Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wit, m.

wit, m.,
im ahd. und mhd. auch n., 'wald, holz'. germanisches und keltisches wort: ahd. widu, witu, wito, m. und n.; mhd. wite, wit, m. und n.; mnd. wede, m.; mnl. wede, f.(?); ags. widu, wiodu, wudu, m., 'wald, baum, holz'; engl. wood; anord. viđr, m., 'wald, baum, holz'; norw. vid, dass., dän., schwed. ved, 'holz'. vorgerm. vidhu- in air. fid 'baum, wald, holz', cymr. gwydd, acorn. guiden, bret. gwez, gall. in Uiducasses. weitere anknüpfungen unsicher, vielleicht mit Bugge P. und B.-beitr. 21, 427 f. zur wurzel v(e)idh- 'trennen', die u. a. in lat. divido 'teile, trenne', vidua 'witwe', skr. vidhú 'vereinsamt', lit. vidùs 'inneres', vidurỹs 'mitte' vorliegt s. Walde-Pokorny 1, 314. dann wäre vidhu- 'trennender grenzwald', vgl. zur bedeutung an. mo̜rk 'wald' = got. u. s. w. marka 'grenze' und preusz. median 'wald', lit. mẽdis 'baum': got. midjis 'mitten', lat. medius, altsl. mežda 'mitte, grenze', die den wald als grenzgebiet zwischen zwei landschaften zeigen, s. Schrader-Nehring reallex. d. idg. altertumskde 1, 410. das alte wort ist (auch nach ausweis der heutigen flurnamen, s. u. 1) über den ganzen oberdeutschen süden und im nd. nordwesten (vgl. u. 1 sowie die ableitung uuidera in der Freckenhorster heberolle, s. u. witter) verbreitet nachzuweisen. im nd. und schwäb. hören die zeugnisse für das simplex im 16. jh. auf (vgl. Schiller-Lübben 5, 653, Fischer schwäb. 6, 902), im bair.-österr. ist es bis ins 17. jh. schriftsprachlich und heute noch mundartlich in der bedeutung 'brennholz, stabholz, reisholz' im gebrauch (s. Schmeller-Fr. bair. 2, 1054, Unger-Khull steir. 631ᵃ, Loritza id. Vienn. 143ᵃ). in zusammensetzungen, die schon im ahd. nicht selten sind (s. unter 1 und 2), in weiterer verbreitung und z. t. auch in längerer bezeugung faszbar, so im nd. (widdehagen, wedehamer, s. unten 4, und altnd. withewinde, mnd. wedewinde s. teil 14, 1, 67), md. (hess., fränk.), schwäb., schweiz. bis ins 15. und 16. jh. (s. u. bei 3 und 4 sowie unter withagen, -hau, -holz, -hund, -mark, -reite, -tag), im bair.-österr. bis zum 18. jh. (s. u. witschlegel) und in heutiger mundart (s. u. witholz, witnadeln); sonst mundartlich nur vereinzelte composita verzeichnet, z. b. withaməl im rip.-fränk., s. u. 4. über kranwit, krammet vgl. teil 5, 2042 ff.; zu langwit, s. u. 3. für sich stehen wiedehopf und wiede-, wittewall (sieh an alphabet. stelle). das inlautende -d- bleibt im nd. (wede, s. u. 1) und md. (hess. widemarke a. d. j. 1300 Vilmar 453), tritt aber auch im obd. auf (vgl. widan v. j. 1392 bei Fischer schwäb. 6, 902; granwiden v. j. 1429 bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1371; widehaken, -holz, -recht aus älterer sprache bei Unger-Khull steir. 632), bis in die heutige mundart: widaholz Schmeller-Fr. bair. 2, 1053; widawoks H. Micko Wadetstift im Böhmerwald 104. das hd. lautgesetzliche witu, wite ist in dieser form bis ins spätmhd. bezeugt, vgl. unter 2 die belege seit Otfried, wo im ahd. -d- erscheint, handelt es sich um entlehnungen: widubil ahd. gl. 1, 414, 17; 590, 42 u. anm. 28 aus ags. widubill, s. Leydecker über beziehungen zw. ahd. u. ags. glossen 46, 70; widewinda 3, 471, 24 u. ö. ist nd. oder stammt aus dem nd., im einzelnen sieh unter wehdwinde teil 14, 1, 67. — im obd. auch formen mit -tt-: den witte Hadloub s. unter 2; zu witte österr. weist. 6, 664 (1335); wittehowe (1311) Fischer schwäb. 