Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerfordern, wiederfordern, vb.

wi(e)derfordern, vb.,
älter auch wi(e)derfodern; mhd. widervo(r)dern.
1)
zurückverlangen. von geliehenem, gestohlenem und überhaupt von dingen, deren man sich entäuszert hat; dies praeliaris wann einer das sein widder fordert, vnd wo es ihm nit wirt, seinen feind angreifft Alberus dict. (1540) Tt 3ᵃ; reposco wider begeren, wider forderen Calepinus XI ling. (1598) 1255ᵃ; Widerhold dict. (1669) 419ᵇ; wiederfordern repetere, reposcere Stieler stammb. (1691) 541; Steinbach dt. wb. (1734) 1, 478; wiederfordern Adelung 5 (1786) 213; wiederfodern Campe 5 (1811) 708ᵇ. literarisch: (daz er) ez dem lêhnaere wider gebe swenne erz wider voder dt. mystiker d. 14. jhs. 1, 333, 3 Pfeiffer; eim ieglichen, der dir eisch, dem gib, vnd der do abnympt die ding die dein seint, nicht wider vorders (Luc. 6, 30: et qui aufert quae tua sunt, ne repetas) erste dt. bibel 1, 225 Kurr.; als wenn ein dieb oder mörder wolt widerfordern das geld und gut, so er gestolen und geraubt, jm aber abgeiagt ... were (1541) Luther 51, 523 W.; leihen macht freuntschafft, widerfordern feindtschafft S. Franck sprüchw. (1541) 2, 183ᵇ; der diesen (schatz) gegeben, wil ihn mit wucher widerfodern Butschky Pathmos (1677) 437; (wenn sie) alles, was er ihnen ... gestohlen, wiederfodern sollten anmuth. gelehrsamk. (1752) 262 Gottsched;
der mensch ist mehr, als sie von ihm gehalten.
des langen schlummers bande wird er brechen,
und wiederfordern sein geheiligt recht
Schiller 5, 314 G.;
in der Mark geschah es, dasz ein landsknecht seinem wirth geld aufzuheben gab und als er es wiederforderte, dieser etwas empfangen zu haben ableugnete br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 149; bin ich nicht das kind, das etwas wiederfordert, das es zuvor weggeschenkt hat? Fontane ges. w. (1905) I 4, 217.
2)
nur gelegentlich, etwas oder jemanden erneut fordern: widerfordern, auffs new einen beruffen rappeler Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 409ᵇ; wiederfordern denuò poscere Stieler stammb. (1691) 541; Johanna Sebus wird bey unsern musicalischen sonntagsversammlungen oft genug wiedergefordert und geht charmant Göthe IV 22, 68 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 985, Z. 12.

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Zitationshilfe
„widerfordern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerfordern>.

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