Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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webe, n., f.

webe, n. f.
gewebe, ein stück leinwand. die fortsetzung des mhd. weppe, ahd. weppi, n.
I.
herkunft und form.
1)
ahd. weppi geht auf *wabja- zurück und stimmt in der bildung überein mit den gleichbedeutenden asächs. webbi (nom. sg. vielleicht als web anzusetzen) in goduwebbi, mnd. webbe Schiller-Lübben 5, 619, ndl. webbe, web, fries. web, ags. (in zusammensetzungen) web, engl. web; anord. vefr Fritzner 3, 887, schwed. väf, dän. væv, ist ebenfalls ja-stamm, aber masc. den gleichen grundvocal zeigt ahd. wabo, waba, das aber als 'gewebe' nicht mehr nachzuweisen ist. dagegen ist von ursprünglichem e auszugehen bei mhd. wepfe, wepf (noch im 16. jahrh. in schwäb. und bair. quellen) 'zettelgarn, einschlag, gewebe', die wahrscheinlich mit n-suffix gebildet sind, ferner wefel 'einschlag' und wift 'gewebe'; mit ja-suffix ist das vereinzelt im mhd. belegte (K. v. Würzburg troj. kr. 33483. H. v. Trimberg Renner 4796 var.) wippe gebildet (jetzt in Bayreuth wib, n. 'webstuhl' Bayerns mundarten 2, 168). ferner sind auch bildungen mit dunklem vocal vorhanden (wie gr. ὑφαίνω 'webe', anord. ofinn 'gewebt', nschwed. dial. öv, n. m. 'einschlag im gewebe' Lidén indogerm. forsch. 19, 338, diese mit auflösung des anl. w, das im deutschen wieder hergestellt ist, vgl. engl. woof, mengl. noch ōf, ōwef): ahd. wuppi bei Notker ps. 89, 10, wüppe mhd. Lexer 3, 925 und bei Stieler (als f.), gewüppe bei Dasypodius 240ᵈ (neben gewöppe), wupp, n. in der Züricher bibel und bei Maaler 508ᶜ, wubb bei Dentzler 357 und Kirsch 1, 1181ᵇ (wub 1, 1191ᵇ), wup bei Frisch 2, 426ᵇ; auch mit o: woppo glosse bei Graff 1, 648, lodix, woppe Steinmeyer-Sievers gl. 3, 279, 46, wopp voc. ex quo 1440 (Diefenbach gl. 575ᵇ u. tela) und voc. ex quo 1476 (rheinisch, nov. gl. 347ᵃ u. stamen), mnd. wobbe Lübben handwb. 590ᵇ, holst. wöbbe Schütze 4, 369 (wöppe städtechr. 8, 387, 26 wol aus weppe); auch afries. wob (in godwob), wfries. wob neben web Dijkstra 3, 470. Boekenoogen 1194. vgl. auch spinnwupp, -wüpp th. 10, i, 2539.
2)
im ahd. steht neben weppi, später weppe, auch webbi Steinmeyer-Sievers gl. 3, 261, 38, webbe 3, 376, 2, im mhd. erscheint webbe in md. quellen, so im Renner 4796. 22515 u. ö. hier kommt 16335 aber auch schon webe vor, ebenso in der Wenzelbibel Jelinek 928, bei Diefenbach gl. 550ᵇ stamen, 575ᵇ tela, 582ᵇ textrina steht webe, web, weeb neben weppe, wepp, wep, webbe u. s. w. die aus dem md. hervorgegangene form web kann als alter nom. sg. erklärt werden (wie nhd. beet neben bette, rieb bei Luther neben rippe), doch hat sich vielleicht auch eine andre bildung eingemischt, vgl. ahd. kaweb, kewebe Graff 1, 646, mnd. weve, n. Schiller-Lübben 5, 702, besonders sollte das subst. dem verbum angenähert werden. im 16. jahrh. steht noch wepp neben web (selten webe, z. b. Golius 212), ersteres häufig bei S. Franck (s. u.), Schaidenreiszer u. a. Oberdeutschen, bei Wickram neben web, und am anfang des 17. jahrh. bei Grassaeus d. kleine baur 124 und in den öst. weisth. 2, 28, 41 (neuere dialekte s. u.). die gewöhnliche form z. b. bei H. Sachs, Fischart, auch in Alberus dict. 9ᵃ verzeichnet, ist web. im 17. jahrh. haben Eyering prov. copia 2, 318 und Spee trutzn. 