Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wittum2, n. und m.m. und f.

²wittum, n. und m.,m. und f.,

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'brautgabe; kirchengut'.
herkunft und form. ahd. widomo, widemo, widimo, m., mhd. wideme, m. und f., mnd. wedeme, m. und f., mnl. wedeme, f.; altsächs. wiđumlik, adj.: withumlika dotales Wadstein kl. as. sprachdenkm. 112, vgl. widamlihha dotales ahd. gl. 2, 653, 17. nur in der bed. 'brautgabe': altfries. wetma, witma; altengl. weotuma, wituma, wetma, m.; wittemo (5. jh.) leges Burg. in: mon. germ. hist. 3, 561; 562; 568. nur in der bed. 'kirchengut, pfarrgut': altfries. withume, wethem, f., germ. grundformen *weþumen-, *wetumen-, *weþumō und vielleicht auch ohne mittelvokal *wetmen-. der wechsel im dental beruht auf vorgerm. lautentwicklungen, vgl. die ähnlichen verhältnisse bei ahd. bodam, ags. botm, an. botn, gr. πυθμήν und πύνδαξ, s. Kluge zeitschr. f. vergl. sprachforschg. 26, 99; Joh. Schmidt kritik d. sonantentheorie 103, 114. hierher auch das vb. widmen. auszerhalb des germ. mit no-suffix (-no- wegen germ. -men- wohl aus -mno-): gr. ἕδνον brautgabe, altkirchenslav. věno dos (anders über dies Trautmann bsl. wb. 350); zu *u̯edh führen, heimführen, heiraten; ai. vadhú̄ braut, junge frau, s. Walde-Pokorny 1, 255 f. seit dem 15. und 16. jh. erscheinen neben dem alten widem formen mit ausl. b und, unter anlehnung an das suffix -tum, mit neuem u: widemb, widemp, widumb, widump, widum; schon i. j. 1405 wedendom (u. A 2); auch der dental wird verändert: widdumb, widdum, widtumb, wittumb, wittum, witthum. für die bedeutung 'kirchengut' setzen sich diese ausweichungen nicht durch, und das wort lebt bis heute in den mundarten in lautgesetzlich entwickelten formen. für die bedeutung 'brautgabe' erlischt dagegen die alte form widem im 16. jh. und seit dem 17. jh. wird unter anlehnung an witwe auf grund des sachlichen zusammenhanges (s. u. A 2 und 4) wittum, witthum die alleinherrschende form; vgl. auch ²witwentum; dieselbe anlehnung schon in altfries. witma (mit nicht lautlich zu erklärendem i, s. v. Helten altostfries. gramm. 8). bis ins 16. jh. sind die beziehungen zwischen den beiden bedeutungen gelegentlich eng (vgl. u. A 3, B 1); seit dem 17. jh. ist die trennung nach form und bedeutung so durchgehend, dasz man seitdem von zwei verschiedenen wörtern, widem 'kirchengut' und wittum 'witwenvermögen', sprechen kann. beide wörter sind heute archaismen; ob die immer noch reiche anwendung jeweils auf kenntnis alter quellen oder der mundart zurückgeht, ist nicht immer zu entscheiden.
bedeutung.
A.
vermögen, das der braut bei der eheschlieszung übergeben wird.
1)
diese bei den idg. verwandten, in der lex Burg. und im ganzen westgerm. vorliegende bedeutung ist im deutschen verhältnismäszig spät bezeugt. 'brautgabe, heiratsgut': dos, dotalicium quod datur puelle widemo, widimo, widime, widim ahd. gl. 4, 55, 10 (gl. Sal.); morgengabe, lipgedinge, wideme dos Konrad v. Heinrichau voc. 391ᵇ Gusinde; widem, widerlegung, widumb, leybzucht dos propter nuptias Schöpper syn. e 7ᶜ; widdem dos voc. inc. teut. ante lat. (1471) oo 1ᵃ. ursprünglich sowohl das vom brautvater als das vom bräutigam geschenkte vermögen: unde daz ih sament pegrife allen iro widemen (omnes dotes) demo fater gelichiu. tie sacha daz wib sament iro bringet zuo demo man, daz ist iro widemo Notker 1, 79 Piper; do begunde si zu weinene und och nid zu habene, daz ir swester baz gemannet hette dan ir brutegoume solde wesen. ir widem werde och vile richere dan allez daz ir vater mochte geleisten heil. regel 34 Priebsch;
daz man si wider sente
deme vader heim zu lande:
er hette is ummer schande
unde an eren ummer gnatz,
daz siner jungen dochter schatz,
ir wideme, ir cleinode
were also rechte snode,
den si zu lande hette bracht
leben d. hl. Elisabeth 1143 Rieger;
es sol och grave Emche unser tohter geben ze widemen und zuo ir lipgedinge dru tusent mark (1295) mon. Zoll. 2, 237; ob der herre van Wynsperg auf die van Lubeck etwas von seiner tochter wydeme weghen clagende unde furbrengende wurde (1446) Lübeck. urk.-buch 8, 407; übertragen: iz gescah in sinemo maheltage, do er imo selbemo mahelta (sibi coniunxit) mit demo widemen sines heiligen bluotes die ecclesiam Williram hohe lied 53, 15 Seemüller. bis in junge zeit so gebraucht: leibgedinge, leibzucht, wittum dotalitium, dotarium, donatio propter nuptias Stieler (1691) 319;
ich denk, es ist der hort,
denn Siegfried hat ihn von den Nibelungen,
als er sie zum geleit hieher entbot,
gleich mit herauf gebracht, und wie ich höre,
ist er zum witthum für Kriemhild bestimmt
Hebbel w. 4, 80 Werner;
nachdem man über aussteuer und witthum das nötigste festgesetzt hatte Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 474; die ehepacten des erbprinzen mit Ulrike Eleonore ... welcher der könig 50000 thaler als heirathsgut, der landgraf aber ebenso viel als gegenvermächtnisz und die herrschaft Schmalkalden zur versicherung der ganzen summe als leibgedinge und witthum aussetzte Fr. Bülau geheime geschichten (1855) 6, 225; zwen f. witumb ligen iren fg. auch ob, bis in die 20000 fl. (1608) württemberg. landtagsakten 2, 3, 60 Adam; nach dem klaren wortlaut der verträge unterlag es keinem zweifel, dasz der könig von Baiern ... das witthum zu zahlen hatte Treitschke dtsche gesch. im 19. jh. 3 (1897) 339.
