Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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widerklage, f.

widerklage, f.,
gegenklage, nachklage (s. teil 7, sp. 78). mhd. widerklage, mnd. wedderklage, mnl. wederclachte Verwijs-Verdam 9, 1932. lexik. zuerst: reconventio widerrecht, widerklag, wechselfürderung Schöpper synonyma (1550) g 3ᵇ. bis ins 19. jh. meist in der schreibung wiederklage ('wieder kann in dieser zss. eine rückkehr bedeuten, welches der lat. ausdruck reconventio zu bestätigen scheint' Adelung 4 [1801] 1535): reconventio Reyher thes. (1686) reg. p 1ᵇ; Stieler stammb. (1691) 964; Minerophilus bergw.-lex. (1730) 717; Campe 5 (1811) 710ᵃ. erst in neuester zeit setzte sich (wohl beeinfluszt durch gegenklage s. teil 4, 1, 2, sp. 2244) die auffassung 'klage gegen eine voraufgehende klage' auch in der schreibung durch, vgl. Adelung a. a. o. 'wer aber glaubt, dasz der begriff des 'gegen' der herrschende ist, kann immer widerklage schreiben': Frisch t.-lat. (1741) 1, 518ᵃ; Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1043ᵇ. das wort ist seit dem 14. jh. durchgehend, wenn auch nur selten, bezeugt.
1)
rechtssprachlich im engeren sinne 'die von dem beklagten gegen den kläger in derselben sache angestellte klage' Campe 5 (1811) 710ᵃ:
bis man vernemen maich
die wairheit hinave
ind man ouch gehore wederclage,
so maich der scheffen urdel geven
eime zo benemen sin leven
(ende 14. jhs., Köln) städtechron. 12, 244;
nach verhörunge solicher obgemeldeter beder partien clage, widerclage, wiederrede, nachrede (1462) oberrh. stadtr. II 3, 62; darauf dem herzog ... bis auf nechstkonftigen freitag ... und die widerclage zu thun, nochgelassen (1523) H. v. d. Planitz berichte 404 Wülcker; die wiederklage (ist) auch zugleich, nebenst der klage, doch ohne vermischung, und eine jede insonderheit auszuuͤben Schönberg berginform. (1693) 1, 237; eine wohl ausgesonnene wiederklage ist die beste muͤnze, damit man die hitzigen klaͤger bezahlen kann Gottsched dt. schaubühne (1740) 5, 292; die (form) der widerklage oder nachklage Jhering geist d. röm. rechts (1852) 3, 1, 49; mittels einer widerklage die bestrafung des klägers beantragen strafprozeszordn. f. d. dt. reich (1877) § 428.
2)
auszerhalb der rechtssphäre nur in gelegentlichen verwendungen: drumb ists S. Petro ein harte widerclag unnd stark argument, wie solten sie truncken sein? ... inn der (dritten) stunde pflegt man nit zu essen und zutrincken (1545) Luther 49, 758 W.; ym anfang seynes konigreichs, schrieben sie eyne widder klage (Bindseil: anklage) widder die von Juda vnd Jerusalem (Esra 4, 6 Zerbster hs. 1523); sie (die teilnehmer d. Leipz. bundes) antworteten (dem kaiser) mit heftigen wiederklagen Schiller 8, 168 G.; wir haben Hutten als den kläger ausreden lassen, um nun auch die vertheidigung und wiederklage des Erasmus im zusammenhange zu vernehmen D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 7, 476. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1083, Z. 4.

widerklagen, vb.

widerklagen, vb.:
wiederklagen judicio aliquem reconvenire Stieler stammb. (1691) 964; widerklagen Frisch t.-lat. 1 (1741) 518ᵇ; wiederklagen eine wiederklage anstellen Campe 5 (1811) 710ᵃ. literar. vereinzelt:
(sie) vergessen wider got ihr eigen heyl und schuld:
sie seind nicht mehr starck gnug dein und ihr glick zu tragen,
sie därfen (torrecht) schon sich widerklagend fragen,
wie! müssen wir dan nu geleben seiner huld?
Weckherlin ged. 2, 287 Fischer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1083, Z. 60.

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Zitationshilfe
„widerklagen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerklagen>.

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