6, 902, holzwitt (15. jh.) Schmeller-Fr. 2, 1054, in heutiger mundart: kranebitte Zingerle Lusern 39ᵃ; im nd. und md. entsprechen bildungen mit -dd- wie wyddehamer (s. u. 4) und widdehagen (s. u. withagen). — als geläufigste form erscheint seit dem mhd. wit, vgl. unter 2, kranwit teil 5, 2042, hofwit unten 4, sowie withau, -holz, -mark, -recht, -reite u. a., daneben wid, auch obd., vgl. unter 2 kuchenwid v. j. 1410, den wid (16. jh.) österr. weist. 9, 790, 33; 7, 781, 4 (16. jh.), kranwid voc. incip. teut. (1491) n 5ᵇ; chrambid (15. jh.) Diefenbach 312ᵇ, sowie widhund, widforderung, widrecht sp. 813, 812, 814; heute mundartlich als wit und wid verzeichnet: bair. pfiselwit s. unten 2, fränk.-rip. withaməl unten 4), bair.-österr. der wid, bachwid, brennwid, widnà'lⁿ (witnadeln) s. unter 1 u. 2, z. t. in derselben mundart nebeneinander, vgl. Unger-Khull steir. 631ᵃ, auch wit- neben wide- in wit-, wideholz, wit-, widehaken ebda 632; witt neben wit im obd.: zu witt österr. weist. 9, 318 (15. jh.), vgl. die schreibung wittreite und wittzins sp. 818 u. 899. im obd. auch die schreibung widt vgl. z. b. österr. weist. 1, 116 und unten die belege.das -i- wird, wie auch in wiedehopf und wiedewal (s. dort) in offener silbe früh gedehnt und von dort auf die geschlossene übertragen, vgl. wietholz, hess. 15. jh., wiedholz (österr. 1606) s. sp. 813, modern der wied bair. s. u. 2. vereinzelt gerundet: wüdt österr. weist. 9, 431 (1660) u. ö.wie in den anderen germanischen sprachen ist widu meistens m., vereinzelt im ahd. und mhd. auch n. (vgl.thaz witu Otfried 2, 9, 43; das langwitt weist. 3, 667). die flexion ist stark.
1)
in der ursprünglichen bedeutung 'wald, baum' häufiger noch im nordwestl. mnd. zu belegen: das recht uppe deme wede (holz zu schlagen) regeste v. j. 1428 ostfries. urkb. 345 Friedl.; bath de droste, dath se synen gn. mochten geuen de maste de vp deme wede (oldenburg. urk. v. j. 1528) Schiller-Lübben 5, 643; (drei bauernschaften) hebben den wede aver de twehundert jare in rousam gebruck gehadt (oldenburg. v. j. 1528) ebda 5, 644; wie ein flurname gebraucht: ansproke, de wy an dem Vreschen (friesischen) wede, id sy de Oster- offte Westerwede, gehat hebben (v. j. 1475) ostfries. urkb. 630 Friedl. in zusammensetzungen weiter und länger bezeugt; vgl. z. b. im altniederdt. und ahd. withe-, widewinde, ags. wuduwinde für hedera, caprifolium, sieh wehdwinde teil 14, 1, 67 (vgl. dazu synonymes baumwinde und waldwinde); poum-, walduuiteualcho herodius neben wiltfalcho ahd. gl. 3, 23, 14 (12. jh.); vom 13. bis 16. jh. erscheinen mit dieser bedeutung des ersten bestandteils withau, -hagen, -hund, -mark, -reite im fränk., hess., schweiz., österr., schwäb., sieh an alphabetischer stelle, in der heutigen mundart. vgl. witnadeln 'baumnadeln, tangeln' Schmeller-Fr. bair. 2, 1054; wīdawọks, f., jungholz, anflug H. Micko mundart v. Wadetstift im Böhmerwald 104. vgl. auch kranwit, wiedehopf (ahd. wituhopfo) sowie wiedewal. vor allem aber liegt diese bedeutung in zahlreichen flurnamen mit wit-, witt- vor. nach Förstemann-Jell. altdt. namenb. 2, 2, 1298 ff. sind sie vom 8. jh. an bezeugt (als simplex vom 10. jh.) und treten gehäuft für Sachsen und Friesland auf, vgl. auch Wittörp Mensing schlesw.-holst. 5, 554; Wit(t)hau, -berg, -bühel, -holz u. a. Fischer schwäb. 6, 902, und Withuson (in der gegend von Würzburg 10. jh.) nach Förstemann-Jell. 2, 1301.
