Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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widerpart, widerparte, m., f., n.

widerpart(e), m., f., n.,
gegenpartei, -teil; gegner; feindschaft. vgl. unten widerpartei, das jüngere gegenpart teil 4, 1, 2, sp. 2248 und gegenteil ebda 2271. mhd. widerpart, mnd. wedderpart(e), mnl. wederpart Verwijs- Verdam 9, 1948; aus dem mnd. ins dän. und schwed. entlehnt: vederpart, s. ordb. over d. danske sprog 26, 760. das seit der 2. hälfte des 13. jhs. bezeugte wort ist hybride zs. von wider 'gegen' und dem aus dem frz. entlehnten parte 'abteilung, partei', s. Suolahti d. frz. einflusz (1929) 177 und 305. neben der kollektiven bedeutung 'gegenpartei' steht schon in einigen der frühesten belege die verwendung für den einzelnen gegner (s. unten 2), eindeutig: jüng. Titurel 2206, 1 Hahn, Lohengrin 1614 Rückert, passional 166ᵃ Köpke; als plur. widerparten buch d. Maccabäer 6891 Helm. häufig ist jedoch der sing. f. 'gegnerische partei' vom plur. m. 'feinde' nicht zu scheiden. die unsicherheit im genus ist bedingt durch die verschiedenen verwendungen des wortes und wohl auch durch einwirkung der synonyma gegenseite, gegenteil. widerpart ist vorwiegend fem. in der bedeutung 'gegnerische gruppe', mask. als bezeichnung für den einzelnen gegner und häufig neutr. in abstrakter verwendung. lexikalisch seit dem 15. jh. vereinzelt, regelmäszig seit dem 16. jh.: wederpart adversarius; wederpart houden opponere; tegen die wederpart to halden distinere; wederpart wesen attaminare v. d. Schueren teuthonista 488ᵇ Verdam; aduersarius ein wederpart gemma gemm. (Magdeburg 1495) b 2ᵃ; diuersa pars die widerpart Frisius dict. (1556) 435ᵃ; widerpart (die) widersächer in eim grichtshandel, aduersarius, diuersa pars uel aduersa Maaler teutsch spr. (1561) 496ᵇ; widerparth, widersacher partie aduersaire Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 410ᵇ; gegenpart, widerpart pars adversa, antagonista, adversarius Stieler stammb. (1691) 1412; widerpart, m. parte auversa, contraria, auversario (adversario) Kramer t.-ital. 2 (1702) 1342ᵇ. fast durchweg ist das wort (bes. in der wendung widerpart halten) in die maa. eingedrungen, s. Fischer schwäb. 6, 787; schweiz. id. 4, 1618; widerpaͦrt leist'n widerreden Hügel Wien 189ᵃ; widderbart holte widersprechen Askenasy Frankfurt 214; widerpart, m., widerrede, widerspruch Ruckert unterfränk. ma. 196; 'des wirrerwaͦard hâłn, gleichbedeutend mit wirrerbaͦard streitend entgegenreden' Crecelius oberhess. 912; wiᵉrpart m. gegner Bauer-Collitz Waldeck 113ᵃ; der widerpart gegner Schmitz Eifel 1, 233ᵃ; widerpart widerstand (leisten?) Müller-Fraureuth obersächs. 2, 663ᵃ; wedderpart idem quod tägenpart Stürenburg ostfries. 327ᵃ; wëderpârt hûil'e opposition machen Jensen nordfries. 683; weddərpārt, n. widersacher Schmidt-Petersen nordfries. 160ᵇ; wedderpart holen 'widerstand leisten, gegenströmig sein'; he (dat) is mi en wedderpart 'unsympathisch, widerwärtig' Mensing schlesw.-holst. 5, 563; wedderpart gegenpartei, feind Mi Mecklenburg 105ᵇ.
1)
im anschlusz an part(e) 2 teil 7, sp. 1466 bezeichnet widerpart (f., vereinzelt m.) eine gegnerische, feindliche gruppe von personen.
a)
die gegenseite im kampf, das feindliche heer:
sî muosen werden sigelôs.
ir widerparte was sô grôz
daz ir kraft wênic iht vervienc
Reinfrid v. Braunschweig 25 104 Bartsch;
es ist aber desz Sventopelci tod den unserenn nicht ein kleine fürderung zuͦ dem sig gewesenn, wellicher auch der widerparth jr hertz hingenommen Pantaleon mitnächtische völkeren hist. (1562) 1, 139; also ward die statt ingenommen, die widerpart floch ein teil zun thoren hinuss Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 162; für die groͤsse des geistes war die erste gelegenheit sich zu weisen, auf einem zuge gegen die feinde ..., in einem treffen gegen den widerpart Abbt verm. w. (1768) 1, 28.
b)
gegenpartei in einem rechtshandel: Ferber ... wolte zur ehe ... eines alten vnd reichen rahtmans (Pillemans) einige tochter, gab fuͤr, sie hette es jhm ... gelobet ... Ferber zog gen Rom, brachte seine widerpart Pillemans in bann vnd zum thor hinaus Hennenberger erclerung d. pr. landtaffel (1595) 89; (ich) habe zwar eine starke widerpart gehabt, da denn die sachen einen ganzen tag disputiret sind worden, und hat der von Zettritz 4 doctores bei sich gehabt Schweinichen denkwürd. 478 Öst.
c)
in meinungsstreit und politischer auseinandersetzung: sunderlich wann sie ... (zu des papstes) widerparth sich verbunden hant (1409) Frankf. reichscorresp. 1, 141 Janssen; wann ewere (der päpstlichen herren) widerpart nicht mehr noch weiters reden muͤst, dann ir inen zuͦlassen wuͤrdent, hettent ir ein gewuͤnschte sach. aber nun stehets darauff, das eine part die andere will zuͦ ketzern machen, und solchs alles beweisen (1544) Sleidanus reden 111 Böhmer; einige von der widerpart finden darin heimliches gift J. v. Müller s. w. (1810) 5, 82.