159 noch so, die gewöhnliche form wird jetzt webe, auch bei Ludwig, Kramer (1719), Steinbach verzeichnet (die andren wörterbücher vor Adelung haben das wort nicht). damit ist häufig übergang zum fem. (mischung mit einer abstracten bildung? vgl. webe, f.) verbunden, der schon im 16. jahrh. vereinzelt vorkommt (die webbe S. Franck lob der torheit 105, 3 Götzinger): meine täge seind behänder hingangen, dan die wäb (daʒ weebe Mentel) abgschnitten würdt vom wäber Ecks bibel, Hiob 7, 6; s. auch u. II 1 Schade satiren. im 17. jahrh. das f. bei Dannhawer catechismusmilch 2, 94; v. Hohberg (s. II 1); titivilitium, schleisze die von der webe abfellt ncl. lat. germ. (Hamb. 1634) 418. (aber bei Opitz 3, 307. Lohenstein Arminius 1, 1128ᵇ das n.). die litteratursprache des 18. jahrh. hat sich durchaus für das fem. entschieden, dagegen lebt das n. weiter in der handwerkssprache, namentlich als 'stück leinwand'. so schlesisch (wie bei Stoppe und noch G. Hauptmann) Berndt 159, aber auch bair. Schmeller 2, 830 (webb), Tschinkel 256 (weppe 'webstuhl') und nd. Schütze 4, 369 (wöbbe), Woeste 318 (webbe). auch Campe bevorzugt das n. vor dem f., das sonst die neueren wörterbücher seit Adelung haben. der pl. wird nhd. als weben gebildet, so bei Wickram 7, 184, 741. Harsdörffer gesprechspiele 4, 254. D. v. Czepko, Wagners archiv 1, 207. Novalis 1, 254 Minor. Arndt werke 6, 36. Rosegger I, 10, 178.
II.
bedeutung und gebrauch. während das wort in der litteratur des 16. jahrh. (als wepp oder web) häufig ist, tritt es dann hinter gewebe (s. th. 4, i, 5378 ff.) zurück und verbleibt, abgesehen von der bedeutung 'spinnwebe', hauptsächlich nur der handwerkssprache, aus der es aber durch einzelne (z. th. zugleich unter einflusz des engl. web) auch in die litteratursprache eingeführt wird. der übertragene gebrauch des wortes ist nur wenig entwickelt.
1)
webe vom gewebe der spinne erscheint meist nur in wendungen, wo eine auflösung des compositums die grundlage bildet:
diu spinne ir webe nâch gewinne
rihtet biʒ si verdirbet dâr inne.
H. v. Trimberg Renner 16335 Ehrismann;
eynr yeden wuchszen flügel baldt ...
gantz dünn gleich wie das web der spinnen.
Wickram 7, 185 (Met. 4, 759) Bolte;
umbzeuch das gantz hausz uberal ...
mit meiner (der spinne) jungen web und netzen.
H. Sachs 5, 75, 31 Keller;
gleich wie die spin ir web allzeit
aus ir selbst wirckt und zubereit.
Eyering prov. copia 2, 318;
was der poeten volck und sonst gelehrten sinnen
in ihre fauste kömpt, da wircken keine spinnen
ein webe drüber her: ihr grünes lorbeerlaub
kehrt alles sauber ab.
Opitz 3, 307;
weben, wie die spinnen führn,
nester wie die wespen schnürn,
räder nach der art der pfauen ...
tragen schlechte bürgerfrauen.
D. v. Czepko, Wagners archiv 1, 207;
und in der schilde eisengewundnen heften stehn
der braunen spinnen weben.
Arndt werke 6, 36;
was hastu zuͦluͦgen wie dye spinn ir wep macht Keisersberg bilg. 8ᶜ; (das bett) welliches vil jar die spinnen mit iren weppen übertzogen haben Schaidenreiszer Odyssea 67ᵃ; die spinne macht das web ausz der überflüssigen feuchtigkeit ihres leibs Heyden Plinius 490 (2, 23); die spinne, so gern mit irem web den luft mit ainander wolt verbawen Fischart trostb. 61, 36 Hauffen; drum gott hatte lassen die spinnen ihr webe fürziehen (vor die höhle) Herberger trawrbinden (1614) 3, 301. auch hier setzt sich das fem. fest, obgleich beim compositum das neutr. üblich bleibt:
ich gleich das weltliche recht einr webe der spin:
grosze humeln reiszen durch, mucken bleiben drin.