2)
das geschlagene holz; gebräuchlich nur in der bedeutung 'brennholz', sowohl für die zerspaltenen kleinen scheite als auch das kleinholz, reisholz im walde, das als brennholz dient; seit dem ahd. häufig bes. im bair.-österr.: ilice (secta) eichinemo uvite (vom scheiterhaufen Didos Äneis 4, 505) ahd. gl. 2, 654 St.-S. (11. jh.);
thaz kind thaz druag thaz witu mit,   ioh er iz habeta furi niwiht,
er (Isaak) fon thes fater henti   tho thar dot wurti
Otfried 2, 9, 43;
si wurfen fûr unde witi,
daz was Alexanders site
(sie warfen griechisches feuer und brennende holzstücke
in die belagerte stadt)
Lamprecht Alexander 973 Kinzel;
do hiezen si wite beraiten
und den (sc. bachoven) sô vaste haizen (lies: aiten)
jüdel 132, 51 Hahn;
vgl. der bachwid (bàwid) 'holz zum heizen des backofens' Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 447; Castelli wb. d. ma. in Österreich 72;
sô spricht sî dan:   ach daz ich ie kan zuo dir!
jan haben wir   den witte noch daz smalz,
noch daz fleisch noch vische, pfeffer noch den wîn
Hadloub in: d. Schweizer minnes. 295 Bartsch,
vgl. kuchenwid, als vil er prennholz in sein kuechen bedarf (v. j. 1410) weist. 6, 108; der (sc. viurær) sol den wit hacken vnd daz viur chuͤntten (bair. 13. jh.) pfründenordnung d. klosters Geisenfeld 436 Wittmann; österreich. wid hacken Höfer 3, 289;
durch einen walt ...
der gebûre kloup dâ wit
Helmbrecht 1827;
der wit zu den sueden im Hallein (1454) Lori bair. bergrecht 39; vil guts dürres wits (1423) ebda 26; aus dem wald geholt, meist auf grund einer holzgerechtsame, vgl. witrecht: ez waz ein armer man in einem dorf, der gieng täglich in einen walt nach widt gesta Romanorum 128 Keller; es soll niemand ausserhalb der von Oberalm sich des perges brauchen oder nützen mit widt oder laub österr. weist. 1, 116 (17. jh.); weder stecken noch widt verkaufen ebda (17. jh.); so wohl auch 16 rinderweiden mit allen rechten ... an wunn, witt, wasser und weide (1566) Fischer schwäb. 6, 902; oft im gegensatz zum bauholz gestellt: holtz ze gezimerd zu witte und zuͤ zeuͤnen (1335) österr. weist. 6, 664; und schullen si auch holzen zu witt und zimmer noch des chlosterförsters raͤt (15. jh.) ebda 9, 318, 23 (15. jh.); 6, 319 (15./16. jh.). heute auch im bairisch-österreich. nur mundartlich bezeugt: wit, wid brennholzscheit, ofenscheit Unger-Khull steir. 631ᵇ; der wid reisholz, stabholz Loritza id. Vienn. (1847) 143ᵃ, eine burd wid, eine welle wid reiswelle, ein reisbund Höfer österr. 3, 289 (vgl. bereits eine burde wites [12. jh.] spec. eccles. 113 Kelle). in speziellerer bedeutungsfärbung: in dein ofen brennt freili grad wied und der spritzt und gibt koa rechte wärm, must schon mit prügeln bei dir einhoazen H. Reitzenbeck d. reiche bettler (1846) 2, 146, vgl. etwa widt 'grünes unausgetrocknetes brennholz' in e. Salzburg. forstidiot. bei Schmeller-Fr. bair. 2, 1053. — die bedeutung 'geschlagenes holz, brennholz' hat die meisten zusammensetzungen entwickelt, die z. t. bis heute in den mundarten lebendig sind (s. u.). im ahd. wird das lat. strues lignorum ('aufgeschichteter haufen brennholz, scheiterhaufen') wiedergegeben durch uuitufelah ahd. gl. 1, 280, 70 (9./10. jh.), uuituffina saccari ebda 1, 646, 70 (10./11. jh.);
in then alteri er nan (Isaak) legita,   so druhtin imo sageta,
thia liabun sêla sîna   ûfin thia uuituvina
Otfried 2, 9, 48
(vgl. ags. wudufin strues Bosworth-Toller 1278ᵃ, sowie mnd. vineholt aufgeschichtetes holz Schiller-Lübben 5, 255), strues uvitihuffo ahd. gl. 1, 646, 70 (11. jh.), vgl. withauff strues lignorum (v. j. 1412) bei Schmeller-Fr. bair. 2, 1054. vom 13. jh. an im bair.-österr., seltener auch im schwäb., schweiz., hess. eine anzahl von composita, die das geschlagene holz überhaupt meinen, vgl. witforderung, -hau, -holz, -recht, -stube, -tag, -zins an alphabet. stelle sowie witpfennig: (16 sol. den. qui dicuntur witpfenninge geldabgabe als ersatz einer naturalabgabe an holz [oder flechtreis?] [Zürich 1293] schweiz. id. 5, 1133), widtwerk 'brennholz' Schmeller-Fr. bair. 2, 1053, weiterhin ebda auch noch der brennwid 2, 1053, holzwitt (15. jh.) 1054, pfiselwit 'ofenholz' ebda und oben bair.-österr. backwid.