2)
im unterschied zu 1, jedoch infolge fehlender pluralendungen nicht immer davon zu trennen, der einzelne gegner, feind. das fem. wird beim übergang vom kollektivum zur bezeichnung eines einzelnen durch das maskulinum verdrängt.
a)
feind, gegner in kampf und politischer auseinandersetzung:
Friderîch der wânte manegen man
im ze dienste gewissen unde bereiten hân,
der sich von disen maeren nû verwandelt
und ouch sîn widerparte wart:
doch sô brâht er mit im manegen ûf die vart
Lohengrin 1614 Rückert;
aber irre widerparten
die sich kegen en hie scharten,
der riten was unmazen vil,
wand en niht ist gesetzet zil
buch d. Maccabäer 6891 Helm;
der von Braunschweigk hatte in der lunen burgischen heyde drey man, da der widerpart kaum einen hatte (1542) bei Luther tischr. 5, 133 W.; Savanorela sahe wol, wie die verjagten Mediceer von Florentz, so steiff vber dem babst hielten, derhalben schlug er sich zu jhren widerpart Rätel Curaei chron. (1607) 221. im (ritterlichen) zweikampf: wann du gegen deinem feind anlauffest ... unnd ein jeder seines widerparten pferd in der lincken brust suchet Wallhausen kriegskunst zu pferdt (1616) 10; Titus Manlius Torqvatus hat von seinem obsieg wenig ehre, weil sein widerpart eine verkleidete ungewaffnete weibsperson ist Lohenstein Arminius (1689) 2, anm. 6ᵃ; er (oberst v. Bredow, der wegen eines duells verabschiedet wurde) dürffte dennoch seine satisfaction an seinem wiederpart suchen (1714) Berliner geschrieb. zeitungen 6 Friedl.
b)
häufig für den gegner in einem rechtshandel: sein widerpart ward es gewar, das sein widerteil dem richter geschenckt hat, da schenckt er im zwei pferd für die wagen Pauli schimpf u. ernst 91 lit. ver.;
in dem tratt für mein widerbart (vor gericht)
Hans Sachs 7, 249 lit. ver.;
darauf dann Troll sich recht gegen seinen widerparth uͤberstellete und zu demselben also sprach ... mein freund, du bist klaͤger, so must du auch dem ersten litem contestiren Happel akad. roman (1690) 117;
ich kenn' ihn wohl. er ist mein widerpart,
der um ein altes erbstück mit mir rechtet.
— herr Reding, wir sind feinde vor gericht,
hier sind wir einig
Schiller 14, 321 G.
c)
im religiösen, politischen und wissenschaftlichen meinungsstreit:
Ignacius der bischof
ist mit grozer hochvart
gegen uns gar ein widerpart
mit sime gelouben, den er hat
passional 166ᵃ Köpke;
aus solchem bekentnis und zeugnis unsers widderparts haben wir, das wir nicht ketzer sein können, weil wir die schrift haben, gleuben und bekennen (1545) Luther 54, 288 W.; er ist ein tapfferer soldat in disputiren, doch ist er so gnaͤdig darbey, ... und so barmhertzig, dasz er offtmahls seinen widerpart aus discretion gewinnen lässet Weise polit. redner (1677) 68; diese (meine) ausführungen (über die vereinsgesetze der arbeiterbildungsvereine) riefen meinen Leipziger widerpart Bitter auf die tribüne Bebel aus m. leben (1946) 1, 83.
d)
allgemein 'persönlicher feind, widersacher': wie offt lobt eyn freund dem andern, das eyn offentlich laster ist ... aber seynem feynd und widerpart thut er das widerspiel (1522) Luther 10, 1, 2, 179 W.; die feindschafft ist bey vielen leuten so grosz, dasz, wenn sie über ihren widerpart gleich solten hinweg fallen, sie doch, wie stumme hunde, da liegen Schuster christerbaul. sendschreiben (1742) 454;
musz jeder, der nur reines herzens ist,
wär's auch mein widerpart, es nicht bekennen?
Z. Werner Luther (1807) 225.
in religiöser vorstellung:
lasz unsz jungfraw, dan nit verderben
noch fallen in die hende unser widerpart,
durch den herben und pitern dot
deines kindes lasz unsz genad dort finden
Folz meisterlieder 13, 144 Mayer.
e)
in selten bezeugten verwendungen mit z. t. stärkerer betonung der partnerschaft und abschwächung des begriffes der feindlichkeit. gegner in der wette: (er) sprach zuo synem widerpart: leg usz vor menglichem unser gewett, das wir mit ainander gethon haben (inquit federario, ut in publico federa exponeret) Steinhöwel Äsop 59 lit. ver. im spiel: wir spiel'n, erst um die zech', aber ich hab' mein' widerpart gleich d'erkannt Anzengruber ges. w. (1890) 4, 105. 'gegenspieler': und so wären wir wieder glücklich bei herrn Publikus als widerpart des künstlers Schlosser präludien (1927) 235. 'widersacher': als habe der himmel durch intervention der dame in Lourdes zuviel des guten getan, scheint der höllische widerpart den begreiflichen wunsch zu empfinden, nun auch ein wenig zur geltung kommen zu dürfen Werfel Bernadette (1948) 268. ohne feindlichen nebensinn: vgl. Stürenburg s. v. tägenpart (wedderpart s. 327ᵃ idem quod tägenpart): 'der eng verbundene genosse, z. b. das zweite thier eines gespannes, der zwillingsbruder, ehegatte etc.' ostfries. 275ᵃ. 'liebespartner':
ist es möglich! stern der sterne.
drück ich wieder dich ans herz!
