Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerruflich, adj.

widerruflich, adj.,
was auf widerruf gültigkeit hat. fast nur rechtssprachlich gebraucht. adverbial wird in jüngerer sprache auf widerruf (s. d. 3 e) bevorzugt; vgl. dagegen das schon mhd. bezeugte und insgesamt häufigere unwiderruflich teil 11, 3, sp. 2203f.lexikalisch seit dem 15. jh. vereinzelt, später wiederholt (für revocabilis) gebucht: irreuocabilis nit widerrufflich (15. jh., md.) Diefenbach gl. 309ᶜ; wederroepelijc revocabilis G. v. d. Schueren teuth. 488 Verdam; widerruͤfflich Frisius dict. (1556) 1160; Calepinus undec. ling. (1598) 1267ᵃ; (nicht bei Stieler); wider-rufflich rivocabile Kramer t.-ital. 2 (1702) 382ᶜ; wiederrufflich Steinbach dt. wb. (1734) 2, 309. literarisch erst häufiger in der fachsprache des 19. jhs.: zuͦm andern, dasz ich den schirm, so dasz gottshausz Kaisham vor 3 jaren bey den fursten widerrueflich hat angenomen, solt ... auf 25 jar unwiderrueflich erstrecken (1531) Knebel chron. v. Kaisheim 504 lit. ver. u. ö.; ein testament ist allzeit widerrufflich, so lang der testator noch im leben Kramer t.-ital. 2 (1702) 382ᶜ; alle schenkungen ... ein- für allemal widerruflich machen (1768) Möser s. w. 1, 202 Abeken; in einem gesetz von Carl dem Groszen (wird) ... jede widerrufliche verfügung über den künftigen nachlasz für ungültig erklärt Savigny röm. recht (1815) 2, 207; das urtheil des censors ... ist widerruflich Jhering geist d. röm. rechts (1852) 2, 53; eine widerrufliche vollmacht bot bei Karls charakter in der that keine gewähr für dauernden frieden Treitschke dt. gesch. im 19. jh. (1897) 4, 107; die bestellung ist jederzeit widerruflich BGB § 27 abs. 2. nur selten auszerhalb des rechtssprachl. bereiches:
wer der unsterblichen einen, wofern der gott es nicht selber
waͤhlet, erblickt, dem kommt theuer das schauen zu stehn.
herrliches weib, was geschah, nicht wiederruflicher art ist's
A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 137;
das eben ist der fluch der macht, dasz sich
dem willen, dem leicht widerruflichen,
ein arm gleich beut, der fest unwiderruflich
die tat ankettet
H. v. Kleist w. 1, 109 E. Schmidt.
dazu widerruflichkeit, f.: durch den grundsatz der freien widerruflichkeit (des testamentes) Jhering geist d. röm. rechts (1852) 3, 1, 157; widerruflichkeit der verleihung J. Grimm dt. rechtsalterth. ⁴2, 92.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1159, Z. 16.

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Zitationshilfe
„widerruflich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerruflich>.

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