühn den wettflug unternahm
Gleim s. schr. (1798) 1, 189.
wettforschen vb.:
so wettforschten im gespräch alte denker J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 1. —
wettfresser m.:
commensalis mutuus Stieler stammb. (1691) 899; vulgo obses mercatorius, qui ob addiscendam linguam vel mercaturam, loco alterius in aliquo loco propter eandem causam vivit Frisch t.-lat. wb. (1741) 2, 444ᶜ. —
wettgang m.,
von einer kriegerischen auseinandersetzung (übertragen): wo ... Makedonien und Rom sich anschickten zu dem letzten und entscheidenden wettgang Mommsen röm. gesch. (1856) 1, 354. —
wettgefühl n.,
hochgefühl, gesteigerte empfindung: im wettgefühl der empfindung und begeistrung gingen sie vorüber diese ... abende Bettine Goethes briefw. m. e. kinde (1835) 3, 188. —
wettgesang m.,
s. u. sp. 778. —
wettglänzen vb.:
ich habe mich erkuͤhnt
zu gruͤssen deinen thron, der langst sich aufgebuͤhnt,
wettglaͤnzend mit dem saal der liechten silbersternen
Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 272.
wettkampf, wettkämpfen, wettkämpfer m.,vb.,m.,
s. u. sp. 779ff.
wettkauf m.:
emtio mutua Stieler stammb. (1691) 939; gara, concorrenza, competenza nel comprare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1338ᵃ. —
wettkriegen vb.,
um die wette krieg führen: am ersten tausendjährigen deutschen reiche haben sich wettkriegend und triegend versucht: Italier, Spanier, Britten Fr. L. Jahn w. (1884) 2, 523. —
wettlauf, wettlaufen, wettläufer m.,vb.,m.,
s. u. sp. 781ff.
wettleben vb.:
wen sie (die poesie) wil herrlich machen,
der wett-lebt mit der zeit
Kempe poesis triumph. (1676) 4.
wettlieben vb.:
gleich als wann diese affen es der königin Artemisia nachthun, und mit ihr wettlieben wolten J. Balde, d. truckene trunkenh. (1658) 83. —
wettplan m.,
sportplatz: ein turnspiel will bewegung, gemeinsames regen und tummeln auf dem wettplan Jahn w. (1884) 2, 95. —
wettprangen vb.:
sie wettpranget mit andern städten an herrlichen gebäuden Birken verm. Donaustrand (1684) 21. —
wettregatta f.,
wettsegeln (n.): die jährlichen wettregattas zwischen den schulknaben der groszen gymnasien Kohl land u. leute d. brit. inseln (1844) 3, 427. —
wettreiten vb.:
das mädchen ... neckte ihn und trieb ihn meistens zu kühnen, übermüthigen wettreiten an Stifter s. w. 3 (1911) 237. —
wettreiter m.:
die wettreiter, welche in vollem lauf von den rossen zum boden tauchten G. Freytag ges. w. 17 (1888) 275; um den wettreutern bahn zu machen H. Heine s. w. 7, 260 Elster.
wettrennen, wettrennen, wettrenner vb.(n.),m.,
s. u. sp. 787. —
wettringen vb.:
da er die wettringenden jünglinge sich im staube wälzen sah Herder 3, 299 S.;
und alles, was nur ruhm verhiesz,
wettrangen sie zu holen
von allen himmelspolen
Rückert ges. poet. w. (1867) 7, 225.
wettritt m.:
certamen de equorum pernicitate in hippodromo Stieler stammb. (1691) 1600;
aber ein reitliebhaber werden sie doch seyn? sind sie ein kenner?
so machen wir einen wettritt mit unserm renner
Meisl theatral. quodlibet (1820) 1, 227.
wettrudern vb.:
fünf arten von wettkämpfen werden geschildert, wettrudern, wettlauf Vieth encykl. d. leibesüb. (1793) 1, 190. —
wettrüsten vb.
