Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerlegen, wiederlegen, vb.

wi(e)derlegen, vb.,
umbiegen; zurückerstatten; ersetzen; vergelten; widersetzen; als falsch erweisen. mhd. widerlegen, mnd. wedderleggen Schiller-Lübben 5, 630ᵃ; mnl. wederleggen Verwijs-Verdam 9, 1936, dän. vederlægge ordb. over d. danske sprog 26, 757. zs. von legen, dessen eigentliche bedeutung aber kaum lebendig bleibt, und wieder 'zurück' (so in bed. 1 und z. t. auch 2), bzw. wider 'gegen' (in den bedd. 3 und 4). das wort ist seit dem 13. jh. gut bezeugt. lexikalisch seit dem 15. jh. für die bedeutungen 1 (s. d.) und 2, seit dem 16. jh. für 3 (s. d.): rependere wider legen (hd., 1429) Diefenbach nov. gl. 316ᵇ; reponere hd. nd. wider-, wederlegen ders., gl. 493ᵃ; wider legen mit glichnus der that recompensare voc. inc. teut. (Speyer um 1485) oo 2ᵇ; refundere widerlegen, widergelten Schöpper synonyma (1550) f 7ᵃ. neben dem im 16. jh. stark verbreiteten (bes. von Luther bevorzugten) verlegen 3 teil 12, 1, sp. 758 verzeichnen es: refello ich verleg, widderleg Alberus dict. (1540) g 3ᵇ; verlegen olim etiamnum pro wiederlegen refutare Stieler stammb. (1691) 1116. diese in neuerer sprache allein herrschende bedeutung ist durchgehend gebucht seit dem 16. jh.: reijcio, confuto, refuto, repudio verstos, veracht, widerleg Alberus dict. (1540) kk 2ᵇ; confutare verwerffen, widerfechten, widerlegen Calepinus XI ling. (1598) 306ᵃ; refello falsch seyn beweisen, widerlegen ebda 1236ᵇ. durch literar. zeugnisse nicht zu stützen sind die folg. buchungen: widerlegen an etwas legen, wie man ein holtz an eine wand legt Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 410ᵇ; wíderlegen, ich lege wíder, wider etwas legen Campe 5 (1811) 701ᵃ. mundartl. (selten) im nordwestl. sprachgebiet (nur hist. belege bei Fischer schwäb. 6, 783, schweiz. id. 3, 1191): widerléen luxemb. ma. (1906) 487; widderläje Wrede Köln 3, 277ᵇ; weddərlei Schmidt-Petersen nordfries. 160ᵇ; wederljide Jensen nordfries. 683.
1)
umlegen, umbiegen, stumpf machen (und entsprechend reflexiv); nicht immer deutlich, ob die sinnliche vorstellung 'umbiegen' oder das ergebnis des umbiegens 'stumpf machen' (vgl. unten widerlitzen) überwiegt: obtundi stumpf vel kumpf werden; widerlegt gemacht (ende 15. jhs.) Diefenbach gl. 391ᵃ; retundere widerlegen, stumpff o. kumpff machen (ende 15. jhs.) ebda 496ᶜ; gladiorum aciem prestringit er macht es stumpff, widerleits Frisius dict. (1556) 23ᵃ. literar. bezeugt vom 14. bis 16. jh.
a)
trans.: er ... nam es her abe und widerleite enklein die scharpfen nagel an einem steine Seuse dt. schr. 41 Bihlm.; (damit) jhre waffen von solchem todtschlagen (der elefanten) widerlegt wurden Xylander Polybius (1574) 476. bildlich: solche spruch ... streytten nur widder offentlich bosze ubirtrettunge, nit widder des bapsts oder der geystlichen gesetze, und haben damit dem schwerd die schneyden widderlegt, ia eyn horn druber tzogen Luther 8, 141 W.
b)
häufiger reflexiv: wenn man ein messer zuͦ gar und zuͦ vil scharpff wetzt, so thuͦt es kein gut, widerlegt sich, und schneidet minder dann vorhin J. Brenz pred. Salomo (1528) 99ᵃ;
und do er im uff die haut schneit,
das scharpff schwert sich gantz widerleit
Wickram w. 8, 139 lit. ver.;
darzu er hat muͤssen eisenkern oder kernstahel haben, der sich so leichtlich nit widerleget oder stumpff wird Mathesius Sarepta (1571) 80ᵃ;
der spitz thet sich bald widerlegen
Spreng Ilias (1610) 36ᵇ.