Schade satiren 1, 161, 254;
dort die geschmitzte spinn in ihrer weben hangt.
v. Hohberg die unvergnügte Proserpina (1661) 66ᵃ;
mit so duftiger web' umspannt die balken Arachne.
Voss Ovid 1, 217;
nicht geknüpft
an mächt'ge helfer, sondern spinnen gleich,
aus seiner selbstgeschaffnen webe, zeigt er,
wie kraft eignen verdienst's den weg ihm bahnt.
(out of his self-drawing web.)
Shakespeare, Heinrich VIII. 1, 1.
zuweilen auch von den gespinsten andrer insekten: der seidenwurm ... die bombyces ... machen web wie die spynnen H. v. Eppendorff Plinius 193 (11, 25); sol man fleiszig ablesen die raupeneyer, die gleich als in netzen und weppen verborgen seind Lonicerus kreuterb. (1593) 24ᵃ; da denn diese weben (Marienfäden, altweibersommer) vom winde aufgehoben ... würden Zedler 7, 908; diese weben waren also hauptsächlich zu der zeit bemercklich, als die nebel herabfielen, und die lufft zugleich ... klar und warm wurde Breslauer sammlung von natur- u. medic.-geschichten (1717) 3, 210.
2)
webe von der gewerblichen thätigkeit.
a)
zunächst ist es das gewebe, das auf dem webstuhl gefertigt wird.
α)
wir sâʒen unde wâben ...
schiere runn diu weppe von bluote.
Servatius 2884;
zu weben was ir arbeit gricht,
sie schosz ir schifflin durch das wep.
Wickram 7, 178 (Met. 4, 541) Bolte;
die webe wächst nur wo der faden wird geschlagen.
Rückert werke 8, 90;
die veden eines webis Wenzelbibel, richter 16, 12 (Mentel: des wefels); das webe das er hat geworcht Jes. 25, 7 (Mentel: das web, Zainer: den wepffen); yetz sol sy (die hausfrau) zuͦ den weppen gon (ad telam accedere) Österreicher Columella 2, 275, 19 Löffler; daʒ sie (Penelope) ieres mannes vor so lang noch warten möchte, als sie das wepp, das sie under handen hette, ... voll uszberaitet Steinhöwel de claris mul. 138, 18 Drescher; wir fanden sye flyszicklich weben ein wep Terenz deutsch (1499) 75ᵃ; der weber so er webet, so sicht man nichts von dem wepp das er machet, dann das er vor im hat auff den stülen Keisersberg spinnerin (1510) e 4ᵃ; zum andern sollen die zeug der wepp, des gemeinen härben und werchen garns, auch loden, anderhalbe ellen prait sein österr. weisth. 2, 28, 41 (Kufstein 17. jahrh.); webe, etwas so auf dem weberstuhl gewebet wird, a web Ludwig 2399.
β)
ein webe anzetteln, anfangen, wirken, ziehen, abschneiden, gern bildlich gebraucht: sü wolte in darzuͦ bringen, daʒ er bi frowen muͤste sitzen und weben. do enbot er ir widerumb: er wolte ir noch ein solich wöppe zetteln, das sü niemer geweben möhte die wile sü lebete Königshofen städtechron. 8, 387, 26; ein wepp anzettlen S. Franck sprichw. 1, 1ᵇ; wee den aigensinnigen, spricht der herr, die auszerhalb mein rathschlagen und ein wepp anzetlen, aber nit ausz meinem gaist trunkenheit (1531) Hᵃ; fahen ein news unnötigs wepp an, und haben das wepp oder den zettel der not noch nit abgweben, ja mer angericht weltbuch (1542) 145ᵃ; disz war das gifft (die worte der schlange an Adam und Eva), da wircket schon die hoffart ir erst gewirck und wepp Wickram 3, 159, 11 Bolte; Narses antwortet ja, er wolt ir ein wepp odder zettel underthuͦn, den sie nit solt auszwirken weil sie lebet S. Franck chron. Germ. (1538) 54ᵃ; wann das wepp des lebens itzt schon die Parce haben abgewircket lob der torheit 57 Götzinger; als er nun ernstlich gedacht ein anders leben an sich zunemen, hat er ... das übel angezöttelt wepp abgeschnitten Alber Ignatius Loiala (1591) 11;
so wird mein würcken und ihr schlüszen
ein webe zieh'n mit händ und füszen.
v. Lohenstein Arminius 1, 1128ᵇ.
