Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerbelebung, wiederbelebung, f.

wi(e)derbelebung, f.,
die erweckung zu neuem leben, zu wi(e)derbeleben, vb. (s. d.); Campe 5 (1811) 707ᵃ.
1)
eigentlich.
a)
die erweckung vom tode: (er) frei gestunde, dass es nicht anders mit der vor alters erdichteten wiederbelebung des Hippolytus oder Virbius zugegangen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 794; seine eigene wiederbelebung nach einem tode, durch den er (Christus) seine lehre versiegelt hatte Lessing 13, 428 L.-M.; auferstehung heisst wiederbelebung Herder 31, 578 S.; in noch geheimerem sinne ward dieses bild auf des menschen tod und wiederbelebung angewandt J. H. Voss antisymb. (1824) 198.
b)
die belebung ohnmächtiger, scheintoter usw.: an mittel zur wiederbelebung der ertrunkenen hatte niemand gedacht A. v. Arnim s. w. (1853) 9, 215; die wiederbelebung der für todt gehaltenen, auf welche weise sich auch die äuszern zeichen des lebens möchten verloren haben Göthe I 25, 54 W.; (die hoffnung) dasz die gesteigerte bettwärme bis zum morgen das werk der wiederbelebung (des vom tode des erfrierens erretteten) würde vollendet haben Gutzkow ges. w. (1872) 4, 397. hierher auch: der kriegsminister d'Argenson fand für nöthig, zur wiederbelebung der überall geschlagenen truppen den könig selbst an die spitze der armee zu stellen K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 9, 276.
2)
vereinzelt von der wiederingangsetzung einer maschine: die maschine, an deren wiederbelebung niemand in der allgemeinen bestürzung gedacht hatte Immermann w. 7, 213 Hempel.
3)
bildlich: wiederbelebung der mahlerkunst Göthe II 3, 241 W.; die wiederbelebung des bergwerkswesens im Altaischen Erzgebirge unter den Russen Ritter erdkde (1822) 2, 961; Karl V. hatte gemeint, die religiösen gegensätze durch wiederbelebung der kirchlichen autorität des kaiserthums ... niederzuhalten Ranke s. w. (1867) 35/36, 368; durch wiederbelebung des volksliedes Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 7, 122; unverrückbar hielten die brüder (Grimm) das ziel einer gemeinsamen arbeit an der wiederbelebung des deutschen alterthums fest W. Scherer kl. schr. (1893) 1, 5; die kunst des karolingischen zeitalters ist nicht wiederbelebung, nicht renaissance, wofür man sie öfters ausgegeben hat Dehio kunsthist. aufs. (1914) 4; die möglichkeit ..., künste, die man schwach oder schon tot fand ..., durch gewaltsame 'wiederbelebungen' neuerdings in gang zu bringen Spengler unterg. d. abendlandes (1918) 1, 318.
4)
als chem. fachausdruck.
a)
der vorgang, durch den benutzte knochenkohle wieder brauchbar gemacht wird: (es) findet die wiederbelebung der bereits gebrauchten kohle allgemein in den zuckerfabriken statt Prechtl technol. encycl. (1830) 20, 650; vgl. Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 1009; Muspratt chemie (1888) 8, 1477, ferner die fachsprachlichen zusammensetzungen: wiederbelebungsmethode Muspratt chemie 4 (1893) 1308; -ofen ebda 4, 1275; 1309; -prozedur Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 4, 797; -prozesz Muspratt 8 (1905) 1477; 1298; -raum ebda 4, 1297.
b)
'die reduktion des quecksilbers heisst wiederbelebung' Liebig hdb. d. chemie (1848) 187; wiederbelebung wiederherstellung des quecksilbers in metallischer gestalt aus seinen verbindungen mit sauerstoff, säuren, schwefel etc. Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 5.
5)
gelegentlich findet sich auch intransitive verwendung des wortes: damit dem unglücklichen lande (Preuszen i. j. 1807) auch die erholung und wiederbelebung unmöglich gemacht würde, wurden alle häfen gesperrt E. M. Arndt schr. (1845) 1, 320; die wiederbelebung eines schlummernden vulkans A. v. Humboldt kosmos (1845) 4, 450. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 914, Z. 13.

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Zitationshilfe
„widerbelebung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerbelebung>.

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