Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wideräfer, wiederäfer, vb.

wi(e)deräfer(e)n, vb.,
'iterare, repetere, wiederholen'; mhd. widerävern; vgl. äfern teil 1, sp. 181; seit dem 14. jh. und nur obd. belegt. literarisch seit dem ausgang des 16. jhs. nicht mehr bezeugt. seine entstehung verdankt das wort wohl der tatsache, dasz äferen etymol. undurchsichtig geworden war: wiederefern oder aber wiedersprechen replicare, voc. theut. (Nürnberg 1482) oo 2ᵃ; repetere widerholen, aefern, wideräfern, widerbringen Schöpper synon. (1550) g 8ᵃ; itero wideräferen, widerholen, widerumb anfahen Frisius dict. (1556) 739ᵃ; ingemino zwürend auff einanderen thuͦn, wideräferen, dopplen ebda 695ᵇ; retractare aliquid von eim ding wider handlen vnd reden, ein ding wider äferen ebda 1158ᵇ; ein ding repetirn, widerefern, wideranheben Schwartzenbach synon. (1564) 30ᵇ; replicirn ... ein ding wider äfern, offt sagen vnd melden, widerholen Roth dict. (1572) O 3ᵇ; itero wideräferen, widerumb thun oder anheben Calepinus XI ling. (1598) 773ᵃ; wideräferen repetere Dentzler clavis ling. lat. (1716) 350ᵇ. mundartlich in der Schweiz: widerbellen, maulen; geleg. mit dat. pers.: einem seine reden zurückgeben, vorwürfe erwiedern schweiz. id. 1, 108.
1)
etwas mit worten ausgedrücktes erneut sagen: nach seinem (des ehemannes) abgang fleisset si sich ein ware peicht einist im tag mit grosser rew ze widerefernn so pitterlich die leichten sünd als ander menschen die allersweresten beweinen offenbarung d. hl. Birgitte (1502) 7ᵇ; und anders, das ich von frids wegen nit wideräfren will (1523) Zwingli dt. schr. 1, 168 Sch.; nun so ich frey beken vnd schrey vnd mit empsigen vnd widergeefferten worten mich bezeug ein christen sein Hedio chron. Germ. (1530) 310ᵃ; so aber die christen ... sollen gottis nit vergessen, sein wort handlen, widereffern vnd verkunden Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 238 ndr.; von welcher droben an einem andern ort weiter gesagt ist, darumb nit notwendig zu wideräfern Ryff spiegel d. gesundth. (1544) 74ᵃ; und mir entbotten ... namlich (damit ich dine wort wideräffri) dass eintweders du den tod wellist liden oder mir das leben und das rich nemmen (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. 1, 25; darum so wideräferen wir disz, dasz alle die so ausserhalb der natur wircken vnd arbeiten, selbs vnd auch betrieger sind F. Epimetheus Pandora (1588) 5.
2)
eine handlung erneut vornehmen: wi ofte haben si in czornich gemacht mit irn sunden di si manich stunt wideræferten bei Khull mhd. wb. 22; zu der zeyt jrer brunst kempffend sy vmb die schaaff ..., trettent ... von einander vnnd louffend dann mit grosser stärcke ... wider zuͦsamen vnnd wideräferend es ein zeytlang, auss welcher vrsach jm one zweyfel der namm wider (widder) gäben ist Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 142. wiederbeleben: zu welcher zeit ... die Franzosen in Gallien sampt der alten wideräferten provinzischen zerbrochnen sprach mit einem groszen zuͦnemen angangen sind J. v. Watt dt. hist. schr. 1, 39 Götzinger.
3)
wieder in erinnerung bringen, das gedächtnis erneuern oder auffrischen; vgl. commemoro erzehlen, wideräferen, wider in gedechtnusz bringen Calepinus XI ling. (1598) 276ᵃ: dise schendtliche gedechtnuss nicht wider zu äfferen, umbgehen die bäpste diese strass durch abweg und nebengassen S. Franck bei Fischer schwäb. 6, 767; also ist nun küng Karlimans sone Arnolphus gheiszen, damit man mit seinem namen die eerlich und loblich gedechtnuss des alten Arnulfs erhalte und wideräferte J. v. Watt dt. hist. schr. 3, 151 G. eine sache erneut aufgreifen und zur sprache bringen, s. 4: dieweil auch gemelter probst zum creutz sampt seinem convent die sachen ... von neuem wider alle vertreg sich understehet zuͦ wideräfern und zu repetieren (Augsburg 1558) städtechron. 32, 325.
4)
entsprechend äferen in der bedeutung 'widersprechen, tadeln, anfechten' usw. (vgl. schweiz. id. 1, 106f.; Fischer schwäb. 1, 106) findet sich auch wi(e)deräfer(e)n im gleichen sinne gebraucht: so got immerdar sie wideräferet und uns straf darumb auflegt (16. jh.) bei Fischer schwäb. 6, 767; so jemand dieses urtheil wiederäferte in: schweiz. id. 1, 108; weitere belege ebda 1, 107f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 895, Z. 56.

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Zitationshilfe
„wideräfer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wider%C3%A4fer>.

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