Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerklang, m.

widerklang, m.,
widerhall, echo; mnl. wederclanc, nl. weerklank. vgl. die weithin synonymen widerhall, -schall; für den wechsel ie ˃ i s. widerklingen. das wort ist liter. erst seit dem 17. jh. belegt, dagegen seit dem 15. jh. häufig gebucht: wederclanc, wederhellynck, geluyt uit bergen, wateren of anders echo; wederclanck int gemeyn resonancia v. d. Schueren teuth. 487ᵇ Verdam; echo wedder clang Diefenbach nov. gl. 144ᵃ; ders., gl. 194ᶜ; echo wyderhal ader clanck als in den welden voc. opt. (Leipzig 1501) J 5ᵇ; echo widerhall oder klang gemma gemm. (Straszbg. 1508) h 7ᶜ; echo belg. wederclanck Junius nomencl. (1567) 379ᵇ; cottabus widerklang oder widerhall eines streichs Calepinus XI ling. (1598) 343ᵇ; weder-klanck der stemme Kilian (1605) 656ᵃ; wiederklang Campe 5 (1811) 710ᵃ (nicht bei Stieler, Kramer, Adelung).
1)
im eigentlichen sinne.
a)
ein von einem gegenstand reflektierter, echohaft nachhallender ton:
hie stand der bäume zahl, wo mancher vogel sang
mit lockendem geschrey, dasz auch der wiederklang
durch zweig' und lüfte strich
poesie d. Niedersachsen (1721) 2, 120 Weichmann;
sie (die toten) ruft ...
nicht mehr des hornes wiederklang
... zu arbeit und gesang
Eschenburg beispielsammlung (1788) 4, 72;
wäre Bouterweks angenehme vermuthung richtig, dasz der reim durch den widerklang aus den deutschen wäldern entstanden, so liesze der jetzige holzmangel manches hoffen Jean Paul w. 49/51, 431 Hempel; die worte ... hallten in dem inzwischen leer gewordenen atelier so nach, dasz Siegbert vor ihrem widerklange fast erschrak Gutzkow ritter v. geiste (1850) 3, 327; wenn vater und sohn ... dengelten und der metallene widerklang vom walde scholl Watzlik d. alp (1923) 270.
b)
der widerklang entstammt einer zweiten tonquelle, die der ersten antwortet:
es gilt mir alles gleich. sing du nur dein gesang,
und hör darauf zugleich auch meinen widerklang
Weckherlin ged. 2, 400 lit. ver.;
der einst widerklang den hirten gerufen ...
...
ich häher liege nun hier an der erde sinnlos und klanglos
Arndt w. 6, 54 R.-M.;
kaum waren diese (der mutter) töne von dem geängstigten tiere gehört, als es dieselben auch ... beantwortete, welche nun ... ihren widerklang in dem locken der mutter fanden Brehm tierl. 1, 234 P.-L.
2)
bildlich und übertragen.
a)
mit z. t. starker anlehnung an vorstellungen des akustischen.
α)
von groszen taten, geräuschvollen ereignissen:
die erd' erbebt von eurer thaten zier,
der widerklang soll durch die wolcken dringen
Gryphius trauerspiele 659 lit. ver.;
politische ereignisse, deren wiederklang aber nur wie ein fernes summen in die einsamkeit unseres abgelegenen dorfes drang H. Seidel von Perlin nach Berlin (⁵1895) 59.
β)
aufnahme und erwiderung eines mitgeteilten fühlens und erlebens, ähnlich dem eigentlichen gebrauch unter 1 b:
und dasz sie (die freundlichkeit des freundes) mich zu hoch nicht hebe,
sagt mir, wenn ich im freunde lebe
mein mitgefühl: sein lauter dank
ist nur mein eigner wiederklang
Herder 27, 386 S.;
ich habe nie an eures herzen wand
für meinen ruf den widerklang gefunden
Rückert ges. poet. w. (1867) 5, 84;
ihr bruder war so edel-tief, er hatte für jeden klang einen widerklang Hebbel br. 2, 16 Werner. von literar. werken (oft bei Göthe):
sie hören nicht die folgenden gesänge,
die seelen, denen ich die ersten sang,
zerstoben ist das freundliche gedränge,
verklungen ach! der erste widerklang
Göthe I 14, 5 W.;
man führte die romantischen dichtungen des mittelalters und der fremden ein ...; da der wiederklang nicht laut genug werden wollte, so steifte man sich desto nachdrücklicher auf diese gattung Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 535.
b)
gegenüber a β in weiterer entfernung von der sphäre des akustischen; bes. von gefühlen, empfindungen, stimmungen: von ihnen (J. F. Meyer) ganz allein höre ich einen ernsthaften wiederklang meiner ächten italiänischen freuden (1789) Göthe IV 9, 72 W.;
bist du wiederschein und wiederklang
der geheimsten unsrer triebe
Jacobi s. w. (1807) 6, 31;
ist euer vaterland schon untergegangen ..., dasz diese vaterlandsliebe in keiner brust einen widerklang findet? Tieck schr. (1828) 19, 391; wenn die liebe keinen wiederklang mehr erweckt, dann verstummt sie Holtei erz. schr. (1861) 8, 10. in bildender kunst: (über ein bild 'die trauernden apostel') in allen ... der widerklang dieses todes Vischer auch einer (1879) 2, 384; bei Jonas drückt sich das standbein ... schon so stark durch, dasz man mindestens einen vorklang (besser schon: einen widerklang) der sprechenden dualistischen harmonie von körper und gewand vernehmen kann Pinder d. Bamberger dom (1927) 53.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1084, Z. 4.

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Zitationshilfe
„widerklang“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerklang>.

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