2)
in der anwendung wird meistens ausgedrückt, dasz die schenkung der materiellen sicherstellung der frau, besonders für den fall ihrer verwitwung, dient, so dasz häufig die bedeutung 'frauenvermögen, witwenvermögen' heraustritt:
auch dachte nu die weise,
was ir zu widemen was gegeben,
daz sie da abe sulden leben,
ja daz sie da von zerte
unde ir gesinde nerte
leben d. hl. Elisabeth 1817 Rieger;
wie man den wiben den widemen machet, also sullen sie in besitzen keyserrecht 88 Endemann; wyszet, daz uns ... unsze lyve süster Margrethe ... had geclaget, wy daz gy er nemen er lyffzücht unde er cleinode wedder göt unde recht ... dez begern wyr unde bydden uch, daz gy derselben eren wedendom wedder gebet und daz gy er genommen habet (ca. 1405) privatbr. d. mittelalters 1, 22 Steinhausen; unde wy (Schonette von Nassau) schulten dar gensliken unbeworen mede sin ... unde unsem heren dat laten, de wile dat he levet, ungekrenget unser wedemen unde liftuht (v. j. 1404) braunschw.-lüneb. urk.-buch 9, 339 Sudendorf; solt sie nit mee nemmen oder haben dann abnutzung oder nieszung irer eesteur und des abgegangen mannes heiratgut, widdumb oder heimsteur, genannt donatio propter nuptias d. stat Worms reformation (1515) 83ᵇ; die romisch kay. mayt. (hat) von allen meinen rent, zins und gülten bisher gar nichts genossen, sondern dieselben, hoffentlich ohn ir mayt. wissen, sambt beraubung aller meiner varnus, meiner gemahel verweis, widem, morgengab und unserer nottürftiger alimenta verspilt, verpraszt und verpangetiert werden (v. j. 1548) G. Blarer 2, 102 Günter; verpfendt oder verschribt der betrieger ein ligend gut oder ewig gült, er verswygt aber wissentlich die vorzins oder ander beswärd, als siner oder sins wybs kinder wartung, verfangenschafft, morgengab, wydem oder schuld Fr. Riederer rhetorica (1493) l 6ᵃ; in besonderen rechtsverhältnissen: item was und wievil guts zway eemenschen ... gewinnendt ... so erbend dieselben kindt alles das guot halb ... ob fatter oder muotter vorhin lipding oder wydem gehept hett, bim selben sol es belieben, wie von alterhar ungefarlich (1515) weisth. 1, 204. in zusammenhang mit der sicherstellung der frau in junger zeit lebendig, als die formale anlehnung des wortes an witwe durchgeführt ist: sich bey den ehepakten etwas generös bezeigen. — wir thun alles, was möglich ist, alles was recht und herkommen mit sich bringen. — ich bescheide mich gern, dasz das witthum, das ihrer gnaden bey dieser gelegenheit garantiert werden soll ... Fr. W. Gotter ged. (1802) 3, 230; immer hatte er eine scheu davor gefühlt, auch dies runde capital in seine unternehmungen zu werfen, er betrachtete es als das wittum seiner gemahlin, als das erbtheil der tochter Gust. Freytag soll u. haben (1855) 1, 472; dasz die muhme Kathrina ihr gerettetes witthumb auf leibesrente angelegt ... habe Holtei erz. schr. 15, 96; jene familie war auf nichts geringeres aus, als die gräfin um ihr witthum zu bringen H. v. Chézy unvergessenes (1858) 2, 204; ihre kinder sind kirchlich echt, aber in ansehung des witthums und der erbfolge kommt ihnen weder landnoch stadtrecht zu statten J. Möser patriot. phant. (1820) 4, 119; so blieb sie denn in England, wo ihr Heinrich ein anständiges witthum bewilligte K. Fr. Becker weltgeschichte (1801) 7, 435.
