Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gewetzt, participiales adjectiv

gewetzt, participiales adjectiv
zu wetzen.
1)
in den wörterbüchern, die das particip mit seltener übereinstimmung buchen, ist die grundbedeutung starr festgehalten. acutus, gewetzt ... scharff, spitzig Cholinus-Frisius 21ᵃ; genau so Cellarius 2; Dentzler 10; gewetzt, aguzzato Hulsius (1605) 63ᵃ; gewetzt, aguisé, acutus, executus Duez 199ᵃ; gewetzt, acutus Steinbach 2, 987; ähnl. Rädlein 1, 383ᵃ; Hederich 1, 1422. gewetzt, acutus, tribulatus Kirsch 2, 151ᵇ; ebenso Matthiae nov. locupl. manuale 181ᵃ.
2)
auch der litterarische gebrauch, der schon in der zweiten hälfte des 17. jahrh. bezeugt ist, entfernt sich nicht weit von der belegten begriffsbestimmung. charakteristisch ist hier die enge verbindung mit scharf: die meisten belege fallen auf das compositum scharfgewetzt:
ach! diese sinds, die, wenn der frost wird schwinden,
... auch sich an dieser saate fruht
nach der betrübten tage flucht
mit scharffgewetzten sicheln machen.
Andreas Gryphius (oden 1, 3) lyr. ged. 207 Palm;
ein fauler wind kan keinen halsz zerbrechen;
ir seid ein junger printz, kans ja nicht anders sein,
ein scharf gewetztes stahl helt alle zungen ein.
Rachel (7: freundt 448) sat. ged. 98 neudr.;
nein! lieber lenk' du selber dein geschirr
ihn soll schon mein gewetzter speer empfahen.
Ilias, übers. von Bürger 5, 290 (schr. 3, 77; in der hexameterübers. v. 238 mit dem scharfen speere; bei Voss: mit spitziger lanze);
es rasseln noch viel scharfgewetzte pfeile in unserm köcher. jeden, der uns was zuwider spricht, wollen wir nicht in ephemärischen rezensionen, sondern in Dunciaden, in gassenhauern, zum ewigen dauernden skandal prostituiren. Bürger (an Boie 19. 12. 1776) briefe 1, 381; anders: seeluft gewetzter appetit nationalzeitung 77, 377 s. Sanders ergänzungswb.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1907), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 5708, Z. 10.

wetze, f.

wetze, f.,
s. watz ebda, sp. 2605. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 793, Z. 43.

wetzen, vb.

wetzen, vb.,
schärfen, reiben; anreizen. ahd. hwazzan, wezzen; mhd. wetzen; mnd. mnl. nl. wetten; ags. hwettan, ne. whet; an. hvetja, norw. dial. kvetja, ält. dän. hvaedie, mschw. hvätia, schwed. dial. u. ält. nschw. (h)vättja; gemeingermanische faktitive j-ableitung vom adj.-stamm *hwata- 'scharf' (vgl. ahd. hwaz), zu dem weiterhin ablautend got. hwotjan 'drohen', gahwotjan 'anreizen, verleiten' und'bedrohen', an. hø̄ta 'drohen' (dazu die postverbalia got. hwota, an. hōt pl. 'drohung' Wissmann d. ält. postv. d. germ. 64 ff.) sowie an. hvāta 'stoszen, durchbohren', as. forhwātan, ahd. hwāzan 'verfluchen' gehören, weiteres s. Walde-Pokorny 1, 513; Pokorny 636; zugrunde liegt eine wurzel *qu̯ē͏̆d-, *quŏ̄d-, die vielleicht auch in lat. triquetrus 'dreieckig' erscheint. im ahd. und mhd. begegnen noch unumgelautete präteritalformen: uuaztin ahd. gl. 2, 446, 47; uuazton Notker 2, 75 Sehrt-St.; 3, 2, 410; wazten Hugo v. Langenstein Martina 186, 11 lit. ver.; liedersaal 1, 280 Laszberg. mundartlich allgemein gebräuchlich, vgl. u. a. Mensing schlesw.-holst. 5, 612; Martin Waldeck 283; Woeste Westfalen 321; luxemb. ma. 486; Schmeller-Fr. bayer. 2, 1059; Fischer schwäb. 6, 747.