γ)
es kann das wort auch auf die einzelnen theile des gewebes bezogen werden, so steht es in den frühnhd. glossaren nicht nur für 'tela' Diefenbach gl. 575ᵇ. nov. gl. 368ᵃ, sondern auch für 'licium' gl. 328ᵇ. nov. gl. 234ᵃ, die flügel, durch die der aufzug gezogen wird, das gereis, für 'stamen' gl. 550ᵇ. nov. gl. 347ᵃ, den aufzug oder die werfte, auch für 'substamen', einschlag gl. 561ᶜ. in Gottschee ist jetzt weppə der webstuhl selbst Tschinkel 256, ebenso wib in Bayreuth, Bayerns mundarten 2, 168.
b)
daneben stellt sich auch abstracte auffassung ein, namentlich nachdem das wort sich als fem. festgesetzt hat:
wie mag dein schönheits-garn denn sonder webe seyn?
v. Lohenstein Arminius 1, 1128ᵇ;
schnell durch spul' und haspel eilt,
schön geknäult,
drauf dein garn zur webe.
Voss 4, 140;
das leintuch ... war weisz, aber von grober webe Rosegger das buch von den kleinen 25. nach der webart unterschiedene sorte: worauff er (der zwirn) dann nach seiner qualität in gewisse strennen, weben und numeren sortirt ... wird Marperger beschreibung des hanffs u. flachs (1710) 46.
c)
ferner kann webe seit dem mhd. ein fertiges stück leinwand oder wollengewebe bezeichnen:
di reine frouwe ouch hatte
ein weppe lanc zu fromen wîʒ:
her ane si legte iren flîʒ,
wi si daʒ gesnide
unde da becleite mide
waʒ armer lude sturben.
heil. Elisabeth 3813;
dasz er einen groben unebenen faden hat mit durchschleichen lassen, wie man zuweilen in einem ausgeschossenen stücke leinwand die ganze webe hindurch laufen sieht Bode Tristram Schandi 6, 139. nfries. (in Sylt) web Möller 294 (davon ein adj. weben), (in Föhr und Amrum) wäb, n. 'ein dicker, rauher, eigengemachter wollstoff' Schmidt-Petersen 156ᵃ. besonders ist webe (wie engl. web) ein stück leinwand von einer bestimmten, im handel üblichen länge; für Schlesien gibt Marperger a. a. o. 79 eine länge von 40—50 ellen an, Jacobsson 4, 616ᵇ 42—72 ellen, Loritza 141 für Österreich 50—55 ellen, Heiden handwb. d. textilkunde 615 für Hamburg 72 ellen: 2 wewe (stücke leinwand) Waldecker chronik 356 (1546);
ich hab es ja vom weber selbst gehört ...
diesz webe hier ist vierzig thaler werth.
Stoppe Parnasz 146;
früh um drei uhr wird die leinwand auf den bleichplatz gelegt: schock an schock, stück an stück, webe an webe J. Zöllner briefe über Schlesien 2, 1793, 138; ja er prüfte sogar die weben, die allwöchentlich seine arbeiter ihm ablieferten E. Willkomm die familie Ammer 553; meine gnädige ... wird ihr zur entschädigung eine webe schwäbischer leinwand ... zutheilen Schilling 21, 161; sie hielt eine webe leinwand an das licht, prüfte die fäden und masz an einem stab die länge Freytag ahnen 1, 424; der weber legt das webe auf die wage G. Hauptmann die weber 6 (1. akt); da sie am tage vorher ihre webe zum kaufmann gebracht hatten, so war ein wenig gebrannter roggen und brot im hause Emanuel Quint 20.
d)
auch aus gewebtem stoff hergestellte gewänder; im ahd. steht es so in verbindungen für kostbare stoffe und daraus gefertigte kleider: rôtiʒ weppe 'coccinus', vêhiʒ weppe 'byssus' Graff 1, 646, namentlich das gemeingerm. gotaweppi 'sericum, purpura, byssus'. wenn in der neueren sprache webe für ein gewand steht, wird meist auf die entstehung bezug genommen: die grosze arbeit, die Christus uns zu gut übernommen und die fürtreffliche köstliche web, das edele königliche kleid, so er uns ersponnen Dannhawer catechismusmilch 2, 94;
als diese zarte webe (das leine hemd) von den nackten
und gläntzend weiszen gliedern fliegend fiel.