3)
die schenkung besteht meistens in grundvermögen (vgl. B 1 und 2), und das grundstück kann selbst als widem, wittum bezeichnet werden: alsbald nun die sechs wochen der kündtbet ausz waren, und die begengnus, auch der dreiszigist ihres herrn seligen vergangen, ... wolt si zu Herrnzimbern, da sie zwen sitz het, nit mer bleiben, besonder zog von stund an hinüber geen Seedorf, das ir in widams weis verschriben zimmerische chron. ² 1, 168 Barack; und (was) also ains menschen libding ist, es si man oder weib, das sol er in eren han mit tach, mit gmach und mit allen dingen ..., es sol ouch dieselben widum nit angrifen, weder mit versetzen noch mit verkofen, alldieweil es sins aignen guotz ütz hät (15. jh. St. Gallen) weisth. 5, 198. der frau liegenschaften u. ä. zu widem geben, vgl. auch oben 1 u. 2: dise guot han ich geben ... miner elichen wirtin ze eime rehten widemen quelle v. j. 1288 bei Fischer schwäb. 6, 759; eyn kleyn steetgen ... was frauwe Margareten van Burgondien zo yerem wedum gegewen Arnold v. Harff pilgerfahrt 230 Groote; der hadde herzoch Karl van Burgondien zo irrem widdem gegeben ... die stat van Gelre städtechron. 14, 849 (Köln 1499); ähnlich:
für erwähnte mitgift sichr ich ihr
als wittum, falls sie länger lebt als ich,
was nur an länderein und höfen mein
Shakespeare 6, 227;
für euch seyd unbesorgt:
euch bleibt diesz Lüneburg mit zubehör,
ich weisz, es ist zum witthum euch verschrieben
E. Raupach dram. w. ernst. gatt. (1835) 6, 132.
hat ain hausfrawen genommen ... und hat sy auf die dörffer verwidmat ... ist von tod abgangen und ist die fraw in dem widmön beliben sitzen quelle v. j. 1484 bei Fischer schwäb. 6, 759; meine mutter ... lebt in ihrem witthum verschlossen in trübsinniger einsamkeit Musäus volksmährchen d. Deutschen 2, 27 Hempel; Gryphina ... förchtet, sie möchte vielleicht von ihrem widum und morgengaab durch den sighafften feind verstoszen werden H. Pantaleon mitnächt. völckeren hist. (1562) 1, 327; den wie er zugleich auch mein intendant ist, hatt er gleich nach Montargis in meinem wittumb gemust, umb mein holtz zu verkauffen Elisabeth Charlotte v. Orleans br. 2, 212 Holland; wenn ich an diesem abend meine augen schlösse, sie nimmer zu eröffnen, so wärst du meine wittwe Agnes, dir bliebe doch ein reiches witthum, die Altmark wäre dein A. v. Arnim w. 18, 74; auf dem reichstag erschien Anna ... mit den bittersten klagen ... ihr witthum Nelsungen sei zergangen Ranke s. w. (1867) 1, 146. — vereinzelt auf ein grundvermögen angewandt, dessen nutznieszung einem witwer nur bis zu seiner wiederverheiratung zusteht: er könnte mich noch nicht anerkennen, wehklagte er. er verlöre die hälfte seines vermögens. auf seinem witthum beruhet seine ganze kraft. mit der zweiten heirath würde er der sklave seiner kinder werden K. Gutzkow zaub. v. Rom 7, 240.
4)
die durchführung der form wittum geht hand in hand mit häufiger ausdrücklicher erwähnung der witwe, vgl. oben 2 (sp. 832); als bedeutung erscheint in jüngerer zeit auf grund der rechtsverhältnisse 'witwenvermögen, witwensitz, witweneinkommen': das wittum ist das ihr (der witwe) vermachte haus und gut zum leibgedinge Harsdörffer t. secret. (1656) 1, 549; eine witwe, so ihr gewisses wittum hat Stieler zeitungslust u. nutz (1697) 433; dasz auch ... die verwittibte edelfrauen, wann sie zur andern ehe schreiten, ihren einhabenden witthumb, gegen erstattung des eingebrachten ehegeldes, besserung und was dem anhängig, den lehnfolgen cediren und abtreten mecklenb. landesgrundges. erbvergl. (1755) beil. 25; um sich bei dem herzog zu bedancken, welcher nach geschehener copulation ein decret der braut übergeben liesze, nach welcher derselben, im fall ihr gemahl vor ihr sterben sollte, von der herzogl. rentcammer ein jährlicher wittum von 2000 fl. sollte bezahlet werden (v. j. 1769) v. Buwingshausen tagebuch 138 Ziegesar; dasz die wittwe durch eine ... verheurathung den witthum nicht verliere, läszt sich nicht behaupten allg. dtsche bibl. (1765) 16, 61; ein wittum bestellen costituire l'appanagio ò il dotalitio per una vedova Kramer 2 (1702) 1372ᶜ; der wittwensitz oder das wittum einer fürstlichen dame, wenn sie verwittibt Ludwig teutsch-engl. (1716) 2509; witthum heiszt das von dem ehemann für seine frau auf den wittwenfall bestimmte capital oder grundstück Voigt hwb. f. d. geschäftsführung (1807) 2, 568. — vereinzelt übertragen auf die geistige hinterlassenschaft des mannes: meine gattin würde ihr witthum an meiner that hinleben können, wenn auch das vaterland gegen sie undankbar wäre Stifter briefw. 3, 273.
B.
die materielle begabung einer kirche oder eines kirchlichen herrn von seiten der weltlichen herrschaft. diese bedeutung ist auszer im deutschen nur im nl. und fries. bezeugt, und die idg. verwandten erweisen die bed. A als älter; im ahd. ist jedoch die jüngere bed. früher bezeugt als die ältere. das nebeneinander dieser beiden bedeutungen für widem entspricht dem gleichen verhältnis bei lat. dos, s. du Cange 3, 186ᵃ und 187ᵃ, und dos wird das muster für widem gewesen sein.