(meist subst.): aber die erfüllung der forderungen von heer und flotte würde uns den trost bringen, dasz des wettrüstens ende endlich nahe ist in: daheim 48 (1912) 20ᵇ; die folgen der imperialistischen politik, durch die eine aera des wettrüstens herbeigeführt wurde amtl. kriegsdep. (4. 8. 1914); wettrüsten und rüstungsbeschränkungen sind beide politische fragen trotz ihrer militärischen form Seeckt ged. e. soldaten (1929) 56; dasz sie (die technik) ... durch bloszes wettrüsten kriege erzwang Benz geist u. reich (1933) 155. —
wettsang m.:
einst lud er gar mit ehrner stirne
die nachtigall zum wettsang ein
Pfeffel poet. versuche (1802) 8, 73.
wettsaufen vb.:
wettsaufen eines Römers und eines Deutschen Lohenstein Arminius (1689) 2, 392. —
wettschieszen vb.:
gleichwie die jenigen so zum zihl wettschiessen nit ehe abtrucken, bisz dasz sie mit den augen auff den zweck gezielt Agricola gutes aug (1629) 7; auch war uns an diesem unsrem führer besonders lieb ..., dasz er es oft vorzog, aus dem fenster der oberstube ein wettschieszen mit katapulten ... zu veranstalten E. Wiechert wälder u. menschen (1936) 42. —
wettschrift f.,
preisschrift: (die gesellschaft) wird ... auszüge des merkwürdigsten dieser wettschriften ... bekannt machen br., d. neueste literatur betr. 16 (1763) 137; der verfasser schrieb, nachdem der von der akademie zu Lyon angesetzte termin zum empfang der wettschriften über hrn. Raynals preisfrage schon verflossen war J. G. Forster s. schr. (1843) 5, 328; die akademische preis- und wettschriften Hamann br. 2, 256 Z.-H.
wettschwimmen vb.:
als frühlingswind wäre er (Grendel) dann zu fassen in dem jugendabenteuer seines wettschwimmens mit Breca Laistner nebelsagen (1879) 265; die parole zum wettschwimmen mit der sonne kaum erteilt, so war Tito ... im see verschwunden H. Hesse glasperlenspiel (1943) 2, 211. —
wettsingen vb.:
Corynna von Thebe, deren Pindarus gedencket, dasz sie ... funffmal den crantz im wettsingen oder stechen gewunnen C. Spangenberg v. d. musica 75 lit. ver.; die der arbeit also obliegen, dasz sie über andere seyn wollen, seynd gleich denen wettsingenden nachtigallen, welche lieber sterben, als ihnen überschreien lassen wollen Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 109; es wurde nach den zünftigen gebräuchen wettgesungen, ein schulfreund oder singer zum meister gesprochen und dergleichen mehr G. Keller ges. w. (1889) 2, 192. —
wettspiel n.,
-spielen, vb., s. u. sp. 788f.
wettstreit, wettstreiten, wettstreiter m.,vb.,m.,
s. u. sp. 789ff.
wettstritt m.,
wettstreit: ein holdseliges bluͤmlein, das ... mit seinem schneeweiszen blaͤtlein mit dem noch ligenden schnee einen wettstritt haͤlt Hohberg georg. cur. (1682) 1, 658. —
wetttrunk m.:
glaub, Anacharsis hatte recht,
der, weil er sich zuerst bezecht,
begehrte, daß man ihm des wetttrunks preis ertheilte
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 49.