1)
'scharf machen', z. t. mit akustischem nebensinn (s. auch 7), vgl.: 'wetzen heftig und mit diesem worte eignen laute reiben' Adelung 5 (1786) 195. meist von waffen und schneidewerkzeugen, die durch eine reibfläche (z. b. wetzstein) oder das reiben an einer feststehenden fläche geschärft werden (vgl. auch zähne wetzen 2 a). (numquid) foederabitur (ferrum ferro) giuuezit uuirdit (10.—12. jh.) ahd. gl. 1, 629, 59—61 (zu Jer. 15, 12); in weiterer, z. t. ebenfalls freier übersetzung ebda 2, 446, 47; 644, 56; 669, 54; 771, 39;
ist thiu akus ju giwezzit, zi theru wurzelun gesezzit
ouh harto gislimit themo, then si rinit
Otfrid I 23, 51 E.;
peginno ih uuezzen min suert, daz plicche gelîh ist si acuero ut fulgur gladium meum Notker 2, 632, 8 P.;
nû lac dâ bî im ein
harte guot wetzestein.
dâ begunde erz (das messer) ane strîchen
harte unmüeziclîchen,
dâ bî wetzen
Hartmann v. Aue armer Heinrich 1221 P.;
ein swert vil wol gewetzet
und gesliffen sêre
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 5520 Keller;
ein eisen wetzt oder scherpfft das ander Mathesius Sarepta (1571) 79ᵇ; darumb Thearidas, da er seinen reuting mit einem wetzstein wetzet, gefragt ward, ob er scharpff were Lorichius pädag. principum (1595) 121; ein philosophus als er auff eine zeit bey einem fürsten zu gast war, nahm er unter dem beten seinen einen pantoffel und wetzet sein messer drauf Lehmann floril. polit. (1662) 4, 206;
myn sägsen musz ich jetzund wetzen,
das sy mög scharpff schneiden vnd hauwen
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 2, 308 Bächtold;
ein grassmehder mit dem stein gerade die sense streichet oder wetzet Aitinger jagd- u. weidbuch (1681) 213;
es ist ein schnitter, der heiszt tod,
der hat gewalt vom höchsten gott;
heut wetzt er das messer,
es schneidt schon viel besser
Böhme volskthüml. lieder d. Deutschen (1895) 591;
sie zeigt ihm, wie man das sensenblatt nochmals dengelt und wetzt Fr. Wolf zwei a. d. grenze (1948) 79. im bilde: drum auf! und wetze deinen (feder-)kiel zu neuen angriffen Schwab belust. (1741) 1, 57; darin (in dem haus des elends) wetzet der teufel den stachel des todes J. Böhme s. w. 2, 190 Schiebler; die sündt hat dem tott die sensen gewezt Abr. a s. Clara pred. 169 lit. ver.
2)
im weiteren sinne von der reibenden oder schleifenden bewegung, mit der ein gegenstand über den anderen gleitet; dabei klingt der vorstellungsgehalt des schärfens nur noch gelegentlich an.
