Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerkaufen, wiederkaufen, vb.

wi(e)derkaufen, vb.,
zurückkaufen, einlösen, loskaufen. mhd. widerkoufen, mnd. wedderkopen, mnl. wedercopen Verwijs-Verdam 9, 1934; in den wbb. des 15. u. beginnenden 16. jhs. fast durchweg gebucht für lat. redimere, meist synonym neben wiederlösen, erlösen: erleysen vel widerkeuffen (15. jh., md.) Diefenbach gl. 488ᶜ; koufen vel widerkoufen (ende 15. jh.) ebda; wiederkauffen oder erlosen voc. theut. (Nürnberg 1482) oo 3ᵇ; wedder vorlosen effte kopen gemma gemm. (Magdeburg 1495) C 5ᵇ; widerlosen oder kauffen gemma gemm. (Straszburg 1508) x 3ᶜ; widerkauffen, widerloͤsen, abkauffen Serranus (1540) h 1ᵃ (nicht bei Dasypodius, Alberus, Frisius, Maaler); durchweg seit dem 17. jh.: wiederkaufen retrovendere, iterum emere Stieler stammb. (1691) 940; wiederkaufen ricomprare Kramer t.-ital. (1700) 762ᶜ. den maa. ist das wort ungeläufig (Fischer schwäb. 6, 779: 'mod. nur wie wieder kaufen'). Adelung 4 (1801) 1535 (ähnlich Campe 5, 710ᵃ) vermerkt für 'einige obd. gegenden' die sonst nicht belegte bedeutung 'eine aufgekaufte waare im einzelnen wieder verkaufen, höken' (vgl. ²wi(e)derkäufer).
1)
ein auf wi(e)derkauf (s. d.) veräuszertes gut wiedereinlösen, zurückkaufen: fuͦrbaz ist geredit, daz wir oder unse erbin die vorgenante gulde, wanne uns fuͦget, losen mogen uͦnd widerkeufen (1334) hess. urkunden 2, 438 W.-R.; und waͤr', ob wir oder unser nachkomen die selben vogtie oder die lút ze Kaltbrunnen widerkoffen wolten ... so sollent wir inen doch ... geben das obgenant guͤt die zechen pfunt guͦter haller (1398) in: zs. f. gesch. d. Oberrheins 8, 418; ez sol auch nieman dehaine huͦbe noch guͦt auf dem lande kaufen auf dehainen widerkauf, daz man ez von im wider kaufen müge Nürnb. polizeiordn. 125 Baader; zins ... werdent ... gegeben ... zum andern solang bitz verkoufer oder verkoufferin oder ir erben oder nachkomen den zins widerkouffend mit souil houptguͦt als sy empfangen habend Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) u 4ᵇ. geraubten besitz loskaufen: wissintlich sey, das ich geschiffet hatte im Lamprecht jungen 4 vas werkis, die nomen die seerouwer unde vurten sie kegin Frysslandt ... die muste ich wedirkowffen vor 100 m. unde 7 m. gl. handelsrechn. d. dt. ordens 268 Sattler.
2)
übertragen 'zurückgewinnen'. vereinzelt mhd.: er (gott) geschuͦf dich schone und wirdeklich nach im selben, und kofte dich do mit sim tode wider, do du in mit den súnden verlorn hattest St. Georgener pred. 168 Rieder. in neuerer sprache:
ihr stunden! die mir oft nach art der welt verlaufen,
o koͤnnt ich euch itzund aufs theurste wiederkaufen
Gottsched neueste ged. (1750) 112;
mit meinem blut wollt ich ihn wiederkaufen, den unglücklichen augenblick, da ich im taumel ... H. L. Wagner kindermörderinn 50 ndr.; blutgeld, sagte ich, ists, sobald ihr damit den himmel wiederkaufen wollt, den ihr verloren habt (1777) Lenz ges. schr. 3, 140 Tieck.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1065, Z. 24.

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Zitationshilfe
„widerkaufen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerkaufen>.

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