Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerklingen, vb.

widerklingen, vb.,
vgl. widerhallen, -schallen, -tönen. mnl. wederclinken, nl. weerklinken. das seit dem frühnhd., literar. seit dem 17. jh., bezeugte wort zeigt bis in jüngste zeit nur verwendungen, bei denen es im ersten kompositionsglied wieder 'zurück, noch einmal' erkennen läszt, wobei jedoch die auffassung wider 'gegen' meist nicht auszuschlieszen ist. in der schreibung setzte sich i durch, ohne die bedeutung zu beeinflussen, vgl. Henzen wortbildung (1947) 94. lexikalisch seit dem 15. jh. vereinzelt neben älterem und häufigerem widerhallen, -tönen: wederclinken retynnire v. d. Schueren teuth. 487ᵇ Verdam; resultare widerclingen vel -hellen (15. jh.) Diefenbach gl. 495ᵇ; widerklingen tintinnare Maaler t. spraach (1561) 496ᶜ; weder-klincken resonare Kilian (1605) 656ᵃ; 'wiederklingen, nur selten' Adelung 4 (1801) 1535 (nicht bei Stieler und Kramer).
1)
in eigentlicher verwendung.
a)
gegenstände oder räume nehmen einen ton auf und klingen so wider:
und wie ehmals ihr im scherze
manches liebeslied gesungen,
dasz die huͤtten wieder klungen
Stieler geharnschte Venus 30 ndr.;
so dasz von dem geräusch und tönendem gesang
die erde zitterte, der himmel wiederklang
Triller poet. betracht. (1750) 1, 673;
ihr mägdlein, schlagt die harfen mir und singt,
dasz mir die öde grotte wiederklingt!
Brentano ges. schr. (1852) 6, 247.
b)
in verbindung mit präpositionen, von zurückgeworfenen tönen.
α)
widerklingen in (geschlossenen räumen) oder an (reflektierenden gegenständen):
der verborgne gegenschall
reimet recht mit meinem singen,
dasz die wort im tieffen thal,
droͤnen, toͤnen, widerklingen
Harsdörffer teutscher secretar. (1656) 1, 2, 99;
in dem steinernen dampfgewölbe klang dies eintönige geschrei lebhaft wieder H. Laube ges. schr. (1875) 5, 305; der postillon klatschte mit der peitsche, dasz es an den mauern des alten reitsaals widerklang Storm s. w. (1899) 1, 127.
β)
von, aus, mit der vorstellung des echoartig wiederkehrenden tones:
gewisz, gesang musz trefflich hier
von dieser wölbung widerklingen
Göthe I 14, 104 W.;
und des hornes heller ton
klang vom berge wieder
Lenau s. w. 76 Barthel;
was von den mauern widerklang, waren nur die seufzer seiner eigenen brust G. Freytag ges. w. (1886) 11, 260; Dietleib! hallo! — hallo! widerklang es wie hohn aus der tiefe der grotte Eb. König d. leg. v. verz. könig (³1925) 16.
2)
bildlich und übertragen.
a)
mit z. t. enger anlehnung an akustische vorstellungen von der nach- und breitenwirkung eines tones, wortes oder liedes: zum beschlusz können fromme christen ... jhren geist forschen lassen, wie tieff das fröliche 'kommet her' in das gedächtnus einsincken, und wie lang es in den ohren widerklingen müsse? Meyfart d. jüngste gericht (1637) 2, 198;
weil sonsten, was mein mund ... singt,
vor meines königs thron sehr krafftlos wiederklingt
Pietsch geb. schr. (1740) 60;
dasz mir die stumme, todesöde brust
von deinen (der natur) tönen allen widerklänge
Hölderlin ges. dicht. 2, 254 Litzmann;
du, du fühlst den sinn der lieder,
und sie klingen, teurer freund,
jubelnd dir im herzen wieder
H. Heine s. w. 2, 18 Elster;
die verlockenden weisen Rossinis und Bellinis klangen gerade am volltönigsten in ganz Deutschland wider Riehl musikal. charakterköpfe (1899) 1, 72; sie sah zu Riemer hinüber, weil ein wort in ihr widerklang, das er gesprochen Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 463.
b)
in weiterer entfernung von akustischer vorstellung:
wenn das, was ich für schatten hier empfunden,
in deinem herzen mächtig wiederklingt,
aus deinem auge schöne thränen zwingt
Schiller 6, 1 G.;
was hundertfältig in meinem herzen widerklingt: die tochter Weimars! ... dort ist ... das wahre vaterland jedes gebildeten Deutschen (1871) Grillparzer an kaiserin Augusta in: jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 1, 267; die versicherung der weisheit, wer sie finde, finde leben, ... klingt aus den johanneischen Christusreden mehrfach wieder D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 4, 61; kein interesse der zeit, das nicht bei ihm wiedergeklungen hätte Scherer litt.-gesch. ⁷306. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1085, Z. 34.

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Zitationshilfe
„widerklingen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerklingen>.

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