Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gewichst, participiales adjectiv

gewichst, participiales adjectiv
zu wichsen (s. d.). von der ursprünglichen bedeutung des verbums wichsen ausgehend (vgl. wihsen, wächsen, cerare. vocab. von 1483; vgl. Lexer 3, 883) nimmt unsere form im gegensatz zu gewächst (s. sp. 4740) auch die sonderbedeutungen auf, die sich in wichse und wichsen herausgebildet haben; aus ihnen endlich entwickelt sich übertragener gebrauch.
1)
das particip in den verwendungen von gewächst; vgl. inceratus ... gewichszt Dasypodius F. 2ᵇ; gewichszt, inceratus Maaler 179ᶜ; gewichszt, gewächszt, ceratus Henisch 1599; ähnlich G. M. König 560ᵃ; Denzler 132ᵃ; Aler 936ᵃ; Kirsch 2, 151ᵇ; gewichst v. gewächst Rondeau 2, Uu 3ᵇ.
a)
so richtend mir zuͦ ainen sarch der wol gebicht und gewichset sie, dar in sie nit versinken müg: villicht wird sie bewaret vor den merfischen und komet ze land und wird nach künglichen eren bestatet. Appolonius v. Tiria 110 Schröder; gewichset, ceratus (... in tabellis ceratis ...) C. Seidel port. lat. ling. s. 75;
man schälete die linden
und schriebe, was man wolt', in die gewichsten rinden
mit grosser müh' und kost.
Fleming 125 Lappenberg;
wie er die damen ansichtig wird, fällt ihm der hut, und indem der gerettet werden soll, der stock; auf einem gewixsten fuszboden, wäre er wohl selbst hinten drein gefallen, mangel an gleichgewicht war hinlänglich da. Lichtenberg (vorschlag zu einem orbis pictus ...) verm. schr. 4, 155; gewichste flügel, federn, alae, pennae ceratae Aler 936ᵃ.
b)
(die juden) toten om (dem müller) funf kinder bermelichin und vingen ir blut inn gewichste secke und ander gefesze. Joh, Rothe düringische chron. (471) Liliencron s. 388; und das bewerte sü domitte, das sü ein gewihsset hemede ane det und domit ging in ein für und bleip unversert in dem füre. Königshofen Straszb. chron. (d. städtechron. 8, 414); gewichstes tuch, tela cera illata teutsch. lat. wörterbüchlein (1713) 101; sonsten hatte sich der könig in Franckreich gegen diesen ambassadeur sehr hart hierüber beschweret. dasz die Engl. etliche todte cörper in eine gewichsete leinwad zusammen gerollet. Prätorius zodiakus mercurialis (1667) 98; gewichste leinwand s. wachsleinwand Chomel 4, 1048; ich versetzte, er solle mir nur die erlaubnisz geben, so getraute ich mich bis hinaus auf die wiesen zu fliegen, wenn ich mir ein paar flügel von feiner gewichs'ter leinwand machen wollte. Göthe (Benvenuto Cellini 2, 11) 34, 327.
2)
das particip in den engeren verwendungen, die sich an wichse, wichsen entwickelt haben.
a)
gewichset oder gewächset oder geschmieret lederne schuhe, waxed leather-shoes teutsch-engl. wb. 2, 772 (da neben faden, leinwand ebendort nur die form gewächst angesetzt ist, ergiebt sich für gewichst aus dieser verbindung bereits ein bedeutungsunterschied gegen gewächst); und den anzug nach unten vollendeten ein paar schuhe von gewichstem kalbleder. Joh. Gottw. Müller Siegfried von Lindenberg 106; bei uns zu lande giebt's keinen noch so schäbigen lumpen, der nicht ... dasselbe lied von seinen adeligen vorfahren zu singen wisse, und noch mit seinem angebornen wappen das conto für gewichste stiefeln siegelte. Gaudy (aus dem tagebuche eines wandernden schneidergesellen) 1, 191 Müller; das knarren seiner wohlgewichsten stiefel sagte einstweilen, ehe es die ballgäste thaten: ei, da ist er ja! da ist er ja! Otto Ludwig (zwischen himmel u. erde) 1, 180; von einem derselben (der corridore) blickte ich in ein kleines gärtchen, wo ich Napoleon en migniature aufgestellt sah, mit gewichsten stiefeln und hütchen. Fr. Hebbel tagebücher (11. 5. 1844) 2, 398 Werner.
b)
an beiden ohren die schneidigen lockensechser hübsch glatt gewichst. Rosegger idyllen (zur weihnachtszeit); (der) durch ein krampfhaftes drehen des wohlgewichsten schnurrbarts ... innere bewegung verriet. Friedr. Halm (die marzipanliese) 4, 12 Schlossar.