1)
grundbesitz der kirche; vgl. A 3; auch da, wo es nicht ausdrücklich gesagt wird, darf vorausgesetzt werden, dasz es sich um solchen und keinen anderen besitz handelt: ut presbyteri rem ecclesiae in qua sunt constituti non vendant et nulli episcopo liceat rem (uuidomo) matricis ecclesiae usurpare (9. jh.) ahd. gl. 2, 149, 36;
der chunic an daz gerihte saz.
der bâbes claget im daz,
daz zehende unt wideme
wæren hin verlihene
von sînen vorvarn,
dannen er di sêle solte bewarn,
sîn pfruonde wære im genomen
kaiserchron. 14384 Schröder;
vgl.: könig Karl sasz zu gericht; der papst klagte ihm, dasz die zehenden, witthümer und pfründen von den fürsten genommen wären W. Grimm dtsche sagen (1891) 2, 78;
dâ stift er (der könig) ain bistuom ...
den widemen er wol beraite
mit maniger huobe braiter,
vil manich guot vorwerc
kaiserchron. 16198 Schröder;
noch schuof er (Karl) vor der heimvart,
daz ein gotes hûs gemachet wart
über den stein dô Ruolant verschiet.
do er daz mit widemen wol beriet
ze helfe sînem neven Ruolande
Stricker Karl 10964 Bartsch;
es kamen auch selbiger zeit an das thumbgestift Costentz die nachbenenten kirchen mit ihren zugehörigen filialen ... diese obbenenten pfarren mit ihrer zugehörd wurden genent eines bischoffs widem Stumpf Schweizer chron. (1606) 401ᵇ; alle (priester) so ir irrung erkennend, soll man nüt lassen entgelten, sunder si im frid sterben lassen, und demnach die widem christlich verordnen Zwingli dtsche schr. 1, 157; ain acker, so wimb zum pfarrhof ist qu. v. 1782 bei Schmeller-Fr. bair. 2, 859; (ein berg ist) ein wydum oder gemeinmärk, darin mag männiglich holz hauen, wie viel es jedem geliebt qu. v. 1618 bei Fischer schwäb. 6, 3412. das widem wird der kirche verliehen: wir der brobst und die korherren ... veriehen, ... daz wir ... gelühen haben zuͦ ainem stäten lehen die widem der kilchen (1352) fürstenberg. urk.-buch 5, 444; umme dy wedeme und daz gut, daz (sie) ... zu deme altare gegeben hant (1344) hess. urk.-buch 2, 534 Wyss; die aker, die da gaben und widem warent der kilchen des Paradis Stretl. chron. 1, 37 Bächtold; (der fürst) Künigunden ... verursacht, ... ein kirchen ... mit nothtürftigen und ehrlichem widem und begabung ewiger rendt und jargüldt zuͦ bauen J. Nas antipap. eins u. hundert 5, 116ᵃ; namlich dasz nach söllicher angelasznen gewaltsame der lehen die scheuchlich und schädlich incorporation, einleibung der pfarren, gefolgt und die pfarrhörigen reichen und armen der widumen und guetern, so zu der kirchen komen warend, entsetzt worden sigend Joach. v. Watt dtsche hist. schr. 1, 94. in neuerer zeit: in dem fast alles kaiserlich freie (von steuern, s. u. 2) gut unter wehdum, amtsgut und burgmannsgut verstanden ist J. Möser patriot. phantas. 1 (1778) 238. lexikalisch verzeichnet: a widem vox bewidmet ... loca ecclesiis dedicata vel devota weden appellant Besold thes. pract. (1697) 1, 1015ᵇ; widem, widmut 'ist ein altdeutsches wort, und bedeutet es insgemein felder, äcker, wiesen, oder dergleichen dinge, so der kirchen von langen zeiten her gewidmet sind und also zur pfarrstelle gehören' Hübner staats- u. zeitungslex. (1717) 1998; s. auch Voigt hwb. f. d. geschäftsführg. 2, 565. in dieser bed. wohl auch, etwa 'einkünfte aus grundbesitz': die widme dieser kirche ernährt übrigens ein chorstift, das ... sechzig bis siebzig mitglieder ernährt Chr. Fr. Schulz reise eines Liefländers (1795) 5, 200.
