Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wieche, m., f.

wieche, m., f.,
faserbündel; docht, lunte; scharpie.
A.
herkunft und form.
1)
zwei formenstränge laufen im germ. nebeneinander her: spätahd., mhd. wieche; mnd. wêke, weike, m., f. [daraus entlehnt dän. væge, schwed. veke, norw. veik(e)]; mnl. wieke, f., 'scharpie, docht, flügel'; nnl. wiek, f. dass.; fries. wjuk(ke), wjûk, wjok 'flügel' (zur bedeutungsentwicklung vgl. Franck-v. Wijk etym. woordenb. ²792); ags. wēoce, f., 'docht' mit einem auf germ. eu zurückgehenden stammsilbenvokal und ahd. wicha, wich; mhd. wicke; engl. wick 'docht, scharpie'; norw. vik, f., vikk(e), f. 'garnfitze' mit i als stammsilbenvokal. beiden formenreihen liegt nach Lidén studien z. ai. u. vgl. sprachgesch. (1897) 26 ff. die idg. wurzel *u̯eg- 'weben, knüpfen; gewebe, gespinst' zugrunde, zu der sich auch aind. vāgurā͏́ 'fangstrick, netz, garn', lat. vēlum 'segel, hülle, tuch, vorhang', air. figim 'webe' u. a. stellen, wobei germ. *wik- aus *wek- deren hochstufe (zur erklärung dessoweit nicht j-bildungen vorliegenschwierigen i vermutet Walde-Pokorny 1, 247; Pokorny 1117 einmischung der idg. wurzel *u̯eik-, *u̯eig-) und germ. *weuk- wohl eine reduplikationsbildung * u̯e-u̯g- fortsetzt; als tiefstufe dazu vgl. wocken (teil 14, 2, sp. 964f.). aus praktischen gründen werden die beiden formenstränge, die streng genommen zu trennen wären, hier unter einem stichwort behandelt.
2)
die auf germ. *weuk- (˃ ahd. *weocha, as. *weoka) zurückgehende, im dt. nur im sinne von B 2 und B 3 verwendete form begegnet mit verschobener tenuis zufrühest in: licinia wieche (12. jh.) ahd. gl. 3, 409, 61 St.-S. (zu B 3), mit unverschobener zuerst bei dem Limburger Heinrich v. Veldeke (s. unter B 2). in frühnhd. zeit bis zum beginn des 17. jhs. ist wieche im sinne von B 2, 3 (s. dort die belege) die herrschende form in literarischen und lexikalischen quellen des westmd. und angrenzenden obd., insbesondere der Frankfurter und Straszburger drucke. in den Kölner drucken gilt frühnhd. ebenso wie im mnd. (s. Schiller-Lübben 5, 657) in beiden bedeutungen die unverschobene k-form: tenta wieke (Köln 1507) Diefenbach gl. 578ᵃ (zu B 3; s. unter B 2 die belege aus den städtechron.). dem verbreitungsgebiet der auf germ. *weuk- zurückgehenden form und der verteilung von verschobenem und unverschobenem k innerhalb dieses gebietes im frühnhd. entsprechen die verhältnisse in den heutigen maa.: im südlichen hessischen, im pfälzischen, lothringischen, elsässischen und westl. schwäbischen gilt verschobenes wieche (in der bedeutung B 2), dagegen im moselfränkischen, ripuarischen, niederfränkischen (ebenfalls in der bedeutung B 2) und westlichen hess. wie auch im nd. (in den bedeutungen B 2 und 3) die unverschobene form (zur erklärung der bei diesem wort weit südlich der maken/machen-linie verlaufenden verschiebungsgrenze vgl. Frings Germania Romana [1932] 211). die verbreitung der bedeutung B 3 nur in mundarten mit unverschobener tenuis erklärt die eigentümliche erscheinung, dasz diese bedeutung von der mitte des 17. jhs. an in hochsprachlichen quellen fast nur noch in der hd.-nd. mischform wieke erscheint.aus schematischer umsetzung von mnd. weike in hd. lautung ergaben sich wohl diphthongische formen wie: linamentum ein weiche Trochus prompt. (1517) N 5ᵇ; weiche 'scharpie' (Stralsund, mitte 18. jh.) pomm. jb. 11, 106, wobei die volksetymologische anlehnung an weich 'mollis' mitgespielt haben mag. im obd. entstand die gleiche form bei schematischer umsetzung von wieche aus einer mhd. î nicht diphthongierenden ma. in eine diphthongierende: licmen dochte o. weyche (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 234ᵃ; waichenn (pl. 'scharpie') Braunschweig chirurgia (Augsb. 1539) 19ᵇ (vorlage: wiechen Straszburg 1497).