2)
mhd. (s. Lexer 3, 842) und frühnhd. gut bezeugt sind verwendungen, in denen wiederlegen (zu legen B I 6 b, teil 6, sp. 526) eine rückerstattung, wiedergutmachung, hinterlegung, vergeltung gegenüber einem geschädigten oder einem vertragspartner bezeichnet.
a)
zurückerstatten eines geliehenen oder geraubten gutes: vber der hundert pfunt ... hab wir ertailt, mach der junge W. daz bewærn, daz sin prvͦder im gelobt hab daz selbe gvͦt ze widerlegen (1281 Salzburg) corp. d. altdt. originalurk. 1, 432 Fr. Wilhelm; wo ains hellers werdt wurdt genommen, so wolten sys widerlegen Knebel chron. v. Kaisheim 443 lit. ver.; (ich) sollte das vorig entlehnte widerlegen, musste also neuen kredit suchen (1787) in: schweiz. id. 3, 1192.
b)
entschädigen, wiedergutmachen, ersatz leisten (für ein zur nutzung überlassenes besitztum): ein gvͦtelin ... daz han ich dem closter widerleit ze Heitwil mit bezirim gvͦte (1276) corp. d. altdt. originalurk. 1, 279 Fr. Wilhelm; swaz wir danne rehter rechnvnge ... schvldich beliben, daz svle wir in widerlegen mit anderem gvͦte (1307) mon. Zoller. 2, 292. sehr häufig in der festen verbindung schaden wiederlegen: den schadin der vnserme herrin dem bischof geshehin ist ... daz solt man ime widerlegen (1255 Konstanz) corp. d. altdt. originalurk. 1, 63 Fr. Wilhelm; welk schip dat heel blift dat schal deme anderen schepe unde ghuͦde zynen vuͦllen schaden wedderleghen, dat dar to broken is (seerecht v. Hamb. 1306) bei Pardessus coll. de lois marit. (1834) 3, 349; allen schaden, den de Denen, Sweden ... gedan hebben deme dudeschen kopmanne, scholde de koningk uprichten unde wedderleggen (1434/35) städtechron. 36, 137; (es ist) offenlich ausgeruft und gepoten worden, ... ir scheden, so si enpfangen haben, widerzulegen (1525) chron. d. st. Bamberg 2, 179 Chroust;
so will ich dir dein urthail sprechen,
dein schaden widerlegn und rechen
Hans Sachs 2, 379 lit. ver.
c)
ein äquivalent zur sicherung des in die ehe eingebrachten heiratsgutes der frau (geld, seltener liegenschaften) w.: diu hat die selben morgengabe oufgeben mit gutem willen, und han ich ir die widerlegent ze H. mit aeckren (1290) urkundenb. d. st. Augsburg 1, 95 Meyer; min morgengaube und haimsture ist wider leit gentzelich mit drittehalp hundert pfunden guter haller (1328) gesch. d. pfalzgr. v. Tübingen 160 L. Schmid; sol der ... graf E. die froͤwlin ... irer zway tusent guldin hyratsguͦt mit zwayen tusent guldin widerlegen (1481) Fürstenberg. urkundenb. 4, 490; (die witwe) war des willens, mit irem zugeprachten und widerlegten gut ... zu baiden iren brüedern ... sich zu verfüegen Zimmer. chron. ²1, 366 Barack. später selten: fünfhundert gulden, welche ... derselbe mit eintausend gulden zu widerlegen versprochen (aus Mozarts heiratsvertrag) O. Jahn Mozart (1856) 3, 474; (baron:) mache der herr gleich den aufsatz vom heyrathsbriefe. ich gebe dem major jährlich 4000 gulden zulage, und wenn ich sterbe, meine herrschaft. (notarius:) und wie widerlegen dieses der herr major? (major:) mit allem, was ich besitze Ayrenhoff s. w. (1814) 3, 74. auch wechselseitig: was ainer oder aine zu heirath bringt, wenig oder vill, soll dem andern widerlëgt werden (1625) österr. weist. 1, 27.
d)
eine summe als finanzielle sicherung in einer handelsgesellschaft wiederlegen (s. die belege bei Schiller-Lübben 5, 630 und das häufiger bezeugte widerlegung 1 c): wyr haben wedirleit Johannes Pligen unsern dyner 250 pruͤsch keen syne 250 prusch in deme yare 89 an deme tage Jacobi handelsrechn. d. dt. ordens 143 Sattler u. ö.
e)
in übertragener verwendung.