2)
häufig bezeichnet widem nicht lediglich die grundstücke, sondern ein kirchengut als ganzes, auch mit den zu seiner bewirtschaftung gehörenden gebäuden u. s. w., das vom geistlichen selbst oder von weltlichen pächtern bewirtschaftet sein kann: aim jeden ... probst soll jarlich geantwurtit werden die behausung der probstei mit ir zugehord ... zu dem die widumb zu Bettenbronnen mit irer zugehord und 200 garben stro (1583) mitt. a. d. fürstenberg. arch. 2, 437; der fronhoffe, wer den buwet, sol wocherrind haben ... wer die widem ye innhät, der sol der gebursami ein wucherswin haben ... und welher den kelnhof innhät, der sol ein wider haben weisth. 1, 77; das min egenannter herr, der apt, minen sun Ulrichen, dem chelner, sol lassen den widemp ze Holenbach untz an seinen tod ...; und wil er denselben widemp niht selb pawen, ... so sol der apt des ... chlosters den widemp selb bestiften und enstiften und sol der widempman, swer der denn ist, den dinst minen ... sun antwurten (1318) mon. Boica 9, 141; es sol auch kain vogt von in noch von iren guten, widem, hofstetten oder was si anders haben, ... nicht mer nemen dann das alt vogtrecht Veit Arnpeck sämtl. chron. 565 Leidinger; ein lupriester sol sitzen uf sime widemen, ... und der den lupriester vindet uf dem widemen, so ist er nut schuldig, ob jemant furdirbet ane gotz lichnam und ane andere göttliche ding, wann man in zerechte mit huse und zehofe uf dem widemen vinden sol (15. jh.) weisth. 4, 105; so auch: das er zum Strallsund auf der wydumb bey s. Niclans kirche gemeinlich sich befunden Micraelius altes Pommerland (1640) 3, 379. ein solches gut hat eine besondere rechtsstellung: item esz ist auch kein hof noch gut frei zu Steinfeld, dann der hof des closters und die witthum seind beetfrei (1494) weisth. 6, 50; das ... kainer, er sei geistlich oder weltlich, auf der widen nidergelassen werde, er wölte denn alles mitleiden wie ain anderer burger österr. weisth. (1566) 9, 257; es soll ein jeder holt der widten Albrechtsberg st. Lorentzen kürchen enpfangen die gueter, die an erben ansterben (vor 1578) ebda 417; neen unser borger offte borgerschen schall na desseme dage wanen up wedemen im brem. wb. 5, 215; item, es sol der gemainschaft und allen erbern leuten von iren wegen der widem alzeit zu irn rate und rigel offen sein österr. weisth. 5, 316. als 'kirchlicher grundbesitz' (o. 1) und 'kirchengut' lebt das wort auch noch in den mundarten, s. auch u. 3: widem, m., 'die zu einer pfarrkirche gestifteten ertragsfähigen grundstücke' Follmann lothr. 540; 'die zur pfarrfabrik gehörenden liegenschaften' Schön Saarbr. 228; wide, f., widem, m., wittum 'acker; kirchliche grundstücke; grundbesitz' Fischer schwäb. 6, 758/59; oberlaus. wiebmt, f., pfarrgut, s. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 675; widmat u. a. formen 'die zur dotation einer kirche gestifteten grundstücke oder gebäude, besonders der pfarrhof' Knothe schles. 542; bidn 'kirchengut' Tschinkel Gottschee 115; wed 'grundstück einer kirche' Schumann Lübeck 23; widme 'freigut' Sallmann Estl. (1880) 51.
3)
daraus dasz der pfarrer auf dem bei der kirche liegenden kirchlichen gut wohnt, erwächst für widem die bedeutung 'haus, wohnung des pfarrers'; dabei ist nicht immer zu entscheiden, ob das pfarrgut als liegenschaft (pfarrhof), wie o. 2, oder das haus als wohnort des pfarrers gemeint ist: widdem dos (s. o. A 1), domus aut curia plebani voc. inc. teut. ante lat. (1471) oo 1ᵃ; wideme, pfarhoffe parochia, domus parochialis, dos voc. theut. (Nürnberg 1482) oo 1ᵇ; domus parrochialis pernerhus (zu pfarrne teil 7, 1625), wedeme nd. voc. v. 1425 bei Diefenbach gl. 190ᵃ; wiedam, wedeme parochia nd. und md. vocc. des 15. jh. ebda 414ᵃ; s. auch bei Schmeller-Fr. bair. 2, 860. vor allem im nd.: dat twe kopmanne den kerchern to Keghell gewundet hebben, und eme gewald gedan in siner wedwen (fehlerhaft für wedme) liv.-, esth.- u. curl. urk.-buch (1417) 5, 224 Bunge; als er (der pfarrer) zu haus in seiner stuben ist, kömpt ein wetter und schlegt in die widem ein: da wil er aus der stuben in das haus gehen, stürtzt und ist todt Hennenberger preusz. landtaffel (1595) 104; das pastorat, oder, wie man in Preuszen spricht, die widdem, war von soldaten umzingelt v. Hippel lebensläufe 2, 482; wedeme. an orten, wo solche von den kirchspielleuten gebaut, gebessert und erhalten worden, soll es dabei bleiben Rötger gesetzgeb. f. Mecklenb. (1824) 2237; so wandelten sie denn, mutter und sohn, quer durchs dorf, an der pfarrkirche und dem widum vorüber, den weg am Klosterberge empor K. Spindler vogelhändler (1841) 1, 32; das gehöft des pastors, das man hier zu lande (auf Rügen) die wedem nennt L. Th. Kosegarten rhapsodien (1790) 2, 89; der pfarrhof heiszt wiedem, d. h. geheiligtes gut (auf Rügen) K. Jul. Weber Deutschland (1828) 3, 577. in nd. mundarten klar ausgebildet als 'pfarrhaus, predigerwohnung'; auch nl., sieh Molema Groning. 467; meist als fem.: wiäme Woeste grafsch. Mark 111; wehme (Ravensberg) Klein prov. wb. 228; weme, wedum Strodtmann id. osnabr. 283; de kinner goht toer wîme o. up de wîme in den konfirmandenunterricht (Lippe) Frommann dtsche ma. 6, 463; wedeme Dähnert pomm. u. rüg. 543; wedem (veraltet) Mensing schlesw.-holst. 5, 564; widdem Schemionek Elbing 44; weedem, widdem Hennig preusz. 298. ebenso im bair.-österreich.: widn, m., 'pfarrhaus' Lexer kärnt. 257; Schöpf tirol. 814; hierher: nahe meinem (des pfarrers) widum war eine schmiede hart an den alten steig hingebaut Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 25; in der zusammensetzung: die stuben des pfarrwidums ebda 12.