3)
bei den fortsetzungen von germ. *wik- im dt. ist zwischen den auf eine wgerm. -k-form und den auf eine wgerm. -kk-form (gemination vor ja- oder jō-stamm) zurückgehenden belegen zu scheiden.
a)
die wgerm. -k-form, die zufrühest in: lvcvbrum wich (12. u. 13. jh.) ahd. gl. 3, 159, 31 St.-S.; licinus daht vel wicha (13. jh.) ebda 29 (aber -ch- kann in diesen hss. für -kk- stehen!) erscheint, tritt im dt. nur selten undwie A 2 — nur im sinne von B 2 und B 3 auf: wiht (anf. 16. jh.; -t nach docht) Augsburger rätselbuch in: zs. f. dt. altert. 3, 32 (zu B 2 a); wichen (Frankfurt 1493) bei K. Bücher berufe d. st. Frankfurt 23ᵃ (zu B 2 b); (Mainz 1525) d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 377 Franz (zu B 2 b); wiche Ryff thierb. Alberti Magni (1545) 32 (zu B 3); mundartl. vereinzelt im westmd.: viXən Lehnert stud. z. dialektgeogr. d. kr. Saarlouis 35; wiche, m. Askenasy Frankfurt 118 (zu B 2); wetterau. wiche, m. Weigand dt. wb. (1910) 2, 1259 (zu B 2, 3); mit unverschobener tenuis: we·k, f. Christa Trier 217 (zu B 2).
b)
die form mit geminiertem k erscheint als einzige in allen drei bedeutungszweigen. während für die bedeutung B 1 (wovon ²wickel abgeleitet ist, s. d.) frühnhd. belege selten sind und im sinne von B 2 ganz fehlen (s. jedoch unter wiechlein 2), ist B 3 bis ins 18. jh. reichlich bezeugt. mundartl. erscheint die form im sinne von B 1 z. b. im elsäss., schwäb., tirol., nordböhm., im sinne von B 2 nach dem material des DWA insbesondere im luxemb. und im westlichen hessischen, im sinne von B 3 im tirol., nordböhm. sowie bei Gieszen; sie ist landschaftlich also nicht so begrenzt wie A 2 und A 3 a.
4)
für die wortbedeutung B 1 (s. dort die belege) geben Hulsius u. Schottel mask. genus an, die mundartwbb. dagegen meist fem.; im sinne von B 2 (s. dort die belege) schiebt sich südliches mask., wie es frühnhd. in den Straszburger drucken gilt, gegen nördl. fem. vor wie es bei Heinrich v. Veldeke und frühnhd. in den Frankfurter drucken erscheint, so dasz heute, wie das material des Deutschen wortatlas zeigt, in den maa. mit verschobener tenuis (s. A 2, A 3 a) mask. vorherrscht, während sich das fem. auf die maa. mit unverschobener tenuis zurückgezogen hat. im sinne von B 3 (s. dort die belege) gelten frühnhd. und noch im 18. jh. ebenso wie im mnd. mask. u. fem. nebeneinander; allerdings verzeichnen die wbb. von Faber (1587) bis zu Adelung stets nur das fem.; dieses herrscht neben vereinzeltem mask. vorwiegend auch in den maa.
5)
alle unter A 2, A 3 a, b verzeichneten wortformen flektieren frühnhd. sowohl im mask. wie im fem. im allgemeinen schwach; dabei ist, besonders im elsäss., das -en der obliquen casus häufiger in den nom. sg. übergetreten: tenta ein wyechen gemma gemm. (Straszburg 1508) C 1ᵇ (zu B 3). daneben musz ursprünglich auch st. flexion gegolten haben, wovon der nom. sg. mask. ahd. wich (s. A 3 a) zeugt, während in frühnhd. formen wie lychimen ein wiech gemma gemm. (Hagenau 1510) o 5ᵇ ein -e des schw. nom. sg. apokopiert sein könnte. notwendig ist die annahme ursprünglich st. flexion bei der form A 3 b (s. d.), die einen ja- oder jō-stamm voraussetzt; vgl. den st. akk. sg. fem. wicke Paullini philos. feierabend (1700) 795 (zu B 3).
B.
bedeutung.
1)
faserbündel, insbesondere die zum abspinnen um den rocken gewickelte fasermenge (vgl. ²wickel 1 und wiechlein 1). schon im frühesten beleg (wie später mundartl.) bildlich vom haarschopf:
von irm (der hure) flachs hab ich ain wick.
er zoch in für, sprach: secht in da!
do was der zopff vor allter graw
erz. a. altdt. hss. 327 lit. ver.
nhd. nur vereinzelt lexikalisch und mundartlich bezeugt; sonst durch die ableitung ²wickel 1 verdrängt: wicke, wecke, lock m., vn floccon Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 408ᵇ; wikk, m., floccus Schottel haubtspr. (1663) 1443; wicke, f., in der hechelabtheilung der spinnfabriken eine handvoll werg, auch frosch genannt; rolle zusammengewickelten werges (wicke werg) Knothe Nordböhmen 542; wick, f., ineinanderhängende masse eines gespinstes, bes. von werg e wick wërg; übertr. unordentliches, verwickeltes haar, dicke haarsträhnen Martin-Lienhart elsäss. 2, 809; Fischer schwäb. 6, 752; wik, m. flachsbündel, wollbündel am spinnrad Schatz Tirol 705; d· Rosel sitzt bî dər wicke und spinnt was gîst was haͦst (Vorarlberg) d. dt. maa. 6, 117 Frommann.
