Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wibeln, wibbeln, vb.

wib(b)eln, vb.,
wimmeln, krabbeln. seit dem 16. jh. bezeugte ableitung von wib(b)el 'käfer', die an die verbale grundbedeutung dieses wortes (s. d.) anschlieszt und diesemeist in verbindung mit anklingenden verben (kribbeln, wabbeln) — weiterführt. sekundär trägt das vb. bewegungsnachahmenden charakter, daher überwiegt wie bei kribbeln in neuerer sprache kürze des stammvokals, doch begegnet schriftsprachlich (s. u. 1) und mundartlich auch noch vokallänge (vgl. Paul dt. gramm. 1, 274): wiebeln Heyne dt. wb. 3, 1381; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 664; wiebelen Schmitz Eifel 1, 233.
1)
'krabbeln, wimmeln', in deutlicher beziehung zu wib(b)el 'käfer' (vgl. auch wuͤrmwuͤblend Fischart Garg. 79 ndr.): sein scham vnd heimlich ort ... wiblet voller würm Hedio chron. Germ. (1530) A 5ᵃ; als man den brunnen eins mals feget, unnd die eglen mit dem rat herauffzohe, wiblet der brunn wider voll egeln S. Franck chronica (1531) 112ᵇ; es wibbelt und wimmelt so voll als embsen und mürkolben Moscherosch gesichte (1650) 1, 231. so noch in neuerer zeit: das vorratshaus ist nicht in ordnung, es wiebelt sichtlich im holze, und es ist besser, dasz die kornwürmer den neujahrsmorgen auch nicht erleben quelle a. d. j. 1926. mundartl.: der käse wibbelt von maden Frischbier pr. 2, 466.
2)
in weiterer anwendung: weiter ist dise statt so volckreich ... es wiblet allzeit fast in allen gassen wie zu Rhom in eym jubel jar S. Franck weltbuch (1542) 15ᵇ; ein seltzamer vilfältiger schwarm der narren! wol ein wiblende, zablende gesamlete rott! ders., moriae encom. 88 Götzinger; das scheinet genugsam ausz den grewlichen trennungen, zwiespalten, mörden vnd kriegen, da alle historien so voll von sein, das sie voll wibeln Fischart binenkorb (1588) 246ᵇ; kamen gegen abend an einen stillstehenden see, welcher ihnen auf diesem hohen gebürge, und weil alles darinnen für eitel grossen forellen wiebelte, so viel wunderlicher fürkam Lohenstein Arminius (1689) 1, 1122ᵃ; wie ein getriebener topff herummer haspelt und wiebelt Prätorius katzenveit (1692) 155. mit richtungsbestimmung:
den himmel naigt, herunter kam gewiblet,
ain dunkle duft unter sein fussen niblet
Schede psalmen 60 ndr.
synonym mit grübeln (vgl. dazu die doppelformel unter 3): sie haben gemeinet, ein mensch werde ohne gefer geborn, on einen meyster ... eins teyls sind weyter kommen, haben darnoch gewiebelt, aber gleich nicht konnen erlangen Luther 45, 12 W.
3)
meist in doppelformeln; kribbeln und wibbeln, kriebeln (griebeln) und wiebeln: aber wenn jm der entgeht, da wird er allererst ein rechter unflat, wenn er nemlich widerumb also beginnet lebendig zu werden, das alles in jm kriebelt und wiebelt M. Chr. Irenäus wundergeburten (1584) Z 2ᵃ; es wiebelte und griebelte und krappelte und zappelte wie eine mausz im schmaltzkiebel, alles vor liebe an mir Grimmelshausen Simpl. 1, 495 lit. ver.; es kriebelt und wiebelt von fischen, von wilden thieren Gottsched beytr. z. crit. hist. (1732) 2, 239; so dasz, wie man in Deutschland zu sagen pflegt, die kirche gekribbelte und gewibbelte voll war Schnabel insel Felsenburg (1746) 4, 282;
es war wohl als ein wunderding
wie sich das land beweget.
was da uf'n strassen waren für leut
die den räubern folgten nach in zeit,
all's wibbelt, kribbelt, sich beweget
Herder 25, 282 S.;
tiefe gruben für die fundamente der neuen mauern, in denen die arbeiter wie die ameisen kribbelten und wibbelten mit ihren karrenzügen und hebezeugen Zobeltitz in: daheim 31, 268ᵇ. vor allem in nd. und md. mundarten ist diese doppelformel geläufig, vgl. u. a. Bauer-Collitz Waldeck 114ᵇ; Danneil Altmark 249; Lademann Teltow 280; Weinhold schles. 105. — krüb(b)eln und wüb(b)eln: da es hierherum von menschen krübbelt und wübbelt Zesen beschr. d. st. Amsterdam (1664) 324; und wenn mans (das wasser) an die sonnen hielte, so grübelte und wübelte es alles übereinander J. Agricola chirurgia (1643) 630. weiterhin: der weier grübelt und wiebelt von fisch piscina haec scatet piscibus Aler dict. (1727) 1, 988ᵇ. in älterer sprache auch in abgeleiteter bedeutung:
man musz jhn reverentz beweisen
vnd darzu ein gnedig herrn heisen,
ja drüber alles gutes than.
das weisz gleich wol nit der gmein man.
der wird sonst hart darüber grübeln,
vor zorn vberlauffen vnd wibeln
Ayrer dramen 3, 1771 lit. ver.
mundartl. auch wib(b)eln und wab(b)eln: wiwwele un wawwele Autenrieth Pfalz 153; es wiweld un waweld Hertel Salzungen 51; weiteres s. teil 13, sp. 6. — wiebeln und liebeln:
da für freuden alles wiebelt,
da mit gleichem gleiches liebelt
Logau sämtl. sinnged. 148 lit. ver.;
alles wiebelt, liebelt und schmacht't
maler Müller w. (1811) 1, 199.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 806, Z. 37.

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Zitationshilfe
„wibbeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wibbeln>.

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