C.
darauf, dasz das widem mehr lehen als eigentum ist (sowohl als witwenvermögen wie als kirchengut; beim tod der witwe fällt es den manneserben zu) beruht in mundarten des südwestens: widem, m., 'lebenslängliche nutznieszung', s. lux. ma. 486ᵇ; 'nutznieszung eines capitals' Gangler luxemburg. 481; den widem auf dem haus haben 'sich das recht vorbehalten, unentgeltlich im hause zu wohnen' Follmann lothr. 540; ebenso Martin-Lienhart elsäss. 2, 793; s. auch Stalder schweiz. 2, 448.
D.
zusammensetzungen. im allgemeinen lauten die composita der bedeutung 'witwengut' wittums-, die der bedeutung 'kirchengut', besonders wie B 2, widem-, widum-. doch kommen mancherlei abweichungen und kreuzungen vor.
widemacker m.,
zum kirchengut gehöriger acker, s. Fischer schwäb. 6, 759: die strasz uff Owen zwischent dem widemacker und der ow sölt offen stan, das ein yecklicher ... durch möcht varen (1456) weisth. 4, 402. —
widembauer widumbauer wittumsbauer m.,
besitzer oder pächter eines kirchlichen gutes: item ein widembauer soll alle ganze viech haben, nemblichen ein bescheler. welcher dessen bedarf, gehet mit eim büschelin heu in widem und wartet (schwäb. 1484) weisth. 6, 281; widebaur colonus ecclesiasticus Dentzler clavis (1713) 350ᵃ; der maier und widumbbaur (1590) Fischer schwäb. 6, 760; der widdumbauer Lorenz von Denkingen sitzt beim roothausbecka ama schoppa Nefflen vetter aus Schwaben (1837) 167; wimbaur 'bauer, welcher den zur kirche gehörigen widembau als pächter oder unter sonstigen lehenverhältnissen inne hat' Schmeller-Fr. bair. 2, 860; die Lachenwiesz ligt zwischen widumbbaur und Michael Fridmann qu. v. 1755 bei Birlinger volkstüml. aus Schwaben 2, 183. —
widemfall widumfall wittumsfall m.,
eintreten der verwitwung: wenn es (das einer witwe hinterlassene) nicht in baarschaft, sondern in renten und einkünften bestellet wird, so pfleget es ein leibzins oder leibgülte, und weil es nicht eher, als auf den witthumsfall angehet, ein witthum oder bewitthumung zu heiszen allgem. haush.-lex. (1749 ff.) 3, 754. —
widemgeistlichkeit widumgeistlichkeit wittumsgeistlichkeit f.,
geistlichkeit eines klosters mit grundbesitz: überhaupt entfaltete die widdumsgeistlichkeit eine theilnahme und werkthätige liebe zum institute, die ihnen zur gröszten ehre gereicht B. Weber Tirol und die reformation (1841) 394. —
widemgeld widumgeld wittumsgeld n.,
im sinne von witwenpension: der herzog hatte seiner gemahlin ... 3000 thaler jährliche witthumsgelder ... verschrieben allg. dtsche bibl. (1765) 102, 493. —
widemgrund widumgrund wittumsgrund m.,
zum kirchengut gehöriges land: in welcher maasze er (ein pfründner) das eichen- und buchenholz auf seinen wehdumsgründen angreifen darf Möser patriot. phantasien 3 (1778) 334. —
widemgut widumgut wittumsgut n.,
1) kirchliches gut, s. Fischer schwäb. 6, 761: unsere pfleger, richter und ambtleüt solten auch in iren ambtsverwaltungen ... die pfarrhöff und widemgüter besichten bair. lanndtsordn. (1553) 42ᵇ; welcher nachtbauer zu Glurus kürchenguet, wüdenguet, friemössguet innen hat und güetermair ist und richtigelichen zünset, den hat kain pfahrer ... nicht zu vertreiben österreich. weisth. 4, 11; etlich erblehen, hof-, huob-, widumb-, fahl- und gnadengüter (1620) Reyscher samml. der württ. ges. 16, 1, 320; ist das dorf Reinoltzberg auch in disen kauff begriffen, auszgenommen die funff widamguetter und die vogtei Senfftin Joh. Herold chron. 188 Kolb; darvon erlangten sie (die bischöfe) besondere freyheiten, also dasz sie auch die zähenden, vormals den pfarkirchen gehörig, sampt den widemgütern an sich zugen Stumpf Schweizer chron. (1606) 354ᵃ; mit urläb, wa sind die widemgutter, darauff die stifften und die closter sint gewidemt worden, die si noch heut beitag hand? Fr. Reiser reformation des kaiser Sigismund 164 Böhm; uneigentlich: wan ez ist gotes selbes daz heilige widemguot, daz dû dâ in leien wîs niezen wilt. ez hât got den verlihen, die im sînes gesindes pflegent Berthold v. Regensburg pred. 2, 119 Pfeiffer. 2) vereinzelt auch 'von der witwe genutztes gut': unsere (einer frau und ihrer mutter) hab und gutter zu versichern und uns bleyben lassen wollen; dan Alvelt und Clingenberg unser beyder widemgutter seint (1525) württemberg. gesch.-qu. 20, 74. —
widemhaus widumhaus wittumshaus n.,
pfarrhaus: an der pfarkirchn ... das wydamhus sampt siner zugehördt (1322) die von Hornstein 1, 20 v. Hornstein; auch nl.: weemhuys Molema Groning. 467ᵇ. davon abgeleitet: widumhäuserin, f., 'wirtschafterin des pfarrers', in Tirol.