Pyra u. Lange 159 (32, 39) neudr.;
und wir fanden sie selbst ihr schönes geweb' auftrennend.
so vollendete sie, zwar ungern, aber genöthigt.
als sie den mantel nun zeigt', und die stattliche webe gewaschen
uns mit dem glanze der sonn' anschimmerte, oder des mondes ...
Voss Odyssee⁵ 24, 147.
rheinisch und ndl. findet es sich für 'band, gürtel':
eynen kyddel mit golde beslan sij anhatte
und gegurtet mit eime grunen syden weppe.
pilgerfahrt des träumenden mönchs 105 Bömer;
der sack (die pilgertasche) von gruͤner syden was
und an ein gruͤn weppe gehangen waʒ.
3261;
webbe, fland. fascia, taenia et cingulum, cinctus, cingulum textum Kilian 654ᵇ. jetzt vläm. ein von nonnen in Brügge getragener gürtel De Bo² 1185. im folgenden auf metallene beschläge des gürtels übertragen: hat min hausfrau ir rink und ortiser von irem weiszen durchzogen draitzgurdel verkauft und das wep versmelzn laiszen, wilches nit dan 21⁄2 loit silbers geben hat buch Weinsberg 2, 184 Höhlbaum.
3)
übertragene bedeutungen.
a)
auszer für gespinste der insekten (1) kommt webe zuweilen auch für 'wabe' vor: sie (die wespen) bereiten auch in solcher ihrer wohnung sonderliche weben (mella) Ryff thierbuch Alberti magni (1545) C c 5ᵇ; musz er (der bienenhalter) haben ein zeidelmesser, ... krumm gemacht wie ein winckelhacken, dasz man desto besser zwischen die weben könne kommen Becher hausvater (1714) 159; honigweben 163. Jacobsson 3, 284.
b)
früher auch für das netz der adern (wofür später gewebe 2 b ε): und am ersten achtest ze kommen zuͦ dem mesenterius, der nit anders ist dann ein web der aderen meseraicarum, die unzälich verwurtzelt seind von der portaderen der leber zuͦ den därmen Gersdorff wundartzney (1517) 9ᵇ; (die ader) spreyt sich ausz durch das netzlin oder wep der saugenden äderlin Ryff anatomi (1541) J 4ᵇ.
c)
wie gewebe (2 b δ) zuweilen für die atmosphäre:
ach lobe gott du reiner lufft,
du web gar zart gesponnen!
Spee trutznacht. 159.
d)
dem häufigen gebrauch von gewebe für abstractes (2 c) stehen nur seltene fälle gegenüber, wo webe anwendung findet, wobei meistens der boden der bildlichkeit nicht verlassen wird: wenn die natur das gewebe der zärtlichen empfindungen so gewebt hat, dasz einige fäden von liebe und verlangen mit durch das stück laufen, musz denn die ganze webe deswegen zerrissen werden, um sie heraus zu ziehen? Bode Yoricks empf. reise 2, 83; dasz (nach Darwins lehre) aus einem lebensfädchen sich der ganze weltknäuel aufzwirnt zur webe der schöpfung J. Paul museum 83; mithin wird die ausländerei, die unsern kronmantel mit einigen flitterpünktchen stickt, doch die inländische webe aus ältestem und neuestem (wort-)reichthum nicht erdrücken und bedecken vorsch. d. ästhet. 2, 200; nehmt die webe gottes ... seht nach — ob der faden gleich — ungleich — dünn — stark oder schwach, das ganze breit oder schmal ist Iffland theatr. werke 6, 254 (erinnerung 4, 6);
die weisen, welche länger
den faden ihres zweifels ziehn ...
gieb acht, es weht der kleinste wind
die webe weg, die sie gewoben!
Kl. Schmidt poet. briefe (1782) 169;
streute ewiger lenz dort nicht auf stiller flur
buntes leben umher? spann nicht der frieden dort
feste weben?