a)
zähne u. dgl. wetzen 'die zähne fletschend aufeinander reiben oder aneinander schlagen'; fatigare dentem in dente die zaͤn brauchen oder auff einanderen wetzen vnd verschlyssen Frisius dict. (1556) 389ᵃ:
sîn zene begunde er (der sterbende) wetzen,
vaste ûf einander setzen
und durch die zungen bîzen
Vorauer novelle 549 Schönbach;
da stuͦnd in mitten vor Juppiters altar ein wuͤttender priester ... die zeen artlich auff einander wetzende, vnd knirren S. Franck Germ. chron. (1539) 2, 3ᵇ;
ich (der teufel) wise di elüt recht an,
das iettweders dem andern nit guotz gan,
und tuon si ze samen hetzen,
das si mit den zenen tuond wetzen
des teufels netz 1426 Barack;
ich bin das wild, auf das sie birschen,
die bluthund wetzen schon den zahn
W. Hauff s. w. (1890) 1, 166;
einzelne stücke gebärden sich ganz nach art der paviane, indem sie ... die zähne aneinander wetzen Brehm tierl. 1, 157 P.-L. insbesondere 'beim schwarzwilde das eigenthümlich weithin tönende aneinanderschlagen des gewaffes' Behlen forst- u. jagdkde (1840) 6, 383:
uf des küneges hof er (der eber) kam
schumende unde wetzende
Gottfried v. Straszburg Tristan 13 517 R.;
als in das schwein ersahe, lieffe es den nechsten auff in mit schumendem mund und wetzenden zaͤnen unnd wolt ihne zuͦ der erden werffen Montanus schwankb. 23 Bolte;
allein, wann auf dem Harz, nun lang genug gequält,
ein aufgebrachtes schwein zuletzt den tod erwählt,
die dicken borsten sträubt, die starken waffen wetzet
und wüthend übern schwarm entbauchter hunde setzet
Haller ged. 71 Hirzel.
im sinne von 'schärfen, spitzen':
mein zeen, die darinnen sein,
die geben gar gut lauten zweck,
die fressen allen treck hinweck,
dasz man nicht vil dran wetzen darff,
ja es macht, sie seindt vorhin scharff
Ayrer dramen 1, 282 Keller;
das harte brot die zaͤn nur wetzt,
das gewont vbel nicht mehr verlezt
Fischart w. 3, 82 Hauffen.
bildlich: denn es ist für die menge erfunden und geschrieben, die sich, ohne den kritischen zahn zu wetzen, an allem erfreut Göthe I 41, 1, 181 W.
b)
den schnabel wetzen 'ihn an ästen, steinen u. dgl. abstreichen': er (der geier) wetzet seinen snabel niht an die stain Konrad v. Megengerg buch d. natur 229 Pfeiffer; das ist ein sandstein, daran ich meinen schnabel kan wetzen Fischart Garg. 385 ndr.; das kleine waldgeflügel ..., wie es den schnabel wetzet Paracelsus opera 2, 543 Huser;
wann sie behend und rasch von zweig zu zweigen springen,
bald auf ein steiffes ästchen setzen,
ihr schnäbelchen von beiden seiten wetzen
Brockes ird. vergnügen (1721) 4, 53;
schon flattert, leichenwitternd,
die weisze, gespenstische möwe,
und wetzt an dem mastbaum den schnabel
Heine s. w. 1, 173 Elster.
allgemeiner: unzüchtige zotten ... lernen, und nicht viel anders als ein widhopff den schnabel jmmerzu im koth und unflath wetzen Abr. a s. Clara Judas (1687) 1, 162. im bilde: ach wertheste schöne, sie vergebe meinem kiel, dasz er die feuchtigkeit seines schnabels an ihrem ruhm wetzen will Chr. Weise erznarren 57 ndr.;
und kurz, das neue lied begann.
die sänger wetzten sich den schnabel
und orgelten mit angst und pein
das tollste wirwarr durch den hain
Ramler fabellese (1783) 3, 209.
c)
von anderen körperteilen:
sînen vinger begund er nezzen
und an einen stein wezzen
daz er aller râmik wart (schmutzig)
gesammtabenteuer 3, 114 v. d. Hagen;
da schreien alle sew wider jhn, streubten die borsten auff dem rücken, wetzten die russel und lieffen zusamen (1537) Luther 50, 35 W.;
der adler grosmechtig,
derselb sein klaen hat gewetzt,
all sein vermüegen daran setzt,
als ob er mich gar wöl verdempfen
Hans Sachs 22, 353 lit. ver.;
du murrst gleich wie der hellisch hund,
der an der ketten wetzt den mund
Z. Müntzer bepstl. gesch. (1566) 225;
der lewe wil seine klawen wetzen,
die Flatianer zu verletzen
(um 1570) bei Ziegler geschützinschr. 53;
(das nashorn) wetzet sein horn an den kiselsteinen Eppendorff Plinius (1543) 56. weidmännisch für üblicheres 'fegen':
sag an, lieber waidmann, wie viel end-ahn
hat der edle hirsch auf seinem kopfe stahn?
so oft sich der edle hirsch hat gebetzt und gewetzt,
so viel end hat der edle hirsch auf seinen kopf gesetzt
Grässe jägerbrevier (1857) 4.
d)
bisweilen synonym mit 'scheuern, reiben, mahlen': weczin molere (15. jh., md.) Diefenbach gl. 365ᵇ; nov. gl. 255ᵇ;
niemants mag dir im frosz geleichen,
du wirst auch nimmer darvon weichen ...
füll den wanst und stopff den magen,
fütter d backen und wetz den kragen!