α)
jemandem einen dienst, freundliche gesinnung, eine gute tat vergelten, ihn für etwas belohnen:
küneglîch gewalt, den wir hân,
mit willen sol daz (dienste) widerlegen
(1261/69) Ulrich v. d. Türlin Willehalm 314 Singer;
etlich widergelten ... ding die man nit widerlegen solt Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 122ᵇ;
die Troianer in der welt
mit allem jhrem gut vnd gelt
dir moͤchten widerlegen nicht,
die wolthat so vns heut geschicht
Spreng Äneis (1610) 16ᵃ;
die wolthat und das gute, dass wir den andren schenken,
ist wiederlegt genüglich, wann andre dran gedencken
Logau sinnged. 403 lit. ver.
β)
in religiöser vorstellung: an dem guote (gott) wirt diu minne wuocherhaft; dâ wirt ir minne mêrer denne tûsent stunde widerleget (mitte 13. jh.) bruder David v. Augsburg in: dt. mystiker 1, 370 Pf.; ler mich, daz ich dir von dinen gnaden minneklich werde, sider dinen minnezeichen nieman kan widerlegen Seuse dt. schr. 273 Bihlm.; der almechtig got, der widerleg es euch mit aller geluckseligkeit (1491?) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 292; weils jn der herr hundertfeltig widerzulegen ... versprochen hat S. Franck sprüchw. (1541) 2, 137ᵃ; sich güetig ... erzeigen ... (werde) von dem allmechtigen reichlich widerlegt und belohnet (1621) mon. Germ. paed. 19, 147.
3)
widerstand leisten, (sich) widersetzen, 'obniti contra aliquid widerlegen' Frisius dict. (1556) 324ᵃ.
a)
vereinzelt mhd. als vb. absol. und mit dat. d. person:
dar zuo was ir maht sô krefteclich,
daz sie sich ûf mich in Sahsen legten mit gewalte.
dâ von ich die selben zît niht widerlegen kunde
Lohengrin 2557 Rückert;
si (die Hunnen) wânten daz in alle diutschiu rîch
niht widerlegen möhten noch enkunden
ebda 7333;
(der könig) wolt ime do widerlegen, daz er üt gen Stroszeburg mohte kumen (1362) städtechron. 8, 59.
b)
stärker entwickelt sich der seit dem 15. jh. neben vorherrschendem synonymen sich widersetzen bezeugte und bis um 1700 reichende refl. gebrauch (refragari sich widerlegen Frisius dict. [1556] 1131ᵇ): (die) Franzosen bi keiser Gracianus ziden, die sich widderleiden dem roemschen rich den tribuit zo geven (1499) städtechron. 13, 374; warumb fuͦssest du vnd widerlegst dich denn wider meine opffer ..., die ich geboten hab (1. kön. 2, 29) Zürcher bibel (1531) (Luther: warumb leckestu denn wider meine opffer); das ist der erste grund gewest, den Lutherus gelegt hat, welchem sich widerleget haben die ... fratres vnd sophisten Schellenecker leben Luthers (1576) 10;
aber weder schild noch degen
kan der zeit sich wiederlegen
Logau sämtl. sinnged. 575 lit. ver.;
so trau' ich doch so viel des kaͤysers tugend zu:
er werde sich behertzt der bosheit widerlegen
Lohenstein Ibrahim sultan (1680) 41;
was uns gott sagt, dem sollen wir uns nicht widerlegen non bisogna contradire; oposer Rädlein t.-ital.-frz. (1711) 1055ᵃ.
