Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerrist, m., n., (f.)

widerrist, m., n. (f.),

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das schultergelenk, der erhabene teil zwischen hals und rücken, bes. beim pferd; s. das gleichbedeutende rist 3 teil 8, sp. 1044, ferner gerüst 9, teil 4, 1, 2, sp. 3780, vorgerüst teil 12, 2, sp. 1103 und ob. sp. 1056 widerhorst. — das wort ist hd. seit dem ende des 16. jhs. gut belegt, musz aber schon frühdt. geläufig gewesen sein: langob. widarrist ˃ altit. guidaresco, it. guidalesco druckstelle am widerrist der pferde Meyer-Lübke rom. etym. wb. 9531. zu vgl. ist das ebenfalls seit dem 16. jh. bezeugte engl. wither(s) s. Murray 10, 2, 220. aus dem hd. wurde widerrist ins dän. und norw. als vider(r)ist (-ris) entlehnt, ohne das synonyme manke zu verdrängen, s. ordb. over d. danske spr. 26, 1381. häufiger und mannigfacher als beim simplex (risz neben rist) sind die nebenformen des kompositums. im 18. u. 19. jh. verbreitet, bes. fachsprachlich, widerrisz Hohberg georg. cur. 3 (1715) 2, 75, Behlen forst- u. jagdkde (1840) 392, Scherenberg ged. (⁴1869) 82; auffallend (wohl volksetymol. anknüpfend an rosz) ist die form widerrosz Pinter pferdschatz (1688) 416, Vieth encykl. d. leibesüb. (1793) 2, 536, neben widerrüsz u. - risz ebda 535, widerrosz, -risz, -rüst Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 645, die bis ins 19. jh. öfter belegt ist (s. u.). das jetzt schriftsprachlich allein gültige widerrist kommt erst im 19. jh. neben älterem widerrüst (zufrühest Seutter s. unten) auf. mundartl. mit z. t. abweichenden bedeutungen: 'fuszrücken', schweiz. id. 6, 1511; widerrist (des pferdes) ebda 1512; Fischer schwäb. 6, 789; wîderîs wendung des haarstrichs beim vieh; widerrist Schatz wb. d. tirol. maa. 703; wedderrist, -rüss Mensing schlesw.-holst. 5, 563. lexikalisch vereinzelt im 16./17. jh. (nicht bei Stieler u. Kramer, dann erst bei Schwan u. Adelung): pars ... colli (des pferdes) ..., quam Germani vocant widerrus Faber thes. (1587) 997ᵃ; le garrot, le haut des espaules du cheval der bug, die wiederrust Duez nomencl. (1652) 174. das wort ist zunächst nur und auch späterhin vorwiegend fachsprachlich bezeugt; meist vom widerrist des pferdes, aber auch anderer (haus-)tiere: streich solches dem gaul auf die nieren forne übers wider-rosz und hinten aber das gantze creutz damit an Pinter pferdschatz (1688) 416; der wider-risz (beim pferde) faͤnget da an, wo die moͤhnen aufhoͤren und fuͤget die zwey schultern oben zusammen Hohberg georg. cur. 3 (1715) 2, 75ᵇ; nimb dem hund auf dem widerrisz har (1778) bei Schmeller-Fr. 2, 148; der fremde legte die hand auf den widerrist des pferdes und sprang wuchtig in den sitz G. Freytag ges. w. 8 (1887) 7; (Alpin) springt dem ungeheuer (einem in freier wildbahn lebenden stier) auf den rücken, auf den höckerartigen wulst des widerristes Vischer auch einer (⁵1891) 1, 239. häufig entstehen druckschäden (durch den sattel) oder andere verletzungen am widerrist (vgl. widerristschaden, -fistel): ist das ross getruckt auff dem widerrüst ..., so nimb einen wasen Seutter hippiatria (1599) 418; (der scharlach) lauffet zuweilen oben an dem widerrisz oder vorgerüst auf, ob wäre das pferd vom sattel gedruckt worden (1739) in: Alemannia 5, 151; steck' ein bischen werg unter den (sattel-)knopf. das arme vieh hat sich am widerrisz gedruckt (the poor jade is wrung in the withers) Shakespeare 6 (1800) 41. die äuszere gestalt des widerrists dient zur bestimmung (der leistungsfähigkeit) einer tierrasse: der wiederrist der pferde soll etwas schneidend erhaben und ziemlich lang seyn, welches ein starkes und gutes pferd anzeigt Jacobsson technol. wb. 8 (1795) 197ᵃ; kopf, hals und widerrist haben mir durchaus keine anhaltspunkte gegeben, um einen einheitlichen charakter dieser thiere (verwilderter pferde) herauszufinden Brehm tierl. 3, 9 P.-L.; von bedeutung ist ein breiter widerrist beim rinde für fleischviehrassen und ein hoher und dabei langer widerrist bei pferden, namentlich für reitpferde d. gr. Brockhaus 20 (¹⁵1935) 290ᵇ. am widerrist wird die höhe der tiere gemessen (vgl. widerristhöhe): das höhenmasz des ochsen vom vorderfusse bis zum wiederriss ... gibt eine sehr unzuverlässige schätzung derselben ab Thaer landwirtsch. (1809) 1, 121; (von dem) löwen, dessen höhe am widerriste 80—100 cm ... beträgt Brehm tierl. 1, 444 P.-L.; ich habe ... 5 elenn erlegt, darunter einen sehr starken hirsch, der nach gradem ... masz, bis zum widerrist 6 fusz 8 zoll hoch war Bismarck br. an s. braut u. gattin (1900) 388. — dazu als zss.:
widerristfistel f.:
'eine meist durch satteldruck verursachte, tiefgehende eiterung mit fistelbildung am widerrist des pferdes' d. gr. Brockhaus 20 (¹⁵1935) 290ᵇ;
widerristhöhe f.:
welches (wildpferd) eine widerristhöhe von etwa 150—155 cm gehabt hat Nehring tundren u. steppen (1890) 188; für die ... grösze ist am charakteristischsten die widerristhöhe Henseler messungen an zuchtpferden (1931) 20;
widerristschaden m.:
durch welche behandlung du auch die veraltetsten und bösartigsten widerriszschäden, sattel- und kummt-drücke in kurzer zeit zur heilung bringen wirst
Thomas allg. vieharzneib. 1 (1853) 34;
widerristwolle f.:
sehr wichtig ist auch eine betrachtung der abweichungen der wolle an den verschiedenen körpertheilen eines schafes ... nackenwolle, widerrüstwolle, rückenwolle
Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 48.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1152, Z. 27.

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Zitationshilfe
„widerristschaden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerristschaden>.

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