2)
in der bedeutung 'docht' (a), zu der seit ca. 1400 'zündschnur, lunte' (b) tritt, bleibt das wort auf den westmd. sowie den angrenzenden obd. und nd. raum beschränkt (s. A 2, 3 sowie die genauen angaben zur heutigen verbreitung in den maa. unter B 2 a). die geographische begrenzung, die zersplitterung in verschiedene lautformen sowie — nach ansicht v. Bahders z. wortwahl in d. frühnhd. schriftspr. (1925) 59 f.vor allem das nebeneinander zweier (haupt) bedeutungen (B 2, 3) haben wieche 'docht, lunte' den eingang in die nhd. schriftsprache verwehrt. es ist dort wie synonymes obd.-südmd. zache (teil 15, sp. 10), zoche 2 (teil 16, sp. 14) von den stärkeren docht (s. dacht teil 2, sp. 668) und lunte (teil 6, sp. 1307) verdrängt worden.
a)
lampen-, auch kerzendocht (vgl. wiechlein 2 a): ahd. belege s. unter A 3 a;
dâ (in die lampe) was balsâmum in gedân
sô dûre end sô hêre,
dat et wal iemer mêre
brande ende gaf liecht
end enminnert iedoch niecht:
solîch was die wieke
die meisterde (schuf) ein krieke
Heinrich v. Veldeke Eneide 9521 Behaghel.
die wbb. des oben angegebenen sprachraums verzeichnen die wortbedeutung bis ins 18. jh.: licmen wiech (1440 md.) Diefenbach gl. 328ᵇ; cicindela zachen in der lampen vel wiech (15. jh.) ebda 117ᵇ; ellychnium ein dachte oder wiechen in der amplen Dasypodius dict. (1536) 59ᵇ; stupa ein wiech odder dacht, receptaculum, damit man die wiech herausz zeucht Alberus nov. dict. (1540) Kk 4ᵃ; dacht, wieche (Dortmund 1550) Schöpper synonyma 81ᵇ Schulte K.; papiro della candella, lucegnuolo wichen in der lampen oder kertzen Hulsius it.-t. (1618) 279; die wieche la mêche de chandelle, de lampe Schwan nouv. dict. 2 (1783) 1046ᵇ. auch die literarische bezeugung reicht vereinzelt bis ins 18. jh.: item scheitgin vur dat stuk in der amplen, da die weken in steent (1460/61, hospitalsrechn.) urkundl. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel 1, 147 Scheins; hie solt du machen siben wechen liehtes also lanc so du wellest. den ersten wechen solt du brennen in dez blickes ere, do unser frowe sant Maria sanctum Gabrielem ansach qu. v. 1461 bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 835; (laterne, in der) die flamme also zu dem wiechen ist getemperiert ... das sie nit uszdrinkt das öle Straszb. quelle von 1505 bei Schmidt Straszburg 117; die flamm durch den wiechen das öl oder fette an sich zeücht Ryff anatomi (1541) J 1ᵇ; man soll ausz alten truckenen leininen lumpen wiechen machen, inn zerlassen vnschlitt teuchen ... vnd anzünden Sebiz feldbau (1579) 611; weyche die vorige seyl darinn vnd lasz sie darnach widerumb trucken werden, so hastu die wiechen oder dacht Wallhausen kriegss-manual (1616) 153; ich weisz, dasz die liebe, wie alles andre, der gewalt der zeit unterworfen ist, dasz sie in ihrer flamme selbst ein art von dacht oder wike hat, wovon sie endlich geschwächt und verdunkelt wird Wieland ges. schr. II 3, 476 akad.; eine selbstgemachte lampe ersezte das versehen. es war eine baumwollene wicke, die in einem trinkglase ... auf einem stücke kork in oel schwamm R. Chandler, reisen in Klein-Asien (1776) 33. seitdem lebt die bedeutung nur noch in den maa., von den maa.-wbb. vereinzelt als 'kerzendocht', häufiger als 'lampendocht' oder einfach 'docht' bestimmt: wieche, m. Autenrieth pfälz. 151; Follmann Lothr. 540; Schön Saarbrücken ²229; Meisinger Rappenau 231; Martin-Lienhart elsäss. 2, 784; Fischer schwäb. 6, 807; wîke, wicke (im westl. Hessen, während im östl. Hessen nur dâcht gebräuchlich ist) Vilmar Kurhessen 454; wiek, f. Schmitz Eifel 233; weick, wieck, f. Schmidt Westerwald 325; week, f. Hönig Köln 200ᵃ; vī:kə Hasenclever Wermelskirchen 52; wēke brem.-nieders. wb. 5, 222; Böning Oldenburg 130; waike, wêke, f. Woeste-Nörr. westf. 314; 319; wëck Rovenhagen Aachen 160; luxemb. ma. 482; wick 486. das mundartl. verbreitungsgebiet von wieche (einschl. der nebenformen) 'docht (der lampe)' lag 1939 nach dem material des Deutschen wortatlas innerhalb einer linie, die etwa von folgenden orten gebildet wird: Dalheim, Jülich, Euskirchen, Bonn, Krefeld, Rheinbach, Gelsenkirchen, Lüdenscheid, Drolshagen, Hilchenbach, Berleburg, Kirchhain, Grünberg, Butzbach, Nastätten, Kaub a. Rhein, bad Kreuznach, Darmstadt, Höchst, Eberbach, Brackenheim, Baden-Baden, Offenburg, Herbolzheim, Markirch. auf eine ehemals weitere verbreitung weisen streuformen, die in dem gebiet, das mit den städten Wiesbaden, Mainz, Frankfurt, Aschaffenburg, Steinau sackartig in den oben beschriebenen raum einschneidet, ferner östlich von Offenburg bis Freudenstadt sowie um Colmar besonders dicht liegen.