Wickram w. 4, 54 lit. ver.;
allein was zwinget dich, ihn auf die prob zu setzen?
suchst du den stachel nur, um dich daran zu wetzen,
der manche thraͤnen noch aus deinen augen druͤckt?
Petrasch sämtl. lustsp. (1765) 1, 926;
und die ins gestein gewetzten spuren seiner ketten Gaudy s. w. (1844) 5, 16; zu allerletzt steigt wohl noch der Wastel hervor, wetzt sich gähnend die augen Rosegger schr. (1895) I 4, 313; wenn der zugfuhrmann wüszte, wie mich der schuh wetzt, er nähme mich mit ebda 8, 258; den oberstleutnant befiel eine kleine verlegenheit, er wetzte auf seinem sessel hin und her M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 164; als sie allzulange nicht angeredet ... wurde, wetzte sie wenigstens ihre beine P. Dörfler Apollonias sommer (1932) 197; und (sie) machte sich noch vor dem hahnschrei über die von den vielen schlitten glatt gewetzten wege zu fusz nach der stadt davon ders., tör. jungfrau (1930) 249. mit hörbarem geräusch reibend gleiten: die nadel (des grammophons) wetzte, der deckel sank. und männlich begann es zu choralhaften klängen Th. Mann d. zauberberg (1953) 969. auch im sinne von 'schlagen':
wie leicht wärs ihm (dem rosz), ein huf an dessen hirn zu wetzen,
des ohnmacht wütend tobt, zu schwach, es zu verletzen
anmuth. gelehrsamk. (1751) 5, 537 Gottsched;
frau Inge ... war nicht willens, die arme zu breiten, dafür wetzte sie dem buben zwei hinter die löffel Steguweit d. tör. jungfrau (1937) 9.
e)
den (mit dem) säbel, degen u. dgl. wetzen, d. h. ihn (flach) an etwas schlagen; vor allem in der studentensprache: 'mit dem degen auf dem steinpflaster hin und herfahren, als wenn man ihn schärfen wollte, eine unter den beflissenen auf den hochschulen gebräuchliche herausforderung' Campe 5 (1811) 696; ehedem ein zeichen des aufruhrs, hat sich aber mit der gewohnheit degen zu tragen verloren, studentenspr. u. lied in Halle (1894) 114; mit dem degen in die steine wetzen battere, frappare il lastrico colla spada Kramer t.-ital. 2 (1702) 1340ᵃ:
ir beydt nempt unser partisanen
und thuͦnt der an den schneiden schonen!
thuͦnt sye nit fast zuͦsammen wetzen,
damit ir die nit thuͦn verletzen!
Wickram w. 6, 38 lit. ver.;
diese blatten klitzschet man auffeinander, das lautet anders nicht, als wenn man etlich wehr durcheinander wetzet Schweigger reyszbeschr. (1619) 208; die steine auf unsern straszen empfinden zwar das wetzen der degenklingen nicht Gottsched vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 97; l'ombre zu spielen, Merseburger zu trincken, die gläser zu schrauben, mit dem degen zu wezen ... und was mehr zu einem studenten gehöret, das kan ich alles Henrici weiberprobe (1726) 56; nun wetzte er die eroberte stange, die unten mit eisen beschlagen war, kreuzweis auf dem pflaster, dass es funken gab Eichendorff s. w. (1864) 3, 386; und wetzte am abende mit seinem degen auf dem straszenpflaster, dasz die funken herumspritzten Arnim s. w. (1853) 11, 51; ich sprang vor und wetzte mit dem degen an den wänden, und schrie wüthend Göthe I 43, 220 W. als symbolische handlung: an dieser gerichtsstätte wird der eid durch handanlegen an die säule, durch wetzen des schwertes an dem steinernen unterbau geleistet Ulmenstein wappenwesen (1935) 31. mit verändertem objekt: wann zu Ingolstadt in Bayren die studenten ... etwann auff der gassen die stain also wetzen, dasz ihnen das feuer zum augen auszgehet, werden sie auff der universitet in die keichen gesetzt Abr. a s. Clara Judas (1686) 91. übertragen auf streit und kampf:
kommen sie gleich heut oder morgen,
so müssens auch so vil dran setzen.