...
ja du bist es! meiner freuden
süszer, lieber widerpart
Göthe I 6, 188 W.
3)
im bereich des sachlichen, nichtpersönlichen.
a)
noch mit der vorstellung 'feindlich gerichtet gegen', eine sache ist der feind, das gegensätzliche prinzip einer andern:
die geiticheit ist ain widerpart
gen der milte nach dem wart,
als Tulius spricht in seiner sum
Vintler pluemen d. tugent 2120 Zingerle u. ö.;
jeglichs ding sein sondere widerpart hat, darvor es sich scheucht und fleucht, als das liecht hat zu solcher widerpart die finsternis, das suͤss das saur bei Fischer schwäb. 6, 787; wann es (das feuer) sein widerpart entpfint, das ist wasser, so würt es von im gesterckt vnd brint dester geher Keisersberg brösamlin (1517) 2, 33ᵇ.
b)
gegenüber a nur noch das (meist extreme) gegenteil einer sache:
wenn er (Dyonisi) aim versagen wolt etwas
umb ain clain ding, darumb er gepeten wart,
so het er geleich die widerpart,
die da Alexander an im het
Vintler pluemen d. tugent 2083 Zingerle;
muosz er des(s)elben geliebten dings emperen vnd dafür das widerpart haben, alszdenn ist er in layd vnd smertz Berthold v. Chiemsee theologey 330 Reithm. u. ö.; daraus wir sehen, wie sich die narren, die yhren tandt draus wollen grunden, eben auff das widderpart setzen und auff eyn sand grunden Luther 12, 552 W.; das böse wetter von Zollern hatte eine frau, die der widerpart von ihm und so mild und freundlich war wie ein maitag W. Hauff s. w. (1890) 4, 200; unser jahrhundert (ist) überall in seinen sympathien und antipathien der widerpart des vorigen Justi Winckelmann (1866) 1, 373; dasz sie (die protest. kirchenbaukunst) immer dem klassizismus, also dem widerpart des irrationellen barocks zuneigte Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 278.
4)
von den bedeutungen 'feind' (2 a) und 'gegenseite im kampf' (1 a) gehen aus
a)
spätmhd. in selten bezeugten verwendungen 'gegensatz, gegnerschaft, widerstreit', öfter bei Folz:
wie wol das drey
persan in got
sint und ist not,
solten sie dreyerley
willes, weses, art und substancz
nach den persanen sein geteillt,
so wer do ewig widerpart:
eine mecht wunt, die ander heillt
meisterlieder 29, 26 Mayer;
zwai wirtlütt mit veraintem sin,
die nicht hetten zwischen in
kain irrung, krieg und widerpart
Heinrich Kaufringer ged. 101 lit. ver.
streit, kampf der tageszeiten:
den sturm erhort ain freulin zart,
...
si sprach: ich hör die widerpart,
der tag die nacht mit schein bekart
Oswald v. Wolkenstein 6, 19 Schatz.
b)
'rebellion', vorwiegend schwäb.-alem. belege, nur frühnhd.:
das (streben nach besitz) schafft gittikait und hoffart,
das dovon kompt grosz widerpart
und land und lüt verderben,
fründ umb fründ ersterbent
des teufels netz 7425 lit. ver.;
als nun ain rath sach und erkannt das grosz murmeln und widerpart under dem volk, das was ainem erbern rat laid (1466) städtechron. 5, 52; also satzten sich die Behem und ward die romor und die widerpart ie lenger ie grösser ebda 88; (Nürnberg) wer ein stark wer ... wider alle aufleuf, umbschlagen oder widerparten, die sich entheben möchten in Thuringen (1488) ebda 3, 45.
c)
'widerwärtigkeit, ungemach':
o wê der widerparte,
o wê dem armen senden!
ez lît drîfaldig harte
svem ungelücke solchen lust kan wenden
Hadamar v. Laber jagd 149 Schmeller;
denn je die thier in ihrer art
mehr gnüg' und minder widerpart
haben in dem, was gott beschert,
wo 's ihnen nur der mensch nicht wehrt
(nach Andreä) bei Herder 15, 236 S.;
ich hielt mir immer vor, dasz den gröszten widerpart im leben die menschen sich selber machen, weil sie satzungen und einrichtungen halten, die sich der menschlichen entwicklung fortwährend streitlustig entgegenstellen Rosegger schr. (1895) I 5, 245. archaisierend: do ich viel widerpart und schmach erfahrn Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 366.
d)
in neuerer zeit entwickelt sich (vielleicht verkürzt aus widerpart halten) die bedeutung 'widerrede, widerstand'; 'mod. unberufene, widersprechende gegenrede' Fischer schwäb. 6, 787; widerpart, m., widerrede, widerspruch Ruckert unterfränk. 196:
dass sie, ohn allen widerpart,
das g'sänglein: leider Eberhard,
nach unserm sinn gesungen
Ditfurth volksl. d. bayer. heeres (1871) 24;
auf's widerpart richtest du dich ein! na, das kunnt' ein hubsches zweigespann geben. geh', du hast mich nicht lieb! Rosegger schr. (1895) II 9, 365.