wettturnen vb.:
die ehrenthat der altvordern verjüngt sich im wettturnen Jahn w. (1884) 2, 10. —
wettübung f.:
warum wird es nicht jeder fischerzunft zur pflicht gemacht, solche wettübungen alljährlich zu halten? Jahn w. (1884) 1, 271. —
wettwerben vb.,
im 17. und 18. jh. lexikalisch für späteres wettbewerben: esser' in concorrenza con un'altro à qualche cosa neben einem andern nach etwas stehen oder trachten, wettwerben um etwas Kramer it.-teutsch (1674) 453ᵇ; es ist ein grosses eifern und wettwerben unter diesen zweyen ebda; es ist hierbey ein grosses wettwerben il y a là une grande concurrence Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1051ᵇ; wettwerben concurreren, even veel recht en pretensie op iets hebben Kramer-Moerbeek (1768) 416ᵇ; wettwerben concourir Mozin frz.-dt. 4 (1856) 1212ᵇ. —
wettwerber m.:
competente, concorrente, corrivale Kramer t.-ital. 2 (1702) 1338ᵇ; een concurrent, een medestreever na iets Kramer-Moerbeek (1768) 416ᵇ; wettstreiter, wettwerber rival, concurrent, competiteur émule, dict. all.-franç. (1762) 1083; wettwerber concurrent Mozin frz.-dt. 4 (1856) 1212ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 682, Z. 20.

wettstreit, wettestreit, m.

wett(e)streit, m.,
das bestreben, anderen den vorrang streitig zu machen; sponsio, certatio quae sponsione fit Stieler stammb. (1691) 2209; einen wettstreit mit jemand haben gareggiare con uno Kramer t.-ital. 2 (1702) 1009ᶜ; zum wettstreit auffordern aliquem in certamen vocare Aler (1727) 2182. schon im 17. jh. mehrfach bezeugt, z. t. in der form wettestreit Chr. Weise überfl. gedanken 10 ndr.; Logau poet. zeitvertreib (1725) 200. das wort entspricht weithin der bedeutung von wetteifer, bezeichnet jedoch mehr den äuszeren vorgang als den inneren antrieb (vgl. bes. wetteifer 2).
1)
der sinngehalt wird vor allem durch das grundwort streit bestimmt, 'eine auseinandersetzung, eine rivalität um den vorrang':
Marsyas lies mit Apollo sich in einen wettstreit ein,
weil der narr mit seiner pfeiffe wolte mehr als dieser seyn
(ausg. 17. jh.) wolgeschliffener narrenspiegel (o. j.) bei S. Brant narrenschiff 67 Zarncke;
der wettstreit des gottes seiner (des Moses) väter mit Pharao und den weisen Ägyptenlands Herder 12, 55 S.;
nun er das ewige mir abgewann,
und jenseits alles wettstreits wie ein gott
in der erinnerung der menschen wandelt
Schiller 14, 123 G.;
die kaiserin, voraussetzend, ... Preuszen werde auf die länge den wettstreit mit ihren reich bevölkerten erbstaaten nicht aushalten, ging von der üblichen sitte, die gegenseitigen gefangenen sogleich auszuwechseln, einige male ab Holtei erz. schr. (1861) 17, 19; wir sehen aller orten nur dynastische oder territoriale interessen der gemeinsten berechnung den unerquicklichen wettstreit um die schwankenden reste des herrenlosen reiches führen Häusser dt. gesch. (1854) 2, 375; zwei grosse, auf einander eifersüchtige, in unaufhörlichem wettstreit begriffene mächte hielten einander wechselseitig in schranken Ranke s. w. (1867) 38, 169; der wettstreit der mächtigeren gaue entzweite nicht blosz diese Mommsen röm. gesch. (1866) 3, 226. 'widerstreit' im gefühls- und seelenleben, im ringen der werte: wettstreit zwischen der verschwendung und dem geitz Grimmelshausen Simpl. contin. 2 Scholte; hier wolte verzweiffelung und grossmuth einen gefährlichen wettstreit in seiner seele antreten Ziegler asiat. Banise (1689) 518; ehre und liebe hielten bei ihme gleichsam einen wettstreit Happel Witekind (Ulm o. j.) 3, 51; und der wettstreit von glauben und unglauben begann aufs neue Göthe I 7, 167 W.; die barmherzigkeit gegen die ... märterer und der zorn über die ... hundemutter gerieth in wettstreit Grässe sagenb. d. pr. staates 1, 11; man sieht, es war der alte wettstreit zwischen ästhetisch und ethisch H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 190.