wir wöllen scharpff einander wetzen.
secht! wie ist in der feinde hauffen
ein schwermen, durcheinander lauffen
Hans Sachs 10, 111 lit. ver.;
Festus und Artabanus wetzeten sich erschreklich Bucholtz Herkuliskus (1665) 219ᵃ; oft absolut gebraucht: als ich neulich von der liebe zur trunckenheit handelte, und die veranlassung dazu von dem wetzen nahm, welches des abends auf unsern gassen gehoͤret wird, haben sich einige freunde dieser academischen laster sehr beleidiget befunden Gottsched vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 169;
... wenn der pursche lärmt und wetzt,
doch mehr seinen armen degen, als den harten stein, verletzt
Triller poet. betracht. (1750) 6, 227;
gestern abend fingen zwey jäger an zu wetzen, die wache ging nach ihnen, fand sie nicht, studenten arretirten sie (1790) Göthe IV 9, 193 W.;
sich drauf die bürgerschaft rottiert,
gebrüllt, gewetzt und krieg geführt
ders., I 16, 4 W.
f)
von bekleidungsstücken '(am boden) schleifen, schleppen':
hiemit er zu dem goltschmidt truͤg
sein schuch und hiesz im die wol flickn, ...
und auch oben umb besetzen,
dasz imsz gewant nit hin thet wetzen
pfarrer von Kalenberg 67 ndr.
in weiterem sinne: mit den kleidern wetzen syrma trahere Stieler stammb. (1691) 2519; die jungfer wetzet in der stadt herum puella se ostentat, pompam agit per plateas et vicos, in vestium splendore et apparatu superbit, ebda; 'wetzen die langen kleider im gehen auf dem boden schleifen lassen; nur im gemeinen leben einiger gegenden, und von dem anderen geschlechte' Adelung 5 (1786) 195: ein wolgezogene tochter ... ist weit ein besser schatz, als ein ander reuschel oder weinschneblein, das die finger spitzet vnnd fein daher wetzen vnnd zeltern kan Mathesius ehestand (1563) Xx 1ᵇ; sie (die jungfrau Maria) fuhr auch nicht auff seiden wagen, so gieng sie nicht daher wetzen unnd hatte einen angewehnten sonderlichen tritt, sondern sie gieng jhren gewoͤhnlichen, natuͤrlichen, einfeltigen gang in: theatrum diabol. (1587) 2, 46ᵃ;
ein pfau ist stoͤltzer noch, doch sag ich ohne scheu,
dasz doch das jungfer-volck noch weit mehr stoͤltzer sey.
da muͤssen alle schritt nach noten seyn gesetzet,
der leib der reget sich, der peltz geschaͤfftig wetzet
Rachel satyr. ged. 133 ndr.
3)
im anschlusz an die bedeutung 'schärfen' häufig in bildlich-übertragenem gebrauch.