b)
zündschnur, lunte (vgl. wiechlein 2 b): (die brandstifter) wisten wiecken de si gelacht hadten (Köln, um 1400) städtechron. 13, 59; mach hinden ein wiechen darein als lang du wilt, demnach sich der (mit pulver gefüllte) pfeil baldt oder langsam anzinden soll Fronsperger kriegsb. 2 (1573) 217ᵇ; darnach musz man ein dünne wiechen machen, die an gemeldtes pulver stosse de Bry archelei (1614) 92. s. a. die mnd. belege bei Schiller-Lübben 5, 657 f. mundartl. kaum bezeugt: wick, f., zündschnur luxemb. ma. 486.
3)
spitzer, gedrehter pfropfen oder bausch zur wundbehandlung, in neuerer zeit meist aus scharpie (s. auch gleichbedeutendes meiszel 3, teil 6, sp. 1984 und weiszel teil 14, 1, 1, sp. 1205); mit dem fortschreiten der medizinischen wissenschaft im 19. jh. auszer gebrauch gekommen. die bereits in den ahd. gl. einmal belegte bedeutung (s. A 2) ist vom 14. jh. an durchgehend bezeugt (vgl. die mnd. belege bei Schiller-Lübben 5, 657 sowie wiechen, vb. und wiechlein 3): tenta wieke (14./15. jh.) Diefenbach gl. 578ᵃ; malagma wycke (15. jh., md.) 344ᵃ; epithema ein wiech in der wunden gemma gemm. (Straszb. 1508) i 1ᵇ; turunda ... die wicken, so man in eine wunden dreet vnd leget, si zu reinigen vnd heilen Faber thes. (1587) 896ᵃ; tasta ... ein wieche Hulsius it.-t. (1618) 407ᵇ; pannus ... eine wiecke Corvinus fons lat. (1646) 621; wiek, f., terunda Schottel haubtspr. (1663) 1443; wicke ... bey den balbieren turunda Steinbach dt. wb. (1734) 2, 991; die weiche, nieders. wieke Adelung 5 (1786) 125:
so sal he (der arzt) sine wikin
machin nach der smikin (wunde).
ist die wunde schibelecht (rund),
he macke ir ire wike recht
(hs. d. 14. jhs.) md. schachbuch in: zs. f. dt. altert. 17, 313;
szo du in der wunden alsso gesucht hast (nach fremdkörpern), szo mache ein wicken ader meisselnn von reinem flachs ader hanff (1460) Heinrich v. Pfolspeundt bündth-ertznei 60 Haeser-M.; (wenn) die wund eng were, von not gebürt sich die wund witer vff zuͦ sniden oder vff zuͦ thuͦn vnd daz geschicht in zwen weg. einer, das du machest meysseln oder wiechen von encian (1497) H. Braunschweig chirurgia 27ᵇ Klein; eyn wiechen oder zäpflin im safft genetzt vnd den weibern in jre scham gethon, bewegt vnd bringt den weibern jre blum Bock kreutterb. (1539) 115ᵇ; jst sie (die wunde) gehauwen oder gestochen, so musz das waffen herausser unnd alsdann wiechen darein drehen theatrum diab. 2 (1588) 288ᵃ; welches (umbringen) alsdenn leichtlich geschehen köndte, wenn er jm, als der sich des nichts besorget, einen vergifften wicken oder meissel in den schaden stecken ... köndte G. Klee berümter leut leben (1589) 2, 87; ein loth grünspan und ein ey, dieses zur salben gemacht und mit einer wicken in den schaden gesteckt M. Böhme roszartzney (1618) 85; mit der weile härteten sich die leftzen der wunde so aus, dasz der bauer das offene loch mit weichen läplin, die man wicken nennet, ausfüllete Chr. Richter spect. hist. (1661) 115; andere nehmen die blätter, nässen sie an, machen wicken davon Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 94; der chirurgus machte mir alle tage einen wicken hinein (in die wunde) Laukhard leben u. schicksale (1791) 4, 438; aus einem deiner kopftücher machst du zwei grosze handvoll wieken (zur wundbehandlung) Kinkel erz. (1883) 447. vorwiegend ältere maa.-wbb. verzeichnen die bedeutung für das nördl. Hessen einschl. einiger angrenzender mundartgebiete, daneben auch für das nd., sonst nur vereinzelt: wieke, f., leinene fasel, die man in eine wunde legt, damit sie nicht vor der zeit heile Reinwald Henneberg 1, 195; Hofmann niederhess. 264; wîke, wicke Vilmar Kurhessen 454; weick, wieck, f. Schmidt Westerwald 325; weikᵉ, f. Bauer-Collitz Waldeck 112ᵇ; weke, f. Dähnert plattdt. 544ᵇ; wicke, f. Knothe Nordböhmen 542.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1493, Z. 29.