4)
die unrichtigkeit einer sache (einer behauptung) mit gründen erweisen. die belege beziehen sich fast durchweg auf das infrage- und richtigstellen mündlicher und schriftlicher äuszerungen. ausgangspunkt für diese im frühen 16. jh. aufkommende und in neuester zeit allein herrschende bedeutung sind wohl übertragene verwendungen von legen im sinne 'darlegen, auseinanderlegen' (teil 6, sp. 526f.), das durch wider 'zurück' den sinn erhält 'eine frühere äuszerung als unzutreffend er- (oder zurück-)weisen'; einwirkung des nur sehr schwach ausgeprägten gebrauchs 'umbiegen, stumpf machen' (1 a) dürfte kaum anzunehmen sein. widerlegen steht vorwiegend in verbindung mit akkus. (seltener ist der absol. und refl. gebrauch, s. unten); ganz vereinzelt mit dat.: (Fabri,) dem ... prof. Korthald ... in einer soliden disputation gründlich wiederleget und ihn dadurch zu einen ewigen stillschweigen gebracht Neukirch anfangsgründe (1724) 2. rechtssprachlich 'durch einspruch anfechten, umstoszen': wir haben och noch in unseme rechte, daz nieman sech selbe zu eigen gegeben ne mach, iz ne wederlege sîn erbe wol Sachsenspiegel, landr. 3, 42, 3 Eckh.; gesat recht en mach dat natuerlik recht nyet wederlegen bei Graf u. Dietherr (1864) 2, nr. 16; wenn jemandem der schätztag angesagt oder die schatzung wirklich vollzogen ist, so mag von andern kreditoren, die sich dadurch benachteiligt glauben, die schatzung durch amtliche verfügung widerlegt werden (1856) in: schweiz. id. 3, 1192. in wenigen zeugnissen bekommt widerlegen den sinn 'ablehnen, zurückweisen'. die nähe zum allg. üblichen gebrauch 'als falsch (hier: unberechtigt) erweisen' bleibt spürbar: also kanstu erstlich hiemit (durch gottes gebot, zu beten) des teuffels anfechtung widerlegen und nider schlahen, so er fürgibt, du seiest ungeschickt odder nicht wirdig (dazu) (1539) Luther 46, 82 W.; usurpirten ruhm werd ich freimütig widerlegen Schiller 3, 532 G.;
mein herz wird nicht den wunsch des vaters widerlegen
Castelli s. w. (1845) 12, 117.
vereinzelt in deutlicher abgrenzung gegenüber beweisen, überzeugen: so sehr viel leichter ist widerlegen als beweisen Schopenhauer w. 2, 124 Gr.; du hast mich widerlegt, nicht überzeugt Z. Werner söhne d. thales (1804) 2, 46.
a)
in allgemeiner verwendung vorwiegend mit persönlichem subjekt (so vor allem in älterer zeit) und
α)
mit sachlichem objekt: wie wol das szo eyn nerrichte glosze ist, das sie billicher vorlacht denn widderlegt wurde, wollen wyr doch yhn dienen und yhren yrthum von yhn nemen (1521) Luther 8, 153 W.;
vnnd die schrifftklugen kundten nicht
die wort jhm widerlegen
Ringwaldt evangelia (1581) f 2ᵇ;
doctor Stymmelius ... widerleget die gegenlehre Micraelius altes Pommerland (1640) 3, 606; dasz wir diesen Hippias entweder gar nicht einfuͤhren oder ... seine lehrsaͤze ausfuͤhrlich hätten widerlegen sollen Wieland Agathon (1766) vorber.; meine recension hast du sehr verkannt und du widerlegst dinge, die ich dort auch bestritten habe (1809) W. Grimm in: J. u. W. Grimm briefw. a. d. jugendzeit (1881) 184; es ist unendlich schwer, eine falsche lehre zu widerlegen, eben weil sie auf der ueberzeugung beruht, dasz das falsche wahr sei Liebig chem. br. (1844) 22; ich widerlege ihre aufstellung punkt für punkt (1864) W. Raabe s. w. I 6, 259; in neuester zeit bes. von meinung, verdacht usw.: man wiederlegt die meinungen, die wider das principium der nachahmung sind Ramler einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 1, 121;
nicht besser könnt ihr den verdacht,
der jetzt noch auf euch lastet, widerlegen
Schiller 12, 532 G.;
(Diederich) protestierte ... gegen eine unterstellung, die er schon einmal öffentlich widerlegt habe H. Mann d. untertan (1949) 430.
β)
mit persönl. objekt auf den verfechter einer auffassung oder lehre bezogen: (Christus) die falschen deuter und ausleger des gesetzes confutirt, gestraft und widerleget bei Luther tischr. 6, 89 W.; einer sagte, das kalte fieber diente zur gesundheit, diesen wiederlegte ein ander Chr. Weise d. drei ärgsten erznarren 208 ndr.;
ein saͤufer kam und taumelt' ihm (dem philosophen) entgegen,
und schwur bey seinem wirth und wein:
ich trink; o darum muss ich seyn,
glaubt nur, ich trink; ich bin. wer kann mich widerlegen?
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 50;
sie haben meine gedanken verdorben
und sagen, sie hätten mich widerlegt
Göthe I 3, 339 W.;
Watt hatte die täuferischen lehrer bestritten und widerlegt Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 224.