a)
von sprachlichen äuszerungen, die zunge wetzen u. dgl.; im vergleich: vuanda sîe iro zunga uuazton also suert (quia ut gladium linguas suas exacuerunt) Notker 2, 239, 2 f. P.; sie wetzetin ir zuͦngin als die slangen pred. d. 13./14. jhs. 77 Leyser. abwertend von übler, feindseliger rede:
er hat sine zungen gewezzet,
er hat mine viande uf mich gehezzet
Rolandslied 87, 11 Grimm;
wie denn die gottlosen yhre wort wissen zu wetzen, zu scherffen vnd zu schleiffen Luther 23, 420 W.; vnuerstandne ochsenkoͤpff ..., so jhr ohren darzu spitzen vnd jhre zungen also darein waͤschen, wetzen oder zu schaͤrpffen haben Fronsperger kriegsb. 1 (1578) a 4ᵇ; je groͤssere tugendwerck ... man anfangt, desto schaͤrffer wetzen andere ihre zungen daran Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 2, 344; es hätten sich nie zwei geheirathet, an welchen die leute nicht ihre zungen gewetzt und versuche gemacht hätten, sie zu trennen J. Gotthelf ges. schr. (1855) 2, 310; was hat sie ihr maul zu wetzen an unserem werkmeister Eibel Fr. Wolf zwei a. d. grenze (1948) 96; wenn es nach dem krieg etwas zu bessern gibt, so musz man die leute, die sich das maul so wetzen wie du, an die luft setzen Zillich zw. grenzen u. zeiten (1936) 351. mit konkreterem vorstellungsgehalt:
bey jenem edeln dichterorden,
der seiner sprache werth geschaͤtzt;
durch den sie zum gebrauch gewetzt,
zur zierde blank geschliffen worden
J. A. Ebert ep. u. verm. ged. (1789) 169;
unsere Lutheraner ..., die sich die zungen schon schartig an ihm gewetzt Ina Seidel Lennacker (1938) 169; die hatte zudem einen buckel und war ein freches ding, dem der schnabel in vielen häusern gewetzt wurde W. Schäfer wendekreis (1937) 253.
b)
oft bildlich vom schärfen des verstandes, der geistigseelischen kräfte; wie das vorige früh bezeugt: (pejoribus aptos consiliis) armate (dolos) vuezzent (10./11. jh.) ahd. gl. 2, 617, 46 (zu Sedulius);
swer rime wil zu rimen
und wort zu worte limen
unde sin zu sinne setzen,
der muz den sin da zu wetzen
unde nemen dar von bilde,
daz sin rim nicht vorwilde
Heinrich v. Hesler apokalypse 1392 Helm;
von Admunde abt Heinrich
allen sîn sin begunde wetzen
wie er den fursten möht gehetzen
gegen dem Salzpurgære
Ottokar österr. reimchron. 68579 Seem.;
wer hat sich an in (gott) gewetzet
mit wisheit und ungeletzet
ist von syner wisheit blyben?
Hiob 3093 Karsten;
dann wo dieselben ... mit diser raitkunst sich vbend, so werden jhre verstaͤndt dardurch gewetzet und gescherpffet Pegius geburtsstundenb. (1570) vorr. 3ᵃ; aber nu sind solche rotten unser, schleiffstein und polirer, die wetzen und schleiffen unsern glauben und lere, das sie glw (gluh) und rein wie ein spiegel glentzen (1530) Luther 30, 2, 212 W.; die aposteln auff dem berg Thabor ... horeten des vatters stym, vnnd wurden doch yhr oren nit gewetzt noch gescherfft ebda 10, 1, 1, 268; darumb wetzt vns auch gott mit vilerley trübseligkeiten vnd kümmernuszen, das wir werden ein wolschneidend instrument gotts in: flugschr. a. d. reform. zeit 3, 315 Clemen; inmassen dann alle partheyen in fürfallenden streitpuncten sich auff jhn (den feldherrn) als einen wolversuchten, gehetzt vnd gewetzten, durch alle spisz geloffenen vnd hocherfahrnen kriegszherrn, lenden, vnd sein vrtheil vnd auszspruch jederman erwarten vnd leiden solle Albertinus d. kriegszleut weckuhr (1601) 2, 32ᵃ;
jhr die jhr je den sinn gewetzet
und ewre feder angesetzet
ein lied zu bringen an den tag
das vor der kunst bestehen mag
Simon Dach ged. 4, 57 Ziesemer;
denn bey dieser eigennützigkeit des menschlichen herzens, auch den verstand nur allein an dem üben wollen, was unsere körperlichen bedürfnisse betrift, würde ihn mehr stumpfen, als wetzen heissen Lessing 13, 432 L.-M.;
wetzt nur, sophisten, eure witze
Platen w. 3, 262 Hempel;
das schwerdt ist gefeget,
der säbel ist blank,
der speer ist umleget
mit stahl breit und lang,
der muth ist gewetzet
Arndt w. (1892) 4, 73 R.-M.;
als Steinbrüchel über das vernünftige denken in der religion mit allem aufwand seiner gewetzten vernunft und seines spöttischen witzes geredet hatte W. Schäfer erz. schr. (1918) 4, 72.
