Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widderhorn, n.

widderhorn, n.,
das horn eines schafbockes, widders; widder-horn, n., corno di montone Kramer t.-ital. 2 (1702) 1341ᵇ; Campe 5 (1811) 699ᵃ: hörner in form der wider hörner Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 467; eine reise ... zu dem berühmten aus lauter ochsen- und widderhörnern gebauetem altare des Apollo Lohenstein Arminius (1689) 1, 271ᵃ; in Ober-Ägypten (wurde Jupiter) unter gestalt eines widders oder wenigstens mit widderhörnern vor der stirn verehrt Wieland Lucian 2 (1788) 430; der griff (d. schwertes) war ein widderhorn dt. volksbücher 1, 4 Simrock; eine münze von Tenus, auf einer seite den kopf eines helden mit widderhörnern, auf der andern eine traube enthaltend H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 2, 210. als bezeichnung für ein alttestamentliches, aus dem horn des widders verfertigtes posaunenhaftes blasinstrument: Abraham opfert einen wider ... ze gedaehtnuzz dieser sache pliesen die Juden in widerhorn bei Khull mhd. wb. 23; ist aber darumb ein widerhorn, gott zuerinnern des widers für Isaac geopffert S. Franck weltbuch (1542) 148ᵃ; das erste (blasinstrument) war das grosze widderhorn, und dieses ist es, was Luther durch posaune übersetzt hat Jung-Stilling s. schr. (1835) 3, 30; Jakob ... packte aus grimmiglich. wären Zürichs mauern noch gestanden, sie wären vor Jakobs donner eingefallen, wie zu Olims zeiten die mauern Jerichos vor den widderhörnern der priester J. Gotthelf ges. schr. (1855) 11, 95; das widderhorn die gewundene posaune, die bei den Hebräern die hauptrolle spielt Musiol katech. d. musikgesch. (1888) 14. übertragen auf verschiedene widderhornförmige dinge; so von den spitzen der schnabelschuhe: die widderhörnchen deiner ritterlichen schuhe hast du dir abgestoszen — ja, wie ich sehe, sogar die schuhe selbst verloren! C. F. Meyer d. heilige (1891) 148. vgl.: sie (die schuhspitzen) richten sich, sagt ein schriftsteller, wie schlangenschwänze oder skorpionen in die höhe oder winden sich wie widderhörner hin und her Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 6, 566. als bezeichnung verschiedener species von schnecken: marisa cornuarietis (L.); planorbis corneus L.; spirula perouii Lam. im befestigungswesen: widderhörner cornes de belier ..., die niedrigen streichplätze, die statt der grabenscheeren zur vertheidigung des grabens von dem herrn Belidos eingeführet worden Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 644ᵇ; Hoyer kriegsbaukunst 3, 253. in der baukunst: franz. corne du bélier, volute des ionischen capitäls Müller-Mothes archäol. wb. (1877) 985ᵇ; man lehret ferner von den 5. seulen, wie selbe mit ihren fussgestellen, leisten, vierungen, gurden, ringen, ... denen daraufruhenden zwerchbalken, zöpfen oder widderhörnern ... unterschieden werden Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 8, 437. auch: widderhörner die, um das abrutschen des seiles zu verhindern, um die peripherie eines seilrades hervorragenden gabeln Mothes ill. baulex. (1881) 4, 479. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 865, Z. 39.

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Zitationshilfe
„widderhorn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widderhorn>.

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