Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerfall, wiederfall, m.

wi(e)derfall, m.,
rückfall; mhd. widerval; mnd. wedderval; mnl. wederval; recidiuum widderfal (15. jh., md.) Diefenbach gl. 487ᵃ. im eigentlichen sinne nur gelegentlich:
der würffet jnn die höh den ball
vnd warttet nit des widerfall
wer will die lüt erzürnen all
S. Brant narrenschiff 69 Zarncke.
häufig in übertragener und bildlicher verwendung.
1)
der rückschlag des glückes:
nochtan geschach jr groes weder vale
herna bynnen kurter zyt,
dat sy vil na irs leuens was quyt.
nu horet, we ir dat geschach durch nyt!
Karl Meinet 326 Keller;
wer sin wider sach dar leit
und ye grösser lieb befacht,
ye grösser laid do öch macht,
wan es der widerfal also git
mhd. minnereden I 3, 463 Matthaei;
dar by wurt gemerckt wie gar schnell das glügk sich verwandlen vnd ein ruwig gemuͦt zuͦ betrügnysz bringen mag. wann so das gemüt zuͦ vnfall nit bereit ist, so ist die arbeit des dschwerer den widerfall zelyden Terenz deutsch (1499) 79ᵇ; damit das glück, das den Römern in Italia vnd Sicilia zuͦgestanden wer, durch jr verstümnusz vnd vneynigkeyt nit den widerfal gewünne Carbach Livius (1551) 151ᵇ; glück war allweg bei mir, und gedacht nicht dasz es sich immer verkehren oder den widerfall gewinnen solt Neumayr v. friedeshandlungen (1624) 288.
2)
der rückfall in sünde: fallnarren, das seint die die nit bleiben yn irem guͦten fürnemmen vnd fallen bald wider yn ire sünd ... zuͦ dem ersten wöllen wir sagen von den schellen da bei man sie erkennen sol. zum anderen von den vrsachen des widerfalsz Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 169ᵇ; wir sollend got loben, das er vns das war liecht seins worts geben hat, vnd byten, das er vns behüt vor dem wyderfal Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 49 ndr.; das der, welcher ein mal durch sein sterben den todt überwunden hatt, auch vns täglich erlesz von täglichem widerfal in sünde Dietenberger wider Luther v. d. miszbr. d. mesz (1526) E 3.
3)
im rechtlichen bereich.
a)
der rückfall eines erbteils (nach dem tode des besitzers) an die stammlinie: so sollent ir sprechen: das sy in unser herschafft und landen nit gewonheit, das keine widerfalle an des wybes erben geschehe (1406) Frankf. reichscorresp. 1, 787 Janssen; in vorberürten dryer hand formen der mahelschafft werdend menicherley gestalt der beredung fürgenomen: ettlich mit widemen, morgengab, teilung, wideruällen vnd erbuällen Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) v 3ᵃ; es sollen auch alle vorgeschribne erbfäll ... den jenen, so nach gerichtsbrauch vermacht heten und dasselb öffnen, die nüessung erwellen und güeter zum widerfall vergüeten, in der nüessung nicht verlezt ... werden (Tirol 15. jh.) österr. weist. 5, 665.
b)
das zurückfallende gut selbst: wolten sie aber uberein den widerfal haben, so sollent ir erben nür das halbeteil solicher slosze, lande und lute ... innhann (1406) Frankf. reichscorresp. 1, 788 Janssen; denen erben, von deren lini das heurathguet oder widerfall herkumen B. Walther privatrechtl. traktate 105 Rintelen; 'wiederfall heisst ein guth, welches jemanden mit einem gewissen bedinge abgetreten wird, und wenn der fall geschiehet, an seinen vorigen herrn wieder zurück fällt' allg. haush.-lex. (1749) 3, 722.
4)
vereinzelte und besondere verwendung: zweyerley arten (von sehfehlern), die erst wann eins desz tags wol, gegen abend aber vnd der nacht nichts oder vbel gesicht. die andre ist im widerfall, gesehen desz tags nichts, oder wenig Wirsung artzneyb. (1584) 98ᵇ, vgl. unten im widerspiel (sein); die sonne selbs, jhr gerade strahl und dessen reflexion oder widerschein vnd widerfall Dannhawer catech.-milch (1657) 4, 335; darinnen (in den wiesen) sie (die schnepfen) nicht gern ... verbleiben und gegen den morgen nehmen sie ihren wiederfall wieder in das holtz Hohberg georg. cur. (1682) 2, 674; recidio, der wiederfall einer kranckheit, wenn die alte kranckheit wieder kömmt Spanutius dt. lex. (1720) 406; 'gegen-hang oder wider-fall, frantz. contre-pente, heiszt in einem canale oder wasserleitung oder in einem gerinne, die unterbrechung der nach der richtschnur abhängigen seite' Noël Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 1, 58. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 974, Z. 18.

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Zitationshilfe
„widerfall“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerfall>.

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