3)
der übertragene gebrauch vgl. een gewikste vent Schuermans 155ᵃ; gewickst, knap, schrander, uitgeslapen J. Winkler fries. wb. 1, 455ᵃ; gewixt, er ist ein gewixter, quem usus erudivit; scitus; fallaciarum artifex; doctus. G. Th. Serz teutsche idiotismen 55ᵃ; gewickst, gewandt, 'n gewickster mensch C. Chr. L. Schmidt Westerwäld. idiot. s. 328 (erinnert an ofwickse, sich prächtig herausputzen, jemand aufs ohr hauen); gewixt und gewürfelt bedeuten beide fast einerlei: gewandt, versatilis, versutus W. F. H. Reinwald Henneberg. idiot. 2, 51 (stellt gewixt etymologisch zu fix und witz); er war, was man in Deutschland einen gewichsten jungen mann zu nennen pflegt, ein stutzer; er hatte blonde in die höhe strebende haare ... niedere stirne ... über dem mund hing ein stutzbärtchen, dessen enden hinaufgewirbelt waren ... seine kleidung wie seine sitten schien er von verschiedenen nationen entlehnt zu haben. W. Hauff memoiren des Satan 1. teil 18. cap.; geschniegelt und gewichst, vom wollenen zopfband und den gepuderten ohrlocken bis zur breiten kamaschenzunge auf den stumpfschuhen, hielten sich alle puppenartig steif, im damaligen stil der reichsarmee. Heinrich Koenig die clubisten in Mainz 1, 105; da hatten wir vor nicht langer zeit einen freiwilligen, der hiesz Laufer; er hatte was gelernt und hätte es vielleicht zum offizier bringen können, denn es war ein gewichster kerl, der einem was weis machen konnte; doch trieb er gar zu viel unsinn. Hackländer das soldatenleben im frieden, nach Kurz, gesch. d. litt. 4³, 753ᵃ; von dem früheren gewichsten, frischen und muntern wesen war wenig mehr bei ihm zu finden. J. Gotthelf Hans Ioggeli (volksschr. Zürich 1893); aus diesen belegen ergeben sich zweierlei richtungen des übertragenen gebrauchs: die eine zielt wie gerieben, gewürfelt u. a. auf das glatte, abgeschliffene, vgl. gewixt für fein, pfiffig Castelli 159; die andere zielt in anlehnung an geschniegelt und gebügelt auf das blanke, saubere, vgl. das studentische subst. wichs. beide richtungen lassen sich ungezwungen auf wichsen (mit wachs, wichse blank reiben) zurückführen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1907), Bd. IV,I,III (1911), Sp. 5708, Z. 47.

wichs, wichse, m., f.

wichs(e), m., f.
vom verbum wichsen (s. u.) leiten sich folgende, unabhängig voneinander entstandene rückbildungen her (I—IV).
I.
wichse, f., putzmittel für ledersachen, insbes. schuhe, das nach dem auftragen blank gewichst wird (zu wichsen 1); wichse, f., cirure Frisch nouc. dict. (1730) 668; Lind t.-schwed. (1749) 1811: nichts von jener romantischen vermischung unsrer tage, wo sohle, leder, klappen, falten, püschel, wichse, alles dazu beitragen musz, um mannigfaltigkeit ... hervorzubringen Tieck schr. (1828) 5, 581; sogar aschgraue stiefeln! woher er wohl die wichse bezieht? Grabbe w. 4, 53 Blumenthal; diesen (pinsel) tauchte der träger voll geistesgegenwart in die schwarze wichse, sprang mutig den vordersten feinden entgegen und bestrich blitzschnell ihre gesichter G. Keller ges. w. (1889) 5, 184; die geliebte aber ihn auf jene welt vertröstet, in welcher er nicht mehr nach wichse riechen wird Immermann w. 1, 28 Hempel; (die leibriemen) waren sorgfältig mit wichse, hartwachs und spiritus behandelt worden Renn adel im untergang (1947) 177.
