Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widergang, wiedergang, m.

wi(e)dergang, m.,
mhd. widerganc, mnd. weddergank, mnl. wedergank; regressus widder ganck (15. jh. md.) Diefenbach gl. 490ᵇ; obiectum wyederschlag vel -gang (15. jh. obd.) ebda 387ᵃ; obuersatio für vnd widergang, das hin vnd här wandlen, vorschweiffung Frisius dict. (1556) 902ᵃ; wiedergang Adelung 5 (1786) 213; widergang Campe 5 (1811) 700ᵃ.
1)
der weg zurück; rücklauf, rückgang:
ein ieglich hunt hin zu lief
wol um eines wurfes lanc,
so nam er ie den widerganc
passional 456, 8 Köpke;
das wazzer, daz du sæhe
für diz hûs gân in das mer,
daz springet hie gar âne wer
und ist alhie sîn widerganc.
daz ende und ouch der anevanc,
diu beide sint im hie beschert
Konrad v. Würzburg Partonopier 2461 Bartsch;
niemandts wart gesehen, dann allain der gang und widergangk des herpffenschlahers ward gehört legend d. hl. vatters Francisci (1512) E 4ᵃ; durch den wider gang zum vater verkleret er (Christus) sich warhafftigen, ewigen gott (1539) Luther 46, 69 W.;
wer fern leufft vnd nichts keufft,
dem ist der weg lang,
vnd rewet in der widergang
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, Fff 5ᵃ;
mein hin- und wiedergang Rückert ges. poet. w. (1867) 11, 317; nach mehreren hin- und widergängen H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 156. besonders als ausdruck der jägersprache, vornehmlich von hirsch und hase: 'absprung nennen die jäger, wenn der hase auf seiner ordentlichen fährte wieder ein stücke wegs zurücke gegangen (welches einen widergang gethan heiszt) und alsdann davon auf die seite abgesprungen, folglich dadurch einen anfang zu einer neuen fährte gemacht hat' Noël Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 1, 94; vgl. wi(e)derfahrt B 2:
und solt ez (das wild) tûsent widergenge machen
Hadamar v. Laber jagd 101 Schmeller;
sag mir edler weydman, wie vil hat der edle hirsch heut widergäng gethan Sebiz feldbau (1579) 565; wann er (der hirsch) von der weide gehet, so trabet er, ... wendet sich aber, thut einen wiedergang, ... und gehet dann vor dem vorholtz hin und her Hohberg georg. cur. (1682) 2, 611; so offte der hase ... sein lager hat, und sich setzen will, so thut er einen wiedergang wohl 20, 30 und noch mehr schritte wieder auf seine fehrte zurücke Döbel jägerpract. (1754) 1, 30; die absprünge und wiedergänge des fuchses Veit Weber holzschnitte (1793) A 3ᵃ; der luchs versteht sich auf haken, widergänge Brehm tierl. 1, 531 P.-L.; der ... die kunst des hakenschlagens und der widergänge so gut beherrscht wie der älteste rammler H. Löns aus forst u. flur (o. j.) 55; eine krähe läuft ihm ein paar meter nach, das wiesel wird ängstlich, kann sein schlupfloch nicht finden und macht widergänge daheim v. 18. 5. 1933, s. 9ᵇ. vom umlauf der himmelskörper:
der siben sterne widerganc
machet daz diu erde kranc
wider die sterke des himels wert
Thomasin v. Zirclaria d. wälsche gast 2225 Rückert;
alle bewegung vnd widergäng der stern J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 52ᵇ; Nicolai rechnen die schiffleute der sonnen widergang haush. in vorwerken 259 Ermisch-Wuttke.
2)
entsprechend widergehen 2 hat widergang vereinzelt auch die bedeutung 'das entgegengehen, entgegentreten':
zu Paris quam Martinus
in einer zit da im alsus
ein uzsetziger man
in der straze gewan
widerganc
passional 602, 23 Köpke.
bildlich:
von got ein magt erkorn,
rose ane dorn, (geborn)
des himel(s) unt der erden vrouwe
des tievels widergank
minnesinger 2, 142ᵃ v. d. Hagen.
3)
als krankheitsbezeichnung (s. widergehen 4): widergang, -gängᵉ Fischer schwäb. 6, 774; widergänge, widergehend angeschwollene lymphdrüsen, die beim gehen entgegenstehen, widergehen Höfler dt. krankheitsnamenb. (1899) 183ᵇ.
4)
'in den minen, ein krummer wieder rückwärts gehender gang, da wo man nicht gerade aus kann' Campe 5 (1811) 700ᵃ; widergänge, m. pl., (bgb.) fr. araignées, engl. backgalleries Beil technol. wb. (1853) 656. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 989, Z. 16.

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Zitationshilfe
„widergang“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widergang>.

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