wicke1, m., f.

¹wicke, m., f.,
faserbündel; docht; scharpie. s. wieche.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 837, Z. 8.

wicke2

²wicke,
genus?, ein fischgarn: (zu den fischgarnen) gehören auch fischerreisch, fachfeimer, wycke Sebiz feldbau (1580) 563; es gehört auch zum fischfang ... fischerreuse, fachfeimer, wicke, fischergeren J. Feyerabendt jag- u. weydwerckb. (1582) 2, 67ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 837, Z. 10.

wicke3, f.

³wicke, f.,
pfeife, flöte: in dem kam ain fogler zwerchs wegs gegangen und loket mit dem pfyfflin und raiczet mit der wiken Steinhöwel Äsop 147 lit. ver.; diese stimm hat keine gewisse wort, bedeutet auch nichts, sondern ist gantz klein und hell, alsz wann man kleine pfeifflein, die von zweyen zusammen gefügten höltzlinen gemachet, brauchet, welche wir magatellos, das ist: wicken nennen: dann sie pfeyset (pfeift) H. Frölich offenbarung d. natur (1591) 584. hierzu auch?:
auch sah man zu der rechten seit
allerley vogel hien und wider,
so man ye möcht erdencken sider.
da hat sich einr geschlagen nider
mit einem keutzlin (als lockvogel), kloben (einer vorrichtung
zum vogelfangen), wicken,
dort fleng einr vogel mit den stricken
Wickram w. 4, 163 Bolte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 837, Z. 15.

wicke4, f.

⁴wicke, f.,

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vicia, die bekannte pflanze. mit zahlreichem anderen sach- und wortlehngut aus dem bereich des römischen acker- und gartenbaus dringt lat. vicia (woraus it. veccia, frz. vesce) früh, als v noch die geltung von w und c vor i noch k-aussprache hatte, ins westgerm. (Kluge-Mitzka etym. wb. d. dt. spr. ¹⁷858): ahd. wikcha, wicka; as. wicka; mhd., mnd., mnl. wicke (engl. vetch entstammt dem altnordfrz. veche). aus dem dt. sind dän. vikke, schwed. vicker (selten auch vicka) entlehnt. das genus ist durchweg das fem.; mundartl. begegnet vereinzelt das masc. Schmidt Straszburg 117. — der stammsilbenvokal ist mundartl., besonders im westmd., vielfach zu e gesenkt: wecken (1588) urkundl. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel 1, 164 Scheins; wëgge Crecelius oberhess. 911; wecke Hönig Köln 199; wekə Martin-Lienhart elsäss. 2, 809. — die frühe entlehnung des wortes wird dadurch bestätigt, dasz k noch an der westgerm. doppelung vor j teilnimmt. die entstandene geminata ist im obd. dann zur affrikata verschoben: vicia dicta ... vuicche (jō-stamm; 9. jh.) ahd. gl. 1, 591, 27 St.-S. mundartl.: wikxə Wanner Schaffhausen 132. — wicke flektiert ahd., mhd., frühnhd. im sg. sowohl stark: uiciam vuicha (seit dem 10. jh.) ahd. gl. 1, 606, 40 St.-S.; uitie uuichi (gen. sg. eines jô-stammes; 10./11. jh.) ebda 2, 722, 1; mit einer wicke Heinzelein v. Konstanz 2, 278 Pf.; wick (akk. sg.) Wickram w. 6, 296 Bolte wie schwach: uitie uuiccun (gen. sg.; 11. jh.) ahd. gl. 2, 699, 31 St.-S.; vmbe ein wicken Hugo v. Langenstein Martina 540 lit. ver.; wicken (akk. sg.) Wickram w. 4, 14 Bolte; Zimmer. chron. ²4, 216 Barack. vereinzelt ist -n in den nom. sg. gedrungen: ein halbe wicken Kirchhof wendunmuth 2, 204 lit. ver. seit dem 18. jh. flektiert der sg. nur noch stark. im pl. gilt seit alters her schwache flexion. wicke bezeichnet heute zahlreiche, der familie der schmetterlingsblütler angehörige pflanzen, insbes. die vielen arten der gattung vicia, daneben auch solche der gattungen abrus, apios, astragalus, cicer, coronilla, donia, galium, lathyrus, lonicera, lotus, ornithopus, onobrychis, tropaeolum (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 5, 618; d. gr. Brockhaus 20 [1935] 287), die in Deutschland je nach art als viehfutter, zur gründüngung oder als ziergewächs dienen. botanische art und verwendungszweck werden durch komposita wie bruch- (teil 2, sp. 414), dorn- (teil 2, sp. 1301), futter- (teil 4, 1, 1, sp. 1101), gift- (teil 4, 1, 4, sp. 7469), hecken- (teil 4, 2, sp. 748), heide- (teil 4, 2, sp. 809), honig- (teil 4, 2, sp. 1794), knollen- (teil 5, sp. 1468), korn- (teil 5, sp. 1832), linsen- (teil 6, sp. 1053), rosz- (teil 8, sp. 1278), saat- (teil 8, sp. 1586), skorpions- (teil 10, 1, sp. 1330), sumpf- (teil 10, 4, sp. 1104), vogel- (teil 12, 2, sp. 429), wald- (teil 13, sp. 1211), wasser- (teil 13, sp. 2551), winterwicke (teil 14, 2, sp. 487) sowie durch adjektivverbindungen wie französische, blaue, schwarze wicke unterschieden. weitere komposita und adjektivverbindungen führen Sanders wb. d. dt. spr. 2, 2 (1865) 1595 und d. gr. Brockhaus a. a. o. auf.
