Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wideraufnehmen, wiederaufnehmen, vb.

wi(e)deraufnehmen, vb.
1)
einer verstoszenen, vertriebenen usw. person aufnahme gewähren: dargegen aber der fürst Arthaphernes zu jnen sagt, wo sy zu fryden sein wolten, so solten sy jrn vertribnen ... Hippiam widerauffnämen Boner Herodo (1535) 76ᵇ; er (wurde) nebenst seinen vormundskindern ... in keyserlichen schutz wieder aufgenommen Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 182; nun kamen schon bothen, dass die Salernitaner den Roger wieder aufgenommen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 2, 514; würd' ich der verschmähte und er der wiederaufgenommene seyn? Meissner Alcibiades (1781) 2, 113.
2)
wiederbeginn.
a)
einer tätigkeit oder lebensweise: er findet räthlich einen carton in gleicher grösze zu fertigen, nimmt seine jugendstudien wieder auf Göthe I 49, 228 W.; der clerus antwortete (der regierung), dann habe er weiter keinen grund zur unzufriedenheit, ... und nahm seine sitzungen wieder auf Ranke s. w. (1867) 9, 142; (sie) ging langsam ... auf den hof und die blumenestrade zu, wo Dörr seine marktarbeit wiederaufgenommen hatte Fontane ges. w. (1905) I 5, 126; auch die besuche in den kathen nahm Klara wieder auf W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 2, 203; dann klagt sie auf scheidung und setzt sie durch ... er nimmt sein junggesellenleben wieder auf Kahlenberg Eva Sehring (1901) 138.
b)
einer unterbrochenen rede, eines gedankenganges usw.: (als er) am schlusz eines sehr verdrieszlichen nachdenkens, mit ruhiger miene das wort wieder aufnahm Göthe I 24, 89 W.; die vielverschlungenen Irrgänge seiner (Platons) dialogen, welche erst nach langen episoden den hauptgedanken ... wiederaufnehmen Schopenhauer w. 1, 373 Gr. vereinzelt intrans.: hier schlieszt die eingeschaltete vorlesung und die fabel nimmt da wieder auf, wo der geschundene wolf neuen unglücksfällen entgegen geht J. Grimm Reinhart Fuchs (1834) vorr. lxxv.
3)
sich mit einer sache erneut befassen, auf sie zurückgreifen: diesmal wurde mit der ... entwickelung nur gebrochen, um sie ... in anderer weise wiederaufzunehmen Mommsen reden u. aufs. (1905) 145; ich sage nur, dasz Halwigs recht so klar ist, wie der tag, und dasz ich überzeugt war, es zur geltung bringen zu können, als ich selbst ihn bestimmte, die schon aufgegebene sache (das rechtsverfahren) wieder aufzunehmen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 116; mit dem begriff des material-apriorischen wert-wesens nehmen wir diese traditionen bewuszt wieder auf N. Hartmann ethik (1935) 124.
4)
vereinzelt: wider aufnemmen zu hab und gut emergere ad magnas opes (vgl. wi(e)deraufnahme 5 und aufnehmen teil 1, sp. 697) Dentzler clavis ling. lat. (1716) 350ᵇ. in der bergsprache: wiederaufnehmen ein ins freie gefallenes bergwerkseigenthum muthen Veith bergwb. 578 (mit beleg a. d. j. 1784). —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 906, Z. 36.

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Zitationshilfe
„wideraufnehmen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wideraufnehmen>.

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