2)
'das bemühen, einander zu überbieten, sich den vorrang streitig zu machen'; das erstrebte ziel ist meist positiv gewertet: allda sie viel schwere kriege geführt, ... auch denen asiatischen königen einen wettstreit um ihre freundschafft und bündnis erregt, und sich zu einer furcht desz Orients gemacht Valvasor herzogth. Crain (1689) 1, 65;
endlich musz die jugend sich
durch den schnellen lauff verzehren,
oder es beruffet dich
liebe, lust und eitelkeit
in der tugend wettestreit
Chr. Weise überfl. gedanken 10 ndr.;
hoff, musen, land und volck fleng einen wettstreit an
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 1, 89;
unter diesen beyden männern entsteht ein wettstreit der groszmuth anmuth. gelehrsamk. (1751) 6, 368 Gottsched; wir haben erkannt, dass sie (die weiber) ohne allen vergleich im wettstreite der liebe weit hitziger sind wie wir Bode Montaigne (1793) 5, 174; es ereignete sich, dasz ich immer einen fusz vor den andern setzen muszte, worauf jener wieder nicht der hinterste seyn wollte, indem der andere voranlief und aus diesem wettstreit war das wandern zusammengesetzt Tieck schr. (1828) 9, 250. oft in verbindung mit dem attribut edel: und der vorfahren heldentugend erhitzte ihre nachfolger zu einem edlen wettstreit auf dieser heiligen erde (bei Leipzig) Schiller 8, 392 G.; unter dem thore gab es dann einen edlen wettstreit M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 86; es entstand nun ein edler wettstreit unter ihnen Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 14, 143.
3)
im gegensatz zu wettkampf nur vereinzelt vom leistungskampf in spiel und sport: ferner, wenn man nicht durch ... wettstreite und spiele ... helfen kann, thut man ... wohl, die aufmerksamkeit durch das hinschreiben ... zu fesseln allg. dt. bibl., anh. zu bd. 25/36 (1771) 2139; sie werden also fackeln halten und die einander hinreichen im wettstreit zu pferde? Schleiermacher Platons w. (1804) 6, 74;
verherrlichte die feste der götter
mit stattlichen rindopfern
und wettstreits fünftägigem kampf
Göthe I 4, 315 W.;
den ... gedanken des gymnastischen wettstreits Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 211.
4)
dagegen häufig von dem strebenden bemühen in wissenschaft und kunst: welche zuloben jederzeit der gelehrtesten federn wettstreit gewesen S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 38;
der schäfer wettstreit schlicht, die auf der flöte spielen
discourse d. mahlern (1721) 2, 34;
einen wettstreit kluger und wohlgefaszter gedanken Zinzendorf d. dt. Socrates (1732) 6; eine ganze zunft meistersänger ..., welche zu zeiten einen wettstreit mit ihren gedichten untereinander angestellet Gottsched beitr. z. crit. hist. (1732) 1, 26; ich bin aber sehr beschämt, dasz sie (die gelehrten) auch mich zu ihrem wettstreit aufrufen, der ich mir meiner unfähigkeit nur gar zu sehr bewuszt bin Schwabe belust. (1741) 3, 247; aller wettstreit, in welchen sich geringere genies mit ihm einlassen, dient zu weiter nichts, als seine weisheit in ihr bestes licht zu setzen Lessing 6, 453 L.-M.; Agathon dachte an nichts weniger als dass er bey diesem wettstreit eines haufens von sophisten eine rolle zu spielen bekommen würde Wieland Agathon (1766) 2, 174; Cajus hatte wettstreite der beredsamkeit ... errichtet Herder 9, 336 S.; bei der braut von Messina habe ich, ich will es ihnen aufrichtig gestehen, einen kleinen wettstreit mit den alten tragikern versucht (1803) Schiller br. 7, 34 Jonas; das resultat wird immer höchst merkwürdig seyn, weil der französische und deutsche geist vielleicht noch niemals einen so wunderbaren wettstreit eingegangen haben Göthe IV 20, 228 W.; auch die Engländer traten in diese arena des literarischen wettstreites der völker Ranke s. w. (1867) 31/32, 83.