5)
in verbindung mit halten wird widerpart stehende wendung, die seit dem 15. jh. durchgehend bezeugt ist und in neuester zeit den geläufigsten gebrauch des wortes darstellt. eigentlich 'die gegenseite (aufrecht) halten'. vereinzelt widerpart tun: 'wenn ih deam uⁿfug koaⁿ widerpart thuaⁿ entgegentreten' Fischer schwäb. 6, 787; vgl. das im 16. jh. belegte stand tun gegenüber stand halten seit dem 17. jh., s. teil 10, 2, 1, sp. 685. mundartl. gelegentlich auch widerpart leisten Hügel Wien 189ᵃ. unsicherheit im genus zeigt sich auch hier. während die wendung zunächst ohne artikel gebraucht wird, finden sich im 16./17. jh. belege für das fem. und neutr.: man helt ettwan die widerpart (1604) Fischer schwäb. 6, 787;
Hans Widerporst is jgelischer art,
helt jederman das widerpart
Lehmann floril. polit. (1662) 2, 910.
vereinzelt steht der unbest. art.: über solche antwort hielt Lucas Geizkofler seinem wirt ... eine starke widerpart Geizkofler selbstbiogr. 36 Wolf. auffallend ist der gebrauch im 19. jh. Ranke verwendet den fem. art.: noch einmal nahmen die churfürsten es auf sich, ihm die widerpart zu halten s. w. (1867) 1, 98; ähnlich 37, 102; 40, 109; Riehl hat fem.: gesch. v. Eisele u. Beisele (1848) 35 neben mask.: naturgesch. (1851) 2, 286; Gutzkow ges. w. (1872) 7, 306 und Scherer litteraturgesch. ⁷196 gebrauchen das mask. meist steht widerpart halten mit dat. d. person (wohl nur vereinzelt mit gen.: Flacius, der ... Melanchthons widerpart gehalten hatte Ranke s. w. 7 [1868] 56); gelegentlich mit etwas widerpart halten 'in feindschaft leben mit': Christus aber helt mit der welt widerpart vnd bleibt ewig jr widerfuͦg S. Franck sprüchw. (1541) 2, 210ᵇ. widerstand leisten; aufsässig, gegensätzlicher meinung sein, es mit jm. aufnehmen; gegen etwas streiten.
a)
sich bewaffnet zur wehr setzen, widerstehen:
yr dreiszig in dem scharmitzel,
...
sy hieltent widerbarde
und nieme auf der farte
zugent sy haim zuͦ haus
(1519) hist. volkslieder 3, 260 Liliencron;
welchen dann ... etlich kriegszvolck im wiederstandt durch scharmuͤtzel begegnen vnd widerpart halten Fronsperger kriegsb. (1578) 1, H 6ᵃ; es ist ein braver mann, aber unschlüssig. er (Grimoni) hätte den Türken besser widerpart halten sollen (1832) Platen w. 2, 418 Hempel; mit wort und tat feuerte Ekkehard die genossen an, widerpart zu halten J. V. v. Scheffel ges. w. (1907) 2, 20.
b)
in zank und (bes. ehe-) streit (häufig bei Hans Sachs): wie es uns mit in (bösen weibern) ging, wer vil und lank von zu schreiben, was unfuhr si triben mit worten und werken. aber wir hilten in starken widerpart, lissen uns dennoch als gar nit erschrecken, wan wir hofften hilf (1525) chron. d. st. Bamberg 2, 187 Chroust;
wo sie (dein weib) dir noch helt widerpart,
so magstus straffen mit der zeyt
Hans Sachs 9, 119 lit. ver.;
ein trotzig weib zu aller fahrt,
ihren mann für schleg helt widerpart
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Y 6ᵇ;
ob sie gleich immer streng und mürrisch blieb, alles tadelte und besser wissen wollte, so hielt ihr doch das dienstmädchen nie widerpart Musäus volksmärchen d. Deutschen 4, 49 Hempel.
c)
im bereich religiöser, geistiger und gesellschaftlicher auseinandersetzung: dogegen (gegen die äuszerungen herzog Georgs v. Sachsen über Luther) ich seinen fl. g. widerpart hilde, szo vill in meinem vorstehen was (1522) Planitz berichte 60 Wülcker; als ich des printzen starcke einbildung merckte, erkandte ich meinen fehler, dass man solchen herren nicht allzu sehr widerpart halten soll Ziegler asiat. Banise (1689) 183; er ergreift jede gelegenheit, übels gegen mich vom grafen zu reden: ich halte, wie natürlich, widerpart, und dadurch wird die sache nur schlimmer Göthe I 19, 92 W.; unser herrgott hält ihm (dem teufel) widerpart L. v. François Reckenburgerin (1871) 1, 30; dem adel und seinen ideen den widerpart zu halten war dieser dritte stand noch nicht fähig Marcks Wilhelm I. ³18. mit unpersönl. subjekt:
aber die sündige natur,
fleisch unde blut nach böser art
dem geist helt alzeit widerpart
Hans Sachs 1, 355 lit. ver.; 3, 337 u. ö.
häufig im sinne 'sich als ebenbürtig erweisen': gelehrte Juden nehmt wie andere gelehrte auf und stoszt euch an etwaiger arroganz dann nur, wenn ihr die kenntnisse besitzt, ihnen widerpart zu halten Gutzkow ges. w. (1872) 5, 235; die damen des hofes bemerkten mit vergnügen, dasz er dem cardinal von Lothringen in scherz und ernst die widerpart zu halten wuszte Ranke s. w. (1867) 8, 166; in der musik konnte ich ihr nicht widerpart halten, denn wir bedauernswerten Buddenbrooks wissen allzu wenig davon Th. Mann Buddenbrooks (1901) 1, 365.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1132, Z. 72.

widerpart, widerparte, m., f., n.

