Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerhellen, vb.

widerhellen, vb.,
prät. -hal(l); s. hellen 'sonare', teil 4, 2, sp. 969. lexikalisch (die unter 2 gehörigen belege s. dort): reboare widerhellen (obd., anf. d. 15. jhs.) Diefenbach gl. 486ᵃ; concrepare, perstrepare wider hellen (hd. 1429) ders., nov. gl. 106ᵇ und 289ᵇ; resultare wider clingen, wider hellen Melber voc. predic. (1482) Z 6ᵃ; widerhellen reboare, concrepare, concrepitare. id est resonare, voc. incip. teut. (Speyer um 1485) oo 2ᵃ; reboare .i. resonare widerhellen gemma gemm. (1508) x 3ᵃ. die Schweizer lexika von Frisius und Calepinus zeigen die form widerhäl(l)en, als läge denominativbildung von widerhall, m., vor: remugio widerlüyen, widertönen, widerhällen vnd erschallen, ein widerhall gäben Frisius dict. (1556) 1141ᵃ (s. auch 129ᵃ s. v. assono; 311ᵇ s. v. consono; 457ᵃ s. v. echo); resono widerthönen, widerhällen Calepinus undec. ling. (1605) 1260 (s. auch 1226ᵇ s. v. reboo; 1228ᵇ s. v. recino). bei Hulsius t.-frz.-it. (1616) begegnet die form mit e-laut nicht mehr. die lit. bezeugung versiegt im 16. jh., widerhallen, sw. vb., tritt an die stelle von widerhellen, st. vb.
1)
'widerhallen'.
a)
meist intransitiv gebraucht. von räumen und dingen, die den ton reflektieren:
ir ruof gap alsolhen schal
daz ir der walt widerhal
Hartmann v. Aue Erec 5746 Haupt;
sie raufft ir hare ... und schrey so lut, das bergk und tale und der felse wiedder halle (hs. 1430) Lancelot 1, 13 Kluge; der wald und heid und owen mit der nahtgal und der kleinen fögelin süssem gesang widerhellent Seuse dt. schr. 172 Bihlm. von lauten:
daz sîn ungevûger schal
an allen enden widerhal
(erschlossener text) Albrecht v. Halberstadt 60 Bartsch;
alda was groze drurekeit,
clagen kummerliches leit,
manec ruwelicher schal,
der in di wolken widerhal
(anf. 14. jh.) leben d. hl. Elisabeth 4360 Rieger;
das weeklagen so ausz dem holtz widerhellet Jac. Schlusser beschr. d. protestierenden kriegs (1573) 131. in sprichwörtlicher wendung:
swie man ze walde ruofet,
billîch alsô der galm widerhillet
(wohl zw. 1335 u. 1340) Hadamar v. Laber jagd 430 St.;
wie yeder vor dem wald in byltt,
des glich jm allzyt widerhyltt
S. Brant narrenschiff 69 Z.
b)
transitiv:
ausz schmertzen ruͤffet er (Herkules) so grimm,
so das der echo seinen stimm
ausz allen orthen widerhall
weit über berg und über thal
Wickram w. 8, 11 Bolte.
2)
seltener 'schelten, dagegenreden' (syn. widerbellen): reprocare wider hellen (obd., 13./14. jh.) Diefenbach gl. 493ᵇ; oblatrare weder hellen (nd., 15. jh.) ebda 387ᵇ; repugnare widermurren, widerhellen, widerschnadern (1550) Schöpper synonyma 23ᵃ Schulte-K. (überschr.: inoboedientia). überhaupt 'widerstreben': (ne inveniatur [der prediger] ei [gott] cui servire per officium cernitur occulta cogitationis tyrannide) resultare vuidirhellen (10. jh.) ahd. gl. 2, 203, 45 St.-S. '(sachlich) nicht übereinstimmen mit etw.': lyd vnd trag die gesatzt, die du selbs hǎst gemachet ... dann es ist lasterlich, spricht Cato, dem lerer, so sin aigen werck vnd schuld widerhilt siner lere (1478) Niclas v. Wyle translat. 163, 1 Keller; aber ich wider hellend (dissentiens) der mainung viler acht ... den rebman kostlich sin (1491) Österreicher Columella 1, 178 lit. ver.; unser herre sprach ..., was ir guts getut, das sült ir nyemant laszen sehen. so sprach er aber ... ewre werck süllen vor denn lewten scheinen als ein lucern. dise zwei wort wiederhellen aneinander buch d. zehen gepot (1483) 73. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1038, Z. 59.

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Zitationshilfe
„widerhellen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerhellen>.

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