Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerhaben, wiederhaben, vb.

wi(e)derhaben, vb.,
erneut besitzen, zurückbekommen haben; (s. haben teil 4, 2, 45 ff.); ahd. widarhabên widerstreben; mhd. widerhaben sich widersetzen, sich festhalten, aufhalten; ags. wiþerhabban; mnd. wedderhebben; mnl. ndl. wederhebben; die ahd. und mhd. bedeutungen des wortes sind nhd. nur im schweiz. bezeugt und bis heute lebendig (s. schweiz. id. 2, 924); im übrigen ist wiederhaben nhd. ausschlieszlich in der seit dem 15. jh. bezeugten bedeutung 'erneut besitzen' belegt: rehabere wider haben (15. jh. md.) Diefenbach gl. 490ᵇ; wiederhaben restitui, denuo compotens fieri, recuperare, recipere Stieler stammb. (1691) 726; wiederhaben rihavere, ricuperare Kramer t.-ital. 1 (1700) 590ᵇ; wiederhaben Adelung 5 (1786) 214; Campe 5 (1811) 709ᵃ.
1)
etwas zurückbekommen haben, wieder besitzen: sey gott gelobt, das wir vnsern herrn einmal wider haben Moscherosch insomnis cura par. 6 ndr.; wenn sie die schrift über den roman von dem buchbinder wiederhaben, so vergessen sie nicht, dass sie mir sie zu communiciren versprochen Lessing 18, 120 L.-M.; o der freude, dich wieder zu haben, rief Theodor aus, du lieber, lieber freund! Tieck schr. (1828) 4, 19; wenn Theobald, versetzte er, erst deine ganze liebe wiederhätte — schau, alles wäre wieder gut Mörike w. 3, 61 Göschen; ich merke ... erst seitdem ich dich wiederhabe, dasz mir doch eigentlich ganz erbärmlich gewesen ist, so lange ich dich nicht hatte Holtei erz. schr. (1861) 13, 186; denn sie scheinen zu wissen, dasz sie nun alles wiederhaben, was wir mit so vieler mühe aus ihrer verdammten wildnis ihnen abgeholt hatten (1869) W. Raabe s. w. I 6, 287.
2)
gern als 'etwas wieder besitzen wollen oder werden; zurückbekommen': ir wert für einen den ir gebt hundert wider haben Arigo decameron 43 Keller; he wolde wederhebben sin geld (1488—89) hist. volkslieder 2, 228 Liliencron; vnd der iungen waren ein teil betrübt, wan si ir schuh gern hetten wider gehabt Till Eulenspiegel 8 ndr.; qui volebat suam primogenituram widder haben, musts lösen (1531) Luther 34, 1, 147 W.; (der papst) möchte gern dz so er verloren, widerhaben, wen es müglich were Fischart discours (1589) E 2ᵃ;
wer eim gelt in schuld nöten leiht,
wils wider habn zu bstimpter zeit
Eyering proverb. copia (1601) 1, 655;
morgen früh sollst du deine dukaten schon mit den funfzig procenten wieder haben Kiinger w. (1809) 1, 132;
und soll sie einst dich wiederhaben,
durchzuckt das weiche mutterherz,
dasz sie dich hier so früh begraben,
im himmel noch ein leiser schmerz
Lenau s. w. 188 Barthel;
Clemens V. erklärte, es thue ihm leid, dass der herzog keinen sohn hinterlasse: aber die kirche müsse das ihre wiederhaben Ranke s. w. (1867) 38, 178. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1022, Z. 18.

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Zitationshilfe
„widerhaben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerhaben>.

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