widerpart(e), m., f., n.,
gegenpartei, -teil; gegner; feindschaft. vgl. unten widerpartei, das jüngere gegenpart teil 4, 1, 2, sp. 2248 und gegenteil ebda 2271. mhd. widerpart, mnd. wedderpart(e), mnl. wederpart Verwijs- Verdam 9, 1948; aus dem mnd. ins dän. und schwed. entlehnt: vederpart, s. ordb. over d. danske sprog 26, 760. das seit der 2. hälfte des 13. jhs. bezeugte wort ist hybride zs. von wider 'gegen' und dem aus dem frz. entlehnten parte 'abteilung, partei', s. Suolahti d. frz. einflusz (1929) 177 und 305. neben der kollektiven bedeutung 'gegenpartei' steht schon in einigen der frühesten belege die verwendung für den einzelnen gegner (s. unten 2), eindeutig: jüng. Titurel 2206, 1 Hahn, Lohengrin 1614 Rückert, passional 166ᵃ Köpke; als plur. widerparten buch d. Maccabäer 6891 Helm. häufig ist jedoch der sing. f. 'gegnerische partei' vom plur. m. 'feinde' nicht zu scheiden. die unsicherheit im genus ist bedingt durch die verschiedenen verwendungen des wortes und wohl auch durch einwirkung der synonyma gegenseite, gegenteil. widerpart ist vorwiegend fem. in der bedeutung 'gegnerische gruppe', mask. als bezeichnung für den einzelnen gegner und häufig neutr. in abstrakter verwendung. lexikalisch seit dem 15. jh. vereinzelt, regelmäszig seit dem 16. jh.: wederpart adversarius; wederpart houden opponere; tegen die wederpart to halden distinere; wederpart wesen attaminare v. d. Schueren teuthonista 488ᵇ Verdam; aduersarius ein wederpart gemma gemm. (Magdeburg 1495) b 2ᵃ; diuersa pars die widerpart Frisius dict. (1556) 435ᵃ; widerpart (die) widersächer in eim grichtshandel, aduersarius, diuersa pars uel aduersa Maaler teutsch spr. (1561) 496ᵇ; widerparth, widersacher partie aduersaire Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 410ᵇ; gegenpart, widerpart pars adversa, antagonista, adversarius Stieler stammb. (1691) 1412; widerpart, m. parte auversa, contraria, auversario (adversario) Kramer t.-ital. 2 (1702) 1342ᵇ. fast durchweg ist das wort (bes. in der wendung widerpart halten) in die maa. eingedrungen, s. Fischer schwäb. 6, 787; schweiz. id. 4, 1618; widerpaͦrt leist'n widerreden Hügel Wien 189ᵃ; widderbart holte widersprechen Askenasy Frankfurt 214; widerpart, m., widerrede, widerspruch Ruckert unterfränk. ma. 196; 'des wirrerwaͦard hâłn, gleichbedeutend mit wirrerbaͦard streitend entgegenreden' Crecelius oberhess. 912; wiᵉrpart m. gegner Bauer-Collitz Waldeck 113ᵃ; der widerpart gegner Schmitz Eifel 1, 233ᵃ; widerpart widerstand (leisten?) Müller-Fraureuth obersächs. 2, 663ᵃ; wedderpart idem quod tägenpart Stürenburg ostfries. 327ᵃ; wëderpârt hûil'e opposition machen Jensen nordfries. 683; weddərpārt, n. widersacher Schmidt-Petersen nordfries. 160ᵇ; wedderpart holen 'widerstand leisten, gegenströmig sein'; he (dat) is mi en wedderpart 'unsympathisch, widerwärtig' Mensing schlesw.-holst. 5, 563; wedderpart gegenpartei, feind Mi Mecklenburg 105ᵇ.
1)
im anschlusz an part(e) 2 teil 7, sp. 1466 bezeichnet widerpart (f., vereinzelt m.) eine gegnerische, feindliche gruppe von personen.
a)
die gegenseite im kampf, das feindliche heer:
sî muosen werden sigelôs.
ir widerparte was sô grôz
daz ir kraft wênic iht vervienc
Reinfrid v. Braunschweig 25 104 Bartsch;
es ist aber desz Sventopelci tod den unserenn nicht ein kleine fürderung zuͦ dem sig gewesenn, wellicher auch der widerparth jr hertz hingenommen Pantaleon mitnächtische völkeren hist. (1562) 1, 139; also ward die statt ingenommen, die widerpart floch ein teil zun thoren hinuss Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 162; für die groͤsse des geistes war die erste gelegenheit sich zu weisen, auf einem zuge gegen die feinde ..., in einem treffen gegen den widerpart Abbt verm. w. (1768) 1, 28.
b)
gegenpartei in einem rechtshandel: Ferber ... wolte zur ehe ... eines alten vnd reichen rahtmans (Pillemans) einige tochter, gab fuͤr, sie hette es jhm ... gelobet ... Ferber zog gen Rom, brachte seine widerpart Pillemans in bann vnd zum thor hinaus Hennenberger erclerung d. pr. landtaffel (1595) 89; (ich) habe zwar eine starke widerpart gehabt, da denn die sachen einen ganzen tag disputiret sind worden, und hat der von Zettritz 4 doctores bei sich gehabt Schweinichen denkwürd. 478 Öst.
c)
in meinungsstreit und politischer auseinandersetzung: sunderlich wann sie ... (zu des papstes) widerparth sich verbunden hant (1409) Frankf. reichscorresp. 1, 141 Janssen; wann ewere (der päpstlichen herren) widerpart nicht mehr noch weiters reden muͤst, dann ir inen zuͦlassen wuͤrdent, hettent ir ein gewuͤnschte sach. aber nun stehets darauff, das eine part die andere will zuͦ ketzern machen, und solchs alles beweisen (1544) Sleidanus reden 111 Böhmer; einige von der widerpart finden darin heimliches gift J. v. Müller s. w. (1810) 5, 82.