c)
vor allem in älterer sprache 'reizen, scharf berühren, hervorrufen, provozieren' (vgl. auch an. hvetja, ags. hwettan 'anreizen' sowie das ablautende got. gahwotjan 'anreizen, verlocken'): aculantes [die quelle hatte maculantes, der glossator verstand aculeantes 'anstachelnde' Meyer-Lübke rom. etym. wb. 124 ] huuazzandi, huuazanti (St. Galler u. Reichenauer hs. d. abrogans) ahd. gl. 1, 205, 11 St.-S.; unde diu troffeni (passio) sînero sensuum furefangoe sînes mûotes chraft turh sih uuerchontes. tiu troffeni an sih uuezze dîa thât des mûotes (prouocet in se actum mentis) Notker 1, 342, 25 P.;
daz mir jâmerz herze wetzet
Wolfram v. Eschenbach Parzival 616, 10 Lachmann;
zu klagen mich noch wetzet ein dink uf jamers lere
Albrecht v. Scharfenberg jg. Titurel 592 W.;
sus begunde si in wetzen
unde reizen ûf den tôt
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 3824 Kapteyn;
so nun Christus kompt mit seinem euangelio, do rumort der teuffel, heczt und weczt alle teuffel zusammen, dasz fursten und hernn wuttig werden (1537) Luther 45, 406 W.;
denn das sie stifften vil auffrur,
den pöfel bringen zu unfur,
den gmein mann gen der herrschaft hetzn,
ein herrschaft an die andern wetzn
Hans Sachs 10, 455 lit. ver.
d)
in neuerer sprache vor allem noch auf das gefühlsleben bezogen, 'reizen, steigern':
wie ein loͤw, dessen zorn der bitter hunger woͤzet ...,
stracks seinem raub nachsoͤtzet
Weckherlin ged. 2, 69 Fischer;
die staͤrck wird durch den zorn gewetzt Petri d. Teutschen weiszh. (1605) R 3ᵇ; den appetit vnd lust zu wetzen Guarinonius grewel (1610) 467;
sie (die liebe Jesu) ist ja lauter milch und most
die angenehmste seelen-kost,
die sonder eckel uns ergetzt
und doch den hunger lieblich wetzt
bei Fischer-Tümpel evang. kirchenlied 5, 245;
elende, woran mahnst du mich? dies wort,
es könnte wetzen meine grausamkeit
Tieck schr. (1828) 3, 443;
je höhern trumpf ihr darauf setzt,
je schärfer ihren trotz ihr wetzt
O. Ludwig ges. schr. (1891) 3, 581.
4)
in präpositionalen verbindungen; wetzen auf, gegen u. dgl., 'einen (geschärften) gegenstand auf, gegen jemand richten', weiterhin auch 'die kraft, die rede, den verstand gegen jemand, auf etwas richten':
swer sich verlæzet an gewin,
der wetzet sô harte sînen sin
mit girescheit nâch dem guote
Thomasin v. Zirclaria d. wälsche gast 8080 Rückert;
ich wil min ellen wetzen
gein eim vrechen Persan
und woͤlt er strites mich erlan,
ich woͤlt ez in erlazen niht
Ulrich v. Türheim Rennewart 29 842 Hübner;
dein zung vnnd auch dein munde
hastu auf mich gewetzt
Albrecht v. Scharfenberg Merlin str. 182 Panzer;
also haben sich diese spitze köpffe an einander gewetzt, das die sophisten haben müssen ein wunderzeichen ertichten, wie das brod vergehe und lasse sein wesen zu nicht werden Luther 26, 439 W.;
wer sich eim groͤssern widersetzt,
vnd auff jn seine zaͤne wetzt
Waldis Esopus 1, 71 Kurz;
hie empöret sich ein volck wider das ander vnd wetzet je ein nachbar das schwerdt wider den andern Stumpf Schweizerchron. (1606) 339ᵇ;
das beil, das du auf Carlen wetzt,
wird deiner ruh an hals gesetzt
Gryphius trauersp. 374 lit. ver.