II.
wichse, auch wichs, f., prügel (zu wichsen 2 a); vorwiegend umgangssprachlich und mundartlich (oft pluralisch): näher komme ich ihnen nicht. kommen sie, so giebt es wixe, und das aus pfeffer und salz Hermes Sophiens reise (1769) 2, 406; Guntel, mein seel, 's gibt wix! maler Müller w. (1811) 1, 244; ob nun ein schaden oder keiner entstanden, so erhielt ich wix von der frau J. Gotthelf ges. schr. (1855) 1, 70; er wartete noch auf die richtigen wichse — da hörte er, dasz er sie schon habe, und erhielt den befehl, sich zu setzen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 5, 25. im wortspiel mit I: wenn des soldaten wäsche nicht immer weisz ist, seine schuhe nicht immer glänzend gewichst sind, so bekommt er die wichse mit dem stocke Wagner Kaukasus (1850) 2, 58. mundartl. allgemein üblich, vgl. u. a. Mensing schlesw.-holst. 5, 616; Brendicke Berlin 193ᵃ; Crecelius Oberhessen 911; Fischer schwäb. 6, 749. beachte: wichs, m., schlag, streich, wichse, f. züchtigung Lexer Kärnten 257.
III.
wichs, m., (f.), in der studentensprache: 'putz, staat'; dann auch umgangssprachlich für 'festgewand, bester anzug': en wix sehr geputzt Kindleben stud.-lex. (1781) 217; kommen sie, wenn sie im wichs sind, man ... wartet ... auf uns, wir sind gemeldet W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 72; die meisten ritten ... in dem damaligen sogenannten 'wichs', d. h. in buntfarbigen, schnürebesetzten colletten, weisz gekollerten lederbeinkleidern, kanonenstiefeln, stürmer auf dem haupte Immermann w. 18, 139 Hempel; erst jetzt sah ich, dass er in seiner schwarzen sonntagskleidung vor mir stand. du bist ja in vollem wichs, fragte ich Storm s. w. (1899) 2, 130; ein senior als fahnenträger mit kanonen und prallen lederhosen und im sammetrock, ganz 'in voller wichs' Nordmann meine sonntage (1880) 237. auch mundartl. als fem.: in schwarzer wichs Fischer schwäb. 6, 749. in festen wendungen, sich in wichs werfen, setzen u. dgl.:
abends ruht der hobel, dann mache ich mich nobel,
werfe mich in wichs
Erlach volkslieder d. Deutschen (1834) 5, 604;
er hatte sich mächtig in wichs geworfen H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 181; entsprechend Albrecht Leipzig 236ᵇ; luxemb. ma. 489; sich in wichs schmeiszen sich schmücken Brendicke Berlin 193ᵃ; Mensing schlesw.-holst. 5, 616.
IV.
wichs(e), m., f., das auftischen, freihalten im gasthaus (zu wichsen 2 d): sie gaben dem architektenverein und etwa fünf oder sechs Schweizern im englischen café einen tüchtigen wichs, wobei es ungeheuer lärmend zuging (1841) G. Keller br. u. tageb. 2, 56 Ermatinger; die ganze wichs bezahlen (1859) in: zs. f. dt. wortf. 12, 293; wichse, f., freitrunk Fischer schwäb. 6, 749.
V.
wichse, f., übertragen von I in redensarten allgemein für 'sache':
wanns innre nicht alt wird — das äussre nutzt nix —
das sagt euch ein simpler — ich kenn schon die wix
Meisl theatral. quodlibet (1820) 1, 231;
z'letzt fragt er'n maler. — ah, 's is nix,
schreit der und z'reiszt die ganze wix
Karl Stieler ged. 1, 27 Reclam;
det is allens eene wichse alles gleich Brendicke Berlin 193ᵃ; ähnlich Vilmar-Pfister hess. 335; Martin-Lienhart elsäss. 2, 786; Fischer schwäb. 6, 749.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 809, Z. 41.

wichsen, vb.