2)
im unterschied zu 1, jedoch infolge fehlender pluralendungen nicht immer davon zu trennen, der einzelne gegner, feind. das fem. wird beim übergang vom kollektivum zur bezeichnung eines einzelnen durch das maskulinum verdrängt.
a)
feind, gegner in kampf und politischer auseinandersetzung:
Friderîch der wânte manegen man
im ze dienste gewissen unde bereiten hân,
der sich von disen maeren nû verwandelt
und ouch sîn widerparte wart:
doch sô brâht er mit im manegen ûf die vart
Lohengrin 1614 Rückert;
aber irre widerparten
die sich kegen en hie scharten,
der riten was unmazen vil,
wand en niht ist gesetzet zil
buch d. Maccabäer 6891 Helm;
der von Braunschweigk hatte in der lunen burgischen heyde drey man, da der widerpart kaum einen hatte (1542) bei Luther tischr. 5, 133 W.; Savanorela sahe wol, wie die verjagten Mediceer von Florentz, so steiff vber dem babst hielten, derhalben schlug er sich zu jhren widerpart Rätel Curaei chron. (1607) 221. im (ritterlichen) zweikampf: wann du gegen deinem feind anlauffest ... unnd ein jeder seines widerparten pferd in der lincken brust suchet Wallhausen kriegskunst zu pferdt (1616) 10; Titus Manlius Torqvatus hat von seinem obsieg wenig ehre, weil sein widerpart eine verkleidete ungewaffnete weibsperson ist Lohenstein Arminius (1689) 2, anm. 6ᵃ; er (oberst v. Bredow, der wegen eines duells verabschiedet wurde) dürffte dennoch seine satisfaction an seinem wiederpart suchen (1714) Berliner geschrieb. zeitungen 6 Friedl.
b)
häufig für den gegner in einem rechtshandel: sein widerpart ward es gewar, das sein widerteil dem richter geschenckt hat, da schenckt er im zwei pferd für die wagen Pauli schimpf u. ernst 91 lit. ver.;
in dem tratt für mein widerbart (vor gericht)
Hans Sachs 7, 249 lit. ver.;
darauf dann Troll sich recht gegen seinen widerparth uͤberstellete und zu demselben also sprach ... mein freund, du bist klaͤger, so must du auch dem ersten litem contestiren Happel akad. roman (1690) 117;
ich kenn' ihn wohl. er ist mein widerpart,
der um ein altes erbstück mit mir rechtet.
— herr Reding, wir sind feinde vor gericht,
hier sind wir einig
Schiller 14, 321 G.
c)
im religiösen, politischen und wissenschaftlichen meinungsstreit:
Ignacius der bischof
ist mit grozer hochvart
gegen uns gar ein widerpart
mit sime gelouben, den er hat
passional 166ᵃ Köpke;
aus solchem bekentnis und zeugnis unsers widderparts haben wir, das wir nicht ketzer sein können, weil wir die schrift haben, gleuben und bekennen (1545) Luther 54, 288 W.; er ist ein tapfferer soldat in disputiren, doch ist er so gnaͤdig darbey, ... und so barmhertzig, dasz er offtmahls seinen widerpart aus discretion gewinnen lässet Weise polit. redner (1677) 68; diese (meine) ausführungen (über die vereinsgesetze der arbeiterbildungsvereine) riefen meinen Leipziger widerpart Bitter auf die tribüne Bebel aus m. leben (1946) 1, 83.
d)
allgemein 'persönlicher feind, widersacher': wie offt lobt eyn freund dem andern, das eyn offentlich laster ist ... aber seynem feynd und widerpart thut er das widerspiel (1522) Luther 10, 1, 2, 179 W.; die feindschafft ist bey vielen leuten so grosz, dasz, wenn sie über ihren widerpart gleich solten hinweg fallen, sie doch, wie stumme hunde, da liegen Schuster christerbaul. sendschreiben (1742) 454;
musz jeder, der nur reines herzens ist,
wär's auch mein widerpart, es nicht bekennen?
Z. Werner Luther (1807) 225.
in religiöser vorstellung:
lasz unsz jungfraw, dan nit verderben
noch fallen in die hende unser widerpart,
durch den herben und pitern dot
deines kindes lasz unsz genad dort finden
Folz meisterlieder 13, 144 Mayer.
e)
in selten bezeugten verwendungen mit z. t. stärkerer betonung der partnerschaft und abschwächung des begriffes der feindlichkeit. gegner in der wette: (er) sprach zuo synem widerpart: leg usz vor menglichem unser gewett, das wir mit ainander gethon haben (inquit federario, ut in publico federa exponeret) Steinhöwel Äsop 59 lit. ver. im spiel: wir spiel'n, erst um die zech', aber ich hab' mein' widerpart gleich d'erkannt Anzengruber ges. w. (1890) 4, 105. 'gegenspieler': und so wären wir wieder glücklich bei herrn Publikus als widerpart des künstlers Schlosser präludien (1927) 235. 'widersacher': als habe der himmel durch intervention der dame in Lourdes zuviel des guten getan, scheint der höllische widerpart den begreiflichen wunsch zu empfinden, nun auch ein wenig zur geltung kommen zu dürfen Werfel Bernadette (1948) 268. ohne feindlichen nebensinn: vgl. Stürenburg s. v. tägenpart (wedderpart s. 327ᵃ idem quod tägenpart): 'der eng verbundene genosse, z. b. das zweite thier eines gespannes, der zwillingsbruder, ehegatte etc.' ostfries. 275ᵃ. 'liebespartner':
ist es möglich! stern der sterne.
drück ich wieder dich ans herz!