3)
in zusammensetzungen bezeichnet -wit auch den gefällten, langen baumstamm oder balken; so in dem masc. und neutrum langwit; für im walde geschlagenes langholz: welcher ... nit widtet, dem soll hernach desselben jahres zu widten nit mehr gestattet werden; und welches jahrs man langwid gewinnt ... (Tirol) österr. weist. 2, 20; für einen schlagbaum: die landötter (barriere) ... muss man ... dergestalt anhengen, wan man da durch raist und gibt im den schwung auf das langkhwitt, aldan solls von im selber zuefallen (oberbair.) weist. 3, 667. dazu stellt sich der bedeutung nach ein seit dem ahd. bis in die heutigen mundarten reich belegtes langwid (-wied, -wiede, -wit, -wiete, -wed, -we) für den langbaum des rüstwagens, der dessen vorder- und hintergestell verbindet, die deichsel, temo, longale; doch streitet gegen seine ursprüngliche ableitung von witu (so Lexer mhd. hwb. 1, 1820 und andere) das seit dem ahd. bis in die heutigen mundarten eindeutige und ausschlieszliche femininum und die gewöhnliche ältere und neuere schreibung mit -d-, gerade auch im obd., vgl. Schmeller-Fr. 2, 859, in den ahd. glossen überwiegend mit -d- und -th-, im einzelnen vgl. langwiede und wiede, f. zu dieser anwendung von wit auf gefällte lange baumstämme gehört auch eine alte platzbezeichnung: 'de locis onustariis Uuiteuendin in loco Hal' benennung eines holzumschlageplatzes, von 974 bis 1530 bei Schmeller-Fr. bair. 2, 1054 in mannigfacher umwandlung für Reichenhall und Regensburg nachgewiesen, vgl. hierzu städtechron. 15, 75 und verh. d. hist. ver. v. Oberpfalz u. Regensburg (1910) 27 ff. hierher auch widflosz, das aus einem bodemwid und dem überwid (den auf den floszboden geladenen stämmen) besteht Schmeller-Fr. a. a. o.; steir. withaken und widehaken zum herausfangen von holz aus der trift Unger-Khull 632ᵇ; bair. witemanger 'holzhändler' Gemeiner Regensburger chron. 1, 512 (v. j. 1320), in der heutigen mundart umgestaltet bei Schmeller-Fr. a. a. o.
4)
in zusammensetzungen auch als stoffbezeichnung gebraucht, vgl. withaməl 'schwerer hölzerner hammer, um damit auf eisen zu schlagen, z. b. beim holzspalten' Münch gramm. d. ripuar.-fränk. ma. (1904) 132, als wēi̯hāmer 'holzhammer' nördlich von Duisburg in Wrede dtsche dialektgeographie 8 (1915) 93; vgl. tudatus wedehamer (nd. v. j. 1420), wyddehamer (15. jh. md.) Diefenbach gl. 601ᵃ, witschlegel s. u. sp. 816, der edelwid 'bauholz' Salzburger bauordn. bei Schmeller-Fr. bair. 2, 1053, hofwit 'brenn- und bauholz, das ein hof (ein schlosz) braucht' beleg aus d. 17. jh. ebda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1939), Bd. XIV,II (1960), Sp. 808, Z. 43.

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Zitationshilfe
„wid“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wid>.

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