1)
im eigentlichen sinne. seit dem 9. jh. bezeugt (den ältesten beleg s. ob.): vicia uuicca (10. u. 11. jh.) ahd. gl. 1, 617, 26 St.-S; uuicka (11./12. jh.) ebda 4, 211, 1 (weitere ahd. zeugnisse bei Björkman in: zs. f. dt. wortf. 6, 197).
a)
die pflanze als ganzes: (tenuis fetus) viciae (tristisque lupini) uuichun vel uogalchrut (Vergil, Georgica 1, 75; 11. jh.) ahd. gl. 2, 626, 51 St.-S.;
dû (das streitrosz) maht des wesen sicher,
wicken, habern, kicher,
gersten unde lindez heu,
daz ich dich dâ bî wol gefreu,
ob wir wider ze Oransche komen
Wolfram v. Eschenbach Willehalm 59, 2 Lachmann;
von der wicken ... daz kraut und auch sein sâm ist ain pfärdfuoter, idoch fuoret ez diu pfärt niht wol, wan diu wick ist kalt und wintich. die pawläut sprechent, wenn man die wicken alsô grüen oben abschneid und man die grüenen stupfeln umbacker und lâz si erfaulen in dem acker, daz tung den acker auz der mâzen wol; lâz aber man die wicken dürr werden, sô derren sie den acker, ob man si wol zuo mist lâze werden dar inn und machen in unfruhtpaer Konrad v. Megenberg buch d. natur 424 Pf.; legumen, eruum syluestre wilde wicken oder vogelswicken Faber thes. (1587) 66ᵇ;
die bulerische wicke prangt,
wenn sie hat einen halm erlangt,
den sie darf brünstiglich umschlingen
Fleming dt. ged. 1, 258 lit. ver.;
(dasz in Ruszland) der fahrende bauer seine sichel nimmt und auf den feldern klee, wicken, hafer, so viel er für seine pferde bedarf, abschneidet E. M. Arndt w. 1, 123 R.-M. insbes. als ziergewächs: auf einem nelkenstock oder wicken, oder sonst einem blumenstock Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 222; er hatte nicht gewuszt, wie schön ein ganzer strausz gansblumen sein konnte, oder ein glas voll blaugrüner wicken Finckh Rapunzel (1910) 141. als unkraut:
der radten wuchs auch hoch empor
und dempffet das korn gantz und gar.
die distel, wicken und die lind,
der hagel, regen und der wind
wurffen das korn mit gwalt zuͦ thal
Wickram w. 7, 237 Bolte.
b)
der in der schote enthaltene erbsenähnliche same. beim sävorgang vielfach mit der vorstellung der aus dem samen entstehenden pflanze verknüpft: von erste sullen wir in daz halbteil allir lei fruchte gelden, uzgenomen eynen morgen wicken und vier mesten lynes zu sewene und nicht me (1356) hess. urkundenb. 2, 621 Wyss-Reimer; man sol auch um der schafe willen viel erbes und wicken säen, dann sie essen gerne die blätter darvon viehbüchlein (1667) 53; auff welche aecker man ... erbsen, haber und wicken ... seen ... könte Fleming vollk. teutscher jäger (1719) 57. sonst als reines korn: zu den brüchen. gib dem gebrochnen ein gantzes jar lang, alle tag viiii wicken, wie es die tauben essen Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 375; mache darnach kleine pillen draus, als wicken grosz fischbüchlein (ca. 1660) 48;
die feldmaus zittert zwar, erholt sich doch, und spricht:
ich scheide. fahre wohl! diesz leben dient mir nicht.
die höhl und jener wald soll mich, bey schlechten wicken,
in freyer sicherheit, mehr als die pracht, beglücken
Hagedorn poet. w. (1769) 1, 38;
die mittelclasse des volks (in Indien) vermengt das weitzenmehl mit erbsen, wicken und anderem korn Ritter erdkde (1822) 6, 1143.