5)
in zusammenhängen, in denen später das wort wettbewerb (s. d.) üblich wird: er kann sich selbst in den wettstreit nicht mit einlassen, wenn er sich dieses bey der bekanntmachung nicht ausdrücklich vorbehalten hat allg. landrecht f. d. preusz. staaten (1794) 1, 11 § 991; die kleine ausnahme ... ist ein anderer schuster, ... der aber ... es sich nicht im entferntesten beikommen lässt, mit dem vornehmen platzschuster in einen wettstreit einzugehen Stifter s. w. 5, 1 (1908) 209; dieser commercielle wettstreit ... wirkte nothwendig auch auf die andern verhältnisse der staaten zurück Ranke s. w. (1867) 30, 80.
6)
in mannigfacher übertragung; in der literatursprache des 18. jhs. gern vom wetteifernden singen der vögel (vgl. wetteifern 6):
wie? will der vögel muntrer schall
in einem süssen wettstreit zanken?
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 282;
diese kleinen wäldergäste
sungen sämmtlich auf das beste.
als entstünd ein wettestreit
um der stimmen lieblichkeit
Logau poet. zeitvertreib (1725) 200;
(kuckuck) und rohrdommel enden in einem angenehmcadenzirten wettstreit Herder 23, 341 S. bei sonstigen akustischen und optischen vorgängen: gleichsam als ob meines magens ein- und auszgang einen wettstreit miteinander gehalten hätten, welcher unter ihnen beyden die schröckliste stimm von sich zu donnern vermöchte Grimmelshausen Simpl. 85 Scholte; sie hatte sich in grün und silber gekleidet und waren iederzeit die schwartzen locken mit diamanten reichlich durchflochten: also dass ihre pracht einen ungemeinen wettstreit mit dero blitzenden augen verursachten Ziegler asiat. Banise (1689) 107;
ja siehe höchst vergnügt, dasz deine rare pracht
den andern sternen selbst den grösten wettstreit macht
Hunold edle bemühung (1702) 118;
gantz nahe bey demselben stand der abendstern, welcher ihm mit seinem glantze gleichsam den wettstreit anzubieten schien vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 79 Gottsched; vor allen (glocken) erhob den ehernen gesang das schöne geläut der heiligen jungfrau ..., wie im wettstreit antwortete aus der neustadt der grosze Jacob G. Freytag ges. w. 11 (1887) 5.
7)
auch beim abwägen und vergleich einzelner eigenschaften klingt die vorstellung des gegenseitigen überbietens noch an (vgl. wetteifern 7): es wolten auch der hals und der busen in wettstreit treten Stubenberg Samson (1657) 53; denn ich sichere, dass ich eurenthalben eine solche schönheit verlassen müste, welche sich mit der euren gar leicht in einen wettstreit einlassen könte Ziegler asiat. Banise (1689) 168; ihr kleiner mund war mit ein paar lippen verschlossen, die der rothen tulpenfarbe in diesem garten den wettstreit anboten vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 164 Gottsched; er ... zog alsdann mit mir nach der gesegneten stadt Coblenz, die ... vielleicht an anmuth ihrer blühenden gegenden mit jeglichem orte in der welt ... wettstreit zu halten vermag Fouqué zauberring (1812) 2, 176; ich ... fügte hinzu, ... dasz wir haushälterinnen eigentlich gegen die liebenswürdigen und reizenden mädchen keinen wettstreit aushalten können Göthe I 23, 56 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 789, Z. 16.

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Zitationshilfe
„wettstreit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wettstreit>.

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