wichsen, vb.,
'mit wachs bestreichen', auch 'blank machen, putzen'; 'prügeln'. jüngere lautvariante von wächsen, vb. (ahd. wahsen), s. teil 13, sp. 126, die sich im gegensatz zu schwirmen (zu schwärmen) und wirmen (zu wärmen) in der schriftsprache seit dem 18. jh. durchgesetzt hat. zum nebeneinander beider formen vgl. wächsen a. a. o.; zum übergang des aus a umgelauteten e in i s. noch Wilmanns dt. gramm. 1, 2, 286; H. Paul dt. gramm. 1, 195; fernerhin vgl. auch trichter teil 11, 1, 2, sp. 423. die annahme eines alten ablautverhältnisses zu wächsen (Kluge-Götze ¹⁷858) scheitert an dem späten auftauchen von wichsen. frühe lexikalische nachweise: wichsen cerare, voc. theut. (1482) oo 1ᵇ; gemma gemm. Straszb. (1508) e 1ᵃ; Frisius (1556) 210ᵇ; Corvinus fons lat. (1646) 179.
1)
mit wachs (oder wachsähnl. stoffen) bestreichen, einschmieren (s. auch abwichsen, verwichsen, gewichst).
a)
von gewebten stoffen, behältern u. dgl. (meist um sie undurchlässig zu machen): vyngen yr blut ynn gewichste secke Joh. Rothe dür. chron. 388; das bewerte sü domitte, das sü ein gewihsset hemede ane det und domit ging in ein für und bleib unversert (Straszb., anf. 15. jh.) städtechron. 8, 414; mit grossen langen flechten, hohen winleitern und gewichsten plahen zehen wägen, das die zu Stuttgarten sien ... gerichtet brot zu laden und damit zu faren (um 1459) urk.-buch d. st. Stuttgart 232 Rapp; solche salben soll man streichen auff ein reins tuch, so mit newem vngenuͤtztem wachs wol gewichset sey Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 293; kehr jhn (den faden) vmb, vnd wix jhn innen wohl Fronsperger kriegsb. 1 (1573) 142ᵃ; ein bösz weib ist ... ein gewixter wettermantel, in dem das wasser der ermahnung nicht eingehet Abraham a s. Clara Judas (1687) 1, 17; von guter gewichster grüner leinwand Döbel jägerpractica (1754) 2, 51.
b)
von fäden, seilen u. dgl. (um sie geschmeidig und haltbar zu machen):
den wichst er (der schuster) im ain zwiren —
den spinet man aus hanff und flachs —
mit ainem wachs
Hans Sachs fabeln 3, 3 Götze-Drescher;
die (schnur) musz wol gewixt oder gebicht sein Speckle archit. v. vestungen (1589) 5ᵇ; auch das stricklein starck umwunden, mit gewichsten faden (ca. 1660) fischbüchlein 162; haar ... steif wie ein gewichster zwirnsfaden Ludwig ges. schr. (1891) 2, 332; mein gutes weib hatte ein stück von einer wachsfackel ... in der tasche und pflegte, wenn sie nähte, ihren zwirn damit zu wichsen Brentano ges. schr. (1852) 4, 244.