widemhof widumhof wittumshof m.,
pfarrhof, gutshof, auf dem meistens der pfarrer wohnt: item disz sint die hofstett und zins, die zuͤ der kirchun ze Buhel hoͤrent, dez ersten die hofstat und hofraiti dez widemhofes mit aller zuͦgehörde (1373) mon. Hohenberg. 588 Schmid; empfängt ... von J. R., leutpriester zu W., zu widdumlehen den widdumhof zu B. qu. v. 1491 bei Fischer schwäb. 6, 762; jetzt mussen wir dem pfarrer widemhof kauffen, die kirche damit zu dotiren, als ein braut, die man wil dem pfaffen zu der ehe geben Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 175 ndr.; zu dem VI. sollen all kirchen, kirchoff, widenhof sicher sein und nichs darausz genomen werden Knebel chron. v. Kaisheim 288 lit. ver.; der pastor soll auch den widdenhoff mit seinem zubehoir in guttem bow halten, alsz dasz sich die gemeint nit zu beclagen habe (1546) weisth. 2, 770; nach verlauffener feide haben die junckern ... auch den kirch und wedemhoff von ihren eigenthümlichen gütern ergrössert und befreiet J. Letzner dasselische chron. 1, 167ᵃ. mundartlich noch erhalten: widdenhof pfarrhof Waldbrühl rhingscher klaaf 219; ebenso Schmitz Eifler volk 233ᵇ; withôf pfarrhof, predigerhof, schule Haltrich siebenbürg. 50ᵇ; wittenhof Sallmann Estl. 29. —
widemhofhaltung widumhofhaltung wittumshofhaltung f.,
hofhaltung eines witwensitzes: so were articulierter Jerg Haller, so lange die fürstliche widumbshoffhaltung alhie ferner gewehrt, für und für zue taglohnen ... gebraucht worden Joh. Kepler op. 8, 1, 400. —
widemholz widumholz wittumsholz n.,
zum kirchengut gehöriges gehölz: von dem feld vor dem widembdholz gibt er die dreissigsten garb dem pfarrer zu Selbiz qu. z. alten gesch. d. fürstenth. Bayreuth 1, 165; als flurname: Widumholz Birlinger schwäb.-augsburg. 432ᵃ. —
widemkorn widumkorn wittumskorn m.,
getreide als kirchliche abgabe: auch soll dem pfarrer volgen sein zehent und sein widenkorn (1449) beitr. zur gesch. der bischöfl. kirche Brixen 6, 336 Sinnacher; s. auch Haltaus 2097. —
widemland widumland wittumsland n.,
zum kirchengut gehöriges land: ain acker ... stosset uf daz widemlant und an des spitals von Esselingen äcker darob und darunder (14. jh.) württemberg. gesch.-qu. 7, 129; wemland 'eigentlich der kirche angehörendes land, pfarrland, und daher auch unter umständen zehntfreies land' Schambach Göttingen u. Grubenhagen 293ᵇ. —
widemmann widummann wittumsmann m.,
der einen der kirche gehörenden hof innehat, meist als pächter, s. Fischer schwäb. 6, 762: wenn ein fal geschicht, also dasz ein bischof abgüeng, ein mair, ein widemann, der strohmann oder der auf dem ampthof ... sitzt, so soll man es jemands über daz verleihen (schwäb. 1381) weisth. 6, 208; ob ain widmmann in sein behausung (einen) zu ainem inman näme an des pfarrers erlaubnus? (1570) österr. weisth. 1, 179; noch in der ma.: widma Schmeller-Fr. bair. 2, 860. —
widemmeier widummeier wittumsmeier m.,
dasselbe wie widemmann: item der widmeier soll halten den ranen (den widder) ... item der pfarrer soll halten den eber (1424) weisth. 6, 314; ein jeglicher widmeyer, der dann die widumb innhatt bei Reyscher altwürttemb. statuarrechte 400; zwar liegt in manchen orten letztere (haltung eines zuchtstieres) sogenannten widdumsmeiern ob, wo freilich die farrenhaltung in der regel keineswegs so bestellt ist, wie es sein sollte A. v. Weckherlin rindviehzucht (1839) 200; mundartliche formen hat Schmeller-Fr. bair. 2, 860. —
widempalais widumpalais wittumspalais n.,
bezeichnung des palais der herzogin Anna Amalia, in welchem sie von 1774 bis 1807 wohnte, s. Wilh. Bode damals in Weimar (1910) 24: wittumspalais im Weimarischen stadtplan v. 1782; ebenso in d. akten d. Weim. staatsarch., zuerst i. j. 1789 (auskunft d. Göthe- u. Schillerarchivs durch H. Wahl). in der regel von den zeitgenossen (Göthe) schlechthin als palais bezeichnet im unterschied zum schlosz. —
widemrecht widumrecht wittumsrecht n.,