2)
im vergleich, im bildlichen und übertragenen gebrauch etwas unnützes, wertloses, geringes, ein nichts.
a)
spätmhd. als ausdruck für etwas wertloses, geringes, ein nichts (wohl mit der vorstellung von 1 b) weit verbreitet:
der wald boum wurd veroeset (verwüstet)
mit tjostlîcher krefte,
ê ich iht aht ir (der feinde) ritterschefte
ald umb eine wick iht vorht
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 147 Singer;
mit ist reht als ein wicke
baidiu erbe und aigen
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 798 Regel.
daher wie bohne, kicher vom 13. jh. bis ins frühnhd. als bildliche verstärkung der negation viel gebraucht (vgl. J. Grimm dt. gramm. 3 [1831] 726f. und Zingerle in: sitzungsber. d. kais. akad. d. wiss., phil.-hist. cl. 39 [Wien 1862] 420f.):
ûf daz houbet (des lindwurms) daz er stach,
der sper in hundert stucken brach:
er erschrac niht ein wicke
(mitte d. 13. jhs.) Virginal in: dt. heldenb. 5, 117;
die frawen rant ich undervorcht (ohne furcht)
do an mit lieben blicken.
dez aht sie niht ein wicken
minneburg 1762 Pyritz;
(wenn auch alle irdischen instrumente ertönen würden,)
wer es zu schaczen nicht ein wick
gen eins eynigen engels stirn
Hans Folz meisterlieder 15, 34 Mayer;
böse ungezogene pauren ... gaben weder umb gebott noch verbott nit ein wicken Wickram w. 3, 66 lit. ver.;
wir puren geltend nit ein wicken
Eckstein rychstag in: kloster 8 (1847) 848 Scheible.
den sinn einer negation behält wicke auch bei fortfall der negativpartikel:
sie (die leute) kanten eine wicken
des fursten Ludewiges muͦt
d. leben d. hl. Elisabeth 1236 lit. ver.
b)
seit dem frühnhd. häufig im vergleich und bildlich (mit der vorstellung von 1 a oder 1 b) als gegenbegriff zu weizen etwas unnützes, schädliches (vgl. wicke als unkraut unter 1 a): das der feyndt sein wicken vnnd ratzen nit säe vnder den reynen weytzen L. Brunner concordantz (1530) vorr.; die angebohrne oder angewöhnte unart (eines menschen) lasse sich schwerer als die wicken aus dem weitzen ... ausrotten Lohenstein Arminius (1689) 2, 770ᵇ; (dasz auch kein geistlicher stand) eines vnkrauts befreyt, gleichwie ... kein waitzen ohne wicken, kein rosen ohne dörner Abr. a S. Clara Judas (1686) 1, 249.
c)
vereinzelt bildlich (mit der vorstellung von 1 b) als gegenbegriff zu perle etwas wertloses: das war noch eine perl unter den wicken anabaptisticum et enthus. pantheon (1702) 3, 42;
und niemand kaufe perlen mehr um wicken
Rückert ges. poet. w. (1867) 11, 511.
3)
die seit der mitte des 19. jhs. bezeugte redewendung in die wicken gehen 'sich davon machen, verloren gehen, untergehen' ist ähnlich wie in die binsen gehen anscheinend entstanden, indem in volkstümlicher redeweise verloren durch einen bildlichen, etwas geringwertiges bezeichnenden ausdruck (s. unter 2) ersetzt wurde (Weise in: zs. f. hd. maa. 3 [1902] 212 f. die wicke gilt allgemein als wertlos, nicht nur, wie es nach muttersprache 69 [1959] 233f. scheinen könnte, als streu). der ansicht, die redewendung leite sich aus der jägersprache, vom untertauchen des niederwildes in einem wickenfeld her, so dasz es sich dem auge des jägers und dem zugriff des hundes entzieht (so zs. f. dt. unterr. 7 [1893] 626; 13 [1899] 281), steht entgegen, dasz die wicken zur jagdzeit gewöhnlich bereits abgeerntet sind: wenn sie wind kriegen und uns durch einen andern ausgang ganz in die wicken gehen Edm. Höfer aus d. volk (1852) 300; der altangeerbte wohlstand der meisten hausbesitzer ging in die wicken Kügelgen jugenderinn. (³1871) 164; dr bräutigam is nahe ... aber de braut gieht drweil ei de wickn Gerhart Hauptmann Rose Bernd (1904) 30; nachher hiesz es, dasz Herculanum und Pompeji davon in die wicken gegangen sind H. Löns haidbilder (o. j.) 94. nach ausweis der mundartwbb. ist die redensart, z. t. in form und bedeutung leicht abweichend, im nd. und md. verbreitet, vgl. Schmoeckel-Blesken Soester börde 332; Mensing schlesw.-holst. 5, 617; Mi meckl. -vorpomm. 106; Frischbier pr. 2, 468; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 663; Hertel Thür. 257; Schön Saarbrücken ²228.