c)
(einschmieren und das aufgetragene) glätten, blank machen; der vorstellungsgehalt verschiebt sich meist vom auftragen des putzmittels u. dgl. auf die bewegung des glättens, putzens bzw. auf das ergebnis der handlung. insbesondere von schuhen: nicht jeder schön gewichste, sondern jeder wohlgemachte schuh zeigt die hübsche bildung eines fusses Bode Montaigne (1793) 2, 208; als ein junger zweig des ... geschlechtes mit gewichsten stiefeln von universitäten zurückkehrte, ward im väterlichen hause ein ... bettag angeordnet Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 5; in unserm hause ist die ältere von den zwo zimmermannstöchtern an der wassersucht gestorben, die röck abgeneht haben und deren bruder dem Wolfgang und den edlknaben die stiefel gewixt hat (1778) L. Mozart in: br. W. A. Mozarts 4, 13 Schied.; da darf man doch seinen gewichsten stiefel anziehen Jean Paul w. 7/10, 232 Hempel; wenn des abends beim appell der hauptmann ... aus dem kasino kam, um für stiefel, die nicht geschmiert, sondern gewichst waren, mittelarrest zu verhängen: an Diederich fand er nichts auszusetzen H. Mann d. untertan (1949) 52. von hölzernen gegenständen:
man schälete die linden
und schriebe, was man wolt', in die gewichsten rinden
mit groszer müh und kost
Fleming dt. ged. 1, 125 lit. ver.;
in jenen milden septembertagen sahen nachbarn einmal eine blankgewichste, hochräderige bauernchaise ... vor das schusterhaus fahren O. M. Graf unruhe (1948) 355. weiterhin: wichsen holzarbeiten mit wachspolitur versehen Bucher kunstgew. (1884) 438ᵇ; bohnen, in Süddeutschland wichsen, besteht in einem tränken ... von holzteilen ... mit wachs und glänzendreiben ... mittelst bürsten Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 2, 597; wärs vielleicht netter, wenn mir ... die kinder, wenn sie umkugeln, die g'wichsten böden ruinierten Nestroy ges. w. (1890) 4, 64. ohne nähere bestimmung:
juheissa! jetzt krieg'n wir ein frau bald ins haus,
drum heisst es recht wichsen und fegen
Bäuerle kom. theater (1820) 6, 3.
gelegentlich in freier verwendung, 'blank, geglättet': wenn ich von diesem männchen ... mit ... dem glatt gewichsten gesichte ... las H. Laube ges. schr. (1875) 8, 34; was sind das für sonderbare parketten, über die es (d. eichkätzchen) hinfliegt ... vom morgenthau gewichst und geglättet Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 262.
d)
in ähnlichem sinne den bart wichsen (s. auch aufwichsen):
schon stand der grenadier und wixte seinen bart
Zachariä poet. schr. (1763) 2, 105;
o wie verzerrst du den mund, nicht den panduren zu küssen,
der seinen zottigten knebelbart wixt
Löwen schr. (1765) 2, 68;
wie er sich aber seinen staubigen bart wusch, und dann mit der schuhbürste wichste Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 54; der kohlschwarz gewichste schnurrbart Th. Storm s. w. (1899) 6, 225.
2)
abgeleitete bedeutungen.
a)
prügeln (im anschlusz an 1 c), vorwiegend umgangssprachlich ('gehört nur dem gemeinen leben an' Weigand synon. 3, 1086), s. auch durchwichsen: der schlingel, der seine schuldigkeit unterliesz, wurde gewichset Lessing die mätresse 45 lit.-denkm.;
sonst wird die mutter, stets bereit,
mich wichsen nach der schwerlichkeit
Hertzberg Till Eulenspiegel (1779) 2, 7;
bist'n halber kerl nur; ich will dich wixen, sollst nicht so abgewixt seyn in dein'n ganzen leben Bode Thomas Jones (1786) 2, 463;
er wixt halt, was er wixen kann,
schlagt alles krumm und lahm
Hafner ges. lustsp. (1812) 2, 78;
ich muss es nachholen, dass es unter allen uebeln für erziehung und für kinder, wogegen das verschrieene buchstabiren und wixen golden ist ... keinen mehr zehrenden pädagogischen bandwurm giebt als eine hausfranzösin Jean Paul w. 1, 45 Hempel; die leute dort genieszen den ruf, etwas kurz angebunden im umgange zu sein und als prima und ultima ratio das 'wichsen', vulgo prügeln zu beobachten Scheicher erlebn. (1907) 134; groszvater, ich hab heute mein braunes hösle an, auf das mich der vater neulich gewichst hat Finckh Rapunzel (1910) 22. mundartl. allgemein verbreitet, vgl. Mensing schlesw.-holst. 5, 616; Crecelius oberhess. 911; Fischer schwäb. 6, 750; Schatz Tirol 703. unbestimmter:
auch weil alle übrigen socii rixä
verdient hätten, das fiscus sie brav wixe,
so hätte auch jeder von ihnen den lohn
erhalten, nach gehöriger proportion
Kortüm Jobsiade (1799) 208.
b)
tadeln, schelten:
im fall, es gienge noch und würde nur belacht,
weil alles brüder sind, die öfters mit bedacht
und sonder eigensinn einander freundlich wicksen,
denn keinem schadet doch ein scherz von jungen füchsen
J. Chr. Günther s. w. 3, 134 Krämer;
halts maul, du loser kiel, sonst werden sie (die jungfern) dich wicksen.