auf das frauengut bezügliches recht: und sol dan daz gut geben uz siner hant dem keiser, un sal der keiser ez der frowen lihen nach widemenrecht, und sal ir daruber geben sinen brief, un sal es die frowe fuͤrbaz besitzin nach irm willen un nit der man keyserrecht 219 Endemann; wedemenrecht jus dotalitii qu. v. j. 1326 bei Kehrein wörter aus lat. urk. 23ᵇ; so solt graff Simon von Zweibrücken ihr gemahl die 4000 guldin an gelt nutzen und nieszen, wie widumbsrecht B. Hertzog chron. Alsatia (1592) 5, 12; die frau erhält aber hier ihr erbtheil nur zu witthumsrecht K. Fr. Eichhorn dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 191. —
widemscheuer widumscheuer wittumsscheuer f.,
zum kirchlichen hof gehörige scheune, s. Fischer schwäb. 6, 3412; so weidt, alss der wegh breidt ist zwischen den beiden gebewen, nemblich die wittumbschewre und Curstgen von Lutzermeil gut weisth. 4, 765. —
widemschlosz wittumschlosz wittumsschlosz n.:
wittumsschlosz sedes dotalis, arx dotalitia Stieler stammb. (1691) 1842. —
widemsitz widumsitz wittumssitz m.,
wohnsitz einer witwe, der zu dem ihr hinterlassenen grundbesitz gehört: fraw Brigita, herrn Wörnhers verlassne witib, hat ihren widamsitz etlich jhar zu Seedorf gehabt, da ist sie auch gestorben zimmer. chron. 1, 215 ² Barack; ist die stadt Nürtingen und ein wol erbawtes schlosz darinnen, in welchem die ... fürstin, ... hertzog Ludwig löblicher gedächtnusz hinderlassene witwe, ihren witemsitz hat Dav. Forster Bauhins beschr. d. bads zu Boll 1 (1619) 46; leibgeding, leibguht, leibzucht, wittuhmsitz dotalitium Schottel haubtspr. (1663) 453; eine kayserliche, königliche, fürstliche, gräffliche, freyherrliche oder adeliche wittib, die ihren witthumssitz oder leibgeding hat Sperander handlex. (1727) 215ᵃ; sie (die witwe) bauete demnach die einsamkeit auf ihrem wittumssitze B. Schmolck s. trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 841; s. auch Hübner zeitungslex. (1824) 4, 964ᵇ; widmesitz 'lebenslängliches wohnrecht der witwe in einer kammer des vom ehemanne zurückgelassenen wohnhauses' schweiz. id. 7, 1733. —
widemstand widumstand wittumsstand m.,
stand dessen, der auf dem ihm von dem verstorbenen ehepartner zurückgelassenen grund lebt: wen aber das letzt ehemensch, esz seie man oder weib, einhendig in seinem wittumbsstand sitzt, und also arm wurde, dasz es sich mit seinen eigenen guttern und der habenden leibzucht erhalten möget (15. jh.) weisth. 6, 631; widumbstant 2, 308. —
widemstuhl widumstuhl wittumsstuhl m.,
sitz der witwe auf dem ihr hinterlassenen grundstück, symbolisch: witthumbstuhl, s. Bauer-Collitz Waldeck. 182; wedemstul, s. Kehrein wörter aus lat. urk. 27ᵇ; vgl. witwenstuhl. —
widemverschreibung widumverschreibung wittumsverschreibung f.,
aussetzung eines wittums (o. A): darauf wir gesagt, dass wir irer wittumsverschreibung und gestalt und gelegenheit derselben nit bericht (1541) polit. korresp. Moritz v. Sachsen 1, 203 Brandenburg; so aber ire l. iren witwenstul voranderte, so sall es bei irer widdembsvorschreibunge bleiben. ... wo irer l. auch in gemelter widdembsvorschreibunge geistlich oder werntlich lehen zu leihen vorschriebn wern (1569) hess. landtagsakten 1, 80 Glagan.
widemwald widumwald wittumswald m.,
zum kirchengut gehöriger wald: im jahre 1727 war der pfarrer widmer wegen des holzbezuges aus dem widdumwalde auf grosse schwierigkeiten gestossen. ... die widdumbauern Anton ... u. s. w. wollten ... dem pfarrer das holz nicht verabfolgen lassen M. Sontheimer geistl. des kap. Ottobeuren nach hist. qu. 2, 148. —
widemweise widumweise wittumsweise adv.,
'als wittum': ein witfraw, die das schlosz und dorff widemsweisz besasz Jac. Frey gartengesellsch. 63 Bolte;
so hett ich noch ein schwager zwar,
der gar ein reicher burger war:
der hett zwey tausend gülden fein
wittumbsweisz von der schwester mein
zu gnieszen
W. Spangenberg ausgew. dicht. 267 Martin;
also das das lebend belibent ehegemecht an solche der kinder ererbte ligente gieter, onverendert derselben, sein lebenlang widumbsweis alein die nutzung und niesznus und die kinder das gestractet dominium und eigenthumb haben (17. jh.) oberrhein. stadtrechte II 3, 132 Merk; ebenso widemsweise, f., s. Fischer schwäb. 6, 759; auch o. ²wittum A 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1939), Bd. XIV,II (1960), Sp. 830, Z. 34.

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Zitationshilfe
„widemhofhaltung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widemhofhaltung>.

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