Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widersatz, m.

widersatz, m.,
mhd. widersaz, daneben selteneres widersaze, stf., swm. s. Lexer 4, 852 f., mnd. weddersate (auch f., 'ersatz') Schiller-Lübben 5, 633ᵇ, mnl. wedersate Verwijs-Verdam 9, 1957. das im mhd. seit dem 12. jh. verbreitet bezeugte wort wird frühnhd. ungebräuchlich und ist nach 1600 nur noch vereinzelt belegt; an seine stelle treten (in den bedeutungen 1—4) widerstand; -spenstigkeit; -sacher; gegensatz s. teil 4, 1, 2, sp. 2253f. die von Campe 5 (1811) 702ᵃ aufgeführten bedeutungen ('handlung, da man sich widersetzt'; 'antithesis') sind für seine zeit kaum zu belegen. auch den maa. so gut wie unbekannt; nur in älteren nd. wbb. gebucht: weddersate widersetzlichkeit brem.-nds. wb. 4, 774; weddersaten feinde Dähnert plattdt. wb. 542ᵇ; hist. belege bei Fischer 6, 791; schweiz. id. 7, 1564. lexikalisch: Frisius (s. u.); widersatz opposta, opposto, antitese vel gegensatz Kramer t.-ital. 2 (1702) 788ᵇ (nicht bei Stieler u. Adelung).
1)
'widerstand, hinderung, gegenwehr' in gewaltsamer, seltener in geistiger auseinandersetzung; häufig in der adverbialen fügung ohne widersatz:
und dî wîle sî den ort
wertin, dô sach man aldort
brechin în daz hindre her
ân allis widirsatzis wer
Nicolaus v. Jeroschin kronike v. Pruzinlant 8754 Strehlke;
dannan furent sü gen Northus und verbrantent daz dorf ... war sie koment, do schuͦfent sü alles daʒ sü woltent on allen widersatz (1362) städtechron. 8, 85; vnd ir settigung dienet zuͦ schwechung nützlichs regiments vnd zuͦ widersatz der verkündung christlicher lere Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 73 ndr.; ob ihn der obermeister bey der buse hiesse stillschweigen, so soll er dasselbige ohne wiedersatz thun (1675) Adrian Beier de collegiis opificum (1727) 523. widersatz tun 'widerstand leisten': wer es das inen yemans harinne (den anweisungen der hauptleute während einer feuersbrunst) ungehorsam were oder inen eynichen widersatz dete (15. jh.) Straszb. zunftordn. 152 Brucker; den vom Elbogon ganzen widerstand und widersatz zu thune chron. d. st. Elbogen 142 Schlesinger. historisierend:
kein feind auf der welt thut mir widersatz,
auch ist nirgends vergeudet mein schatz
Rückert Firdusi 3, 239 Beyer.
2)
feindseligkeit, aufsässigkeit:
der undertânen widersaz
und der obersten widertraz
habent lant und liute hie vor verderbet
Hugo v. Trimberg d. renner 991 Ehrismann;
(ihr habt) berliches durehten und heimliches verraten und offenbaren widersatz. da ir den soͤltin han undertenikeit, da hant ir frâvel widerspenikeit Seuse dt. schr. 462 Bihlm.; praefracte hertigklich, vngnaͤdigklich, mit kyb vnd widersatz oder widerspan Frisius dict. (1556) 1040ᵃ. in einigen belegen kommt das wort der bed. 'aufstand, rebellion' nahe: dar quemen alle Sassen und geven sik in des koninges (Karls) gnade und antwerden dem koninge veirdusent ... Sassen, de der weddersate beginne weren: de leit de koning doden und in elende voren (um 1360) städtechron. 7, 28; darauff ward ... geantwortet, das dieser artickel in der vereinigung keines weges zu empoͤrung, auffrhur oder widersatz gemeinet oder angeordnet sey, sondern zur erhaltung jedermans gerechtigkeit Schütz hist. rer. Pruss. (1592) buch 5, A 5ᵃ.
3)
der (oder das) sich widersetzende; gegner, feind:
(bischof Nicolaus zum richter:)
eya, du vient der warheit,
und des rechten widersatz,
der umbe einen kleinen schatz
verterben woldes drie man
passional 15ᵃ Köpke;
koning Hinrik toch in Italien und dodede vele siner weddersaten (um 1360) städtechron. 7, 77; (Paulus) nennet die naturlich Aristotels kunst unchristlich, eyttele wortter, da nichts hynder ist, datzu eyn widersatz gegen Christo (1522) Luther 10, 1, 1, 569 W.
4)
das sachlich entgegengesetzte, gegensatz: diz (armut) ist ein gerichte widersatz wider rîchtum Hermann v. Fritzlar in: dt. mystiker 1, 220 Pf. in der sprache der astronomie 'entgegengesetzte stellung, opposition': der schein geprech ist alle zeit in dem vollen monen oder nahen da pei. und dar uͤmb, seit in etlichem widersatz, daz ist in igleichem volle monen, so der mon geleichs gegen der sunnen sitzt Konrad v. Megenberg dt. sphaera 43 Matthaei; so hat er (der mond) schickung, usz welchen er fürschreit, und darnach volkommen würt. als so er von der zuͦsammenfuͤgung, oder halben mon zuͦm gegensatz geet und voll würt und uff ander weisz, so er von dem widersatz gegen der zuͦsammenfuͤgung (konstellation) geet M. Herr schachtafelen d. gesunth. (1533) A 2ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1171, Z. 9.

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Zitationshilfe
„widersatz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widersatz>.

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