ebda 6, 79,
c)
gewichst 'durchtrieben, abgefeimt' (vgl. teil 4, 1, 3, sp. 5709): denn wer diesen gewichsten gauner betrügen wolle, sei hinterher gewisz selber betrogen P. Dörfler tör. jungfrau (1930) 250. nicht abwertend: flott, aufgeweckt, flink, schnell bei der hand, willig, bereit Martin-Lienhart elsäss. 2, 786.
d)
spendieren, auftischen, freihalten; wichsen bezahlen Vollmann burschikoses wb. 512: Curti sagt, er verreise künftigen dienstag nach hause und will deswegen noch einen commerce zusammenbringen, wird aber, im fall er nicht wichst, schwer halten, denn unter zehn Schweizern, die täglich im 'Wagner' kneipen, pumpen acht (1841) G. Keller br. u. tageb. 2, 51 Ermatinger; sie sind mein sekundant, nicht wahr? ich wichse ihnen deshalb eine kleine flasche Champagner Spindler s. w. n. folge (o. j.) 19, 59. mundartlich weit verbreitet (meist mit präfix: aufwichsen, s. auch Adelung 5, 197); de derns wichsen em banni up, he kreeg jeden middag, wat he gern mug Mensing schles.-holst. 3, 900; aufwichsen gästen etwas vorsetzen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 662; glänzend bewirten Hertel Thür. 257; Fischer schwäb. 6, 750; Schatz Tirol 703.
e)
lautnachahmend: wixte er wie eine eul, bellete wie ein hund Grimmelshausen Simpl. 194 Scholte; wichsen das winseln ... eines hundes Bühler Davos 1, 208.
3)
von wichs III, m. herzuleiten: sich putzen, seinen besten anzug anziehen Wegeler Coblenz 60; luxemb. ma. 489; gewichst ... in vollem wichs Delcourt argot allem. (1917) 174ᵇ. weiteres unter gewichst, teil 4, 1, 3, sp. 5709.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 810, Z. 60.

wichsen, adj.

wichsen, adj.,
'aus wachs', lautvariante von wächsen, adj. (teil 13, sp. 127), die im gegensatz zu wichsen, vb., aber nur in älterer sprache üblich ist: unstetlichte, wichsinne stöckel (1421) bei Palacky beitr. z. gesch. d. Hussitenkrieges 1, 151; do nam di frawe das wichszen bilde unnd hinge das ann iren arm Hedwiglegende (1504) B 2ᵇ; haben auch vil ... wichssene kertzen ratschlag (1525) 101ᵃ; do er ob nachmals das gehültze ... wegk geraumet, hat er darunter von mancherlei hauszrat, als bratspiese, flachs, hecheln, siebe, körbe, grosse stück zusammen gedrehete wixene liechte ... gefunden Rosenroth warhafftige newe zeittung (1536) B 2ᵇ; ich dencke das man noch mit eisern griffeln auff wixene tafeln geschrieben Mathesius Sarepta (1571) 103ᵇ; man hat in in einem meszgewandt begraben, und haben in ein wixen kelch auf die brust gesetzt zum gedechtniss Hüttel chron. d. st. Trautenau 43; einen guten punct ... in die wichsene schreibtaffel stechen Corvinus fons lat. (1646) 444;
da streiffet zu solchen (blumen) das feldheer der immen,
tauschet vor küssen den süssesten safft,
und ihn ins wüchsene königreich schafft
W. Scherffer geistl. u. weltl. ged. (1652) 144.
redensartlich (vgl. wächsen 4): welcher stilh geswigen hat ... in der pfarr glimpflich auf seiner seyten mit forcht bescheitlichen geprediget hat von der gewalt, alleine zu tzeiten der schrifft ein wichszene nasze gemacht (1522) bei O. Clemen reform. flugschr. (1906) 1, 78; die untrewen richter, die ... dem rechten eine wichssen nasen ansetzen Suevus spiegel d. menschl. lebens (1588) 28ᵇ. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 813, Z. 17.

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Zitationshilfe
„wichsen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wichsen>.

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