γ)
als verbum absolutum: (er) liesz sie uͤber rechtsfragen sich erklaͤren, widerlegen und antworten Haller Usong (1771) 86; ich will hier weder widerlegen, noch theorisiren Herder 25, 334 S.; die gelehrten sind meist gehässig, wenn sie widerlegen; einen irrenden sehen sie gleich als ihren todfeind an Göthe I 42, 2, 139 W.; Agnes, die stets zu widerlegen wuszte Holtei erz. schr. (1861) 2, 188.
δ)
mit näherer bezeichnung der argumente und beweismittel, mit denen oder durch die ein anderer oder dessen auffassung widerlegt wird: epicureismus ist die schädlichste secta, welche man nicht widerlegen kann mit der heiligen schrift, denn sie acht der nicht (non potest confutari, 1543) bei Luther tischr. 4, 536 W.; weise leute widerlegen viel mit stillschweigen Winckler 2000 gutte ged. (1685) A 5ᵇ; sie haben hierinn am besten, durch die that, den vorwurf des herrschenwollens ... widerlegt Cramer Neseggab (1791) 2, 20; mit gedanken kann man gedanken widerlegen, gegen gefühle sind sie eine schwache waffe O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 363; (die taktik), den anderen mit seinen eigenen argumenten zu widerlegen Fr. Wolf zwei a. d. grenze (1948) 57. wohl wortspielend mit anklang an bed. 2 e 'vergelten', jedoch im sinne 'heimzahlen': welche vngehewre luͤgen dess Paracelsi zwar nicht mit argumenten, sondern mit knütteln zu widerlegen weren Nigrinus von zäuberern (1592) 202; dasz Trapezuntius den Foggius mit ohrfeigen wiederleget, ist schon oben gesagt worden Mencken zwei reden v. d. charlataneria (1716) 98; statt mit worten den gegner mit knitteln zu widerlegen Mommsen röm. gesch. (1865) 2, 200.
b)
mit unpersönl. subjekt seltener, doch in fast allen verwendungen von a, bes. von fakten und sachverhalten (vereinzelt mit metonymisch bezeichnetem subjekt): da widerleget jn ... die taͤgliche erfarung Sebiz feldbau (1579) 5; welches ... keine ... feder ... (wird) wiederlegen können Lohenstein Arminius (1689) 1, c 1ᵃ; eine theorie wiederleget immer die andere Dusch verm. w. (1754) 103; in der naturgeschichte ... kann man hypothesen wagen; denn die fehler sind leicht zu finden: jeder knochen, jede pflanze, die mir in die hände fällt, widerlegt mich Göthe gespräche 1, 174 Bied.; ein mit dem gelben getreide des Abdias hoch beladener wagen ... widerlegte den wahn der ... nachbarn, dasz das ... Wiegenthal unfruchtbar sei Stifter s. w. 3 (1911) 104; diese daten widerlegen die irrige annahme, dasz die glasmaler wanderkünstler ... gewesen wären Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 230. die äuszere haltung, mimik widerlegt: (präsident zu Wurm) ich kündige meinem sohn noch diesen vormittag seine vermälung an. das gesicht, das er mir zeigen wird, soll seinen argwohn entweder rechtfertigen, oder ganz widerlegen Schiller 3, 376 G.;
doch seine bleiche lippe widerlegte
ihr eignes wort und sprach: ich fürchte mich
H. v. Kleist w. 3, 77 E. Schmidt;
(worte) widerlegten nicht madames anklagen. wohl aber wurden madames anklagen widerlegt von Simones gesicht Feuchtwanger Simone (1950) 298.
c)
als verbum refl.
α)
subj. und objekt sind identisch sich (selbst) widerlegen: wir ... achten jhr vngehewre lehr von der einbildung vnwirdig der widerlegung, als die sich selber bey allen verstendigen widerlegt Nigrinus von zäuberern (1592) 120; da sich zumal diese meinung ... im folgenden selbst widerlegen wird Schwabe belust. (1741) 1, 171; die gründe ... sind so morsch, dasz sie eigentlich sich selbst abläugnen und widerlegen Herder 22, 107 S.; ich bekenne, dasz ich mich selbst widerlegte P. Dörfler Peter Farde (1929) 392.
β)
sich widerlegen lassen
widerlegbar sein:
diese dem naturforscher nachgeahmte methode besteht also darin: die elemente der reinen vernunft in dem zu suchen, was sich durch ein experiment bestätigen oder widerlegen läszt
Kant 3, 13 akad.;
diese lehre läszt sich leicht widerlegen
Solger vorles. über ästhetik (1829) 37.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1103, Z. 43.

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Zitationshilfe
„widerlegen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerlegen>.

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