...
ja du bist es! meiner freuden
süszer, lieber widerpart
Göthe I 6, 188 W.
3)
im bereich des sachlichen, nichtpersönlichen.
a)
noch mit der vorstellung 'feindlich gerichtet gegen', eine sache ist der feind, das gegensätzliche prinzip einer andern:
die geiticheit ist ain widerpart
gen der milte nach dem wart,
als Tulius spricht in seiner sum
Vintler pluemen d. tugent 2120 Zingerle u. ö.;
jeglichs ding sein sondere widerpart hat, darvor es sich scheucht und fleucht, als das liecht hat zu solcher widerpart die finsternis, das suͤss das saur bei Fischer schwäb. 6, 787; wann es (das feuer) sein widerpart entpfint, das ist wasser, so würt es von im gesterckt vnd brint dester geher Keisersberg brösamlin (1517) 2, 33ᵇ.
b)
gegenüber a nur noch das (meist extreme) gegenteil einer sache:
wenn er (Dyonisi) aim versagen wolt etwas
umb ain clain ding, darumb er gepeten wart,
so het er geleich die widerpart,
die da Alexander an im het
Vintler pluemen d. tugent 2083 Zingerle;
muosz er des(s)elben geliebten dings emperen vnd dafür das widerpart haben, alszdenn ist er in layd vnd smertz Berthold v. Chiemsee theologey 330 Reithm. u. ö.; daraus wir sehen, wie sich die narren, die yhren tandt draus wollen grunden, eben auff das widderpart setzen und auff eyn sand grunden Luther 12, 552 W.; das böse wetter von Zollern hatte eine frau, die der widerpart von ihm und so mild und freundlich war wie ein maitag W. Hauff s. w. (1890) 4, 200; unser jahrhundert (ist) überall in seinen sympathien und antipathien der widerpart des vorigen Justi Winckelmann (1866) 1, 373; dasz sie (die protest. kirchenbaukunst) immer dem klassizismus, also dem widerpart des irrationellen barocks zuneigte Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 278.
4)
von den bedeutungen 'feind' (2 a) und 'gegenseite im kampf' (1 a) gehen aus
a)
spätmhd. in selten bezeugten verwendungen 'gegensatz, gegnerschaft, widerstreit', öfter bei Folz:
wie wol das drey
persan in got
sint und ist not,
solten sie dreyerley
willes, weses, art und substancz
nach den persanen sein geteillt,
so wer do ewig widerpart:
eine mecht wunt, die ander heillt
meisterlieder 29, 26 Mayer;
zwai wirtlütt mit veraintem sin,
die nicht hetten zwischen in
kain irrung, krieg und widerpart
Heinrich Kaufringer ged. 101 lit. ver.
streit, kampf der tageszeiten:
den sturm erhort ain freulin zart,
...
si sprach: ich hör die widerpart,
der tag die nacht mit schein bekart
Oswald v. Wolkenstein 6, 19 Schatz.
b)
'rebellion', vorwiegend schwäb.-alem. belege, nur frühnhd.:
das (streben nach besitz) schafft gittikait und hoffart,
das dovon kompt grosz widerpart
und land und lüt verderben,
fründ umb fründ ersterbent
des teufels netz 7425 lit. ver.;
als nun ain rath sach und erkannt das grosz murmeln und widerpart under dem volk, das was ainem erbern rat laid (1466) städtechron. 5, 52; also satzten sich die Behem und ward die romor und die widerpart ie lenger ie grösser ebda 88; (Nürnberg) wer ein stark wer ... wider alle aufleuf, umbschlagen oder widerparten, die sich entheben möchten in Thuringen (1488) ebda 3, 45.
c)
'widerwärtigkeit, ungemach':
o wê der widerparte,
o wê dem armen senden!
ez lît drîfaldig harte
svem ungelücke solchen lust kan wenden
Hadamar v. Laber jagd 149 Schmeller;
denn je die thier in ihrer art
mehr gnüg' und minder widerpart
haben in dem, was gott beschert,
wo 's ihnen nur der mensch nicht wehrt
(nach Andreä) bei Herder 15, 236 S.;
ich hielt mir immer vor, dasz den gröszten widerpart im leben die menschen sich selber machen, weil sie satzungen und einrichtungen halten, die sich der menschlichen entwicklung fortwährend streitlustig entgegenstellen Rosegger schr. (1895) I 5, 245. archaisierend: do ich viel widerpart und schmach erfahrn Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 366.
d)
in neuerer zeit entwickelt sich (vielleicht verkürzt aus widerpart halten) die bedeutung 'widerrede, widerstand'; 'mod. unberufene, widersprechende gegenrede' Fischer schwäb. 6, 787; widerpart, m., widerrede, widerspruch Ruckert unterfränk. 196:
dass sie, ohn allen widerpart,
das g'sänglein: leider Eberhard,
nach unserm sinn gesungen
Ditfurth volksl. d. bayer. heeres (1871) 24;
auf's widerpart richtest du dich ein! na, das kunnt' ein hubsches zweigespann geben. geh', du hast mich nicht lieb! Rosegger schr. (1895) II 9, 365.