Novalis 1, 254 Minor;
doch wie die fäden (im leben) in einander greifen,
bricht doch, gedämpft durchs bunte farbengitter
hervor der grund der webe, dunkle trauer.
Rückert werke 2, 288.
4)
sprichwörtliches: an enden kent man die wepp oder nath S. Franck sprichw. 1, 15ᵇ; armuth ist wol ein böse webe weisz zu bleichen Winckler 2000 gute gedancken C 5ᵇ; unser leben ist eine webe, da der einschlag mühe ist C 9ᵇ; das beste webe wird zu haus gesponnen Wander 4, 1838; der webt ein gutes webe, der ein gutes kind aufzieht 4, 1839.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1919), Bd. XIII (1922), Sp. 2611, Z. 12.

webe, f.

webe, f.
abstractbildung zu weben 'hin und her bewegen'.
1)
weihgabe, opfer, eine bildung Luthers für hebr. tᵉnūphāh 'das hin und herschwingen' (zu weben III B 1 h; entsprechend engl. wave in waveloaf, waveoffering). er spricht sich darüber aus in der glosse zu 2. Mos. 35, 22 (es brachten aber beide man und weib ... allerley gülden gerete, dazu bracht jeder man gold zur webe dem herrn) und 24 (und wer silber und ertz hub, der brachts zur hebe dem herrn): ein opffer oder gabe zum gottesdienst heiszt darumb ein hebe oder hebopffer, dasz man es dem herren stracks emporhub. webe aber heiszt es, dasz mans hin und her zoch in vier örter gegen morgen, abend, mittag und mitternacht. das wort kommt in der bibel noch mehrfach vor, z. b.: die webe aber des ertzes war siebenzig centner 2. Mos. 38, 29; das fett an der brust sol er bringen, sampt der brust, das sie ein webe werde fur dem herrn 3. Mos. 7, 30; und gab das (fleisch und kuchen) alle sampt auff die hende Aaron und seiner söne, und webds zur webe fur dem herrn 8, 27. in der späteren litteratur nur selten von Luther übernommen: wer nicht gold, silber und edelgesteine vermag, der gebe seide, ziegenhaar, dachs- und widderfelle ... wer das thut der bringt auch seine hebe und webe zum heiligthumb Pomarius grosze postilla (1590) 3 vorr. () 2ᵇ.
2)
mit einmischung eines md. wêwe für wehe (s. th. 14, i, 68 f.) ist webe 'wehen des windes, wirbelwind; (concret) durch den wind zusammengeführter haufen'. so in windwebe Berndt sles. id. 159. Müller - Fraureuth 2, 647. Hertel 255 (auch bei Göthe 19, 288); schneewebe Crecelius 899 (th. 9, 1242 aus Rückert belegt); sandwebe (th. 8, 1774 aus Göthe belegt).
3)
ein anderes wort, auf mhd. (md.) wêwe zurückgehend (th. 14, i, 9), aber wol mit anlehnung an weben ist webe 'schmerzen, krankheit': die rothe weben, die rothe ruhr Schröer mda. des ung. berglandes (nach einer sammlung von 1803). mit dialectischem î für ê pl. wiben: wie kläglich winselt er in seinen wiben, da er blut schwitzet im ölgarten Herberger hertzpostilla (1613) 1, 435. 'geburtswehen': ihre kräfften sind weg, die wiben legen sich, die wehemütter wissen keinen rath trawrbinden (1621) 7, 285;
schönheit ist ein schwindend licht ...
sie gebiehrt nicht bey viel wieben
und erfriert bey glut und lieben.
v. Lohenstein Arminius 1, 1128ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1919), Bd. XIII (1922), Sp. 2615, Z. 53.

wiben

wiben,
pl., schmerzen, geburtswehen; vereinzelt bezeugte formvariante von weh(en), n., teil 14, 1, 1, sp. 38 (mit -b- für intervokalisches w, vgl. mnd. wewen; zum stammvokal vgl. widen [17. jh.] Wrede Köln 3, 283): wie kläglich winselt er in seinen wiben, da er blut schwitzet im oelgarten Herberger hertzpostilla (1613) 1, 435; jhre kräfften sind weg, die wiben legen sich, die wehemütter wissen keinen rath ders., trawrbinden (1621) 7, 285.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 808, Z. 12.

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„wiben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiben>.

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