den türmischen tod, wie er seine sensen so scharf gewetzet hat wider die geistlichkeit zu Wien Abr. a s. Clara w. 2, 73 Strigl;
mein rath ist auch: dass man das messer auf ihn wetze
Lohenstein türk. trauersp. 181 lit. ver.;
denn mir gehts ... hier in N. sehr wohl, obgleich hie und da verläumder oder neider aufstehn und ihren zahn gegen mich wetzen Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 111; Preuszen, die ihre herzen und schwerter auf die Franzosen gewetzt hatten Arndt s. w. (1892) 1, 128 R.-M.
5)
vereinzelt in der verbindung die scharte wetzen für häufigeres auswetzen ('ausglätten'); im übertragenen gebrauch: der fürst von Wissnowicz ... ist durchaus resolvirt und entschlossen, ... die scharten der kron (Polen), wo möglich, diese oder künftige woche zu wetzen (1648) urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg 1, 286 Erdm.;
und welche sich allhie (im handel) darneben niedersetzen,
die können nimmermehr die scharthen wieder wetzen
Henrici ged. (1727) 3, 310.
6)
zur bezeichnung bestimmter arten der bewegung, insbesondere der fortbewegung: und weil sie nit fest auf den beinen war, so wetzete sie den hindern hin und wieder, wie eine alte wettergans frantzös. Simpl. (1683) 1, 52; wetzen mit einwärts krummen beinen fehlerhaft gehn, so dasz sie an einander stoszen Rüdiger zuwachs d. sprachkde (1782) 2, 130. mundartlich und in der umgangssprache neuerer zeit im sinne von 'laufen, rennen' (bedeutungsgeschichtlicher zusammenhang mit 2 f 'mit schleppenden kleidern gehen' ist unsicher): wetzen schnell gehen, rennen, jagen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 661; Albrecht Leipzig 236ᵇ; Jecht Mansfeld 123ᵇ; Jungandreas schles. zeitwortbildung 44; 83; Horn soldatenspr. (1899) 76; während sie den rucksack umnahmen, wurde Deinharts zug zusammengerufen. 'gegenangriff!' meinte er und wetzte davon Zillich zw. grenzen u. zeiten (1936) 461; ich das hören und zum heuerbaas wetzen — das war eins Weitendorf logbuch (1956) 9; andere wetzen nach kurzem gekrabbel in die telefonkabinen Berliner ztg. a. d. j. 1956; die blume steil in die luft gestreckt, wetzt er im hürdensprung über seinen ... bruder süddt. ztg. 95/96 (1957) 14.
7)
von einzelnen tierlauten, die dem beim schärfen erklingenden geräusch ähneln; vom zirpen der heuschrecken: dafür tönte ... das ewige einsame zirpen und wetzen der heuschrecken über die haide Stifter s. w. 1 (1904) 202; also meine ameisenlöwen brüllten, meine heuspringer wetzten, meine fliegen summten H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 240. vom balzlaut des auerhahns; gleichbedeutend mit 'schleifen': unsere sprache lässt die hähne krähen, kollern, knarren, balzen, schleifen, wetzen, schnalzen, schnappen, worgen, kröpfen Brehm tierl. 5, 470 P.-L.; dann folgen einige schalzende, klappende töne ..., dann der hauptschlag und endlich ein langer faden wetzender zischtöne. der urhahn falzt Tschudi thierl. d. Alpenwelt (⁴1858) 126. ungewöhnlich: früh sich ein schwätzig schwalb mit wetzen hören läszt J. V. Andreae triumph d. glaubens (1627) 32.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 793, Z. 72.

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wettermännlein widerprellen
Zitationshilfe
„wetzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wetzen>.

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