5)
in verbindung mit halten wird widerpart stehende wendung, die seit dem 15. jh. durchgehend bezeugt ist und in neuester zeit den geläufigsten gebrauch des wortes darstellt. eigentlich 'die gegenseite (aufrecht) halten'. vereinzelt widerpart tun: 'wenn ih deam uⁿfug koaⁿ widerpart thuaⁿ entgegentreten' Fischer schwäb. 6, 787; vgl. das im 16. jh. belegte stand tun gegenüber stand halten seit dem 17. jh., s. teil 10, 2, 1, sp. 685. mundartl. gelegentlich auch widerpart leisten Hügel Wien 189ᵃ. unsicherheit im genus zeigt sich auch hier. während die wendung zunächst ohne artikel gebraucht wird, finden sich im 16./17. jh. belege für das fem. und neutr.: man helt ettwan die widerpart (1604) Fischer schwäb. 6, 787;
Hans Widerporst is jgelischer art,
helt jederman das widerpart
Lehmann floril. polit. (1662) 2, 910.
vereinzelt steht der unbest. art.: über solche antwort hielt Lucas Geizkofler seinem wirt ... eine starke widerpart Geizkofler selbstbiogr. 36 Wolf. auffallend ist der gebrauch im 19. jh. Ranke verwendet den fem. art.: noch einmal nahmen die churfürsten es auf sich, ihm die widerpart zu halten s. w. (1867) 1, 98; ähnlich 37, 102; 40, 109; Riehl hat fem.: gesch. v. Eisele u. Beisele (1848) 35 neben mask.: naturgesch. (1851) 2, 286; Gutzkow ges. w. (1872) 7, 306 und Scherer litteraturgesch. ⁷196 gebrauchen das mask. meist steht widerpart halten mit dat. d. person (wohl nur vereinzelt mit gen.: Flacius, der ... Melanchthons widerpart gehalten hatte Ranke s. w. 7 [1868] 56); gelegentlich mit etwas widerpart halten 'in feindschaft leben mit': Christus aber helt mit der welt widerpart vnd bleibt ewig jr widerfuͦg S. Franck sprüchw. (1541) 2, 210ᵇ. widerstand leisten; aufsässig, gegensätzlicher meinung sein, es mit jm. aufnehmen; gegen etwas streiten.
a)
sich bewaffnet zur wehr setzen, widerstehen:
yr dreiszig in dem scharmitzel,
...
sy hieltent widerbarde
und nieme auf der farte
zugent sy haim zuͦ haus
(1519) hist. volkslieder 3, 260 Liliencron;
welchen dann ... etlich kriegszvolck im wiederstandt durch scharmuͤtzel begegnen vnd widerpart halten Fronsperger kriegsb. (1578) 1, H 6ᵃ; es ist ein braver mann, aber unschlüssig. er (Grimoni) hätte den Türken besser widerpart halten sollen (1832) Platen w. 2, 418 Hempel; mit wort und tat feuerte Ekkehard die genossen an, widerpart zu halten J. V. v. Scheffel ges. w. (1907) 2, 20.
b)
in zank und (bes. ehe-) streit (häufig bei Hans Sachs): wie es uns mit in (bösen weibern) ging, wer vil und lank von zu schreiben, was unfuhr si triben mit worten und werken. aber wir hilten in starken widerpart, lissen uns dennoch als gar nit erschrecken, wan wir hofften hilf (1525) chron. d. st. Bamberg 2, 187 Chroust;
wo sie (dein weib) dir noch helt widerpart,
so magstus straffen mit der zeyt
Hans Sachs 9, 119 lit. ver.;
ein trotzig weib zu aller fahrt,
ihren mann für schleg helt widerpart
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Y 6ᵇ;
ob sie gleich immer streng und mürrisch blieb, alles tadelte und besser wissen wollte, so hielt ihr doch das dienstmädchen nie widerpart Musäus volksmärchen d. Deutschen 4, 49 Hempel.
c)
im bereich religiöser, geistiger und gesellschaftlicher auseinandersetzung: dogegen (gegen die äuszerungen herzog Georgs v. Sachsen über Luther) ich seinen fl. g. widerpart hilde, szo vill in meinem vorstehen was (1522) Planitz berichte 60 Wülcker; als ich des printzen starcke einbildung merckte, erkandte ich meinen fehler, dass man solchen herren nicht allzu sehr widerpart halten soll Ziegler asiat. Banise (1689) 183; er ergreift jede gelegenheit, übels gegen mich vom grafen zu reden: ich halte, wie natürlich, widerpart, und dadurch wird die sache nur schlimmer Göthe I 19, 92 W.; unser herrgott hält ihm (dem teufel) widerpart L. v. François Reckenburgerin (1871) 1, 30; dem adel und seinen ideen den widerpart zu halten war dieser dritte stand noch nicht fähig Marcks Wilhelm I. ³18. mit unpersönl. subjekt:
aber die sündige natur,
fleisch unde blut nach böser art
dem geist helt alzeit widerpart
Hans Sachs 1, 355 lit. ver.; 3, 337 u. ö.
häufig im sinne 'sich als ebenbürtig erweisen': gelehrte Juden nehmt wie andere gelehrte auf und stoszt euch an etwaiger arroganz dann nur, wenn ihr die kenntnisse besitzt, ihnen widerpart zu halten Gutzkow ges. w. (1872) 5, 235; die damen des hofes bemerkten mit vergnügen, dasz er dem cardinal von Lothringen in scherz und ernst die widerpart zu halten wuszte Ranke s. w. (1867) 8, 166; in der musik konnte ich ihr nicht widerpart halten, denn wir bedauernswerten Buddenbrooks wissen allzu wenig davon Th. Mann Buddenbrooks (1901) 1, 365.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1132, Z. 72.

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Zitationshilfe
„widerparte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerparte>.

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