4)
zusammensetzungen mit wicke als erstem glied, die seit dem 13. jh. bezeugt sind (s. unten wickebohne bei Diefenbach), zeigen seit alters in der kompositionsfuge -en- (zufrühest wickenplat Heinrich v. Neustadt Apollonius 18125 Singer). daneben stehen bei einzelnen wörtern bis ins 19. jh., mundartl. auch noch später, formen ohne fugenvokal: wickfutter J. Sommer epatologia (1605) B 3ᵇ; Naumann vögel (1822) 6, 527; Damköhler Nordharz 227; wickhafer Thaer gesch. (1815) 184; wickstroh Adelung 4 (1801) 1519. vorherrschend ist diese bildungsweise bei wickbohne (s. unten). daneben tritt bei diesem wort vereinzelt der fugenvokal -e-: marsilium wikkebone (13. jh., nd.) Diefenbach gl. 350ᵃ sowie fugen-s auf: wicksbon Dasypodius dict. (1536) 458ᵃ. der bedeutung nach stellen sich die meisten zusammensetzungen zu 1 a:
wickenacker m.
Frisius dict. (1556) 1375ᵇ; Moser fabeln (1786) 218. —
wickenbau m.,
'anbau von wicken' allg. dt. bibl. 102 (1791) 482. —
wickenblüte f.
Ritter erdkde (1822) 14, 707. —
wickenfeld n.
Steinbach dt. wb. (1734) 1, 430; Brehm tierl. 5, 463 P.-L.
wickfutter wickenfutter n.:
wickfutter, 'welches eine vermischung von erbsen, wicken, gerste und hafer ist' allg. haush.-lex. (1749) 1, c 3ᵇ; wickenfutter Alberus nov. dict. (1540) tt 2ᵇ; Thaer grundzüge d. rat. landwirtsch. (1809) 4, 435; Schambach Göttingen 297ᵇ; 'im niedrigen ausdruck sagt man auch mache mir kein wickfutter richte keine verwirrung an' Voigtel wb. (1793) 3, 631ᵇ. —
wickengarbe f.
Joh. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 12. —
wickengemenge n.,
dass. wie wickfutter Diefenbach gl. 226ᵃ s. v. farrago; Clara Viebig d. schlaf. heer (1904) 2, 276. —
wickenheu n.
Schwerz prakt. ackerbau (1882) 475. —
wickenkorn n.,
dass. wie ⁴wicke 1 b: voc. theut. (Nürnberg 1482) oo 1ᵇ; Sprengel chemie f. landwirthe (1831) 2, 359. —
wickenkraut n.
Bock kreutterb. (1539) 2, 14ᵇ. —
wickensamen m.
Gesner erdgewächse (1542) 107; allg. haush.-lex. (1749) 3, 724. —
wickenschaub m.,
'wickengarbe' (1415) weist. 6, 103 J. Grimm.
wickenstroh n.
Heinrich v. Neustadt Apollonius 20 416 Singer (hier im sinne von 2 a); Hohberg georg. cur. (1682) 1, 134; wöckhschtraͤ Fischer Samland 98.
hieran schlieszen sich pflanzenbezeichnungen:
wickbohne f.
Gesner erdgewächse (1542) 55; Wieland Lucian 4 (1789) 157; Hennig pr. wb. (1785) 300 (eine pflanze der gattung lupinus); wickenbohne Perger namen d. pflanzen 1, 198 (phaseolus vulg. L.). —
wickengerste f.
Schwerz prakt. ackerbau (1882) 950. —
wickenklee m.
Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 645 (onobrychis viciaefolia Marzell 5, 619). —
wickenlinse f.
Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 89ᵃ (vicia ervilia Marzell a. a. o.). —
ferner tiernamen:
wickenlaus f.
Ph. L. St. Müller Linné 5 (1774) 1, 515 (pergandeida craccae [L.], eine blattlaus). —
wickenschabe f.
Campe 5 (1811) 698ᵇ (psyche viciella Schiffm., ein schmetterling). —
wickenstecher m.
Oken allg. naturgesch. 5 (1835) 1660 (apion craccae L.).
zu 1 b sind gebildet:
wickenbrei m.
Veit Weber holzschnitte (1793) 198. —
wickenbrot n.,
'brot, zu dessen mehle wickenmehl gemengt ist' Campe 5 (1811) 698ᵇ; Rohr hauszhaltungs-bibl. (1716) 210. —
wickenmehl n.
Gersdorff wundarzney (1517) 50ᵇ; Schwerz prakt. ackerbau (1882) 403. —
wickensieb n.,
'cribrum uiciarium ... das ist, wicken zereyteren dienlich' Frisius dict. (1556) 1375ᵇ; Fischer schwäb. 6, 754. —
wickenstein m.,
'eine art roggenstein oder tropfstein, dessen körner wie die wickenkörner sind' bergmänn. wb. (1778) 604 (vgl. rogenstein teil 8, sp. 1111).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 837, Z. 32.

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Zitationshilfe
„wicke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wicke>.

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